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Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 7. Mai 1913

Nummer 127

Fernsprecher 951 und 952.

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COler Neueste NchOtm

Hessische Abendzeitung

Irr Endalt der Groteske.

Skutari wird bedingungslos geräumt; Effad Pascha verläßt Albanien und Oesterreich und Italien stecke« das Schwert in die Scheide!

Ein Privat-Telegramm mel­det «ns ans Rom: Nach der glück­lichen Entscheidnng der Skutari- frage und dem Versprechen Effad Paschas, Albanien mit seinen Sol­daten z« verlaffen, ist man hier über­zeugt, daß weder Oesterreich-Ungarn noch Italien militärische Schritte in Albanien unternehme« werden. Die Tribuna spricht die Hoffnung ans, daß diese Intervention, die sowieso ein bedeutsames Resultat nicht habe« konnte, «»«mehr «nterbleibe« werde.

S k u t a r i wird geräumt, Albanien von Essad Paschas Bohnenpflanzer-Königtum ge­säubert, und das noch gestern drohend in der Maiensonne blitzende Schwert der austro-itali- schen Allianz senkt sich zum Salut vorm Engel des Friedens! Es ist das Alles etwas überraschend, plötzlich und unvermittelt gekom­men; der Aktschluß hat die dramatische Span­nung des Schauspiels in den dämmrigen Win­keln der europäischen Völkcrbühne nicht gestei­gert, sondern gemindert, und man sieht nun, da der kreißende Berg das balkanische Mäuslein nach mondelattgen Wehen endlich geboren, w i e winzig imgrunde der Siegerpreis des Spiels gewesen, dessen Einsatz im Ernstfall der Völ­kerfriede auf der Erde Europens werden mußte. Die nahe Gefahr verhängnisvollen Wafsengeklirrs im Südosten des Kontinents ließ, wie an einem nebeldüstern Herbsttag, Ge­spenster vorm Auge erscheinen, die bei näherm Zusehen sich als Schemen entpuppten, und es kann also nicht wundern, daß in das Aufatmen über die jetzt gebannte Gefahr sich hier und da das leise Empfinden der Europäer-Beschämung mischt, von Winzigkeiten und Balkanier-Scherz- artikeln in waffenrasielnde Erregung hineinge- peitfcht worden Fu sein. Der Mann in den Schwarzen Bergen, der Europa ein halbes Jahr hindurch unterm Druck ängstlicher Sorge gefangen hielt, ist als Kronenträger und Staatsmann sicherlich keine Heldenfigur; ist's fast noch weniger als sein Kumpan und Spieß­geselle Effad Pascha, mit dem er, arglistig und schadenfroh, den Coup von Skutari inszeniert; aber die Jahrmarkt-Diplomatie Nikitas grün­dete sich auf Garantien, die im europäischen Völkerhandel schwerer wiegen als Dasein- und Existenzrechi des OPeretten-Königreichs der Schwarzen Berge, und diese Garantien (Rußlands direkte und indirekte Unterstützung der Trotzpolitik des balkanischen Zaunkönigs gegenüber dem Mächtewillen Europas) waren die der Skutari-Komödie den ernsten Un­terton, den Reflex tragischer Größe liehen.

