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Casseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 24. April 1913

Nummer 117

Fernsprecher 951 und 952.

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Aracourt Abenteuer.

Der neueste deutsch-französische Zwischenfall : Zwei deutsche Offizier-Flieger auf französischem Boden gelandet; Landung aus Mangel an Benzin; freund­schaftliche Erledigung des Zwischenfalles seitens der französischen Regierung!

Wer die Wahrheit kennet...!

Das Kesseltreiben gegen den Kriegsminister.

Es wird immer schöner: Erst die Enthül­lungen über Krupp und D i l l i n g e n, dann die Parlaments-Kampagne mit dem durch ganz Europa hallenden Echo deutscher Volksent­rüstung und nun ... der Amoklauf wider den Kriegs Minister! Herr von Heerin- gen ist kein Diplomat, kein Schönredner und Phrasenschnörkler; nein, er ist Soldat, ein aufrechter Mann, der Wahrheit und Dichtung streng voneinander scheidet, und dem die Stimme des Gewissens stets heiliger war als das Gewisper scheu - blickender Höflinge. Er hat im Reichshaus, als Wilhelm Liebknechts Sohn den Schleier des Geheimnisses vom Pa- namabrld zog, schlicht und recht erklärt, was zu erklären war, hat (die Pflicht gebot's) den im Hohen Hause drohenden Sturm zu fchwich- tigen versucht und das Parlament gebeten, vor der Fällung des Urteils den Abschluß der im Gang befindlichen Untersuchung abzuwarten. So, und nicht anders, mußte ein Mann reden, dem die Wahrheit heilig und dem Gewiffens- pflicht hehrer als Rücksichtnahme auf konventio­nellen Brauch. Exzellenz von Heeringen hat nicht (Wie's zuweilen geschehen) das Unheil ge. leugnet, hat nicht (wie's oftmals als aller Weisheit letzter Schluß sich offenbart) erklärt, der Regierung sei »nichts bekannt", sondern er hat zugegeben, was zugegeben werden mutzte, und er hat damit Reich und Nation einen Dienst erwiesen, für den Beide ihm Dank schulden. Datz ein Mann auf der äußersten Linken es war, dessen Anklage der Vertreter der Reichsregierung bestätigen mußte, mag an sich bedauerlich sein, mindert indessen nickt ums Winzigste den Wert der Tatsache, datz nun endlich Wahrheit und Wirklichkeit sichtbar im Lichte öffentlicher Kritik stehen.

Und abermals ist's nicht der offiziöse Speer, der gegen Exzellenz von Heeringen ge­schleudert wird, sondern der Pfeil aus dem Hinterhalt halb-offiziöser Anonymität: August Scherls »unparteiisches Organ für Jedermann" war's, das den Kriegsminister anprangerte, ihm den frechen Vorwurf in's Ohr rief, er habe ziemenderweise die Verteidigung der Heer-Mil- liarden-Forderung einem weniger von der Schuld der Vergangenheit" Bedrückten über­lassen müssen, und in seiner Person der parla­mentarischen Opposition nicht Angriffsflächen bieten dürfen, die den Kampf der um Bebel und Liebknecht Gescharten zum wilden Triumph befriedigter Rache gestalteten. Dem in Ehren ergrauten, von keinem Hauch amtlicher Lässig­keit bemakelten alten Soldaten blieb sogar die verletzende Jnsinuaffon nicht erspart, als habe er mit Wilhelm Liebknechts Sohn in der Ent­hüllung des Krupp-Panamas einen förmlichen Pakt geschlossen: Ein Vorwurf, der, wenn er zu Recht bestände, jedem Minister und jedem Staatsbeamten überhaupt schärfste Maßrege­lung eintragen müßte! Wie man sieht: Gröb­stes Geschütz! Inzwischen hat das Kanzlerblatt der Wilhelmstraße (ähnlich wie es seinerzeit bei dem zarten Verweis an die Kölnische Zeitung geschah) erklärt, die halboffiziöse Scherl- Schwester habe gegen den Kriegsministervöllig deplazierte Angriffe" gerichtet, und es sei un­lohnend, sich mit diesem Erdklümpchen-Bom- bardement auf Exzellenz von Heeringen weiter zu beschäftigen. Sonst nichts! Niemand zwei­felt daran, daß die Angriffe auf den Kriegs- Ministervöllig deplaziert" gewesen; sie waren nicht nur nicht angebracht, sondern unverfroren und frivol, und man bewundert die Mäßigung der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung (deren Druckerschwärze doch f o n st nicht so dünn­flüssig ist), die diese Anwürfe auf einen noch im Amt sitzenden Staatsminister nur als »de­plaziert" erachtet.

