Casseler Abendzeitung
3. Zahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 27. Mai 1913
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 143.
Sie Hochzeit im Kaiserhaus.
Die Trauung des Brautpaares und die Hochzeitsfestttchkeit im Kaiserschloß; der Trinkspruch des Kaisers; Abreise der Gäste.
Ei« Privat-Telegramrn meldet uns aus Berlin: Ein hoher Beamter des Cumberländische« Hofes erklärte, der Herzog von Cumberland werde seinen Verzicht ans Hannovernichtanfgeben: dies
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grade seit den Balkan-Ereignissen immer weiter und ständig gewaltsamer von Deutschland entfernt, für das einst Bismarck seine Freundschaft suchte. Auch späterhin noch, in den schweren Tagen des japanisch-russischen Kriegs, konnte Wilhelm der Zweite den Ausspruch wagen, daß Rußlands Trauer Deutschlands Trauer sei. Unter den letzten Monden wäre ein solcher Ausspruch wohl kaum noch denkbar gewesen, und Rußlands Balkan-Triumphe hätten in Deutschland unmöglich ein Echo finden können: Rußlands Balkan-Politik war, vom Auflohen des Kriegsbrands bis zum Friedensgeplauder am Londoner Diplo- maten-Tisch. ein Kesseltreiben gegen Deutschland und gegen den Dreibund, und von der Newa aus schallte der Alarm durch Europa, der allzulang die Welt geängstigt.
Fürstenfreundschaft allein sichert noch keinen Pölkerfrieden und der Russenzar, der eine halbe Woche hindurch unser Gast gewesen, verkörpert in seiner Selbstherrscher-Macht noch nicht die Gewalt, die Reiche verbünden rmd Nationen in treuer Freundschaft zusammenketten kann. Aber das Berliner Rendezvous der Fürsten kann die G r u n d l a g e neuer Zukunft werden, kann die so ost geschlossne und nie ganz verwischte Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland (der slawischen und der germanischen Vormacht) neu beleben, und die Wiedererweckung dieses Ideals, von dem der große Kanzler so oft gesprochen, ist dank ihrem auch andere Gegensätze mildernden
öser Seite in der Norddeutsche« Allgemeinen Zeitung bekanntgegebe« wurde, daß die Situ, atio« zwischen den Großmächte« den Charakter vollster Klärung an sich trage. Die Verwicklung der Lage ist durch die Uneinigkeit unter den Balkanoerbündeten neuerdings wieder sehr bedrohlich geworden.
Der Admiral als Warner.
(Bericht unseres P. L.-Korrespondenten.) Bremen, 26. Mai.
In seiner gestrigen Rede in der Hauptversammlung des Flottenvereins führte Großadmiral von Köster aus: Wir leben in I einer schweren Zeit. Kriegerische Stimmung herrscht überall, und beruhigt mag nur der in die Zukunft schauen, der stark gerüstet ist und sein Recht verteidigen kann. Immer mehr wächst das Gefühl, daß die drei Grenzen unseres Vaterlandes einer stärkeren Wehr bedürfen, denn die Zahl unserer wahren Freunde ist gering. Ob wir uns der Segnungen des Friedens noch lange erfreuen werden, wis- sen wir Nicht, wohl aber, daß wir als ein mannhaftes kriegerisches Volk mit kriegerischem Geiste den Kampf, wenn er uns aufgezwungen werden sollte, bis zum Aeußersten zu führen heben werden, und daß wir siegen müssen. Wir müssen auf der Hut sein, denn ! der in Frankreich erwachende Chauvinis- I mus hat den Revanchegedanken wieder tit den Vordergrund treten lassen. Dieser und die immer häufiger zum Ausdruck kommende Stimmung der Panflavisten gegen das Germanen- tum zwingen uns, jeder Gefahr gewachsen zu sein. Daher müssen wir rufen:
„Deutschland sei wach!"'
Gegen die Verabschiedung der Wehrvor- l a g e muß natürlich jede andere Forderung zurücktreten, wir hoffen aber, daß die berechtigten Wünsche der Marine in Zukunst nicht unberücksichtigt bleiben. Den Vorschlag Churchills aus Einführung eines Flottenseierj ah res begrüßen wir als eine Besserung des Verhältnisses zu England, wenn wir ihm auch nicht beizutreten vermögen. Auch müssen wir bitten, daß man nicht jenseits des Kanals jeden Stapellauf unserer Flotte mit eifersüchtigen Augen verfolgt. Der Redner erörtert dann die u n z u-
Balkan Unbehagen in Berlin.
