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CaMerNeuK Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 29. April 1913

Nummer 121

Fernsprecher 951 und 952.

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Meldungen:

Die Situation

Wie«, 28. April- ist heute u n v e r ä n -

Daß dies bisher nur in sehr beschränktem Maße, mit primitiven Mitteln und dürsttgem Erfolg geschehen, ist ein Lücke, die sich am wert­vollsten Gut der Volksgemeinschaft: An der nachwachsenden Generation rächt und deren Wirkungen wir täglich in den Tragödien sozialen Elends betrauern. Der Zwang, der die Frau in den Kampf ums Dasein eingereiht, und der kategorische Imperativ: .Erwirb, um zu fein!" haben naturgemäß die Grenzen des mo. deinen Familienlebens nicht unwesentlich ver­schoben. und es konnte unter diesen Umständen nicht aüsbleiben, daß die Leisiungsminderung im eigentlichen Wesens- und Arbeitsbereich der Hausfrau auch die Qualität des Produtts die­ser Leistung (Fortpflanzung und Jugend-Er­ziehung) beeinträchtigte, wodurch bis zu einem gewiflen Grade die Gefahr einer Stamm- und Raffen-Verschlechterung akut ge- worden ist. Und wenn schon den Staat und den Gesetzgeber das Schicksal von etwa zehn Millionen arbeitender, ihr Brot durch eigner

natürlichsten und überzeugendsten Forderungen des sozial interessierten Frauentums zum Kampf gegen jene Unbeweglichkeit, die in der Erstarrung des Bestehenden das Glück und Heil der Gesellschaft erblickt, und grade der Staat ist's, der durch kaltes Versagen dort, wo verständnisvolle Prüfung Minimalgebot einfachster Menschenpflicht wäre, die Leiden­schaftlichkeit der Kampfstimmung in unsre Reihen trägt. Er stachelt, anstatt zu versöhnen, und er hemmt, wo er freudig fördern sollte!

Was die erwerbstätige Frau vom Staat in sozialreformatorischer Beziehung zu erwarten hat, ist nicht viel. Der Gedanke der Mutter­schaftsversicherung, der weder Unmögliches noch

ihr gewohntes Aussehen bewahrt, und es steht außer Zweifel, daß die Bewegung miß! u n - g c n ist. In den Provinzen ist die Ruhe nicht gestört.

Graf Zeppelin bei Zagow.

Tie Besprechungen im Auswärtigen Amt.

(Von unserm E. ^.-Mitarbeiter.)

Berlin, 28. April-

Graf Zeppelin ist am Freitag aus Fried, richshafen in Berlin cingetroffen und hat sich zum Staatssekretär von I a g o w ins Auswär. tige Amte begeben. Man darf annehmen, daß dieser Besuch mit den Vorgänge« während des

Hände Kraft erwerbender Frauen kalt läßt: Der aus der mangelnden Fürsorge, aus den wi-der- strcbenden Interessen zwischen Berns und Ehe emporwachsenden Gefahr einer nationalen Volks-Degeneration gegenüber können sie n i ch t gleichgiltig und untätig bleiben!

Eine Verbindung zwischen Beruf und Ehe ist immer dann möglich, wenn für beide die Voraussetzungen gegeben sind, ohne daß Ge- gerisätze erkennbar werden, die auf dem einen oder andern Gebiet die natürliche Kraftentfal- tung hemmen. Daß dieser Jdealzustand zur Normal-Erscheinung werde, ist die Sehnsucht aller Derjenigen, die um die Anerkennung na­türlicher Frauenrechte kämpfen: Daß er in der Wirklichkeit Ausnahme und Seltenheit ist, zeigt uns die Sozialstatisttk an immer neuen, erschütternden Beispielen. Und doch gehört nicht Gigantenkraft dazu, wenigstens einen er- t r ä g l i ch e n Zustand zu schassen und den Ausgleich so zu gestalten, daß Menschenrechte sich, unbekümmert um wirtschaftliche Groschen­gefahr, grade dort behaupten können, wo der Wurzelstamm deutscher Volkskraft ruht: In Haus und Familie! Unsre Sozialgesetz­gebung schirmt Kind und Greis, scheucht Sorge und Kummer, überbrückt Arbeitslosigkeit und Elend: Für die arbeitende Frau hat sie bis­her keine Gabe gebracht, die als Produkt kluger Wirklichkeits-Erkenntnis und als Versuch ehr­licher Hilfeleistung hätte geschätzt werden dür- fen. Nicht einmal die Mutterschafts-Versiche­rung (ein Prablem von zwingender Dringlich­keit) ist der Lösung nah' gebracht worden, und es kann also nicht überraschen, wenn kürzlich in einer Berliner Frauen-Versammlung das harte Wort fiel: Der Staat treibt uns durch unbeirrbare Verständnislosigkeit gegenüber den

