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Casseler Neueste Nachrichten

- fr. M- 3. Jahrgang.

Madrid, 14. April.

Aus arofte^ Zet: 1813.

Am 15. Avril: Napoleon verläßt Pa­ris, um sich auf den deutschen Kriegs schauplatz zu begeben.

$ns Kün-Sk-Attevtat.

Der Attentäter Alegre ein Anarchist!

(Privat - Telegramm.»

Letzte Zeleeramme.

(Nach Schluß der Redaktion eingegangen)

ungen statt.

4- Die nicht alle werden ...! Eine heirats­lustige Witwe im Stadtteil Bettenhausen hatte die Bekanntschaft eines Handwerkers ae- macht, der ihr auch den Traurina versprach Der Liebhaber brauchte dann im Hinblick auf die nahe Hochzeit größere Geldsummen. Die Witt- ftau zahlte auch, der .Verlobte" nahm das Siclb und verschwand. Nunmehr bemächtigte ich die Kriminalpolizei seiner Persönlichkeit und nahm den Schwindler fest.

Bei der Arbeit verunglückt. In einer Fabrik tn der Untcrneustadt fiel einem Dreher ein schweres Eisen st ück derart auf den Fuß, daß er eine erhebliche Quetschung erlitt. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Verletzte nach seiner Wohnung in Sandersha»- en gebracht.

4- Nochmals die Verpachtung der Stadthalle. Wie wir hören, war der Magistrat mit sieben hiesigen Herren in Verbindung getreten, die Pachtung der Stadthalle zu übernehmen und zuletzt standen drei Herren in engerer Wahl, die aber infolge der Pachtbedingung, die Weine aus der städtischen Kellerei zu entnehmen, von der Bewerbung zurücktraten. Es blieb nur noch Herr Hartleb, und der Magistrat mutzte des­halb mit diesem Herrn den Pachtvertrag ab- "chlietzen, der nunmehr die Genehmigung der Stadwerordneten gefunden hat.

4- Vom Bezirksausschuß. Der Bezirksaus­schutz beschloß in seiner letzten Sitzung, vom ersten Juli 1913 ab den Kreis Hersfeld in drei Ichornfteinfeger-Kehrbezirke einzutei'.en. Bis­her bestanden vier und zwar Hersfeld, Nieder­aula, Friebewalb und Schenklengsfeld. Diese beiden letzten Bezirke werden jetzt zusammenge- leat und Niederaula um mehrere Ortschaft-n des Kreises HerSfeld vergrößert

4-Die aufgeklärte Iran". Am Donners­tag abend hält im .Stadtpark' die durch ihr Buch .Die aufgeklärte Frau" bekannt gewor­dene Schriftstellerin Iran TrußkavonBa- q i e n s k i den in Bonn anfänglich verboten gewesenen und vom Kölner Negieinmaspräsi- denten wieder freigegebenen Licktst-lbervortrag über allgemein interessierende Ehefragen, sexu­elle Ai'sklärung und andere Probleme.

4- Eine Schlägerei am Lutherplat,. In der Nacht zum Sonntag gerieien am Luthervlatz eine Anzahl junger Leute, die ans einer Wirt, schäft gekommen waren, in eine Schlägerei bei der Stöcke und Schirme als Waffen dienten. Mehrere der Kampfbetciligten erhielten dlu tige Kopfverletzungen. Die Streitenden ent­zogen sich d"nn der Festnahme durch die tz-luch!

Die Lehren der Bodenreform. Wie uns berichtet wird, beabsichtigt der Provinzialvcr- band der Hausbesitzer-Vereine Hessen-Nassaus Ende dieses Monats einen Vortrag über die Lehren der Bodenreform hier halten zu lassen. Gewiß wird dieses Thema, das eine der brennendsten Fragen der Gegenwart be­trifft, auch die Bürger Cassels lebhaft interes­sieren.