Inzwischen hören wir, daß Herr von V a - l ent i n i, der Lukanus der Kanzlerschaft Beth- mann Hollwcgs, dem Kaiser in Homburg Vortrag gehalten hat, und es liegt nahe, dar­aus mancherlei Schlüsse zu ziehen. Man erin­nert sich, daß in den Tagen, die der offiziösen Entschleierung des Milliardenopfers für die Reichswehr vorausgingen, in dem gleichen Blatt, das soeben den Kricgsminister mit sei­ner Lauge von Galle und Tinte bespritzt, ein scharfer Angriff auf Exzellenz von Heeringen erschien, der den Minister der Schuld zieh, den Ausbau unsrer Rüstung lässig verzögert und dringliche Maßnahmen der Wehrverbesserung als nicht zwingend zurückgestcllt zu haben. . Es ging damals die Rede, datz dieser Artikel (des­sen offiziöse Bemäntelung ebensowenig auf sich warten ließ, wie jetzt der verlegne Backenstreich der Norddeutschen Allgemeinen an den Scherl-Moniteur) aus den Kreisen der am Hof sehr einflußreichen Generalität stamme und ein Ausfluß des Unmuts sei, den in jenen Kreisen die weise Mätziguna des

Nach Luneville und Nancy nun: Ara- court! Ein Intermezzo wie die beiden «l- >dern; nur etwas weniger peinlich tat Effekt und in seinen Wirkungen auf die Stimmung diesseits und jenseits der Vogesen! Man spricht oft von der Duplizität der Ereignisse, eine Erfahrung, die sich im Volksmunde zu dem Satze modelt:Ein Unglück kommt selten allein." Jedenfalls bleibt es ein eigenartiges Zusammentreffen, daß gleich nach der Notlan­dung des Zeppelin bei Luneville nun auch ein deutsches Militärflugzeug auf franzö­sischem Boden niedergehen muß. Der Vorfall ist an sich zweifellos nicht angenehm, und könnte auf eine mangelhafte Navigierung schlie­ßen lassen, wenn man nicht bedenken müßte, daß der Ort Aracourt nur fünf Kilome­ter von der deutschen Grenze entfernt liegt, eine Entfernung also, die ein Flieger in weni­gen Minuten durchmißt. Wenn indessen nicht auch in diesem Fall der hinkende Bote nach­kommt, so ist die Angelegenheit ohne jeden Zpischenfall erledigt worden. Wir verzeichnen folgende Drahtmeldungen:

Nancy, 23. April.

Die gestern in Aracourt gelandeten deut­schen Offiziersflieger haben sich mit Benzin versehen. Wie gemeldet wird, wurde ihnen von dem Untcrpräfekten von Luneville gestattet, um halb sechs Uhr nach­mittags Aracourt ans dem Luftwege zu verlassen. Der deutsche Militärdoppeldek- ker ist nachmittags um 5 Uhr 35 Minuten wieder aufgestiegcn. Der Unterprä- fekt von Luneville, der Gendarmeriehaupt­mann und Vertreter der Behörden wohn­ten dem Aufstiege bei. Der Abflug er­folgte in dxr Richtung nach .Chateau Salins, um nach Metz zu gelangen.

Paris, 23. April.

Nach der von Zivil- und Militärbehör­den geführten Untersuchung ist verfügt worden, datz die deuffchen Offiziere durch höhere Gewalt zur Landung g e - 8«jungen seien. Infolge dieser Feststel­lung ist den Luftschiffern die Erlaubnis er­teilt worden, wieder abzufahren. Vor ihrer Abreise haben die deutschen Offiziere, als sie den Doppeldecker bestiegen, darauf ge­halten, dem Unterpräfekten für seine Hilfe­leistung und die Matznahmen zu dan­ken, die er getroffen hatte. Die beauf­tragten ihn auch, der ftanzösischen Regie- rung ihren Dank auszusprechen.