Pessimismus in diplomatische« Kreise«!
Berlin, 26. Mai. (Privat . Telegramm.) In hiesige« diplomatischen Kreisen w«rd die Situation auf dem Balkan noch immer mit dem Gefühl der Unbehaglichkeit betrachtet, wenn auch von deutsch osfizi-
als Verwandter, als Angehöriger gegenüber, und es läßt sich nicht vorstellen, daß die Berliner Fürstentage, das intime Rendezvous der repräsentativen Führer der drei wichtigsten und mächtigsten Reiche der Welt, vorübergegangen sein sollten, ohne daß das Gespräch die Politik der Länder, der Vergangen- beit Schatten, der Gegenwart erfreuende Wirklichkeit und der Zukunft Hoffnung und Sehnsucht berührt.
Mancherlei Symptome sprechen denn auch dafür, daß die Berliner Drei-Monarchen-Zu- sammenkunft mehr gewesen ist, als eine verwandtschaftliche Höflichkeit. Das Geschenk, das der deutsche Kanzler vom Russenzar erhalten, die Verlängerung des Berliner Aufenthalts, die das englische Königspaar (entgegen dem ursprünglichen Programm) gewählt, die wiederholte Nachricht von Besprechungen der drei Herrscher, die in die Oeffentlichkeit gelangt: Das alles beweist, daß in Berlin neben den Galavorstellungen und Festbanketten auch der hohen Politik Aufmerksamkeit zuteil geworden ist. Und Kaiser Wflhelm, der jetzt mibe felix ist und seine Pläne und Hoffnungen in glücklichster Weise durch die Heiraten seiner Kinder fördert, hat auch diesmal klug das Glück genutzt, durch eine günstige, von selbst sich darbietende Gelegenheit zur Aussprache mit den beiden Monarchen Mißverständnisse zu berichtigen und eine vielleicht natürliche, aber jedenfalls langsame Entwicklung zu beschleunigen. Denn Mißverständnisse gab es genug zwischen Deutschland und Rußland, Deutschland und England. Rußland, das treibende Element der Triple entente, hat sich
Der Abschluß der Feiern.
Berlin. 26. Mai. (Privat - Tele- gramm.) König Georg und Königin Mary von England benutzten den gestrigen Sonn, tag zu verschiedenen Besuchen in Berlin und Potsdam. Am Vormittag wohnte das Köniqs- paar dem Gottesdienst in der englischen Kirche bei. Um ein Uhr mittags fuhren der Kaiser und der K ön ig mit großem Gefolge in Automobilen zur festlich geschmückten Kaserne des
ersten Garde-Dragoner-Regiments Königin I von Großbritannien und Irland, um dort nach kurzer Besichtigung der Baulichkeiton mit dem Offizierkorps das Frühstück einzunehmen. Im Anschluß daran fand ein Besuch des Potsdamer Königsschlosses statt. Um sieben Uhr abends | kehrten die Besucher wieder nach Berlin zurück. Eine Stunde später erfolgte die Abreise des Herzogs und der Herzogin von Cumberland und der Prinzessin Olga vom Anhalter Bahnhof
Der Bremer Flotten-Tag.
Hauptversammlung des Flotten-Vereins.
Unter Beteiligung von etwa dreihundert Vertretern seiner Haupt- und Zwergvereine trat gestern im Festsaale des Künstlervereins zu Bremen der Deutsche Flottenverein zu seiner diesjährigen Hauptversammlung zusammen. Der Präsident, Großadmiral von Köster, begrüßte die Erschienenen, unter denen sich die Fürsten Ernst zu Hohenlohe-Langenburg und Friedrich Karl von Castell-Castell befanden. Das wichtigste Ereignis war die Rede des Großadmirals von Köster über die allgemeine Weltlage. Wir erhalten darüber folgenden Bericht:
Rach dm Feste».
Dir Hochzeit der Kaisertochter und die Hohe Politik; Deutschland und das Berliner Drei-Monarchcn-Rendezvons.
