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COler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 23. April 1913

Nummer 116

Fernsprecher 951 und 952.

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Die ttafielet Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und »war abends. Der LdonnemenrrpreiS betragt mon-tl!-d so Plg. bei freier Zustellung ins Hau». Bestellungen werden jederzeit von der Sefchäftrftelle oder de» Boten entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaktion: TchlachthoMraße 28/sa. Sprechstunden der Redaktion nur een 7 bis » Uhr abends. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abend«. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstr 16, Telephon: Amt Moritzplatz 1258»

gungen Deutschlands für sein Militär, das Wie­derausleben der Erinnerungen au 1813, der Appell an die nationale Selbsterhaltung, find durch die Enthüllungen über die großen Waffenfabrikanten Deutschlands jämmerlich tit die Brüche gegangen. Diese Fabrikan­ten gaben ihr Geld zu patriotischen Zwecken als ReNamekosten, wie jede andere Fabrik für Annoncen aus. Begehen wir nicht den Fehler, zu glauben, daß die deutschen Fabrikanten a «- derS geartet find, als die übrigen, und daß der verderbliche Einfluß dieser Fabrikanten nur eine deutsche Spezialität ist.

Wichtigkeit find. Damit würde eine Art VerteidigungS-Gürtel um Saloniki gebildet. Die Griechen legen an den wichtig- ten Punkten dieses Verteidigungsgürtrls Erd­werke an. Allgemein wird versichert, daß man I-dem Versuch der Bulgaren, auf Saloniki vorzurücken, so energisch wie möglich entgegen- treten wird.

Die Antwort der Verbündeten.

Sofia, 22. April. (Privat-Telt. g r a m m.) Die Antwort der verbündeten Bal- kanstaaten auf die Mediationsvorschläge ist ge stcrn den Vertretern der Großmächte überreicht worden. Nach einer Meldung aus Athen wird in der Antwort ausgesprochen, daß die Balkan- staaten die Vermittlung der Großmächte mit dem Vorbehalt annehmen, daß im Verlauf der Verhandlungen die Fragen der Aegäiscken In­seln und der genauen Festsetzung der Grenzen TrazienS und Albaniens mit den Großmächten erörtert werden. Diese Antwort wird nach An­sicht Londoner politischer Kreise weder bei den Vertretern der Großmächte in London, noch bei der türkischen Regierung Befriedigung er­wecken. Man darf aus neue türkische Einwen­dungen gefaßt sein.

geist unermüdlich nach Mitteln und Wegen mitt, Tom Manuels Krone aus dem Zwinger der Republik zurückzuerobern. Das Schloß der Herzogin-Witwe Maria Josefa war lange Zeit hindurch der Rendezvousplatz der portugiesi- chen Monarchisten, die Zentrale der Royalisten- Propaganda, und die Millionen der Tante sind als Kriegsschatz dem Kampf des Reffen um eine Krone dienstbar geworden. Prinzessin Augusta Viktoria von Hohenzollern-Sigmarin- gen, die sich dem entthronten Sohn Dom Car­los als Braut verlobt, zählt zu den reichsten Fürstentöchtern Europas, und die Verbindung mit dem Hohenzollern - Haus wird also die Sache der portugiesischen Royalisten wirtschaft­lich erheblich kräftigen, abgesehen davon, daß Dom Manuel durch seine Heirat mit einer Prinzessin aus zollern'schem Stamm in dyna­stischer Beziehung neuen Rückhalt gewinnt. Die monarchistische Propaganda in Portugal war bisher in der Hauptsache das Werk schöp­ferischen und opferwilligen Frauen - Ehr­geizes, und Kenner Portugals, die Land und Leute nach Wert und Würde zu schätzen wiffen, haben erklärt, daß die Frage: »Repu­blik oder Königtum in Portugal?" eine rein- wirtschaftliches Problem, nämlich eine Geldfrage sei, sodaß also der Gedanke, den Verlobten der Zollerntochter eines Tags wie­der als König von Portugal auf dem Bra- ganza-Thron zu sehen, durchaus in den Be­reich naher Entwicklungs-Möglichkeiten gehört Als Zigaretten-König ist Dom Manuel einst von Thron und Land geflohen: Die Rück­kehr heischt andern, höhern Einsatz, und der Roman des Entthronten kann nur erträglich enden, wenn sein Schlußkapitel mit den Schwä­chen und Sünden der Vergangenheit ver­söhnt. . .! F. H.

