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Casseler Neueste Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 128

Donnerstag, 8. Mai 1913

Fernsprecher 951 und 952.

3» Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

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Sie Parole des Kaisers.

Kaiser Wilhelm mahnt zur Sparsamkeit!

Aus Berlin wird «ns berichtet: Das Präsidium für Reit» und Fahrsport hat die für den 13. und 14. Juni geplan­te» Reiterfestspiele im Stadion auf Wunsch des Kaiser abgesagt. Politische Gründe haben dabei keine Rolle gespielt. Der Kaiser hat fich vielmehr durch die Erwägung be­stimmen lasten, daß in diesem Jahre, das dem Volke große Opfer aufer­legt, kostspielige Feste nicht am Platze seien. Der Kaiser wünscht, daß das Fest im Stadion einen volkstümlichen Charakter ha­ben soll, und er wird dort nur eine einfache Huldigung entgegennehmen. Erkenntnis ist nützlich, mag sie auch die Seele schmerzen. Und Erkenntnis hat den Kaiser bewogen, die Mahnung zur Schlicht­heit (die unsrer Väter Tugend war), zur weisen Beschränkung (die der Oede der Mark ein Geschlecht wuchtger Tatkraft und spar­tanischer Größe entband) und zur Sparsam­keit ldie das wirtschaftliche Fundament deut­scher Reichsmacht schuf) ins Land hinauszuru­fen. Unser gesamtes öffentliches, gesellschaftli­ches und kulturelles Leben steht unterm Zwang eitler Aeußerlichkeiten;Form- undNuance­regieren in unumschränkter Machtvollkommen­heit und die Lust, durch Effekt-Wirkungen er­künstelten Glanzes den Mangel innerer Wahr­haftigkeit und wirklicher Gesühlsschätze zu er­setzen, hat uns auf Wege geführt, die die Grenze des Erträglichen und Würdigen längst über­schritten. Vielleicht ist's das Verhängnis un­serer Zeit mit ihrer überall scharf und schroff sich ausprägenden egoistisch-materiellen Da­sein-Wertung, das die bürgerliche Gesellschaft des zwanzigsten Jahrhunderts in den Strudel des Genießens, des Festefeierns und des Aeußerlichkeit-Kults hineingepeitscht hat: Die öde Sucht, zu glänzen und zu prunken, im ra­senden Millioncntanz ums Goldne Kalb sicht­bar vor aller Augen in der vordersten Reihe zu stehen und auf dem Altar des starren Götzen Mcmmon Opfer um Opfer in den schwelenden Weihrauchwolken rasch verhallenden Tages­ruhms aufsteigen zu lasten. Es ist derZug der Zeit-, der hier sich offenbart, das lockende Schlagwort des Selbstbetrugs, das den Her- dcn-Jnstinkt der Masse weckt, dem Einzelnen und der Gesamtheit die Lüge von denPflich­ten gegenüber der Gesellschaft- geläufig macht, und schließlich Alle in einen Bann zwingt, den Heuchelei und Trug geschmiedet. Es war nicht immer so: Die Tage, da das Wort von der allpreußischen Sparsamkeit Klang und Gel­tung hatte, sind noch nicht lang verdämmert, aber die Spanne Zeit, die zwischen Einst und Heul liegt, hat genügt, alle Werte umzuwerten, Traditionen zu stürzen und ehrwürdigen Brauch frommer Schlichtheit zum Rausch aus­schweifendsten Genusses zu wandeln!