Mit dem ins mythische Siegfriedmatz ge­reckten Greis der Schwarzen Berge neigt sich Rußland vor dem Willen Europas! Das Verhandlungs-Protokoll der Botschafter-Kon­ferenz am Londoner Friedenstisch ist sicher das unscheinbarste und am wenigsten Ehrfurcht weckende Dokument aus dieser gefahr-atmenden Periode weltgeschichtlicher Erregung, ist eigent­lich nichts weiter als das charakteristische Ar­mutszeugnis europäischer Diplomatie, aber die­ses Armutszeugnis ist d e n n o ch ein Dokument dauernden geschichtlichen Werts: Es offenbart aus allen Blättern seiner Verlegenheitsgeschichte die Lügen-Phrase von derEinigkeit Europas", illustriert in tausend Zufälligkeiten und Begleit­erscheinungen die Heuchelei deseuropäischen Friedens-Ideals" und wird einst, wenn die Ar­chive sich dem Auge geschichtlicher Forschung er­schließen, den Enkeln erzählen, was hinter den billigen Beteuerungen vomFriedenswillen der Mächte" sich an häßlicher und frevelnder Wirklichkeit verbarg. Tie Politik hat mit der Ethik nichts gemein und die Geschichte aller Zeiten zeigt, daß Völker-Schicksale und Welt- Reuordnungen nicht von der Rückficht auf Recht und Gerechtigkeit, sondern von der nüchternen Erkenntnis des gemeinen Vorteils, vom Egois­mus in seiner brutalsten Form bestimmt wur­den. Vielleicht erfahren wir, imNachhall der Sku- tari-Apotheose, welchehistorisch begründeten" Erwägungen die Politik Rußlands in die Bahn gefährlichen Zwiespalts zwangen, welche Um­stände die am Newastrand Verantwortlichen drängten, in der letzten Phase der Balkaniade den Friedenswillen Europas aus dem Hinter­halt zu gefährden und das Verhängnis einer Katastrophe herauszubeschwören, die, wenn sie Wirklichkeit geworden wäre, den Kon­tinent in seinen staatlichen und völkerrechtlichen Grundfesten erschüttert haben würde. Im letz­ten Moment, als das Schwert schon im Son­nenlicht blitzte, hat die Erkenntnis der Gefah- ren-Grötze die kalt berechnete Kalkulation ruk-

sischer Balkan-Hoffnung korrigiert, den Stroh­mann zarischer Politik aus dem Montenegriner- Thron der grotesken Heldenrolle entbunden und Europa von einem Alb befreit, der alle Lebensregungen hemmte.

Am Donaustrand und in Rom streiten Freude (über die endliche Lösung der ins Katastrophale gewachsncn Spannung) und Verstimmung (über den nun unmittelba­rem Zwang entrückten Schachzug in Albanien) um die Oberhand im Stimmungsbcreich öffent­licher Meinung. Die Politik des Wiener Ka­binetts hat aus dem Balkan-Abenteuer weder Lorbeer noch Ruhm heimgebracht, hat mit star­ken Worten und klirrendem Säbelspiel eigent­lich nur erstritten, was unter weniger peinlichen Verhältnissen einer Großmacht leiser Wink hätte verwirklichen müssen, und sicht nur in der vom Eigeninteresse geschmiedeten balkanischen Allianz mit Italien den Ideal-Effekt österrei­chischen Kraftaufwands. Auch in Rom ist man der süßen Romantik des Herzensbundes mit dem Adria-Nachbar längst entwöhnt, fand sich zur Albanien-Aktion nur bereit im Hinblick auf den in erträglicher Nähe lockenden Gewinn und gewann es über sich, Viktor Emanuels greisen Schwiegervater grimmig anzublicken, weil ohne die sinnige Harmonie der Skutari- Ouvcrtüre der rauschende Endakkord des alba­nischen Balkan-Fermate undenkbar schien. Effad Paschas rascher Verzicht auf das (noch nicht geweihte) Dhrönchen von Albanien entrückt die Hoffnungen der zumheiligen Kampf" Verbündeten dem Möglichkeitsbereich nächster Zukunft: Albanien soll unter der Kontrolle Europas gesunden, wie einst Kreta vom Frie- denswiHn der Mächte geschirmt werden und allmählich ins Staatengeftige des Kontinents hineinwachsen. So (hofft man am Friedens- tifch in London) wird alles Aergernis geschlich­tet, jeglicher Hader gebannt und das Gewölk der Gefahr zerteilt. Hoffnung macht selig, und es mag für die Mächte, die nach Monden ban­ger Sorge nun wieder den ersten Sonnenstrahl einer schönern Zeit wärmend un belebend spü­ren, eine Art Genugtuung aus dem Bewußt­sein emporwachsen, trotz aller Fährnis doch dem Guten den Sieg geworben zu haben. Ein Blick indessen auf Das, das hinter uns liegt, das vor der Skutari-Apotheose sich ereignet, ge­nügt, um den Freudenrausch zu dämpfen: Die Europäer-Kanonade auf den Zaunkönig im Felsennest der Schwarzen Berge war keine Siegertat; sie war eine Groteske, und als Groteske Wird sie auch die Weltgeschichte buchen...! * F-

Der Verzicht auf Skutari.

