Caffeler Abendzeitung
3. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952,
Sonnabend, 24. Mai 1913
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 141
Zar
F. H.
fähigkeit übergeht ...!
Wir erhalten darüber
Telegramm.)
(Privat
Wie hier aus Tokio
SWllem Mandel beruhigt!
Sturmtag im Rekchsland-Parlament.
Rewhork, 23. Mai. soeben eingegangene Depeschen melden, ist der K a i s e r von einer schweren Lungenentzün-
Dte CafleUt 9leneften Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend«. Der MunmementSpret« beträgt monolltch so Pfg. bei freier Zustellung in« Hau«. Beftelllmgen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommea Druckerei, «erlag und Redaktion- Schlachthofftrab- 28/30. Sprechstunden der RedaMvn nur von 7 bi« 8 Uhr abend«. Sprechstunden der AuSlim«. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bi« 8 Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW, Friedrichs»!. 18, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.
JnsrrttonSpretse: Die f-chSgespallen« Sette für einheimische S-schäfte tö Pfg.. für ou«. roörttae Inserate 25 Pf, ReklamezeU« für einheimische Geschäfte 40 Pf» für Llv-wänttge Geschäfte 80 Pf. Sinfache Beilagen für die Gesamtaustage werden mit 5 Mark pro Tausend de. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restden» und der Umgebung stnd dte Tafseler Neuesten Nachrichten eia vorzügliche« Jnsertton-organ. Seschäft«st-lle: «kölnische - kraße 5 Berliner Vertretung: SW» Friedrichstraße 16, Telephon: Amt M-rchpia» 12584
Garnison. Insgesamt sind 30 000 Mann feldmarschmäßig ausgerüstet von Tokio abmarschiert. Die Antwort der Bereinigte« Staaten auf die japanischen Reklamationen über das Kalifornische Landgesest ist hier nicht gut ausgenommen worden. Das japanische Auswärtige Amt hat feinen Botschafter in Washington beauftragt, beim Staatssekretär Bryan vorstellig zu werden, damit Amerika den japanischen Wünschen entgegenkomme. In ganz Japan besteht unverkennbare Kriegsstimmung.
ser war dreiunddreißig Jahre alt und folgte am dreißigsten Juli vorigen Jahres seinem Vater Mutsuhito auf dem Thron. Er hinterläßt drei Söhne, von denen der älteste am 21. April 1901 geboren wurde.
London- 20. Mai.
Eine Bestätigung über den Tod des Kaisers von Japan liegt bis zur Stunde (zwölf Uhr mittags) hier nicht vor. Es ist nur bekannt, daß der Kaiser vor vier Tagen von einer heftigen Lungen - Entzündung befallen wurde «nd daß sein Zustand in den letzten beiden Tagen sich bedenklich verschlimmert hatte. Kaiser Aoshihito war gestern stundenlang ohne Bewußtsein und man befürchtete jeden Augenblick sein Ableben.
Sie Hochzeit am Kaiserhos.
Die Berliner Hochzeitsgäste; der Einzug
aus die Dauer grade den besten und feinsten Köpfen unerträglich wird. In der Industrie und im Dienst des werbenden Kapitals kennt man diese Beengung nicht; die ganze Art der Tätigkeit drängt zur vollen Entfaltung der Per- sönlichkeitswerte, denn es entscheidet weder Dienstalter noch Eramen-Note, sondern lediglich die praktische Leistung. Alle diese Umstände lassen naturgemäß die Tätigkeit im modernen Industrie-, Handels- oder Bankbetrieb den wirklich tüchtigen Köpfen im Dienstbereich staatlicher Verwaltung wertvoller und^ aussichtsreicher erscheinen, als das mühselige Erklimmen der amtlichen Stufenleiter, dessen Erfolg fast nie von persönlicher Leistungsfähigkeit allein entschieden wird. Die „Flucht vor dem Amt' ist also imgrunde gar kein Rätsel, sondern eine durchaus natürliche (wenn auch bedenkliche) Erscheinung, und wenn der Staat diese Gefahr im eignen Interesse bekämpfen will, kann er es nur dadurch tun, daß er selbst zum kaufmännischen Geschäftsbetrieb, und damit zur ausschließlichen Wertung der Intelligenz und Leistunas-
Ser Kaiser von Man tot?
Widersprechende Meldungen aus Tokio.
