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Cafleler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, 5. April 1913

Nummer 101

Fernsprecher 951 und 952.

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COIklNeUsteMlhrilhtm

Hessische Abendzeitung

Ser fliesende Hofländer.

Das April-Intermezzo von Luneville.

Wie uns aus Paris depeschiert wird, benutzt die chauviniMsche fran­zösische Presse die Landung des deut, schen Luftschiffes Z IV in Frankreich, um vor der deutschen Luftflotte zu warnen, «nd einenSicherheits» dienst au der Grenze zu fordern. Autzerdern stellt sie den Flug (ohne allerdings das Wort Spionage aus­zusprechen) als einen Erkundnngs- flug dar, der offenbar dem Zweck gegolten habe, das französische Grenz­gebiet von der Vogelperspektive aus zu beobachten. Gegen deratige Ge­fahren müßte» sofort ausreichende Sicherheit«« geschaffen werden.

Nun haben wir's: Die Gespenster- rustschiffe, deren nächtlicher Schrecken im Land der Briten Greis und Säugling ängstigt, stnd dem Fabelreich entrückt imd greifbare Mrllichkeit geworden! Bei Luneville ist ge­stern, am Hellen Apriltag, der fliegende Hollän­der der Lüste erschienen, hat meilenweit die Erde des Frankenlands überflogen, Festungs­mauern und Grenz-Kasernements aus drei­tausend Meter Höhe bespäht und schließlich, als Motor-Defekt, Ostwind-Geheul und Benzin­mangel den Riesen der Lust zur Ohnmacht verdammten, auf dem weiten Marsfelde inmit­ten des stiedlichen Kriegsspiels französischer Truppen, Anker geworfen! Daß das Ereignis im Vogesenland Erregung und Sorge, Miß­trauen und Unbehagen geweckt, in der Seele des Bürgers und des Landmanns, des Patrioten und des Kriegers die Furcht vor der .deutschen Gefahr» (just im Moment stärkster Kampferhitzung um Rüftungsverstärkung und dreijährige Dienstpflicht!) zur Panik gesteigert hat, darf uns nicht wundern: Wir würden in ähnlicher Lage ims auch nicht sonderlich wohl befinden und würden vermutlich von den gleichen Regungen bestimmt werden, wie ge­stern die braven Bürger von Luneville, als der Gondel des am Hellen Mittag über'm ftanzöst- fchen Grenzland kreuzenden Gespensterluftschiffs drei deutsche Offiziere in schimmernder Wehr entstiegen. Die Einfalt fragt nicht nach Ur­sachen und Gründen: Sie fleht nur die tatsäch­liche Wirklichkeit, und (man muß gestehen) diese Wirklichkeit ist für unsre Nachbarn schmerzlich und besorgniserregend zugleich, denn wenn die zehnfach gepanzerte Grenzwacht nicht aus­reicht, diedeutsche Invasion» auf dem Luft­weg zu hindern, lauert Hinterm Vogesenberg jeden Augenblick Gefahr!

Das April-Abenteuer des jüngsten Militär- Lustkreuzers wird vermutlich ohne allzuschmerz­liche Nachwehen enden: In Paris ist man ver­ständig genug, das Intermezzo nicht tragisch zu nehmen, und der Lärm der Chauvinisten-Presse weckt nur noch dort ein Echo, wo mangelnde Erkenntnisfähigkeit und Fanatismus sich zum üblen Bunde einen. Trotzdem ist anzunehmen, daß der Vorfall nicht ohne bestimmte Einwir­kungen auf die Maßnahmen der Landesvertei­digung hinsichtlich des Luftverkehrs bleiben wird. Daß in kriegerischer Zeit die Erkundi- gungsfahrt im Luftschiff zu den notwendigen und unerläßlichen Begleiterscheinungen der modernen Kriegführung gehört, braucht nicht erst hervorgehoben zu werden; etwas andres ift's indessen bei Luftschiff-Fahrten übers Grenzgebiet hinaus in fremdes Land zur Frie­denszeit. Die Art der Ausrüstung und Besat­zung des geftent bei Luneville niedergegangnen deutschen Milstärluftschiffs mußte notwendiger­weise den Verdacht wecken, daß eS sich bei der Fahrt desZ IV* um einen Rekognos- zierungS-Flug, um eine ArtSpionage aus der Vogelperspettive* handle, und diese Annahme, für deren Berechtigung im ersten Augenblick mancherlei Anzeichen sprachen, hat denn auch in Frankreich und auf dem Marsfeld bei Luneville jene Aufregung hervorgerufen, die sich spontan zu deutsch-feindlichen Kundge­bungen steigerte. Man denke sich den Fall um­gekehrt, ein ftanzösisches Militär-Luftschiff, be­mannt mit Offizieren und Armee-Monteuren, bei Weißenburg oder Straßburg gelandet: Würden wir anders gedacht, anders emp- ftmden und anders gehandelt haben als die Männer von Luneville?

