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Hessische Abendzeitung

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Nummer 126.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 6. Mai 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Vorder Enischeidung

Der Tag der Entscheidung in der Balkankrise; die österreichisch-italienische Attio« gegen Montenegro beschlossen; Kabinetts-Demission in Montenegro; die militärische Aktion ist in ««mittelbare Rahe gerückt; die Kriegsvordereitang Oesterreichs dauert fort!

Ser Anarchist von Mannheim Ei« Attentat auf de« Großherzog Friedrich »»«Bade«; der Attentäter ei« Anarchist!

Die »Propaganda der Tat", die anarchistische Verbrecher.Verschwörung, regt sich wie ein drohendes Gespenst in allen Ländern. Ein paar Tag« nach dem mißglückten Attentat aus Alfons von Spanic.t hörten wir, daß dem Deutschen Kaiser beim Aufenthalt im Reichs­land Gefahr gedroht habe, daß die Solidarität menschlicher Kulturgemeinschast die Pariser Polizeiverwaltung veranlaßt, in Berlin zu warnen und daß infolgedessen in den Reise­dispositionen des Kaisers Aenderungen einge­treten seien. Die Bemühungen der Behörden, Ursprung und Wirklichkeitsbereich dieser Gefah­ren zu ermitteln, sind zwar erfolglos geblieben, und haben hier und da die Warnung aus Paris als aus starker Phantasie geborne Sorge er­scheinen lassen: Daß indessen Gefahren be­stehen, daß die Furcht vor anarchistischen Attentaten nicht unbegründet ist, das hat der gestrige Tag bewiesen, der in Mannheim die verbrecherische Tollheit eines Anarchisten zur Tat schreiten ließ. Der Anschlag richtete sich gegen den Großherzog Friedrich von Baden, und wenn auch in diesem Falle die Ge­fahr nicht in verhängnisvollster Form sich offen­barte, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß es sich um ein aus anarchistischen Ideen B' rrdnes, von anarchistischer Hand ver- es Attentat handelt, dessen Ausführung Kit mit unzulänglichen Mitteln erstrebt wurde, en Ereignisgehalt aber dessenungeachtet nicht unterschätzt werden darf, weil in dem Mann­heimer Attentatsversuch sich die Gefahr des anarchistischen Elements und seine Schäd­lichkeit für Staat und bürgerliche Gemeinschaft offenbaren!

Der Mann mit dem Messer.

(Privat . Telegramm.)

Mannheim, 5. Mar.

Die gestrigen Rennen, deren Hauptergebnis der Preis der Stadt Mannheim war, sollten kn Gegenwart deSGrotzherzogs abgehalten werden. DaS Großherzogspaar Friedrich der Zweite von Baden traf um 2 Uhr 50 Minuten auf dem hiesigen Bahnhof ein, und begab sich sogleich unter den Ovationen deS Publikums zum Wagen. Als der Großherzog Platz genom­men hatte, sprang e i n M a n n auf den Wagen­tritt. Der Mann hatte ein kleines, offe­nes Messer in der Hand und versuchte da- mtt auf de« Großherzog loSzusteche«. Er stieß ben Mann mit seinem Säbelknausun- ter das Kinn, so daß er rücklings vom Wagen fiel. DaS Publikum stürzte sich wütend auf den Attentäter und wollte ihn lynchen. Die Schutzleute hatten Mühe, ihn vor der Wut deS Publikums zu schützen. Der Berhaftctt wurde als der dreiundvierzigfährige Tape­zierer Anton Jung ermittelt, der Dater von acht Kindern ist. Nach der Darstellung, die

Grotzherzog Friedrich

selbst seiner Umgebung gegenüber von dem An­griff machte, habe er nicht wahrgenommen, daß daS betreffende Individuum ein Messer in der Hand gehabt hätte. Die Kriminalpolizei hatte aber festgestellt, daß Jung bei seinem An­griff auf den Großherzog ein Messer gezeigt hatte. Daß der Großherzog das Messer nicht gesehen hah wird auf seine große Kurzsichtigkeit zurückgeführt. Nach diesem Zwischenfall setzte der Großherzog seinen Weg zum Rennplatz fort. DaS Publikum bereitete ihm dort, nachdem die Nachricht von dem Attentat bekannt geworden war, lebhafte Ovattonen. Nach einer späteren Meünmg soll es sich um die Tat eines Gei­steskranken handeln. Bei der ersten Ver­nehmung erNSrte Jung, er sei Anarchist, er habe dem Großherzog eine Bittschrift überrei­chen wolle«, im Falle der Ablehnung wollte er tätlich werden. Er hatte auch einen Brief bei sich, in dem aber nur stand, daß er um Hilfe bitte.

