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Sie blamierten ßnrobäet.
Die Blockade-Groteske vor Antivari und Du razzo; kein europäischer Krieg um Skutari
»Ganz Europa wundert sich nicht Wenig...!" Aus der Zinne von Skutari weht swlz im Frühlenzwind die Montenegrinerflagge; Nikita, der .Heldenkönig", sonnt sich im Ruhmesglanz des Kontinent-Bezwingers, und drunten im Adria- gewäfler, vor Antivari und Durazzo, steigt aus haushohen Kriegsschiff-Schloten europäischer Mächte-Einheit das qualmende Rauchopfer blamierter Europäer! Die Groteske erschüttert das ledernste Zwerchfell, und wenn der Kanonendonner am Tarabosch nicht der Alarm neuer Balkangefahr wäre, müßte man dem Träger der Czernagorzen-Krone den Lvrbeerkranz des preisgekrönten Weltmeister-Humoristen winden. Denn Nikita, der Greis mit dem Temperament des wilden Sturmgesellen, feiert feinen Triumph gegen ganz Europa, und angesichts der internationalen Bloekadeflotte, deren Admiralitätsrat (selbst die kleinsten Hühnchen schmunzeln!) die Blockade einige Stunden nach dem Fall Skutaris auf Durazzo ausgedehnt hat! Wer lacht da nicht? Schöner kann das Sprichwort von dem Schließen der Stalltür, wenn die Kuh längst draußen ist, sicher nicht illustriert werden. Nikitas Majestät bedarf keiner Zufuhren ans Durazzo mehr: Er ist heut Herr und Gebieter von Skutari, und wer nur das mindeste Gefühl und Verständnis für echten Humor hat, der kann es dem König der Schwarzen Berge trotz der Grausamkeit, mit der er seine braven Krieger um dieses Triumphes willen geopfert hat, nicht Übelnehmen, wenn er sich nun, da die Schlußpointe der Komödie überraschend effektvoll gelungen, feine nicht mehr schlanke Taille vor Lachen hält. Uebrigens muß man von den Heldentaten am Tarabosch «och nicht so ganz überzeugt sein: Vielleicht ist das Ganze nur ein Heldenepos der poetischen Majestät der Schwarzen Berge, die ja nicht zum erstenmal sich als D'chler versucht und deren Phantasie sich mit Vorliebe zu den Gipfelhöhen einer erdenfernen Sehnsuchtswelt versteigt!
Eins nut steht fest, steht für ewige Zeiten ins Buch der Geschichte geschrieben, dem Enkelhirn vielleicht einst als „Frühlingsfieber- Schauer europäischer Schwäche" erscheinend: Skutaris Fall ist für die Erde Europas, für die auf dieser Erde Gebietenden und die über dem Frieden der Welt in starrender Wehr Wachenden eine Blamage, eine Beleidigung und eine von keinem Hauch ziemender Ehrfurcht, verhüllte Verhöhnung! Der internationale Flotten-Scherz vor Antivari und Durazzo hat diese Blamage zur peinlichen Groteske gestempelt, hat der Welt bewiesen, daß Europens Wehr zwar blank, aber nicht scharf ist, und hat unter der Sonne des Morgenlandes und im Dämmerschein abendländischer Kuliffenpolitik die Ueberzeugung gefestigt, daß die Einheit der europäischen Großmacht- Konzerne einer Papierfabel gleicht, die beim ersten Gefahrenhauch ins E n t w i r k l i ch t e entschwindet! Denn die auf den Wellen des Adria-Meeres schaukelnde Kriegsflotte der Mächte hat weder das Wort Europas eingelöst, noch dem Willen europäischer Machtgewalt Geltung zu verschaffen vermocht: Nicht, weil Ohnmachtschwäche den Willen zur Tat hemmte, sondern weil Europas Wort keine Geltung mehr hat, weil es doppelzüngig, falsch und nicht mehr wert ist, als ein buntes Stück Glas, während der Wille und das Wort des das Erdrund beherrschenden Europa heute leuchtend sein müßte, wie der edelste Diamant! Aus Wien kommt die Kunde, Oesterreich-Ungarn werde noch einmal den Mächten vor Augen halten, daß die Einnahme von Skutari kein ihm allein angetaner Frevel, sondern ein Faustschlag für des Prestige Europas sei, und es heißt, daß, wenn die Mächte von ihrem Wort zurückweichen und Skutari den Händen Rikitas überlasten, die Donau - Monarchie ihrerseits die aus der Sachlage als Notwendigkeit sich ergebenden Konsequenzen ziehen werde, Mit anderen Worten: Oesterreich- Ungarn ist entschloflen, auf eigne Rechnung und Gefahr sich Genugtung für Skutari zu verschaffen!
