Einzelbild herunterladen
 

CaMer Much Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, S. April 1913

Nummer 104

Fernsprecher 951 und 952.

Eine Mahnung zur Ruhe.

Die Saffele* Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar ab-ndS. Der AbonnementSpreiS beträgt monatlich SO Pfg. bei freier Zustellung in» Hau«. Bestellungen werden iederzeit von der GeschästSftelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofftrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abendr. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 biä 8 Uhr abends. Berliner «ertretung: SW, Friedrichftr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.

Slaven gegen Germanen.

Die Gefahr der Slaven Verbrüderung.

Aus Petersburg kommen Nachrichte« von lebhaften Kundgebungen der P a ns la v i* ften gegen die Regierungspolitik. Diese Kund- gedungen sind nicht erst jüngeren Datums; auf. fallen muß es nur, daß sie erst ;etz tim Aus- land (und insbesondere in D e u t s ch l a n d) verschärfte Beachtung finden. Die panslavisil- sche Gefahr in Rußland, deren Erwachen viel­leicht nur zufällig in dieselbe Zeit fällt, wo bei dem Alliierten Frankreich der Nationalismus einen neuen kräftigen Anstoß erhalten hat, steht an Bedenklichkeit dem französischen Chauvmls. mns nicht nach. Im Gegenteil: Während der Revanchegedanke in der Hauptsache nur bei einigen französischen Hitzköpfen zu finden rst, denen die Politik Geschästssache ist, bat der Panslavismus im russischen Volke tiefe Wur­zeln geschlagen, wie dies eben nnr rn einem Lande möglich ist, das ganz bet Pflege seiner Traditionen lebt und für das die westliche Kul­tur gleichbedeutend mit der Gefahr der Erschuf- tcrung seines seelischen und politischen Gleich­gewichts ist. Unter diesem Gesichtspunkt mutz auch die auswärtige Politik der russt- schen Regierung während der letzten Monate beurteilt werden. Die Regierung ist sich ihrer Verantwortung als Hüterin des Weltfriedens in hobem Maße bewußt, und ihr offizieller Vertreter auf der Londoner Botschafterkonfe- ren; empfängt die Weisungen, die dem hohen Verantwortlichkeitsgefühl seiner Regierung entsprechen. Andererseits begegnet btt Exeku­tive der Beschlüsse der russischen Diplomatie jenen Widerstänben, bereit Ursprung M un­schwer auf vanslavistiscbe Einflüfle zuruckftihren läßt Daher die Nichtteilnahme Rußlands an der Flottenkundgebung gegen Montenegro und die Zweideutigkeit der ruflischen Regterungs-

Das Echo aus Frankreich.

Paris, 8. April.

Die französischen Blätter kommentieren heute morgen die Rede des Reichskanz­lers und besprechen diese allgemein recht kühl. Der Radikal schreibt: Die Deutschen begründen ihre neue Heeresvorlage mit treffenden Gründen. Wir haben nichts Anderes zu tun, als auf derselben Basis zu folgen und gegen den Geist, der gegen die Wiedereinfüh­rung der dreijährigen Dienstzeit ist, anzukämp- fen. Die Humanite schreibt: Durch welch w t - dersinniges Getue die deutsche Heeres­vorlage begründet worden ist, bat sich schon aus der Kanzlerrebe ergeben. Wir bürten aber des­halb nicht annehmen, daß dadurch die Völker auseinander gehetzt werden. Der Matin äußert sich folgendermaßen: Wir haben auf die Kanz­lerrede gewartet und vorausgesehen, was eigentlich kommen mußte. Es wäre aber sehr schade gewesen, wenn wir die Rede überhaupt nickt gebärt hätten. RSpublique Fran^aise äußert sich in dem Sinne, daß Deutsch­land seine Effektivstärke vermehrt, nicht weil es den Krieg, sondern weil es den Frieden haben will. Dies glauben wir ihm recht, gern und wir stehen in diesem Falle aus demselben Standpunkte. Wenn Deutschland sagt, daß es aus einem Kriege als Sieger hervorgeben will, so könnten wir dasselbe tun. Schließlich sagt Echo de Paris: Deutschland gibt uns ein gu­tes Beispiel. Für die noch ungewiffe Zu­kunft ist es entschlossen, bett Frieden zu wabren, für das Wobl des Landes Wir müssen dieser Tatsache ruhig gegenüber stehen und haben kei­nen Grund, nunmebr von der unsererseits ge- vlanten Wiedereinsührung der dreijährigen Dienstzeit zurückzugehen.