Folgendes: Der französische Minister deS Aeußeren hat unserem Botschafter dargelegt, daß der Maire (dem in Frankreich die Polizei untersteht) ebenso wie di« anderen Behörden in Luneville ihr möglichstes zum Schutz der Deutschen getan haben. Es fei auch zu be­achten, daß Behörden wie Bevölkerung sich einem ganz ungewöhnlich überraschende« Er­eignis mit nicht ganz unverdächtigen Be­gleiterscheinungen gegenüber befunden haben. Jedenfalls können die Unzuttäglichkeiteu, die stattgesunden haben mögen, gegenüber dem Entgegenkommen der Regierung und der schnellen Erledigung der Angelegenheit nicht ins Gewicht fallen. Gras Zeppelin, der am Freitag im Auswärttgen Amt vorgespro- chen hat, hat seinerseits erklärt, daß er die An­gelegenheit als völlig erledigt betrachtet. Von einigen Blättern ist ferner die Beför- derung des Unterpräfekten von Luneville zum Präfekten eines anderen Gouvernements kommentiert worden. Der ftanzösische Minister des Aeußern hat in einer

freundschaftliche« Aussprache

dem kaiserlichen Botschafter gegenüber betont, daß die Ernennung nicht erfolgt wäre, wenn nicht gerade dieser Beamte zu der raschen Entwicklung des Zwischenfalles besonders bei­getragen hätte. Derselbe Beamte hat sich auch bei dem Zwischenfall von Arracourt aus­gezeichnet. In Berichten und Preßartikeln ist auch behauptet worden, das Luftschiff sei deutscher Grund uitti Boden. Diese Auffassung entspricht nicht dem geltenden Recht. Sodann ist behauptet worden, das Be­treten des Luftschisses durch Franzosen trotz Protestes des Schifssführers sei als Haus­friedensbruch aufzufassen. Auch dies trifft nicht zu, da nach der bisherigen Rechts­entwicklung ein Luftschiff eine bewegliche Sache ist, die als beftiedetts Besitztum nicht in Be­tracht kommt und an der deshalb ein Haus­friedensbruch nicht begangen werden kann (Alles in allem: Recht schwach, denn das Wi-^ tigste: Tie Durchsuchung der Gondel durch ; Franzosen, ist unwidersprochen ge- ' blieben!)

Sie Fra« und der Staat.

Der Schutz der erwerbstätige« Fra«.

Wie u«s mitgeteilt wird, schwe­be« jetzt Verhandlungen zwischen den beteiligten amtlichen Stellen, die darauf abzielen, Erhebungen über die wirtschaftliche Lage der erwerbstätigen Frauen anzu­stellen, um Unterlagen für geplante gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutz der erwerbstätigen Frauen zu gewinnen. Dieser Schuh soll namentlich auch die Ehe- schlietzung der arbeitenden Frauen wirtschaftlich erleichtern.

Man plant also (endlich!) eine Tat, und man muß sagen: Diese Tat ist dringlich. Es ist längst der Nachweis geführt, daß die be­rufstätige und erwerbende Frau ein Produkt der sozialen Entwicklung unsrer Zeit ist, daß sie in ihrer Gesamtheit einen wichtigen gesellschaftlichen Fattor des modernen Wirt­schaftslebens darstellt, und daß aus diesem Grunde nicht nur die erwerbstätigen Frauen, sondern auch Staat und Gesellfchaft ein erhebliches Jnterefle daran haben, der im Da­seinskampf stehenden Frau tunlichst weit­gehende Existenz-Garantien (besonders auch hinsichtlich derjenigen Aufgaben, die den Pflich- tenkreis der Mutter ausfüllen) zu sichern.