Zufälligkeiten konnten diesen Wandel nicht vollbringen, Augenblicks-Regungen die Abkehr von der Art der Väter nicht bestimmen: Es war das Beispiel von oben, das Vorbild der Führenden und Leitenden, das die Maste auf diesen Weg gedrängt, und es läßt sich aus der Geschichte des letzten Vierteljahrhun­derts deutscher Reichs- und Volksgeschichte überzeugend nachweisen, wann die neue Aera im Morgenrot deutscher Wirflichkeit erschien und w i e intensiv die Wirkungen gewesen, die von ihr ausgingen. Wir sehen's heut in allen Winkeln deutscher Volkheit, von der Maas dis zur Memel, von der Etsch bis zum Belt: Der äußere Effekt, der Glanz und der Trom­melwirbel der Festparade beherrschen die Oeffentlichkeit; wohin wir schauen: Feiern und Weihen, Festgeräusch und Kirlanden-Begeiste- rung, Beckergeklirr und Toaste-Ueberschwang, und die Erkenntnis fragt bekümmert: Ist's e i n z' g e r Taseinswert unsrer Zeit gewor­den, sich festlich zu berauschen und alles, was Herz und Gemüt erfüllt, im Paradegewand spazieren zu führen? Die Wahrhaftigkeit des Lolksemvfindens weicht erkünsteltem Stim­mungszauber, die Schlichtheit deutscher Lebens­art wandelt sich zur Schein-Existenz hohler Aeußerlichkeiten und die drängende Versuchung, das Leben angenehm unv genußreich zu gestal­ten, führt auf der Schwelle des Tempels stra­fender Gerechtigkeit zu jenen beschämende» Tragödien unsrer Zeit-, in deren trauriger Heldenrolle derüber seine Verhältnisse lebende- Dürger und Mensch sich in seiner ganzen innern Leere und sittlichen Haltlosigkeit offenbart. Die Konkurs-Statistik zeigt uns, daß trotz der ge­

waltigen wirtschaftlichen Entwicklung, die in wenig Jahrzehnten der Industriestaat Deutsch­land durchlaufen, das wirtschaftliche Fudament bürgerlicher Existenz nie verhängnisvoller er­schüttert war als grade heut, und ein Blick in die Tabellen der Kriminal-Statistik offenbart uns, wie die hastige Wandlung von altväter­licher Schlichtheit zumoderner- Lebenssor- mvng auf Volkssttte und bürgerliche Moral ge­wirkt. All diese Tatsachen in ihrer Gesamt­heit verweben sich zu einem Bild voll düstrer Tragik, zu einem Merkmal völkischer Degenera­tion. und wie Märchensage klingt in unsrer Zeit das Hohelied deutscher Größe, die vor hun­dert Jahren aus Trümmern und Asche eie Kraft zu weltbestaunter Tat gewann.

Des Kaisers Mahnung greift zurück auf diese Zeit, erinnert an das Opferjahr im Frühlenz deutscher Völkerzukunft und gedenkt der Opfer, die, hundert Jahre später, das neue Reich in weltumspannender Machtgröße abermals vom Volke heischt. Die Milliarden-Spende für Heer und Rüstung steht noch immer im Mittelpunkt der Tags-Debatte; Berechtigung und Ethik der Methode begegnen nach wie vor Widerspruch und Anerkennung, und bis der letzte Heller ge­zahlt, wird dieser Streit der Geister die Begleitmusik der vaterländischen Opfertat von ncunzehnhundertdreizchn bleiben. Ob's not­wendig, ob's zwingend war. den Gedanken der Vermögens-Konfiskation, das Attribut soziali­stisch-kommunistischer Weltanschauung, in dün­ne Wirklichkeitsform zu gießen, die Nation zur Retterin aus quälender Not aufzurufen? Die uns Regierenden behaupten's, und die Erkennt­nis nationaler Pflicht im Volk hat die Ver­wirklichung des Plans leichter gemacht, als des Gedankens Väter je zu erträumen es gewagt. Indessen: EinOpferjahr- ist ncunzehnhun- dertdreizehn nicht, und kein Jdealgehalt, keine starke, das Volksempfinden bestimmende Erkenutnisregung verbindet unsre Zeit mit der gewaltigen National-Ermannung vor hundert Jahren, die nicht aus gehäuftem Ueberfluß, sondern aus ärmlichster Notdurft dem Vater­land gab, was Ehre und Würde forderten. Ter Kaiser hat ermahnt, in diesem Jahr das Festgeräusch zu meiden und still und schlicht die Tage zu begehen, die die Erinnerung den En­keln heiligt. Man denke den Gedanken, den Kaiser Wilhelm ausgesprochen, weiter aus, errechne, was Jahr um Jahr im deutschen Va­terland für Feste, Feiern, Spiele und Paraden geopfert wird und vergleiche mit der Riesen­summe. die in zwölf knappen Monden die Nei­gung unsrer Zeit verschlingt, an Festgeräusch sich zu ergötzen, die Winzigkeit der Spende, die Ncunzehnhundertdreizchn den Ehrennamen Opferjahr- erbracht! Hundert Jahre Vergan­genheit dunkeln den aufs Einst gerichteten Blick: aber seien wir ehrlich: Wir opfern nicht, wir spenden nur. und die Parole des Kai­sers kann die Offenbarung neuer Zukunft wer­den, wenn sie gegeben wurde, um zur (endli­chen) Einkehr zu rufen . . .! F. H.

