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Nr. 116. S. Jahrgang.

Casseler Neveste ÄachrMnr

MMvöch, Ä. SprltlZK.

wird im Reichstag eine vielbesprochene Per­sönlichkeit, was sie sich gewiß nie hat träumen lassen. Gern hätte der Kriegsminister die m der Budgetkommission gestrichenen Pserdegel- der gerettet. Er fürchtet schlimme Einwirkun­gen auf den Generalstab, in den künftig nur noch reiche Offiziere gelangen könnten. Ter Reichstag ist indessen hoffnungsvollerer An­sicht und bleibt daher bei den Streichungen. Genosse Roske schüttelt den Kopf zu den römi­schen Schanzarbeiten der Mainzer Pioniere auf der Saalburg, muß sich aber sagen lasten, daß diese für die Ausbildung sehr förderlich ge­wesen seien. Auch würden sie aus dem Saal­burgfonds besonders bezahlt. Tie Verwen­dung der roten Husaren von Rathenow bei dem Einzug des Herzogs Ernst August von Braun­schweig-Lüneburg in Berlin wird mit traditio­nellen und politischen Gründen schlecht und recht begründet . . .!

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Militär-Etat: Nest!

Reichstags-Sitzung vom 21. Apeil.

Am Bundesratstisch: Kriegsminister von Heeringen. Die Spezialberatung des Mili­täretats wird fortgesetzt:

Abg. Werncr-Hersfeld <Refp.) wünscht Bes­serstellung der Kaserneninspcktoren.

Abg. Jcklcr (Natt.) bespricht die Ausschrei­bung von Submistionen. Wir wünschen, daß die Militärbehörden ebenso vorgehen wie die anderen Behörden.

Abg. Pauly-Cochem (Ztr.): Bei Kascrnen- bauten sollte vor allem deutscher Schiefer ver­wandt werden.

Abg. Dr. Neumann-Hofer (Fottschr.): Tie Kommandanten der großen Truppenübungs­plätze sollten mehr auf die Wünsche der Land­bevölkerung eingehen.

Abg. Rupp-Baden (Kons.): Tie Manöver­lasten sollten besser auf die einzelnen Ortschaf­ten verteilt werden.

Abg. Schmidt-Meißen (Soz.): Die Trup­pentransporte zum Manöverfelde bringen wochenlange Verkehrsstockungen mit sich.

Abg. Kotzmann (Zentr.): Bei der Abschät­zung des Flurschadens ist Beschleunigung not­wendig.

Generalleutnant Staats: Die schnellere Feststellung der Flurschäden wird auch von der Militärverwaltung angestrebt.

Das Kapitel wird bewilligt. Beim Kapi­telMilitärbauwesen" bespricht Abgeordneter Wcinhausen (Fortschr.) die Besoldung der Mi- litärbaubeamten. Abg. Hubrich (Fortschr.) tritt für die Besserstellung der Bausekrctäre ein. Das Kapitel wird bewilligt.

Die Hanauer Epidemie.

Abg. Hoch (Sozialdemokrat): Die Militär­verwaltung sollte den Mitzständen auf gesund­heitlichem Gebiete im Heere größere Aufmerk­samkeit widmen. Die Militärverwaltung hat die Typhus-Epidemie in Hanau nicht gründlich genug untersucht. Sic teilte mit, die Krankheit sei durch eine Kartoffelschäle- rin übertragen. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Es war von Kartoffeln eine große Menge Salat hergestellt worden, die über Nacht stehen blieb und verdarb. Es gibt eine Anzahl Militärärzte, die in jedem kranken Soldaten einen Betrüger, einen Simu­lanten sehen, der sich lediglich vom Dienste drücken will. Zwanzig Soldaten sind gestorben, fast alles Leute, welche ihren arnien Eltern eine Stütze sein sollten. Diesen sollte eine Entschä­digung gewährt werden.