Ei« geisteskranker Anarchist?

Der verhaftete Attentäter Jung machte bei seiner Vernehmung verwirtte Angaben: Er handle im Auftrag einer Bande, deren Namen er nicht verraten könne. Er ist gedien­ter Kavallerist, soll Jung heißen und in der Neckarvorstadt wohnen; er macht ganz den Ein­druck eines Geisteskranken. Der Groß­herzog äußerte sich über das Attentat zu seiner Umgebung, daß er kein Messer in der Hand des Mannes gesehen habe. Dieser habe ihn nur an der Brust fassen wollen, worauf er ihn so­fort mit dem Knauf seines Degens zurückge- ftoßen habe. Zu dem Geheimen Kommerzien­rat Dr. Reiß, dem Vorsitzenden des Badischen Rennvereins, äußerte sich der Großherzog, die ganze Angelegenheit mache auf ihn den Ein­druck des Streiches eines Betrun­kenen und er bat, nicht allzu viel Aufhebens davon zu machen. Abends besuchte das Groß- >erjogspaar das Hof- und Rationaltheater. Es

Am heutigen Montag wird in London die Entscheidung über Krieg und Frieden fallen. Ein weiteres Hinausschieben des Ent­schlusses der Mächte ist undenkbar und unmög­lich, denn in Oesterreich sowohl wie in den Schwarzen Bergen ist die Balkankrise Volks­sache geworden, die Volkserregung drängt leidenschaftlich zur Entscheidung und Zögern würde unter diesen Umständen gleichbedeutend mit einer Vergrößerung des Gefahren-Risikos sein. Inzwischen hat man auch in Berlin die Stellungnahme Deutschlands scharf umgrenzt und die Norddeutsche Allgemeine Zeitung, das Organ der Wilhelmstraße, gibt bekannt, daß die Proklamierung Skutaris zur Hauptstadt Mon­tenegros und das Vorrücken montenegrinischer Truppen zur albanischen Küste jedem weiteren friedlichen Schritt der Mächte in Cetinje den Bod«n entzogen habe. In dem Ar­tikel des offiziösen Blattes heißt es:

Der letzten Botschaftervereinigung in London lag eine montenegrinische Mitteilung vor, die der Annahme Raum ließ, daß Mon­tenegro sich noch in letzter Stunde zu einem freiwilligen Einlenken und zur Räumung Skutaris entschließen könnte. Es schien der montenegrinischen Regierung klar geworden zu sein, daß sie einer ernsten Situation gegenübersteht und daß auf dem Räumungsverlangen unbedingt bestan­den wird. Die Botschaftervereinigung be­schloß auf Grund dieser Mitteilung, den Ka­binetten vorzuschlagen, daß den Montenegri­nern noch eine letzte Frist zum Rach- geben eingeräumt werde. Die montenegrini­sche Regierung sollte demgemäß zur fried­lichen Räumung Skutaris auf­gefordert werden und sollte ihr dabei er­klärt werden, daß nur in diesem Falle Mon­tenegro auf die in Aussicht genommene Hilfe der Mächte zur Besserung der wirtschaftlichen Lage des Landes rechnen könnte; andernfalls würde es aus Skutari vertrieben wer­den und hätte künftig