Wie uns weiter aus Metz berichtet wird, sind die beiden Flieger, Hauptmann Dewall und Oberleutnant von Mirbach, gestern nachmittag um sieben Uhr wieder in Metz ein­getroffen. wo sie vor der Fliegerstation glatt landeten. Ueber die Landung der beiden Offi­ziersflieger in Aracourt bei Luneville äußerte sich der neue Präfekt des Departements Meurthe et Moselle folgendermaßen: Es ist zweifellos, datz es sich um einen Irrtum handelt. Die deutschen Offiziere haben sich in gutem Glauben befunden, und meinten, daß sie sich noch in Deutschland befänden, als sie landeten. Es ist ein Fall einfachen Mißge­schicks. Der Nebel war sehr dicht gestern mor­gen. Der Unterpräsekt von Luneville bat mir gemeldet, daß die beiden Offiziere sich sehr offen und freimütig ausgesprochen ha­ben. Die Bevölkerung von Aracourt blieb sehr ruhig, da sie es verstand, daß cs sich um einen Zwischenfall ohne jegliche Bedeutung handle, auch d-e Abfahrt des Flugzeugs erfolgte ohne jede Kundgebung der Bevölkerung.

Zm Nebel verirrt!

In dem amtlichen französischen Bericht über die Fliegerlandung bei Aracourt heitzt es unter anderm: Am Dienstag früh um 7 30 Uhr landete bei Aracourt, ungefähr fünf Kilometer von der Grenze entfernt, ein deutscher Doppeldecker. DaS Flugzeug, Modell Heller, hatte einen Motor von 70 Pferdestärken. Es war mit zwei Offizieren bemannt, von de­nen einer die Uniform eines Fliegerhaupt­manns, der andere die Unfform eines Jnfan- terieleutnants trug. Das Flugzeug Über­flog ungefähr sechs Kilometer französisches Gebiet. Die Offiziere er- Närten, datz sie morgens um fünf Uhr von Darmstadt mit der Bestimmung nach Metz ab­gefahren seien. Sie hätten bei dem dichten Nebel in der Umgebung von Dicuze die Richtung verloren und erst bei der Lan düng nach Befragen der Bewohner erkannt, datz sie sich auf französischem Gebiet befanden. An unfern Botschafter in Berlin sind Instruk­tionen gesaickt worden, durch die er aufgefor­dert wird, die ganze Aufmerksamkeit der kaiser­lichen Regierung auf die wiederholten Landungen von deutschen Ballons und

Aviatikern in Frankreich, nahe der Grenze, hin- Mlenken und auf die ernsten Unzuträg- lichkeiten, die aus diesen bedauerlichen Zwischenfällen entstehen könnten.

Der Flug über die Vogesen.

Aus Darmstadt wird über die Fahrt der Offiziersflieger gemeldet: Von der hiesigen Mi- litärfliegerstation sind gestern morgen gegen neun Uhr zwei bekannte Militärflieger, Leut­nant von Mirbach und Hauptmann von Dewall auf einem Euler-Doppeldecker anläßlich eines Uebungsfluges auf französisches Gebiet geraten. Leutnant von Mirbach stieg gestern morgen fünf Uhr auf dem Militärflugplatz Darmstadt auf, um mit Dewall als Beobachter einen Flug nach Metz zu machen. Zugleich stiegen drei andere Euler-Doppeldecker aus, deren einer von Leutnant von Hiddeffen gesteuert wurde. Die Maschinen sollten zusammen die Vogesen überfliegen, eine Zwifchenlandimg in Zweibrücken machen und geschlossen Metz er­reichen. Das Wetter war klar, aber böig, so daß sich der Start um zwanzig Minuten ver­schob. Aus Metz war schlechtes nebli- gesWetter gemeldet. Dennoch trat man den Flug an. Eine Taube, die die Doppeldecker eine Strecke begleitete, kehrte nach kaum zwei Stunden zurück und der Führer meldete, datz er über den Vogesen so schlechtes Wetter getroffen habe, daß er in 2000 Meter wenden mutzte.