Generaloberarzt Dr. S ch n l z: Die Maffcn- erkrankungen in Hanau sind durch eine verhäng­

nisvolle Verkettung von unglückseli­gen Umständen herbcigeführt worden. Bei der Untersuchung der Ursachen hat sich einwand­frei ergeben, daß die Erkrankungen auf den Genuß eines Kartoffel-Salats zurückzuführen sind, in den Typhuskeime hineingeratcn waren, welche von einer Kartoffelschälerin als Bazillcnträgerin herrührten. Das späte Erkennen der Krankheit crNärt sich dar­aus, daß die Anzeichen bei TyPhuSerkrankun- gen häufig erst in der zweiten Woche auftreten. Mit allem Nachdruck muß ich Einspruch ge­gen die Behauptung erheben, daß Militärärzte die Kranken, deren Erkrankung sie nicht sofort erkennen können,

als Simulanten anschen;

Simulantenriechcrci wird aufs allerschärfste perhorresziert. In der Kommission ist bereits über die Unterstützung der durch den Verlust ihrer Söhne schwer betroffenen Familien ge­sprochen worden; ich bin ermächtigt, zu erklären, daß alle derartigen Gesuche durchaus wohlwol­lend ausgenommen werden sollen.

Abg. Hoch (Sozialdemokrat): Die Verwal­tung hat scheinbar aus dem traurigen Vorfall in Hanau nichts gelernt. Dem Herrn Rcgie- rungsvertreter sind Klagen über schlechtes Essen nicht zu Ohren gekommen. Aber die Verwal­tung hätte sich bei den Eltern erkundigen kön­nen. Festgestellt ist doch die Höhe der Preise. Ein jeder sieht doch ohne weiteres ein, daß man dafür keine gute Ware verlangen kann.

Kriegsminister von Heeringen: Es ist selbstverständlich, daß die Verwaltung für die Gesundheit unserer Soldaten alles tut. Immer werden sich solche Fälle nicht ganz ver­meiden lassen. Damit hat auch der Umstand nichts zu tun, daß die in Hanau gezahlten Preise für Lebensmittel zu niedrig sind. Auch den Militärärzten kann man eine Schuld nicht beimcffen. Wie können unserem Sanitäts­offizierkorps dankbar sein. Was wir an ihm haben, zeigt der Gesundheitszustand in der Armee, der in den letzten achtunddreitzig Jah­ren sich um 35 Prozent, also fast in jedem Jahre um ein Prozent, gebessert hat. Das ist ein Prozentsatz, wie er sich in keiner Armee der Welt befindet. (Beifall rechts.)

Die Saalburg-Römerschanze.

Abg. Noske (Sozialdemokrat): Bei den Reise- und Umzugsgeldern lassen sich große Ersparnisse machen. Eine durchgreifende Reform kann aber nur erfolgen mit der gleich­zeitigen Reform des Militärintendanturwesens. Um ganz unmilitärische Verwendung von Sol­daten scheint cs sich jetzt wieder bei der Ver­wendung von Pionieren bei Arbeiten auf der Saalburg zu handeln. Es scheint hier nicht eine Uebung zur militärischen Ausbildung der Soldaten vorzuliegen, sondern eine Verwen­dung um einer Privatlicbhaberei des Kaisers willen. Vor einigen Jahren muß­ten ja auch Soldaten das Romintener Jagd­revier des Kaisers Herrichten. Das Heer ist eine Reichsinstitution und wird vom Volke be­zahlt, seine Einrichtungen sind nicht für den Privatgebrauch der Fürsten da. Das R a t h e - nower Husarenregiment wurde nach Berlin und zurück befördert, um hier eine halbe Stunde Spalier für ein fürstliches Brautpaar zu bilden. Es macht sehr viel bittes Blut, wenn für rein höfische Zwecke Reichsmittel verschleu­dert werden. (Zustimmung bei den Sozial­demokraten.)

Kriegsminister von Heeringen: Die Motive, die für die Heranziehung der Rathenower Hu­saren maßgebend gewesen sind, beruhen im we- serttlichen auf der historischen Tra­dition. Diese Maßregel hatte einen po­litischen Zweck, und sie hatte darum ihre

besondere Berechtigung. Was die Saalburg anlangt, so handelt es sich um eine Uebung in der Nähe der Saalburg auf einer Waldblöße, die sich ihrer Eigenart nach nach der Ansicht der Pionicrinspektion zu Schanzarbeiten eignet. Sämtliche Kosten wurden dem Saalburg-Fonds entnommen. (Beifall.)

Weiterberatung: Dienstag.

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Nachwehen des Falls Krupp.

In der gestrigen Sitzung der Budget-Kom­mission des Reichstages brachte das Zen­trum folgende Resolution ein: Den Reichs­kanzler zu ersuchen, zur Prüfung der gesamten R ü st u n g s l i e f e r u n g e n für Reichsheer und Marine eine Kommission zu berufen, zu der vom Reichstage zu wählende Mitglieder des Reichstages und S a ch v e r st ä n d i g e zu­zuziehen sind. Der Reichskanzler wird ersucht, den Bericht der Kommission den gesetzgebenden Körperschaften mit Vorschlägen zur Bcsettigung etwaiger Mißstände mitzuteilen. Eine Beratung dieser Resolution fand gestern nicht statt.

