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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 12. April 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 107

Fünfundzwanzig Verteidiger vor Gericht.

zwanzig Rechtsanwälte fungieren. Die AnNage vertritt Staatsanwalt Fuhrmann, dem Staatsanwalt Windthorst beigegeben wor­den ist.

jährigen Stück Eichenholz geschnitzt und mit Silber beschlagen, zum Geschenk. Amtlich wird bekanntgegeben, daß der Kaiser dem Herzog von Cumberland den Schwarzen Adler- o r d e n, der Herzogin den Luisenorden nn. der Jahreszahl 1913/14 verliehen hat Heute vormittag traf der Reichskanzler in Homburg em.

Wahl seiner Mittel

nicht grade skrupelhast verfuhr. Um der Dank Mittel zu verschaffen, ließ er durch die Tochter­gesellschaften Wechsel der Bank akzeptieren, ohne daß diesen ein Gegenwert in Rechnung gestellt wurde. Dald nach Aushören der Zah­lungen der Bank schritt die Staatsan­waltschaft ein, die rin gerichtliches Verfah­ren gegen Ohm und seine Mitschuldigen eröff­nete. Es stellte sich aber heraus, daß bei der Verschiedenheit der Straftaten auch in verschie­denen Verfahren verhandelt werden mußte. Die Hauptanklage in dem bevorstehenden Ver­fahren lautet jetzt gegen Ohm und fünfzehn Mitangeklagte auf Vergehen gegen das Handelsgesetzbuch. Einige Straffälle sind im Laufe der Voruntersuchung von der Staatsan­waltschaft fallen gelassen worden. Obwohl das erste Verfahren bereits drei Jahre zurück­liegt, konnte die weitere gerichtliche Erörterung der Angelegenheit nicht in die Wege geleitet werden, da Ohm schwer erkrankte. Er wurde in ein Sanatorium überführt und dort von Zett zu Zeit von Gerichtsärzten aus seinen Ge- sundheitszustand hin untersucht. Jnzwisckcn hat sich sein Gesundheitszustand so gebessert, daß ihm (der sich gegenwärtig im Gerickts- gefängnis in Werl befindet) die umfangreiche Anklageschrift zugestellt werden konnte, und zwar wegen ihres Umfanges nicht auf dem gewöhnlichen postalischen Wege, sondern durch einen AmtSgerichtsdiener.

_____ Ein tüchtiger junger Mann, ein Streber gewissermaßen, der mit einundzwanzig Jahren seinen Referendar baut, die frohe Zeit der Burschen-Herrlichkeit also offenbar zu wich- tigern und ernster» Dingen als zum Pauken und Kneipen genutzt hat. Kommt von der alma water heim mit dem Examenprädikat Gut und mit einer Schuldensumme, die dem bemoostesten Burschen Ehre machen durfte. Der Alte Herr, Kreisarzt in irgend einem erdenfernen Winkel des Westpreußen-Lands, erachtens als zwin­gend und standesgemäß, den hoffnungsvollen Sprossen einem feudalen Kavallerie-Regiment zuzuweisen, damit er dortfein Jahr" abdiene. Wer so früh, mit einundzwanzig Lenzen, vom Glück begünstigt, so sichtbar zu spätter Größe prädestiniert: Dem durfte der Weg zur Höhe nicht kleinbürgerlich verengt, die Karriere nicht " durch philiströse Rücksichtnahme auf Soll und Haben erschwert werden. Einreihung in ein Jnfanterie-Linien-Regiment, in dessen Kom- pagniesront der Reserve-Offizier zur Not auch zu erhaschen war, und dessen Jahres-Kosten sich bei kluger Sparsamkeit mtt drei Tausend- mark-Noten decken ließen? Richt diskutabel:

Irr Riesen-Prozeß 96m.

Fünf Monate Verhandlungsdauer!

Der Dortmunder Schwurgerichtssaal wird in der nächsten Zeit die Stätte eimsR re - senproz esses sein, tote rhnm solchem Um- fange die Geschichte der deutschen Strafrechts­pflege noch nicht verzeichnet hat Ist doch die Dauer des Prozesses, zu dem hundertfunfzrg Zeugen und zehn Sachverständige geladen sind, auf nicht weniger als fünf Monate berech­net. Die zuständige Strafkammer hat daher be­schlossen, im großen Schwurgerichtssaale zu verhandeln. Zur AnNage stehen dre ge'chaftlr- chen Transaktionen, die zum Zusammenbrrch der Niederdeutschen Bank und ihrer Filialen bezw. Tochtergesellschaften führten. Wrr erhal­ten darüber folgenden Bericht:

Ohm und seine Mitschuldigen.