Als Prinz und Prinzessin von Cumberland hat das Neuvermählte Paar, dessen Le- bensbund-Weihe der Strahl der Maicnsonne überglänzt, am Sonnabend zur Mitternachtstunde das alte Zollernschloß an der Spree verlassen; als Herzog und Herzogin von B r a un- schweig wird es in nicht zu ferner Zeit rn die Residenz der Welfen einziehen, und der Tag, der dies Ereignis sieht, wird in der Geschichte des Reichs einst der Triumph der Liebe, der Sieg Wilhelmischer F am il i en -P o lit i k genannt werden! Aber die Maientage, deren Sonne höfischen Prunk und Glanz in fast überreicher Fülle bestrahlt, reichen in ihrer politischen Bedeutung weiter, erschöpfen sich nicht in der feierlichen Apotheose der Versöhnung zwischen Welf und Zoller, sondern rühren an Probleme von internationaler Bedeutung und werden vielleicht einmal den Enkeln als das Morgendämmern einer neuen Aera europäischer Völkerpolitik erscheinen. Aeußerlich intim: Nur Familienfest im Zollernhaus; keine „ministerielle Bekleidung" der zum Hochzeitstag erschienenen Potentaten, keine übers Erdrund hallenden, tausend Federn in wilde Tätigkeit hetzenden Trinksprüche, keine Verbrüderungs-, keine Vettern-Szenen! Hinter der höfischen Kulisse aber endete die Steifheit der Etikette, der Zwang konventionellen Braus: Der Träger der Zarenkrone stand dem Kaiser von Indien und Beherrscher Britanniens und dem Enkel Wilhelms des Siegreichen
Einfluß ein Beitrag mehr, um den Frieden! Europas zu sichern. Ebenso wird der Besuch des e n g l i s ch e n Königspaars in Berlin, der alle Zeichen besondrer Herzlichkeit trug, für den Weltfrieden von günstiger Bedeutung sein. Rasch sind die Nebel, die sich zwischen dem britischen und dem deutschen Reich gelagert hatten, zerstreut worden. Was noch vor nicht zu langer Frist ein Gemeinplatz aller politischen Banalitäten war: Daß ein Krieg zwischen den beiden Staaten ein Gebot ihrer Entwicklung sei, ist heut mit einem Mal aus der Diskussion des Tags geschwunden. Auf der Tribüne des Londoner Hauses der Gemeinen wie im Deutschen Reichstag ist es bündig ausgesprochen worden, daß diese Ideen in böswilliger Absicht von allzu vielgeschäftigen Intriganten hingeworfen und zu leichtgläubig ausgenommen wurden. Die Erde hat Raum für England und Deutschland, und auch das Meer bietet beiden Reichen Gelegenheit zur tatkräftigsten Entfaltung vorwärtsdrängender Macht. Der englische Marineminister Churchill hat dieses Thema öffentlich behandelt, der ehrwürdige Lord John Morley bei seinem Besuch in Berlin das Evangelium des Friedens eindring-1 kicher, als es sonst Britenart, gepredigt und Georgs des Fünften Maienfahrt-zur Kaiser- stadt an der Spree darf auch Zweiflern sagen, daß jenseits des Kanals dir Sehnsucht nach dem Frieden wohnt. Ob sich all die Hoffnungen erfüllen, die die sonnigen Tage der Feste geweckt? W-r weiß es? Aber es genügt auck,. zu wissen, daß die Möglichkeit der Erfüllung sichtbar vor unserm Auge liegt ...!
F. H«
suche eintreffen wird. Der Zar fährt von Berlin nach Wladimir und Kostroma, nach Iaroslaw und Moskau, um hier an den zur Jubelfeier des Hauses Romanow veranstalteten Festlitstkeiten teilzunebmen. Danach erfolgt dir Reise nach den Schären.
Auch dieser Besuch ist natürlich „rein familiärer Art" Immerhin darf man annehmen, daß auch hier Zeit und Gelegenheit zu anderen Erörterungen bleiben wird. Daß die!« sich nicht ausschließlich um Fragen der Tnple- Enfente, das heißt: In dreibundfeindlich em SinW bewegen werden, tonte das Verdienst der^fetzigen Berliner Zusammenkunft werden. Auch von Einladungen, die vom Zaren wie vom König von England bereits an den Kaiser ergangen sind, ist die Rede^ Ob aus diesen Besuchen noch in diesem Iabre etwas werden wird, erscheint allerdings zweifelhaft, da das Reiseprogramm des Kapers bereits auf Monate hinaus festgelegt ist. Sicherlich ober werden diese Besuche ,nn nächsten Jahre stattfinden. Wenn, nicht alles täuscht, und wenn nicht, wie es ja in der Politik allerdings häufig geschieht, gerade das Gegenteil von Dem eintritt, das man erwartet, dann dürfte die Volittk bei den „privaten Besuchen" aus Anlaß der Berliner Hochzeitsfeter- lichkeften sehr gut weggekommen fern.