Aus Nippon, dem Land der ausgehenden Morgensonne, kommt, plötzlich und unerwartet, eine Trauerkunde, deren politische Bedeutung grade jetzt, im Augenblick amerikanisch-japanischer Spannung, doppelt schwer ins Gewicht fällt: Kaiser Yoshihito, der tm vorigen Jahre erst den japanischen Herrscherthron als Nachfolger seines Vaters Mutsuhito bestieg, soll (bisher unbestätigten Meldungen zufolge) in der vergangenen Nacht gestorben ein. Die über den Tod des Kaisers vorliegenden Depeschen sind auf dem Umweg über N e w y o r k nach Europa gelangt und da eine amtliche Bestätigung der Todesnachricht bis zur Stunde nicht vorliegt, wird man die Meldung mit einiger Vorsicht aufzunehmen haben. Wir registrieren nachfolgend die vorliegenden Drahtmeldungen:
Berlin, 23. Mai.
Auf der hiesige« japanischen Botschaft wurde unserm Mitarbeiter mitgeteilt, daß eine amtliche Nachricht über den Tod des Kaisers Yoshihito bisher nicht eingegangen sei. Die Meldung von einer f ch w e - ren Erkrankung deS Kaisers dagegen wurde unserm Mitarbeiter bestätigt. Die gestern aus Tokio in Berlin eingegangrnen Meldungen über daS Befinden des Kaiser« lauteten zwar ernst, aber nicht hoffnungslos.
Bei den starken Widersprüchen zwischen den einzelnen Meldungen ist es nicht möglich, im Augenblick ein zutreffendes Bild der tatsächlichen Vorgänge zu ge. Winnen. Daß eine amtliche Bestätigung der Todesnachricht bis zur Stunde weder in London noch In Berlin vorliegt, würde an sich noch keine Korrektur der Todesnachricht darstellen, denn es ist bekannt, daß an asiatischen Fürste«- böfen d'e Nachricht vom Tod des Herrschers der Oeffentlichkeit so lange vorenthalim wird, als es irgend möglich ist. Diese Gepflogenheit würde im gegenwärtigen Moment auch einigermaßen gerechtfertigt erscheinen, da die S v a n - nung zwischen Japan und den Vereinigten Staaten von Nordamerika sich außerordentlich verschärft hat und in Java« ernstbaft mit der Möglichkeit eines javanisch- amcri.kaniscken Krieges gerechnet wird.
Die Todesdepesche aus Tokio.
Newyork, 22. Mai. (Privat-Tele- gramm.) Die Meldung vom Tode des Kaisers von Japan ging von einetzt japanischen Blatt in San Franzisko aus; sie wurde jedoch unmittelbar darauf widerrufen. In San Franzisko herrschte gestern abend große Bestürzung unter der japanischen Bevölkerung, als die Nachricht vom Tode des Kaisers von Japan bekannt wurde. Die Nachricht war bereits an de« Plakatsäulen angeschlagen, als eine andere Depesche ankam, die an zcigte, daß der Kaiser ruhig schlummere und die Krise überwunden sei.
Kriegsstrmmung in Japan?
sellschaftlichen Ordnung. Als ein solches Merkmal darf auch die Häufung der Stellengesucheamtlicher Persönlichkeit en gewertet werden, die sehr anschaulich einen bedenklichen Schaden unsres öffentlichen Lebens enthüllt. In einem Berliner Blatt konnte man dieser Tage die Gesuche von vier höher« Justiz- beamten, zwei Angehörigen des Hähern Verwaltungsdienstes und drei Kommunalbeamten finden, die sich sämtlich nach angemeflner Verwendung" im Industrie-, Bank- oder Han- delsdienst sehnen, also bereit sind, die Sicherheit der Beamten-Existen» mit der weniger gesicherten, materiell indessen besser gelohnten Tätigkeit des Privatbeamten zu vertauschen. Es handelt sich hierbei übrigens nicht etwa um eine Ausnahme, sondern um eine unsrer Zeit fast vertraut gewordne Erscheinung, die man vielleicht nicht ohne Grund als „Flucht vorm Aktenstaub" charatteristeren darf, und die dem Sozialpolitiker sowohl wie dem Gesellschafts- Philosophen Gelegenheit zu allerlei nützlichen Betrachtungen bietet.