keinerlei Hilfe der Mächte

zu erwatten. Die Folgen seiner Haltung würden in diesem Fall verhängnisvoll fein. Ein entsprechender Schritt der Mächte in Cetinje wurde unverzüglich in die Wege geleitet. Inzwischen ist aber eine Tatsache bekannt geworden, von der die Botschaster- konserenz noch keine Kenntnis hatte; unter der Mitteilung deS Wottlauts der Proklama- tion wurde gemeldtt, daß der Kronprinz Da­nilo Skutari zur Landeshaupt­stadt ausgerufen hat. Dazu trifft die Nachricht ein, daß montenegrinische Truppen die albanischen Küsten- Plätze besetzten. Damit wird der Hoff- nung, auf die hin die Londoner Konferenz ihren Vorschlag machte, bet »oben völ­lig entzogen. Der Augenschein wiber- spricht ben Erklärungen, bie König Nikita in Sonbon abgeben ließ, in so grober Weise, baß man von ber Einwirkung bet Mächte in Cetinje sich nicht mehr Erfolg ver­sprechen könne. Die militärische Ak­tion Oesterreichs im Verein mit Italien ist nunmehr in unmittelbare Nähe ge­rückt.

Das ist eine klare und bestimmte Sprache, die sich scharf abhebt von den verlegnen Rand- bemerkungen des Staatssekretärs von Jagow in der Budgetkommission. Man spütt in der Kundgabe des offiziösen Organs der deutschen Reichsregierung den Druck der Ereignisse, den Zwang zum bestimmten Entschluß unter der Wucht der Vorgänge der letzten Tage und den bestimmten Willen, Deutschlands Einfluß im Aktschluß der Balkan-Groteske stark und nach­drücklich für das Ansehen Europas rmd für das Interesse des verbündeten Oesterreichs einzu­setzen. Daß die am Londoner Friedenstisch vertretenen Großmächte begründeten Anlaß ha­ben, das von Nikita von Montenegro getriebne grausame Spiel ehestens zu enden, daß der Zwang zum Handeln alle andern Rücksichten gewaltsam in den Hintergrund drängt, und je­der Moment weiteren Zögerns die Situation noch mehr verwickelt: Das dars heute als Ele- mentarbegriff der Erkenntnis gelten, und es ist deshalb auch zu begrüßen, daß man tn Berlin nunmehr klare und bestimmte Worte gefunden hat.

Der Kronrat in Cetinje.

(Privat Telegramm.)

Cetinje, 5. Mai.

Gestern nachmittag fand ein außerordent­licher Staatsrat statt, a« dem der Ä8«ig

und sämtliche Minister teilnahmen. Biele Ge­neräle spräche« sich für Erfüllung der Bedin­gungen ber Großmächte in ber Skutari-Ange- legenheit aus, doch trat das Kabinett biefet Ansicht mit Rücksicht auf bie im Botte herr­schende Stimmung scharf entgegen. Das Er. gebnis des Staatsrats war bie Demission beS Kabinetts, bas aus dem Grunde zu- rücktrat, um für eine etwaige Aufgabe Skuta­ris nicht die Verantwortung vor dem Volke tragen zu müssen. Gleichzeitig liege« Mel- bungen vor, baß sich Montenegro zur Räu­mung Skutaris entfchlossen hab?. Mehr­fach glaubt man auch, baß bie Demission bet montenegrinischen Regierung nur ein Scha ch- zug b e 8 Königs Nikita ist, um eine Rttargierung ber militärischen Aktion zu ver­anlassen unb auf biefe Weife Zeit zu ge­winnen.

Die Kriegsriistungen Oesterreichs.

(Privat « Telegramm.)

Wie«, 5. Mai.