3nferttantoretfe: Die fed)4gefpattene Zeile für einheimische «ekchäfte » Bkg.. wr an,, wärttge Inserate 25 Pf, Reklame,eUe für einheimische Geschäfte 40 Ps, fttr auSwä-ttge Geschäfte «Ps. «Urfache BeUagen Nir die Gesamtanflage werden mft 5 Mark pro laufen« de. rechnet. Wegen ihrer dichten Berdrettang in der Residenz im» der Umgebung find die Saftetet Steuerten Nachrichten ein vorzügliche! gnfertionJorgan. SeschäftSiielie: Kölnifche Straße 5. Berliner Vertretung: SW, ^riedrichfiraße 16, Telephon: Ami Moritzplah 12584
scheint aber auch nicht nötig. Die Thronfolge in Braus chw e igseida- gegen keine deutsche, sondern eine preußische Frage und Preuße« genügten die vorhandenen Garantie». Aebrigens seien bei der vorgestrige« Galatafel Bemerkungen gefalle«, aus de«en deutlich hervorgehe, daß das junge Paar bald als Herzog und Herzogin in Braunschweig einziehen werde.obwohlbestimmteAb- machungen darüber noch nicht vorlägen
Der Hochzeitstag! Unter einem grauen mit düstern Wolken verhangenen Himmel hatte er begonnen. Ja, ein leichter Sprühregen schien ein trübseliges Hochzeitswetter anzukündigen. Aber die Freude der Hohen- zoIlern setzte ihren Sieg durch und die Sonne stellte sich als willkommener Hochzeits- gast ein, gerade in dem Augenblick, da die Feierlichkeiten begannen. Wieder umkränzte eine nach vielen Tausenden zählende Menschenmenge in weitem Umkreis das Kaiserschloß. Die guten Leute wurden denn auch glänzender Galakutschen und strahlender Uniformen an- sichtig, mutzten freilich im übrigen alles in der Phantasie erleben. Aber auch die wenige« Bevorzugten, denen sich Schutzmannskettea und Schloßportale öffneten, dursten nicht alle- mit eigenen Augen miterleben. So spielt«» sich die standesamtliche Trauung, die der Minister des Königlichen Hauses, Graf Eulenburg, vornahm, sowohl wie die Zeremonientasel au- räumlichen Gründen fern allen profanen Augen ab, während der Trauung einige hundert Zuschauer beiwohnen konnten. Kurz nach btee beginnt die Schloßkapelle sich zu füllen. Freilich, eine besonders andächtige Stimmung wM noch nicht auflommen. Von der Galerie herab, zu der einige Hundert besonders Begünstigt« Karten erhalten haben, tönt daS fröhlichste Geschnatter, aber nicht minder lebhaft geht e- unten zu, wo sich die Exzellenzen verbindlich die Hände drücken, wo die junge« Damen des Hofes fchwatzen und wo die Diplomaten mit Nugem Lächeln wispern und tuscheln. Rur in der Mitte halten die goldsilbernen Pagen einen weiten Kreis frei. Endlich verkündet bas ferne Ausschlagen der Marschallstäbe
d«S Herannahen der Majestäten.