Das Telegramm des Königs Riktta.

Die von uns bereits gestern registrierte Nach­richt von der Aufgabe Skutaris durch Montenegro bestätigt sich. In der Nacht zum Montag sandte (wie Depeschen aus Lon­don melden) König Nikita durch Vermittlung des englischen Gesandten, Sir Edward Grey, dem Vorsitzenden der Londoner Botschafter- Konferenz ein Telegramm, in dem es heißt:

Meine Regierung legte in ihrer Note vom 30. April die Gründe ihres Verhaltens in der Skutarifrage dar. Dieses Verhalten war durch den unerschütterlichen Grundsatz der Ge­rechtigkeit geleitet. Roch einmal ver­künde ich mit meinem Volke meine durch die Geschichte und Erober­ung geheiligten Rechte. Meine Würde und die Würde meines Volkes gestatten mir nicht, isolierten Aktionen nachzu- geben. Deshalb lege ich das Schick- salStutarisindie Hände Europas.

Im englischen Unterhaus teilte gestern Pre­mierminister Asquith die Erklärung des Kö­nigs von Montenegro betreffend die Räumung von Skutari mit und erklärte dazu: Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht und die Entscheidung, wozu der König von Montene­gro zu beglückwünschen ist, liegt sowohl im Interesse seines Landes, wie des internatio­nalen Friedens ...!

Nikita verlaffen unb allein.

Wien, 6. Mai. (Privattelegramm.) Ueber die Gründe des Verzichts Montene­gros auf Skutari verlautet hier, daß die Ge­sandten Rußlands, Frankreichs und Englands einen gemeinsamen Schritt bei dem König von Montenegro unternahmen, um ihn zu veranlassen, Skutari sofort zu räu­men; sie erklärten, ihre Kabinette würden sich nachdrücklichst für gewisse territoriale und fi­nanzielle Kompensationen cinsetzcn. Wie aus diplomatischen Kreisen verlautet, , über­brachte der russische Gesandte dem König von Montenegro eine direkte Mitteilung des Kaisers von Rußland, die eine Antwort aus das Handschreiben des Königs

Nikita darstellt, in der der König die Entschei­dung in die Hände des Kaisers von Rußland gelegt wissen wollte, jedoch die Forderung auf­stellte, daß es beim Nachgeben auch äußerlich durch Rußland gedeckt würde. Dieses Ersuchen lehnte der Zar ab.

36 die Krise nun vorüber?

Die Zukunft Albaniens: Neue Sorge»!

Das Skutari-Problem ist nun gelöst: Mon­tenegro erhält für den Verzicht auf die allzu eilig als neue Hauptstadt des Landes proklamierte Albaner-Feste angemesseneKom­pensationen" und die Gefahr kriegerischer Verwicklungen wegen dieses Zankapfels bal­kanischer Zukunft darf damit als beseitigt gel­ten. Im Hintergrund aber lauern bereits neue Sorgen: Die albanische Frage drängt zur Entscheidung und es scheint, daß die Schwierigkeiten, die hier der europäischen Di­plomatie entstehen, noch weit größer sind als diejenigen, die die Skutari-Fragc gebracht. Wie die Zukunft Albaniens gestaltet werden soll, ist vorderhand noch nicht entschieden, denn der Gedanke, Albanien ähnlich wie bisher Kre­ta unter europäischer Kontrolle verwalten zu lassen, birgt mancherlei Bedenken. Wir ver­zeichnen folgende Draht-Meldungen:

Londo«, 6. Mai.

Die gestrige Botschafterkonfcrenz beschloß, daß der Kommandant der Blockadeflotte De­tachements von jeder Nationalität landen soll, die zusammen die Stadt Skutari be­setzen und die Polizei der Stadt bilden sollen. Dann begann man mit der Regelung der albanischen Frage. Grey setzte in feierlicher Rede auseinander, daß von An­fang an die Autonomie Albaniens beschlossen worden war, die auch aufrecht erhalten werden müsse.

Londo«, 6. Mai.