Set 3or am Kaisethos.

Die Hochzeitsfahrt des Ruffenzaren.

Depeschen aus Petersburg zufolge ist die Teilnahme des Zaren an den Hoch­zeitsfeierlichkeiten in Berlin aestern endgültig beschlossen worden. Die Fahrt erfolgt auf dem Landwege. Wenn der Hofminister Graf Frederickzs, der augenblicklich in Paris weilt, den Zaren nicht begleiten sollte, ist der Hofmarschall Graf von Benckendorff zum Be­gleiter ausersehen, lieber die Zarenfahrt nach Berlin wird uns noch berichtet:

Hochzeit und hohe Politik.

(Privat - Telegramm.)

Petersburg, 7. Mai.

Der Zar. der vor Monatsfrist die Einla­dung zur Teilnahme an der Hochzeit im deut­schen Äaiserhause erhalten hatte, hatte bis in die letzte Zeit noch nicht entscheiden kön­nen, ob er der Einladung Folge leisten werde, da ihn sowohl die politische Lage, als der Zustand des Thronfolgers davon abhielt, einen festen Entschluß zu fassen. Nunmehr ist die Klärung der polittschen Lage eingetreten und seit mehreren Tagen ist auch eine sichtliche Besserung im, Befinden des Thronfolgers dazu gekommen. Der junge Großfürst hat jetzt den Krankenstuhl verlassen, und geht selbständig durch die Räume des Palastes. Ein Gerücht will wissen, daß der Besuch nicht ohne po litische Gespräche verlaufen werde.

Alfons von Spanien itt Frankreich.

Paris, 7. Mai. (Privat - Tele­gramm.) Der König von Spanien ist auf der Fahrt nach Paris gestem abend um 10.31 Uhr auf der Grenzstation H e n d a y e

eingetroffen. Der König schrltt die 200 Mann starke Ehrenkompagnie ab und grüßte, sich tief verneigend, die Fahne. Im War­tesaal des Bahnhofes wurde die Vorstellung vorgenommen. Der Präfekt hieß den Monar­chen auf französischem Boden herzlich willkom­men. Der König unterhielt sich längere Zeit mit denl General Maslatrie, der ihm als At- tochee während seines Aufenthalts in Frank­reich zugeteilt worden ist. Um 10.46 Uhr setzte der König die Reise nach Paris fort, wo er heute früh um halb elf Uhr eintraf.

Sie Sirvositianen ßutepas.

Die Ordnung des Balkan-Wirrwarrs.

Wenn auch die Räumung S k u t a r i s durch die montenegrinischen Truppen erst am Donnerstag erfolgen soll, so rechnet man in der politischen Welt doch schon heute mit dieser Räumung fast wie mit einer Tatsache. Und es ist auch schwerlich anzunehmen, daß diese Zuversicht getäuscht wird. Abgesehen von dem schweren Druck, der in der österreichischen Ent­schlossenheit und der Preisgabe der montene­grinischen Ansprüche durch die russisch-französi­schen Protettoren liegt, sind auch Gründe der inneren Wirtschaftspolitik für Mon­tenegro bestimmend gewesen, dem Willen Eu­ropas sich zu beugen. Ucber die Dispositionen der Großmächte liegen heute folgende Draht­meldungen vor:

Wien, 7. Mai.

Die Entwicklung der Krise nach dem Fall Skutaris wird hier als vollkommen normal und befriedigend angesehen. Die Auffassung über Essad Pascha und die Rolle, die er in den letzten Wochen ge­spielt hat, wird hier zusehends günstiger be- urteilt. Man glaubt, daß Essad Pascha bei der Pazifierung Albaniens mitwirken und das Portefeuille des Kriegsmini st ers im provisorischen albanischen Kabinett an­nehme« könne. Essad Pascha hat fich bereit erflärt, diesen Posten zu übernehmen.