Das bedeutet: Neue Gefahr, denn wenn unter« Druck des Völkerkeffels, besten nationalistische Leidenschaftlichkeit alle Bande zu sprengen droht, Oesterreich zum Schwerte langt, wächst die Möglichkeit europäischer Verwicklungen ins Riesenhafte und das Nachspiel des Balkan- und Türkendramas würde sich dann dramatischer und weltbewe- ; e n be r gestalten, als Alles, das wir seit
den Spätherbsttagen neunzehnhundertzwölf auf der internationalen Völkerbühne an Ereig- nisten gesehen! Indessen: Es gibt Möglichkeiten, die diese Gefahr mindern und entwaffnen können, und die nächstliegende dieser Möglichkeiten ist der schnöde Mammon, auch im Völkerhändel die bewegende Kraft allen Geschehens! Wir sehen in der Einnahme von Skutari nichts anderes als den großen Trumpf, den Nikitas bärtige Majestät im Erpressungsfeldzug gegen Europa auszuspielen hatte, und den der Czernagorzen-Heros nun glücklich in der Hand hält. Skutari, nicht erobert, verminderte die Chancen für ein üppiges Trinkgeld, das Europa dem kecken Manne in Ce- tinje zahlen sollte; das eroberte Skutari (das im Entstehen begriffne königliche Heldenepos wird uns Wunder der Tapferkeit monte negrinischer Herostraten enthüllten) ist viele, viele Millionen wert! Die Großmächte werden also tief in die Tasche greifen müssen, um den Lorbeer von Skutari ziemend zu bewerten: Zwanzig und einige Millionen sind das Minimum Dessen, das Nikita für diese Großtat seiner Krieger heischt; ein güldnes Pflaster für die tiefe Wunde, die der von Europa würdelos erbettelte Verzicht auf die Mbanerfeste der Czeruagorzen-Ehre schlägt! Rußland hat die Campagne des Vasallen in den Schwarzen Bergen systematisch unterstützt, hat (hinter der Heuchelmiene der Petersburger Biedermänner grinste die Schadcnfteude) dem Ländchen,^das Europa trotzte, Gewehre und Kanonen, Rubel und Krieger geliefert, und wird nun, da es ans Handeln geht, dem freundlich lieben Vetter in Cetinje sicherlich nicht die Trinkgeld-Chancen vermindern. Europa wird zahlen; zwanzig Millionen vielleicht oder mehr, wird der Blamage das Erpresser-Opfer gesellen und wird, wenn der Handel geglückt und von der Zinne Skutaris die Montenegriner-Flagge niedergeholt, der in homerisches Gelächter gezwungnen Welt erzählen, w i c tatkräftig und einmütig« lief) Europens Großmächte den Frieden der Welt vor drohender Fährnis bewahrt. Und auf der Adria qualmen, friedlich und harmlos wie immer, die stahlgepanzerten, kanonengarnierten Riesenkähne blamierter Europäer . . .!
F. H.
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Am Friedenstisch in London.
Europa ersucht um Freigabe Skutaris.
