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C Mer Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang

Mittwoch, 16. April 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 110

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Aeberall herrscht Ruhe.

(Privat-Telegramm)

Brüffel, 15. April.

Die Streikbewegung hat In großem Umfang eingesetzt, wie man nicht erwartet hatte. Man zählt wett über dreihundert- tausend Streikende, die sich besonders aus den Jndustriebezirken und den Grubenbe­trieben rekrutieren. Besonders stark ist die Be­teiligung in den Glashütten. Nur teilweise wird in der Schwerindustrie und in der Terttt- Industrie gestreikt. In den kleinen Industrien ist so gut wie nichts vom Streik zu bemerken. Die Ruhe, mit der sich die Arbeiter in die Situation gefunden haben, macht überall gro­tz en Eindruck. Bis jetzt sind keine Aus­schreitungen Streikender gemeldet worden, j Auf einigen Eisenbahnstrecken hat man aller- l dings Sigr rldrähte durchschnitten, es sind dies aber nur vereinzelte Vergehen, die nicht son­derlich in Bettacht kommen., Masienumzüge und die Protestumzüge, die gestern in Antwer­pen und anderen Zentralpunkten der Kohlen- und Eisenindustrie stat! gefunden, sind ruhig verlaufen. Ueberall zählen die zusammenge­strömten Arbeiter nach Zehntausenden. Die Staatsbetriebe arbeiten wie bisher, die elekttr- schen Betriebe sind ebenfalls in Tätigkeit.

Die Regierung und der Streik.

Brüssel, 15. April. (P r ivat-Tele- gramm.) Die Haltung der Regierung den Streikenden gegenüber ist nach wre vor un- nachgiebig. Nach einer ossiziellen Meldung I ist per König vollkommen der gleichen An­sicht wie die Minister. Der bekannte so-

V. ch. 3.

tionSvorstehcr, sich ihrer erbarmte und sie in den Metzer Zug geleitete. Aber auch hier drang ihnen die Menge nach, b:c inzwischen auf 200 Personen angewachsen war, und setzte ihnen wieder arg zu. Sie wurden gestoßen, ge­schlagen, angespien und beschimpft, wiederholt ins Gesicht geschlagen und dem an­deren wurde gleichfalls sein Hut zerschlagen. D.e Beschimpfungen und Mißhandlungen wur­den etwa eine halbe Stunde fortgesetzt, bis chlietzlich wieder der Bahnhofsvorsteher er­schien und das Publikum zum Verlosten des Wagens aufforderte. Darauf zog sich die Menge, immer noch schimpfend, aus dem Abteil zurück. Bor dem Wagen befanden sich meh - tere französische Offiziere und Soldaten, aber niemand machte den Ver­such, die Menge zur Ruhe zu mahnen.

Französische Presse,Marche«.

(Privat-Telegramm.)

Paris, 15. April.

Der Zwischenfall von Nancy.

Deutsche von Franzose« tätlich beleidigt!

Ueber die bereits gestern von uns telegra­phisch gemeldeten Vorgänge in N a n c Y bringt bie lothringer Zeitung einen Bericht der von einem" an'der Affäre beteiligten deutschen Herrn stammt und der deshalb jedenfalls als authen­tisch gelten kann. Die Ansicht, daß es sich bet den in den ersten Berichten genannten Herren, in deren Begleitung sich eine Dame b.fand, um deutsche Offiziere gehandelt haben könnte, war unzutreffend, da keiner der Be­teiligten Offizier ist. . Wir lasten nn*r*^c 6 den Bericht der Lothringer Zeitung folgen.

Bon Lumvillr nach Ranch!

Cer «eueste deutsch-französische Zwischenfall.

Ein Privat-Telegramm meldet «ns aus Paris: Man glaubt hier zu wisien, daß der deutsche Botschafter von seiner Regierung Instruktionen erhalten habe, über den vorgestrigen Zwischenfall in Raneh Vorstel­lungen zu erheben und eine ener­gische Untersuch»« gder An­gelegenheit zu verlangen. Offizielle diplomatische Schritte seitens der deutschen Botschaft find allerdings bis znr Stunde noch nicht erfolgt.

zialistische Führer Rif »et erklärte, daß seiner Ansicht nach e in e W o ch e Generalstreik vollkommen genügen werde, um den Erfolg zu bringen, der durch den Streik angestrebt wird.