(Bericht unseres P. 8.-Korrespondenten.) Dortmund, 11. April.

Als Hauptangeklagter in dem in den näch­sten Tagen hier beginnenden Riescnprozetz Ohm und Genossen erscheint der ehemalige Di- rettor der Niederdeutschen Bank, Ju­lius O h m, der bereits wegen Depotunterschla- gung in der gleichen Sache mit acht Monaten Gesängnis und 2100 Mark Geldstrafe belegt worden ist. Der Zusammenbruch der Nreder- deutschen Bank hat seinerzeit im Ruhrrevier und weit darüber hinaus ebenso großes Auffehen erregt, wie der Konkurs der Leipziger Bank. Obm hatte es verstanden, durch Gründung non zahlreichen Filialen dem Geschäftsverkehr der Bank einen bedeutenden Aufschwung zu geben, dem aber die baren Mittel der Bank nicht gewachsen waren. Zu statten kam ihm, daß er gute Beziehungen zum Klerus unterhielt and daher seiner Kundschaft gegenüber besonders vertrauenswürdig erschien. Gerüchte, daß es mit der Bank nicht besonders gut stehe, waren schon lange im Umlauf, durch prompte Abwick­lung der eingegangenen Verpflichtungen wußte Ohm aber jedes Mißtrauen zu zerstreuen. Um so größer war die Panik, als der Z u s a m- m e n b r u ch sich nicht mehr aufhalten ließ. Viele kleine Leute verloren ihre Ersparnisse, insgesamt sollen bei dem Konkurs der Bank und ihrer Tochtergesellschaften an fünfzig Mil­lionen Mark verloren gegangen sein. Ohm selbst war ein tüchtiger, aber etwas leicht- > fertiger Geschäftsmann, der bei der

Tie Lageier iieueften Nachrirdten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar adend3. Ter ilb-nnemenlSpretS betrag! monatlich so Pfg. bei tretet Zustellung ins Pau«. Bestellungen werden jederzeit von der SeschastSstelle oder den Boten entgegengenommen Druererei, -oermg und Redakrwn: Echlachthosstrahe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 Bis » a»r adendS. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von ° vt- s Uhr abends. Berliner Vertretung: SW Zriedrichstr 16, Telephon: Amt Moritzvlah nwts.

ser, zum Fälscher und Amtsverbrecher! Drei Jahre Zuchthaus sind eine harte Buße Sie treffen den Assessor Withold Lewlcki, den Günst­ling des Glücks, als gerechte Sühne begangner Schuld, und wenn er, der Gefallene, nach Zäh­ren heimkehrt aus des Kerkers Enge, hat er noch ein Menschenleben lang zu büßen fut eine Sünde, die der Leichtsinn verschuldet.- Aber schwerer als die Schuld des Verurteilten ist sicher der Frevel Jener, die den Assessor Le- wicki zu Dem machten, das er war: Zu einer auf nichtige Aeußerlichkeiten gegründeten, durch und durch haltlosen Schein-Existenz, zu einem öden Streber und Protettionsjager, des­sen Kraft, richttg genutzt, ausgereicht hätte, in bescheidnem Verhältnissen Tüchtiges zu leisten...! F- H'

M Stoma im gifentoetl

Hochofen-Explosion auf der Union.

Das rheinisch-westfälische Industriegebiet ist abermals von einer schweren Katastro- p h c betroffen worden, deren Tragweite sich im Augenblick noch nicht übersehen laßt, der aber edensalls eine Anzahl Mensch en leben -um Opfer gefallen sind. Es handelt sich nm eine schwere Hochofen-Explosion auf der Dortmunder Union, wo erst vor, wenigen Wochen sich ein ähnliches Unglück ereignet hat. Wir erhalten über die Katastrophe folgenden Drahtbericht:

Zwei Katastrophen in vier Wochen!

(Privat-Telegramm.) Dortmund, 11. April.