Wie ein Privat-Telegramm meldet, wurde in der letzten Sitzung der Londoner Botschaster-RSunion einstimmig beschlossen, den Regierungen vorzuschlagen, daß an Montenegro gemeinsam die Aufforderung gerichtet werde, Skutari ehestens den Mächten zu Übergeben. Infolge der mittlerweile eingegangenen Vorschläge Oesterreich - Angarns wurde für heute eine Sitzung der Botschafter-Rsunion einberufen, lieber die Vorschläge Oesterreich-Ungarns an dje europäischen Großmächte wird uns telegraphisch aus Wien gemeldet: Die österreichische Regierung hat den Mächten den dringenden Wunsch bekannt gegeben, daß die Botschafterkonferenz spätestens heute in London zusammentrete und folgenden von Oesterreich noch näher zu formulierenden Vorschlag beraten und genehmigen soll: Von der Blockadeflotte soll ein internationales Detachement in den montenegrinischen Häsen landen und diese besetzen, und wenn Montenegro dann noch nicht nachgibt, gegen Skutari marschieren. Sollte der Landung Widerstand entgegengesetzt werden, so sollen die Häfen von der Blockadeflotte beschossen werden. Sollte dieser Vorschlag nicht die Zustimmung der Mächte finden, so sollen Oesterreich-Ungarn und Italien mit einem gleichen Mandat betraut werden. Von deutscher amtlicher Seite werden die österreichischen Vorschläge unterstützt. Rach den an zuständiger Stelle in Wien eingetrofsenen Nach- rickten aus Cetinje soll König Nikita fest mt- schloflen sein, Skutari nicht zu räumen. Auf der heutigen Botschafter-Reunion wird Oesterreich deshalb die Frage stellen, ob man seinen Vorschlag eines einmütigen Vorgehens der Mächte annehmen wolle oder nicht. Lautet die Antwort verneinend, so wird Oesterreich erklären, daß es fest entschlossen ist, allem und selbständig vorzugehen.
Skutaris Fall: Slaven-Triumph!
Belgrad, 25. April. (Privat-Telegramm.) In politischen Kreisen wird eine Ansprache kommentiert, die der russische Gesandte Hartwig an eine, anläßftch des Falles von Skutari demonstrierende Menge richtete. Er feierte hierbei den Fall von Skutari als ein ruhmreiches Ereignis, das in der ganzen slavischen Welt lebhaften
Widerhall finden müsse. Jeder Slawe fühle die Freude, die dieser Sieg ausgelöst habe. Der Gesandte schloß mit einem Hoch auf den Ballanbund.
Endlich spricht Krupp!
Erklärungen des Geheimrats Hugenberg.
Den durch das Wolffsche Depeschenbureau verbreiteten beschwichtigenden Mitteilungen der Krupp'scheu Werkverwaltung zu den sensationellen Enthüllungen des Abgeordneten Liebknecht im Reichstag ist nun eine etwas bestimmter geformte Erklärung des Vorsitzenden des Direktoriums der Firma Krupp gefolgt, die zwar reichlich spät kommt, indessen doch wenigstens den Versuch einer Klärung der peinlichen Angelegenheit anzudeuten scheint. Der Vorsitzende des Direktoriums hat allerdings feine Erklärungen nicht in offizieller Form abgegeben, so daß also auch jetzt noch an der Methode indirekter Verteidigung festgehalten wird.
Kruppsche Beschwichtigungen.
(Privat-Telegramm.)
KSln, 25. April.
