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erhielt eine Einladung zur kaiserlichen Tafel und erschien kur; vor der festgesetzten Zeit im Homburger Schloff«. Dem Haushofmeister stan­den die Haare zu Berge, als er des Mannes ansichtig wurde: In hellgrauer Hose war er zur Tafel erschienen. Man belehrte ibn schleunigst, daß dies doch nicht angehe, und der Mann stürzte eiligst davon, um seine graue Hose mit einer schwarzen zu vertauschen. Ter Kaiser erfuhr natürlich davon und mußte herz­lich darüber lachen. Ta man wußte, daß der Kaiser

die einsamen Spaziergänge

liebte, hatte die Verwaltung des Dchloßpaikes Anweisung gegeben. Laß niemand sich in dem Park aufhaltcn dürfe, wenn der Kaiser in dem Schlosse weilte. Einem Ofensetzer, der in dem Schlosse zu tun hatte, und der sich aus Seitenwegen aus dem Schlosse schleiche» wollte, passierte nun das Mißgeschick, daß er dem Kaiser geradewegs in die Hände lief. Schleunigst macht der Mann Kehrt und lief, was erlaufen konnte, davon. Ter Kaiser rief dem Manne nach, er solle doch stehen bleiben. Ter Kaiser ging auf ihn zu und fragte ihn: Warum laufen Sie denn vor mir fort? Fürch­ten Sie sich vor mir?" Der Mann mit den schwarzen Händen und dem schwarzen Gesicht antwortete dem Kaiser, daß es verboten sei,, im Garten zu weilen, wenn der Kaiser darin spa­zieren ginge.So schlimm ist das nicht, mein Lieber, gehen Sie ruhig Ihres, Weges!" Der Kaiser grüßte freundlich und ging seines We­ges weiter. In Homburg bewegte sich der Kaiser ganz ungezwungen und sprach zahlreiche Leute an, die er von früher her kannte. Jetzt steht das alte Schloß wieder verlassen da, denn auch die Kaiserin und die Prinzessin sind nach Berlin abgereist. Die Homburger Stadtverord­neten haben aber beschlossen, die großen Auden- wiesen in einen Park umzuwandeln, da sie wissen, daß der Kaiser die Parks liebt und ihm die Verschönerung der Stadt sehr am Herzen liegt. Es soll dies ein Geschenk zu dem Re­gier» n g.s j u b i l ä u m des Kaisers sein, das er oh3) bereits mit Dank angenommen hat. Aber auch der Prinzessin haben die Hom­burger gedacht und beschlossen, ein schönes Hochze^its ge schenk zu stiften. Die Hom­burger haben aber keinen sehnlicheren Wunsch, als daß der Kaiser nächstes Jahr wicderkom- men möge ...!

Der Kaiser in Metz.

Wie uns aus M c tz berichtet wird, ist der Kaiser mit Gefolge im Souderzuge um zwei Uhr gestern nachmittag dort cingetroffen. Zum Empfang auf dem Bahnsteig war der Statt­halter Graf'Wedel erschienen. Der Kaiser batte auf der Fahrt den Vortrag des Regierungsbau- meistcrs Krenker gehört über Ausgrabun­gen am K a iserp a last in Trier.. Beim Verlassen des Bahnhofs sah der Kaiser das dort ausgestellte Metzer Pfadsindcrkorps. Die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luife haben gestern Homburg verlassen und sich nach Potsdam begebe».

Nachlese zum «MSr-tztat.

Der Reichstag der Sparsamkeit.

Im Borraum des Sitzungssaales des Reichstags hatte das Präsidium gestern eine Anzahl dem Hause übersandter Wahlurne» zur Ansicht ausstellcn lassen, die natürlich sei­tens der Abgeordneten gebührendbeäugt" wurden. Auf der Regierungsbank hatte noch­mals Herr von Heeringen mit seinem Stab Platz genommen, da es noch eine kleine Nach­lese zum Militärotat zu erledigen gab. Das KapitelGouverneure, Kommandanten und Platzmafore" stand zur Erörterung. Dazu hatte die Kommission beantragt, aus Sparsamkeits­rücksichten die Stellen der Kommandanten von Karlsruhe und Darmstadt vom ersten Ottober 191.3 ab zu streichen.

