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EOler NM Nachrichten

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Nummer IIS. Fernsprecher 951 und 952. Sonnabend, 26. April 1913. Fernsprecher 961 und 952. 3. Jahrgang.

Die Caffeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der ildonnementSpreiS betrügt monatlich 50 Pfg. bei freier Zustellung ins HanS. Bestellungen werden jederzeit von der WefchctftSstelle ober den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und füebattion: SchlachthoMraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bi« 8 Uhr abend«. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag oon fi bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.

Sie blamierten ßnrobäet.

Die Blockade-Groteske vor Antivari und Du razzo; kein europäischer Krieg um Skutari

»Ganz Europa wundert sich nicht Wenig...!" Aus der Zinne von Skutari weht swlz im Früh­lenzwind die Montenegrinerflagge; Nikita, der .Heldenkönig", sonnt sich im Ruhmesglanz des Kontinent-Bezwingers, und drunten im Adria- gewäfler, vor Antivari und Durazzo, steigt aus haushohen Kriegsschiff-Schloten europäischer Mächte-Einheit das qualmende Rauchopfer blamierter Europäer! Die Groteske erschüttert das ledernste Zwerchfell, und wenn der Kano­nendonner am Tarabosch nicht der Alarm neu­er Balkangefahr wäre, müßte man dem Trä­ger der Czernagorzen-Krone den Lvrbeerkranz des preisgekrönten Weltmeister-Humoristen winden. Denn Nikita, der Greis mit dem Temperament des wilden Sturmgesellen, fei­ert feinen Triumph gegen ganz Europa, und angesichts der internationalen Bloekadeflotte, deren Admiralitätsrat (selbst die kleinsten Hühnchen schmunzeln!) die Blockade einige Stunden nach dem Fall Skutaris auf Durazzo ausgedehnt hat! Wer lacht da nicht? Schöner kann das Sprichwort von dem Schließen der Stalltür, wenn die Kuh längst draußen ist, sicher nicht illustriert werden. Nikitas Majestät bedarf keiner Zufuhren ans Durazzo mehr: Er ist heut Herr und Gebieter von Skutari, und wer nur das mindeste Gefühl und Ver­ständnis für echten Humor hat, der kann es dem König der Schwarzen Berge trotz der Grausamkeit, mit der er seine braven Krieger um dieses Triumphes willen geopfert hat, nicht Übelnehmen, wenn er sich nun, da die Schluß­pointe der Komödie überraschend effektvoll ge­lungen, feine nicht mehr schlanke Taille vor La­chen hält. Uebrigens muß man von den Hel­dentaten am Tarabosch «och nicht so ganz überzeugt sein: Vielleicht ist das Ganze nur ein Heldenepos der poetischen Majestät der Schwarzen Berge, die ja nicht zum erstenmal sich als D'chler versucht und deren Phantasie sich mit Vorliebe zu den Gipfelhöhen einer er­denfernen Sehnsuchtswelt versteigt!

Eins nut steht fest, steht für ewige Zeiten ins Buch der Geschichte geschrieben, dem En­kelhirn vielleicht einst alsFrühlingsfieber- Schauer europäischer Schwäche" erscheinend: Skutaris Fall ist für die Erde Europas, für die auf dieser Erde Gebietenden und die über dem Frieden der Welt in starrender Wehr Wa­chenden eine Blamage, eine Beleidi­gung und eine von keinem Hauch ziemender Ehrfurcht, verhüllte Verhöhnung! Der internationale Flotten-Scherz vor Antivari und Durazzo hat diese Blamage zur peinlichen Gro­teske gestempelt, hat der Welt bewiesen, daß Europens Wehr zwar blank, aber nicht scharf ist, und hat unter der Sonne des Morgenlan­des und im Dämmerschein abendländischer Kuliffenpolitik die Ueberzeugung gefestigt, daß die Einheit der europäischen Großmacht- Konzerne einer Papierfabel gleicht, die beim ersten Gefahrenhauch ins E n t w i r k l i ch t e entschwindet! Denn die auf den Wellen des Adria-Meeres schaukelnde Kriegsflotte der Mächte hat weder das Wort Europas eingelöst, noch dem Willen europäischer Machtgewalt Geltung zu verschaffen vermocht: Nicht, weil Ohnmachtschwäche den Willen zur Tat hemm­te, sondern weil Europas Wort keine Geltung mehr hat, weil es doppelzüngig, falsch und nicht mehr wert ist, als ein buntes Stück Glas, während der Wille und das Wort des das Erdrund beherrschenden Europa heute leuch­tend sein müßte, wie der edelste Diamant! Aus Wien kommt die Kunde, Oesterreich-Un­garn werde noch einmal den Mächten vor Augen halten, daß die Einnahme von Skutari kein ihm allein angetaner Frevel, sondern ein Faustschlag für des Prestige Europas sei, und es heißt, daß, wenn die Mächte von ihrem Wort zurückweichen und Skutari den Händen Rikitas überlasten, die Donau - Monarchie ihrerseits die aus der Sachlage als Not­wendigkeit sich ergebenden Konsequenzen zie­hen werde, Mit anderen Worten: Oesterreich- Ungarn ist entschloflen, auf eigne Rechnung und Gefahr sich Genugtung für Skutari zu verschaffen!

