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Hessische Abendzeitung

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Nummer 115.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 22. April 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Set Zauber der Millionen.

Randbemerkungen zur Krupp-Debatte.

Ein Sturm der Entrüstung braust durchs Land: Krupp entlarvt! Daß Ge­nosse Liebknecht es gewesen, der, ein neuer Sherlok Holmes, der Sünde Spur entdeckt, leiht dem Ereignis besondern Reiz, und nach Dem, das zur Aprilzeit im Reichshaus dar­über verlautet, gewinnt's den Anschein, daß Herr Karl Paul August Friedrich Liebknecht, der leidenschaftlich - hitzige Mandatar der Wahl­bürger von Potsdam-Spandau-Osthavelland, sich mit der Tat des Enthüllens ein Ver­dienst erworben. Ein Verdienst, dem selbst Exzellenz von Heeringen die Anerkennung nicht versagt. Indessen: Seien wir ehrlich! Wer hat j e geglaubt, daß die Dinge, die Genoffe Liebknecht nun in ganzer Deutlichkeit dem Auge enthüllt, dem Reich der Fabel zuzuweisen seien; wer ist nicht stets im Innersten über­zeugt gewesen, daß die großen Konzerne, die mit riesenhaften Millionenwerten arbeiten, sich untereinander beargwöhnen und bespitzeln, und wer war etwa nicht der Meinung, daß zwischen dem Essener Kanonenkönig und dem Reich Beziehungen bestanden, die über das rein-geschäftliche Jntereffe der Verbindung zwischen Lieferant und Konsument hinausgin­gen, Beziehungen, die Herr von Heeringen noch am Freitag im Wallothaus mit merkli­chem Nachdruck unterstrich, als er das glänzen­de Leistungsvermögen unsrer Artillerie Krupps Verdienst nannte? Wie gesagt: Das alles kann nicht überraschen: es überrascht nur, daß diese Dinge Formen angenommen haben, die nach Karl Liebknechts Darstellung den Straf­richter zum Einschreiten zwingen! Was die Firma Krupp bisher zur Entlastung vorge­bracht, lohnt nicht des Erwähnens, denn wenn wirklich (wie Krupp uns erzählt) ein Mann in untergeordneter Dienststellung übereifrig Dummheiten begangen, so bleibt doch zum mindesten noch zu erklären, wie es kam, daß die Firma dieser Dummheit Früchte nutzte.

Das Echo aus dem Reichshaus wird den Leuten in Esten schrill ins Ohr klingen, denn wenn auch das Parlament (in verständiger Würdiaung der Momente, die hier zu beachten sind) sich darauf geeinigt hat, das endgültige Urteil über die Affäre bis zum Abschluß der gerichtlichen Untersuchung zurückzustellen, so dürfen nach den Verhandlungen im Parlament doch schon jetzt drei Tatsachen als festste­hend geschätzt werden. Und diese Tatsachen sind schwerwiegend und bedenklich:

Erstens: Dio Kriegsindustrie be­nutzt die ausländische Presse- um auf Deutschlaud einen Druck zur Steige­rung der Rüstungen auszuübeu.

Zweitens: Die Industrie spioniert bei der Militärverwaltung umher- um deren Fabrikationsgeheimnisse und noch geheim zu haltende Rüstungspläne zu erfahren. Cs kann schon sein, dass auf dieser Sache schliesslich nur ein armer Schächer fitzen bleibt, aber das ist dann bet für solche Fälle immer an der Strippe bereit gehaltene Anterbeamte", wie der Abgeordnete Dr. Pfeiffer am Sonnabend sagte.

Drittens: Die Verwaltung einer Lieferantenfirma für die Armee, der Dillinger Werke, steht unter franzS- fischem Einfluss. Von de« deutschen Partner« der Verwaltung ist der ein­flussreichste der General von Schubert, der Schwiegersohn des verstorbenen Freiherr« von Stumm.