Ise Politik des Tages.

Bethmann, Tirpitz und Ballin.

Wie unser Berliner politischer Mit - a r b ei t e r erfährt, wird sich zu den schon ge­meldeten Auszeichnungen und StandeSerhö- hungen anläßlich des Jubiläums des Kaisers noch eine weitere gesellen, die von besonderem politische» Interesse ist. Ter Reichskanzler, Herr von Bethmann Holl­weg, soll in den Gr äsen stand erhoben werden. Es ist bekannt, daß Herrn von Beth­mann Hollweg diese Auszeichnung schon früher zuteil werden sollte, er hat aber seinerzeit den Kaiser gebeten, von ihr Abstand zu nehmen. Diesmal aber hat Herr von Bethmann Holl­weg nicht abgelehnt, sondern nur ersucht, ihm die Auszeichnung nicht vor der Erledigung der Heeres- und Deckungsvolage zu erteilen. Auch Herrn von Tirpitz, dem Leiter des Reichsmarineamtes, steht eine Auszeichnung bevor, und zu den Kandidaten, die auf den erblichen Adel rechnen dürfen, ist auch Albert Ballin, der Generaldirektor der Hamburg- Amerika-Linie, zu zählen.

Papst Pius als Genesender.

Die Besserung im Befinden des P a p st e s scheint sich zu bestätigen. Die neuesten Nach­richten lauten wiederum günstiger. Nach dem letzten Krankheitsbericht soll er gestern bereits den vierten Tag fieberfrei gewesen sein und seine Kräfte allmählich wieder zunehmen. Der Patient hat gestern fast eine Stunde außerhalb des Bettes zugebracht und seinen Verwandten das Bedauern ausgespro­chen, daß er das sonntägliche Pontifikale in der Peterskirche nicht selbst zelebrieren konnte. Die Aerzte versichern, der Papst sei in die Rekonvaleszenz eingetreten, wenn guch in die­ser Woche nicht schon von einer'gänzlichen Beseitigung der Gefahr gesprochen werden kann.

Der kritische Tag im Generalstreik.

Aus Brüssel meldet uns ein Privattelgramm: Heute ist der kritische Tag im Generalstreik. 60 000 Streikende werden heute in Charleroi eine große Demonstration veranstalten. Man befürchtet, daß es dabei zu Unruhen kommen wird, trotzdem die Führer der Streikenden zur Ruhe gemahnt haben. Die Minister haben ge» stern mehrere Stunden lang beraten. Der Mi­nisterpräsident hat danach eine Stunde mit dem König konfersictt. Von sozialdemokratischer

Seite wird versichert, daß die Parlamentsver treter der Arbeiterparteien den Versöhnungs antrag der Liberalen annehmen werden. Auch heißt es, daß sich am Mittwoch ein sozialde­mokratischer Parteikongreß versammelt, um di, Beendigung des Generalstreiks zu beschließen Aus Charleroi wird gemeldet, daß gestern mehrere Tausend Metallarbeiter in die Fabri­ken zurückgekehrt sind, dagegen haben sich in Brüssel die Schneider und Schneiderinnen und die in der Wäscheindustrie Beschäftigten dem Ausstand angefchlossen. Ueber hunderttausend Tetailkaufleute aller Patteirichtungen haben sich an die Abgeordneten aller Parteien mit einer Petition gewandt, die in beweglichen Sorten eine Beendigung der Kttse erbittet.

Versuche mit einem neuen französischen Ge­schoß. Ein Pariser Blatt veröffentlicht einen Bttef des Kriegsministers, demzufolge in der französischen Armee demnächst neue Versuche mit dem neuen Geschoß Derguesse für das Mili­tärgewehr angestellt werden sollen. Die Ver­suche sollen schon in allernächster Zeit statt­finden.

Ein asiatischer Dreibund! Die Bildung eines asiatischen Dreibundes, bestehend aus Japan, China und Siam, wird von den trei­benden Kräften der drei genannten Staaten eifrigst gefördert, wenn auch da? Projekt von den leitenden Staatsmännern noch nicht in Angriff genommen worden ist. Die Spitze des neuen Dreibnndes richtet sich vor allem gegen Rußland.