angewiesen worden ist, bei den verantwortlichen Männern der Republik .ernste Vorstellungen" ! zu erheben und eine .eingehende Untersuchung des Vorfalls" zu heischen. Man darf auch über­zeugt sein, daß diese .eingehende Untersuchung" erfolgen wird, und daß schließlich Herr von ' Schoen in der angenehmen Lage ist. nach Berlin zu berichten, wie harmlos im- grunde das ganze Intermezzo gewesen, wre tief die Regierung der Republik das Nancy- Abenteuer bedauere und wie verwickelt die Ereignis-Verkettung gewesen, die dazu führte, wehrlose deutsche Reichsangehörige im Kultur- und Rechtsbereich eines gesitteten Landes wie gemeine Landstreicher zu behandeln! Es mag ür die Regierung Raymond Poincarees auch wirklich peinlich sein, sich sagen zu müssen, datz die tief in der französischen Volksseele schlummernde Leidenschaft des Haffes und des Revanche-Fanatismus beim ersten Berühren mit der Wirklichkeit alle Schranken erkünstelter Mäßigung niederreißt und das Kulturvolk der Franzosen dann im wilden Wüten des Chauvi­nismus auf das Niveau hunnischer Brutalttat niederzwingt, und es ist sicher für die Führer der französischen Volksgemeinschaft schmerzlich und deprimierend zugleich, sehen zu müssen, wie einsam auf steiler Erkenntnishoh sie in ihrem Friedens- und Versöhnungs-Idealis­mus stehen, während drunten in der Muffe die ungebändigte Erregung brandet und ein Zep­pelin-Schiff oder ein schlechtes Theaterstück ge­nügen, um in den Seelen friedlicher Bürger den Haß wider den Nachbar zu rasender Tollheit zu entfachen. Wir, die wir mit dem Volk der Gallier und nicht mit dem Zufallspiel und dem Stimmungswechsel feiner Führer zu rech­nen haben, schauen diese Ereignisse (Luneville und Nancy) mit dem Blick aufrichtigen Be-

: dauerns und ehrlicher Anteilnahme an dem Schicksal einer Nation, bereit beste Tugenden in einem Chaos pathologischer Verwirrung zu versinken drohen, und Selbstachtung zwingt zu der Frage: ^Jst's würdig und lohnend, durch Depeschen und Kränze dort um Freundscha», zu werben, wo Haß und Argwohn immer wieder jede andre Regung niederschreien ...?

: F. n.

Fernsprecher 951 und 952.

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Pamphletisten!

Aus Luneville ist nun Nancy gefolgt. Das 1 Intermezzo ist etwas peinlicher und es wir. diesmal wohl n i ch t möglich sein, die Alten der Pariser deutschen Botschaft über das April- klbenteuer s o freundlich-lächelnd zu schlleßen, wie Herr von Sckoen es (mit artigem Dank­schreiben an den Kriegsminister der Republik) bei der Luneviller Zeppeliniade getan. Fried­liche deutsche Kaufleute sind in Nancy beleidigt, tätlich angegriffen, gedemütigt und m ihrer Menschen- und Bürgerwürde aufs tiefste ge- kränft worden; Angehörige der Nation, die sich den Pionier der Europäer-Kultur und die Ban­nerträgerin edler Ritterlichkeit nennt, haben selbst die Ehre einer wehrlosen Frau nicht ge­schont, als es galt, an vier schutzlos der unge- bändigten Leidenschaft eines erregten Pobel- haufens Preisgegebnen den Wegelagerer-Hel­denmut fanatisierter Chauvins zu kühlen.-uare irgend ein weltvergeffnes Nest in der Gascogne oder in der Bretagne der Schauplatz der Ereig- niffe gewesen: Man könnte es zur Not verstehen, denn in den dunklen, vom Licht des Tages kaum berührten Winkeln gallischer Nationalkultur hat der alte Haß, der seit vierzig Jahren m der französischen Volksseele brennt, sich m ungekühl­ter Weißglut erhalten und kein Erkenntnis- Schimmer hat die Nacht dieser stumpsen Fana­tiker-Leidenschaft je durchdrungen. Aber das Unerhörte ist in Nancy, inmitten des fluten­den Leben? einer verkehrsreichen, von der Heer­straße der Aufklärung und der Humanität un­mittelbar berührten Industriestadt Frankreichs Ereignis geworden, und die Akteure des vol- kerrecht-verhöhnenden Schauspiels waren ntmt unwissende Kleinbürger, in deren wirrer Vor­stellungswelt Satanas als Prussien lebt, son­dern französische Patrioten und aufgeklärte Re­publikaner, honorige Leute, die Anspruch darau erheben, int Wirtschafts- und Kulturbereich der Republik den Stamm des guten Bürgertums zu repräsentteren. Und als Statisten sehen wir feine Erinnerung an Luneville!) OssiZiere per französischen Armee, untätig dem Wüten deS Volkshaufens zuschauend, nicht einmal cnt- schloffen die Ehre einer Frau zu schirmen!