Jst's zuviel gesagt, wenn man die Summe dieser drei Tatsachen als Korruption cha­rakterisiert, aus der für Reich und Volk schwe­re Gefahr emporwachsen kann? Die gesamte Rüstungs-Industrie ist kartelliert; sie arbeitet mit der Wucht eines gewaltigen Millionen­kapitals, das angemessen verzinst werden muß, hat also ein sehr starkes Interesse daran, das R L st u n g s b e d ü r f n i s nie zur Ruhe kommen zu lasten. Vom geschäftlicher Standpunkt aus betrachtet, mag dieses Inter­esse berechtigt erscheinen, vom national-völki­schen Standpunkt gewertet, bedeutet es eine schwere Gefahr, und die unbestrittne Tat­sache, daß das in der Waffen- und Rüstungs­industrie arbeitende Millionenkapital sogar zu dem Mittel der Völkerverhetzung greift, um den Zwang zur Rüstung dringlich zu er­halten, beweist, in welche Größepmaße die­se Gefahr hineingewachsen!

Noch ein Momembildchen: Das Millio- ncn-Kapital der für die deutsche Armee als bevorzugter und ständiger Lieferant verpflich­teten Dillinocr Werke stammt zum über­

wiegend größten Teil aus französischen Kapitalistenbörsen, und in den General- und Aufsichtsratsversammlungen wird (non ölet!) französisch parliert. Daß der General von Schubert, des Freiherrn von Stumm viel­mögender Schwiegersohn, in diesen Versamm­lungen eine Hervoragende Rolle spielt, gibt dem ohnehin charakteristischen Bild die ver­blüffende Folie. Rechnet man Alles in Allem, so ergibt sich aus Zusammenhängen und Be­gleitumständen ein Gesamtbild, das sich vom typischen Sumpfgelände russischer Kor­ruption nur noch durch Aeußerlichkeiten un­terscheidet. Und Das ist das Beschämen- d e, das Deprimierende und Er - kenntnis-Bestimmende: Daß wir uns Ereignissen und Zuständen gegenübersehen, die gewissermaßen aus natürlichem Wurzelboden herausgewachsen sind und die, unterm Ge­sichtswinkel des Rechts und der Moral betrach­tet, sich als Korruption schlimmster Art ent­puppen, umso schlimmer, als die Machtmittel bürgerlicher Gerechtigkeit nicht ausreichen, sie m i t dem Wurzelstock dem Boden der Heimat­erde zu entreißen. Was tuts, wenn im Falle Krupp wirklich irgend eine Dienstmann- Seele gepönt, als sträflichen Uebereifers schul­dig der Gerechtigkeit überantwortet wird? Was will's besagen, wenn man in Dillingen zukünftig in der Sprache Schillers und Goethes sich über die Bilanz erhitzt, und was verschlägt'?, wenn für knapper Monde Dauer der Geschäfts-Chauvinismus dem Dienst der Kanonen-, Panzerplatten- und Mordindustrie- Potentaten enthalftert wird? Ein Mückle in stirbt und der Drache speit Unheil und Gefahr, wie cr's bisher getan! Soll reiner Tisch ge­macht, die Korruption mit Stumpf und Stiel gerodet werden, dann gibt's nur einen Weg: Verstaatlichung der gesamten- stungs * Industrie und Unabhängigma chung der Reichswehr vom Prosit-Interesse di­videndehungernder Privatmillionen! Wird's dem Reichstag gelingen, bei den tut Vaterland Verantwortlichen diese Erkenntnis nutzbrin­gend zu gestalten? Ihre Verwirklichung wür­de durch ein zweites Milliarden-Opfer nicht zu teuer erkauft sein . . .! F. H.

Die Firma Krupp spricht!

