CaMer Much Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Casseler Abendzeitung
3. Jahrgang.
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, S. April 1913
Nummer 104
Fernsprecher 951 und 952.
Eine Mahnung zur Ruhe.
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Slaven gegen Germanen.
Die Gefahr der Slaven Verbrüderung.
Aus Petersburg kommen Nachrichte« von lebhaften Kundgebungen der P a ns la v i* ften gegen die Regierungspolitik. Diese Kund- gedungen sind nicht erst jüngeren Datums; auf. fallen muß es nur, daß sie erst ;etz tim Aus- land (und insbesondere in D e u t s ch l a n d) verschärfte Beachtung finden. Die panslavisil- sche Gefahr in Rußland, deren Erwachen vielleicht nur zufällig in dieselbe Zeit fällt, wo bei dem Alliierten Frankreich der Nationalismus einen neuen kräftigen Anstoß erhalten hat, steht an Bedenklichkeit dem französischen Chauvmls. mns nicht nach. Im Gegenteil: Während der Revanchegedanke in der Hauptsache nur bei einigen französischen Hitzköpfen zu finden rst, denen die Politik Geschästssache ist, bat der Panslavismus im russischen Volke tiefe Wurzeln geschlagen, wie dies eben nnr rn einem Lande möglich ist, das ganz bet Pflege seiner Traditionen lebt und für das die westliche Kultur gleichbedeutend mit der Gefahr der Erschuf- tcrung seines seelischen und politischen Gleichgewichts ist. Unter diesem Gesichtspunkt mutz auch die auswärtige Politik der russt- schen Regierung während der letzten Monate beurteilt werden. Die Regierung ist sich ihrer Verantwortung als Hüterin des Weltfriedens in hobem Maße bewußt, und ihr offizieller Vertreter auf der Londoner Botschafterkonfe- ren; empfängt die Weisungen, die dem hohen Verantwortlichkeitsgefühl seiner Regierung entsprechen. Andererseits begegnet btt Exekutive der Beschlüsse der russischen Diplomatie jenen Widerstänben, bereit Ursprung M unschwer auf vanslavistiscbe Einflüfle zuruckftihren läßt Daher die Nichtteilnahme Rußlands an der Flottenkundgebung gegen Montenegro und die Zweideutigkeit der ruflischen Regterungs-
Das Echo aus Frankreich.
Paris, 8. April.
Die französischen Blätter kommentieren heute morgen die Rede des Reichskanzlers und besprechen diese allgemein recht kühl. Der Radikal schreibt: Die Deutschen begründen ihre neue Heeresvorlage mit treffenden Gründen. Wir haben nichts Anderes zu tun, als auf derselben Basis zu folgen und gegen den Geist, der gegen die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit ist, anzukämp- fen. Die Humanite schreibt: Durch welch w t - dersinniges Getue die deutsche Heeresvorlage begründet worden ist, bat sich schon aus der Kanzlerrebe ergeben. Wir bürten aber deshalb nicht annehmen, daß dadurch die Völker auseinander gehetzt werden. Der Matin äußert sich folgendermaßen: Wir haben auf die Kanzlerrede gewartet und vorausgesehen, was eigentlich kommen mußte. Es wäre aber sehr schade gewesen, wenn wir die Rede überhaupt nickt gebärt hätten. RSpublique Fran^aise äußert sich in dem Sinne, daß Deutschland seine Effektivstärke vermehrt, nicht weil es den Krieg, sondern weil es den Frieden haben will. Dies glauben wir ihm recht, gern und wir stehen in diesem Falle aus demselben Standpunkte. Wenn Deutschland sagt, daß es aus einem Kriege als Sieger hervorgeben will, so könnten wir dasselbe tun. Schließlich sagt Echo de Paris: Deutschland gibt uns ein gutes Beispiel. Für die noch ungewiffe Zukunft ist es entschlossen, bett Frieden zu wabren, für das Wobl des Landes Wir müssen dieser Tatsache ruhig gegenüber stehen und haben keinen Grund, nunmebr von der unsererseits ge- vlanten Wiedereinsührung der dreijährigen Dienstzeit zurückzugehen.
Die Stimmen der Presse.
Berlin, 8. April.