Oesterteich fährt in feinen ktiegetifchen Vorbereitungen an ber Grenze Monte­negros fieberhaft fort. Gestern kamen wieder vier neue Regimenter in Cattaro an. Täglich kommen frische Truppen, die nach ber Herzego- winischen Grenze weitergeführt werden. Die österreichische Militärverwaltung requiriert Pferde unb Maultiere und das ganze Grenz­gebiet gleicht einem Militärlager. Die ruf- fische Regierung verständigte (wie au8 Petersburg gemeldet wird) nochmals Mon­tenegro, daß RußlaiwS Ausgabe wesentlich er­leichtert würde, wenn Montenegro von speziali­sierten Forderungen absehe unb lediglich bie Triple Entente, speziell Rußland, Monte­negros Interessen verteidigen ließe. Dadurch würde für Montenegro wie für Oesterreich eine vorteilhaftere Sage geschaffen. Bezüglich Kom­pensationen betont die russische Diplomatie, daß eine territoriale Erweiterung der Grenzen MontenegroK z« feiner ökonomifchen Entwick­lung in den Vordergrund trete. Daher fei die Lösung der Frage ber Brojana-Ebene wichtig, bie nut realisiert werben könne, wenn Monte­negro beibe User bes Btojanafluffes gehötten. In biefem Sinne solle« bie Kompensati­onsverhandlungen geführt werden.

Amschtvung in Montenegro?

(Privat - Telegramm.)

Wien, 5. Mai.

Hier find gestern eine Reihe von Gerüchten oufgrtaudjt, nach denen in Montenegro ein völliger Umschwung stattgefunden hat. Das Ministerium hat gestern nachmittag nach einet seht stürmischen Sitzung demissio­niert. Skutari soll bereits geräumt oder in Räumung begriffen fein. Auf dem Wiener Auswärtigen Amt weiß man nur, daß ber Krontat in Cetinje außerordentlich stür­misch verlausen sei. Jebenaflls besteht begrün­dete Hoffnung, baß König Rikita in letzter Stunde noch nachgeben wirb. Man glaubt, baß in ber heutigen Lonboner Botfchafterkon- ferenz man bereits vor einer Tatsache stehen wirb, bie es ermöglicht, die Frage bes An­schlusses Skutaris an Albanien als erlebigt anzusehen. Allerdings bleibt noch die Schwie­rigkeit der albanischenFrage,ba Oester­reich-Ungarn und Italien enffchloflen find, ge­gen bie bärtigen anarchischen Zustande einzu­schreiten unb die Ordnung wiedethetzustellen. Ein weiteres Gerücht will wissen, daß König Nikita fich in einem direkten Tele­gramm an Kaiser Franz Joseph ge­wandt unb ihm bie Räumung Skutaris binnen vierunbzwanzig Stunden zugesagt habe.

Skutari in den Kaiser-Festspielen.

Wie uns aus Wiesbaden berichtet wird, ist während der gestrigen Aufführung des »Oberon- bei den Kaiser-Festspielen dem Kaiser telegraphisch mitgeteilt worden, daß die Räumung Skutaris beschlossen sei. Die Nachricht verbreittte sich schnell im Theater und rief beim Publikum lebhafte Freude hervor. Eine Bestätigung der Mel­dung steht zwar noch aus, doch wurde unferm Korrespondenten au amtlicher Stelle der Eingang des Telegramms mit der Mittei­lung über die Räumung Skutaris beim Kaiser bestätigt. Es habe sich um ein aus Berlin stammendes Staatstelegramm gehandelt, das von bober amtlicher Stelle aufgegeben wurde.

wurdeCarmen" gegeben und das dicht gefüll­te Haus bereitete dem Großherzog vor unb nach der Vorstellung lebhafte Ovationen.

*

Neue Anarchifteu-Berschworungeu!

Attentatspläne gegen König Alfons.

(Privat-Telegramrn.)

Paris, 5. Mai.

Infolge fortwährender Gerüchte über anar« chistifche Anschläge gegen das Leben K ö - nig Alfons von Spanien haben die hiesi­gen Behörden sich veranlaßt gesehen, einen so umfassenden Ordnungsdienst einzurichten, wie es Wohl selten zum Empfange eines Herrschers der Fall gewesen ist. Für den Besuch, den König Mfons in Fontainebleau abzustatten ge­denkt, waren ursprünglich 3000 Mann zur Spa­lierbildung und zur Aufrechterhaltung des Ordnungsdienstes ausersehen. Jetzt ist be­schlossen worden, diesen Weg durch vier In­fanterie- und zwei Dragoner - Re­gimenter zu besetzen und außerdem noch 200 berittene Gendarmen zur Verfügung zu stellen. Auf der Reise des Königs nach Paris werden auf der ganzen Strecke während der Durchfahrt des Zuges alle Bahnhöfe ab­gesperrt werden, und zwei Lokomotiven werden dem Sonderzuge in unregelmäßigen Abständen voranfahren. Gestern Wurden in Baizieres zwei Spanier als verdächtige Anarchisten verhasttt. Während einer spä­ter wieder entlassen werden konnte, wurde der andere in Haft behalten.