Die Kontrollversammlungen am Diens­tag. Ain morgigen Dienstag ist Frühjahrs- Kontrollversammlung vormittags 8 Uhr kür bir Jabresklasse 1910, Buchstabe L biS Z, vormtt- taas 10.30 Uhr für bie JahresUassen 1911 und 1912; ferner: bie ohne Versorgung zur Dispo­sition ber Ersatzbehörden entlassenen Mann- schäften, soweit sie nickt bereits die Entschei­dung .Ersatzreserve" oder .Landsturm" oder dauernd untauglich" erhalten haben, die als zeitig halbinvalide oder zeitig ganzinvalide an­erkannten Mannschaften, die auf Zeit aner­kannten Rentenempfänger, (soweit sie der bw serve (Marinereserve) oder Land- (See-)wehr 1. Aufgebots angehören, also nicht die Ent­scheidung .Ersätzreserve" oder .Landsturm" oder .dauernd feld- (fee«) und garnisondienst­unfähig" erhalten haben, und nachmittags 3 Uhr die Ersatzreservisten (emschl. Marineersatz­reservisten) für die Jahresklasse 1900 der Er­satzreserve.

4- Ein Selbstmordversuch in ber Aue. Ge­stern nachmittag wurde in der Aue ein junger Mann aus der Josefstraße mit einer Schuß­wunde im Kopf aufgefunden. Der Verletzte hatte aus Schwermut in den Tod gehen wollen und deshalb den Revolver auf sich ge­richtet. Er wurde von ber Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach dem Lanbkrankenhaus gebracht. Sein Zustanb ist heute befriedigend, sodaß eine Lebensgefahr nicht besteht.

Die Kompetenz ber Innungen. Am drit­ten Juni des vergangenen Jahres verbot die Fleisckerinnung Cassel (freie Innung) ihren Mitgliedern das Inserieren der Preise von frischen Fleischwaren. Ein hiesiger Metzger­meister tat dies aber dennoch und erhielt vom Jnnungsvorstanb eine Ordnungsstrafe von zehn Mark und später, als er wieder inserierte, eine weitere Strafe von 15 Mark. Der Meister erhob Beschwerde beim Magistrat, da er den Beschluß der Innung als gesetzwidrig und bie Strafverhängung als unzulässig ansah, da der Beschluß bie Kompetenz der Innung überschreite unb die Gewerbefrciheit be­einträchtige. Die Innung erklärte demgegen­über, daß eine freie Innung ein Verbotsrecht habe und auch die Handwerkskammer trat in einem Gutachten dieser Ansicht Bei, da sogar einer Zwangsinnung zustehe, ihren Mitglie­dern ein derartiges Verbot zu erlassen. Ter Magistrat wies die Beschwerde als unbegrün- bet ab. Das Verbot bet öffentlichen Be­kanntgabe von Preisen beschränke Weber die beliebige Preisfestsetzung noch die Annahme irgend eines Kunden. Tas letzte Wort wird nun wohl bet Reaietungspräsibent sprechen.

4- Aus dem Casseler Konterilesten. Ter

Mitwirkung freundlichst zugesagt. Tie Leitung liegt in den Händen des Herrn A. Klein.

4- Eine Livingstone-Gedenkfeier in Cassel (geboren 17. März 1813). Die Gesellschaft ür Erd - und Völkerkunde gedachte in ihrer Sitzung am Freitag des vor hundert Jah­ren geborenen Afrika-Forschers Livingstone. Gymnasialoberlehrer Dr. Henkel, der den großen Forscher noch kurz vor dessen Tode in England gesehen hat, besprach an Hand der Wandkarte in großen Zügen die Reisen Living- tones und gab ein einprägsames Charakterbild des kühnen Schotten, der seine Tätigkeit als Missionar, Mediziner und Sprachforscher be­gann und dann sich als Eroberer des Jnnen- afrika so ungeheuere Verdienste erwarb. Zu Beginn ber Sitzung gab ber Vorsitzende, Rektor Heßler, bekannt, daß durck bie Casseler Ge- ellsckaft für Erd- und Völkerkunde ber Sckrö- der-Strantz-Erpedition ein Betraa von 28 Mark zur Verfüamrg aestellt wurde. Einen zweiten Vortrag hielt Lehrer Rudolph über .Die wirtickaftli-^en Verhältnisse der östlicken Vro- vinzen" (Ostpreußen, Wellvreuben und Boftnl in dem unter ander-m a"k bie Güterspekulalion in bet Ostmark hinaewiesen wurde.