Das bedeutet: Neue Gefahr, denn wenn unter« Druck des Völkerkeffels, besten nationalistische Leidenschaftlichkeit alle Bande zu sprengen droht, Oesterreich zum Schwerte langt, wächst die Möglichkeit europäischer Ver­wicklungen ins Riesenhafte und das Nachspiel des Balkan- und Türkendramas würde sich dann dramatischer und weltbewe- ; e n be r gestalten, als Alles, das wir seit

den Spätherbsttagen neunzehnhundertzwölf auf der internationalen Völkerbühne an Ereig- nisten gesehen! Indessen: Es gibt Möglichkei­ten, die diese Gefahr mindern und entwaffnen können, und die nächstliegende dieser Möglich­keiten ist der schnöde Mammon, auch im Völkerhändel die bewegende Kraft allen Ge­schehens! Wir sehen in der Einnahme von Skutari nichts anderes als den großen Trumpf, den Nikitas bärtige Majestät im Erpressungs­feldzug gegen Europa auszuspielen hatte, und den der Czernagorzen-Heros nun glücklich in der Hand hält. Skutari, nicht erobert, ver­minderte die Chancen für ein üppiges Trink­geld, das Europa dem kecken Manne in Ce- tinje zahlen sollte; das eroberte Skutari (das im Entstehen begriffne königliche Helden­epos wird uns Wunder der Tapferkeit monte negrinischer Herostraten enthüllten) ist viele, viele Millionen wert! Die Großmächte werden also tief in die Tasche greifen müssen, um den Lorbeer von Skutari ziemend zu bewerten: Zwanzig und einige Millionen sind das Mini­mum Dessen, das Nikita für diese Großtat seiner Krieger heischt; ein güldnes Pflaster für die tiefe Wunde, die der von Europa wür­delos erbettelte Verzicht auf die Mbanerfeste der Czeruagorzen-Ehre schlägt! Rußland hat die Campagne des Vasallen in den Schwarzen Bergen systematisch unterstützt, hat (hinter der Heuchelmiene der Petersburger Biedermänner grinste die Schadcnfteude) dem Ländchen,^das Europa trotzte, Gewehre und Kanonen, Rubel und Krieger geliefert, und wird nun, da es ans Handeln geht, dem freundlich lieben Vetter in Cetinje sicherlich nicht die Trinkgeld-Chancen vermindern. Europa wird zahlen; zwanzig Mil­lionen vielleicht oder mehr, wird der Blamage das Erpresser-Opfer gesellen und wird, wenn der Handel geglückt und von der Zinne Sku­taris die Montenegriner-Flagge niedergeholt, der in homerisches Gelächter gezwungnen Welt erzählen, w i c tatkräftig und einmütig« lief) Europens Großmächte den Frieden der Welt vor drohender Fährnis bewahrt. Und auf der Adria qualmen, friedlich und harmlos wie immer, die stahlgepanzerten, kanonengar­nierten Riesenkähne blamierter Europäer . . .!

F. H.

*

Am Friedenstisch in London.

Europa ersucht um Freigabe Skutaris.

