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Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer 133. Fernsprecher 951 und 952. Donnerstag, 15. Mai 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

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Die U Oel von Bern. Das Fiasio der Berner Konferenz; der Traum des Friedens u. die Wirklichkeit.

Das Pfingstwunder ist ausgeblieben: Die am Festtag des Geistes in Bern versammel- ten, von frohem Optimismus heldenhaft ge­stählten Freunde deutsch-französischer Versöh­nung haben uns mit einer Resolution be­glückt, die maienhaft-lieblich klingt, in sinni­gem Phrasen-Geschnörkel harte Wirklichkeits­formen zart umrankt und uns ahnen läßt, w i e tief die Sehnsucht nach de- Friedens holdem Engel in starken Männerseelen wurzelt, und sie haben damit den Beweis erbracht, daß der Geist der Eintracht sich zwar nicht auf Flaschen zie­hen läßt, im Klangspiel entzückender Worte aber wenigstens für eines Lenztags Dauer festgehalten werden kann. Und Das, dünft die pfingstlich Verzauberten, ist schon ein Gewinn, den, zwei Jahre nach Agadir, auch der Nörgler nicht bekritteln darf. Daß dieser Triumph völkischen Friedenssehnens schon früher, weit vorm Kreuzweg nach Agadir, zu sichern ge- gewesen, daß die Berner Pfingst-Offenbarung nur wiederholt, was lange vorher die Besten und Klügsten jenseits und diesseits der Vogc- senberge als idealer Sehnsucht Ziel erkannt: Das, dünkt uns, hätte das Feuerchen allzu-ge- schäftigen Eifers dämpfen und den Aposteln von Bern die Erkenntnis ins Hirn einprägen dürfen, daß Völker-Versöhnung und Völker- Freundschaft nicht an Bankett-Tafeln und in Konferenzsälen begründet werden kann, son- dein aus der Harmonie realer Jnteres- s e n emporwachsen muß. Herr Baron d'Estour. nettes de Constant ist ein Pionier des Friedens, in dessen Seele die Flamme idealistischen Ei­fers neben dem Feuerbrand des Apostel-Fana­tismus loht, und so gut sein Berner Pfingst- werk gemeint gewesen: Der Effekt beschränkt sich auf die Momentwirkung eines kleinen Blinlfeuerchens, deflen Harmlosigkeit nicht mal ein Aschenhäuflein als sichtbaren Erdenrest zu produzieren vermocht.

Das Echo von Bern beweist'S: In F r a n t- reich spricht man vom Versöhnungsfest im Schweizerland wie von einem WohltätigkeitS- Konzert, Wildert den Tadel im Hinblick aus den giften Willen der Beteiligten und be­schränkt sich auf die wohlwollend-mahnende Feststellung, daß ein Bedürfnis, in Bern über Versöhnung und Freundschaft zu plau­dern, eigentlich gar nicht erkennbar geworden sei. Diesseits der Vogesenberge ist man geneigt, das Ereignis mehr als Maitrieb zu werden, als einen vom Zwang deS Empfindens bestimmten Versuch, schlummernde Sehnsucht in lenzbestrahlte Wirklichkeit zu wandeln, und man erinnert sich, wie entschuldigend, an die Tatsache, daß in den Sonnentagen, da »der Frühling auf die Berge steigt", selbst in harten Herzen sich die Sehnsucht regt und noch am morschen Stamm die vollen Knospen jungen Lebens sich erschließen. Welcher Geist, fragt deutsche Unschuld, trieb die Apostel deS Frie­dens gen Bem? Haben wir nicht längst des Guten zuviel getan: Joumalisten, Bürgermei- ster und Pfarrer mit dem Oelzweig deS Frie­rens in der Hand ins Land des Haders ge­schickt, ohne je andem Hall als dröhnende Tttnk- spruch- und Festbankett-Phrasen zur Heimat her­überklingen zu hören? Haben wir nicht auch der Republik hinterm Vogesenwatt in einem Vier­teljahrhundert jüngster Reichsgeschichte mehr Liebe erwiesen, als zu offenbaren nützlich schien? Sparten wir je mit Depeschen, Kränzen und Schleifenpmnk, wenn der Nachbar im We­sten des Schicksals Hand auf stolzem Nacken fühlte, und waren nicht w i r es, die der Repu­blik Armand Fallieres beim Einscheuem der Marokko-Emte (mit einem strahlenden, einem trauernden Auges Unterstützung und Hilfe lie­hen, ohne andem Dank zu heischen, als die Sümpfchen im Kongoland? Und wenn dies Alles den Groll der Gallier nicht zu sänftigen, die Erinnerung an die Zeit vor vier Jahr­zehnten nicht zu verklären vermocht: Sollte da das Geplauder wirklichkeit-entrückter Idealisten uns die Botschaft des Friedens, die Ver­heißung einer schönem, bestem Zukunft brin- geit können?

Nein: Die Bemer Pfingstm habm nicht enttäuscht; sie haben gehalten, was sie verspro­chen, und das Pfingstwunder offenbart sich in der wunderbaren Gestaltungskraft menschlicher Phantasie, die sich vermaß, aus flüchtgen Stimmungsmomenten ein Bild von weltgr- schichtlicber Größe zu kombinieren und zwei große Völker in ihren nationalen Lebensre- gangen auf ein Jdealisten-Programm beschei­densten Quartformats zu verpflichten. Die

Anarchisten-Schrecken.

Der preußische Milttär-Attachs in München, Major von Lewinsky, auf offener Straße erschoffen; der Mörder ein früherer Anarchist; ei« zweites Opfer des Verbrechens; Einzelheiten der Tat; der Mörder verweigert über die Ursachen des Verbrechens jede Auskunft: Anarchist oder Geisteskranker?

Wie wir bereits in den gestrigen Abend- Depeschen mitgeteilt haben, hat sich am Diens­tag mittag in München auf offener Straße ein aufsehenerregender Vorfall abgespielt. Ein anscheinend geistesgestörter Mensch hat dort den Militärattackce bei der preußischen Ge­sandtschaft in München, Major von Le­winsky, und den Oberwachtmeister der Schutzmannschaft, Bollinger, erschossen. Die Ursache des Verbrechens ist noch nicht er­mittelt und der Mörder verweigert über die Tat jede Auskunft. Wir erhalten über den Vorfall folgende Draht-Meldungen:

. München, 14. Mai.

Der preußische Militärattachee in Mün­chen, von Lewinsky, wurde am Diens­tag nachmittag in der Möhlstraße im Mün­chener Vorort Bogenhausen vor der Billa Stuck von dem vierunddreitzig Jahre alten Zinngießer Johann Strasser durch mehrere Revolverschüsse in die Brust niedergeftreckt und starb bald darauf in der Chimrgischen Klinik. Der Oberwachtmeister der Schutzmannschaft, B o l l i n st e r, der ihm zu Hilfe geeilt war, wurde gleich­falls erschossen.' Der Täter wurde vom Publikum so zugerichtet, daß er in spä­ter Nachmittagsstunde noch nicht verneh­mungsfähig war. Major von Lewinsky wurde erst vor kurzem von Darmstadt nach München versetzt, war mit einer geborenen von Kölln verheiratet und Vater meh­rerer Kinder. Die Verwirrung am Tat- orte war so groß, daß niemand an das nahe gelegene städtische Krankenhaus dachte und ein Privatautomobil den tödlich Verletzten nach der wett entfernten chirurgischen Klinik schaffte, wo er nach einer Viertelstunde ver­starb. Eine Rettung wäre allerdings un­möglich gewesen. Der Doppelmörder Stras­ser stammt aus Deggenbach in Niederbayern und war früher Anarchist.

München, 14. Mai-

Major von Lewinsky, der gegen halb zwei Uhr nachmittags in der Nähe deS Ftie- denSdenkmalS spazieren ging, wurde beim Rondell von einem gutgeNeideten Manne ohne vorhergehenden Wottwechsel durch ei­nen Revolverschutz schwer verletzt. Der Major, der sich mit dem Säbel gegen den Angreifer zu vetteidigm suchte, wurde gleich darauf nochmals von einer Kugel getroffen und sank nieder. Der zufällig deS Weges kommende Oberwachtmeister der Schutzmann­schaft, Bollinger, eilte auf dm Attentä­ter zu, wurde aber fofott mit einem Schutz empfangen, der chn in die linke Bauchseite ttaf. Unmittelbar darauf feuerte der Täter noch zwei Schüsse auf den Oberwacht­meister ab, wobei einer den Kopf traf und den sosortigen Tod zur Folge hatte. Der Mörder ergriff darauf die Flucht, wurde aber von mehreren Arbettem verfolgt, die ihn mit Spazierstöcken niederschlugen. Ein in der Nähe wohnender Herr eilte gleichfalls hinzu und fesselte den Mörder mit einem Riemen. Die nun hinzukommmden Leute schlugen auf den Mörder mit Stöcken ein, 6iS ein Schutzmann in einem Automobil erschien und ihn zur Polizei brachte.

Die Angaben über den Hergang der Tat wi­dersprechen sich. Nach der einen Darstellung hat der Polizeioberwachlmeister den Strasser aus verdächtig kontrolliert, worauf dieser den Beamten mit dem Revolver niederschoß. Dann richtete der Täter die Mordwaffe gegen den zur Hilfe eilenden Attachee Major von Le­winsky und verletzte ihn durch mehrere Schüsse so schwer, daß er alsbald verstarb. Außerdem sollen noch vier weitere Personen Verletzungen erlitten haben. Der TAer gilt als geistesgestört. Auf dem Polizeipräsi­dium verweigerte er jede Angaben über seinen Namm.

Am Schauplatz des Verbrechens.

(Privat - Telegramm.) München, 14. Mai.

Der gestrige Toppelmord spielte sich sehr schnell ab. Der Major von LewinSky kam etwa um halb zwei Uhr aus der Richtung des Friedensdenkmals her und wollte sich in die preußische Gesandtschaft, die in der Prinzregen­tenstraße gelegen ist, begeben. Plötzlich sprang ohne jeden vorangegangenen Wortwechsel an der Ecke der Ettllon- und Prinzregentmstratze

ein Mann auf den Offizier zu und feuerte schnell hintetemaichet mehrere Schüsse auf ihn ab. Der Major hatte noch die Kraft, seinen Säbel zu ziehen, konnte sich aber nicht mehr verteidigen und sank darauf zu Boden. Ein gerade des Weges kommender Oberwachtmeister eilte auf den Täter zu. Dieser streckte ihn aber durch einen Schuß nie­der, 2er dm Beamten in die linke Bauchseite traf. Unter den wenigen Passanten der Prinzregentenstratze erhob sich Geschrei und Verwirrung. Die Leute stürmten von allen Seiten auf den Mörder ein, um ihn zu halten. Dabei wurden noch vier andere Petso- ncn mehr oder weniger fchwer verletzt. Der Mörder wollte die Flucht ergreifen, wurde aber verfolgt und dabei arg zugerichtet. Die Leute hieben mit Fäusten und Stöcken auf ihn ein, bis ein Schutzmann in einem Auto herbei­eilte und dm Unbekannten zur Polizei brachte. Der Täter hatte vieleWundenam Kopf, an dm Armen und an den Beinen. Sie sind aber unbedenklich. Erst nachmittags zeigte sich der Mann, der recht anständig angezogm war, vernehmungsfähig.

Anarchist oder Geisterkranker?

(Privat-Telegramm.)

München, 14. Mai.

Der Zinngießrr Straßer, der in Mün­chen früher anarchistische Berfammlungen be- sucht hat, war erst vor kurzem von Mailand nach München gekommen und mit Geldmitteln so gut versehen, daß er im Stadtteile Neuhau­sen seine Wohnung im Voraus bezahlm konn­te und bei der Verhaftung noch 287 Mark bei sich hatte. Die in seiner Wohnung gefundenen Zeitungen wurden beschlagnahmt. Seine An­gaben, daß daS Geld von Jeiner Geliebten stamme, werden bezweifelt. Rach den Darstel­lungen eines Hauptzeugen, eines Malers, hat sich Major von Lewinsky sofort nach dem er­sten Schuß mit dem Säbel zur Wehr gefetzt. Der Maler rief, wie der Mörder neuerdings auf den Major zielte, diesem zu:Zick zack ge­hen!" was LewinSky auch tat. Er erhielt aber trotzdem noch zwei Schüsse. Jnzwifchm hatte der Maler den Oberwachtmeister mit feinem Hund bemerkt und rief dem Beamten zu: Hund loSIaffcn!" Während der Wachtmeister sich bückte, um ben Hund von Maulkorb uttb Riemen zu befreien, erhielt et den ersten Schutz in ben Unterleib unb ben zweiten ins Gesicht. Bis der Maler, bet feinen Gummiknüttel aus bem Spazierstock gezogen hatte, herbeigekom­men war, hatte bet Major bie anbete Kugel erhalten unb war auf bem Sandhaufen bei der Billa Hohmzollem zusammmgebrochm.

Ein Geständnis deS Mörders.

(Privat - Telegramm.)

München, 14. Mas.

Der Attentäter Straffer ist keineswegs (wie zuerst angenommen wurde) irrsinnig, son­dern ein bekannter Desperado, der wegen Bettelns, LandstteichenS, schwerer Diebstähle und verschiedener Ge- roalttätigleiten schon achtzig Vor­strafen hat, darunter in Oesterreich zweimal dreizehn Monate schweren Kerkers. In seiner Wohnung in der Elvirastratze wurden viele in» und ausländische Zeitungen vorgefunden. Bei der gestern abend ftattflefunbenen Konfron­tation fcn gerichtlich-medizinischen Institut blieb der Mörder kalt und gleichgiltig. Der Mörder, den bei Münchener Polizei in ben Li­sten bet Anarchisten führt, erklärte, daß er den Major von LewinSky nicht gekannt, aber an seiner Uniorfm gesehen habe, daß er preu­ßischer Offizier fei. Das Verhör mußte schließ­lich abgebrochen werden, da der Täter durch bie Verletzungen, bie ihm bie wütenbe Menge zngefügt hatte, er schöpft war. Später ge- stand der Mörder, bie Tat bewußt b e - gangen zu hbaen, weil er Anarchist fei. Er kam zu biefem Zwecke am elften Mai nach München unb hat ohne Mittäter gehan- bclt. Major von Lewinsky war erst feit etwa brei Monaten bet preußischen Gesandtschaft als Attachee zugeteilt. Et galt allgemein als ein äußerst tüchtiger unb begabter Offizier, bem man große Aussichten für feine Berufslaufbahn vorausfagte. Major von LewinSky war ver­heiratet und staub im Alter von dreiundvierzig Jahren. Der Ehe entfvrossen brei Kinder.

Wirklichkeit wird das Bernet Psingstprograuun, diese Traum-Resolution festfeierlich-begeistettet Apostel, zersetzen, ehe der Sommer ins Land zieht und beim ersten neuen Zusammenprall völkischer Interessen und Stimmungen schon wird sich zeigen, wie wenig haltbar und trag­fähig die Grundsätze gewesen, die die Pfingst- männer von Bern bestimmten, die natürliche Erkenntnis vom Wesen der Dinge auszuschal­ten und uns ein Traumgesicht zu enthüllen, das der Gegenwatt so weit entrückt ist, wie die Erde der Sonne. Gewiß: Unsere Zeit empfin­det das Bedürfnis nach Frieden und Eintracht unter den Völkern stärker, als es früher emp­funden wurde, und es ist die Tendenz interna­tionaler Kultur- und Geistesarbeit, diesem Be­dürfnis Erfüllung zu sichern und die (vom Willen des Einzelnen befreite und von wirt­schaftlichen und national-völkischen Interessen bestimmte) Politik dem Bedürfnis des Frie­dens dienstbar zu machen. Den Weg zu diesem Ziel bahnt allerdings nicht eifernder Fanatis­mus, sondern die natürliche Entwick­lung der Dinge, die vier Jahrzehnte hindurch in Frankreich den Revanche-Gedanken gezähmt und den Chauvinismus zu bändigen ver­mocht. Diese Entwicklung führt nns (vielleicht) eines Tags auch zum Altar germano - galli­scher Versöhnung, indem sie Werte völki­scher Interessengemeinschaft erstehen läßt, deren Größe die Erinnerung an das Einst von selbst in den Hintergrund drängt. Daß schon der Bereich denkbarer Zukunft-Mög­lichkeiten dieses Ziel umschließt, bezweifelt nie­mand: der Plan indessen, es durch Pfingst-Ge- plauder zu erstreben, ist so absurd, daß seinen Vätern das homerische Gelächter jenseits und diesseits der Vogesen zum verdienten Lohne ward . . .1 F. H.

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Hinter den Kulissen.

Totgeschwiegener französtfchsr Protest?

Die Beteiligung an der Berner Versöh­nungs-Konferenz war verhältnismäßig stark, wobei allerdings die F r a n z o s e n bet wei­tem in der Mehrzahl waren. Die Angaben über die Beteiligung widersprechen sich jedoch: Nach der endgültigen Präsenzliste sollen 41 Mitglieder des Deutschen Reichstages, vier Mitglieder des Elsässischen Land­tages, 164 der sranzösischen Kam­me r und 21 des französischen Senats teilaenommen haben. Die Resolution der Konferenz, die wir gestern bereits mitteilten) hat übrigens in der Konferenz selbst scharfe Gegner gefunden, wie nachfolgende Meldung beweist:

Bem, 14. Mai.

Wie eS heißt, bestanden innerhalb bet französischen Abordnung bet Versöhnungs- Konferenz statte MeinungSverschie- benheiten wegen ber Stelle bet Resolu­tion, bie ben elsässischen Lanbtag be» rühtt. Die Sozialistisch-Radikalen verlang­ten Streichung, weil bie Stelle mißver- stanben werden könnte. JauröS zerstreute je­doch ihre Bedenken, sodaß der ResolutionS» entwurf von der Abordnung angenommen wurde. Einige opponierende Radikale wollten später ein Protestnote verfassen, doch gelang cS ihren Freunden, sie davon abzu­halten; der Zusammenkunft im Berner Hof blieben sie aber fern. Ferner wird bettchttt, der ftanzöflsche radikale Senator G o i r a n d habe in einem Schreiben an den Präsiden­ten der SchiedSgerichtSgruppe d'EstournelleS de Constant gegen den PafluS über Elfaß- Lothringen Einspruch erhoben, den Brief jedoch auf Drängen seiner Freunde zu­rückgezogen.

Von deutschen Teilnehmern an der Ber­net Konferenz werden die Folgenden genannt: Bauer-Breslau, Bebel, Belzer-Sigmarin­gen Bernstein, Bindet (Pfaltt, Bohle (El- saß-Lothringen), Cohn-Etfutt, Fegter-Hanno- ver, Fischer-Betlin, Frank-Baden, Geyer- Sachsen, Giebel-Ftankfutt, Dr. Gradnauer, Haas-Baden, Haase-Königsberg, Haegy (El­saß), Haußen- Schleswig, Haußmann (Württemberg), Hetzfeld-Mecklenburg, Hilden- brand tWütttb.), Ledebour, Liebknecht, Liesching (Württemberg), Molkenbuhr (Sach­sen), Peirotes (Elsaß), Pfeiffer (Oberfranken), Röser (Elsaß). S ch e i d em an n - Düsseldorf.

Seite Troemel-Msel.

Eine Erklärung des Bürgermeisters.

Zum Fall des Usedomer Bürgermeisters T r o e m e I sind in den letzten Tagen neue Meldungen nicht bekannt geworden. Wir wis­sen. daß die deuffche Regierung bemüht ist, auf Grund der doch wohl zweifellos feststehenden Tatsache, daß der in die Fremdenlegion ein» getretene Bürgermeister dreien merkwürdigen