Krupp, Liebknecht, Hemmen.

Ein Angriff auf de« Krieasminister.

Irr Roman Som Manuels.

Die Verlobung des Exkönigs von Portugal.

Rach mancherlei Irrfahrt, bestrahlt von der Sonne des Glücks und umdüstert von den Schalten des Verhängnisses, landet nun auch Manuel von Braganza, Dom Carlos und Amaliens von Bourbon lebensfroher Sohn, im Hafen der Ehe, und ein Zufall hat's gefügt, daß der Bund zweier Herzen Familien­bande zwischen zwei Fürstenhäusern knüpft, die bisher kein direkter verwandtschaftlicher Zu- santmenhang einander genähert: Hohenzol­lern und Braganza! Dom Manuel, der heut vierundzwanzig Lenze zählt, verließ vor drei Jahren Land und Thron, ohne überhaupt |. versucht zu haben, sein Königtum vorm An­sturm der Revolution zu retten: Als der »Zi­garettenkönig", der, als vom Hafen her Kano­nendonner den Staatsstreich kündete, lächelnd und mit der brennenden Zigarette im Mund­winkel die ragende Königsburg Cintra ver- b ließ (ein Jüngling an Jahren, ein Kind an Tatkraft und Lebensernst), lebt er in der Ge- W schichte, und die Rolle, die sein Knabentum auf dem Thron und im Exil gespielt, zählt nicht zu den Glanzstücken monarchischen Regimes, k Immerhin: Manuel von Braganza wurde als König von Portugal ein Opfer der Verhält- nifle, büßte für der Väter Schuld und unterlag einer naturnotwendigen Regung strafender Ge- rechttgkeit, deren Verhängnis das Königtum der Braganza im Portugiesenland in jahr- U zehntelanger Frevel-Herrschaft übermütig her-

5F~ ausgesordert. Vielleicht wäre Portugal

heut nicht Republik, wenn in den Oktoberta­gen neunzehnhundertzehn der König nicht zur sorgenscheuchenden Zigarette, sondern im ent- scheidenden Augenblick zum Schwert gegriffen hätte und vielleicht würde dann der Weg des Schicksals Dom Carlos Sohn nicht durch die Rachtcafös von Paris und die Lebe-Tem- pel im Märchcnreich der Riviera, sondern zu ernster Arbeit, zu nützlicher Erkenntnis und männlichem Tatwillen geführt haben: Denn auch Könige reifen zur Blüte der Persönlichkeit innerhalb d e r Verhättnifie. die ihren Daseins-

Ser Sturm aus Skutari.

König Rikita provoziert Europa!

Wie uns aus Konstantinopel depe- schiett wird, wurde gestern der am Montag abgelaufene türkisch - bulgarische Waffen, stillstand auf unbestimmte Zeit verlän- aert. Das diesbezügliche Protokoll wurde trotz der offiziellen Dementis vor Btüarr un­terzeichnet. Ebenso wurde auch mtt Griechen, land und Serbien eine mündliche Vereinba­rung wegen Einstellung der Feindseligkeiten getroffen. Nur mit Montenegro ist keine Waf­fenruhe abgeschlossen, im Gegenteil: König Nr- k'ta hat den Kampf mit aller Energie wieder ausgenommen. Folgende Depeschen liegen vor:

Die Affäre Liebknecht im Reichstage hat den Berliner Lokal-Anreiger zu entern recht unangebrachten Angriff auf den preußischen Kriegsminister von Herringen veranlaßt, auf den man nicht näher einzugehen brauchte, wenn nicht ein Teil der Presse diesen Angriff mit allerlei Kommentaren versehen hätte, da der Lokal-Anzeiger ja zuweilen zu halböffent­lichen Uebermittelungen verwendet wird, und da er es bekanntlich auch war. der vor einigen Monaten schon den Kriegsminister scharf an­griff. In dem Arttkel heißt es unter anderm:

ES ist kaum zu verwundern, wenn die Mehrheit des Reichstags jetzt öfter, als es früher der Fall war, ihrem eigenen Ur­teil statt demjenigen deramtlichen Zentral­stellen" folgt und durch Abstriche aller Art der Leitung des Kriegsministeriums ziemlich unverblümte Mißttauensvoten ausstellt. Un­ter diesen Umständen wäre eS wirklich besser gewesen, wenn Herr von Heeringen die amt­liche Vertretung der neuen Wehrvor­lag e gegenüber der Volksvertretung einem Nachfolger überlassen hätte, dessen Autorität durch keine Sünden der Vergan­genheit geschmälert ist. Herr von Heeringen glaubte vielleicht, seine Situation durch Aus­fälle gegen unbequeme Zeitungs-Ar­tikel, die den Stein erst ins Rollen gebracht haben, verbessern zu können. Im Interesse der Sache sollte es uns lieb sein, wenn er sich hierin nicht täuscht. Aber daß er auf die An­schuldigungen des Abgeordneten Lieb- knecht gegen die Firma Krupp trotz prin­zipieller Verwahrungen doch näher einging, obwohl die Angelegenheit zurzeit bei den Ge­richten anhängig ist, wird kaum noch mit irgendwelchen Nebenabsichten zu entschuldi­gen fein. Er scheint nicht bemerft zu haben, daß es der Sozialdemokratie nur daraus an­kam, durch stundenlanges Debattieren über Dinge, von denen einstweilen nichts Zuver­lässiges bekannt ist, eine starke Suggestion auf die öffentliche Meinung und auf die Gerichte auSzuüben, die mit der Prü­fung der Angelegenheit befaßt find. Sehr merkwürdig berührte es auch, zu hören, daß der Kriegsminister mit Herrn Liebknecht, die­sem enragiertesten Feinde des preußischen Heeres, einen förmlichen Pakt einging, um ihn dazu zu bestimmen, sein Material der Oeffentlichkeit einstweilen vorzuenthalten.

Prompt antwortet die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung der halbosfiziöfen wchlvester in der Berliner Zimmerstraße: Berliner Mon­tagsblätter beschäftigen sich mit einem Arttkel des Berliner Lokal-Anzeigers, der tn der ~at dadurch ausfällt, daß er im Zusammenhang mit den Reichstagsverhandlungen völlig de- placierte Angriffe auf den KriegsMlM- ster von Heringen richtet.

Eine Stimme aus England.

London, 22. April. (Privat - Tele - ; gramm.) Zur Affäre Krupp schreibt heute der Daily Chronicle :Dic heldenhaften Anftren

Rach der Flut: 6bbe!

Der Abschluß der Militärdebatte im Reichs, tag;Kleiaes und Kleinliches; Abgeordneter Hoch über die Typhus-Epidemie in Hanau.

Auch in den Parlamenten wechseln Flut und Ebbe und gestern sand im Reichstag eine Sitzung statt, die ebenso lang war wie sie lang­weilig gewesen. Nach vierzehn Tagen parla­mentarischer Hochflut ist endlich Ebbe, aber so­gleich Tiefebbe eingetreten. Fast ebenso oft wie die Stenographen vor der Tribüne, wechseln die Redner aus der Tribüne, und fast ebenso rasch wie die Redner folgen sich dte Themata. Zentrumsabgeordneter Pauly-Co­chem erklärt, nur unter deutschem Schiefer schlummere der deutsche Soldat einen sanften deutschen Schlaf; mithin dürsten Kasernendä-. cher keinen ausländischen Belag haben. Es gibt kaum eine Klasse von Milstärarbeitern, für die nicht das warme Herz eines Abgeordne- ten besondere Zuwendungen verlangt hätte. Bei diesem mehr oder minder lauten Wettbe­werb um die Wählergunst zeichnet sich natür- lich die äußerste Linke aus. »Frivole Ausnut- zung der Arbeitskraft", »fluchwürdiges Systex der "Akkordarbeit". Abgeordneter Büchner c beitet sich derart in den Ton der sozialdemokr tischen Volksversammlungen hinein, daß schließlich den Generalleutnant Wandel

als Ge«offe« anredet.

Auch in der Abschätzung der Flurschäden soll rascher und minder knauserig als bisher ver­fahren werden. Abgeordneter Hoch bespricht die Typhusepidemie beim Hanauer Ei­senbahnbataillon und die Schälftau, die den Kartoflelsalat mit Typhuskeimen verseuchte,

wert und -Inhalt bestimmen.