Wir haben bereits am Sonnabend die Mit­teilungen wiedergegeben, bk das offiziöse Wölfische Depeschen-Bureau (offenbar im Auf­trag der Firma Krupp) über die Krupp- Affäre veröffentlichte. Inzwischen liegen neue Erklärungen der Essener Firma vor, die sich namentlich gegen di« Annahme wenden, als sei die Verwaltung der Kruppschen Werke für die aufgedeckten Machinationen verantwort­lich zu machen:

Von einem der maßgebeiwen Herren des Direktoriums der Firma Krupp wird darauf hingewlescn, daß die heftigen An­griffe des Abgeordneten Liebknecht zweifel­los auf einen Racheakt eines wegen einer betrügerischen Handlung entlassenen Beamten zurückzuführcn sind, der ein vielleicht vorliegendes Ver­gehen eines Unterbeamten der Berliner Vertretung der Firma Krupp in maßlos übertriebener Weise denunzierte und gleichzei­tig den Versuch machte, die Firma Krupp selbst hineinzuziehen unb bloßzustellen. Da­von, daß der betreffende Berliner Unter­beamte Brandt große Mittel zur Ver­fügung hatte, wie Liebknecht ausführte, kann gar keine Rede sein. Er hatte lediglich ein Gehalt, das demjenigen der Angestellten sei­ner Klasse entsprach. Außer diesem verfügte er über keiner le i Mittel von der Firma Krupp. Er hatte keine Tan­tiemen und feine Einnahmen hingen in keiner Weise von dem Ergebnisse einer beson­deren Tättgkeit ab. Daran, daß diese Tätig­keit auf Bestechung oder nur auf ein un­erlaubtes Rachrichtensammeln gerichtet sein soll, wie Liebknecht behauptet, ist kein wahres Wort. Die Untersuchung wird ja ergeben, was von der ganzen Sache übrig bleibt. Gewiß wird der kreißende Berg wie­der einmal nichts oder eine kleine Maus ge­bären. Es ist bedauerlich, daß vom Abge­ordneten Liebknecht der Name eines Essener Beamten der Firma Krupp, des Herrn von Dewitz, mit der Sache in Zusammenhang gebracht wurde, was den Eindruck erweckt, als ob er mitschuldig sei. Tie Firma Krupp ist in der Lage, für die a b s o l u t e E h r e n- haftigkcit dieses langjährig erprobten Beamten durchaus einzuftehen.

Dieser Erflärung der Firma Krupp steht solgende Meldung des Berliner .Vorwärts" entgegen: Herr von Dewitz, der frühere Offizier, der die Geheimberichte aufzubewahren hatte, ist kein untergeordneter Beamter der Firma Krupp. Und Herr von Dewitz ist an der

Sache offenbar doch st a r k beteiligt, ist er doch eine Zeitlang in Untersuchungs­haft gewesen und nach Feststellung des Tatbestandes nur gegen Kaution aus der Hast entlassen worden.

Sos Finale von Ranch.

Die politische Seite des Falles ist erledigt!

Die deutsche Darstellung der Vorgänge in Nancy ist am Sonnabend dem französischen Ministerium des Aeußern überreicht worden. Botschafter von Schoen hat dem französischen Minister des Auswärtigen eine Mitteilung ge­macht, aus der hervorgeht, daß die p o l i t i s ch e Seite des Zwischenfalls von Nancy erledigt ist. Inzwischen hat die französische Regierung den ftüheren Sektionschef des Ministeriums des Innern, R o b o u l, einen tüchtigen und energischen Verwaltungsbeamten, zum Prä­fekten von Nancy ernannt. Weiter wird uns gemeldet:

Der Rest ist Wohlgefallen!

(Privat-Telegram m.)

Paris, 21. April.

Die prompte Erledigung der Nancy- Angelegenheit, die Erklärung, daß auch für Deutschland der Zwischenfall in politischer Hinsicht abgeschlossen sei, hat hier bei den be­sonneneren Elementen der öffentlichen Mei­nung eine gute Wirkung gehabt und die Zeitungen geben ihrer Genugtuung heute Aus- dntck. Man hatte doch in einigen Kreisen ge­fürchtet, daß vielleicht durch ein gerichtliches oder durch ein diplomatisches Verfahren und Eingehen auf zahlreiche Einzelheiten die Sache weiter in die Länge gezogen würde. Um so größer ist die Freude jetzt, daß die heikle Sache so schnell erledigt wurde. Der Temps schreibt gestern abend: Die französische Regierung hat alles getan, was die Umstände ihr rieten, und es wäre ärgerlich gewesen, wenn ihre kon­ziliante Haltung nicht mehr auf der anderen Seite anerkannt worden wäre. Wir erkennen mit Freuden an, daß die deutsche Regi «^ r u n g die Eingebung der richtigen Gebärde ge­habt hat. Der Elser, den di« deutsch« Regie­rung dabei an den Tag legte, ist ein glück­licher und eine entscheidende Antwott auf jene Presse, die noch nach dem Bekanntwerden der Maßregeln Deutschland ermuntert«, neue Forderungen zu stellen. Herr von Jagow hat noch mehr getan: Er hat Herrn Jules Cam- bon milgeteilt, daß der Hauptmann Lemerle in Speyer (der bekanntlich als der Spio­nage verdächtig verhaftet worden war) in Freiheit gesetzt werde. Es ist anzunehmen, daß diese Gleichzeitigkeit der beiden Entscheidungen auf keinem Zufall beruht.