Dar Neueste aur Kassel.

Der BallonIlse" vermißt!

Schon gestern abend meldeten wir, daß der Ballon »Ilse" vermißt wird, der am Sonntag! früh unter Führung von Kaufmann Wey- land aus Cassel vom Korbplatz des Kurhes­sischen Vereins für Lustschisfahrt aufgestiegen war. Bis heute mittag ist noch keine Spur von dem Ballon gefunden worden und keine Nachricht über eine etwaige Landung des Bal­lons eingegangen. Der Ballonführer, Kauf- mann Franz Weyland von hier, plante schon anfangs der vergangenen Woche, am Sonntag die erste der für Ballonführer vorge­schriebenen Alleinsahrten im Freiballon zu un­ternehmen. Da der BallonCassel" am Sonn­tag in G-ießen engagiert war, wurde von der Ballonsabrik Harburg-Wien der kleine BallonIlse" geliehen, ein Ballon, der sechs- hundertsechzig Kubikmeter Leuchtgas faßte. Am Sonntag früh wurde die Füllung vorgenommen und um 0,33 Uhr erhob sich der Ballon stolz in die Höhe ... Lange wurde der Ballon noch bei seiner raschen Fahrt über die Stadtgrenze und- über den Möncheberg beobachtet. Zeitweise verschwarld er hinter düsteren schweren Regen. Wolken, tauchte dann wieder in großer tööhe auf und entschwand schließlich in nordöstlicher Richtung. In der Regel gibt ein Luftschiffer sofort nach der Landung telegraphisch Bescheid, wo und wie er mit dem Ballon niedergegangen ist. Als am Sonntag abend noch kein Tele­gramm vorlag. nahm man in Cassel an. Kauf­mann Weyland fei in der Nähe von Cassel ge­landet und komme persönlich mit der Meldung. Aber die Nacht verging und auch am Montag morgen lag noch keine Meldung vor.

Nachfragen in der Fahrtrichtung er« gaben, daß man dort von einer Ballon­landung nichts beobachtet habe. Es mußte nun damit gerechnet werden, daß dem Ballon ein Unfall zugestotzen fein müsse. Unverzüglich entsandte deshalb der Kurhcf. fische Verein für Luftfahrt (Sektion Cassel) noch gestern vormittag einige Herren, die in der Fahrrichtung des Ballons'Nachfor­schungen nach dem Ballon anstellten. Außerdem

kette zum Preise von 20 bis 30 Mark erhältlich sind. Erst wenn nach -Schluß des Tauerkarten. verkauses noch Plätze stet sind, werden Einzel­karten ausgegeben werden, so daß der Wett­streit immer ziemlich dieselben Hörer haben wird. Den von dem Kaiser gestifteten Wan. derpress bringt der Kölner Männergefang- verein mit, der ibn bei dem letzten Kaiserpreis- Wettsingen vor vier Jahren dem Berliner Leh- rergefangverein abgewann. Bekanntlich ist die Kaiserkette inzwischen Dieben zum Opfer gefal­len, die die Kette einschmolzen und die Ju­welen zu Geld machten.

Die Kette ist in neuer und schöner Form wiedererstanden, und wenn sie der Kölner Männergesangverein diesmal etwa wieder er­ringen sollte, so geht sie dauernd in seinen Bc- sitz über, da sie dann zum dritten Mal in die Hand des Vereins gelangt, der sie sich sowohl bei dem ersten Wettstreit im Jahre 1899 in Cassel wie bei dem dritten im Jahre 1909 in Frankfurt am Main ersungen hat. Die Be­fürchtung jedoch, daß die Kaiserpreis-Wettsingen alsdann nicht mehr stattfinden würden, ist da­durch hinfällig geworden, daß der Kaiser in­zwischen erklärt hat. er würde in diesem Fall einen neuen Preis stiften. Jeder Verein trägt zunächst den Hegarschen Preischor1813" vor. Darauf bat jeder Verein zwei selb stge- wählte Chöre zu singen, von denen zu­mindest einer dem auf Anregung des Kaisers zusammengestellten Volksliederbuch entstammen muß. Von den beteiligten 42 Vereinen wird dann eine Auswahl der 14 besten getroffen, die allein zu dem engeren Wettbewerb um den so- aenanntenTttmdenchor" zugelassen werden Stundenchor deshalb genannt, weil die unbe­kannte Komvosttion des Chores erst eine Stunde vor feinem Vortrag den Vereinen be- kanntgegeben wird und nach dieser Frist tadel­los zu Gehör gebracht werden muß.

