Seite 2. Casseler Neueste Nachrichten Nummer 19. Nummer 19. «löffelet Neueste Nachrichten Seite 3.
COler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 15. April 1913
Nnmmer 109
Fernsprecher 951 und 952.
Attentat auf König Alfons!
Der
Ratschluß gesehen...!
-SU.
der ihn den und
König in daS Schloß einritt, erwartete die Königin, der er ganz heiter Zwischenfall, der sich soeben abspielte ihn aufgehalten hatte, erzählte. Die Köni-
Warnungen an den König?
tPrival-Lelegramm.)
Auf den König von Spanien wurden gestern nachmittag in Madrid, als er von der Trnppenbesickttgung zurückkehrte, vor der Bank von Spanien drei Revolverschüsse abgegeben. Der König blieb unverletzt. Der Täter, ei» junger Zimmermann namens Alegre aus Cata- lonien, wurde verhaftet. Es fanden große Bolkskundgebungen statt.
ftnferttontoretfe: Di« techrgespalten« Zeile für einheimisch« ««schäfte 15 Pfg., für au«. wLrtiae Inserate 25 Pf. Rellamezeile für einheimisch« ««schüft- 40 Pf, für au-w-i-ttge ««schäfte M Pf. Einfache Beilagen für die Äesamtauflags werden mit 5 Mark pro Taufen» be. redjnet Wegen ihrer sichten Bsrdrsitung in dsr Residenz und der Umgebung find die Saffeter Neuesten Nachttchten -in vorzügliche« InssritonSorgan. «elchäft« isllei Kölnisch« ^tratze 5. Berliner Vertretung: SW, rriedrtchftratze 16, Telephon: Ami Moritzvlatz 12584
neralstabsossiziere, die den König wie gewöhnlich in einer bestimmten Entfernung begleiteten, ihre Pferde gegen die Menge, ritten auf beiden
und Mlitärbehörden. Später erschien das gesamte diplomatische Korps, nm dem König Glückwünsche darzubringcn.
Heimat. Voll ernsten Eifers für die Pflichterfüllung in seinem hohen Amt, durchdrungen vom Bewußtsein der Verantwortung, die auf feinen Schultern ruht, hat Pius der Zehnte allzeit im Dienste der Kirche gewirkt; unermüdlich, unablässig und unbeirrbar. Aber selbst auf Petri Stuhl, in der Stille des Vatikans, ist in seiner Seele nie das Heimweh, die Sehnsucht nach Venedig erstorben, ist in Gedanken und Träumen das Bild der sonnigen Lagunenstadt Ideal und Wunschziel des mit der Tiara Gekrönten geblieben, und noch in den Tagen der Krankheit hat Papst Pius, mit seinen Schwestern plaudernd, sich erbaut an den Erinnerungen an die Zeit, die seines Lebens schönst« und lichtvollste gewesen. Das Schicksal ist stärker als Mcnschen-Sehnsucht und Menschen-Wille und seiner Fügung beugt sich auch der Träger der dreifachen Krone, der im Menschen-Schicksal immer nur des Himmels
Handschuhen seiner linken Hand. Gleich nen auf dem Balkon zeigte. Am Nachmittag
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Bevölkerung eine ungeheure Aufregung. Eine tausendkäpsige Menschenmenge strömte zum Schluß und brach in stürmische Hochrufe aus, als sich der König und die Königin mit dem Infanten und den Jrfanttn-
Madrid, 14. April-
Es verlautet, daß König Alfons bereits vor einigen Tagen anonyme Zuschriften erhielt, in denen ihm mitgeteilt wurde, daß ein Attentat auf ihn während der Rückkehr von der Rckrutenvereidigung geplant sei. In diesen Zuschriften wurde der König davor gewarnt, an der Rekrutenvereidigung teilzunehmen, der König schenkte jedoch diesen Warnungen kein Gehör. Das Attentat ans den König Alfons spielte sich innerhalb einiger Augenblicke ab und wurde nur von einigen Leuten, die sich in unmittelbarer Nähe befanden, bemerkt. Als die Nachricht von dem Attentat in der Stadt bekannt wurde, bemächtigte sich der
bedeutend verschlimmert hätte. Man hielt es während der Nacht für geraten, den Beichtvater des Papstes hcrbeizu- rufen, der ihm die. letzte Oelung gab. Der Papst soll im Laufe des gestrigen Nachmittags ein leichtes Delirium gehabt haben. Das gestern nachmittag ausgegebene Bullettn sagt nichts von dem verschlimmerten Zustande des Kranken und verschweigt auch die Höhe der Temperatur. Diese soll in der vorletzten Recht bis aus 39,1 Grad gestiegen sein. Heute srüh fand eine abermalige Konferenz der Aerzte statt.