Auf dem EisenwerkDortmunder Union" (Deutsch-luxemburgische Bergwerk- und Hütten- A.-G.) hat sich in der vergangenen Nacht wie­derum ein furchtbares Unglück ereignet. Der Hochofen Nr. VI ist kurz nach zwei Uhr explodiert und gänzlich zerstört worden. Die Zahl der Toten und Verletzten ist noch nicht genau bekannt, doch verlautet, daß bereits sechs Tote geborgen wurden. Die Zahl der Opfer dürfte aber erheblich größer fein, da an dem Hochofen etwa dreißig Mann be- schästigt waren. Eine weitere Nachricht besagt: Um 12.07 Uhr in der vergangenen Nacht erfolg­te im Hochofen Nr. VI eine furchtbare Explo­sion, der kurz darauf zwei weitere folgten. Der Hochofen flog buchstäblich in die Lust. Die Hochofenmasse, Erze und flüssiges Eisen, wurde nach ollen Seiten geschleudert. Die Gewalt der Explosion war so groß, daß die Gießglocken des Hochofens, die Vorrichtungen für die Erz- maflen, vollständig verschwunden sind. Der Hochofen felbst ist dem Erdboden gleich- gemacht. An dem anderen in der Nähe be­findlichen Hochofen wurde ebenfalls gearbeitet, sodaß die Zahl der Toten und Set« wundetensehrgroß sein dürfte. Ein Ar­beiter wurde fünfzig Meter weit von der Ex-

Die Homburger Fürsten-Tage- Der Schwarze Adler für den Cumberläuder. (Privat-Telegram m.) Homburg v. d. Höhe, 11. April.

Rach dem glücklichen Beginn nur kein Abstieg , ins Triviale! Der Filius geht zur exklusiv- . feudalen Kavallerie, bringt nach Jahr und Tag richttg das Sommerkrieger-Patent mtt heim und erreicht^, innerhalb knapp Jahresfrist fein Erbteil (sünszigtausend Reichsmark)standes­gemäß" an den Mann zu bringen. Ein teurer Erfolg, denn das Vater-Erbe war das Einzige, das dem Kreisarzt-Sohn aus Westpreußen <jn ird'schem Gut beschert. Indessen: Erträg­lich, denn ... das Ziel ist erreicht!

Der Referendar wird Assessor, besteht die zweite Staatsprüfung mit der gleichen Aus­zeichnung, die ihm die erste eingetragen, und die Zukunft eröffnet nun tausend zauberhafte, märchenschöne Möglichkeiten. Daß die Lchul- densumme unterdessen zur Höhe von achtzig­tausend Silberlingen angewachsen, mindett nicht den Jugendmut: Gute Freunde und ge­treue Nachbarn helfen gebefreudig über den Berg, in sichtbarer Nähe winkt die Aussicht au eine Millionen-Heirat und die Laufbahn führt aufwärts bis zum höchsten Gipfel! Fünszim- mer-Wohnung im Kieler Villenviertel, Tiener- fchast und gefellschaftticher Verkehr in Welt und Halbwelt: Unentbehrlich für einen jun­gen Mann, der Karriere machen will; unent­behrlich auch für einen dreißigjährigen, un­besoldeten Assessor, der durch die Misere des VerschuLeten den Glanz derPositton" nicht trüben lassen darf. Die Versuchung naht: Die Gläubiger drängen; die achtzigtausend Mark Schulden haben sich längst zur Sechszisfer- Last gerundet und die Situation sängt an, ur gemütlich zu werden. Der Bedrängte greift nach dem Sttohhalm der Rettungsmöglichkeit, vergißt, daß dieser Strohhalm der Fallstrick des Verhängnisses ist und gleitet, schnell uit< ohne Halt, in die Tiefe: Wird zum gemeinen Erpres-

Assessor Lewicki: 8in Porträt.

Ein Nachwort zur Kieler Assessor-Affäre.

Der Assessor Withold Lewicki in Kiel ist aus der Amtsstube ins Zuchthaus gewan­dert, und wir finden, daß das Schicksal, das ihn ereilt, ein gerechtes ist. Wer im Amt sitzt, als Organ der Obrigkeit über Recht und Gesetz zu wachen hat, muß selbst tadelfrei sein, darf die Versuchung nicht scheuen und hat die Pflicht, den Ehrenschild des Mannes blank und rein zu erhalten. Der Assessor von Kiel hat wie ein Erpresser gearbeitet, mit den gewöhnlichsten Tricks plumper Bauernfänger, und er hat da­mit eigentlich mehr Erfolg erzielt, als des intellettuellen Werts der Methode würdig war. Ein Fabrikant und Konsul, der ohne Wimper­zucken hundertvierzigtausend Silberlinge opfert, lediglich, um sich vorpolizeilichen Scherereien" und ähnlichen unangenehmen Dingen zu schützen, und dem der Preis von hundertvierzig braunen Mammon-Noten als Opfergabe der Nächstenliebe nicht zu hoch erscheint: Ein sol­cher Fabrikant und Konsul muß erst noch ge­sucht werden, und Herr Withold Lewicki ist sicherlich ein ebenso tüchtiger Jurist wie scharf­blickender Psychologe gewesen, als er in dem Dänen-Konsul und Maschinen-Fabrikanten, der ihm im peinlichen Amtsverhör auf der Polizei- stube gegenübersaß, das passende Objett für einen schlecht erdachten Coup witterte. Daß er den Plan verwirklichte, drohte und erpreßte, fälschte und unterschlug, geschah unterm Zwang der Verhältnisse, aus denen heraus der Gedanke des Verbrechens keimte, und wenn man dieAffäre Lewicki" in ihrer strafrecht­lichen und gesellschaftlich-sozialen Bedeutung erfassen will, darf man nicht den Blick auf die Zuchthausmauern richten, hinter denen der Sünder jetzt fchwere Schuld büßt, fondern auf das Milieu, das des Assessors Lewicki Glück und Ende schuf.