tu Das Hoftheatcr in Detmold. Ueber den bevorttehendcn Neubau des Hoftheaters v-r- lauter entgegen verschiedenen durch die Presse gegangenen unrichtigen Angaben, daß nach ein gezogenen Ettundigungen an maßgebender Stelle ausdrücklich festaestellt werden kann, daß das Projett des Neubaues zu gleichen Teilen von den Herren Professor Bodo E b - Hardt und Professor Otto Kuhlmann in Berlin entworfen und unter der Obmann schäft des Herrn Geh. Hofbaurats Professor

Feuilleton.

Sinnspruch.

Sich am Kleinsten dankbar freuen, Um der Pflicht gerecht zu toeiben, Richt das größte Opfer scheuen, Ist der Weg zum Glück auf Erde».

Emil Rittershaus.

Drr Sgngrrkrirrl sm Msin.

Das Kaiserpreis-Singen in Frankfurt.

Zum Vierten Deutschen Männe rge- fangwettstreit in Frankfurt am Main sind nunmehr alle Vorbereitungen abgeschlossen und am Sonntag, den vierten Mai, wird in den Räumen der Festballe die imposante Ver­anstaltung stattfinden. Alle zweiundvierzig Vereine, die gemeldet haben, werden auch in Frankfurt erscheinen und für ihren Teil allein schon rund zehntaufend Sänger,nebst ihren zahlreichen Angehörigen in die Feststadt führen. Der Kaiser wird von Homburg v. d. H. kurz vor Beginn des Wettsingens nach Wies« baden übersiedeln, um von dort aus alltäglich mit dem Automobil nach Frankfurt zu fahren. Am Abend des vierten Mai beginnt die Ver­anstaltung mit einem Konzert der Frankfurter Männergesangchöre in dem gewaltigen Kup­pelbau der städtischen Festhalle. Daran schließt sich am fünften, sechsten und siebenten Mai der Vortrag der von den Vereinen selbst gewähl­ten Chöre, sowie des Hegarschen Preis- ch o r s, während am achten Mai der Vortrag des sogenannten Stundenchors und die Preis- vertcilung den Wettstreit absckließen werden.

Ten Beamten, Hilfsbeamten und Arbeitern, die am Wettstreit teilnchmen wollen, wird für die Festtage Urlaub und freie Bahn­fahrt bewilligt. Ebenso hat die Unterrichts- Verwaltung den beteiligten Lehrern Urlaub für die Teilnahme an dem Wettstreit gewährt, da die bedeutendsten deutschen Lehrergesangvereine ihre Beteiligung an der Veranstaltung ange- meldet haben. Tie Eisenbahnverwaltung hat für die Festtage durch Einlegung einer großen Anzahl von Sonderzügen und Verstärkung der bestehenden Züge Sarge getragen. Einzelne Logen, die nur für die ganze Dauer des Festes abgegeben werden, kosten 3000 Mark uno dar­über, während allerdings auch billigere Dauer­karten für den ersten Rang -und die beiden Par-

Gcnzmer in Berlin, der gleichzeitig als Sachverständiger Vertrauensmann und Bera­ter des Hofmarschallamts fungiert, durchgefühtt werden wird. Das Fürstliche Hofmarschallamt, als bauausführende Behörde, hofft, daß durch die Tätigkeit dieses künstlerischen Dreibundes ein Bauwerk entsteht, das dem Lande zur Zier gereichen wird.

TuSiegfried" in Darmstadt. Die Darm- st ä d t e r Frühlingsfestspiele nahmen mit einer guten Aufführung desSiegfried" ihre Fort­setzung. Die hervorragendste Leistung bereitete Generalmusikdirektor Walter- München als Orchesterdirigent, dem die Solisten etwas nach- standen. Von ihnen gefiel am besten Soomer (Wanderer).

Die neue Künstler-Organisation. Der in Berlin besprochene, wirtschaftliche Zusammen­schluß der Künstlerschast hat in München ei­nige Taten aufzuweisen. Tort laufen die 9tn$ Meldungen von Künstlern ans allen Gruppen zahlreich ein, sodaß eine starke Organisation im Entstehen ist. Die wichtigsten Fragen des Ver­lags- und Reproduttionsrechts behandelt eine eigne Kommission.