Es ist reckt tröstlich, daß der Freiherr von Schoen, der in Paris als Botschafter das Deutsche Reich vertritt, von seiner Regierung

Unsere Diplomatie hat nicht versagt, sie ist bloß überrascht worden. Die Friedensans­sichten sind gut, Rußlands Erklärungen dan- kenswert. Serbien läßt von Skutari ab, und der widerspenstige Nikita Wird es hoffentlich auch bald tun. Das muß int Hause als guter Witz empfunden worden sein, denn . . . man lacht herzlich. Wir unterstützen hter das ver­bündete Oesterreich, dort das befreundete Ru­mänien, und bei der kulturellen Crschnetzung der eroberten Gebiete kann der Balkanbund auf unsere Mitarbeit zählen. Cb er sie aoer wirklich in Anspruch nimmt? Ebenso wer­den wir die Türkei bet der neuen Notwendig­keit, sich in Asien einzurichten, unterstützen Aber da werden wir ebensowenig.^einzigen Bereitwilligen sein, und das Geschäft machst wer am kräftigsten zufaßt. Herr von ,;agow weckt einen sehr sympathischen Eindruck. Wenn nur sein Auftreten, im scharfen Gegen- satz zu dem seines Vorgängers tridit. diesen fatalen Anstrich von Schüchternheit hat­te' Man fürchtet immer, seine Politik konnte diesem Auftreten entsprechen Friedrich der Große sagte einmal zu einem seiner Gesandten, der an Forschheit zu wünschen übrig ließ- .Veraeffen Sie nie, daß zwe malhunderttau-. end Bajonette hinter Ihnen stehen!

von Jagow sollte dieses Wort tn Zlerschrfft über seinen Schreibtisch hängen . . -!

siagow sprach uni).. .schwieg! Der Etat des Auswärtige« Amtes vorm Reichstag; die erste Iagow-E«ttäuschung!

Nach der großen Woche des Mars begann gestern im Reichstag die Debatte über den arünen Tisch: Das Auswärtige Amt und sein Etat standen auf der Tagesordnung und bei dieser Gelegenheit durfte man eigentlich al­lerlei Aufklärungen über spannende Fra­gen des Tages erhoffen. Aber noch nie ist man von der Beratung dieses Haushaltstitels m seinem diplomatischen Wiffen so wenig berei­chert nach Hause gegangen wie gestern. Zwar setzt sich gleich zu Beginn Herr von Jagow neben die Rednertribüne, und ein gebankenlese- rischer Blick burckschaut sofort, baß ihm eine Rebe auf bet Seele brennt. Kaum hat denn auch Herr Bassermann den Kommiffions- bericht beendet, so erscheint neben ihm die schmächtige Gestalt des neuen Staatssekretärs, «her feiltet Stimme fehlt das Metall der öf­fentlichen Schulung; sie ist schwach das ganze Auftreten von übergroßer Bescheidenheit. .Lauter, lauter!" Redner versucht es, aber schon nach zwei Sätzen hört man wieder nicht mehr als das klanglose Murmeln. Der Bericht erweist, datz auch nicht allzuviel verlo- reu ging. Die ganze Fünfminutenrebe war wie ein Absatz aus der sonntäglichen WocheU- rundschau bet Rorbeutschen Allgemeinen über