4- Das Casseler Elekttizitätswerk als kleber- Gndzentrale. Das Casseler Elektrizitätswerk ist in ber letzten Zeit eifria bestrebt gewesen, Abschlüsse auf Lieferung elektri- cher Energie nach außerhalb zu macken, imb diese Bemühungen sind auch von Erfolg aewesen. Die Stadtverordneten ermächtigten kn ihrer letzten geheimen Sitzuna den Macfistrft, Vetträae auf Lieferung von elektrischem Strom mit Sandershaufen, Zkerenberg und Dörnberg abzuschlieben. Di? Verträge enthalten die Bestimmung, daß bie Stromver­sorgung bis spätestens sechs Monate nack Durckführung ber Vorarbeiten, also nach Ge- nehmiaunq burch den Bezirksverband usw, zu erfolgen hat. Es ist bamit zu rechnen, baß die genannten Gemeinden schon im Oktober von Cassel aus mit elektrischem Strom ver­seh n werden und elektrische Straßenbeleuch- tung einführen. Wie wir hören, sollen dem­nächst noch mit anderen Gemeinden Abschlüsse vollzogen werden. Die Stadt Cof fei rechnet demgemäß bereits damit, daß sie ihre Werke nicht der A. E. G. überantwortet.

-4- Cumberland im Stadtpark. Im Stadt- parksaale führte wieder nack längerer Pause Stuart Cumberland einem zahlreichen Publikum seine erstaunlick-n Leistunaen aus dem Gebiete der Gedächtniskunst und Gedäckt« nislehre, der Zauberei, ber spiritistischen u. an­deren geheimnisvollen Künste vor und ern­tete dabei reichen Beifall. Lebhaften Erfolg hatte Cumberland diesmal mit dem Traum- phautomDas Geisterfenster", in dem bie To­tenmasken längst Verstorbener in geheimnis­umwobener Weise auftauchen und langsam wieder verschwinden. Besonders Interesse er­regten auch die Lösung deS Rätsels vomTisck- klouf-n", hvvnot's-ü- Vorführungen und Bauck- reden. Das Publikum kam aus ber Span­nung nicht heraus unb verscharr bie einzelnen Darbietungm mit fiebernder Erwartung Cumberland wird auck heute und morgen noch m Stadtpark auftreten.

4- Der Vortragsabend im Flottenverein Der am kommenden Freitag abend einbier'el neun Uhr im großen Saale des Evangelischen V-re-nSbaiises stwtfindende Licktbssbervortrag des Kapitäns zur See a. D. Freiherrn von Meerscke dt Hüllessem über die Kamvskrast und Kriegsbereitschaft der beutschen Flotte im Ver gleich zu England und den anderen europäischen Großmächten verspricht besonders anregend zu werden. Eintrittskarien sind in der Buch­handlung von Frevsckmid!, Köniastraße 12 beim Pförtner des Vereinshauses und an der Abendkasse von TA Uhr ab zu baden; für Mit glieder beS deutschen Flottenvereins ist der Em tritt (abgesccken von den nummerierten Plätzen, bie für sie 50 Pfennig kosten) gegen Vorzeianna der Mitgliedskarte frei.

4- AnS Cattels Kinos. Das Metropol-The- oter, Licktfpielhaus. untere Königsstraße 64. erste Etage, bietet seinen Besuchern einTie Gräfin von Lara" betiteltes Detektiv-Drama in zwei Akten. Al§ Einlage gelangt das Drama in zwei AktenTer Weg des Todes" zur Vor­führung. Die Haupttolle in diesem Film über­nahm bie Gattin des aus dem SensattonS- Spieler-Prozeß in Berlin bekannten Grafen Wolfs-Metternich.