Tu Der Reuterbrunncn für Rostock. Rostock, wo Reuter als junger Student einst Pandekten büffelte und noch eifriger den Trinkkomment studierte, soll jetzt einen Fritz-Reuter-Brunnen erhalten. Man hatte einen Wettbewerb ausge­schrieben, zu dem zweiundsechzig Entwürfe ein- gingen. Preisrichter war unter anderen Pro­fessor Fritz Klimsch. Einstimmig erhielt in der fachen gefallenen Entscheidung der Bildhauer Ewald Holtz in Nürnberg den ersten Preis in Höhe von tausend Mark.

tu Weingartner in Patts. Weingartner, der bei der Einweihung des neuen Opernhauses in Paris mit großem Erfolg dirigierte, hat dem Direttor Astrue versprochen, daß feine neue OperKain und Abel" ihre Uraufführung im Theater des C Hamps Elvfees haben wird. Der Termin der Premiere ist noch nicht fest­gesetzt.

T~. Gegen Perrons Ausscheiden. Kammer­sänger Karl Perron soll nunmehr endgültig aus dem Verbände der Dresdener Hofoper, der er zwenmdzwanzig Jahre angehört, ausschei- den. Obwohl der Künstler an Kraft und Schönheit seiner einst reichen Mittel sehr ein­gebüßt hat, versucht seine starke Gemeinde, ihn unbedingt zu halten. Ob es ihr diesmal wie­der (wie vor zwei Jahren) gelingen wird, eine Erneuerung des Gastspielvertrages für den Künstler zu crzwinaeu. bleibt fraglich, da das

erste Baritonfach nun durch Soomer, Plaschke, Zador und den engagierten Stacgemann be­reits überbesetzt erscheint.

Tu Eine Erholungsstätte für Journalisten. Das sächsische Journalisten und Schriftsteller­heim in O b e r w a r t h a bei Dresden, dessen Bau dieser Tage begonnen wurde, soll tot Herbst eröffnet werden. Auf den Höhen des linken Elbufers in prächtiger, freier Lage wird eine behagliche Erholungsstätte geschaffen, in der Journalisten und Schriftsteller nach aufrei- bender geistiger Arbeit neue Kräfte sammeln oder auch dauernd bleiben können.

tu Die Lauchstedter Spielzeit. Im Lauch- stedter Goethetheater findtt am sechzehn­ten Mai eine Festvotttellung anläßlich des in Halle tagenden Gynäkologen-Kongresses statt. Gespielt wird MolisresArzt wider Willen" durch das Meininger Hoftheater. Die Lauch- stedter Festspiele bringen im Juni Sophokles' neu aufgefundenes SattrfpielDie Spür» Hunde" in einer Bearbeitung von Prof. Karl Robert-Halle und zwei Einakter von HanS Sachs:Der gestohlene Has" undKönig Alexander und Aristoteles". Setter der Auffüh­rungen ist Geheimrat Robert, Darsteller sind Studenten.

tu Die meistaufgeftihtten Opern. Nach einer statistischen Aufstellung desTheater- und Kunstspiegels" istTer Rosenkavalier" von Richard Sttauß für die letzte Theaterfaison auf der deutschen Bühne die meiftaesvielte Oper: das Werk brachte es auf 526 Aufführun­gen. Dann folgen Carmen mit 426, Lohengrin mit .394, Mignon mit 377, Tannhäuser mit 363 Ausführungen. Am schlechtesten ist es Sieg­fried Wagner ergangen: von feinen fechS Opern wurde in Deutschland in der Spielzeit 191112 keine einzige aufgeführt. Ledig­lich in Oesterreich wurde seinBanadietrich" auf zwei Bühnen siebenmal gespielt.

---- Richard Wagner- und Mozart Festfpicke München 1913. Ueher die Mitwirkung fremder Gäste bei den Richard Wagner- und Mozatt- Festfpieleit München 1913 wird mitgeteilt, daß außer dem bekannten Münchener Personal, zu dem auch die Kgl. Kammersängerin Frl. Mo- rena und der Sgl. Kammersänger Herr H. Knote seit Jahren zählen, die nachstehenden Künstler bereits gewonnen sind: Frau Selma Kurz (Wien), Frau Schumann-Heink, Frau Olive Fremstad, Frl. Edvth Walker, Madame Cahier, die Herren Jadlowker (Berlin), Zador « Dresden) und andere. Die musikalische Ober- leitung hat Herr Gcneralmusikdirettor Walter.