Wie ein Privat-Telegramm meldet, wurde in der letzten Sitzung der Lon­doner Botschaster-RSunion einstim­mig beschlossen, den Regierungen vorzuschlagen, daß an Montenegro gemeinsam die Aufforderung gerichtet werde, Skutari ehestens den Mächten zu Übergeben. Infolge der mittlerweile eingegangenen Vor­schläge Oesterreich - Angarns wurde für heute eine Sitzung der Botschafter-Rsunion einberufen, lieber die Vorschläge Oesterreich-Un­garns an dje europäischen Großmächte wird uns telegraphisch aus Wien gemeldet: Die österreichische Regierung hat den Mächten den dringenden Wunsch bekannt gegeben, daß die Botschafterkonferenz spätestens heute in London zusammentrete und folgenden von Oesterreich noch näher zu formulierenden Vor­schlag beraten und genehmigen soll: Von der Blockadeflotte soll ein internationales Deta­chement in den montenegrinischen Häsen lan­den und diese besetzen, und wenn Monte­negro dann noch nicht nachgibt, gegen Sku­tari marschieren. Sollte der Landung Widerstand entgegengesetzt werden, so sollen die Häfen von der Blockadeflotte beschossen werden. Sollte dieser Vorschlag nicht die Zustimmung der Mächte finden, so sollen Oesterreich-Ungarn und Italien mit einem gleichen Mandat betraut werden. Von deutscher amtlicher Seite werden die öster­reichischen Vorschläge unterstützt. Rach den an zuständiger Stelle in Wien eingetrofsenen Nach- rickten aus Cetinje soll König Nikita fest mt- schloflen sein, Skutari nicht zu räumen. Auf der heutigen Botschafter-Reunion wird Oester­reich deshalb die Frage stellen, ob man seinen Vorschlag eines einmütigen Vorgehens der Mächte annehmen wolle oder nicht. Lautet die Antwort verneinend, so wird Oesterreich erklären, daß es fest entschlossen ist, allem und selbständig vorzugehen.

Skutaris Fall: Slaven-Triumph!

Belgrad, 25. April. (Privat-Te­legramm.) In politischen Kreisen wird eine Ansprache kommentiert, die der russische Gesandte Hartwig an eine, anläßftch des Falles von Skutari demonstrierende Menge richtete. Er feierte hierbei den Fall von Skutari als ein ruhmreiches Ereignis, das in der ganzen slavischen Welt lebhaften

Widerhall finden müsse. Jeder Slawe fühle die Freude, die dieser Sieg ausgelöst habe. Der Gesandte schloß mit einem Hoch auf den Bal­lanbund.

Endlich spricht Krupp!

Erklärungen des Geheimrats Hugenberg.

Den durch das Wolffsche Depeschenbureau verbreiteten beschwichtigenden Mitteilungen der Krupp'scheu Werkverwaltung zu den sensatio­nellen Enthüllungen des Abgeordneten Liebknecht im Reichstag ist nun eine etwas be­stimmter geformte Erklärung des Vorsitzenden des Direktoriums der Firma Krupp gefolgt, die zwar reichlich spät kommt, indessen doch wenig­stens den Versuch einer Klärung der pein­lichen Angelegenheit anzudeuten scheint. Der Vorsitzende des Direktoriums hat allerdings feine Erklärungen nicht in offizieller Form ab­gegeben, so daß also auch jetzt noch an der Me­thode indirekter Verteidigung festgehalten wird.

Kruppsche Beschwichtigungen.

(Privat-Telegramm.)

KSln, 25. April.

Zu den Anklagen des Abgeordneten Lieb­knecht gegen die Finna Krupp äußerte sich ge­stern Geheimrat Hugenberg, der Vor­sitzende des Direttoriums der Friedrich Krupp A.-G., einem Vertreter der Kölnischen Zeitung gegenüber: Man legt in der Presse mit Recht auf die Tatsache Wert, daß die öffentliche Mei­nung schon bei der Nachricht Mißbehagen empfindet, daß die Firma Krupp sich von ihrer Berliner Vertretung Geheimberichte erstatten läßt. Wenn man sich aber etwas näher in die Eigenart unseres Essener Betriebs versetzt, so müssen diese Vorstellungen bald verblassen. Dutzende von verschlossenen Briefum- schlägen, die Geheimberichte enthalten, werden uns täglich auf den Tisch gelegt Sie br- treffen 'n der Hauptsache, wenn ich ko r-:geu soll, das kleine Geschäft. Ueberhanpt wird die Bedeutrrng unseres Geschäftes mit der Heeresverwaltung allgemein falsch eingeschätzt. Wir sind wie eine Konstrnktions- und Probier­werkstätte, die ein großer Rückhalt für den Mo- bilmachungSsall bei verhältnismäßig recht ge­ringen Friedensausträgen ist. Ein Zweites ist die Frage: Sind Informationen, sind