Di« Botschaft aus dem Vatikan klingt ernst, klingt wie Trauerkunde, und aus Bent ganzen Erdrund verfolgt menschliche Anteilnahme am Schicksal des Pontifex mit aufrichtiger Herzlichkeit alle Phasen des Leidens, das Pius der Zehnte erduldet. Es ist eine Tragödie, die sich hinter den Mauern des Vatikans, fern vom lärmenden Getriebe der Welt, abspielt, und Papst Pius ist der stumme Dulder, um dessen Person sich diese Tragödie webt Als er vor Jahren von seinem geliebten Venedig Abschied nahm, um sich zum Kon- clave im ewigen Rom zu begeben, bedrückte ihn die düstre Ahnung, Venedig nie wiederzusehm. Die Stimme in seinem Innern hatte Wahrheit gekündet: Als Leos des Dreizehnten Nachfolger berief ihn die Gemeinschaft der Gläubigen auf Petri Stuhl, und nie wieder führte den Sohn Venedigs des Schicksals Weg zur
Als der König auf dem Hek.nritt die Dal, eala-Straße passierte, stürzte plötzlich in der Nähe der Bank von Spanien ein Individuum, das sich in der ersten Reihe des auf dem -tot« wir stehenden Publikums befunden hatte, auf das Pferd des Königs zu, ergriff die Zuge l mit der linken Hand und zog mit der rechten einen Revolver aus der Tafcke. ^er König, der sofort erkannte, daß ein Anscklag auf ihn verübt werden sollte, brachte sein Pferd zum Aufbäumen, genau in dem Augenblick, in dem der Angreifer auf ihn f e u e r t e. Taick der Kaltblütigkeit und der hervorragenden Reitkunst des Königs traf die Kugel statt des Königs die Brust desP f er des. Der Täter schickte sich an, zum zweiten Male zu schießen, als ein Polizeibeamter sich auf ihn stürzte und ihn zu Boden warf, wo er ihn festhielt, ohne indessen verhindern zu können, daß der Verbrecher nochmals auf den König anschlug und zwei Schüsse abgab. Die Schüsse aber verfehlten ihr Ziel. Der erste Schutz gegen den König schwärzte den
den König abgab. Die Scküffe verfehlten ihr Ziel und nur daS Pferd des KäniaS wurde leicht verletzt. Ein Schutzmann stürtte sich sofort auf den Attentäter und schlug ihn mit einem Knüpvel aufdenKoPf. Er konnte sedoch nickt verhindern, datz der Bnrscke nvck einen weiteren Schuß abgab, durch den der Polizist selber gestreift wurde. Schließlich aelang es mehreren herbei aeeilten Polizisten, den sich wie wahnsinnig Gebärdenden zu überwältigen. Auf der Polizeiwache stellte sich heraus, daß der Attentäter der fünfnndzwanzt"- lähriae Manuel Seneez Alegre aus Barcelona ist. Außer dem Attentäter wurde noch ein anderes Individuum verhaftet, von dem Augenzeugen auf das bestimmteste versichern, datz er wenige Minuten vor dem Attentat mit Alegre gesprochen habe. Dieser Komplize ist ein Franzose namens PierreBack, der sich in Madrid als Sprachlehrer aufhielt. Pack behauptet allerdings, den Attentäter nickt zu kennen, verweigert aber weitere Auskunft.
gin, die noch keine Kenntnis davon hatte, war sehr bewegt. Zehn Minuten später waren die beiden Plätze vor dem Palast schwarz von Menschen. Ter König zeigte sich dann auch auf dem Balkon und wurde mit unbeschreiblichem Jubel begrüßt.
Der Attentäter und seine Helfer.
(Privat-Telegramm.)