Angesichts der Häufung der Fälle erscheint zunächst die Frage wichtig: Welche Ursachen sind für die Flucht vorm Amt verantwortlich zu machen? In erster Linie kommt wohl das rein-materielle Interesse in Frage. Die wirtschaftliche Lage unseres Beamtentums ist in allen Graden des amtlichen Dienstcharakters wenig erfreulich; sie ermangelt in den untern Klassen überhaupt der ausreichenden materiellen Garantien, und zwingt selbst den höher« Beamten in den Bann einer wirtschaftlichen Beengung, die im schroffen Gegensatz zu dem (leider wieder stark in Mode gekommenen) Re- präsentattons-Prinzip steht. Altgediente Beamte der Justiz und Verwaltung, die längst die Staffel des Geheimen Rats erstiegen, beziehen nahe der Endgrenze ihrer dienstlichen Tätigkeit ein Gehalt, das in der kapitalstarken Industrie und im Bankbetrieb ein halbwegs fähiger Prokurist oder Abteilungs-Vorsteher mit dreißig und einigen Jahren erreicht. Die sogenannte „altpreußische Sparsamkeit" ist bei uns nirgends mehr anzutreften; ihr einziger Hort ist noch der Gehaltsetat der Staatsverwaltung, und man muß anerkenne«, daß hier das löbliche Prinzip mit ungemeiner Virtuosität gehandhabt wird. Es ist also auch kein Wunder, wenn Jahr um Jahr dem Staat eine Anzahl der besten und leistungsfähigsten Köpfe dadurch verloren geht, daß Industrie, Handel und Bankverkehr durch den „Zauber des Goldes" einen Teil grade der tüchtigsten Kräfte dem Staatsdienst entführen und sür den Privatbetrieb nutzbar machen.
Der Leidende und der Geschädigte ist in diesem Fall allein der Staat, dem das Kapital den K e r n der Intelligenzen entzieht. In gewisser Hinsicht mag für die Erscheinung der Amtflpcht auch der „Zug der Zett" verantwortlich zu machen sein. Wir sinden beut grade in der Großindustrie und im Bankbetrieb zahlreiche Beamte in leitender Position, die aus dem Staatsdienst übernommen wurden und sich als Prrvatbeamte ausgezeichnet bewähren. Bei einigen unsrer Groß-Unternehmungen ist der Kausinann sogar vom Staatsbeamten zu- rückgedrängt worden, und es hat sich eine Art „System" daraus entwickelt, wichtige Poste« tunlichst mit im Staatsdienst tätig gewesenen Kräften zu besetzen, die in die neue Position nicht nur tüchtig« Arbeitskraft, sondern auch (als angenehme Zugabe) eine« Titel und unter Umständen sogar wertvolle „Beziehungen" mitbringen. Es läßt sich nicht verkennen, daß diese Uebung eine ernste G e f a h r in sich birgt, und die Krupp-Debatten
laute Rufe:
Der Kaiser kommt!
Aber zunächst ist's die Kaiserin, umgebe« Volk ihren Damen, vom Kopf bis zu den Füßen i« Lila. Gleich nach ihr betritt Kaiser Wilhelm rn preußischer Generalsuniform den Bahnsteig. Ein buntes militärisches Bild bietet sich de» Blicken. Zwischen dem Gewimmel der Uniformen tauchen die goldbestickten Röcke der Kammerherren. grüne Iagdgewänder und bi« bellen Toiletten der Damen auf- Aber wo bleibt der Sonderzug mit den welnsche« Gästen? Doch halt, da kommt er schon! <5« der Ferne hört man das Fauchen einer Lokomotive. Das muß er sein, schon ertönen di« Kommandos zum Präsentieren und ... ein ganz gewöhnlicher Personenzug läuft in die Halle ei«. Alles amüsiert sich, und dann kommt auch der richtige Sonderzug. Der Kaiser und die Kaiserin, das Brautpaar und die übrigen Fürstlichkeiten treten langsam auf den Teppich, der über de« Perron gebreitet ist. Der Präsen- tiermarsck schmettert und rasselt durch die Bahnhofshalle. Ein starkes Vorwärtsdrangen der Neugierigen, die de« historischen Auaen. blick nicht versäumen wollen, in dem die Wel- fenfeindschaft begraben wird ... und der Cum. b e r l ä n d e r hat den Boden Berlins betreten. Er ist ei« großer, schlanker Herr in österreichl- scher Generalsuniform, der mit freundlichem, doch etwas geniertem Gesicht «ach alle« Seiten grüßt: Der Kaiser ist ihm beim Verlassen des Salonwagens behilflich gewesen. Die Herzogin Tbvra ist in silbergrauer, fast weißer Toilette. Gleich nach den ersten Küssen, die von den fürstlichen Verwandten gewechselt werden, ist sie im munteren Gespräch mit der Kronprinzessin und mit der blonden