Die anarchistische Internattonale.

Paris, 5. Mai. (Privat-Tele- grantm) In Montpellier hat gestern die Ver­haftung eines Anarchisten stattgesunden, die zu der Entdeckung einer neuen Ver­schwörung gegen das Leben des Königs von Spanien führte. Die polizeiliche Unter« suchung hat ergeben, daß das Komplott in allen Einzelheiten ausgearbei­tet war, und daß die französischen Anarchisten in regem Briefwechsel mit ihren spanischen Ge­sinnungsgenossen standen. Auf Grund der be» Magnahmien Papiere wurden vier wei­tere Verhaftungen vorgenommen.

Set Weiter Gattenmord.

Mordprozeß hinter verschlossenen Sören.

In dem Gattenmorbprozetz gegen Frau Dr. B l u m e, ber nach Gerichtsbe­schluß unter strengstem Ausschluß ber Oeffentlichkeit verhanbelt wirb, würbe am ersten Tage die Vernehmung der Angettagten noch nicht zu Enbe geführt. Die Angeklagte hat bem Vernehmen nach ihr letztes Geständnis dahin modifi- ziert, daß fie in einem Augenblick der Verwirrung den tödlichen Schuß ab- feuette, während sie in Wirklichkeit die Waffe gegen sich selbst habe richten wollen. Es wird uns dazu geschrieben: Unter ben ersten Zeugen im Mordprozeß Blume befinden sich der Waffenhändler Minke, bei dem die Angeklagte nacheinander drei Revolver kaufte, mit der Bemerkung, sie wolle nach der Scheibe schießen, der Kellner And er sch vom Mandelschen Lokal, der zusammen mit einem Tierarzt den unglück­lichen Dr. Blume mit dem Tode ringend vor- fanb, unb bas erste Dienstmädchen ber jungen Eheleute in deren Wohnort Jeseritz. Die zur Untätigteit verdammten zahlreich anwesenden Preffevettreter unternahmen am Sonnabend nachmittag einen Ausflug nach Unterberg zur Besichtigung des T a t o r 1 e s. Der Ott ist mit der Eisenbahn in einer Viertelstunde von Posen zu erreichen. Er liegt idyllisch am Wartheufer, tief im Tannenwald versteckt, umsäumt von maigrünen Birkenbänmchen. Die Heine Ko­lonie ist ein beliebter Ausflugsort bet Posener. Hart am Ufer, an einer lauschigen Stelle, steht bie Bank, aus ber einst das junge Paar sich Verlobte und die nach kaum sechsmonatlic'^r Ehe der Schauplatz des Gattenmordes wurde. Den Ausschluß ber Oeffentlichkeit. wie ihn das Gericht in dem Umfange vorgenommen hat, wird man nur schwer verstehen. Gewiß war es nicht nötig, Alkovengeheimnisse oder Anormalitäten, wie sie angebeutet wurden, in öffentlicher Sitzung zu erörtern. Es hätte sich aber doch wohl ein Modus finden lassen, im Interesse der Angeflagten wie im Interesse des Andenkens deS Toten, um vor der Oeffent­lichkeit nicht nur mit dem bloßen Urteil anfzuwarten. Der in Berlin verhandelte letzte Eulenburg-Prozeß bat den Weg hierzu gewie­sen. Die psvchologischen Rätsel, die die Ange- Hagte aufgibt, werden eigentlich immer ver­worrener. Die medizinischen Sachverständigen haben sie als

geistig völlig znrechmrngsfLhig etfiäti Der greife Schwiegervater, ber Vater des Erfchoffenen, schllvett sie al8 überaus liebreizende Frau, die alle Welt bezaubert habe. Tie ewenen Ettern ber»