Zu den Anklagen des Abgeordneten Liebknecht gegen die Finna Krupp äußerte sich gestern Geheimrat Hugenberg, der Vorsitzende des Direttoriums der Friedrich Krupp A.-G., einem Vertreter der Kölnischen Zeitung gegenüber: Man legt in der Presse mit Recht auf die Tatsache Wert, daß die öffentliche Meinung schon bei der Nachricht Mißbehagen empfindet, daß die Firma Krupp sich von ihrer Berliner Vertretung Geheimberichte erstatten läßt. Wenn man sich aber etwas näher in die Eigenart unseres Essener Betriebs versetzt, so müssen diese Vorstellungen bald verblassen. Dutzende von verschlossenen Briefum- schlägen, die Geheimberichte enthalten, werden uns täglich auf den Tisch gelegt Sie br- treffen 'n der Hauptsache, wenn ich ko r-:geu soll, das kleine Geschäft. Ueberhanpt wird die Bedeutrrng unseres Geschäftes mit der Heeresverwaltung allgemein falsch eingeschätzt. Wir sind wie eine Konstrnktions- und Probierwerkstätte, die ein großer Rückhalt für den Mo- bilmachungSsall bei verhältnismäßig recht geringen Friedensausträgen ist. Ein Zweites ist die Frage: Sind Informationen, sind
indiskrete Mitteilungen
aus verbotenem, unlauterem Wege erlangt? Was in dieser Richtung etwa geschehen ist, mutz seinen Richter finden. Nach allem, was ich bisher gehört habe, wird es sich höchstens um belanglose Kleinigkeiten handeln. Was der schuldige mittlere Bureaubeamte etwa unverhältnismäßig verausgabt hat, wäre zu Lasten seiner eigenen Tasche gegangen, kann aber schon deshalb nicht viel gewesen fein. Folgender Satz der Erklärung Hugenbergs sei noch angefügt: „Information ist kein unerlaubter Wettbewerb, auch wenn es sich um die Preise der Konkurrenz handelt. Das wird jeder nicht unter dem Bann politischer Heuchelei stehende Geschäftsmann zugeben, und ebenso, daß man Jnsormaftonen vielfach nur durch sogenannte Indiskretionen erlangt. Tas weiß auch Herr Liebknecht wohl, der die ganze fittenrichterliche Tätigkeit nur auf einem System von oft sehr garstigen Indiskretionen aufbaut " Und dann: „Dir Mittel der Firma, große oder Heine, die zu Bestechungen von höheren und mittleren Beamten verwendet sein sollen, find nur in der Einbildung beS Herrn Liebknecht vorhanden; in Wirftichkeit existieren fie gar nicht und Bestechungen sind auch undenkbar."
Mel Worte, wenig Inhalt!
Herr Hugenberg versteht es, mit vielen Worten nichts oder doch sehr wenig und sehr unvollständiges zu sagen. „Geheimberichte" aus Berlin gibt er zu, aber diese „Geheimberichte" waren so belanglos, daß er (der Ge neraldirektor) sie nicht einmal gelesen hat. Vie,l schlauer als vorher ist man also durch die Erklärung Hugenbergs nicht geworben, wird man auch nicht durch die geheimnisvollen Worte in einer Schlußbemerkung des Herrn Generefl - Direktors, daß in diesen Tagen im Reichstage „nach der großen auch eine kleine Stinkbombe platzen" werde. Die Affäre bleibt, was sie war: Peinlich im höchsten Grade!
Der Kanzler über die Weltlage.
Vertrauliche Mitteilungen des Kanzlers.
Berlin, 25. April. (Privat-Tele. gramm.) In der Budgetkommiffion des Reichstages hat gestern der Reichskanzler bei der Besprechung der Behandlung der Wehrvorlage streng vertrauliche Mitteilun- gen über bte allgemeine SSeltlage gr macht. Diese Mitteilungen sollen indessen (wie an unterrichteter Stelle verlautet) neue Tat
sachen nicht enthalten haben. Der Kanzler habe in großen Zügen ein sehr eindrucksvolles Bild der Weltlage gegeben, das jedoch nicht wesentlich von dem Bilde abgewichen sei, das er im Plenum des Reichstages anläßlich der Beratung der Heeresvorlagen gegeben habe. Die Ausführungen nahmen etwa dreiviertel Stunden in Anspruch. Wesentlich neue Argu. mente seien in der Aussprache nicht eröttert worden, auch sei über die Situation nicht gesprochen worden, die durch den Fall von Skutari geschaffen worden ist.
Bilder vom Kaiserbesuch.
Kaiser Wilhelm in Homburg; der einsame Spaziergänger; ei» Jäger aus Kurpfalz; das fürstliche Liebespaar; der Rote Adler. (Von unferm L. 8.-Mitarbeiter.)
Homburg a. d. H., 25. April.