Die hochkonservative Kreuzzeitung äußert sich über die Rede des Reichskanzlers wie folgt: Bedarf die Wehrvorlage der Regierung überhaupt einer Begründung ? Wir glauben es kaum von Dem, der von nationaler Gesinnung so durchdrungen ist, daß die vaterländischen Sorgen ihm zu eigener Sorge werden und der. erfüllt von solcher Gesinnung, mit wachsamem Auge die letzten Monate durchlebt hat. Zum Schluß meint das Blatt: Möge diese Wahrheit unseren Volksvertretern in den nächsten Wochen voranleuchten und ihnen den Weg weisen, den sie zum Heile unseres Volkes zu beschreiten haben. Das liberale Berliner Tageblatt schreibt: Herr von Bethmann Hollweg hat wie ein Mann gesprochen, der nach allen Seiten hin versichert: Glaubt mir. ich meine es gut. Er meint es gut, er ist vor allem, was wir zu schätzen wissen und was hoffentlich Europa anerkennen wird, von ehrlichen Friedenswünschen beseelt. Wir werden vor ein Opfer genötigt sein, aber der Reichstag hat die Pflicht, dies Opfer möglichst zu verkleinern. Die demokratische Berliner Morgenpost sagt: Neue Gedanken brockte die Kanzlerrede nicht, und daß die Rede des Kanzlers überzeugend, zündend, fort« reißend gewirkt, wer ist, der solches behaupten könnte? ' So mag man der Kanzlerrede zu Liebe nachsagen, daß sie auf den Friedens- t o n gestimmt war. Der sozialdemokratische Vorwärts schreibt: Man merkt auch dieser Rede an, daß sie gegen die bessere Ueberzeugung des Redners selbst gehalten wurde, denn alles Wesentliche, was der Kanzler sagen mußte, spricht gegen seineSchluß- folgerungen.
‘tnfertionSpretfe: $>te fechSg-fpall-n- geile für einheimische Geschäfte l- Pfg..
'n'erats 25 <pf, Reklame,eile für einheimisch« Geschäfte 40 Pf» Tur auSmä-ttg« L-schäst-SS Bf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werde» mit 6 Mark pro Tausend de. rechnet Wegen ihrer dichten Berbreitung in der Restden, UN» der Umgebung ünd die aa’feler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnserttonSorgan. SeschaftSstelle: Koln.sch- -tratze 5 Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße iS, Telephon: Amt Moritzpla» 12L84
beansprucht die Inseln, in dem von ihm besetzten Gebiete Galipoli, die mit Saloniki, das es ebenfalls beansprucht, Bulgarien in dle Rethe der M it t e l m e e r m ä ch t e stellen sollen. Ob es gelingen wird, die einander widerstrebenden Interessen in absehbarer Zeit auszugleichen ist eine Frage, deren Beantwortung zurzeit nickt möglich ist; sicher ist nur das Eine: ~te Gefahr kontinentaler Verwickelungen dauert an.
Sie Natten NenwMaliim.
Erklärungen im englischen Parlament.
Im englischen Unterlaufe erwiderte gestern Sir Edward Grey auf eine Anfrage betreffend die Flotten-Demonstration mit folgenden Ausführungen: Zwei britische Kriegsschiffe haben sich nach der montenegrinischen Küste begeben, um an der internationalen Flotten-Demonstration teilzunehmen. Oester- reichisch - ungarische, französische b e uts che unb italienische Kriegsschiffe befinden sich zu demselben Zweck dort. Der rangaltefte britische Marineoffizier ist angewiesen worden sich mit den rangältesten Marineoffizieren des internationalen Geschwaders in Verbindung zu setzen und mit ihnen alle Schritte zu beraten, welche möglich sind, um auf die montenegrinische Regieruna einen Druck auszuüben, daß sie die Entscheidung der Mächte annrmml. Eine L a n d u ng von Marineabteilungen und Feldgeschützen ' ober ein Bombardement wird nicht vorgenommen werben, ohne daß weitere Instruktionen erteilt sinb. (Beifall.) Die Haltung ber russisch en Regierung, bte keinen Mangel an Schiffen hat, ist in dem am zweiten April veröffentlichten Kommunique erklärt worden. Das Haus wird mir vielleicht gestatten, einige Erklärungen über das Ziel der Flotten-Demonstration zu geben und darüber, wie und warum die britische Regierung daran teilgenommen hat. Wir nehmen daran teil, weil wir mit den anderen Großmächten an einem Uebereinkommen beteiligt sind, das durch die Flotten-Demonstration aufrecht erhalten werden fall.