4- Kleine Dagesckronik. Gestern mittag verstarb plötzlich Direktor Ludwig Schmidt von der KorreftionSanstalt Breitenau. ... Die Arbeiten ber Schienenverlegimg auf dem- nigSvlatz werden voraussichtlich Ende dieser Woche beendet lein. ... Aus der Stiftung ,nm Beft'ck ber Ausstellung für Handwerkskunst in München erhält ber Lehrer E. Bode inicht W. Robe) eine Beihilfe.... Durck die Geistesoeaen- watt de? Führers eine? Straßenbahnwagens wurde hefte m-ttag am Ständevlatz im letzten Augenblick ber Zusammenstoß mit einem Fuhr­werke verhütet.

4- Das Wetter am Dienstag. Der amtliche ^etterb-richt lagt für den moraigen Dienstag für Hessen-Nassau folgende Witter"ug voraus: Meist trübe, einzelne Nieb-rschläge, milder, höchstens vereinzelt Nachtfrost,

Ter Attentäter Alegre ist in Barcelona geboren. AIS er wegen anarchistischer N m tr i e b e aus Frankreich auSgewiesen wur­de, begab er sich vor anderthalb Monaten nach Barreloim and vor einem Monat nach Madrid,

Casseler Liederkran, hat für Don­nerstag, den $4. April, abends ackt Uhr, «in dritte« Konzett in Aussicht genonrmen, das bauptsäckfick ber Pflege des BoWliedes gewid- _ . .

niet ift Als Solisten haben für dasselbe Frau um Arbeit zu suchen. Er arbeitete bis Freitag Kammersängerin Liebeskinb unb die Kcu- in einer Ti blerwerkstalt. Aut Freitag lief? er -ertpianistin, Fräulein F Leim ck . ihre sich seinen Lohn rnszohlen und verschwend.

Beide Prüflinge konnten jedoch nicht bestehen und müssen sich ber Prüfung nochmals unter­ziehen. Heute nachmittag finben weitere Prü-

' wohlverdienten Sieg errungen, aber auch ber Jammer für Hessen und Walbeck unterzogen sich ^heimischen Mannschaft muß man für ihr am Sonnabend nachmittag ein hiesiger und ein ^«kovferndes Spiel alles Lob zollen. Tas glän auswättiger D ackd e ck e r ber Meisterprüfung.

i'cnbe Spiel der beiden Vereine konnte keine <»»«««« r'""*»** begehen

Itffere Anerkennung finden, als dadurch, daß tz-n Mannschaften burch Kaufmann Rieger reinEimracht"-Verein ein prächtiger Lorbeer-

ian3 überreicht wurde. So ehrt ber Sport seine Rieger, so ehrt ber Sieger sich selbst. Das Pu. Uilum aber drängte mit aller Macht auf den May und stürmische Ovationen wurden der siegreichen Mannschaft bargebracht. -r.

Vor den Geschworenen.