An Krieg um Skutari?

Am Vorabend der Entscheidung Europas.

Die nächsten Tage (nach der Stimmung in Wien möchte man säst sagen die nächsten Stun­den) werden in der B a l k a n k r i f i s wichtige Entscheidungen bringen. Em Berliner Blatt verzeichnete bereits am Sonntag die Meldung, daß österreichische Truppen in Montenegro einmarschiert feiern Diese Meldung ist bisher weder bestätigt, noch dementiert worden. Wir zweifeln d^r.aufig noch an ihrer Richtigkeit, denn wenn die Nach­richt zutrifft, würde diese Maßnahme Oester­reichs eine sehr übereilte Handlung dar- ftellen. Immerhin: Die Entscheidung ruht auf des Messers Schneide und jede Stunde kann Ereignisse von weitefttragender Bedeutung bringen. Wir verzeichnen folgende Draht-

Verlobung...Verschwörung.

Ein Monarchisten-Putsch in Portugal.

Eben erst hat Dom Manuel, der Exkönig von Portugal, Verlobung gefeiert und schon haben feine Anhänger versucht, die mo­narchische Gegen-Revolution i« Por­tugal der Traum der Royalisten, zu verwirk­lichen. In den frühen Morgenstunden des Sonntags erschienen ungefähr hundert Demon- tranten vor der Pionierkaserne in Lissa­bon Es wurde erklärt, daß sich in den Stra. ßen Mitglieder einer V e r s chw ö r un g be- fänden, und daß es daher notig sei, die Repu­blik zu verteidigen. Es gelang indessen, dre Verschwörung zu veretteln.

Die Verschwörung am Sonntag.

(Privat-Telegram m.)

Lissabon, 28. April-

Gestern fanden in den Straßen der Haupt- ladt Kundgebungen statt, angeblich, um die bedrohte Republik zu verteidigen. Es wurden im ganzen gegen hundertfun, ztg Militärpersonen verhaftet, darunter der Hauptmann Diaz vom fünften Infanterie, Regiment.. Zur Aufrechterhaltung der Ord­nung sind militärische Maßnahmen getroneu worden. Nach einer weitere« Meldung haben nicht nur vor der Pionierkaserne, sondern auch vor mehreren anderen Kasernen Temonßratio- nen stattgefundcn. Tie Soldaten gaben auf die Demonstranten blinde Salven ab und zerstreuten sie. Tic Polizei soll in den Raumen der radikalen republikanischen Vereinigung zwanzig Leute verhaftet haben. In der Nähe der Feuerwehrkaserne im Graca-Viertel sollen Sonntag früh zwei Bomben explodiert sein. Die meisten der Verhafteten M'.litarper- sonen sind an Bord des KreuzersRrpnbltca. andere verhaftete Militärs nach dem Kasten Sao Jorge gebracht worden. ES ist ein sorg­samer Ueberwachungsdienst von der Polizei und der Bürgergarde zur Verteidigung der Republik eingerichtet worden.

Der Monarchiste«-P«tsch mißlänge« I

Wie weiter berichtet wird, war die portu­giesische Regierung von den in der letzten Zeit von den Monarchisten angeblich mit den radi­kalsten Republikanern und Syndikalisten unter­nommenen Treibereien unterrichtet und hatte alle nötigen Vorsichtsmaßregeln getroffen. In der Nacht zum Sonntag wurden an verschiedenen Stellen Lissabons Bomben ge- worsen, Revolver abgeschossen, wahrscheinlich als Zeichen des Beginns der Bewegung. Es erffhienen vor mehreren Kasernen Gruppen von Demonstranten, die von Bürgern mit Hilfe der Polizei und von Mannschaften der republikani­schen Garde zerstreut wurden. Die Stadt hat