die balkanischen Händel-

Wir waren fast gerührt, als wir vor ein i- paar Lagen aus bengalisch sprühenben Feuil- | letons lasen, wie korrett sich unsre westlichen Nachbarn beim Zeppelin-Intermezzo in Lu­neville benommen, wie lamerabichastuch Exzellenz Hirschauer mit Kapitän Glund und seinen Schicksalgefährten verkehrt und wie | tapfer die Heldenbrust gallischer Vaterlandsver- | leidiger sich dem Unheil entgegengestemmt, als des Pöbels Leidenschaft mit Ausschreitungen aegen die Prussiens und gegen das Aluminium- Ungeheuer deutscher Luftwehr drohte. August Scherls geschäftige Woche zauberte uns das Idyll vom Luneviller Marsfeld so Niedlich und reizvoll vor's Auge, daß fromme Einfalt frng, warum in aller Welt (nach den mancherlei Kondolenz- und Glückwunschdepeschen, Kranz­spenden und anderen Artigkeiten starken Ber- söhnungsdrangs) bie deutsch-sranzösische V e r - brüberung nicht längst schon Wlttlichtttt geworben. Daß uns später erzählt wurde, der Mob von Luneville habe jede der Pöbelhand zugängliche Fläche des Zeppelinschiffs nut ben Hieroglyphen wildester Chauvinisten-Leiden- I schäft bekritzelt unb bie Kavaliere im Waffenrock | der Republik hätten unterm Druck der Gewalt eine peinliche Durchsuchung des am Festenau französischer Macht verankerten deutschen Kreu­zers der Lüfte erzwungen, minderte zwar em wenig die hastig in Herz und Hirn gedrungne Dankbarkeit-Regung, aber wir sagten uns doch: ©entfernen! Unb es tat bet Schätzung gal­lischer Grazie nicht weiter Abbruch, daß ein paar Wochen v o r der Luneviller Zeppeliniade deutsche Behörden in Metz einen auf des Germanenlands Erde verirrten französischen Flieger samt seinem Apparat geräuschlos und liebevoll zur Heimat geleiteten. Ohne Chau- vinistengeheul, ohne ttänkende Demütigung ohne die Kritzelschande revanchedurstender

Ansere Diplomatie.

Reichstag-Sitzung vom vierzehnten April.

Am Bundesratsttsch: Dr. Kühn, von Jagow und Dr. Delbrück. Präsident Dr. Kaemps gtbt im Namen des Hauses feiner Freude über tzen glücklichen Ausgang bcs gegen den König von Spanien unternommenen Atten­tats Ausdruck. Auf der Tagesordnung ftebt bie allgemeine Erörterung zum Etat für oa-o Auswärtige Amt.

Staatssekretär von Jagow:

Der Ruffaffnng, baß unsere Diplomatie in der Balkankrisis versagt habe, vermag ich mich mcht anzuschließen. Wann unb wo ein Krieg aus- brickst, meine Herren, istmeift ein Ratespiel, bas auch bie RSchstbeteiligten nur in den sel­tensten Fällen zu lösen wiffen werben. Der Zeitpunkt beS Kriegsausbruches konnte von uns ebenso wenig wie von den Kabinetten der übri­gen Großmächte vorausgesagt werben. Vor- zeitig aber sich zum Anwalt bes Pessimismus zu machen, können wir unS in solchen Fallen schon mit Rücksicht auf bas Wirtschaftsleben DentschlanbS ni»t erlauben. Die Chancen für eine baldige Wiederherstellung des Frie­dens am Balkan haben sich im Laufe der hinter unS liegenden Woche in erfreulicher Wei- fe vermehrt. (Beifall.) Die Antwort der Mächte auf bie letzte Rote der Berbünbeten wird jetzt in ben Hauptstädten der Balkanstaa­ten überreicht. Wir haben Anlaß zu hoffen, baß ihr eine günstige Aufnahme beschieden sein wirb. Die Skutari frage, die zeitweise einen bedrohlichen Charatter anzunehmen schien, dürste bank der einmütigen Haftung der Großmächte baS akute Stadium überwunden haben, dank der

Einmütigkeit der Mächte bei der Flottenaktion. (Erneuter Beifall.) Ser­bien hat bereits angekündigt, daß es seine Truppen zurückziehen will. Ei« Verdienst um die Klärung der Lage gebührt derrufsischen

Zu dem Zwischenfall in Nancy schreibt heute bet Matin: Es ist wahr, baß am Sonntag währenb einer Theatervorstellung im Kasino, bei der das StückFritz der Illa« ge­spielt wurde, in dem Augenblick, wo der Bcr- rätcr auf die Bühne tritt, einige Leute auf bet Galerie zischten. Die betreffenden Personen (es waten Deutsche) wurden von jungen Lewen angegriffen unb verließen darauf Va8 Ka­sino, um sich in ein Restaurant zu begeben. Einige Personen folgten ihnen dorthin, um bie Diskussion sottzusetzeu. Die Deutschen bega­ben sich daraus nach dem Bahnhof, gefolgt von lärmenden Studenten. In dem Wartesaal des Bahnhofs nahmen die Anwesenden gar keine Notiz von den Deutschen. Sie können sich nur noch eines Lärmens besinnen. Um zweieinhalb Uhr bestiegen die Deutschen den Zug nach Rietz, ohne irgendwie belästigt worben zu sein. -Nas Echo de Paris schreibt zu bet Affäre, baß es sich nach Erkunbigungen seines Kotre- sSondenten in Naney um eine Ruhe­störung angetrunkener Deutscher handelt. Das Journal bestätigt dagegen, datz die Deuffchen, nachdem sie das Restaurant vetlaffen hatten und sich zum Bahnhofe begaben, von einer großen, johlenden Menge (verfolgt wurden, aus deren Mitte ihnen allerhand Gegenstände an den Kopf ^geworfen I wurden. Die Deuffchen haben auch Schläge und Fußtritte davongetragen.