Kriegsminister vou Heeringen: Ich bitte die­sem Anträge nicht stattzugeben, da er den

Wt. 119. 3. Jahrgang.

raffel« Neueste Nachrichten

Sonnabend, 26. April 1918.

Staatsverträgen mit Bc-den und Hessen nicht entspricht.

Die Bundesratsvertreter von Hessen und Baden, Freiherr von Biegeleben und Dr. Rie­fer begründen di« staatKrechtliche Notwendig­keit der Beibehaltung der beiden Stellen.

Abg. Schöpflin <Sozialdemokrat): In der Kommission sind uns keine Gründe sür die Beibehaltung der Komu'andanturen angegeben morden. Wir beantragen, auch den Komman­danten von Königstein zu streichen. Wir müs­sen sparen, wo es geht.'

Abg. Erzberger (Zentrum): Selbst die Rechte hak 1909 Abstriche von Gouverneuren beantragt, ebenso wie die Rationalliberale». Rach meiner Auffassung sind noch lange nicht alle überflüssigen Stellen beseitigt. Auch der Kommandant von Königstein ist überslüffig.

Kriegsminister von Heeringen: Wir sind nicht in der Lage, hier in der Oeffentlichkeit die Gründe für die Beibehaltung des

Kommandanten von Königstein zu erörtern. Ich erkläre nur, daß er not­wendig ist.

Rach weiteren kurzen Erörterungen wird der Kommissionsantrag, sowie der sozialdemokra­tische Antrag in einfacher Abstimmung ange­nommen. Damit kommen auch di« Komman- danken für Dresden und Stuttgart in Fortfall. Der Etat des Reichsmilitärgerichts wird ohne Erörterung genehmigt. Es folgt der Etat des Allgemeinen Pensionsfonds.

Die Kommission beantragt die Vorlegung eines Gesetzentwurfes zur Aufbesserung der Altvenstonäre und Herabsetzung der Invalidi­täts-Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre. Eine sozialdemokratische Resolution wünscht eine I Erhöhung der Renten der Militärinvaliden (Unteroffiziere und Gemeine) sowie die Be­stimmung, daß eine Kürzung dieser Renten nach dem fechzigsten Jahre nicht mehr erfolge» darf.

Rack kurzer Debatte tvird die Resolution der Kommission angenommen, ebenso die sozial­demokratische Resolution,. Damit ist der Mili­täretat erledigt.

Dann stebt der Etat des ReiÄsschatz- a m t s zur Erörterung.

Reichsschatzsekretär Kühn: Die Kommission hat die neue Direktorstelle abgelehut. Ich bitte sie, diese Position wieder einzustellen.

Abg. Nolle (So;.) (bei der großen Unruhe int Hause fast unverständlich) spricht Über die Zollpolitik ur.h ibre Wirkungen auf d>e Lebens­mittelpreise Das Stiftern der Einfuhrscheine muß energisch bekämpft werden.

Abg. Dr. von Calker (natl.) begründet eine Resolution, die Aufhebung der Bestimmungen des Zollvereinsvertrages von 1867 fordert, die eine einseitige Belastung der deutschen Weine zulassen.

Nach längerer Debatte, in der sich verschie­dene Redner gegen die Begünstigung der aus­ländischen Weine wenden, wird die Resolution der Nationalliberalen angenommen. Dann vertagt sich das Haus auf Freitag. Auf der Tagesordnung stehen: Anfragen, Erqäuzungs- etat und Literaturübereinkunft mit Rußland.

Pfingstferien im Reichstag!

Tas Plenum des Reichstages wird schon am Sonnabend in die Pfingstferien gehen, die allerdings fast den ganzen Mai über dauern sollen. Aber der Seniorenkon­vent, der gestern nachmittag um halb fünf Uhr tagte, war einmütig der Ansicht, daß die Budget-Kommifsion ihrerseits nicht Schluß machen dürfe, ohne die Militärvorlage noch um ein wesentliches Stück gefördert zu ha­ben. So werden noch bis zum Vorabend von Himmelfahrt Kommissions-Sitzungen stattfinden, und an drei Tagen, die von Plenar­beratungen frei sind, läßt sich bei gutem Wil­len immerhin schon etwas leisten. Der Ent­schluß entspricht Dem, was von nationaler

Seite immer gefordert wurde: Keine Ver­schleppung einer Sache, die doch füf unsere Machtstellung in Europa maßgebend ist! Schon um des Eindrucks im Auslande willen durste nicht anders gebandelt werden. Auch wird die Budget-Kommission wahrscheinlich schon am achtzehnten Mai wieder ihre Arbeit aufneh- m e ti, so daß das Plenum, wenn es eine Wocke darauf zusammentritt, bereits genügend Stoff vorfindet.