Eine Mahnung der Wilhelmstratze.

In ihrer Wochenrundschau schreibt die of­fiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung: Nach den Maßregeln, die die französische Regie­rung zur Korrektur der gegen deutsche Gäste in Nancy verübten Ausschreitungen getrof­fen hat, können wir hoffen, daß nun auch die Versuche französischer Blätter aufhö­ren, die Vorfälle als von deutscher Seite künst­lich aufgebauscht hinzustellen. Wenn die fran­zösische Publizistik aufrichtig wünscht, daß sol­che Ausbrüche eines überhitzten Chauvinismus vereinzelt bleiben, wird sie selbst durch ihre künftige Haltung viel dazu beitragen können.

RaueheAbenteuer in Marokko.

Ein Privattelegramm meldet uns aus Tanger: Kürzlich wurde in Casa­blanca ein Stein auf eine stanzösische Mi­litärkapelle geworfen, (sofort führte der Kapell­meister die Soldaten zum Sturm auf das leer­stehende Geschäftshaus der deutschen Fir­ma Ficke. Unter Verwünschungen auf die Deutschen wurde das Haus teilweise demo­liert. Die französische Regierung hat nun­mehr dem deutschen Konsul in Casablanca für den Zwischenfall ihr Bedauern ausgespro­chen und die Bestrafung der Schuldi­gen angeordnet. Sowohl der Kapellmeister als die verantwottlichen Militärpersonen sind wegen des Vorfalles zur Verantworttmg gezo­gen worden.

Manuel von Portugal verlobt!

Eine ne«e Verlobung im Iollernhaus.

Sigmaringen, 21. April. (Privat- Telegramm.) Am gestrigen Sonntag hat sich Exkönig Manuel von Portugal mit der Prinzessin Auguste Viktoria von Hohenzollern-Sigmaringen verlobt. Prinzessin Auguste Bittoria ist die einzige Tochter des Fürsten Wilhelm von Hohenzollern-Sigmarin­gen, Chefs der nichtregierenden fürstlichen Linie des Hauses Hohenzollern. Die Braut steht im dreiundzwanzigsten Lebensjahre und ist, wie der Bräutigam, katholisch. Die beiden Brüder der Prinzessin stehen als Leutnants in der

preußischen Armee. Exkönig Manuel ist vierundzwanzig Jahre alt; seit feiner Entthro­nung im Herbste 1910 lebt er in England.

$er belgische Riesenstreik.

Eine halbe Million Arbeiter im Streik!

(Privat-Telegramm.-

Brüssel, 21. April.

In Lüttich fand gestern in Anwesenheit des Arbeiterführers Dandervelde eine Mas­sendemonstration Streikender aus der ganzen Gegend statt, bei der 15 000 Teilnehmer gezählt wurden. Ansprachen ermahnten die Streikenden, die Ruhe zu bewahren. Heute werden «ine halbe Million Arbeiter im Streik stehen. Dk Teilnehmer marschkrkn in Ruhe ab. Es kam zu keinen Zwischenfällen. Im Kohlenrevier von Charleroi stehen aus den E is enb ahnschi en en viele leere und beladene Waggons, so daß sie den Verkehr beträchtlich hindern. Ter Brüsseler Bürgermeister hat sich dahin geäußert, daß von Dienstag mittag an ein Teil der Gasarbeiter in den Streik treten wird. Es ist aber jetzt schon für Ersatz der Streikenden gesorgt worden.