Heute begann bie zweite Schwurgerichts- -tzeriode biefeS Jahres mit einem Prozeß gegen :.-t Kaufmann David Frankenthal aus ^Luenloiheim, der sich wegen Meineids unb Ur- t!indenfälfchi'ng zu verantworten hatte. Der Angeklagte ist vierundbreißig Jahre alt, ver­heiratet unb bisher noch nicht bestraft. Zu dem Prozeß waren nickt weniger als sechzehn Zcu- aen geladen. Die Anklage warf dem Franken­thal vor, im Juni 1912 vor dem Amtsgericht Ccrbach in einem Prozeß als Zeuge einen Meineid geschworen und eine Kaufurkunbe ver­nichtet zu haben. Die Vorgeschichte ber heuti- gtit Verhandlung reicht bis zum August 1910 ütüd. Damals erschien ber Angeklagte bei der Witwe Göbel in Anraff (Walbeck), um ihr für die Firma Mahfahrt in Frankfurt a. M als Kommissionär eine Bindemaschine zu ver­kaufen. Die Käuferin, die Hauptzeitgin in dem heutigen Prozeß, stellte dabei die Bedingung, daß Frankenthal ihre alte Mähmaschine für mindestens 150 Mark in Kauf nehmen solle Von ihr ist auch die Anzeige gegen den Ange- : Nagten ausgegangen, zunächst nur wegen Ur- luudenfälfckimg. Der STaitfyertra- wurde auf ein Notizblatt niederaeschrieb-m, als Katifpreis wurde ein Betrag von 833 Mark ausgemacht lieber den Eintausch ber alten Maschine wurde ebenfalls eine Kaufttrk"ube auSaeferiigt. B-ibe Verträge wurden der Ww. Gäbet a"Saebänd-fft

Die Zeuam behauptet beute, in bem Vertrage fei vanfestem Kaufe" bie Rebe aewesen. Die­ses B^att hat Frankenthal feineneit vor den Augen dreier Zeugen zerrissen. Später erhielt Frau Göbel einen neuen Kaufvertrag, worin es hieß,bie gebrauchte Flüaelmalchine werde zum vrovifionssreien Verkauf fiir 150 Mark an die Hand genommen" In ber Vernichtung der ersten unb in ber Ausfertigung ber zweiten Urkunde wurde die Urkundenfälschung erblickt Ta Frankmthal unter seinem Eide später ovSpesagt hat, daß er die Ma^mezum Pro- visson^sreien Verk"ft" p?- Hand genom tuen habe, wurde die Anklage auch wegen Meineides erhoben. Eine Anzahl Zeu­gen, darunter zwei Bürgermeister, ein Rechtsanwalt unb der Prownz Rabbiner Dr. Mink aus Marburg stellten dem Anaeklag ten bas denkbar beste Leumunds^ z e u g n i s ans. Dein Vater betteibt sein Ge schäft in Merftokheim schon seit Jahrzehnten. Tie Firma, in ber ber Angeklagte tätig ist steht in bestem Ruft, Agier unb Sohn gelten außer­dem als wohltätige Leute. Die fragliche Ma­schine. die die Veranlassung des Prozesses bil­det. konnte von dem Angeklaat-en n'cht verkauft werden, da sie sich als unbrau bar erwfts Frankenthal Nagte deshalb gegen Frau Göbel auf Zahlung von 150 Mark. Der Vater des Anaeklagten sagte aus. er betreibe seit vierzig Jahren fein Ge'ckäft unb habe nock nie eine derartige Streitigkeit gehabt. Bei Sckluß ber Redaktion bauert bie Verhandlung noch an.

--- Die Einquartierung während des Prinz Heinrick-Fluges. Für die Pfingstseiertage, bie Cassel das große Schauspiel des Prinz Hein­rich-Fluges bringen, ist in Cassel für zweihun- bertzwanzig Personen, bie zu bem Flug gehö­ren, Wohnung zu beschaffen. Es sinb dies zwanzig Flieger, zwanzig Fahrgäste, zwanzig (militärische) Unparteiische, bie im Auto ben Flugzeugen folgen, bie Herren bet Oberlei­tung, C eschäftspersonal, etwa fünfzig Mon­teure, ebenso viele Chauffeure, Ordonnanzen unb anderes Personal. Außer für Menschen und Flugzeugen ist für ein halbes Hundert Kraftwagen Unterkunft zu schaffen. Für Prinz Heinrich selbst ist im Hotel Schir­mer Wohnung reserviert worden.