$te liaflelet Weueften dla»rtd>ten erscheinen wochenMch fe<S«mal un6 »roat a b e n t> 3. Ter «bomementSDtet® betragt monatlich 60 -Bffl. bet 'teter Rivtedung tn« -lau«. Lesungen werben ,ebenen von ber we!chaft«stelle ober ben Bolen entgegenaenomincn Druckerei, A-rlag unb otebatuon: Schiachihotsirabe8/3a Sprechstunoen bet RebaMov nut von 7 bt« « uyr abenb« Cvrechstmiben bet Auskunft. Stellet geben Mittwoch unb zr-iiag von 6 bi« « Ubr abenb» Berliner Vertretung: SW.. 'riebricMr 16, Televbon Amt Morltzvlae t.s»«.

Generalstreik in Belgien!

Dreihuuderttausend Man« int Streik,

Belgien ist ber General st reik proklamiett worden, und es steten heute min­destens dreihuuderttausend Mann im Streik. Ueber den Umfang der Bewegung gibt eine amtliche Statistik Aufschluß. Rach die­ser Statistik strecken allein tu den Provinzen

Namur und Hennegau 81 500 Bergleute von 93 800, 36 500 Arbeiter der metallurgischen Industrie von 55 500, 18500 Arbeiter in ber Glasindustrie von 22 300, 18 270 Arbeiter der Steinbrüche von 20 350 und 8800 in den kleine­ren Industrien von 16 400. Ueber die gegen* wattige Streiklage wird uns berichtet:

Eine Orgie des Chauvinismus.

gwei Vertreter großer deut scher Fir­men aus Sachsen, die zurzeit in Metz weilten, begaben sich nach Naney, um sich bte Stadt anzusehen. Nachdem sie in einem Hotel ge- p-ist hatten, begaben sie sich in daS Kasino, wo auch Borstellimgen gegeben wurden, nachdem ihnen bereits im Laufe dcS Tages mehrsack, zuoerufen worden war:Das sind Preu- s, j s ch e Offiziere!", weittr jedoch waren sie nicht belästigt worden. Nach der Dorstel fttng, gegen ein Uhr nachts, begaben sie sich zum Bahnhof, um mit dem ersten Zuge nach Metz zn fahren. Sie nahmen tn dem Wartesaal zweiter Klaffe Platz, hatten sich aber | kaum niedergelassen, als sie draußen auf dem Bahnsteig g r o ß e n L ä r m hotten. Einer von ihnen begab sich an bie Tür unb f b, ,. zwei deutsche Herren, in deren Beglet- fuug sich eine Dame befand, von einer Wenge belästigt worben, bie ihnenPreußff^c *- V litte zuries. Die beiden Reisenden zogen sich in den Wattesaal zurück, aber die Menge hatte sie bemerkt, drang ihnen nach, belästigte und beschimpfte sie in unerhörter Wet- se und schlug sie. Mehrere aus der Menge die sich offenbar nicht auS Arbeitern sondern aus den besseren Standen rekruttette, setzten sich neben bie beiden, zwangen sie, stm

auf die Knie «ieberzulaffen

unb schlugen eitlem ben Hut vom Kopf. Außer dem schlugen sie ihn mit feinem «4 rw. während die Menge im Saal andauernd rief. Preußische CMisiere, f-rt nach Metz! Ihr wäret in Luneville beim , Feppe- (in"!" Man zwang sie, den Hut abZuneh = men unb französische Offiziere die gleichfalls anwesend waren, r« grünem Schl eßlich fluchteten sich bie beiden Herren aus ben Bahnsteig, suchten um Hilfe und riefen nach der Polizei, allein vergebens, bis schltetz- I (ich ein Bahnbeamter, anscheinend der sv>--