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Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 28. Mai 1913

Nummer 144

Fernsprecher 951 und 952.

ten-Fi im Gc

leifte auf, wenn vor zwei Dezennien von

F. H.

hoffen ...?

servativen nach einigem Sträuben Reichsvermögenssteuer zustimmen werden, daß deren Annahme kaum noch Zweifeln terliegt.

England abstatten werde. Die Flotte, die den Kaiser begleite, werde aus den besten deut» scheu Schiffen zusammengesetzt sein, und König Georg von England werde in Spithead an der Spitze eines britischen Geschwaders den Kaiser erwarten. ES werde erst eine Flottenrevue ab­gehalten werden und dann würden die Souve­räne nach London weitersahren.

nungsfreudig. Die Annahme der Wehrvor­lage im Plenum ist gesichert. Das Kom­promiß zwischen Zentrum und Nationallibe­ralen über die Einführung einer Reichsvermö- genssteuer wird wahrscheinlich am Donnerstag perfekt werden. Wie verlautet, ist jetzt auch im Bundesrat die Stimmung für diesen Plan günstig; selbst Sachsen hat seine Bedenken zu­rückgestellt. Man hofft, daß auch die Kon-

der so un-

scheinen. Unwillkürlich tauchten die Opered iguren des .Mikado" und derGeishett

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roätllg« flnfnate 25 Pf, Setlamejeil, für etnhetmtsch, GesPLft, « Pf, für auiroz^ig« Sefchäft, m Pf. Ptns-che Bellage« 'iir 6t« Stfamtauflage werd« mit 5 Mark proZaufeno de. rechnet Segen ihrer dichten Berbreltung in der iReitBem Mi» der Umgebung find die Taffeler Neueren Nachrichten ei» vorzügliches Jnsertionr-rgan. »eschüftsüeüe: »öln'.sch- strobe 5. 'Berliner Vertretung: SW, !sriedrtchktra»e 16. Telephon: Ami Moritzplatz 12584

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Mkerfrühlmg im Ästen?

Europa und dieGelbe Gefahr"; die Ver­breitung der gelben Raffe und ihre Ziele.

Depeschen aus Tokio zufolge macht die Besserung im Befinden des erkrankten Kaisers Zoshihito von Japan weitere Fortschritte und die Krise darf als überwunden gelte«. Vor dem Kaiserlichen Palats fanden gestern große Freuden-Kundgebungen der Bevölkerung statt, bei denen es abermals zu lebhaften Demo st ra« tionett gegen die Vereinigten Staaten kam. Dio Volksstimmung in ganz Japan war seit Jahren nicht -so kriegerisch als gegenwärtig, unddie Gefahr ernsterKomplikationen scheint in nächste Nähe gerückt zu sein.

Wenn unsere Vater heute versuchen wollten, sich das Japan vorzustellen, wie es einst in der Geographiestunde geschildert wurde, und mit diesem Bilde das heutige Jnselreich im Stillen Ozean vergleichen würden: Der Vergleich müßte selbst dem Gedächtnisschwachen beispiellos er«

Während die Kaiserjacht in stolzer Fahrt die Majestät zu des Nordlands felsigen Küsten trägt, gedenkt Herr von Bethmann Hollwez in der Einsamkeit von Hohenfinow traulicher Zwiesprache mit den im Wallothaus Maß­geblichen zu pflegen, um (wie's in der Amt­mann-Sprache heißt)Material zu einem Vortrag zu gewinnen, den der Herr Kanzler dem Träger der Krone nach der Heimkehr von der. Nordlandfahrt über die innerpolitische Situation zu halten gedenkt". Das heißt mit andern, das. Tatsächliche schärfer betonenden Worten: Herr von Bethmann plant, auch in der Ferienzeit emsig an den Fäden weiterzu­spinnen, deren Bindung ihm im Lenz so über­raschend schnell gelang, und er scheint entschlos­sen, cs nicht bei halber Arbeit bewenden zu lassen. Trägt das Zentrum der Regierung im Kampf um die Wehrvorlage Steine in den Weg: Schön; den Kanzler wird's nicht grämen. Herr Peter Spahn bleibt dann von Hohen­finow fern und wir sehen vielleicht Herrn Bas- sermann und Herrn Dr. Müller-Meiningen zur Sommerzeit an des Gutsherrn Tafel sitzen. In den letzten Julitagen kehrt der Kaiser vom Nordmeer heim und man darf die Hoffnung hegen, daß in der Stille von Hohenfinow bis dahin kluge Arbeit so weit gediehen sein wird, um die Bilanz nicht mehr fürchten zu müssen. Der Kamps um die Wehrvorlage hat das Ge­fechtsbild der Parteipolitik sichtlich verschoben, der Gegensatz zwischen Regierung und Zentrum tritt scharf in die Erscheinung und der Kanzler steht sich vorm Zwang grundsätzlicher Stellung­nahme zu der Frage:Spahn oder Basser- mann?" Dürfen wir von denTagen der Ro­sen" das Herausdämmern später Erkenntnis er-