Prinzessin Viktoria Luise, und sie lacht und plaudert so vergnügt, wie eine Schwiegermutter vor der Hochzett lache« soll. Ebenso fröhlich ist die Prinzessin Olga. Ein neuer Marsch. Der Kaiser und ,ein Gast
Bei dichtbesetzten Tribünen und in Anwesenheit aller Mitglieder der Regierung verhandelte gestern die zweite Kammer des reichS- ländische« Parlaments über die Interpellationen betreffend die Anträge der elsaß-lothringischen Regierung auf Einführung deS Reichs- PreßgesetzeS und Aendernng des Ver- einsgesetzcs. Unterstaatssekretär M a «- d e l beantwortete die Interpellationen namens der Regierung und suchte die Erregung zu schwichtigen, die die Anträge int Reichslond hervorgerufen haben. T2':: *
Depeschen au« Berlin melden UN«: Die Reichs- Hauptstadt steht seit gestern, nachdem die Mehrzahl der zu dcni morgen stattsind end en Hochzeitsfest erwarteten Fürstlichkeiten hier etngettoffee tst, völlig im Zeichen der Familienfeier im Kaiser- hause. Im Laufe de« gestrigen Nachmittag« unternahmen die hier versammelten Fürstlichkeiten »er- schiedene Ausfahrten, wobei die entsprechende Flag, gen tragenden Kaiserlichen Automobile überall spm- pathtfch begrübt wurden. Um acht Uhr abend« fand Gala täfel im Weihen Saale de« Kgl. Schlosse« statt, wozu zahlreiche Einladungen ergangen waren.
Auf dem Anhalter Bahnhof! Am Donnerstag früh, kurz vor zehn Uhr morgens. Die Absperrung ist noch erträglich. Uevera« drängen sich dichte Scharen Neugieriger und Schaulustiger heran, um möglichst viel von dem glänzenden bunten Bild, bas sich in wenigen Augenblicken entfalten soll, zu erhaschen. ~a nimmt auch schon die Leibkompagnie des ersten Garderegimcnts zu Fuß auf dem Bahnhof Aufstellung; im ersten Gliede Prinz Joachim, sonst ist noch nicht viel Besonderes zu sehen. Der Teil des Bahnhofes, auf dem die Hofzuge einlaufen sollen, ist mit Fahnen in den deut- scheu und russischen Farben geschmückt; aus grün umwundenen Medaillons schaut der zweiköpfige russische Adler selbstgefällig auf die Menge der geheimen und nicht geheimen Polizisten, die den Zaren bewachen sollen. All- mählich sammeln sich die zum Empfang „Befohlenen". Von den fürstlichen Persönlichkeiten sind Prinz und Prinzessin Leopold zuerst zur Stelle, die Prinzessin in einer wundervollen Toilette (Farbe: fraises ecrasees, betrat ein kundiger Thebaner) mit einem dunkelblauen Mantel in Cutawayform. Der Kronprinz trägt die Uniform seiner Danziger Husaren, die Kronprinzessin, die durch ihre Natürlichkeit sofott auch den Fremden auffallt, ein dunkelblaues Kleid. Sehr vornehm wirft die schlanke Gestalt der schönen Prinzessin August Wtl- heim in mattem Hellgrau. Die Prtnzeffm Eitel Friedrich hat ein einfaches rosa Kleid, die Braut, Prinzessin Viktori- Luise, die sich an der Seite ihrer Verlobten wie eine ganz wirkliche, bürgerliche Braut glücklich zu fühlen scheint, ein Weißes Russenko. tüm mit rotem Tüllhut angelegt. Dem Marineprinzen Adalbett steht der kurze Vollbart sehr stattlich. Zehn Minuten vor zehn Uhr ertönen draußen vor den Toren, wo die Kuras- siereskotte in weißer Galauniform wattet,
folgenden Bettcht:
Nur Schutz, keine Diktatur?
Japan an düng, von der er in den letzten Tagen befallen wurde, heute nacht gestorben. Der Kai-
Millione«-3auber.