Die rote Königsflagge weht nicht mehr von den Zinnen des alten hessen-homburgischen Schlosses, der König von Preußen (als der er hier weilte) ist abgereift. Die Homburger haben ihm zugejubelt, als er seinen Einzug hielt und haben ihm ein „Auf Wiedersehen" zugerufen, als er die schöne Stadt am Taunus verließ. Der Kaiser ist hier ein gern gesehener Gast, denn mit seinem Einzug beginnt neues Leben in dem Badeort. Zahltet- che Fremde treffen ein, viele lediglich, um den Kaiser zu sehen. Die Hotels füllen sich rasch mit Gästen, die oft von sehr wett her kommen, nur um den Kaiser zu sehen. Gasthäuser, die nicht zu vermieten waren, finden rasch einen Pächter, Hotels, die eingehen sollten, erholen sich wieder, kurzum: Der Aufenthalt des Kaisers bedeutet für Bad Homburg stets einen wirtschaftlichen Aufschwung. Gelegenheit, den Kaiser zu s e h e n, gabs in Homburg genug. Der Monarch liebt es, einsame Spaziergänge zu unternehmen. Wenn er von der Saal bürg ober einem anderen Airsflugspunkt zurüükehrte, konnte man ihm oft auf stillen Fußpfaden begegnen. In Begleitung feiner beiden unzertrennlichen Dackel genoß er die reine Luft der herrlichen Taunus- wälder. Lustig trällerte er ein Liedchen vor sich hin und die Besitzer der Gärten konnten sehr oft hören, daß Kaiser Wilhelm „Ein Jäger ans Kurpfalz" vor sich hinpfiff. Fast noch mehr Verehrung als dem Kaiserpaar brachte man bet
Prinzessin Viktoria Luise entgegen. Das leutselige, einnehmende Wesen der jungen Fürstentochter hatte ihr bald alle Herzen gewonnen und die stets freundliche Prinzessin war im Nu der Liebling der Homburger und der Kurgäste geworden. Man machte ordentlich Ansttengungen, um der einzigen Tochter des Kaiserpaares und ihrem Verlobten, dem Prinzen Ernst August von Braunschweig Lüneburg zu begegnen! Man versucht oft, die Verlobung der beiden Fürstenkinder als einen politischen Akt hinzustellen. Wer indessen die beiden Brautleute zu sehen Gelegenheit hatte, wurde eines Besseren belehrt. Das war ein verliebtes Pärchen, wie man es in Hoskreisen wohl nicht oft finden dürfte. Hand in Hand, eng aneinan« dergeschmiegt, so konnte man die Sprossen zweier altek Fürstenhäuser lustwandeln sehen. Die Liebe der jungen Verlobten hat den Sieg über eine jahrzehntelange Feindschaft davongetragen! Wie strahlte bas Gesicht der Prinzessin, wenn sie am Arme ihres fürstlichen Bräutigams durch die Anlagen Homburgs schritt; stets lächelte sie und schien sich zu freuen, daß alle Welt sehen konnte, tote glücklich sie war. Daß sie mit inniger Liebe an ihrem Verlobten hängt, zeigte sich auch beim Abschied. Die hellen Tränen liefen der Prinzessin über die Wangen, als sie sich am Bahnhofe von dem Prinzen verabschiedete. Diese Tränen kleideten die Prinzessin besser als aller Schmuck strahlen- ber Brillanten es vermocht hätte.
Der hessische Volkswitz machte sich diese Gelegenheit gleich wieder zu Nutzen. „Die Prinzessin Viktoria muß jetzt den ganzen Tag heulen" (Ausdruck für weinen), hörte man überall erzählen, nutz wenn man fragte „Warum?", bekam man zur Antwort: „Weil sie unter den Welfen (Wölfen) ist. Denn wer unter den Welfen ist, muß mit ihnen heulen." Der Kaiser hat während seines Homburger Aufenthaltes noch verschiedene Herren aus Homburg zur Tafel geladen. Eines Tages war auch Pfarrer Füllkrug zum Kaiser befohlen. Nach der Tafel biteben die beiden Herren noch im Gespräch zusammen. Durch einen Diener ließ der Kaiser dem Pfarrer einen Teller reichen, auf dem Zigaretten und der Rote Adlerorden lagen. „Bitte, greifen Sie zu," sagte der Kaiser zu bem Geistlichen, der wahrscheinlich eine Ordensauszeichnung einer Zigarette vorgezogen hätte. In diesem Moment kam ein Herr dazwischen, der dem Kaiser eine Meldung erstattete. Da mutzte der Diener natürlich das Zimmer verlassen und Pfarrer Füllkrng hatte weder eine Zigarette, noch den Roten Abler, der ihm aber trotzdem einige Tage später überreicht wurde. Em anderer Vorfall erregte in Homburg viel Heiterkeit. Einer der höchsten Homburger Beamten