London, 7. Mai.

Der die Blockade kommandierende engli­sche Admiral erhielt die Anweisung, fich mit den montenegrinischen Behörden in Cetinje über die Vorkehrungen bei der B u ss ch i f - f u» g b er Landungstruppen ins Einvernehmen zu setzen. Unmittelbar nach dem Einzug der internationalen Truppen in Skutari wird die K ü st e n b l o ck a d e als aufgehoben erflärt. Die Landungstrup- pen sollen etwa zwei Monate in Skutari ver­bleiben, bis die staatliche Organisation A l - b a n i e n s durchgeführt ist.

Wien, 7. Mai.

An hiesiger kompetenter Stelle werden alle von Serbien und Montenegro aus ver­breiteten Gerüchte über die Rolle, die Essad Pascha sowohl in der Skutari- frage und auch in Albanien mitgespielt ha­ben soll, als unrichtig bezeichnet. Man will wisse«, Beweise dafür geben zu könne», daß Essad Pascha im Sinne der Groß, möchte z« handeln entschlossen ist und an den Voraussetzungen zu einer künfttge« autonomen Regierung Mitarbeiten will.

Ucber die Stimmung in Montenegro meldet uns ein Privattelegramm aus Cetinje: Der König betraute gestern das demissionierte Kabinett mit der provisorischen Fortführung der Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Ministeriums. Hier herrscht voll­ständige Ruhe. Die Bevölkerung hat den Beschluß des Königs, Skutari zu räumen, eher günstig als unzufrieden aufgefaßt. Der Gene­ral Martinowitsch äußerte sich, als er den ent» scheidenden Kronrat verließ, zu einer Gruppe Soldaten:Nun werdet ihr euch, so Gott will, von schwerer Zeit erholen können." Tie Soldaten antwottetcn auf diese sriedens- verheißenden Worte mit lebhaften Hochrufen.

Keine albanische Expedition!

Wien, 7. Mai. (Privattelegramm.) Tie militärische Aktion in Albanien gilt hier als aufgegeben, und auch in Rom besteht man nach den von dort kommenden Informatio­nen nicht mehr auf der Expedition. Es liegen Rachrichten vor, daß die Truppen Essad Pa­schas sich demnächst in Durazzo einschiffen und daß sie nach Anatolien gebracht werden. Essad Pascha wird nur feine albanischen Truppen, etwa 3000 Mann, bei fich behalten. In diesem Falle sind von ihm keine Schwierigkeiten mehr zu befürchten.

Am Vorabend des Friedens.

Konstantinopel, 7. Mai. (Privat- t e l e g r a m m.) Am Sonnabend begibt fich eine Kommission des türkischen Generalstabes in das bulgarische Lager, um gemeinsam mit einer bulgarischen Generalstabskommission die neue Grenze zu bestimmen. Die erste ge­meinsame Sitzung der Friedens-Dele.

gierten in London findet (wie hier verlau­tet) am Donnerstag oder Sonnabend in bei kommenden Woche statt. In dieser Sitzung wird der Präliminarfrieden »nterzeich- net werden. Tann beginnen die Verhandlun­gen über den Friede».

August Thyssen gegen Kruvv? Die neuesten fleberraschungen in der Krupp- Affäre: Wer steht hinter den Enthüllungen?

Die Krupp-Enthüllungen des Reichstags - Abgeordneten Liebknecht ziehen immer weitere Kreise. Man erlebt jetzt sozu­sagen ihre zweite Potenz, indem jetzt Enthüllun­gen über jene ersten Enthüllungen auftaucheu Ein Berliner Montagsblatt, dem man gute Be­ziehungen nicht mit Unrecht nachsagt, hat mit einigen Andeutungen schon den Anfang ge­macht, und wer ihnen nachgeht, stößt auf Zu­sammenhänge, die zunr mindesten nicht uninter­essant sind, und die sicherlich bei der weiteren Erledigung derAffäre- noch eine Rolle spie­len werden. Eine neuerliche Prüfung der Ver­hältnisse ergibt folgendes:

Eisenkönig und Kanonenkönig.