Dieses Uebereinkommen besteht oarui, daß Albanienautonom werden soll. Wir sind willens, daran teilzunehmen, weil die Albanesen in Rasse, Sprache und in großem Umfange auch in der Religion ein Volk für nch bilden. Der Krieg, ber gegen sie geführt wird, hat lange aufaehört, von irgend einer Tragweite für bett Krieg zwischen ber Türkei unb bett Verbündeten oder ein Befreiungskrieg zu fetn. Die Operationen ber Montenegriner gegen Skutan sinb ein Teil eines Eroberungskrieges, unb es liegt kein Grunb vor, warum bie Sympathie, bie für Montenegro oder für anbete Länder, die für ihre Freiheit ober für ihre nationale Existenz kämpften, nicht auch auf bie albanesifche Bevöll ertrug von Skutart unb feiner Umgegend, die hauptsächlich aus Katholiken unb Mobammebanern besteht, und die für ihr Land, ihre Religion, ihre Sprache unb tf>r Leben kämpft, ausgedehnt werden soll.. Aus diesen Gründen hat die britische Regierung nickt gezögert, an dem Uebereinkommen ber Mächte betreffend Albanien teilzunehmen. Das Uebereinkommen ber Mächte ist nach langen, mühevollen, diplomatischen Anstrengungen zustande gekommen. Das Erzielen des Ueberein- kommens war wesentlich für den , Frieden Europas, und nach meiner Meinung ist es ,ur rechten Zeit getroffen worden, um btefen Frieden zwischen den Großmächten zu erhalten Daß das Uebereinkommen durch eine internationale Aktion aufrecht erhalten weroen soll, bleibt für die Fortdauer dieses Friedens wesentlich.
für seine Ehre einsetzt!
Stürmischer Beifall unterbrach hier den Kanzler. Politische Freundschaften sind politische Geschäfte (meinte der Kanzler), als er die Rede auf England brachte. Er hat bie praktische Politik Albions zur Genüge erkannt. Churchill- Vorschlag für das „Feierjahr" finbet beim Kanzler nur für ben Fall Zustimmung, baß es nicht nur für zwei Mächte, sonbern für alle Mächte gilt. Englanb möge in biefer Richtung mit greifbaren Vorschlägen kommen! Wie Englanb so will auch Deutschlanb nur frei fetn unb frei feine Entschließungen treffen. Die Form, in ber ber Gebanke an bas Feierjahr von englischer Seite angeregt wurde bedeute einen erfreulichen Fortschritt. Richt nur im Reichstag fand der Kanzler allgemeine Zustimmung, wenn er aus führte: „Wenn uns jemand Haus und Hof bedroht, so stehen wir zusammen bis auf ben letzten Mann"; nein, auch int ganzen Reich tönt bas Echo dieser Worte wieder. Der Kriegsminister zog die militärischen Folgerungen aus ber Kanzlerrebe, und der Reichstag wird nunmehr die ftnanziellen Lasten in gerech-
allgemeinen Angriff emgefetzt. Schon früh morgens wütete ein mächtiges Artillerie- duell. Die Türken antworteten jedoch in den späteren Stunden vom Tarabosch sehr schwach. Man nimmt an, daß sie bei den letzten Gefechten sehr große Verluste erlitten haben. Man vermutet, daß vielleicht von unzufriedenen ^r. nauten eine Meuterei inszeniert wurde. In amtlichen Kreisen in Ketin) e halt man btefen Sturm für den letzten, der gegen Skutart unternommen werden muß.
Nach dem großen Tag.
Die Kanzler-Rede znr Wehr-Vorlage.
(Von unferm parlamentarischen Mitarbeiter.) Berlin, 8. April-
Wenn der Reichskanzler über auswärtige Politik spricht, so pflegt ber Reichstag unter bem Eindruck eines großen Tags zu stehen, der sich schon äußerlich durch ben lebhaften Zustrom der Abgeordneten unb dem reichen Besuch der Tribünen geltend macht. Man sagt gewiß nicht zuviel, wenn man den siebenten April des Jahres 1913 als einen ber größten in der Geschichte ber deutschen Volksvertretung bezeichnet. Der Reichskanzler hatte neue Gesetzesvorlagen zu vertreten, in denen Forderungen auf militärischem Gebiet gestellt werden, wie sie bisher niemals, so lange es ein Deutsches Reich gibt, dem Volk unterbreitet worden sind. Aus dem Munde des leitenden Staatsmannes wollte man hören, wie es mit ben Aussichten um Krieg unb Frteben bestellt ist, beim dunkler als je steigen die Wolken aus dem Südosten unseres Erbteils auf. In ben Schwarzen Bergen an der Adria arbeitet ein König über kaum eine Viertelmillion Menschen daran, Europa in Brand zu stecken und er spottet ber Flottenkundgebung ber Großmächte, die ihn angeblich zum Frieden zwingen wollen. Die Lage ist verworren, denn hinter den Kulissen wirkt bie Diplomatie anders als auf der offnen Weltbühne.