Nach dem Mittwoch-Amm.

Die Deckungs-Debatte im Reichstag; der Zwischenfall Haensler - Wenninger beige- legt; die Parteien und das Milliarden- Opfer; kein Verzicht auf indirette Steuer»?

Im Reichstag wurde gestern vor Ein­tritt in die Tagesordnung der vorgestrige Zwi- schensall Haeusler - Wenninger ms Reine gebracht. Nachträglich hatte sich nämlich herausgestellt, daß der bayerische Müttar^- vollmächtigte doch erheblich mehr im Unrecht war, als man zuerst annahm. Vizepräsident Dove hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, daß es keinen General, sondern nur einen Ab. geordneten Haeusler gebe. Wenninger hatte darüber mit der Wendung quittiert: Er sreue sich, den militärischen Titel, also in Verbin­dung mit seinem Gegner, nicht mehr gebrau­chen zu müssen. Darin lag eine unüberlegt- persönliche Herabsetzung Haeuslers sowohl tote des Abgeordneten - Charakters im allgemeinen, die Wenninger aber gestern in vornehm rück­haltloser Weise zurücknahm. Die solgende Er- flärung des Abgeordneten Spahn bezog sich lediglich auf diese persönliche Seite der Ange­legenheit. Neber diesen leidigen Zwischenfall, der die Aufmerksamkeit des Hauses ablenkte, ging die Rede des Reichsschatzsekretärs K u h n, der sich seiner Aufgabe viel glücklicher als der Kriegsmtnister erledigte, fast verloren. T-atz verschiedene Steuern der Sozialdemokratie nicht ganz unwillkommen sind, gab der sozral- demokratische Abgeordnete Dr. Südekum zu, wenn er auch sonst scharfe Kritik übte.Keine Rüstung ohne Deckung", sagte Herr Speck, der Finanztechniker des Zentrums. Es soll ver­hindert werden, daß zuerst eine Nechtsmehr- heit die Wehr-, dann eine Lrnksmehrhett die zugehörende Beschwer bewilligt. Ruf welche Weise: Durch ein Mantelgesetz? Das nmtet Herr Speck nicht. Der nationalliberale Abge­ordnete Dr. Paasche protestierte gegen die Schwarzseherei. Welchen Eindruck solle es tm Auslande machen, wenn Vermögenslage und Opferfreudiakeit des Volkes so trübe geschildert würden. Die Nattonafliberalen versteifen sich nicht auf die Vermögenssteuer. Sie würden eine dirette Erbanfallsteuer der hypotetischen vorziehen, die in der Vermögenszuwachssteuer enthalten ist; zumal im Bundesrat dafür eine große Mehrheit wäre. Die Rede des konser­vativen Abgeordneten Grafen Westarp fiel be­sonders auf, nicht etwa wegen der entschiede­nen Ablehnung jeder Erbschaftssteuer, .sondern vor allem wegen der Liebäugelet mit indir«- ten Steuern. Wenn es nach ihm ginge, könn­ten wir schließlich eine Auferstehung von 1909 erleben. . .!

plofionsstelle entfernt mit einem Stabe in der Hand aus einer Schlackenhalde gräßlich ver­stümmelt tot aufgefunden. Wie noch erinner­nd), hat sich erst kurz vor Ostern am Hochofen Rr. II desselben Werkes ein ähnliches Un­glück ereignet, wobei mehrere Arbeiter getötet und eine große Anzahl verwundet wurden.

Gas-Entwicklung als Ursache?