Madrid, 14. April-
Der Attentäter ist der sechsundzwanzigjährige Zimmermann Mstnuel Sencez Alegre und stammt aus Barcelona. Während ihm von dem Polizeibeamten Handschellen angelegt wurden, versuchte die empörte Bolls- menge, ihn zu lynchen. Es kostete den Beamten große Mühe, ihn den Faustschlägen und bett drohend erhobenen Stöcken zu, entziehen. Sie mußten ihn deshalb in das nächste Haus bringen, von wo ihn ein Zellenwagen abholte und ihn ins Gefängnis brachte. Nach den letzten Nachrichten sind vier Verhaftungen vorgenommen worden. Neben dem Täter und den ihn begleitenden Individuum, das anscheinend französischer Herkunft ist, ist noch ein Mann, anscheinend ein Spanier, der einen Revolver in der Hand hielt, in der Nähe der Bank verhaftet worden. Endlich ist noch eine Frau festgenommen worden, worüber Einzelheiten noch nicht vorliegen. Der Täter soll im Laufe des ersten Verhörs erklärt haben, datz ihm der Gedanke zu dem Anschlag gekommen sei, als er den König vorüberschreiten sah. Ta er eine Waffe in der Tasche habe, so habe er sie gefaßt und von einer unwiderstehlichen Gewalt getrieben, hätte er dann geschossen. Der Mann, der in der Nähe der Bank ergriffen wurde, verweigert jede Auskunft.
Rom, 14. April-
Im Befinden des Papstes war gestern nachmittag eine erneute Verschlimmerung zu verzeichnen. Die Temperatur war gestiegen und überschritt 38 Grad. Die katarrhalische Asfektion der Bronchien namentlich auf der linken Seite, die lokalisiert war, droht sich auszudehnen, so datz eilte Lungenentzündung befürchtet wird. Um halb sieben Uhr abends fand eine neue Konsultation statt. Dr. A.nici verließ seit Sonnabend den Vatikan nur kurze Zeit. Die Schwestern des Papstes weilen gleichfalls im Vatikan. Die Kardinäle und das »iplornatische Korps verfolgen den Krankheitsverlauf mit lebhafter Anteilnahme.
Rom, 14. April.
Es hat den Anschein, als ob der Zustand des Papstes sich in der letzten Nacht noch
Aus dem Vatikan trägt der Draht Trauerund Sorgenkunde durch die Welt: Die Krank- h e i t des P a p st e s hat sich in den letzten Tagen derart verschlimmert, daß jeden Augenblick mit der Möglichkeit einer Katastrophe gerechnet werden kann, und selbst die vatikanisch-offiziösen Berichte laffen jetzt deutlich du Ernst der Situation und die Größe der Gefahr erkennen. Papst Pius ist gestern mit der letzten Oelung versehen worden und Das deutet daraus hin. daß der greise Kirchenfürst der Gefahr seiner Krankheit sich voll bewußt ist und alle Vorkehrungen trifft, die in solchen Momenten die tröstende Religion vorgesehen hat. Leit Sonnabend Hai das Befinden des Kranken sich in besorgniserregender Weise verschlimmert und die behandelnden Aerzte befürchten das Hinzutreten einer Lungenentzündung, durch die die Krise noch gesteigert werden würde, sodaß bei der durch die Krankheit ohnehin erheblich geschwächten Konstitution des Papstes das Schlimmste zu befürchten wäre. Zwar wird in den vatikanischen Berichten immer noch der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der Kranke die Krise überwinden und die Krankheit einen | normalen Verlauf nehmen werde, doch spricht auch aus dieser offiziösen Kundgabe die bange - Sorge um das L e b e n des greifen Oberhirten, der sein Leiden mit vorbildlicher Geduld trägt ' und schicksalergeben sich dem Willen höherer
Vorsehung beugt. Wir verzeichnen über die Verschlimmerung im Befinden des Papstes die nachstehenden Privat-Telegramme:
Rom, 14. April.