(Informationen unseres W. L-Mitarbeiters.)

Berlin, 7. April.

Das gegen die Firma Krupp im Reichstag vorgetragene Material entstammt de» Erfahrun­gen des bekannte» rheinische« Großindustriellen AngustTHYssen. Thyssen produziert auch Panzerplatten, er trug sich auch mit dem Pro­jekt einer Waffenfabrik. Die Thyssenschen Werke suchten nur für ihre Panzerplatten auch die Kundschaft der deutschen Wehrmacht. Sei es nun, daß diese mit dem Thyssenschen Material nicht zilfrieden war, ober daß andere Umstände mitspielten: Jedenfalls konnte die Firma hier nicht recht ins Geschäft kommen. Die Firma Thyssen muß nun die offenbar auf Bewei- fen fußende Ueberzeugung gehabt habe«, daß darin ihre Konkurrenz einflutzbeteiligt war. Sie besaß Material gegen Krupp und die­ses Material übergab Herr August Thyssen fett, dem Reichstagsabgeordneten Erzberger. Dessen Bekanntfchaft hatte ihm fein Sohn, mit dem er damals noch in friedlicheren Stadien lebte, vermittelt. Es liegt ein Brief vor, in dem Herr Thyssen fett. Herrn Thyssen jun. für die Vermittlung der

Bekanntschaft des Herrn Erzberger dankt, die der Firmain der Pavzerplat« tenfrage von höchstem Wert gewesen fei". Herr Erzberger hat nun auch die Beschwerden der Firma Thyssen an den Reichsstellen nachdrücklichst unterstützt. Und zwar mit Er- folg. Und diefe Berücksichtigung feiner Be­schwerden veranlaßte ihn dann wohl, im Reichs- tag auf die Vorbringung weiteren Materials gegen Krupp, das auch für die betreffenden Reichsstellen nicht gerade fehr angenehm fein konnte, zu verzichten. So wurde das Material gegen Krupp von Herrn Erzberger, der keinen Grund hatte, gegen dieMaßgebenden" undank­bar zu fein, an die Sozialdemokratie »eiter« geschoben. Und den größten Gefallen tat nun Herr Liebknecht mit seinen Enthüllungen Herrn August Thyssen, ausgerechnet diesem Man«, den die Sozialdemokratie wegen seiner Haltung seinen Arbeitern gegenüber sonst nicht scharf ge- nug angreifen kann. Richt Liebknecht gegen Krupp müßte alfo dieAffäre" überfchrieben werden, fondern Thyffen (durch Liebknecht) gegen Krupp ...!

Parteipolitische Nachspiele?

Wie uns weiter berichtet wird, gewinnt es den Anschein, daß die vorstehend geschilderten Tatsachen noch ein parteipolitisches Nach­spiel haben werden. Es gibt Kreise ht der Zentrumspartei, die mit der Taftik des Herrn Erzberger in diesem Falle nicht einverstanden sind. Und diese Kreise sind wohl auch die Ur­sache dafür, daß jetzt über die V o r g c s ch i ch- t c der Enthüllungen einiges in die Oeffentlich­keit sickert, die auf diese WeiseWahrheit und Klarheit- eingeschenkt erhalten soll. Nicht un­erwähnt darf schließlich bleiben, daß natürlich nicht anzunehmen ist, daß der Abgeordnete Liebknecht von jener Vorgeschichte Kennt­nis hatte. Daß er ein Instrument in der Hand August Tvssens wurde, das erfährt er sicher erst jetzt. Das sind die ost wunderlichen Wege der Politik und des Parlamentarismus!

Mai- unb 6onnen=6tütme.

Dio Ursache des jüngsten Wettersturzes.

(Von unferm meteorologischen Mitarbeiter.)

Der überraschende Wettersturz, der uns Sturm und fast winterliche Kälte gebracht, hängt mit Vorgängen auf der Sonne zusam­men, die am sechsten April durck das Erschei- neu von Sonnenflecken angezeigt wurden. Diese Vorgänge sind ungeheure Stürme auf der Sonne, die in ähnlicher Weise schon in den letz-