Wie uns ein weiteres Privat-Tele- iramm aus Dortmund meldet, dürste die ürchtbare Explosion auf der Union darauf zu­rückzuführen sein, daß sich in dem Hochofen, dessen Konstruttion erst kürzlich verbessert wor­den war, große Gasmengen gebildet ba­den, die keinen Abzug fanden und infolgedessen den gesamten Hochofenbau sprengt en. Au eine ähnliche Ursache wird auch das Unglück, das sich kurz vor Ostern auf einem anderen Hochofen desfelben Werkes ereignete, zuruckge- sührt, doch ist die Untersuchung darüber heute noch nicht abgeschlossen.

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SrfWet en Sad)Tt*ten ein vorzügliches Insertion,organ. «eschLstSüelle: «-lllilch- Zr" tze 5 Berliner Bertretung: SW., vriedrich'troüe 16. Telephon: Amt M°r:Svl°S l->«4

Die Milliarden-Debatte.

Reichstags-Sitzung vom zehnten April, Am Bundesratstisch: Reichskanzler von Betbmann Hollweg, Dr. Delbrück Kuhn, Dr. Lisco. Vor Eintritt in die Tagesordnung er­klärt der

Bayerische Bundesratsbevollmächttgte Ge­neral Wenninger: In meinen gestrigen Beuierkungen wollte ich nur meinem Bedauern über die Schärfe der Ausführungen des Abge­ordneten Häusler Ausdruck geben. Es hat mit durchaus ferngelegen, mit meinen gestrigen Be­merkungen allgemein das Recht des Abgeord­neten auf Kritik irgendwie anzutasten. Ebenso hat es mir ferngelegen, der Ehre des Abgeord­neten HäuSlet in seiner Stellung außerhalb des Hauses zu nahe zu treten. Ich bedauere, wenn meinen Worten eine andere Deutung beigelegt wurde.

Abg. Dr. Spahn (Zit.): In dem Verhal­ten des Generals Wenninger liegt meines Et- achtens eine M i ß a ch t u n g des einzelnen Ab- geordneten.

Vizepräsident Dr. Dove: Ich habe den ge­rügten AusdruckWohlanständigkeit" gehört, aber angenommen, daß der Redner diesen Aus­druck nicht in beleidigender Absicht gebraucht hat Bei dem Lärm wat es mir nicht klar, daß damit gesagt fein sollte, es würde mit dem AusdruckGeneral" eine Bezeichnung gegeben die der Redner nicht brauchen würde, wenn et damit dem Abgeordneten Häusler et­was Ehrendes sagen würde, das bitte ich den Herrn Bundesratsvertreter nochmals ausdrück­lich zu ernsten.

Generalmajor Wenninger: Ich erkläre gern, daß meine Entschuldigung, die wohl im ganzen Hause als loyal empfunden wurde, auch diesen Fall mit einbezog. (Beifall.)

Das Haus fetzt die erste Lesung der De!- ' kunasvorlagen sott. _ , .

Abg Dr. Südekum (So;.): Cs kann kein : Zweifel bestehen, daß das

; Sammelsurium der Vorlagen t nich: in unsere Finanzen Paßt. Wir wollen so lau: wie möglich es hinausrufen, daß bte Gr-

In der Verhandlung .des neuen Ohm- Pro zeff es werden die geschäftlichen Ver­hältnisse einmal der Niederdeutschen^ Banst dann aber auch der neunnndzwanzig Filialen und der Gründungen der Bank (etwa zwanzig) erläutert werden müssen. Roch in letzter Stunde sind gegen Ohm eine Reihe Wetterer Anklagepuntte, in denen es sich um Untreu« und Bilanzve r s ch l - r e r u ng tanbt tc fallen gelassen worden. Voraussichtlich Wird immer nur an vier Wochentagen. verbandelt

Der Kaiser und die Kaiserin, das Herzogspaar von Cumberland, das Prin­zenpaar Max von Baden, Prinzessin Vittoria Luise und ihr Bräuttgam Herzog Ernst Augu sowie Prinz Adalbert von Preußen und Prin­zessin Olga von Cumberland fuhren gestern nachmittag auf die Saalburg und statteten dem Römerkastell einen längeren Besuch ab. Der Kaiser sühtte selbst und erstatte fernem Besuche in eingehender Weise die vorgeschicht­lichen Funde, für die sich besonders der alte Herzog lebhaft intereftierte. >zm K batte sich einc große Menschenmenge eingefunden, die die Fürstlichkeiten lebhaft begrüßte. Ter » XTZ* i-«"'-nd