Papst Pius hat wieder einen Rückfall erlitten, und zwar diesmal in einem weil ernsteren Maße. In den ersten Nachmit- tagsstunden des Sonnabends stellte sich unter starkem Hustenreiz eine katarrhalische Asfek- tiou des K e h l k o p s e s und der oberen Luftwege ein, die sich auf den ganzen At- mungsapparat ausdxhnen zu wollen scheint. Die Temperatur stieg rasch von 36,8 auf 38,7. Der Papst ist sehr schwach. Der Leibarzt, Dr. Amici, und Proseffor Marckiasava weilten seit zwei Uhr im Vatikan. Die Befürchtung, datz eine Lungenentzündung im Anzuge ist, scheint nicht ausgeschlossen.
Das mißglückte Attentat.
(Privat -Telegramm.)
Madrid, 14. April.
Es lastet e'i V e r h ä n g n i s aus dem Herrscherhaus des Pyrennäen-Lands und schon mehr als einmal war Alsons von Spanien in Gefahr, durch Verbrecherhand fern Leben zu verlieren. Vor einigen Monaten erst fiel Spaniens Ministerpräsident einem verbrecherischen Anschlag zum Opfer unb auch damals hieß es, daß die Kugel nicht dem Kabinettchef, sondern dem König gegolten habe, der nur durch einen glücklichen Zufall vorm Verhängnis bewahrt blieb. Am gestrigen Sonntag, als der König von der Armee-Parade heimkehrte, hat nun abermals das Schicksal feinen Weg gekreuzt: Auch diesmal ohne Alfons des Dreizehnten Leben zu gefährden! Aber der gestrige Anschlag (der vierte seit dem Tag, der den jungen König auf den Thron seiner Väter ries) zeigt, wie ungebändigt die Leidenschaften sind, wie unauslöschlich der Hatz und wie furchtbar der Verbrechertrieb, die in diesem Land der Parteien-Kämpfe die Gegner des Königtums beseelen, wie wenig sicher das Leben des Königs inmitten des Gewoges monarchischer und republikanischer Parteienkämpfe ist und welche Schicksal-Möglichkeiten die Dynastie bedrohen, deren Dasein aus Spaniens Königsthron ein ununterbrochner Kampf um Krone und Szepter war. Die revolutionäre Bewegung. bie_ im Nachbarlande Portugal den Königsthron stürzte und die Dynastie aus dem Lande trieb, regt auch in Spanien ihre Kräfte und das Atteutat. das am sonnenhellen Früblinasmittag oestern in Spaniens Hauptstadt sich ereianet, ist ein drohendes Wetterzeichen dicker Bewegima, we den Sturz von Thron und Dynastie erstrebt.
*
Jas Ende bet stoße» Woche.
Am sechste« Tage der Wehr- und Dcckungs- Debattezvor leeren Bänken spricht der Kanzler abermals; eine Mahnung des Herrn von Bethmann Hollweg; das Ende der Woche.
Am Sonnabend beschloß der Reichstag die große Woche der We^r- u. Deckungsvorlage. Das Haus war (wie immer am Sonnabend) „gähnend leer*. Zwar erschien neben den Staatssekretären Kühn, Lisco, Delbrück auch der Reichskanzler am Bundesratstisch; aber wer hätte geglaubt, daß er am sechsten und letzten Tage der Wehr- und Deckungsdebatte, im Stadium also eines bereits stark ob- geslauten Interesses, noch einmal dos Wort ergreifen würde? Vielleicht sogar er selber nicht. Fast machte es nämlich den Eindruck, als ob die Rede G o t h e i n s ihn erst heransgefor- bert hätte. Zu verstehen wäre es. Der Wortführer des Freisinns sprach nämlich mit einer Schärfe, die man im Reichshaus aus den Bänken der Volkspartei säst nicht mehr kannte, und diese Tatsache ermunterte denn auch den eben aus Hamburg heimgekehrten Kanzler, abermals in den Koller zu sahren. Es läßt sich nicht leugnen, daß Herr von Bethmann, namentlich im zweiten Teil seiner Rede, recht geschickt operierte und sich als sehr gewandter Debatter entpuppte. In der Hauptsache wandte er sich gegen die Wirtschafts- und noch mehr gegen die Vermögenssteuer, indem er der Ansicht Ausdruck gab, daß dadurch die Finanzen der Bundes- staaten in Verwirrung kommen und diese Länder schweren Schädigungen entgegengehen würden. Er beschwor sehr eindringlich das Haus, ia nickt diese Bahn zu betreten, da sie zu »er» bänguisvollen Konsequenzen führen werde. Ob man ihm in dieser Hinsicht folgen wird? Der Kanzler zeigte sich wenigstens sehr optimistisch, und es ist wohl möalick, daß er recht behalt, denn die Parteien haben (von Kanitz bis MMer-Meininaen) bisher den löblichen Grundsatz befolgt, sich nicht aus Prinzipien zu versteifen, sondern das Nützliche d a zu nehmen, wo es grade zu finden ist ...!