Die Streikgefahr in Schlesien.

(Privat-Telegramm.)

Kattowitz, 21. April-

Im oberschlesischen Streikrevier fanden gestern achtund fünfzig Versamm­lungen der ausständigen Bergleute statt. Die Teilnehmerzahl war trotz des Unwetters eine sehr große und man schätzt die Zahl der An­wesenden auf 30 000. In Ruda sprach der pol­nische Landtagsabgeordnete K o r s a n t y vor über 5000 Bergleuten. Die Behörden hatten Ruhestörungen befürchtet und daher umfassende Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die massenhaft erschienenen Gendarmen hielten sich aber sehr zurück und es kam nirgends zu Ausschreitungen oder Ruhestörungen. Für heute erwartet man ein weiteres Anwachsen des Stretts und zwar glaubt man, daß minde­stens weitere 10. bis 15 000 Mann die Arbeit niederlegen werden, sodaß die Gefahr eines allgemeinen Bergarbeiterstreiks besteht.

Kmvv und der Reichstag. Fortsetzung der Krupp - Enthüllungen; ein« mittige Stellungnahme des Reichstags gegen Krupp; weitere Erklärungen des Ministers.

Kurze zwei Stunden nur hat sich am Sonn­abend der Reichstag mit der Affäre Krupp beschäftigt. Aber die zwei Stunden haben genügt, um festzustellen, daß der ge­samte Reichstag sich einig ist in dem Wunsche, daß volle Klarheit geschaffen und kein Schuldiger geschont werde. Kein unbe­dingter Vetteidiger hat sich für die Essener Weltfirma gefunden. Wuchtig und würdig setzte sogleich die Verhandlung ein mit einer scharfen und kräftigen Rede des Abgeordneten Dr. Pfeiffer, eines der sympathischsten Vertre­ter des süddeufichen Zentrums. Die Melodie, die der fränkischeKunstpfeifer- pfiff, flang nicht sehr schmeichelhaft für den Kriegsminister. Der Zentrumsredner fand herzlich schwach, was am Freitag Herr von Heeringen entschuldigend vorgebracht hat. Dk sehr reservierte Stel­lungnahme des Nationalliberalen Dr. Götting, die von der Linken mit ironischen Zurufen be­gleitet ward, dürfte wohl nur aus dem starken industriekonservativen Einschlag seiner Pattei erflätt werden. Immerhin schloß auch dieser Redner sich dem

Ruf «ach Klarheit

an und dieser Ruf bildete den Grundbaß aller folgenden Erötterungen. Ihn erhob auch (weit entschiedener als Götting) der fottschrittliche Vizepräsident Dove, der zugleich bemerkens­werte Ausführungen über den durch Liebknechts Enthüllungen aktuell gewordenen Gedanken einerVerstaatlichung der Rüstungs. Industrie machte. Der K r i e g sminist er sah sich genötigt, dieser allgemeinen Ueberein- stimmung gegenüber den Rückzug anzutreten! Freilich nur in der Form eines Verzichts auf eine nochmalige Verherrlichung der Firma Krupp. Schwer genug mochte ihm dieser Rück­zug fallen, und er ließ den Tag nicht vorüber­streichen, ohne in einer abermaligen Erwide­rung auk Liebknecht wenigstens dieVerdienste" der Firma hervorzuheben. Doch der hymnen­artige Charatter fehlte, der am Tage vorher der Lobpreisung ein förmlich demonstratives Gtt räge gegeben hatte, denn auch Herr von Heeringen suhlte: Hier würde Schwichtiguug Verhängnis sein, nachdem der Reichstag unzweideutig ausgesprochen, was er denkt und fühlt ...!

Der Kanonen-König.

Reichstag-Sitzung vom «euttzehttte« April

Am Bundesratstisch: Kriegsminister von Heeringen. Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung kurz nach elf Uhr. Die zweite Be­ratung des Heeresetats wird fottgesetzt.