Neue Kaiserfahrt nach England 1

Nach dem Berliner Fürstrn-RendezvonS.

London, 27. Mai. (Privat-Telc- 8ramm.) In englischen Marinekreisen wird behauptet, daß der Deutsche Kaiser wäh­rend des Monats Auguft eine« Besuch in

Ein Sieg des Kanzlers?

Wehrvorlage mit Reichs-Vermögenssteuer!

Berlin, 27. Mai. (Privat-T ele­tz r a m m.) Einige ReichStags-Fraktionen sind bereits für heute zu Sivungcn einberufen worden, um zu den Wehr» orlagen und ihren Deckungsvorscklägen Stellung zu nehmen. Tie Mitglieder der Budget-Kommission find betreffs der Erledigung dieser Fragen sehr hoff-

Sie Republik und ihr Heer.

Die militärische Demonstrations-Epidemie.

Die Zustände im französischcn Heer charak­terisieren sich nachgerade als regelrechte Anar­chie und die trotz der strengen Strafen fort­dauernden Demonstrationen der Truppen gegen die dreijährige Dienstzeit beweisen, welcher Geist in der Armee herrscht, aus deren Treue die französische Republik ihre Herrschaft grün­det. In Nancy wurden gestern zwanzig Sol­daten aus Toul eingeliefert, die wegen der Teilnahme an den Demonstrationen verkästet worden sind und nun in Nancy vor ein Kriegs­gericht gestellt werden sollen.

Die Armee ohne Disziplin!

(Privat-Telegramm.)

. Paris, 27. Mai.

Wie an jedem Tage in der letzten Woche, so werden auch heute wieder neue Zwischen­fälle aus verschiedenen Garnisonstädten ge­meldet. In Rennes, Toulouse, Lorrient und Luneville versuchten die Soldaten Kundgebun­gen zu veranstalten. Alle diese Demonstrationen waren aber nur geringfügiger Naiur, da die Militärbehörde sofort energisch einschritt und Verhaftungen vornehmen ließ. Weiter wird aus Ajaccio gemeldet: Ein auf Urlaub befindlicher Soldat sang gestern mit vier Zivi, listen die Internationale. Ein des We­ges kommender Leutnant wollte sich des Soldaten bemächtigen. Die Zivilisten stürzten sich aber auf ihn und zwangen den Offizier, den Soldaten frei zu lassen. Der Leutnant wollte dem fliehenden Soldaten folgen, als plötzlich einige Schüsse aus ihn abgegeben wurden, die ihn glücklicherweise aber nicht ver­letzten. Der Soldat und seine Komplizen sind entkommen. Die revolutionäre Partei hatte für gestern abend ein Meeting angesetzt, um gegen die Strafen, die die Militärbehörde über die Soldaten verhängt hat. die an den Kund­gebungen

gegen die dreijährige Dienstzeit tetlgenommen hatten, zn protestieren. Eine Anzahl Pdlizeiagenten in Zivil wohnten der Versammlung der Sozialisten bei. Kurz nach Beginn des Meetings wurde ein Agent von den Teilnehmern erkannt. Er wurde ver­höhnt und schließlich tätlich angegrif­fen. Man richtete ihn so Übel zu, daß er ins Hospital geschafft weiden mußte. Kurze Zeit darauf ereilte einen' anderen Polizeiagenten dasselbe Schicksal. Auch seine Uebersühmng ins Hospital war notwendig. Jetzt erst konnte die Versammlung in Ruhe durchgeführt wer­den. Nach heftigen Reden gegen die Regie­rung und gegen die Militärbehörde wurde eine Resolution angenommen. Der Schluß lautet: Rieder mit den drei Jahre n", Nieder mit dem Kriegsgericht", Nieder mit der Armee". Nach Schluß der Versammlung entstand in der Straße, Wo die Agenten auf die Demonstranten warteten, eine regelrechte Prügelei, bei der eine Anzahl Personen Verletzungen erlitten, ließet dreißig Verhaftungen wurden vorge­nommen.