Unmittelbar nach Schluß der Botschafter- Reunion erhielt der Kommandant der eng­lischen Blockadeflotte die drahtlose Order, die anderen Befehlshaber der einzelnen See- detachemcntS zu einer D er a t u n g zusam­menzuberufen, um über die gemeinsame Landung von Truppen aller Groß- m ächte schlüssig zu werden. Das nächste Ziel der Truppenmacht wird Skutari fein, um dort die montenegrinischen Truppen ab- zulösen.

Petersburg, 6. Mai.

Wie verlautet, hat Rußland mit den Mäch­ten der Triple entente Verhandlungen über Einsetzung einer internationalen Kontrolle über Albanien, etwa nach dem Vorbilde Kretas, angeknüpst. Die albani­schen Delegierten in Loudon haben den Staatssekretär Sir Edward Grey ersucht, so­fort Schritte zu unternehmen, damit die Ar­mee Dschavid Paschas nach Valona gebracht und von dort nach Kleinaflen einge­schifft werden könne.

Wie uns ein weiteres Privat-Tele­gramm aus London meldet, soll die in Skutari zu landende internationale Trupp e.n macht dort weitere Befehle ab­warten. Diese Befehle will man von dem fer­neren Verlauf der Ereignisse in Albanien abhängig machen. In der nächsten Sitzung der Botschafter-Konferenz werden die Botschafter eingehender, als dies gestern geschehen konnte, sich mit dem Status Albaniens und mit der Schaffung einer internationalen Gendarmerie befassen. Rach der gestrigen Botschafter-Konfe­renz äußerte sich ein Diplomat folgendermaßen: Die Krise ist so gut wie vorüber. Wir haben noch sehr schwierige Fragen zu lösen, so die der Inseln des Aegäischen Meeres und an­dere, die eine größere Diskussion herbeiführen können. Die Hauptgefahr ist jedock be­seitigt und über Albanien wird eine V er- ständigung herbeigeführt werden.

Die Stimmung in Wien.

Wien. 6. Mai. (Privatteleg ramm.) Während die große Oeffentlichkcit die Skutari- frage mit der Erklärung des Königs Nikita, daß er die Stadt Skutari den Großmächten übergebe, für erledigt hält, ist man in den maßgebenden amtlichen Kreisen zwar ohne Mißtrauen, aber doch weit vorsichtiger in der Auffassung der Sachlage. Man nimmt dort die Erklärung des Königs zwar für ernst, unterscheidet aber doch zwischen dieser und der sicheren Tatsache der bedingungslosen Räumung Skutaris und weist darauf hin, daß die militärische Situation keine längere Ver­zögerung mehr vertrage.

Nikitas heroische Geste.

Belgrad, 6. Mai. (Privat - Tele- gram m.) Tie Nachricht von der Entscheidung König Nikitas, S k u t a r i de« Großmächten zu

übergeben, hat hier einen starken ©in« druck hervorgerufen. Die hier wohnenden Monteuegriner wollen nicht daran glauben; te sind vielmehr der Ansicht, daß Europa nichts anderes übrig bleiben werde, als Skutari den Montenegrinern zu überlassen. In serbischen politischen Kreisen glaubt man, daß König Nikita mit seinem Verzicht eine heroische G e ste angenommen habe, daß er aber sich und eine Dynastie hierdurch einer großen G e - ahr aussetze.

Isr Prinz Heinrich-Flug.

Caffel und der Prinz Heinrich-Flug; die Teilnehmer am Flug als Gäste Cassels.

Der Residenzstadt Cassel ist diesmal ein Pfingstfest besonderer Art beschieden: Tie größte lugsportliche Veranstaltung Deutschlands be­rührt auf der Rundreise durch Deutschlands Westen und Südwesten die alte Chattenstadt. Es ist nicht zuviel gesagt, die Prinz Heinrich- Flug Tage als Ouvertüre zur Tau­sendjahrfeier anzusprcchen. Seit dem Tage, da die Konkurrenten des Deutschen Rund-Fluges über Cassel kämmen, sind soviel Flieger nicht mehr an der Fulda zusammen- getrofftn: Einundzwanzig Flugzeugführer, de­ren Namen sämtlich einen guten Klang be­sitzen, und die stolze Flüge hinter sich haben, die bewährtesten Piloten geben sich in Cassel ein Stelldichein.