Die Stimmen der Presse.

Berlin, 8. April.

Die hochkonservative Kreuzzeitung äußert sich über die Rede des Reichskanzlers wie folgt: Bedarf die Wehrvorlage der Regie­rung überhaupt einer Begründung ? Wir glauben es kaum von Dem, der von nationaler Gesinnung so durchdrungen ist, daß die vater­ländischen Sorgen ihm zu eigener Sorge wer­den und der. erfüllt von solcher Gesinnung, mit wachsamem Auge die letzten Monate durchlebt hat. Zum Schluß meint das Blatt: Möge diese Wahrheit unseren Volksvertretern in den nächsten Wochen voranleuchten und ihnen den Weg weisen, den sie zum Heile unseres Volkes zu beschreiten haben. Das liberale Berliner Tageblatt schreibt: Herr von Bethmann Hollweg hat wie ein Mann ge­sprochen, der nach allen Seiten hin versichert: Glaubt mir. ich meine es gut. Er meint es gut, er ist vor allem, was wir zu schätzen wissen und was hoffentlich Europa anerkennen wird, von ehrlichen Friedenswünschen beseelt. Wir werden vor ein Opfer genötigt sein, aber der Reichstag hat die Pflicht, dies Opfer mög­lichst zu verkleinern. Die demokratische Ber­liner Morgenpost sagt: Neue Gedan­ken brockte die Kanzlerrede nicht, und daß die Rede des Kanzlers überzeugend, zündend, fort« reißend gewirkt, wer ist, der solches behaupten könnte? ' So mag man der Kanzlerrede zu Liebe nachsagen, daß sie auf den Friedens- t o n gestimmt war. Der sozialdemokratische Vorwärts schreibt: Man merkt auch dieser Rede an, daß sie gegen die bessere Ueberzeugung des Redners selbst gehal­ten wurde, denn alles Wesentliche, was der Kanzler sagen mußte, spricht gegen seineSchluß- folgerungen.

tnfertionSpretfe: $>te fechSg-fpall-n- geile für einheimische Geschäfte l- Pfg..

'n'erats 25 <pf, Reklame,eile für einheimisch« Geschäfte 40 Pf» Tur auSmä-ttg« L-schäst-SS Bf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werde» mit 6 Mark pro Tausend de. rechnet Wegen ihrer dichten Berbreitung in der Restden, UN» der Umgebung ünd die aafeler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnserttonSorgan. SeschaftSstelle: Koln.sch- -tratze 5 Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße iS, Telephon: Amt Moritzpla» 12L84

beansprucht die Inseln, in dem von ihm besetz­ten Gebiete Galipoli, die mit Saloniki, das es ebenfalls beansprucht, Bulgarien in dle Rethe der M it t e l m e e r m ä ch t e stellen sollen. Ob es gelingen wird, die einander widerstrebenden Interessen in absehbarer Zeit auszugleichen ist eine Frage, deren Beantwortung zurzeit nickt möglich ist; sicher ist nur das Eine: ~te Gefahr kontinentaler Verwickelun­gen dauert an.

Sie Natten NenwMaliim.

Erklärungen im englischen Parlament.