Die Abwanderung vom Amt zur Industrie: Eiae Gefahr für deu Staat «ud das Reicht
Aus Anlatz der Erörterungen über die Krupp-Affäre finde« zurzeit (wie uns aus Berlin berichtet wird) regierungsseitig Erhebungen darüber statt, welche früheren Staatsoder Reichsbeamten nach ihrem Austritt aus dem Amtsdienst zur Industrie übergegangeu find «nd welche Stellungen dort von ihnen verwaltet werde«. Es besteht die Absicht, eine entsprechende R e « o r d n u n g der bestehenden Bestimmungen über de« Aebertritt früherer Staats-Beamten z«r Grotz - Industrie herbeiz«führe«. Der Anzeigenteil der Tagesprcsse ist der ehrlichste Spiegel der soziale« Zeiiströmungen, das ungeschminfte und wahre Bild der wirtschaftlichen Entwicklung. Ma« schaut in diesem Spiegel die seltsamsten Reflexe, gewahrt Licht und Schatten der sozialen Struftur in zuverlässiger Abtönung, und erkennt an deutlichen Merkmalen die Vorzüge und Nachteile der ge-
des Herzogspaars von C«mberland; der Nikolaus von Rußland in Berlin.
int Reichstag haben ja auch bewiesen, daß diese Gefahr als solche erkannt wird. Ein Mittel dagegen wird inbeffen solange vergeblich gesucht werden, als Gold noch mehr glänzt wie treue Pflichterfüllung bei kärglichem Lohn.
Eine weitere Ursache der Abwanderung des Beamtentums zur Industrie ist die persönliche Beengung des Beamten in seinem Wirkungskreis, die mtt der veralteten Organisation der staatlichen Verwaltung zusammenhängt und ihren charakteristischen Ausdruck in per „bureaukratisehen Schablone" findet, die
Tokio, 23. Mai. (Privat-Tele- gramm.) Die im Januar zu den Fahne« einberufene« Rekruten verließen gestern ohne offiziell bekannte Zwecke und Ziele die
von Ausnahmegesetzen und stellt fest, daß die zur Begründung angeführten Behauptungen teils unrichtig, teils übertrieben mb. Sie ist der Ueberzeugung, daß die friedliche Entwicklung des Landes durch den von der Regierung gewählten Weg ernstlich gekört wird und drückt die bestimmte Erwartung aus, daß gegebenenfalls der Reichstag eine Vorlage auf Erlaß von Ausnahmebestimmungen für Elsaß-Lothringen zum Preß- und Vereinsgesetz ab lehnen wird.
(SafieltrWte Nachrichten
----- — - - Hessische Abendzeitung __
Strassburg i. E-, 23. Mai-
Unterstaatssekretär Mandel gab in der gestrigen Sitzung der Zweiten Kammer zur Interpellation über die Anträge der reichslän- dischen Regierung folgende Erklärung ab: Die Anträge berühren in keiner Weise die Verfassung. Ich kann Sie versichern, daß wir nicht die Absicht haben, sofott gegen die im Lande erscheinenden französische« Zeitungen vorzu. gehen. Es handelt sich hier keineswegs um positive Germanisierung. Politische Gewerkschaften und sozialdemokratische Vereine werden nicht unter dieses Gesetz fallen. Zur Sache selbst kann ick feststellen, daß sich die Vorredner in maßlosen Uebertreibungen ergingen und der Sache eine weit über das Tatsächliche hinausgehende Bedeutung beigelegt haben. Was ist den« unsere Absicht? Wir wollen erstens die Einführung des Reichs- preßgesetzes in den Reichslanden und zweitens die Ergänzung des Reichsvereinsgesetzes. Was das Preßgesetz anlangt, so schlagen wir nichts Neues vor. Schon 1898 unterbreiteten wir dem Landesausschuß eine ähnliche Vorlage; diese wurde aber abqelehni, weil man sich sagte, daß ein großer Teil der Bevölkerung die französische Sprache nicht als eine fremde, sondern als Volkssprache ansehe. Unsere ersten Anregungen liegen also fünfzehn Jahre zurück. Gegen die verhetzende Tätigkeit der französtsch- nationalistischen Zeitungen müssen wir uns wehre«, weil sie das Ansehen des Reichs tagtäglich in den Kot zerren. Redner ging dann, oft von Zwischenrufen unterbrochen, auf den Charakter des Nationalismus ein. Wohl sei der Rationalismus parlamentarisch tot, im übrigen «bcr lebe er noch in den Ver. einen und in der Presse. Es sei eine kleine, aber laute Gesellschaft iyt Lande, die d'e Jugend in schlimmster Weise bedrohe. Die Regierung habe die Pflicht, hier einzuqreifen, um dem Lande die Ruhe und den Frieden zu erhalten!
Der Protest des Parlaments.
Rach einer erregten Debatte gelangte rin von allen Parteien eingebrachter Antrag einstimmig zur Annahme, in dem es heißt, dir Kammer mißbillige auf das f ch ä r f st e die Bestrebungen aus Herbeiführung