Im stillen Felsenschloß Woodnorton, wo Englands Gastfreundschaft dem König ohne Land Heimstadt und Obdach gewähtt, hat Dom Manuel erkennen gelernt, was er an jenem Ostobertage preisgegeben, als er mit brennen­der Zigarette, lustig Rauchwölkchen in die Hel­le Luft des Herbstmorgens blasend, von der Cintraburg zum Hafen niederritt, um an Bord eines Kriegsschiffs Britanniens auf neutraler Erde Zuflucht zu suchen. Er ließ, als er den Fuß auf die Planke setzte, Königtum und Thron zurück, floh vor einer Gefahr, deren B-nlnung er nicht einmal versucht und lieferte sich und sein Haus dem Spott der Welt aus: Ein Kind, das der Tragweite übereilten H-ndelns nicht bewußt. Gaby Deslhs inter­essante Memoiren haben uns manchen überra­schenden Einblick in die Psyche dieses späten Spross-n einer im Innern längst vermorschten Dynastie vermittelt; wir sehen den König int Exil als frohen Lebejüngling und unbeküm- merten Genießer, als Boulevard-Elegant und Ballet - Bewundrer, als Sportsman und Dandy, und die »ftagische Rote", die sonst im Schicksal der Entthronten wenigstens in Aeußer- lichkesten sich zu offenbaren pflegt, schien im Leben dieses neuen »Königs Lustig" gänzlich ausgeschaltet. Bis dann, über Nacht, im Sohn der Branganza die Erkenntnis lebendig wurde, daß er Land und Thron allzu leichtfertig preisgegeben und nie der Pflicht entbunden werden dürfe, die Wiederauftichtung des rasch vernichteten Königtums mit allen Kräften zu erstreben. Royalisten - Putsche in Portugal, Aufruhr-Förderung im Herrschastbereich der jungen Republik, Rundreise an Europens Für­stenhöfe zum Zweck der Jnteressierung der Re­gierenden für die Sehnsucht-Regung des Ent­thronten, Brautschau in allen Winkeln des Kontinents und Alarmierung verwandtschaft­licher Anteilnahme überall dort, wo ein Tröps- chen Braganza-Blut in fürstlichen Adern rinnt: Ein paar Etappen auf dem Weg zu einem Ziel, das Dom Manuel erreichbar scheint, dessen Erstrebung allerdings stärkere Energie ver­langt, als vor drei Jahren der Erwerb des Bilderbogen - Ruhms des Zigaretten - Königs.

Die Verlobung mit der Fürstentochter aus zollernschem Stamm dünkt dem Entthronten nach langer Enttauschungszeit neue Verhei­ßung. An der Isar im Bayernland residiert als Herzog Karl Theodors Witwe eine Jnfan- ttn von Portugal, eine Sprossin des Braganza- Hauses, deren Alters Traum die Wiederauf richtung des Königthrons der Braganza im Portugiesenland ist und deren reger Frauen­

c*nr»rH1w«nretfe- Die seckj-aesvallene Zeile für einheimische Beschatte 15JPfg fj** Artige gerate 25 Pf. ReNamezetle für einheimische ®eKWt» « W, Beschütte «0 Pf- Einfache Beilagen Mr die Befamtauslage werden mtt 5 Start pro taufen» de. rerfmet Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung ~Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnsertionSsrgan. BeschättSiieüe: Lvln.Iche Straße 5." Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplah 1268^

Cettnje, 22. April.

König Nikolaus hat seit Montag die B e- fchietzung von Skutari mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln wieder ausge­nommen. Der kommandierende montenegri­nische General Martinowitsch hat die aus­ländischen Kriegskorrespondentcn eingeladen, sür heute dem Generalsturm gegen den Ta­raboschberg beizuwohnen. Serbische Truppen nehmen an dein Sturme in mon­tenegrinischen Uniformen teil.

Cetinje, 22. April.

König Nikolaus empfing gestern eine große Anzahl montenegrinischer Freiwilliger, die aus Amerika hier eingetroffen sind, er dankte ihnen sür ihren Patriotismus und sagte:Psingstcn, meine Kinder, werden wir in Skutari gemein­sam feiern!" Die Prinzen haben sich bereits wieder in das Lager zurückbegeben, wohin auch der König heute abreisen wird. Im montenegrinischen Kriegsrat, der Frei­tag abend abgehalten wurde, ist beschlossen worden, heute den General st urm auf den Tarabosch zu unternehmen.