4- Von einem Radfahrer umgefahren. Ge­stern abend wurde eine aus der Wolfs'chlucht in d e Kölnische Sttaße einbiegende Dame von einem Radfahrer unbefahren. Die Frau stürzte dabei gegen die Bordschwelle des Bürgersteigs und erlitt erhebliche Verletzungen. Hilfreiche Passanten nahmen sich ber Verunglückten an unb brachten sie in ärztliche Behandlung. Ge­gen ben Rabfahrer wurde Anzeige erstattet.

L -4 Gefliweldiebe an der Arbeit In ber Nacht zum Sonntag wurden inderHollän.

- dischen St r a tz e einem bort wohnenden Handwerksmeister aus bem Stalle zehn Hüh »er unb ein wertvoller Hahn gestohlen. Die Diebe konnten bisher nicht ermittelt werden In der vergangenen Nacht stahlen mehrere Diebe in Philivpinenhof ebenfalls verschiedene Hühner. Die Diebe konnten noch in derselben Nackt verhaftet werden. Sie wurden im Poli zeigefäu-^-'s unttrgebracht.

4- En KinSesmord in Cassel? In einem Hause ber Annastraße wurde heute früh die Leiche eines neugeborenen Kindes gefun­den. die schon längere Zeit bort gelegen haben mußte. Sie würbe nach bem Landkrankenhaufe zur Obduktion gebracht. Das Geschlecht de? Kind:s konnte noch nicht festgestellt werden ebenso ob das Kind nach btt Geburt noch ge lebt hat Dir Polizei Hst ehre umfangreiche Untersuchung eingeleitet.

4- Tie Schwierigkeit der Meisterprüfung. Vor dem Prüfungsausschuß der Handwerks-

Dienstag, 15. April ISIS,

Alegre ist Anarchist. Er erklätte im Laufe des Verhörs wiederholt, er habe den Tod Fcrrers rächen wollen. Alegre trug meh­rere das Urteil über Ferrer betreffende Zei­tungsartikel und eine Postkarte mit einem Frauenporttät bei sich. Auf der Karte standen die von ihm selbst geschriebenen Wotte: Herziate, wenn Tu mich lieb hast, so rä­che meinen Tod! Ich liebe die Anarchie! Alegre ist verheiratet, aber kinderlos. Er gestand, daß er den Revolver vor kurzem ge­kauft habe Nach einer anderen Meldung hat Alegre die Behauptung aufrecht erhalten, daß ihm der Gedanke, den König zu ermorden, erst gekommen sei ar3 der König vorüberritt. Im Verlauft des Verhörs soll er gesagt haben, er ei glücklich, daß ber König unverletzt fei. Aus seinen weiteren Geständnissen geht hervor, daß er alles mögliche, auch philoso­phische Werke, gelesen bat, ohne sie verstanden zu haben. Er macht aber durchaus nicht den Eindruck eines Geisteskranken. Er aibt im Verhör auf die Frauen klar und deutlich Nutz wort. Bezügfich der Folgen, die das 23er'-rechet für ihn haben wird gibt er sich keinen Jllnsso- nen h u. Der französische Snracklelfter Pierre Pack, der verhaftet wurde, w'rd wohl b"fb wie­der auf freien D-utz gefetzt werden da die ftzei über ihn sehr gute Auskünfte erhal­ten hat.

Eine Verschwörung in Madrid?

Madrid, 14. April. (Telegramm.) Die Polizei verhaftete neuern abend nach einer AauSfurf-unn vier Männer und zwei Frauen, die «ufammen e n Z'nrner bewohn­ten. wo man Verzeichnisse von Anarchisten hcfchlagn-'l'mte. Bei dem anlässlich des gestri­gen Attentats verhafte'rn Dranzofen ro^-be ein Not zbuck gefunden Er ist in Geheimhaft ge­bracht worden, da er sich in seinen Aussagen roib erbricht.

König Alfons über das Attentat!.