Unerschwingliches verlangte, scheiterte am har­tenUnannehmbar" der Regierung, ganz zu chweigen von jenen Zielen, die himmelfern der Wirklichkeit entrückt scheinen. Trotzdem wird die Notwendigkeit, im Wege der sozia­len Gesetzgebung die arbeitende Frau in ihrem Kampf ums Dasein zu schützen und ihr die Möglichkeit einer glücklichen Ehe und Mut­terschaft gesetzlich zu sichern, immer zwingen­der, und jeder Tag, der verrinnt, ohne daß den zehn Millionen erwerbstätiger deutscher Frauen der ihrem Geschlecht und ihrem Natur- recht ziemende Schutz zuteil wird, rächt sich ver­hängnisvoll durch die immer deutlicher sichtbar werdende physische Schwächung unsres Volkstums, dessen Kraft und Tatenergie die Staatsmaschine in Gang halten. Ist es vielleicht ein Zufall, daß die Geburtenziffer im Reich eine 'scharfe Gravitation nach unten zeigt, und ist's etwa eine vorübergehende Erscheinung, die hier erkennbar wird? Die Ursachen liegen klar zu Tage: Die scharfe Einspannung der Frau in den Kampf umS Dasein, die Erschwerung der Ehe durch die ungeschützte Ausbeutung der Frauenkraft im Wirtschaftsleben und (damit ursächlich zusamnicnhängend) die Abkehr von Millionen Frauen von Haus- und Familien­glück! Ein Staat, der die Notwendigkeit des gesetzlichen Schutzes wirtschaftlicher Frauenar­beit verkennt, der die Sicherung der Ehemog- lichkeiten als außerm Bereich gesetzgeberischer Kompetenzen liegend erachtet und selbst das menschliche Zwangsgebot des wirtschaftlichen Mutterschaftsschutzes ignoriert: Ein Staat, der diesen Fundamentalsätzen sozialer und sozial- ethischer Erkenntnis widerstrebt, darf sich nicht wundern, wenn unterm Druck wirtschaftlicher Härten das Familienglück verkümmert, wenn die Volkszahl zusammenschrumpft und der Nachwuchs nicht mehr die Lucke des Vergehens deckt. Es rächt sich hier, was die Unterlassung verschuldet, und es ist doppelt bedauerlich, daß diese Unterlassung grade dort begangen ward, wo alle Nervenfäden des Volkskörpers znsam- menlaufen: Im Schicksal und Daseinbereich : der Frau .,.!

Neue Deutschen-Affäre in Ranchi

Paris, 28. April. (Privattelegramm.) Der Pariser Mat in erhält aus Nancy folgen­des Telegramm: Am Sonnabend abend be­schimpften zwei Deutsche in einem Restau­rant in Briey den Sohn des Staatsanwalts Paillot Als dieser das Lokal verließ, folgten ihm die Deutschen und prügelten ihn durch. Beide wurden verhaftet. Der junsc Paillot ist bettlägerig. Die Namen der Deut-, fchen sind Johann I u n g e l s und Johann Blaß. (Der Vorfall bedarf ledeufalls erst der Aufklärung, denn es ist doch kaum wahrschein­lich, daß Deutsche in fremdem Land ohne An­laß sich zu derartigen Ausschreitungen htn- reißen lassen.)

bleibt oder Oesterreich-Ungarn allein vor­gehen läßt.

Die letzten Vorbereitungen.

Wien, 28. April. (Privat - Tele­gramm.) In unterrichteten Kreisen wird versichert, der österreichische Generalstabschef von Hötzendorff habe bereits den Auftrag er­halten, die letzten Vorbereitungen ür eine militärische Aktion Oester­reichs gegen Montenegro zu treffen. Die Mel- düng, daß Rußland an Oesterreich eine Droh- note gerichtet habe, ist unwahr. Rußland hat eine Zirkularnote an alle Mächte gerichtet, aber von dem Charakter einer Drohnote kann absolut keine Rede sein.

Immer «och Luneville!

Endlich eine offiziöse Erklärung!