Sie Politik des Tsges.

Das nationale Gewissen.

Wie die Norddeutsche Allgemeine Zeitung mitteilt, ist der angekündigte Entwurf eines Gesetzes betreffend die Gewährung von Bei­hilfen an Kriegsteilnehmer nunmehr vom Bundesrat angenommen worden. Die Vorlage sieht eine allgemeine fünfundzwan­zigprozentige Erhöhung der Beihilfen auf einen Jahresbeitrag von 150 Mark vor, führt die Gewährung eines Gnavenviertel- jahrs für die Witwen der Beihilfenempfän­ger ein und mildert die Bedingungen für die Erlangung der Beihilfen insbesondere dadurch, daß die Gewährung bei vorliegender, nicht nur auf vorübergehender Ursache be­ruhender Unterstützungsbedürftigkeit von dem Nachweis der Erwerbsunfähigkeit unabhängig gemacht wird. Den hervorgetretenen Wünschen entsprechend fallen damit amtliche Feststellun­gen fort, die bei alten Kriegsteilnehmern nicht mehr am Platze sind: Insbesondere erübrigt sich die ärztliche Untersuchung. Nach ausdrück­licher gesetzlicher Vorschrift soll ferner bei der Feststellung der Fürsoraewürdigung das po­litische Verhalten der Kriegsteilnehmer außer Betracht bleiben.

Erhöhung der Postbeamten Gehälter k

Berlin, 25. April. (Privat-Tele- g r a m m.) Zwischen den Parteien des Reichs­tages fanden gestern dem Vernehmen nach Ver­handlungen wegen Erhöhung der Gehälter der mittleren und unteren Postbe­amten statt, und zwar hat man sich auf eine mittlere Linie geeinigt, von der zu erwarten steht, daß sie auch die Billigung des Reichs- fchatzanttes finden wird. Insgesamt sollen für die mittleren Beamten 5,4 Millionen und für die Unterbeamten und Postboten über drei Millionen Mark mehr als bisher aufgewen­det werden. Zwischen dem Schatzamt und dem preußischen Handelsministerium schweben fer­ner Verhandlungen, um Preußen dem Vor­gehen des Reiches sich a n s ch l i e ß c n zu lassen.

Rach Araeourt: Bordeaux?

Ein Privat - Telegramm meldet »ns aus Paris: Nach hier eingetroffenen Mel­dungen entstand am Mittwoch abend im Bahn­hof von Bordeaux ein Streit zwischen zwei deutschen Reisenden und einer Anzahl Franzosen, der sogar zu Tätlichkeiten geführt haben soll. Nach späteren Informatio­nen handelt es sich aber um eine ganz unbe­deutende Auseinandersetzung. Zwei deutsche Reisende bestiegen den Zug, der um halb elf Uhr nach Paris abfährt. Wegen der Plätze, die die Deutschen mit ihren Schirmen belegt hatten, und die di« französischen Reisenden für sich beanspruchten, entstand eine heftige Dis­kussion, doch ist es zu Tätlichkeiten ni ch t ge­kommen. Die beiden Deutschen erklärten, sich sofort nach ihrer Ankunft in Paris beim deut­schen Generalkonsul beschweren zu wollen. Auf dem deutschen Generalkonsulat ist indessen über diesen Zwischenfall bisher nichts bekannt geworden.

Das Languenet-Abenteuer.

Depeschen aus Toulon melden uns: Der ausgediente Obermaat Verdier, der wegen

des gestern gemeldeten Einbruches auf dem TorpedobootzerstörerSanguenet und wegen der Ermordung des Wachtpostens verhaftet worden ist, leugnet die Schuld aufs ent­schiedenste. Die Marinebehörde hat nach noch­maliger Untersuchung festgestellt, daß von den in dem Schreibtisch des Kommandanten des Schiffes sich befindenden Schriftstücken nichts verschwunden ist.