Madrid, 14. Avr'l. (P r iv a t-T ele« gram rn.) In einem Gespräch übet daS eestr'ge Attentat sagte lächelnd der König:Das sind fe Unfälle, die daS Metier mit sich 6 r i n n t!" Die Unterfuckung aegen den Atten­täter Alegre hat bisher neue Momente nickt er. neben. Ter Attentä er behauptet nach wie vor, das Attentat einer plötzlichen Regung folgend verübt zu haben und bestreiket entschie­den, irgendwelche M'tschuldige zu haben.

Schnee-Störme überall!

Winter in Bayern, Anqarn «nd Italien.

(Privat.Telegramm.)

München, 14. April.

A«S allen Teilen Bayerns gehen Nackt chte« über ben seit Freitag andauernden Schnee- sturm ein. Im bayrischen Walde und Fichtel­gebirge hat der Sckneesturm große Verhee­rungen angerichtet. Der Scknee liegt an vielen Stellen einen halben Meter hoch. In vielen Gegenden in Tirol haben gestern die Stürme beträckttichen Schaden anger'ckttt. In Bo-en droht ber Zirkus Schmitt zusammen­zustützen. Aus den Bergen liegt Neuscknee. Auch aus Vorarlberg wird über Scfneefturm berichtet. Die Obstblüte hat überall schwer ge­litten.

Budapest. 14. April.

Der gestrige S ch n e e ft u r m , der von nachts vier Uhr bis nachmittags vier Nhr un­unterbrochen anhielt, hat im Stadtgebiet un- Seheuten Schaden angerichtet Zwöls- unbert Telephonleitungen sind außer Betrieb gesetzt. Ter Telegraphenverkehr zwischen de« Eisenbahndirektionen und zahlreichen Statio­nen ist gestött. Von den unterirdischen Leitun­gen sind auch nur zwölf intakt. Man sucht die Störungen auf den einzelnen Stationen. Die AuSbesserungsarbeiten werden mehrere Tage in Anspruch nehmen. Auch heute herrscht noch Schneefall.

Rom, 14. April.

AuS zahlreichen Gegenden Italiens werden Schneestürme gemeldet. In Derisa und Bergamo lieft der Schnee vierzig Zentimeter hoch. In den Straßen, in der Umgebung Roms unb auf den Bergen Roms liegt allenthalben Scknee. Die Temperatur ist auf secks Grad un­ter Null gesunken. Seit Jahrzehnten erinnert mau sich in Italien keines Aprils, dtt fo kalt gewesen ist wie ber diesjährige und es ist nicch feit Jahrzehnten nickt meft dagewesen. daß im Avril noch Scknee niederaeganaen wäre. Die kalte Wittenmg und die Sckneekälle haben über­all aroßeu Sckaden attaerWet und ein großer Teil der Obstblüte ist vollständig ver- nichiet worden.

Das Befinden des Papstes.

(Privat-Telegramm»

Rom. 14. Avril.

Im Befinden deS PapsteS ist nock keine entfckeideube Wend,eng einaetreftn Das tvie- fier fiel naturgemäß gestern astend nackdem es tagsüber ne^eeen war. Die Aerzte ziesten be­reits die Gefthr einer Lungenentzün- d ng in Betrnckt. Gestern astend ist noch ein dritter Arft hin<ttne«oncn warben. Ein end- aült-aes 1irt-;c über ben Zn^and des Rgnstes ist nickt möaftck, aber iedenwlls ist bie Ge - fgstr einer Katastrovhe geaeben. w""i»ervräsident Gialitti. der in Piemont weilt, wurde von dem Er"st der Laae unter­richtet und kehtt vielleicht früher zurück, als er beabsichtigte.

(Eine bedeutende Berschlimmerunq k

München, 14. April. (Privat-Tele- gramm.) In ber Münchener Nunfta'ur ging aus dem Baftkan heut die Nackrickt ein, daß in dem Be'inben bes Papstes eine beben- tenbe Ve-scklimmerung einaetreftn sei. "riefe Nackr»ckt betätigt, baß man jetzt auch iw Lattkan ben ?:?ftanb b»S PapsteS als seht ernst betrachtet.

IittkliUkMmtMNl 10 Seiten.