Im englischen Unterlaufe erwiderte gestern Sir Edward Grey auf eine Anfrage betref­fend die Flotten-Demonstration mit folgenden Ausführungen: Zwei britische Kriegsschiffe haben sich nach der montenegrini­schen Küste begeben, um an der internationalen Flotten-Demonstration teilzunehmen. Oester- reichisch - ungarische, französische b e uts che unb italienische Kriegsschiffe befinden sich zu demselben Zweck dort. Der rangaltefte briti­sche Marineoffizier ist angewiesen worden sich mit den rangältesten Marineoffizieren des in­ternationalen Geschwaders in Verbindung zu setzen und mit ihnen alle Schritte zu beraten, welche möglich sind, um auf die montenegrini­sche Regieruna einen Druck auszuüben, daß sie die Entscheidung der Mächte annrmml. Eine L a n d u ng von Marineabteilungen und Feld­geschützen ' ober ein Bombardement wird nicht vorgenommen werben, ohne daß weitere Instruktionen erteilt sinb. (Beifall.) Die Haltung ber russisch en Regierung, bte keinen Mangel an Schiffen hat, ist in dem am zweiten April veröffentlichten Kommunique er­klärt worden. Das Haus wird mir vielleicht gestatten, einige Erklärungen über das Ziel der Flotten-Demonstration zu geben und dar­über, wie und warum die britische Regierung daran teilgenommen hat. Wir nehmen daran teil, weil wir mit den anderen Großmächten an einem Uebereinkommen beteiligt sind, das durch die Flotten-Demonstration aufrecht er­halten werden fall.

Dieses Uebereinkommen besteht oarui, daß Albanienautonom werden soll. Wir sind willens, daran teilzunehmen, weil die Albane­sen in Rasse, Sprache und in großem Umfange auch in der Religion ein Volk für nch bilden. Der Krieg, ber gegen sie geführt wird, hat lan­ge aufaehört, von irgend einer Tragweite für bett Krieg zwischen ber Türkei unb bett Ver­bündeten oder ein Befreiungskrieg zu fetn. Die Operationen ber Montenegriner gegen Skutan sinb ein Teil eines Eroberungskrieges, unb es liegt kein Grunb vor, warum bie Sym­pathie, bie für Montenegro oder für anbete Länder, die für ihre Freiheit ober für ihre na­tionale Existenz kämpften, nicht auch auf bie albanesifche Bevöll ertrug von Skutart unb fei­ner Umgegend, die hauptsächlich aus Katholiken unb Mobammebanern besteht, und die für ihr Land, ihre Religion, ihre Sprache unb tf>r Leben kämpft, ausgedehnt werden soll.. Aus diesen Gründen hat die britische Regierung nickt gezögert, an dem Uebereinkommen ber Mächte betreffend Albanien teilzunehmen. Das Uebereinkommen ber Mächte ist nach langen, mühevollen, diplomatischen Anstrengungen zu­stande gekommen. Das Erzielen des Ueberein- kommens war wesentlich für den , Frieden Europas, und nach meiner Meinung ist es ,ur rechten Zeit getroffen worden, um btefen Frieden zwischen den Großmächten zu erhal­ten Daß das Uebereinkommen durch eine internationale Aktion aufrecht erhalten weroen soll, bleibt für die Fortdauer dieses Friedens wesentlich.

für seine Ehre einsetzt!

Stürmischer Beifall unterbrach hier den Kanzler. Politische Freundschaften sind poli­tische Geschäfte (meinte der Kanzler), als er die Rede auf England brachte. Er hat bie prakti­sche Politik Albions zur Genüge erkannt. Chur­chill- Vorschlag für dasFeierjahr" finbet beim Kanzler nur für ben Fall Zustimmung, baß es nicht nur für zwei Mächte, sonbern für alle Mächte gilt. Englanb möge in biefer Richtung mit greifbaren Vorschlägen kommen! Wie Eng­lanb so will auch Deutschlanb nur frei fetn unb frei feine Entschließungen treffen. Die Form, in ber ber Gebanke an bas Feierjahr von englischer Seite angeregt wurde bedeute einen erfreulichen Fortschritt. Richt nur im Reichstag fand der Kanzler allgemeine Zustim­mung, wenn er aus führte:Wenn uns jemand Haus und Hof bedroht, so stehen wir zusammen bis auf ben letzten Mann"; nein, auch int gan­zen Reich tönt bas Echo dieser Worte wieder. Der Kriegsminister zog die militärischen Folge­rungen aus ber Kanzlerrebe, und der Reichstag wird nunmehr die ftnanziellen Lasten in gerech-