Die Aufgabe, die bem Reichskanzler gestellt war, bot wahrlich genug bet eckigen unb runden Klammern, doch bie von der Bedeutung des Augenblicks erfüllte, vaterländisch gesinnte große Mehrheit der Volksvertretung erleichterte dem verantwortlichen Staatsmann die Lösung. In unfern Nachbarländern wird man jetzt wissen, daß der Reichstag mit ber Regierung des Deutschen Reichs barüber einig ist, daß bas Opferjahr 1913 bie Grunblagen für bte Durchführung ber allgemeinen Wehrpflicht bringen muß. Wenn auch hin unb wieder aus den Reihen der äußersten Linken ein spöttisches Lachen vernehmbar wurde, so wurde bie Gesamtwirkung bes großen Tags badurch nicht im ntinbeften beeinträchtigt, benn auch dieses Lachen kam nicht aus ber Ueberzeugung, daß ohne zwingenbe Gründe eine Heeresvermeh- rung vorgenommen Werden sollte. Der Reichskanzler hat das Wort: Und unter ber äußersten Spannung des Hauses geht er ohne viel Umschweife auf ben Kern ber Dinge ein. Bricht ein Weltkrieg aus, so müssen wir um unser Dasein kämpfen, wir müssen s o stark fein, Wie wir stark sein können: Darin gipfeln die Mahnungen bes Herrn von Bethman Hollweg.
Der Optimismus, ber seit bem Ausbruch des Balkankriegs in unserer Regierung vorzuherrschen schien, hat sich offenbar erheblich g e - wandelt. Eine Erllärung dafür, die vielleicht alle Welt erwartete, gab ber Kanzler freilich nicht, denn er bezeichnete unser Verhältnis zu Rußlanb unb zu Frankreich als ein gutes, und England dankte er mit warmen Worten für seine Tätigkeit zum Zweck der Erhaltung des Friedens. Aber ber kleine Zaunkönig macht auch dem Kanzler Pein, benn er sprach bie bebenklichen Worte, es werde sich zeigen, ob die Einigkeit der Großmächte beider Nieder- zwingung Montenegros stand halte. Aber mehr noch auf die Zukunft als auf die Gegenwart Warf der Kanzler feine Blicke. Rußland unb Frankreich haben ihre Rüstung außer- orbentlich verstärkt. Stein Mensch kann eine Garantie dafür übernehmen, daß kein Krieg kommt, benn das hieße, bas Schicksal heraus- ferbern. Die Aussichten des Zukunstkrieges sind nickt zu übersehen, aber Sieger Wirb immer nur bas Volk bleiben, bas ben letzten Mann
gilt Wiener Urteil über die Rede.
Wien, 8. April. Die gesamte hiesige Presse bespricht an leitender Stelle die gestrige Rebe bes deutschen Reichskanzlers. Sie bezeichnet die Rede als s e n s a t i o n e l l und erklärt, sie sei eine ernste Mahnung an jene Parteien und Personen, deren Bestrebungen darauf abzielten, Europa in die G^ahr ernster Verwicklungen zu bringen. Tte 9tebe Werbe von ber größten aktuellen Wirkung in Europa fein.
Die internationale Gefahr.
Nachrichten ans amtlicher römischer Quelle.
Rom, 8. April. Die internationale Sage stellt sich nach Mitteilungen an hiesiger amtlicher Stelle zurzeit folgendermaßendar: Die Demonstration ber Machte gegenüber Montenegro ist in eine effektive Bl erlabe verschärft Worben. Oesterreich bofft auf ein Mandat zu weiteren Schritten, wo zu ,edock die Zustimmung aller Mächte erforderlich 4t. lieber die albanische Südgrenze verhandelt man, wobei Italien bereit ist, die Grenze etwas nördlicher als der Fluß Kalamas hinauszu- f(Sieben. Schwierig geworben ist bte et- frage. Der Gegensatz zwischen Griechenland, das von Rußland und Frankreich unterstützt wirb, unb ber Türkei b eft e b t t n aller Schärfe. England nimmt auch hier einen vermittelnden Standpunkt ein Zuletzt ist auch Bulgarien mit Forderungen aufgetreten. Es
erklärungen. .