Die Landung in Araeourl.

Als der Aeroplan der beiden deuffchen Offi­ziere gestern in Aracourt landete, war nur die Mine Tochter dtzs Bürgermeisters von Aracourt zugegen. Einer der Offiziere fragte sie:Wo befinden wir uns?", worauf daS Mädchen antwortete:In Frankreich." Der Offizier sagte darauf:Zum Teufel, das ist unangenehm." Der Unterpräfekt von Lune­ville hat die deuffchen Offiziere verhört und ihre Reiseroute festgestellt. Die Militärbehörde beauftragte drei französische Fliegeroffiziere aus dem Bezirk Toul Verdun und einen Flic- gerhauptmann aus Nancy, sich an Ort und Stelle zu begeben, um den Apparat einer ein­gehenden Untersuchung zu unterwerfen. Der gestrige französische Ministerrat beschäftigte sich sehr eingehend mit der Angelegenheit und be- schlotz, den sranzöstschen Boffchaster in Berlin zu beauftragen, bei der deuffchen Regierung Schritte zu tun, um ähnliche Zwischenfälle für die Zukunft zu vermeiden. Die stanzöfifche und die deutfche Regierung sind inzwifchen in Ver­handlungen eingetreten, um ein Reglement aus­zuarbeiten, nach dem für die Zukunft solche Zwischenfälle erledigt werden können.

Araeourt im Ministerrat.

Wie uns weiter aus Paris berichtet wird, beschäftigte sich der gestrige Ministerrat angele- gentlichst mit der Zwangslandung der beiden deutschen Offiziere bei Arayourt. Die Angaben der deutschen Fliegeroffiziere haben sich nach dem Gutachten der aus drei französischen Avia­tikern bestehenden Untersuchungskommission als vollkommen stichhaltig erwiesen. Das Gutachten besagt ausdrücklich, daß die Lan­dung fünf Kilometer von der Grenze wegen Mangels an Benzin erfolgte. Infolgedessen wurde der Unterpräfekt Larombe angewiesen, den Rückflug unverzüglich zu gestatten. Gleichzeitig wurde eine De­pesche folgenden Inhalts an den Botschafter Cambon gerichtet:Die deutsche Regierung wird ersucht, ihren Militäraviatikern die Un­zulässigkeit der Landung auf französi­schem Boden in Erinnerung zu bringen." Die Entschließung des ftanzösischen Ministerrats wird von der Pariser Abend presse in durchaus zu stimmendem Sinne besprochen. Man hebt dabei hervor, daß die französische und die deutsche Regierung in anerkennenswertem Eifer den Entwurf eines Reglements für den aviati- schen Rachbarverkehr beschleunigt haben.

»

Die Antwort aus Berlin.

Wie die offiziöse Norddeutsche Allge­meine Zeitung mitteilt, sind wegen der ver­schiedenen Fälle von Lustfahrzcuglanduugen jenseits der Grenze bereits von der deutschen Regierung Maßnahmen eingelcitct wor­den, um derartige Vorkommnisse für die Zu­kunft zu verhüten. Mit der ftanzösischen Regierung sind Besprechungen im Gange, die die Schaffung eines Abkommens zwecks Regelung der Luftschiffahrt bezwecken.

Kriegsministers in der Gestattung seiner For­derungen für's Heer entfacht. Zwischen jenem Artikel und dem neuesten Kesseltreiben gegen Herrn von Heeringen bestehen offensichtlich innigste Zusammenhänge, denn der Hinweis auf den Zwang zum Rücktritt, den der Kriegs­minister schon vor der parlamentarffchen Er­örterung der Heeresvorlage habe erkennen müs­sen, verrät trotz der Anonymität den Vater des mephistophelischen Gedankens. Die Wirkung des Pamphlets bleibt abzuwarten. Herr von Heeringen hat schon einmal sein Entlas­sungsgesuch geschrieben, und es kann ihm also nicht schwer fallen, es noch ein zweites Mal zu tun. Wenn er indessen (aus dem Hinter­halt zur Strecke gebracht) wirklich geht, dann bedeutet sein Rücktritt einen" Faust schlag in's Gesicht der Nation, denn es Würbe, da­mit bewiesen sein, daß hinter den Kulissen verhängnisvolle Mächte intrigieren, deren Ein­fluß bis zu den Gipfeln der Macht reicht, und es würde uns ferner die beschämende Gewiß­heit offenbar werden, daß auch ein Mini­ster nicht die Wahrheit sagen darf, selbst wenn er ihre Kundgabe als Gewissenspflicht und Ehrgebot erkannt ...! F- H.