allgemeinen Angriff emgefetzt. Schon früh morgens wütete ein mächtiges Artillerie- duell. Die Türken antworteten jedoch in den späteren Stunden vom Tarabosch sehr schwach. Man nimmt an, daß sie bei den letzten Gefechten sehr große Verluste erlitten haben. Man vermutet, daß vielleicht von unzufriedenen ^r. nauten eine Meuterei inszeniert wurde. In amtlichen Kreisen in Ketin) e halt man btefen Sturm für den letzten, der gegen Skutart unternommen werden muß.

Nach dem großen Tag.

Die Kanzler-Rede znr Wehr-Vorlage.

(Von unferm parlamentarischen Mitarbeiter.) Berlin, 8. April-

Wenn der Reichskanzler über auswär­tige Politik spricht, so pflegt ber Reichstag un­ter bem Eindruck eines großen Tags zu stehen, der sich schon äußerlich durch ben lebhaften Zu­strom der Abgeordneten unb dem reichen Besuch der Tribünen geltend macht. Man sagt gewiß nicht zuviel, wenn man den siebenten April des Jahres 1913 als einen ber größten in der Geschichte ber deutschen Volksvertretung be­zeichnet. Der Reichskanzler hatte neue Gesetzes­vorlagen zu vertreten, in denen Forderungen auf militärischem Gebiet gestellt werden, wie sie bisher niemals, so lange es ein Deutsches Reich gibt, dem Volk unterbreitet worden sind. Aus dem Munde des leitenden Staatsmannes wollte man hören, wie es mit ben Aussichten um Krieg unb Frteben bestellt ist, beim dunkler als je steigen die Wolken aus dem Südosten unseres Erbteils auf. In ben Schwarzen Bergen an der Adria arbeitet ein König über kaum eine Viertelmillion Menschen daran, Europa in Brand zu stecken und er spottet ber Flottenkundgebung ber Großmächte, die ihn angeblich zum Frieden zwingen wollen. Die Lage ist verworren, denn hinter den Ku­lissen wirkt bie Diplomatie anders als auf der offnen Weltbühne.

Die Aufgabe, die bem Reichskanzler gestellt war, bot wahrlich genug bet eckigen unb run­den Klammern, doch bie von der Bedeutung des Augenblicks erfüllte, vaterländisch gesinnte gro­ße Mehrheit der Volksvertretung erleichterte dem verantwortlichen Staatsmann die Lösung. In unfern Nachbarländern wird man jetzt wis­sen, daß der Reichstag mit ber Regierung des Deutschen Reichs barüber einig ist, daß bas Opferjahr 1913 bie Grunblagen für bte Durch­führung ber allgemeinen Wehrpflicht bringen muß. Wenn auch hin unb wieder aus den Reihen der äußersten Linken ein spöttisches La­chen vernehmbar wurde, so wurde bie Gesamt­wirkung bes großen Tags badurch nicht im ntinbeften beeinträchtigt, benn auch dieses La­chen kam nicht aus ber Ueberzeugung, daß ohne zwingenbe Gründe eine Heeresvermeh- rung vorgenommen Werden sollte. Der Reichs­kanzler hat das Wort: Und unter ber äußersten Spannung des Hauses geht er ohne viel Um­schweife auf ben Kern ber Dinge ein. Bricht ein Weltkrieg aus, so müssen wir um unser Dasein kämpfen, wir müssen s o stark fein, Wie wir stark sein können: Darin gipfeln die Mah­nungen bes Herrn von Bethman Hollweg.