In der letzten Zeit haben raut zwei Tatsachen wesentlich dazu beigetragen, ben allrussischen Tenbenzen neue Nahrung zu geben: Der Fall Abrianopels unb ber Petersburger Besuch des bulaarischen Sobranieprasidenten Sattelt) und des bulgarischen Generals Radio D i m 11 r t e W , des Siegers von Kirk-Kilisse. Besonders Dimitriew ist in geradezu emphatischer Weise gefeiert Worben, unb die Stattet widmeten ihm wahre Dithyramben. Bei feinem Abschied wurde er von einer ungeheuren Menge im Triumph nach dem Bahnhof gebracht Wobei es nicht ohne antiösterreichifche Demonstrationen (zum Teil sogar vor der österreichischen Botschaft) abging. Was ben Fall Adrianopels betrifft, so Würbe er von ber gesamten russischen Vresse als eine ber Grofetal e n ber Geschickte bes Slaventums gefeiert. Als ber Dumapräsident Redjianke mitten in der Sitzung die Nachricht von ber Erstürmung Adrianopels erhielt, sanitze er sofort der bulgarischen Sobranje unb ber serbischen Skup- schtina ein Telegramm, dessen Wortlaut solgen- ber war: „Die Mitglieder ber Duma, die von ber Ruhmestat ber bulgarischen (serbischen) Waffen hocherfreut sinb, beauftragen mich, ganz Bulgarien (Serbien) den Ansbruck ihres enthusiastischen Glückwunsches unb ihre brüderlichen Küsse zu übermitteln. Möge das Vordringen der Balkanvölker von unsterblichem Ruhme gekrönt sein! Der Fall Adrianopels fet em Flammenzeichen, das den Fortschritt des ganzen geeinigten Slaventums beleuchte. Es lebe die mächtige A l l i a n c e der Llaven. In den liberalen Streifen Petersburgs druckt man fick allerdings etwas vorsichtiger aus, aber auch sie werben von dem allgemeinen Begeisterungssturm mit fortgeriflen. In der Duma hat sich die Linke allen Kundgebungen der Nationalisten unb des Zentrums angeschlossen, und Miljukow und andere Weniger bekannte Führer haben sich an ben Festlichkeiten beteiligt, bie zu Ehren Danews unb des Generals Dimitriew veranstaltet wurden.
Auch die Haltung des Kadettenblattes Rjetseh ist in dieser Beziehung charakteristisch. In einer seiner letzten Nummern berichtet bas Blatt, daß die bulgarischen Persönlichkeiten, bie in Petersburg Aufenthalt genommen haben, offen ihren Willen befunbeten, den Krieg bis zum Aeußersten zu treiben unb ihre Eroberungen bis zu ben Grenzen bes Möglichen anszu- debnen. Der gegenwärtige Zeitpunkt Würbe dangch also nickt ben Beginn bes Krieges, sondern vielmehr den Ausgangspunkt einer neuen Periode von VerWik- kelungen auf dem Balkan, unb vielleicht auck anderswo bedeuten. Ja, matt spricht in diesen Streifen sogar offen von dem Marsch auf Konstantinopel. Und fei erst Konstantinopel genommen, bann sei es mit der türkischen Herrschaft in Europa zu End- und die gefürchtete Meerengenfrage würde mit einem Schlage akut. Die Bietsch schließt ihren Stif
ter Weise verteilen müssen. Tie große Woche hat begonnen: Möge sie ein großes Werk zum Heil des Vaterlandes fördern!
London. 8. Avril. Die Westminster Gazette schreibt: Wenn heute ober morgen ber Fall Skutaris gemelbct wird, werden die Mächte hoffentlich die Ruhe bewahren unb allen Parteien Zeit lassen das Ergebnis ruhig zu überdenken. ^Das Mächtekonzert ist nicht ohnmächtig, selbst Wenn König Nikolaus ani< tari zeitweilig behält. Kein Mitglied des Konzerts ist gezwungen, ihn durck eine militärische Expedition zu vertreiben. Es Wird vielmehr genügen, ben Druck auf bie Häsen fort zusetzen unb bie Gebiete, bie sonst an Serbien und Montenegro gefallen wären, zu behalten, big Wir schließlich die Absichten des ganzen Dalkan- bundes kennen.
Ausdehnung der Blockade?
Wien, 8. April. Wie bie Neue Freie Presse von befonberer Seite erfährt, finden unter ben Mächten $ e r 6 a n b I u n g e n statt betreff» DnsdehnungderBlockade auch auf bte norbalbanischen Häfen Mibia unb Durazzo. Insbesondere ist es Oesterreich-Ungarn, bas sich in biefer Richtung bemüht unb bte „mttiatioe zu einer solchen Maßnahme ergriffen hat. Tte Mächte des Drei bunb e s haben sich deshalb für bie Annahme bes österreichischen Vorschlages ausgefvrochen. Die Zustimmung der Staaten der $ r i h I e e n t c n t e hegt noch nickt vor Man hofft aber, daß sie heute er« solgen wird.
Schwere Kämpfe um Skutart.
Cetinje, 8- April. Nach zweitägigem Bom- barbtir.ent von Skutari wurde gestern zum