indiskrete Mitteilungen

aus verbotenem, unlauterem Wege er­langt? Was in dieser Richtung etwa geschehen ist, mutz seinen Richter finden. Nach allem, was ich bisher gehört habe, wird es sich höch­stens um belanglose Kleinigkeiten handeln. Was der schuldige mittlere Bureau­beamte etwa unverhältnismäßig verausgabt hat, wäre zu Lasten seiner eigenen Tasche ge­gangen, kann aber schon deshalb nicht viel gewesen fein. Folgender Satz der Erklärung Hugenbergs sei noch angefügt:Information ist kein unerlaubter Wettbewerb, auch wenn es sich um die Preise der Konkurrenz handelt. Das wird jeder nicht unter dem Bann politischer Heuchelei stehende Geschäftsmann zu­geben, und ebenso, daß man Jnsormaftonen vielfach nur durch sogenannte Indis­kretionen erlangt. Tas weiß auch Herr Liebknecht wohl, der die ganze fittenrichterliche Tätigkeit nur auf einem System von oft sehr garstigen Indiskretionen aufbaut " Und dann: Dir Mittel der Firma, große oder Heine, die zu Bestechungen von höheren und mittle­ren Beamten verwendet sein sollen, find nur in der Einbildung beS Herrn Liebknecht vor­handen; in Wirftichkeit existieren fie gar nicht und Bestechungen sind auch undenkbar."

Mel Worte, wenig Inhalt!

Herr Hugenberg versteht es, mit vielen Wor­ten nichts oder doch sehr wenig und sehr un­vollständiges zu sagen.Geheimberichte" aus Berlin gibt er zu, aber dieseGeheimbe­richte" waren so belanglos, daß er (der Ge neraldirektor) sie nicht einmal gelesen hat. Vie,l schlauer als vorher ist man also durch die Er­klärung Hugenbergs nicht geworben, wird man auch nicht durch die geheimnisvollen Worte in einer Schlußbemerkung des Herrn Generefl - Direktors, daß in diesen Tagen im Reichstagenach der großen auch eine kleine Stinkbombe platzen" werde. Die Affäre bleibt, was sie war: Peinlich im höchsten Grade!

Der Kanzler über die Weltlage.

Vertrauliche Mitteilungen des Kanzlers.

Berlin, 25. April. (Privat-Tele. gramm.) In der Budgetkommiffion des Reichstages hat gestern der Reichskanzler bei der Besprechung der Behandlung der Wehrvor­lage streng vertrauliche Mitteilun- gen über bte allgemeine SSeltlage gr macht. Diese Mitteilungen sollen indessen (wie an unterrichteter Stelle verlautet) neue Tat­

sachen nicht enthalten haben. Der Kanzler habe in großen Zügen ein sehr eindrucksvolles Bild der Weltlage gegeben, das jedoch nicht wesentlich von dem Bilde abgewichen sei, das er im Plenum des Reichstages anläßlich der Beratung der Heeresvorlagen gegeben habe. Die Ausführungen nahmen etwa dreiviertel Stunden in Anspruch. Wesentlich neue Argu. mente seien in der Aussprache nicht eröttert worden, auch sei über die Situation nicht ge­sprochen worden, die durch den Fall von Skutari geschaffen worden ist.

Bilder vom Kaiserbesuch.

Kaiser Wilhelm in Homburg; der einsame Spaziergänger; ei» Jäger aus Kurpfalz; das fürstliche Liebespaar; der Rote Adler. (Von unferm L. 8.-Mitarbeiter.)

Homburg a. d. H., 25. April.