3er Fgg von ßlutati.

Siegreicher Einzug der Monteneginer in Skutari; die Unterzeichnung des Friedens.

Während die Unterzeichnung des Präli- minar-Friedens am Balkan vor der Tür steht, dröhnt von Skutari her noch ein­mal Kanonendonner durchs kriegsmüde Eu­ropa: Die Montenegriner haben heute früh Sluiari im Sturm genommen und sind als Sieger in die Stadt eingezogen, um die seit Monaten ein erbitterter Kamps getobt hat. König Nikitas Wunsch ist erfüllt: Auf der Zinne der Türkenfestung weht stolz im Lenz­wind die Siegerslagge der Czernagorzen und noch im Abendrot des Türkcndramas hat die kleiye Armee der Schwarzen Berge über den Gegner einen entscheidenden Sieg errungen. Ueber den Fall von Skutari gehen uns folgen­de Drahtmeldungen zu:

Catarro, 23. April.

Hier verlautet mit Bestimmtheit, daß Essad Pascha den Wunsch geäußert hat, datz Verhandlungen mit Montene­gro behufs Aebergab« der Festung Skutari eingeleitet würden. Skutari ist vollständig umzingelt. Die mon­tenegrinischen Truppen find bereits nahe an die Stadt herangekommen.

Cetinje, 23. April.

Wie eine amtliche Mitteilung besagt, sind heute früh die montenegrinischen Truppen nach heißem Kampfe sieg­reich in Skutari eingezogen. Der Generalsturm auf die Festung war außer­ordentlich blutig und auf beiden Seiten gab es sehr viele Tote und Schwer- verwundete.

Die Folgen des Falles von Skutari vin- sichtlich ihrer Einwirkung auf den Frie- densschluß am Balkan lassen sich im Au­genblick noch nicht übersehen; sicher ist nur das Eine: Montenegro hat durch den Erfolg vor Skutari seine Stellungnahme im Balkan­bund wesentlich verstärkt, König Nikitas Trotz gegen Europa ist vom Siegerlorbeer umkränzt und der Keine Zaunkönig der Schwarzen Ber­ge bat trotz der Flotten-Demonstration der Großmächte seinen Willen durchgesetzt: In Skutari herffcken die Montenegriner, und cs wird schwer hatten, ihnen die Beute zu ent­reißen, nachdem die Machteinheit Europas sich dem Neinsten Staatsgebilde gegenüber so völ­lig einflußlos und unzulänglich erwiesen hat. Skutaris Fall ist (mit einem Wort) eine Ver­höhnung Europas!

Der Balkankrieg am Ende?

Konstantinopel, 23. April. (Pri. bat » Telegramm.) Der Ministerrat un­terzeichnete gestern die Friedenspräli­minarien, die zwischen den bulgarischen und türkischen Delegierten bei Tschataldscha und zwischen den türkischen und serbischen und hellenischen Delegierten bei Bulair festgelegt wurden. In Pfortekreisen betrachtet man den Frieden als eine vollendete Tatsache und ist überzeugt, datz der Präliminarftiede noch vor Ende dieser Woche in London unterzeich­net werden wird. Falls es nicht möglich wer­den sollte, bis dahin die Verhandlungen soweit gedeihen zu lassen, dann wird ein allgemeiner Waffenstillstand abgeschlossen werden.

Vierzig Stunden im Kampf!

Wien, 23. April. (Privat - Tele« gramm.) Wie die Südflavische Korrespon­denz meldet, hat der Sturm auf Skutari fast vierzig Stunden gedauert. Der General- sturm setzte Montag früh von allen Seite« ein.