*
Die Schüsse auf den König.
(Privat - Telegramm.)
Madrid, 14. April.
Als der König gestern mittag von der Re- kritten-Vereibiouna an der Spitze einer Eskorte zurückkehrte. näherte fitfi ibm in der Da-lcala- Stratze plötzlich ein Mann in einem braunen Anzug unb mit einer schwarzen Mütze bebefff. bet aus näcksier Nähe zwei Schüsse aus
Seiten der Straße auf be« Bürgersteig h-mmf unb räumten so bas Terrain.
„Meine Herren, es ist nichts...!"
(Privat - Telegram m.-
Madrid, 14. April.
Bei ber Räumung der Straße durch die Generalität nach dem Attentat würben zahlreiche Personen zu Boben gerissen. Im ganze» wurden elf Leute, meistens Frauen, erheblich verletzt. Sobald der König sah, daß der Angreifer von den Gendarmen und Polizeibeamten unschädlich gemacht worden war, sprang er zur Erde. Vorher richtete er sich in seinem Steigbügel auf, grüßte die Menge militärisch und rief mit vibrierender Stimme: „Es lebe Spanien!" Die Menge nahm den Ruf mit begeistertem Beifall auf. Auf die Fragen, mit welchen die Umgebung auf den König einstürmte, antwortete er ohne die geringste Erregung im Gesicht lächelnd: „M eine Herren, es istnichts." Dann schwang er sich wieder elastisch in den Sattel und ritt zuni Palais, wieder unter donnernden Bei. fallskundgebungen der Menge. Als
Sonnabend im Reichstag.
Schluß der Wehr- und Deckunasdebatte.
Am Bundesratstisch: Dr. Kühn und Dr. Lisco; später erscheint auch der Reichskanzler. Die erste Lesung ber Deck'mgsvorlage wird fortgesetzt. Haus und Tribünen sind ziemlich leer.
Abgeordneter Gothein (Fortschrittliche Volkspartei) : Die Erhöhung des Krieasschatzes wird Schwierigkeiten Hervorrufen. Wir sind der Meinung, daß die Gefahr eines Kriege s n i ch t s o g r o ß ist. Ob die Kriegsgefahr überhaupt noch besteht, ist fraglich. Die Befiirchtung der Sozialdemokraten, daß durch einen erhöhten Kriegsschatz die Regierung einen AnarifkSkrieg waaen könnte, teilen wir wcht. Dazu ist der Krieasschatz kaum ausreichend. Wir werden die Suppe ausefsen müssen, die uns untere Diplomatie einaebrockt hat. Wir haben schon längst eine Rüstungsbegrenzung gefordert und der Reichstag hat eine entsprechende Resolution angenommen. Warum entspricht der Reichskanzler ibr nicht. Gewiß haben wir f*on viele ^inantrefornten • erlebt, und immer sagten die Schatzsekretäre, es sei die allerletzte. Aber immer wieder kam eine neue ‘S'ie wachsenden Heereslasten waren schuld daran. Der Webrbeitrag muß auf eine Reibe von Fahren verteilt werden, sonst sind volkswirtschaftliche Schäden unvermeidlich.
Die indirekte« Stenern nock weiter auszudehnen, ist unmöglich, wenigstens solange, als die Zoll-Lasten so enorme sind. Wir brauchen einen Finanzplan für jetzt und später, um die Wehrlasten zu decken, ttm eine Vermögenssteuer werden wir nicht h-r'«mkommen.
Bayrischer Bundesratsbevollmächttgter Dr. Wolf: Ter Vorredner hat es als schwierig bj« zeichnet, in den Staaten, die noch keine VermV- genssteuer haben, die Vermögen richtig zu ermitteln. Er hat besonders auf Bayern und Mecklenburg bingewiesen. Die Befiirchtung trifft nicht zu. Nicht nur Bayern und Mecklen-