Ei« Intermezzo im Gefängnis.

Weitere Depeschen aus Paris berichten uns: In der letzten Nacht bemerkte der vor dem Militärgefängnis in Lille stehend'.' Posten, daß fünf Personen das Dach des Ge- sänguisses entlang schlicken. Er schlug Alarm, und als der herbeigeeilte Wachthabende einen Revolverschuß in der Rickmng der fünf Flüchtlinge ab gab, schrien sic:Nicht schießen, wir wollen uns ergeben." Man Holte die Leute vom Dache herunter und stellte test, daß cs sich um fünf wegen der kürzlichen Meutereien in Untersuchungshaft gesetzte Soldaten han­delte. die zn entfliehen versuchten, indem sie die Decken ihrer Zellen durchbrachen.

COIerNkueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Japan die Rede wat. Es kam die Erstürmung Port Arthurs, die Uebcrflutung der europäi­schen Universitäten mit japanischen Studenten, die besonders in den Hauptstädten scharenweise die Hörsäle bevölkerten. In den illustrierten Journalen, die vordem höchstens niedliche Geishas mjt bunten Fächer« gebracht hatten, waren jetzt die Bilder von General Nogi und Marquis Ito vertraute Erscheinungen. Nach­dem deutsche Geschütz- und Luftschiff-Modelle Jahre hindurch im Osten verständnisvolle Nachahmung gefunden, die lernbegierige Ju­gend Japans alljährlich mit reichem Wissen be­schwert die Heimat wieder aufgefurfit hatte, fand kürzlich auch Goethe im Lande des Jtu- Jitsu gastliche Aufnahme. Der Weltreisende, der früher aus der japanischen Bühne Muskel­kraft und Gewandtheit als hervorstechendste Chataktetistira heimischer Kunstptoduttion be­wundert hat, kann jetzt GoetheSFaust" durch schlitzäugige Vertreter der gelben Rasse auf­geführt sehen. Als zu Beginn des 20. Jahrhun­derts die Heerscharen des MoskowiterreicheS zu Zehntausenden das Opfer japanischer Ge­schosse geworden waren, da überlief den frieb« licken Europäer ein gelindes Grauen: Man spürte jetzt deutlich, daß drüben

im Fernen Osten

urgewaltige Kräfte geschlummert hatten, ht einer Rasse, die vordem den heimatlichen Ahnenkult für das höchste Lebensgut gehalten hatte, unbeirrt von dem, was in Europa vor­ging. Europäische Politiker (und solche, die es fein wollten) rechneten jetzt auf dem Papier aus, zu welchem Zeitpunkte die geeinten Mil­lionen des Menschenreservoirs Indien-China unter Japans Führung die morsche Herrschaft des Abendlandes stürzen würden, eine zweite Hunnen-Invasion, die nur in der Bibel und in der Völkerwanderung ihresgleichen sändel (Für einen Attila würde schon gesorgt fein; man frage nur die russischen Generale Kuro« patkin und Stössel.) Der japanisch-chinesische Gegensatz hat sich bereits zusehends gemildert, die'Angehörigen der gelben Rasse spüren, daß sie vereint stärker sein werden als das ganze Europa. In Japan weiß man ganz genau, daß ein von Rußland bezwungenes China den damals mit unendlichen Opfern erzwun­genen Sieg über Rußland wieder illusorisch machen könnte. Es ist offenes Geheimnis, daß die Fäden der chinesischen Revolution nach Japan hinübersvielen, die Scheinregierung der abge­wirtschafteten Mandschu-Dvnastie war Ballast und Hemmschuh zugleich für die Pläne bet ia- panikchen Diplomatie. Ihre Agitatoren halsen wirksam Nack, wo dieVolksseele" des chine­sischen Kulis partout nickt kochen wollte, und manche Münze japanischen Ursprungs ver­schwand in der feisten Hand chineiischcr Manda­rinen und Würdenträger und ... tat ihre Wir­kung! China ist in den letzten Jahren in seit .1 Wirtschaftsleben immer mehr mit Japan v.r- flochten worden. Japanische Ingenieure und Kaufleute finden im benachbartenReiche bet Witte" ein gutes Arbeitsfeld. An deutlichen Merkmalen der Verbrüderung zwischen beiden Ländern sehlt es nicht. Es ist noch nicht lange her, daß Sunjatsen, Chinasstarker Mann", als ein Prediger des Schlagwortes

Afie« den Asiaten!"

durch Japan zog. Japanisch-chinesische Vereini­gungen sind in großer Zahl unter Beteiligung offizieller Persönlichkeiten gegründet worden, zur gleichen Zeit, da der deutsck-chinensche Verein in Peking, der mit so großen

Die Regierung und dis Parteien.