Der Optimismus, ber seit bem Ausbruch des Balkankriegs in unserer Regierung vorzu­herrschen schien, hat sich offenbar erheblich g e - wandelt. Eine Erllärung dafür, die viel­leicht alle Welt erwartete, gab ber Kanzler frei­lich nicht, denn er bezeichnete unser Verhältnis zu Rußlanb unb zu Frankreich als ein gutes, und England dankte er mit warmen Worten für seine Tätigkeit zum Zweck der Erhaltung des Friedens. Aber ber kleine Zaunkönig macht auch dem Kanzler Pein, benn er sprach bie bebenklichen Worte, es werde sich zeigen, ob die Einigkeit der Großmächte beider Nieder- zwingung Montenegros stand halte. Aber mehr noch auf die Zukunft als auf die Gegenwart Warf der Kanzler feine Blicke. Ruß­land unb Frankreich haben ihre Rüstung außer- orbentlich verstärkt. Stein Mensch kann eine Ga­rantie dafür übernehmen, daß kein Krieg kommt, benn das hieße, bas Schicksal heraus- ferbern. Die Aussichten des Zukunstkrieges sind nickt zu übersehen, aber Sieger Wirb immer nur bas Volk bleiben, bas ben letzten Mann

gilt Wiener Urteil über die Rede.

Wien, 8. April. Die gesamte hiesige Presse bespricht an leitender Stelle die gestrige Rebe bes deutschen Reichskanzlers. Sie be­zeichnet die Rede als s e n s a t i o n e l l und er­klärt, sie sei eine ernste Mahnung an jene Parteien und Personen, deren Bestrebun­gen darauf abzielten, Europa in die G^ahr ernster Verwicklungen zu bringen. Tte 9tebe Werbe von ber größten aktuellen Wir­kung in Europa fein.

Die internationale Gefahr.

Nachrichten ans amtlicher römischer Quelle.

Rom, 8. April. Die internationale Sage stellt sich nach Mitteilungen an hiesiger amtlicher Stelle zurzeit folgendermaßendar: Die Demonstration ber Machte gegenüber Montenegro ist in eine effektive Bl er­labe verschärft Worben. Oesterreich bofft auf ein Mandat zu weiteren Schritten, wo zu ,edock die Zustimmung aller Mächte erforderlich 4t. lieber die albanische Südgrenze verhandelt man, wobei Italien bereit ist, die Grenze etwas nördlicher als der Fluß Kalamas hinauszu- f(Sieben. Schwierig geworben ist bte et- frage. Der Gegensatz zwischen Griechen­land, das von Rußland und Frankreich unter­stützt wirb, unb ber Türkei b eft e b t t n aller Schärfe. England nimmt auch hier einen vermittelnden Standpunkt ein Zuletzt ist auch Bulgarien mit Forderungen aufgetreten. Es

erklärungen. .

In der letzten Zeit haben raut zwei Tatsa­chen wesentlich dazu beigetragen, ben allrussi­schen Tenbenzen neue Nahrung zu geben: Der Fall Abrianopels unb ber Petersburger Besuch des bulaarischen Sobranieprasidenten Sattelt) und des bulgarischen Generals Radio D i m 11 r t e W , des Siegers von Kirk-Kilisse. Besonders Dimitriew ist in geradezu emphati­scher Weise gefeiert Worben, unb die Stattet widmeten ihm wahre Dithyramben. Bei fei­nem Abschied wurde er von einer ungeheuren Menge im Triumph nach dem Bahnhof ge­bracht Wobei es nicht ohne antiösterreichifche Demonstrationen (zum Teil sogar vor der öster­reichischen Botschaft) abging. Was ben Fall Adrianopels betrifft, so Würbe er von ber ge­samten russischen Vresse als eine ber Grofe­tal e n ber Geschickte bes Slaventums gefeiert. Als ber Dumapräsident Redjianke mitten in der Sitzung die Nachricht von ber Erstürmung Adrianopels erhielt, sanitze er sofort der bul­garischen Sobranje unb ber serbischen Skup- schtina ein Telegramm, dessen Wortlaut solgen- ber war:Die Mitglieder ber Duma, die von ber Ruhmestat ber bulgarischen (serbischen) Waffen hocherfreut sinb, beauftragen mich, ganz Bulgarien (Serbien) den Ansbruck ihres enthu­siastischen Glückwunsches unb ihre brüderlichen Küsse zu übermitteln. Möge das Vordringen der Balkanvölker von unsterblichem Ruhme ge­krönt sein! Der Fall Adrianopels fet em Flammenzeichen, das den Fortschritt des ganzen geeinigten Slaventums beleuchte. Es lebe die mächtige A l l i a n c e der Llaven. In den liberalen Streifen Petersburgs druckt man fick allerdings etwas vorsichtiger aus, aber auch sie werben von dem allgemeinen Begeiste­rungssturm mit fortgeriflen. In der Duma hat sich die Linke allen Kundgebungen der Nationa­listen unb des Zentrums angeschlossen, und Miljukow und andere Weniger bekannte Füh­rer haben sich an ben Festlichkeiten beteiligt, bie zu Ehren Danews unb des Generals Dimi­triew veranstaltet wurden.