Spät kommt er, doch er kommt: Der offi­ziöse Epilog zur Luneville - Affäre. Daß es so lange gedauert, befremdet einiger­maßen, aber die Norddeutsche Allgemeine Zei­tung, die jetzt zu einem Nachwort sich verpflich­tet sieht, kommt auch nur deshalb nochmals auf das Intermezzo zurück, um irrige Auffas­sungen zu korrigieren. Weil über denFall Luneville" die öffentliche Meinung nicht zur Ruhe kommen könne (meint sie) sei's erforder­lich, nochmals die Sachlage klarzustellen. Und dann erzählt uns das offiziöse Blatt über das

Abenteuer in Luneville

schlusse über die Zuteilung Skutaris zum zu­künftigen Albanien kann Oesterreich-Ungarn nicht befriedigen, so lange die Mächte sich nicht auch über die Mittel aussprechen, die dazu füh­ren sollen, daß dieser Beschluß Europas auch von Montenegro respektiert wird. Oesterreich- Ungarn ist f e st entschlossen, sich gege­benenfalls auch von Europa zu trennen und die Durchsetzung der

Beschlüsse Europas selbständig durchzuführen. Es ist ausge­schlossen, daß Oesterreich wartet, bis König Nikita Skutari befestigt hat, ausgeschlossen, daß es ein Mandat von Europa erbitten kann. Es würde anderen Mächten, die aus verschiedenen Gründen nicht aktiv mittun wollen, den Gefal­len erweisen, ein Mandat von ihnen anzuneh­men, eines von ihnen zu erbitten, hat Oesterreich aber keine Veranlassung. Kommt die Londoner Botschafter-Reunion auch am Montag nicht über ihre Theorien hinaus, dann wird Oestcreich-Ungarn selbständig zur Tat schreiten. Die militärischen Vorberei­tungen dazu sind vollständig beendet, und es bedarf eines Winkes, um Montenegro den Ernst der Situation fühlbar zu machen. Die Sttllarikrise steht unmittelbar vor der Ent,chet- dung. Europa hat die Wahl, ob es einig

dert. Erzherzog Franz Ferdinand ist in Wien angekommen und hatte mit dem Minister des Aeußern, Grafen Berchtold, und dem Generalstabschef, Conrad von Hötzen- dorfl eine eineinhalbstündige Unterredung in Schönbrunn, während der Kaiser sich bereits zur Ruhe begeben hatte. Gestern wurde der Erzherzog vom Kaiser empfangen und hatte mit ihm eine lange Besprechung.

Wie«, 28. April.

In hiesigen eingeweihtcn Kreisen, die mit den Intentionen des Thronfolgers vertraut sind, wird versichert, daß der Tyronfolger nach Kräfte« im friedlichen Sinne wirke und sich für ein« selbständige Attion der Monarchie nur unter der Voraussetzung erklärt habe, daß die heutige Botschafterkon- ferenz eine einmütige Aktion Euro­pa S für nicht unmittelbar bevorstehend er. scheinen lassen sollte.

Rom, 23. April.

Hiesige maßgebende Kreise sind überzeugt, daß es gelingen werde, Oesterreich von einer isolierten Aktion gegen Montenegro abzn- halten und König Rikita durch einige wei­tere Zugeständnisse zur Räumung von Skutari zu bewegen, wozu es allerdings noch einiger Zeit bedürfen wird. Von anderer Seite allerdings wird ein Krieg um Skutari als unvermeidlich bezeichnet.

Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zei­tung läßt sich über die augenblickliche Lage fol- genoermaßen aus: Die Kapitulation von Sku- i:ari hat an dem Standpuntt der Mächte, wo­nach diese Stadt bei der Neuordnung der Ver­hältnisse am Balkan Albanien zugewiesen wird, nichts geändert. Die Mächte haben die- en ihren Standpuntt in erneuten Verhandlun­gen bestätigt und es steht ein gemeinsamer Schritt unmittelbar bevor, durch den Monte­negro zur Räumung Skutaris ausgefordert werden wird. Für den Fall, daß dieser Schritt erfolglos bleiben sollte, werden unter den Mächten weitere Maßnahmen erwogen.

Oesterreich geht vor!

(Privat-Telegram m.)

Wien, 28. April.

Im hiesigen Auswärtigen Amt ist man mit den Beschlüssen der letzten Botschafterkonferenz durchaus unzufrieden. Die Stimmung beginnt immer mehr gereizt zu werden und zu raschen und energischen Entschlüssen zu drängen. Im Ministerium des Aeußern wird erklärt: Die theoretische Betonung der Einigkeit Europas und das Verbleiben bei dem Be-