(Von unferm parlamentarischen Mitarbeiter.) Berlin, 27. Mai.

Der Reichstag nimmt am heutigen Dienstag seine Arbeiten nach einer fast vierwö­chigen Pfingstpause wieder auf. Wie aber üb­lich, läßt er die Sache langsam angeben und hat auf die erste Tagesordnung nur Petitionen ge­setzt. Nach den vorläufigen Geschäftsdispositi­onen soll bann am Mittwoch die sozialdemokra­tische Interpellation über die reichsländi- schen Diktaturgesetze besprochen wer­den, und wie in parlamentarischen Kreisen ver­lautet, wird der R e i ch S k a n z l e r s e l b st die Beantwortung übernehmen. Für die Debatte rechnet man zwei Tage, und der Rest der Wockc soll dann durch kleinere Vorlagen auSgefüllt werden, so daß die zweite Lesung der Wehr- Vorlage erst in der näckstcn Juniwoche be­ginnen könnte. Die Mitglieder der Budgetkom­mission haben in den beiden letzten Tagen ihrem Erstaunen Ausdruck verlieben, daß in der Presse über die Beschlüsse und ihre Beweg­gründe falsche Vorstellungen verbrei­tet worden sind. Die Kommission hat pflicht­schuldig alle Fragen besprochen,

Konffitt-Stimmung

hat trotz mancher lebhaften Debatte nie­mals geherrscht. Man nimmt auck nicht an, daß Zentrum und Sozialdemokratie Hand in Hand arbeiten werden, sondern glaubt be­stimmt, daß die Regierung daS Zentrum nach tofe vor als Hauptstütze seiner Wehrforde- rungen betrachtet. Die Motive der Zentrums- anträge sind vielfach falsch aufgefaßt worden. Nationalliberalc und Zentrum haben sich mit der Regierung in den letzten Tagen iMtstän - b i g t und allgemeine Richtlinien für oie wei­teren Arbeiten feftgelegt. Die Besprechungen der letzten Tage, die am Dienstag und Mitt­woch nach Anhörung der Fraftionen fortgesetzt werden sollen, gelten in erster Linie den Dek- kumgsgesetzen. Eine allgemeine Ver­ständigung zwischen dem Zentrum und der Linken steht nabe bevor. Eine vollständige Verabschiedung der Steuergesetzc im Juni ist nicht geplant. Die Fraktionen werden sich auf einer Grundlinie verständigen; der ein­malige Wehrbeitrag soll verabschiedet werden; die übrigen Deckungsvorschläge auf den Herbst vertagt werden, nachdem die Grundlinien festgelegt sind und die Regierung die Vorlegung eines Reichsvermögenssteuercnt- wurses für den Herbst zugesagt haben wird.

Ire Zage der Rose«.

Hohenfinow, Nordlandfahrt, Herbstahnenr Sommerliches ans der Politik des Reichs.