Die rote Königsflagge weht nicht mehr von den Zinnen des alten hessen-homburgischen Schlosses, der König von Preußen (als der er hier weilte) ist abgereift. Die Hombur­ger haben ihm zugejubelt, als er seinen Ein­zug hielt und haben ihm einAuf Wieder­sehen" zugerufen, als er die schöne Stadt am Taunus verließ. Der Kaiser ist hier ein gern gesehener Gast, denn mit seinem Einzug be­ginnt neues Leben in dem Badeort. Zahltet- che Fremde treffen ein, viele lediglich, um den Kaiser zu sehen. Die Hotels füllen sich rasch mit Gästen, die oft von sehr wett her kommen, nur um den Kaiser zu sehen. Gast­häuser, die nicht zu vermieten waren, finden rasch einen Pächter, Hotels, die eingehen soll­ten, erholen sich wieder, kurzum: Der Aufent­halt des Kaisers bedeutet für Bad Homburg stets einen wirtschaftlichen Aufschwung. Ge­legenheit, den Kaiser zu s e h e n, gabs in Hom­burg genug. Der Monarch liebt es, einsame Spaziergänge zu unternehmen. Wenn er von der Saal bürg ober einem anderen Airsflugspunkt zurüükehrte, konnte man ihm oft auf stillen Fußpfaden begegnen. In Be­gleitung feiner beiden unzertrennlichen Dackel genoß er die reine Luft der herrlichen Taunus- wälder. Lustig trällerte er ein Liedchen vor sich hin und die Besitzer der Gärten konnten sehr oft hören, daß Kaiser WilhelmEin Jäger ans Kurpfalz" vor sich hinpfiff. Fast noch mehr Verehrung als dem Kaiserpaar brachte man bet

Prinzessin Viktoria Luise entgegen. Das leutselige, einnehmende Wesen der jungen Fürstentochter hatte ihr bald alle Herzen gewonnen und die stets freundliche Prinzessin war im Nu der Liebling der Hom­burger und der Kurgäste geworden. Man machte ordentlich Ansttengungen, um der ein­zigen Tochter des Kaiserpaares und ihrem Verlobten, dem Prinzen Ernst August von Braunschweig Lüneburg zu begegnen! Man versucht oft, die Verlobung der beiden Fürstenkinder als einen politischen Akt hinzu­stellen. Wer indessen die beiden Brautleute zu sehen Gelegenheit hatte, wurde eines Besseren belehrt. Das war ein verliebtes Pär­chen, wie man es in Hoskreisen wohl nicht oft finden dürfte. Hand in Hand, eng aneinan« dergeschmiegt, so konnte man die Sprossen zweier altek Fürstenhäuser lustwandeln sehen. Die Liebe der jungen Verlobten hat den Sieg über eine jahrzehntelange Feindschaft davon­getragen! Wie strahlte bas Gesicht der Prin­zessin, wenn sie am Arme ihres fürstlichen Bräutigams durch die Anlagen Homburgs schritt; stets lächelte sie und schien sich zu freu­en, daß alle Welt sehen konnte, tote glücklich sie war. Daß sie mit inniger Liebe an ihrem Verlobten hängt, zeigte sich auch beim Abschied. Die hellen Tränen liefen der Prinzessin über die Wangen, als sie sich am Bahnhofe von dem Prinzen verabschiedete. Diese Tränen kleideten die Prinzessin besser als aller Schmuck strahlen- ber Brillanten es vermocht hätte.

Der hessische Volkswitz machte sich diese Gelegenheit gleich wieder zu Nutzen.Die Prinzessin Viktoria muß jetzt den ganzen Tag heulen" (Ausdruck für weinen), hörte man überall erzählen, nutz wenn man fragteWarum?", bekam man zur Antwort: Weil sie unter den Welfen (Wölfen) ist. Denn wer unter den Welfen ist, muß mit ihnen heulen." Der Kaiser hat während seines Hom­burger Aufenthaltes noch verschiedene Herren aus Homburg zur Tafel geladen. Eines Ta­ges war auch Pfarrer Füllkrug zum Kaiser befohlen. Nach der Tafel biteben die beiden Herren noch im Gespräch zusammen. Durch einen Diener ließ der Kaiser dem Pfarrer einen Teller reichen, auf dem Zigaretten und der Rote Adlerorden lagen.Bitte, greifen Sie zu," sagte der Kaiser zu bem Geistlichen, der wahrscheinlich eine Ordensauszeichnung einer Zigarette vorgezogen hätte. In diesem Mo­ment kam ein Herr dazwischen, der dem Kaiser eine Meldung erstattete. Da mutzte der Die­ner natürlich das Zimmer verlassen und Pfar­rer Füllkrng hatte weder eine Zigarette, noch den Roten Abler, der ihm aber trotzdem einige Tage später überreicht wurde. Em an­derer Vorfall erregte in Homburg viel Heiter­keit. Einer der höchsten Homburger Beamten