Casseler Neueste Nachrichten
Cafleler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 132.
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 14. Mai 1913.
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
Wngst-Rncht in Posen.
Das Urteil im Posener Sattenmordvrozetz.
Der Posener Schwurgerichts-Prozeß gegen die des Mordes an ihrem Gatte« angeklagte Fra« Dr. Eva Blume wurde in der Rächt z« Pfingsten nach achttägiger Derhand- lungsdauer z« Ende geführt. Frau Eva Blume wurde Wege« Totschlags unter mildernde« Umstände« schuldig gesprochen «nd z« vier Jah- renGefängnis verurteilt.Dor dem Gerichtsgebäude hatte fich eine nach Hunderten zählende Menge einge- fnnben, die den milden llrteilsspruch mit Entrüstungsrufe« aufnahm.
So ist nun dieser, hinter hermetisch ver- fchlossnen Türen durch acht Maientage verhandelte Prozeß zu Ende gegangen, wie er be- gcitnen: Rätselhaft und seltsam! Eine Frau, die ihren Mann erschießt, weil er der Verwirklichung ihrer Sehnsucht im Wege steht, saß nicht zum erstenmal in Posen auf der An- llagebank, und da die treibenden Kräfte des Verbrechens in diesen düster« Tragödien unglücklicher Ehen fast immer die gleichen sind, hat's Verwunderung erregt, daß man in Posen sich verpflichtet glaubte, den forensischen Endakt des Schauer-Dramas Blume Auge und Ohr der Oesfentlichkeit zu entziehen. Die Kri- minalgeschichte allerjüngster Vergangenheit nennt Fälle, in denen die psychologischen Momente des Verbrechens sich der Erkenntnis weit schärfer aufdrängten als in der Blume- schcn Ehe-Tragödie; die Annalen der Strafjustiz verzeichnen Verbrechen, deren Tatgehalt von den furchtbarsten Orkanen menschlicher Leidenschaft umbraust schien, in deren Wesensart sich die tiefsten Abgründe eines krankhaft empfindenden Gefühlslebens spiegelten, und btt dennoch im Tempel der Gerechtigkeit nicht hinterm Vorhang des Geheimnisses verschwanden, sondern bei öffnet Tür Urteil und Sühne fanden. Im Mittelpunkt des vor den Schwurrichtern von Posen verhandelten Acht- tage-Prozesses stand eine nach übereinstimmendem Sachverständigen-Besund zwar schwer hysterische (also kranke), aber strafrechtlich nicht unverantwortliche Frau, angeklagt eines der schwersten Verbrechen, die das Strafgesetz kennt, und vom öffentlichen Ankläger beschuldigt, dieses Verbrechen ausgeführt zu haben, um vor der hemmunglos stürmenden Leidenschaft ihres Empfindungslebens die letzte Schranke niederzureißen. Was die Beweisaufnahme im Prozeß an Schuldhäufung und Entlastung für die Sünderin auf der Anflagebank erbracht, entzieht sich dem Urteil der Oesfentlichkeit: An der Milde des Richterspruchs gemessen, scheint von der Wucht der staatsanwaltlichen An- llage nicht viel übrig geblieben zu sein!
Es waren Volksrichter, Bürger und fühlende Menschen, die über Frau Eva Blume das Urteil gesprochen, Leute mit Mitleid-Empfinden und Seelen-Regungen, wie wir selbst sie im Herzen fühlen, unbeeinflußt vom Paragra- phengetst juristischer Denkart und frei vom Buchstabenzwang schroffer Rechts-Logik. Sie haben ihren Spruch nach bestem Wissen und Gewissen gefällt, geleitet von dem Gedanken, der Gerechtigkeit den Sieg zu sichern und das Urteil, das etn Menschen-Schicksal bedeutete, so zu formen, wie menschliches Rechtsempsin- den es gebot. Welche Momente die Richter aus dem Volk bewogen haben, die Frau mit dem Engelsgesicht und der dämonischen Seele, die Mörderin ihres Gatten und die unter der Heuchelmaske tiefster Trauer am Grab des Er- schossnen triumphierende Verbrecherin im Witwenschleier von der Anklage des Mords zu entlasten und sie an Schasfott und Zuchthaus vorbei ins Gefängnis zu geleiten: Wer weiß es? Tie Verhandlungsleitung des Prozesses Hot die Möglichkeit öffentlicher Anteilnahme am Werden des Sühnespruchs für ein durch Vorgeschichte und Begleitumstände die weitesten Kreise des Volks im tiefsten Innern erschütterndes Verbrechen von vornherein ausgeschal- tei, und es fehlen also für die öffentliche Meinung alle Anhaltspunkte, aus denen sich Zusammenhänge zwischen Anklage, Beweisaufnahme und Urteilspruch konstruieren ließen.
Nur eine Tatsache leitet das Echo des Volks- gcricht-Urteils in enger umgrenzte Richtungsbahn: Das in der Pfingstnacht vorm Tempel der Gerechtigkeit des Schlußakts harrende Publikum »ahm die Bekanntgabe des Urteils- spruchs mit lauten Entrüstung s ruf en gegen die Frau in der Anklagebank auf! Tie Volks -Stimme gegen das Volks - Gericht! Empfinden bäumt sich hier gegen Empfinden, menschliches Regen gegen menschliche Erkenntnis, menschliche Anteilnahme ani Schicksal eines meuchlings Gemordeten gegen menschliches Gerechtigkeits-Bewußtsein ange
sichts der mit schwerer Anklage belasteten, vom Verhängnis der Leidenschaft und vom Wahn psychischer Defekte ins Verderben gedrängten Verbrecherin! Wer will entscheiden, ob die vier Jahre Gefäsignishast das Verbrechen des Gattenmords, das eine von ungebändigter Leidenschaft beherrschte, psychisch kranke und moralisch schwer-bemakelte Frau begangen, nach dem Willen der Gerechtigkeit ausreichend zu sühnen vermögen; wer bestimmen, wo im verdüsterten Seelenbild dieser Frau Vernunft und Wahn sich scheiden; wer erkennen, wo die Ursachen der Schuld wurzeln, die z w e i durch die Ehe-Formel aneinander gekettete Menschen auf sich geladen: Der Eine, indem er sich einem Weib verband, dessen Psyche ihn schon am Verlobungs- und Hochzeitstag bedroht und dessen moralische Defekte seinem Auge bereits erkennbar waren, als er um seine Liebe warb; der Andere, indem er das Leben des ungeliebten Gatten brutal vernichtete, um aller Hemmungen auf dem Weg zum Ziel der Sehnsucht entbunden zu sein? Tas Drama von Posen umschließt tausend Rätsel, deren Entwirrung der Anklageprozeß sicherlich ernsthaft erstrebt und deren Lösung sich nun im Urteil des Gerichts widerspiegelt: Vier Jahre Gefängnis wegen Totschlags, begangen unterm Zwang von Tatsachen und Begleiterscheinungen, die den Richtern die Zubilligung mildernder Umstände als Gerechtigkeitsgebot erscheinen ließen.
Der Prozeß gegen die Frau des unglücklichen Majors v. Schoenebeck verwob sich in der forensischen Belichtung der Motive und Empfindungsmomente zu einem Bilde tiefster menschlicher Verirrung, offenbarte das Verhängnis verbrecherisch-dämonischer Liebe in seiner furchtbarsten Gestalt und enthüllte Instinkte tierischster Gesühls-Primitivität: Der Posener Gattenmord-Prozeß hat nichts enthüllt, das Geheimnis eines der Vorstellung menschlicher Erkenntnis fast entrückten Verbrechens nicht winzigsten Schleiers entkleidet und durch den Urteilspruch.nun das Rätsel dieser Leidenschafts-Katastrophe für immer versiegelt. War's nützlich oder schädlich? Die Frau, die in der Pfingstnacht durch die Priester der Gerechtigkeit dem Leben wiedergegeben wurde, das sie durch den Mord am eignen Gatten verwirkt zu haben schien, ist für den Staat (als den Träger der Gerechtigkeit) und für die Gesellschaft (als das Tribunal menschlichen Empfindens) gerichtet; wird auch gerichtet bleiben, wenn nach vier Jahren die Tore des Kerkers sich ihr zum Wiedereintritt ins Leben der Freiheit öffnen: Das Rechtsempfinden natürlicher Menschlichkeit betrauert in Eva Blume das Opfer einer verhängnisvollen Irrung, beflogt in ihrem Schicksal die düstre Tragödie einer Unglücklichen, aber es steht in der kummer-gebeugten Witwe, die am Grab des meuchlings Gemordeten schluchzend die Worte menschlicher Anteilnahme hört und die Hand, die die Mordwaffe wider den Galten gereckt, bebend in die Rechte trauernder Angehörigen legt, den Dämon des Verbrechens in erschreckendster Wirflichkeit, und diese Erkenntnis war's auch, die in der Pfingstnacht vorm Posener Justizpalast die Stimme des Volks erregung-durchzittert zur Stimme der Entrüstung werden ließ . . .! F. H.
Rach dem Sängerkrieg.
Massenprotest der rheinischen Sänger!
(Privat - Telegramm.)
Köln, 13. Mai.
Die starke Unzufriedenheit einiger rheinischer Gesangvereine über den Ausgang des Frankfurter Kaiserwettsingens zieht weitere Kreise. Alsbald nach der in der nächste» Woche stattfindenden Generalversammlung des Kölner Männergesangvereins, die den Beschluß fassen soll, an Wettstreiten nicht mehr teilzunehmen, werden weitere größere Gesangvereine gleichfalls beschließen, diesem Beispiel zu folgen. Andere westdeutsche Gesangvereine wollen ihre Teilnahme fernerhin davon abhängig machen, daß die Wettstreite klassifiziert werden und als Preisrichter ausschließlich Kapazitäten auf dem Gebiete des deutschen Männerchorgesanges berufen, und daß diese auch solchen Landesteilen entnommen werden, die das Hauptkontingent der teilnehmenden Sängerschar stellen. In Berichtigung auswärts verbreiteter Meldungen, der Kölner Verein habe jüngst erst die Kaiserkette auf fünf Jahre versichert, wird zuständigerseits erklärt, daß dies nicht der Fall sei. Die Kölner Versicherung laufe nächsten Monat ab.
Der Kaiser und die Kaiserkette.
Unser Berliner W. X.-Mitarbeiter schreibt uns: Vom Franksurtcr Sänger-Wettstreit wird noch ein hübsches Scherzwort des^ K a i - s e r s bekannt. Ter Kaiserpreis des Sänger
kampfes besteht, wie man weiß, in einer prachtvollen Ehrenkette, die bekanntlich das Mißgeschick hatte, dem Preisträger des vorgehenden Sängerstreites gestohlen zu werden. Als nun der Kaiserpreis diesmal an den Berliner Lehrergesangverein kam, äußerte sich der Kaiser, der über jenen Diebstahl begreiflicherweise nicht gerade entzückt war: „Ra, das ist ja ein Glück, daß meine Kette nach Berlin kommt, da wird I a g o w (der Polizeiprä- stdent von Berlin) schon aufpaffen, daß fie a u ch dort bleibt." Diese Aeußenmg rief bei Allen, die sie hörten, verständnisinnige Heiterkeit hervor.
PftnMriede nm Balkan.
Am Vorabend des Friedensschlusses?
Das Balkanspiel eilt dem versöhnenden Ende, dem Frieden entgegen: Der Frie- dcnsschluß steht dicht bevor und die Großmächte sind bemüht, nicht nur einen Präliminarfrieden, sondern gleich den endgültigen Friedens - Abschluß herbeizuführen. Inzwischen wird allerdings bekannt, daß in den letzten Tagen zwischen Griechen und Bulgaren blutige Bruderkämpse stattgefunden haben, doch ist diesen Vorgängen eine ernstere Bedeutung wohl nicht beizumessen, denn der Abschluß des Friedens wird auch die Neinen Reibereien zwischen den Alliierten beenden.
Sofia, 13. Mai.
Der hiesigen Regierung aus London zugegangene Meldungen berichten, daß dort die Absicht vorherrscht, statt eines Vorfriedens gleich den endgültigen Frieden abzuschließen, alle einzelnen Fragen nachträglich zu regeln und die sich darauf beziehenden Verträge als Zusätze dem Frie- densvettrag anzuschließen. Die bulgarische Regierung würde dieser Ansicht zustimmen und darauf dringen, daß seitens der andere« Verbündeten keine weiteren Vorbehalte oder Verzögerungen veranlaßt werden.
Sofia, 13. Mai.
Die Regierung hat den bulgarischen Gesandten in London ermächtigt, die Friedenspräliminarien zu unterzeichnen. Der Präsident der Sobranje, Dr. Danew, begibt sich nach London und der Finanzminister nach Paris. Der frühere Gesandte in Konstantinopel, Sarasow, reist nach A t h e n, um gemeinsam mit dem dortigen bulgarischen Gesandten bei der griechischen Regierung die Unterhandlungen wegen der Festsetzung der künftigen bulgarisch-griechischen Grenze zu eröffnen.
Paris, 13. Mai-
Der Mali» veröffentlicht den F» jedenS- vertrag zwischen der Türkei und den Alliierten. In diesem Vertrag heißt es: Seine Majestät der Sultan der Türkei auf der einen und Ihre Majestäten der König von Griechenland, der König von Bulgarien, der König von Serbien und der König von Montenegro auf der anderen Seite habe« de« Wunsch, den gegenwärtigen Kriegszustand zu beendigen und Frieden und Freundschaft zwischen ihre» Regierungen und ihren Untertanen wieder herzustellen.
Ein weiteres Privat-Telegramm meldet uns aus London: Die Antwortnote der Alliierten wird heute den Boffchaftern der Mächte überreicht werden. Die Verbündeten stellen alle Feindseligkeiten ein und werden ibre Delegierten nach London enffen. den, um die Friedenspräliminarien zu unterzeichnen. Die Alliierten sprechen ihre Verwunderung darüber aus, daß die Mächte ihre Wünsche nicht in Betracht gezogen haben, trotzdem sie von großem Lebensinteresse für ihre Länder seien.
Bruderkampfe am Balka«.
Saloniki, 13. Mai. (Privat - Telegramm.) Zwischen Griechen und Bulgaren haben in den letzten Tagen blutige Kämpfe stattgefunden. Der erste Kampf fand am Freitag in Lestcra und einem in der Nähe befindlichen Torfe statt. Er dauette bis spät nachts. Die Griechen hatten vierzehn Tote und 23 Verwundete. Der bulgarische Verlust soll enorm sein. Man spricht von dreihundert Toten, doch scheint diese Zahl übertrieben zu sein. Nachrichten aus Cavallo zufolge wurde ein Dorf, das in der Nähe des Kampfplatzes liegt, niedergebrannt.
Zagow reist nach Wien!
Berlin, 13. Mai. (Privat-Telegramm.) Wie halbamtlich mitgeteitt wird, dürfte Staatssekretär von I a g o w »och voraussichtlich in dieser Woche den alsbald nach seinem Amtsantritt in Aussicht genommene Besuch in Wien ausführeu, um sich mit
dem Leiter der auswärtigen Polittk Oesterreich- Ungarns, dem Grasen Berchtold, bekannt zu machen. Nach Wiener Zeitungsmeldungen gedenkt Graf Berchtold nach Erledigung der Baflanfragen fich vom Amte zurück zu zie- h e n. Er will jedoch noch in den im Herbste zusammentretenden Delegationen die Bettre- tung seiner Politik selbst führen.
Ins Problem der 6be.
Das Eheproblem int Spiegel unsere- Zeit: Eine Rundfrage bei Dichtern «nd Denker«.
Unter dem Titel: „Dar Problem der Eh«" wird demnächst tm Verlag von Ernst Reinhardt in München ein B u ch erscheinen, das Seußerungen bekannter Persönlichkeiten über das Problem der Ehe enthält. Wir entnehmen der von Ferdinand von Paumgarten veranstalteten EnquSte nach einem der Presse zur Verfügung gestellten Auszug folgende Stimmen:
Richard Dehmel:
Die Einehe als Kulturfaktor ist ei« unglückseliges Zwitterding aus kurzer Hoffnung und langer Enttäuschung. Die Einehe als natürliches Faktum ist «i« außerovdentz. licher Glückssiall. Aber jedes außerordcirtliche Glück ist Vorbild und Ziel des menschlichen OrdnungStriebes; »nd deshalb wird die Dauerehe, mag sich auch ihre Vertragsform ändern, immer ein unentbehrliches Heiligtum der gesitteten Völker bleiben. Gewiß, die wenigsten Ehepaare finden darin das erhoffte Glück; aber welche Eltern möchten nicht ihre» Kindern den Weg dazu bereiten helfen!
Roda Roda:
Die gegenwärtige Form der monogamischen vom Staat gebundenen und schwer lösbaren Ehe scheint mir die b e st e für den größten Teil der Menschheit. Jede andere Form des Zusammenlebens von Mann und Weib setzt Weib und Kind in Nachteil. Für den größten Teil der Menschheit die beste Form. Der Künstler, die Künstlerin mögen sich von der Dauer- ehe befreien.
Bernhard Baumeister r
Für mich war die Ehe nie ein Problem. Als ich meine Erste freien wollte, war es noch höchst problematisch, ob ich sie auch kriegen würde. Dasselbe einfache Problem beherrschte damals auch die Bühne. Ob sie sich kriegten, war immer die Hauptfrage. Wie sie dann miteinander auSkommen würden, beunruhigte niemanden mehr. Man hoffte jedenfalls das Beste. Und ich, nach meinen persönlichen Erfahrungen, habe keinen Grund, pessimistischer zu denken, als das gute Burgtheater. Publikum von Anno Laube.
Trust Haeckel:
Eine Krise der Ehefrage besteht nach meiner Ansicht taffächlich, und ich glaube, daß die moderne Kulturentwicklung unter all den ft zialen, historischen und sonstigen Gründen am wirksamsten war, um die Ehe in diese kritische Lage zu bringen. Trotz alledem halte ich die Ehe in rechtlicher sowohl wie in fozialer Beziehung für eine durchaus haltbare Institution und kann nicht glauben, daß die Bewegung der Frauenrechtlerinnen aus diesem Gebiete von Erfolg sein wird.
Peter Altenberg:
Je mehr Einkehr in sich selbst »nd ihre wahrhaftigen seelischen und geistigen Bedürfnisse die Menschen durch die naturgemäße Entwicklung, genannt „Kultursortschritt-, erhalten, desto mehr komplizieren und erschweren sich, verfeinern sich die Fragen ihres persönliche» Glückes und dessen Erfüllung! Da „ökonomische- Angelegenheiten, mehr als die falschen und tief verlogenen Idealisten es sich träumen lassen, unser ganzes Dasein bestimmen, kann ich über eine Reorganisation neuer Gemeinschaften zwischen Mann und Frau nichts Bestimmtes äußern!
Frank Wedekind:
Die Ehe ist für den Menschen da, nickt der Mensch für die Ehe! Das Wohl des einzelnen ist ihr einziger, ihr höchster Zweck. Sträubt sich das Weib, dann wächst beim Mann die Kraft ins Unmenschliche. Je verzweifelter der Widerstand, umso kunstgerechter räumt ihn der Mann aus dem Weg. Man liebt sich oder man trennt sich. Ein Drittes gibt es nicht. Wenn ich meine Frau nickt vergöttern kann, dann soll sie mir gestohlen werden. Es ist eine anerkannte Tatsache, daß Schwächlinge die ehelichen Fesseln mit dem größten Hochgenuß berumschleppen. Und die meisten sind Schwächlinge!
6in Knnbenmnrd in Berlin
Die Tragödie ei»es Dreizehnjährige«.
(Draht - Meldungen.).
Berlin, 13. Mai.
Am Pfingstsonntag sand man in einer Bedürfnisanstalt in der Meierottostraße in SB er. I i n ein stark verschnürtes Paket, in dem die unbekleideten Beine einer Person im Alter von etwa 15 Jahren enthalten waren. Die Oberschenkel waren 20 Zentimeter über dem Knick