Nun, da der Feierglocken Klang verhallt, des Alltags Prosa die Poesie verklärter Son­nentage überdüstert, zientt's sich, der Forderung des Werkeltags gerecht zu werden. Im Reichshaus am Berliner Königsplatz haben die vom Volk Erwählten pfingstserien-emstge Scheuerfrauen abgelöst, das Bächlein muntrer Rede plätschert wieder, und wenn sonst nichts Schlimmes sich ereignet; dürfen wir hoffen, daß bis zum Lenzabschied der Reichstag sein Werk vollendet, die Wehrvorlage leidlich brauch­bar gestaltet haben wird. Noch ein paar Tage Partei-Geplauder in Plenum und Budget- Kommission: Dann muß sich's entscheiden, ob die Arbeits-Energie des Parlaments der Maiensonne-SSwächung zu widerstehen, der Wille zur Tat kleinlichen Hader der Parteien zu überbrücken vermag. Schwarzseher bangen be­reits um die nahendenTage der Rosen", I; sehen Rüstung?- und Deckungswerk von Ge­fahren umlauert und errechnen aus der Spar- Taftik bes Zentrums im Budgetkommissions- Gcplänkel die Möglichkeit eines Fiaskos der ; Wehrvorlage und den völligen Bruch zwischen Kanzler und Zenttum. Herr v,on Bethmann Hollweg, im Kampf um das Milliarden- Problem der Heer-Verstärkung in? Heldenmaß borussischen Tatmenschentums gereckt, hat feier­lich beteuert, den Kampf um die Wehrvorlage bis zum Aeußersten fiihren. keinen Mann und keinen Groschen von der Vernändnis- losigkeit parlamentarischer Knickrcr vom Gefüge der Regierung"Vorlage abknabbern lassen zu wollen und lieber den Reichstag heimzu- schicken, als auch nur um Haaresbreite vom einmal gewählten Weg des starken Mannes ab- zuweichen. S o (hören wir aus allen Winkeln ^""""'offiMser Meinung) präsentiert sich die Stirn, rnung in der von buftgem Grün umsäumten Sphäre her Berliner Wilhclmstraße: Nicht maienhaft-lieblich, sondern herbstlich-rauh, ent­schlossen. ins Gewimmel der Krittler und Nörg­ler mit harter Faust hineinzufahren!

Tage der Rosen": Neunzehnhundertdrei- zchn! Indessen: Herr von Bethmann Hollweg ist ein Philosoph; er steht (nach eignem Zeug­nis) über den Pattcien, und es ist also nur natürlich, daß er nach den Tagen des Festge­räusches und der Fackeltänze das Bedürfnis spürt, in stiller Einsamkeit, abseits vom Lärm des Meinung-Markts und unbeengt von der Schwüle in der parlamentarischen Rebestube, sich von der letzten Wochen Plage zu erholen. Wenn der Brachmond heraufzieht, gedenkt der Kanzler sich in die Stille von Hohenfinow zu versenken, und wenn im Abendwind die hohen Pappeln des Parkes leise rauschen, mag bet Gutsherr sinnend von den Tagen träumen, da er (zum erstenmal feit dem Werden seines Kanzlertums) des Ruhmes Süße kosten, und sich an der Bewundrung eines der Heldentat fast entwöhnten Volkes laben durfte. Die Zeit der Siesta im stillen Frieden ländlichen Som­merglücks darf man dem Emsigen gönnen, der nach überlanger Dürre endlich aus dem magern Acker deutscher Reichspolitik die ersten Früchte sprießen sieht und sich im Anblick jungen Hoff- nung-Erüns berauscht. Seit Bernhard Bü­low zur Villa Malta zog, hat sich die vater­ländische Atmosphäre ersichtlich gewandelt und die Physiognomie des politischen Geschäfts ist durch einen grämlich-düstern Zug der letzten Spuren muntrer Zuversicht entkleidet worden. Wir hatten uns bereits mit dem Wandel bet Dinge leidlich abgefunden und wurden nur dann noch flüchtig an die schön're, bess're Zeit erinnert, wenn in der Lindenblüte Tagen der Privatier der Villa Malta" zum deutschen Nordseestrande baden kam. An das Alles wird, auf der schattigen Terrasse des market Herrenhauses einsam träumend, Herr von Bethmann Hollweg mit der zufriednen Ruhe und überlegnen Sicherheit des Mannes denken, dem aus den Mühen recktsckaffner Arbeit erst fpät die Früchte reiften, der aber nun, da das Werk dem Abscklnß nah', sich des Bewußtseins freuen darf, Nützliches und Ersprießliches ge­leistet zu haben.

Dem vielgelästertenParlament von Phi­lippi" hat er, spielend fast, das Werk der Wehr­kraftstärkung abgerungen; er darf sich schmei­cheln, in der tosenden Brandung des Parteien- kampss derFels im Meer" geblieben zu sein, an dessen eherner Wucht der Gischt der Lciden- schasten rasch verspritzte und des Landtags Pforten durste er in demselben Augenblick ver­riegeln, da die Rachwehen des Haders zwischen Rechts und Links tragisch zu werden drohten: Konnte Bescheidenheit zwischen Mittag und Abend mehr erstreben? Des Kanzlers Arm indessen langt nach höher lockendem Lorbeer: