Caffeler Abendzeitung
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Sonntag, 13. April 1913
Nummer 108
Fernsprecher 951 und 952.
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Der englische Besuch i« Berlin
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den, das Prinzen paar Friedrich Karl von Hessen, Prinzessin Viktoria Luise und ihr Bräutigam Herzog Ernst August, nebst Gefolge fuhren
Berlin eintreffen, um an der H o ch z e i t des Prinzen Ernst August von Cumberland mit der Prinzessin Viktoria Luise teilzunehmen. Am 26. Mai wird das englische Königspaar nach Neu-Strelitz reisen, um der Großherzogin Augusta einen Besuch abzustatten. Bo« dort aus geht die Fahrt dirett nach Blisfingen, von wo aus mit der Königs-Jacht „Albert und Viktoria" die Rückreise nach England angetreten werden soll.
Die Kohlen waren ausgegangen!
Stettin, 12. April. (P rivat. Telegram m.) Wie zu dem Unfall des V III bekannt wird, sollte in der Nacht zum Freitag von dem Lehrgeschwader ein Angriff aus die Festung Swinrmünde gemacht werden. Zu diese,n Zwecke fuhren die Schiffe in die offene See und versuchten nächtliche Landungsmanöver an der Küste, die durch Festungsartillerie
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feit geht mit großer Bestimmtheit das Gerücht, daß ein Besuch des ersten Lord der britischen Admiralität, Winston Churchill, in Berlin bevorstehe. Der Besuch soll nach dem Friedensschluß auf dem Balkan stattfinden und den Zweck haben, zu einem Martneein- vernehmen zwischen Deutschland und England zu gelangen. Man glaubt ferner, Grund zu der Annahme zu haben, daß Prinz Heinrich ein Abkommen schließen soll, das Deutschland gestattet, sich im Mittelmeer sestzusetzen.
Das Kaiserpaar, das Herzogspaar von Cumberland, das Prinzenpaar Max von Ba-
$as Geheimnis des Vatikans. Besserung im Befinden des Papstes; daS Tagewerk PinsX; neue Hoffnung im Vatikan.
Sin Privat - Telegramm berichtet unS ans Rom: Die vatikanischen Kreise teilen mit großer Genugtuung mit, daß der Papst gestern für kurze Zeitdas Bett verlassen hat. Der „Osservatore romano“ schreibt gestern abend: Wir können die gute Nachricht über den Gesundheitszustand des Papstes bestätigen und verfichern, daß das Befinden des Papstes andauernd völlig befriedigend ist.
Zu diesen Ausgaben gehören auch die Kosten der' königlichen, fürstlichen und prinzlichen Adjutanten, deren Zahl im Lauf der Jahre ins Beängstigende gestiegen ist. Ihr praktischer Wert beschränkt sich auf das tatsächliche Bedürfnis; was darüber hinausgeht, ist Pa- rade-Esfekt, und es läßt sich nicht leugnen, daß auf diesem Gebiet nachgerade des Guten über-
(Privat-Telegramm.)
Stettin, 12. April.
und Infanterie verteidigt wurde. AlS man gegen Morgen zurückfuhr, wurde das Boot V III v e r m i tz t. Einige Schiffe, die sich auf die Suche machten, sichteten es in der Nähe von Misdroh. wo es von den starken Wellen umhergetrieben wurde. Die Kohlen waren ihm ausgegangen, fodatz es manövrierunfähig wurde Die See geht noch immer hoch. Bon Swine- münde sind bis elf Uhr früh Kreuzer zur Ab- schleppung deS gestrandeten Torpedoboots V m noch nicht eingetroffen. Das Torpedoboot liegt hochimDünensande. Es fragt sich, ob die Abschleppungsversuche bei der hochgehenden See heute noch Erfolg haben werden.
m ä ß i g viel getan worden ist. Warum
London, 12. April. (Privat-Tele-
$er Friedenrvnm in London.
Die Londoner Mission des Prinzen Heinrich.
Nachdem nun der Telegraph gemeldet hat, daß Prinz Heinrich in London auch das englische Königspaar besucht und Kon- serenzen mit hervorragenden politischen Persönlichkeiten des Jnselreichs gehabt hat, ist wohl die Tatsache nicht länger zu verbergen, daß die Reise des Bruders des Kaisers (entgegen den ersten offiziösen Deutungen, die ihr nur eine »private Bedeutung" beimaßen) politische Zwecke verfolgt. Und da es gerade Prinz Heinrich ist, den man diesmal nach London gesandt hat, so ist weiterhin mit Leichtigkeit der Schluß zu ziehen, daß es im Besonderen Flottenfragen sind, die erneut den Gegenstand der Verhandlungen zwischen Deuffchland und England bilden. Wir erhalten darüber folgende authentische Informationen:
Unsere englischen Vettern und wir.
(Von unserm polittschen W. X.-Mitarbeiter.)
Berlin, 12. April.
Daß seit Wochen und Monaten Versöh- nuugs - Versuche zwischen Deutschland und England im Gange sind, ist nicht zu leugnen. Diese Verständigungsmaßnahmen reichen aus die Initiative des Herrn von Ki- derlen. Waechter zurück. Es konntefchon früher berichtet werden, daß Kiderlen im Anschluß an seine Kongoerwerbung weitere afrikanische »Eroberungen* für Deuffchland pro- jektierte und darüber unter Mitwirkung des verstorbenen Barons von Marschall auch eine Verständigung mit England nahezu erzielt hatte. Diese Verhandlungen sind aber j auf einem toten Punkt angelangt, da Portu-1 gal (befielt afrikanisches Gebiet mit in Frage kommt) seine endgültigen Entscheidungen noch aufgeschoben hat. Ms die englische Regierung bei diesen Verhandlungen von dem loyalen Standpunkt Deutschlands überzeugt worden war, benutzte sie diese Ueberzeugung, um daraufhin sorgfältig die Stimmung Deutschlands wegen eines llebereinkommens hinsichüich der maritimen Rüstungen zu sondieren. ES muß betont werden, daß die in dieser Richtung schwebenden Unterhandlungen in jedem Sinne und in jedem Stadium vonEna- land ausgingen. England ist es, das : ein Atemholen nach dem ungeheueren Rü- ! stungswettrennen wünscht, England ist es, das i in diesem Punkte an Deuffchland herantritt.
ES sind
zwei Verständigungs-Vorschläge, über die man verhandelt: Der eine ist das sogenannte Verhältnis von 16 zu 10, der andere das von Lord Churchill angeregte »Feierjahr*. Aus dem Traum dieses Feierjahrs dürste aber kaum etwas werden. Die Schaffung dieser Erkenntnis wird namentlich auch das Resultat der Reife des Prinzen Heinrich fein, denn Prinz Heinrich ist beauftragt, den englischen Flotten-Sachverständigen darzulegcn, daß bei einem solchen Feierjahre Deutschland erheblich benachteiligt würde, da eben England im allgemeinen viel schneller und viel mehr I bauen kann als wir. Das Feierjahr würde so- I mit die Engländer in einen viel größeren | Vorsprung und uns in einen größeren Rück- I stand bringen. Und was hätte schließlich ein Feierjahr für einen Zweck, wenn später doch das Wettrüsten wieder seinen Anfang nähme! I Es gibt eben nur eine vernünftige Lösung, und die wäre in der Richtung jenes anderen Vorschlages zu suchen, der für Deuffchland und England bestimmte Verhältniszahlen ffftsetzt. Ob die Mission des Prinzen Heinrich in dieser Richtung etwas erzielen wird, bleibt abzuwarten, jedenfalls ist die Tatsache, daß man überhaupt verhandelt, ein svmpa. thisches Symptom der Enffpannung zwischen zwei Völkern, die sich mehr nützen können, I wenn sie neben- anstatt gegeneinander stehen.
Churchill kommt nach Berlin!
Ein Privattelegramm meldet uns I (im Anschluß an vorstehende Mitteilungen) 'aus London: In hiesigen politischen Krei-
Wenn» Lenzlösterlweht...!
Deutsche April-Stimmungen.
Der Schnee des April hat im Taunusland das Lenzglück nicht trüben, Sturm und Hagelschauer frohe Zuversicht nicht mindern können. Wir hören (hören's mit einiger Verwunderung), daß der Draht vom Homburger
Schicksals Launenwandel zu erörtern. Daß die Unterhaltung ersprießlich gewesen, darf aus der Eile geschlossen werden, die den Kanzler nach dem Empfang des Welfenführers zum Schlosse drängte: War's Friedens- oder Kampfes künde, die er bracht«? Die Zeit, die segensreiche, heilt alle Wunden!
Von Homburg nach Berlin! Nachffrost- Stimmung! Die Budget-Kommission deS Reichstags, vom Hang zu weiser Sparsamkeit beseelt, hat am Freitag die vielumstrittne A d - jutanten-Frage erörtert und mit großer Mehrheit einen Anttag angenommen, der vom Reichskanzler »erlangt, bis zur dritten Lesung des Etats für 1913 alle Vorbereitungen zur Verminderung der Zahl der Adjutantenstellen zu treffen. Weiter wurde eine Resolution ] der Fortschrittlichen Volkspartei angenommen, wonach der Reichskanzler den deutschen Fürsten Mitteilung darüber zugehen lassen soll, daß im Hinblick auf die großen Kosten der Wehrvorlage die Verminderung der Adjutan- tenstelleu erwünscht fei. »Erwünscht": Wie Das klingt! Der Reichstag bewilligt nach dem Verfassungsgesetz diejenigen Mittel, die für die Reichsverwaltung, für Heer und Marine erforderlich sind; er kontrolliert die Verwaltung und trägt als vom Volk erwähltes Parlament allein die Verantwortung für alle Aus- gaoen und Lasten, die im Interesse des Reichs der Rattonalaemeiiffchaft ausgebürdet werden.
g r a m m.) Wie jetzt bekannt wird, werden der König und di« Königin von England am 22. Mai abends oder am 23. Mai stütz in
zwei Unfälle in der Marine
Sin deutsches Torpedoboot gestrandet!
Während der gestrigen Uebung des Lehrge- schwaders verlor das T o r p e d o b o o t V III in einem plötzlich einsetzenden Schneesturm aus bisher unbekannter Ursache die Steuerung und trieb hilflos auf hoher See. Ein Kreuzer und ein Torpedoboot versuchten vergeblich, an das Boot heranzukommen. Das steuerlofe Fahren dauerte von neun Uhr vormittags bis drei Uhr nachmittags. Dann wurde V III mit aller Gewalt bei Misdroy aus den Strand gefetzt. Da Gefahr für die Mannschaft bestand, wurde der Raketenapparat aus Neuendorf in Tätigkeit gesetzt und alle Mannschaften konnten mit Hilfe dieses Apparates gerettet werden. Das Torpedo-Versuchsschiff W ü r t t e rn b e r g ist gestern bei der Einfahrt in Swinernünde festgekornmen. Privatschlepper versuchten bisher vergeblich, das Kriegsschiff loszubekommen. Heute mittag sollen zwei Kreuzer vorgespannt werden und man hofft dann, die festgeratene Wütttemb^g loszubekommen. DaS Schiff ist nicht beschädigt.
Schloß zur Berliner Wilhelmstraße den kaiser-, - - - ,
sichen Glückwunsch zur Kanzlerrede im Reichs- streicht die Budget-Kommission (als die behaus trug und dem leitenden Staatsmann von rufne Rechnungsprüferin des Etats) dte über-1 höchster Stelle huldvolle Worte freundlicher An- flüssigen Stellen nicht, und überläßt es dem! «rkennung brachte. Dem Verdienste seine Krone Kriegsminister, etwaige Mehrforderungen hin- und der Arbeit ihren Lohn: Hatte aber etwa sichtlich des Bedürfnisses eingehend zu begrün- Herr von Bethmann im Palais Paul Wallots den? Nein: Die Kommission deutet zart an, irgend etwas gesagt oder getan, das besondre daß im Zeitalter der Milliarden-Opfer weise Ruhmkränzung heischte? Hat er dem Lande, Beschränkung auch auf der Höh', wo Fürsten der Ration und der völkischen Gemeinschaft neue steh'n, „erwünscht" sei Gemessen am Wucht- Offenbarung, neue Erkenntnis, oder neue Wahr-! gehalt der Heeres-Vorlage, geschätzt am Mil- beit gebracht? Hat er (wie vor hundert Jahren liardengewicht der ReichSrüftung, nimmt sich di« die Führer der Nation) mit starken, dröhnend zarte Gewissensregung der Budgetmanner wie übers Eidrund hallenden Worten dem Bürger ein verlegner Scherz aus, und man staunt deutschen Stammes ans Herz gerührt und (wie über das Aprilveilchen parlamentattscher Ener- einft) den furor teutonicus geweckt, der im ersten gie, das hier im Gestrüpp der Enttäuschung Regen junger Kraft Kleinlichkeit und Schwäch« sichtbar wird: Momentbilder aus einer Zeit, vom Pfad vaterländischen Schicksals hinweg- die mit achtzehnundettdreizehn nichts weiter als fegte? Nein: Der Kanzler hat gesprochen, wie ... drei Ziffern gemein hat! F. H. ein ernster Mann in ernster Zett zu sprechen pflegt; er hat weder begeistert, noch entflammt, weder neue Wege gewiesen, noch dem Auge neue Ziele in Sichtweite gerückt, und seine Argumente trugen deutlich den Stempel des Geffts von gestern. Daß er dennoch Erfolg und Beifall geworben, dankt er dem Fluidum, das durch die Seelen zittert, der Erkenntnis, daß wir Pflichten zu erfüllen haben, denen gegen« .............
über alle andren Rücksichten schweigen müssen, gestern nachmittag halb vier Uhr in Automo- und dem Rattonalgefühl der Volksgemeinschaft, hsien nach Cronberg im Taunus. DieFürst- das immer war und immer fein wird, solange sichteiten besuchten Schloß Friedrichshof. Prinz Deutsche als freie Bürger atmen. Friedrich Karl blieben im Schloß zurück, wäh-
W Dem Drahtgruß aus Homburg folgte Huld- rend die übrigen Herrschaften eine Auiomobtt-
volle Einladung zur Nachoster-Siesta im lenz- tour durch den Taunus ^tem Die Rückkehr! Wchrr. Taunusgrün: Herr von BethME Ä Eite^Fr^drich 3 im
toeg ist am Freitag :n Homburg ei"s‘tTD,T'en- Automobil von Frankfurt kommend, im Schlosses und man darf annehmen, daß die Fahrtjutn H. um titt Abendtafel teilzunehmen. Nach Süden nicht des politischen Zwecks entbehrt. Abendtafel kehrte der Prinz nach Katts- Kurz nach der Ankunft des Kanzlers machte ^he zurück. Die Abreise des Reichskanz« der Welfenführer von der W e n f e (der sich im h c r S nach Berlin erfolgte abends um halb elf Gefolge des Cumberländers befindet) dem lei- Uhr. Der Herzog von Cumberland reiste tenden Staatsmann feine Aufwartung und heute nachmittag um drei Uhr nach herzlichster hatte mtt ihm eine längere Unterredung, nach Verabschiedung vom Kaiserpaar nach Karls- deren Beendigung der Kanzler sich zum Vor- ruhe Wetter.
ttag beim Kaiser ins Schloß begab. Es hält “
nicht schwer, die Zusammenhänge zu konfiru-
H ieren: Freiherr von der Wense (zurzeit der Weißglut welfischer Leidenschaft der lauteste Rufer im Streit und der unentwegteste Schildträger Cumberlands) hat in den feltfamen Tagen des Staunens und der Ueberraschnng, die der Bekanntgabe der Verlobung der Kaisertochter mit dem Welfenprinzen folgten, laut und! vernehmlich erklärt, »der äußere Wechsel in den Verhältnissen bedeute nicht auch einen Wechsel in den Grundsätzen und Zielen der W e l - f en Partei; die Pattei werde vielmehr nach wie vor auf demjenigen Standpunkt beharren, der durch die Ereignisse von 1866 ihr als natürlich und naturnotwendig vorgeschrieben sei ... !* Ein jedes Vöglein singt, wie ihm sein Schnäb- lein wuchs, und auch ein Welse spricht, wie er's als nützlich findet. Unterdessen aber ist der Lenz ins Land gezogen, die Herzen werden weit und Herr von der Wense, entzückt vom Idyll im Sonnenschein des Taunuszaubers, hat's nicht als Frevel erachtet, mit dem Nachfahr Bismarcks in ttausicher Plauderstunde des
Der schwere Rückfall in der Krankheit des Papstes wird von den Aerzten hauptsächlich daraus zurückgefühtt, daß der greise Patient von seinem gewohnten Tagewerk nicht völlig ablassen wollte. Dieser Zug ist bezeichnend für ein Grundelement im Charakter des Papstes. Arbeit ist ihm immerdar Lebensbedürfnis gewesen, und In gesunden Tagen hat er sich unermüdlich seinem Amte gewidmet. Als der zweihundettachtundfünfzigste Nachfolger des heiligen Petrus in den Vatikan einzog, da be- hielt er das regelmäßige und einfache Leben bei» das er früher geführt hatte. Stets war er ein Frühaufftehcr. Um fünf Uhr, im Sommer so- gar noch zeitiger, beginnt Papst P:us seinen