Auch die Haltung des Kadettenblattes Rjetseh ist in dieser Beziehung charakteristisch. In einer seiner letzten Nummern berichtet bas Blatt, daß die bulgarischen Persönlichkeiten, bie in Petersburg Aufenthalt genommen haben, offen ihren Willen befunbeten, den Krieg bis zum Aeußersten zu treiben unb ihre Eroberun­gen bis zu ben Grenzen bes Möglichen anszu- debnen. Der gegenwärtige Zeitpunkt Würbe dangch also nickt ben Beginn bes Krieges, sondern vielmehr den Ausgangspunkt einer neuen Periode von VerWik- kelungen auf dem Balkan, unb vielleicht auck anderswo bedeuten. Ja, matt spricht in diesen Streifen sogar offen von dem Marsch auf Konstantinopel. Und fei erst Kon­stantinopel genommen, bann sei es mit der tür­kischen Herrschaft in Europa zu End- und die gefürchtete Meerengenfrage würde mit einem Schlage akut. Die Bietsch schließt ihren Stif­

ter Weise verteilen müssen. Tie große Woche hat begonnen: Möge sie ein großes Werk zum Heil des Vaterlandes fördern!

London. 8. Avril. Die Westminster Gazette schreibt: Wenn heute ober morgen ber Fall Skutaris gemelbct wird, werden die Mächte hoffentlich die Ruhe bewahren unb allen Par­teien Zeit lassen das Ergebnis ruhig zu über­denken. ^Das Mächtekonzert ist nicht ohn­mächtig, selbst Wenn König Nikolaus ani< tari zeitweilig behält. Kein Mitglied des Kon­zerts ist gezwungen, ihn durck eine militärische Expedition zu vertreiben. Es Wird vielmehr genügen, ben Druck auf bie Häsen fort zusetzen unb bie Gebiete, bie sonst an Serbien und Mon­tenegro gefallen wären, zu behalten, big Wir schließlich die Absichten des ganzen Dalkan- bundes kennen.

Ausdehnung der Blockade?

Wien, 8. April. Wie bie Neue Freie Presse von befonberer Seite erfährt, finden unter ben Mächten $ e r 6 a n b I u n g e n statt betreff» DnsdehnungderBlockade auch auf bte norbalbanischen Häfen Mibia unb Durazzo. Insbesondere ist es Oesterreich-Ungarn, bas sich in biefer Richtung bemüht unb btemttiatioe zu einer solchen Maßnahme ergriffen hat. Tte Mächte des Drei bunb e s haben sich des­halb für bie Annahme bes österreichischen Vor­schlages ausgefvrochen. Die Zustimmung der Staaten der $ r i h I e e n t c n t e hegt noch nickt vor Man hofft aber, daß sie heute er« solgen wird.

Schwere Kämpfe um Skutart.

Cetinje, 8- April. Nach zweitägigem Bom- barbtir.ent von Skutari wurde gestern zum