Das Ende des Generalstreiks.

Srüffel, 25. April. (Privat - Tele­gramm.) Der gestrige Parteitag der So­zialisten, der von 1200 Delegierten b.sucht war, hat nach lebhafter Debatte die sofortige Wie­deraufnahme der Arbeit mit Dreivier­tel-Mehrheit beschlossen. T-cr Parteitag stellt fest, daß man die Klerikalen gezwungen habe, ihre Fanatiker zum Sttllstand zu Bringen und daß man jetzt in der Kommission für das all­gemeine Stimmrecht wirken könne. Der Generalstreik ist damit zu Ende. Scho» gestern wurde in vielen Fabriken des Landes die Ar­beit wieder aufgenommen, und bis Montag wird die Lage wieder eine normale sein. Der Generalstreik hat also mit einem politi­schen Erfolg der Arbeitnehmer geendet.

Plötzliche Abreife der Königin von Holland: Dringende Staatsgeschäste! Gestern mittag be­gab sich die Königin Wilhelmine von Holland von Frankfurt a. M. mit dem Rotterdamer D-Zuge unvermutet nach dem Haag zurück. Wie es heißt, machen dringliche Staaisgeschäfte die Anwesenheit der Königin in Holland er­forderlich. Am Sonnabend fährt die Königin nach Hohemark zurück.

Dernburgs Wahl in den Zwcckverband un­gültig ! Depeschen aus Berlin melden uns: Das Oberverwaltungsgericht hat die in Scköneberg erfolgte Wabl des Staatssekre­tärs a. D. Dernburg, der in Grünewald wohnt, in die Zweckverbandsversammlung für ungül­tig erklärt. Es muß nun eine Neuwahl statt- finden.

Sar Neueste aus Kassel.

Hirnmels-Schlüffelchen...!

Liebliche Blume.

Bte du so früh schon Wiedergekommen? Sei mir gefltüfit, Primula ve.ris!

Leiser denn alle

Blumen der Wiese Hast du geschlummert Liebliche Blume Primula vor s!

(Lenau.)

Zwischen Waldmeister und Anemonen grüßten am letzten Markttag die ersten leuch­tendgelben Blütenbüschel der Frühlingsprimel. Wer freute sich nicht, wenn er zum ersten Mal nn Jahre wieder ein Primelsträußchen m der Hand halten darf . . , am Ende gar ein Selbst­gepflücktes ! In meiner Kinderzeit zog ich zur Zeit der Primelblüte mit Brüdern und Freun­den in Schluchten und auf Wiesen, wo dte gelben Blüten mit ihren krausen Blättern zu Hunderten standen. Da wurde» dicke Sträuße gepflückt und hier und dort auch vorsichtig cm Pflänzchen mit der Wurzel herausgehoben, um zu Hause auf den Balkon zwischen die schwar­zen Stiefmütterchen verpflanzt und tagtäglich sachverständig auf fein Gedeihen hin beobachtet zu werden. Die Zeit zum Blumenpflücken ist heute nicht mehr da, ich weiß nicht einmal, oh dieLiebliche Blume, Primula veris" heute noch dort zu finden ist, aber wenn ich die Pri­meln als Kind vor allen anderen Frühlings­blumen besonders gern hatte, so ist das auch heute noch so.

Sie hat so etwas ganz besonders Sonni­ges, Freudiges an sich mit ihren sammetgelben Sternchen in den durchsichtigen, lichtgrünen Kehlchen. Wir nannten sie als Kinder Schlüf-

Feuilleton.

Sinnfpruch.

Nur frischen Sinus durchs Lebe» hin, Nur nicht gebeugt den stolzen Sinn, Mit Freuden jede Maid geküßt, Mit Hochmut jeden Narr'» gegrüßt: So wirst du glücklich, wirst du groß, Und schäftest dir dein eigen Los.

Johann Wolfgang Goethe.

Lssskler Loujkrte.

Konzert des Caffeler Liederkranz.

Die schon längst totgeglaubte Saison lebte gestern abend noch einmal für wenige Stunden auf. Dem Casseler Liederkranz war es geglückt, mit einem geschickt zusammengestell- te» Programm die Einflüsse des Wonnemonds zu banne». Ma» hatte die Abwechslung nicht z» bereuen. Dieser Meinung waren wohl alle (es waren viele Hunderte), die gestern den große» Stadtparksaal füllte». Der stattliche Chor besitzt ausgezeichnetes Stimm-Material, besonders die Tenöre, sonst das Schmerzens­kind der Chöre, sind vorzüglich diszipliniert. Das Falsett klingt männlich ohne den bekannte» süßlichen Beigeschmack. Tas erreichte Maß stimmlicher Kultur verdankt der Chor sicherlich feinem Dirigenten Herrn A. Klei», der die Gesänge in farbenreicher Ausarbeitung leitete. Sehr fein klang KremsersStill, toeiU Kind­lein schlafen will" und ganz besondere Freude bereitete derJäger ans Kurpfalz", in dem man die mustergültige Klarheit des Stimm­gewebes bewundern durfte. Aus dem Pro­gramm sei noch die Arbeit eines heimischen Musikers erwähnt, das hessische VolksliedSoll ich Euch mein Liebchen nennen?" von O. Scheuch, ein geschickt gemachtes Stück, das Interesse für den Autor erweckt.

Eine dankbar begrüßte Abwechslung boten die Liedervorträge der Kammersängerin Lie­beskind und einige Klavierstücke der Piani­stin (warumKonzertpianistin" ?) F. Leim- bach. Unsere heimische Gesauzsuieistenn. stimmlich vrachwoll disponiert, bot wieder ein­mal reinste» Kunstgenuß. Die trefflich geführte

Stimme quillt besonders in der Mittel läge so warm und edel, daß jedes Auftreten der Sän­gerin zum Ereignis wird! SchumannsWenn ich früh in den Garten gehe" und Gregers Kinderträume" wurden in dieser Reproduktion ibesonders durch dasSpinnen" des Tones) kleine Klangwunder. Fräulein Leimbach (Leh­rerin an unserem Casseler Konservatorium) tarnt für ihr Alter bereits erstaunlich viel. Ter Chopiu-Walzer, mit dem sie begann, litt aller­dings unter nervöser Befangenheit. Im fol­gende» Impromptu war die Künstlerin soweit Herrin über sich, daß man die solide Tech­nik erkennen konnte. Richt passend gewählt er­schien mir Chopins Polonaise op. 53. Fräulein Leimbach besitzt musikalischen Geschmack und hätte mit Schubert oder Schumann (die übri­gens in den Rahmen des Konzerts besser ge­paßt hätten) besser abgeschnitten. Chopins Po­lonaisen erfordern viel phhsische Ausdauer, selbstverständliche, fast kokette Eleganz und Bravour, die nicht erlernt werden, sondern das Produkt künstlerischer Entwicklung sind. Vor dem Streben der reichbegabten Künstlerin jedoch allen Respekt! Sie wird zweifellos auf diesem Wege ans Ziel gelangen ... Alle Mitwirkenden wurden mit Applaus überschüttet. Nder.

-T- Offenbach redivivus.Die Heimkehr des Odysseus," burleske Operette in drei Akten von Ettlinger und Erich Motz, mit Ofsenbachscher Musik von Leopold Schmidt geschickt zusam­mengestellt, hatte in Frankfurt a. M. bei ihrer Uraufführung einen schönen Erfolg. Die Auf­führung war hervorragend gut, und den Paro­distischen Ton traf am beste» Herr Schramm als Odysseus.

Spät kommt ihr, doch ihr kommt ...!" Wie der Generalsekretär der Schillerstiftung, Professor Dr. Bulle in Weimar mitteilt, hat die Schillerstistung die Angelegenheit des Dich, ters Holz auf die Tagesordnung der General­konferenz in der Pfingstwoche gestellt. Ta über die Begabung Arno Holz' ebenso wenig Zweifel besteht wie über seine Not, wird ihm hoftcnt- lich geholfen werde».

Kliguenwirtschaft in der Münchener Kritik? Ein seltsamer Prozeß steht den Münchenern bevor. Als Gegner werden

sich der Musikreferent derMünchener Neuesten Nachrichten", Dr. Rudolf Louis, und der bekannte Schriftsteller Michael Georg Con­rad gegenüberfteljen. Conrad hatte imDeut- fchen Literaturblatt" den Noftchrei eines jungen Münchener Künstlers veröffentlicht, der sich ge­gen Louis richtet. Es wird darin an Hand von fachlichem Material der Nachweis zu erbringen versucht, daß Louis Kliquenwirftchast teeibe.

Mainlinie und Kunst. Wie aus Mün­chen gemeldet wird, wird bort der Plan leb­haft besprochen, das Lebenswerk Anton von Werners in München, eventuell im dortigen Armeemuseum, zur Ausstellung zu bringen.

*£: Der Bühnenverein für Arno Holz. Auf der Generalversammlung des deutschen Büh- nenvereins, die am 14. Mai in Eisenach stattfindet, wird ein Antrag gestellt und, wie versichert wird, auch angenommen wer­den, der vorschlägt, Arno Holz eine Ehrengabe zu überreichen.

Artur Nikisch in England. Nikisch feierte bet der Leitung derR h e i n g o l d" - Auffüh­rung im Covent-Garden-Theater einen großen Triumph. Seit sieben Jahren birlgiert er wie­der zum ersten Mal. Man erkennt seine Persön­lichkeit an und betounbert seine Herrschaft über bas Orchester. Man vergleicht seine Leitung mit ber Richters. Nikisch würbe über­schwenglich gefeiert.

Ein Werk Herkomers für die Universität Cambridge. Hubert von H e r f o m e r , ber be­rühmte deutsch-englische Maler, bot der Uni­versität Cambridge ein prachtvolles Por­trät ihres Kanzlers Lord R a v l e i g b , ber be­kanntlich vor zwei Jahren den Nobelpreis für Physik gewann, zum Geschenk an. Tie Uni­versität nahm das Angebot Herkomers mit vie­lem Dank an.

JV Der Münchener Theater-Konflikt. Wie ans München berichtet wird, haben Hermann Bahr, Ludwitz Thoma, Adolf Paul, Biro, Lengyel und Molnar der Mün­chener Theatergesellschaft wegen der Kammer­spielkrise (über die wir dieser Tage berichteten) ihre Werke entzogen. Die Theatergesellschaft bezeichnet dies als Stimmungsmache Robetts und verweist auf die bevorstehenden Gerichts­verhandlungen.

Fünfundachtzigtausend Mark für eine« Feuerbach. Anselm Feuerbachs .Hafids vor

der Schenke" ist mit Genehmigung des Rates bet Stadt Mannheim für 85 000 Matt aus Mannheimer Privatbesitz für di« Kunsthalle zu Mannheim erworben worden.

Eine neue Oper von Humperdinck. Engel­bert Humperdinck arbeitet an einer neuen Oper, zu ber Robert Mifch bett Text schreibt. Das Werk soll seine Etttaufführung auf einer Berliner Bühne erleben.

Maeterlinck, der Philanthrop. Der bei« gische Dichter Maurice Maeterlinck hat den Streikenden seines Landes als erste Rat tau­send Francs gespendet, die er mit einem Briefe an den Sozialistenführer Vandervelde schickte.

klrinr SArishettrn.

Die elektrischen Wellen der drahtlosen Tele­graphie folgen mft Vorliebe den Flußläufe«.

Es werden gegenwärtig schon jährlich fünf Millionen Kilogramm Kunstseide fabriziert.

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Wäre das Wasser auf der Erde gleichmäßig vetteflt, so würde es die Erdkugel 2500 Meter hoch bedecken.

Die nördlichsten Fliegen sind auf 82 Grad 33" nördlicher Breite im arkttschen Amerika ge­fangen worden.

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Herzog Johannes der Zweite von Cleve, der Ende des fünfzehnten Jahrhundetts re« gierte, legitimierte dreinndsechzig natürliche Kinder.

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Der Norddeutsche Lloyd hat bis jetzt neun Millionen Menschen befötbert.

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Im Jahre 1910 wurden mehr als elf Zent­ner Diamanten gefördert.

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Man kennt allein 75 000 Arten von Rüffel­käfern.

Die Engländerin Godalphin hat das Kunst­stück zuwege gebracht, Robinson Crusoes Ge­schichte auf 161 Druckfeiten in lautet einsil­bigen Worten zu erzählen.