Ein Posaunenchor läßt eine feierliche, stets wiederkehrende Melodie ertönen, aus der Hohe setzen Orgel und Gesang ein. Zwei Edelleute in altdeutscher Tracht eröffnen den Zug als Herolde, es folgt der Oberstmarschall Fürst zu Fürstenberg in dem roten Galarock der Ritter vom Schwarzen Adler. In der Linken trägt er den Pallasch mit dem goldenen Adlerhelm, in der Rechten den langen goldgekrönten Oberst- marschallstab. Dann betritt das Brautpaar die Kapelle. Einen Augenblick wird das Antlitz der Prinzessin sichtbar. Sie sieht im Schmucke der reizenden kleinen Prinzessinnenkrone sehr anmutig und liebenswürdig aus, und sie bat eine besondere Gabe, das Haupt zu neigen und mit den Augen zu grüßen Das Paar tritt vor den Altar, wo der Oberhospre- diqer Dryander es erwartet. Langsam füllt sich der Kreis mit den fürstlichen Gästen. Der Kaiser, der die Herzogin von Cumberland führt, ist sehr ernst. Er zeigt die groye Haltung, die ihm bei solchen Gelegenheiten eigen ist. ' Lebhaft bewundert man die Kaiserin, die es so wohl versteht, große Staatsroben zu tragen. Das lichtgrüne Kleid mit der reich gestickten Schleppe findet das Entzücken der Da- men. Neben der Kaiserin geht der Herzog von Cumberland in österreichischer Generalsum- form. Ein Lächeln liegt aus aller Munde, als vor der Kronprinzessin, die vom Korng von England geführt wird, ihre beiden ältesten Söhncken in weißen Matrosenanzügen dahertrippeln. Der Zar führt die Königin von England, Prinz Heinrich aber seine eigene Frau, die nun zum zweiten Male im Schleier eine Braut ist. eine jugendliche Silberbraut.
Der Choral setzt ein.
die Gemeinde singt, Orgel und Posaunen der« einigen sich, und so machtvoll hallen die Töne, daß das rein Höfische aus dem Bewußtsein gedrängt wird, man darf den Augenblick inner- I lick erleben. Dryander spricht, ohne Salbung, ohne Pathos. Seine Traurede könnte dem 1 Tone nach für jedes andere junge Menschen-
Syazrerg'änge im Grünewald« Die Politik beim Berliner Familienfest. | (Von unserem H. ^.-Mitarbeiter.)
Berlin, 26. Mai.
Es besteht in politisch unterrichteten Kreisen kein Zweifel darüber, daß die vergangenen Taa«' der Familienfeier im deutschen Kaiserhaus für die nächste und weiter« Zukunft eine Bedeutung haben werden, Durch die sie als ein Merkpunkt. wenn nicht als Wendepunkt aus den vielverschlungenen Wegen zeitgenösiischen Politik erscheinen werden. Der „harmlose Spaziergang" des Kaisers mit | dem Zaren am Havelufer beim Kaiser Wil- | Helm Turm hat sicherlich nicht mir der , Unterhaltung über die beiderseitigen Familien ge-1 bient Die Bäume des Grünewalds werden sicherlich während dieser Minuten mancherlei gehört haben, dessen Kenntnis uns weniger seinböttae Sterbliche im Hinblick auf bte kommende Zeit recht wertvoll wäre. Ebenso bat sich in der Hatz der Festtage mancher Augenblick gefunden, der zur Erörterung von Dingen, die jenseits der Feststimmung liegen. Gelegen, heft bot. Man wird vermutlich die Folgen dieser Begegnung bald merken.
Es verlautet, daß der Zar im Juli bereits eine neueDegegnungmitdem englischen König haben wird, und zwar auf russischem Gebiete, in de« Schären, wo das englische Kön'gspaar am dritten Juli bei der Zarenfamilie zum Be-
Casseler Wtt Nachrichten
Hessische Abendzeitung
längliche maritime Vertretung^ Deutschlands auf den Auslandsstationen und verlangt, daß im Rahmen des Flottengesetzes in den Jahre» 1914 und 1915 je ein weiterer Panzerkreuzer unter Aufrechterhaltung des Dreischiffbaus angefordert j werde. (Lebhafter Beifall.) Nach angeregter I Debatte wurde schließlich ein Antrag der Landesverbände Hamburg, Lübeck und Bremen I einstimmig angenommen, der verlangt, daß zur Vertretung deutscher Interessen je ein Kreuzer an der Ost- und Westküste von Amerika ständig stationiert werde.
Flotteuverein und Jugendwehr.
Die Verhandlungen über die angestrebte Angliederung der unter der Aegide des Feldmarschalls Freiherrn von der Goltz ins Leben gerufenen Jugendbewegung an den Deutschen Flottenverein sollen nach einem Beschluß der Bremer Haupwersammlung weitergeführt werden. Nach dem Geschäftsbericht umfaßt der Deutsche Flottenverein gegenwärtig .3786 Ortsgruppen mit über 332 000 Mitgliedern. Die Zahl der körverschaftlichen Mitplie- I der reicht an eine Million heran. Die nächste Hauptversammlung findet in Breslau I statt.