Tag Zum Ankleiden bedarf er keiner Hilfe; er nimmt fein Gebetbuch und macht sogleich einen Frühgang durch die feinem Schlafgemach benachbarten Galerien und Gätten des Palastes. Um sechs Uhr liest er die Messe, von einem feiner beiden Privatsekretäre und ^Gehttm- kapläne unterstützt. Diese Frühmesse bildet die Verzweiflung der vornehmen römischen D a - menwelt, denn um ihr beiwohnen zu können, was die frommen Aristokratinnen stets gewohnt waren, müssen sie schon um vier Uhr aufstehen. Rach der Mess« nimmt der Papst im Speisesaal, im dritten Stock des Vattkans, fein ! Frühstück ein, das an Fasttagen aus Kaffee mit Milch und sonst aus reiner Milch besteht. Bald wandelt er wieder mit dem Gebttbuch auf und ab, um noch allerlei zu durchdenken, bevor er pünktlich um acht Uhr
das päpstliche Arbeitszimmer im zweiten Stock betritt. Die Postsachen, die direkt von der königlichen Post in den Vatikan geliefert werden, wo sie der PostrnePer des Vatikans empfängt, liegen auf dem Tisch aus- gebreitet. Er hält darauf, sie alle felbst zu sehen, obwohl der Einlauf an Briefen bisweilen außerordentlich groß ist. Sein Sekretär öffnet die Briefmnfchläge und reicht die Briefe dem heiligen Vater. Er überschaut sie mit einem einzigen Blick, fällt eine Entscheidung, legt sie zu genauerer Prüfung fort oder überantwortet sie dem Papierkorb. Das geht sehr schnell. Um neun Uhr ist alles beendet. Der diensthabende Prälat meldet den Kardinal-Staatssekretär Merry del Dal, der die Depeschen und die neuesten Nachrichten, die Noten der Gesandten und die fälligen Entscheidungen in allen geistlichen Angelegenheiten vorlegt. Wenn sich bietet Kirchenfürst um halb elf Uhr verabschiedet, empfängt ber Papst onbere Kardinale und hob' kirchliche Würdenträger. Dann schlägt t Stunde der Audienzen, die den greisen Kirchei fitrften manchmal bis in den späten Nachmfttrn hinein im Empfangssaal festhalten. Am End« jedes Tages schreibt Pius der Zehnte in em eigenes Heft seine Beobachtungen nieder. Nachdem er «in leichtes Abendmahl zu sich genommen und seine letzten Gebtte gesprochen, begrot er sich um zehn Uhr zu Bett. Einer ferner Kapläne muß in feiner Nähe schlafen. »Wenn ich plötzlich krank würde," fügte er, „fo mochte ich nicht sterben, ohne die Tröstungen unserer Religion ...l*
Was ist nun wahr?
(Privat-Telegram m.) Nom, 12. Dprff.
Entgegen den aus offiziös-vatikanischer Quelle stammenden Nachrichten über eine Bef- ferung im Befinden des Papstes hält die übttge hiesige Presse an der Auffassung fest, daß der Zustand des Papstes viel ernster und beforgniSerregender fei, als in den vatikanischen Meldungen zugegeben werde. Man unterdrücke im Vatikan alle beunruhigenden Meldungen über den tatsächlichen Zustand des Kranken, um dte in kirchlichen Kreisen bestehende Besorgnis nicht noch mehr zu steigern, und auf diese Ursache feien offenbar auch die günstigen Berichte über die angebliche Besserung im Befinden des Papstes zurückzuführeu. In
(5 chckr NMe Mchrilhteil
Hessische Abendzeitung
Die Fürstentage in Homburg.
(Privat-Telegram m.) Homburg v. d. Höhe, 12. April-