London- 22. April.

Ein Telegramm aus Cattaro besagt, daß die montenegrinische Regierung be­reitsei, sich dem Wunsche der Mächte zu fügen, daß aber die vor Skutari liegenden Trup­pen sich weigern, ihre Positionen zu verlassen. Aus San Giovanni di Me- dua kommt die Meldung, daß alles bereit ist, die serbischen Truppen nach ihrer Heimat zu befördern. Gestern wurden den ganzen Tag über aus dem Lager in Franka sechs vollständige Bataillone in allen verfügbaren Booten an Ort und Stelle geschafft.

Ein weiteres Privat - Telegramm meldet uns aus S o f i a: Hier verlautet, K a i- ser Wilhelm habe vierzehn Orden unter die Teilnehmer an der Erstürmung Adriano- pels verteilt und ein anerkennendes Tele­gramm an König Ferdinand gerichtet. Diese Nachricht entbehrt, einer Berliner Mel­dung zufolge, jeder Begründung. Zu den Ge­rüchten, daß bereits eine bestimmte Persönlich­keit für den albanesischen Thron in Aussicht ge­nommen ist, verlautet an unterrichteter Stelle, daß die europäischen Kabinette die Frage einer Kandidatur auf den albanischen Thron ernst­lich noch gar nicht erwogen haben.

Der Zar als Schiedsrichter?

Wien, 22. April. (Privat - Tele­gramm.) Die südslawische Korrespondenz meldet aus Belgrad: Die der Regierung nahe­stehende Politika behauptet, eS sei ausgemacht, daß der Zar das Schiedsrichteramt im Balkankonflikt übernehmen werde. Man ist in politischen Kreisen um so mehr dieser An­sicht, als man es für sicher hält, daß Rußland alles tun wird, um den Balkanbund zu e.r h a l t e n und einen offenen Konflitt zu ver­meiden, da man in Petersburg den Bund für eine Reservekraft der Entente betrachtet, deren Bestand man sichern will.

Ser deutsche Riefe der flieans.

DerImperator" aufgefahren!

(Privat « Telegramm.)

Hamburg, 22. April.

Der RiesendampferImperator" verließ heute morgen vier Uhr den Kuhwärderhofen, um nach der Unterelbe abzudampfen, wo er für seine erste Probefahrt Kohlen und Proviant einnehmen sollte. Bei der Einbiegung in die Elbe geriet derImperator", gegenüber der Altonaer Landungsbrücke, auf Grund. Um das Schauspiel der Vorbeifahrt des Ricsendamp- fers zu genießen, waren Tausende in frühester Morgenstunde nach der Elbchauffee bis Schulau hinausgcpilgert, mußten aber schließlich mtt Enttäuschung wieder den Rückweg antreten. Der Dampfer hatte, wie uns weiter gemeldet wird, unter Assistenz von vier Schleppdamp­fern seine Ausfahrt nach der Unterelbe angetreten, um dort int tiefen Fahrwasser bis zu seiner ersten Probefahrt vor Anker zu gehen. Zehn Minuten nach Verlassen des Ham­burger Hafens geriet der Schiffstransport t« dem ungünstigen Fahrwasser bei der Altonaer Landungsbrücke fest. Der Imperator hatte trotz der günstigen Flutverhältnisse den Boden berührt und es war nicht mehr möglich, mit den vier großen Schleppdampfern ihn von sei­ner Stelle fortzubewegen. Der Dampfer muß nun bis zur nächsten Hochflut liegen bleiben, die heute Nachmittag fünf Uhr Eintritt. Daß er durch das Festliegen Bodenschäden erleiden wird, ist nicht anzunehmen. Immerhin sind Unebenheiten int Flußbett- für einen Schiffs­körper von so ungeheuren Dimensionen auf längere Zeit schädlich. Deshalb werden alle An­strengungen gemacht, um den Imperator sofort bei Eintritt der Flut mit Hilfe weiterer Schleppdampfer von der Liegestelle abzu­bringen.

Die Griechen In Saloniki.

Saloniki, 22. April. (Privat - Te­legramm.) Die erste griechische Division hat gestern ebenfalls Salottifi verlassen und wird die verschiedenen Stellungen verstär­ken helfen, die in der Umgebung der Stadt acwählt wurden und von strategischer