Prinz Heinrich in Caffel.

(Von utt{ernt Mitarbeiter.) Cassel, 6. Mai,

Der Bruder des Kaisers, Großadmiral und Generalinspekteur der Marine, Prinz Hein- rich von Preußen, der selbst auf einem Euler Apparat das Piloten-Examen abgelegt hat und feither dem aufblühenden deutschen Flugwesen, dem militärischen sowohl wie dem sportlichen, sein ungeteiltestes Interesse zuwen­det, hat das Protektorat über den dritten der Flüge übernommen, die sich unter dem Namen Zuverlässigkeitsflüge am Oberrhein in den bei­den Vorjahren einen Weltruf erobert haben. Mit der Uebernahme des Protektorats geneh­migte der Prinz, daß die Bezeichnung ^Zuver- lässigkeitsstug am Oberrhein" in Prinr Heinrich-Flug umgcwandelt wurde. Daß dies geschah, ist ein Verdienst des Kurhessischen Vereins für Luftfahrt in Cassel, der es er­möglichte, den Flug über Cassel zu leiten. Schwere Hindernisse waren zu beseitigen, ehe die Flugleitung dieser Ausdehnung des Flu­ges die Genehmigung erteilte, und die Stadt Cassel stellte zehntausend Mark zur Verfügung, um den Verein für Luftfahrt zu unter­stützen. Prinz Heinrich wird die Flieger im Kraftwagen begleiten, und deshalb am er­sten Feiertage schon in Cassel anwesend sein, wo dem Prinzen im Hotel schrrmer, dessen Anbau bis dahin ziemlich vollendet ist, die er­forderlichen Gemächer bereit gehalten werden. Wir haben dieser Tage schon die Liste der Flieger gebracht, die an dem Fluge teilnehmen. Von den Militärfliegern interessiert in Cassel

besonders

Flieger-Leutnant Blüthgen, der dem Infanterie-Regiment Nr. 167 in C a s- sel anqchört. Nach seinem schweren Sturz bei Parchim in Mecklenburg hat sich der kühne Flieqerosfizier, der bekanntlich ein -ohn des Dichters Blüthgen ist, vollkommen erholt und wird sich nunmehr mit den übrigen Fliegern am Wettkampf der Flugzeuge beteiligen. Von den Zivilflic gern sind in erster Linie zu nen­nen: Helmut Hirtü auf seinem neuen Alba­tros-Eindecker, der die Bewunderung des deut- schen Volkes durch seine einzig dastehenden Flugleistungen hervorgerusen hat, dann The­len, der noch vom Deutschen Rund-Flug rn Cassel bekannt ist, und schließlich Hans Gra­de, der allerdings außer Konkurrenz fahrt. Alle Flieger werden, das steht fest, die größte Aufmerksamkeit in Cassel finden. Eine Reihe wertvoller Preise und Geldpreise winken den Fliegern, und zwar sind folgende Preise aus­gesetzt: Ehrenpreis des Kaisers für denjenigen besten Wettbewerber, der ber den Zuverlässigkeitsetappen die geringste, Gesamt­flugdauer erzielt und die Aufklärungsubungen mit gutem Erfolge erledigt; ein Ehren­preis des Prinzen Heinrich zur die beste Leistung bei den Aufklärungsübungen. Ferner stehen Zuverlässigkefts- und Aufklä­rungspreise bereit. An Geldpreisen stehen 70 000 Mark zur Verfügung. Für Caffel hat der kommandierende General des elften Ar­meekorps, Freiherr von Scheffer-Bo y- adel, einen Ehrenpreis gestiftet, der dem Offiziersflieger zufällt, der die beste Flugzeit aus der Etappenstrecke von Wiesbaden nach Caffel erzielt.

Die Ankunft in Caffel.

Die ersten Flieger sind am ersten Pfingst- feiertag in Caffel von halb sieben Uhr mor­gens an zu erwarten. Es ist damit zu rechnen, daß um neun Uhr mindestens zwanzig Flieger in Caffel eingetroffen fein werden. Cassel ist