Hhpernervöse Germanen haben, in wildem Teutonenzorn ergrimmt über die Oftwind- Laune deS April, die Frage aufgeworfen, ob keine Möglichkeit gegeben gewesen sei, das jüngste Schiff deutscher Heeres-Luftwehr vor dem beschämenden Schicksal rühmloserGefan­gennahme» auf französischer Erde zu bewah­ren, und es ist nickt ohne einen gewissen Psv- chologischen Reiz, zu sehen, bis zu welchen Gipfelhöhen des Unverstands sich bei der Er-

Zeppelin verirrt!

Das neue deutsche MilitLr-Luftschiff Z IV auf der Abnahmefahrt ver. irrt «ud nach Frankreich verschlagen; Landung des Luftschiffs bei Luueville in Frankreich; Militärlnstschiff und Besatzung ««ter fran­zösischer Bewachung; drei Offiziere in Uniform an Bord!

platz wurde in weitem Umfang durch mehrere Infanterie-Bataillone abgesperrt. Ferner wurde durch rasch gedruckte Anschlagzettel die Taffache zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Zwangslandung durch Versagendes Mo­tor« erfolgen mutzte.

Das LuftschiffZ. IV», das neueste und größte Zeppelinschiff, über das Deutsch- and verfügt, nimmt seit einigen Tagen Prü- üngsfahrten im Beisein einer militärischen Ab­nahmekommission vor. Auch gestern war das Luftschiff zu einer solchen Abnahmefahrt (der endgültigen) aufgesftegen. Ein peinliches Miß­geschick hat es dabei gezwungen, auf franzö­sischem Boden, bei der Grenzstadt Lune­ville, etwa 20 bis 25 Kilometer von der deut­schen Grenze entfernt, zu landen. Dieser Vor­fall. der geeignet gewesen wäre, zu bedenklichen Folgen zu sthren, wird aber wahrscheinlich keine besonderen politischen Nachwirkungen zei­tigen, da sich die französischen Behörden nach den bisher vorliegendett Meldungen beinahe musterhaft benommen haben, und außer­dem von Paris aus erflärt wird, daß man dem Vorfall keine tieferliegende Bedeutung beirnesse. Die chauvinistische Pariser Presse bläst aller­dings in ein anderes Horn und sucht aus die­sem unangenehmen Vorkommnis Kapital für die französische Luftflotten- und Heeresbegeiste- rung zu schlagen. lieber den Vorfall liegen fol­gende offiziösen Meldungen vor:

Luneville, 4. April.

Gestern mittag landete infolge Motor­defektes auf dem hiesigen Marsfelde das Zeppeliuluftschiff Z IV, das, mit drei deutschen Offizieren in Uniform bemannt, in Friedrichshafen aufgestiegen war. Die Bevölkerung strömte in Massen znm Landungsplatz. Gin Zägerbataillon zn Fuß wurde aufgeboten, nm die Menge fernzuhalten.

Friedrichshafen, 4. April-

Das gestern in Luneville gelandete Luftschiff ZIVwurde von Kapitän Gluud geführt, einem Angestellten der Luftschiff­bau Gesellschaft Zeppelin, der das Luft- schiff gehört. Die an Bord befindliche« Offiziere gehörte« der Abnahmekom­mission an. Es findHanptmann George Oberleutnant Jakobi und Oberleutnant Brandeis. Sämtlich« Offiziere be­fanden sich in Uniform.

Paris, 4. April.

Das bei Luneville niedergegangene deutsche Luftschiff wurde mit Beschlag belegt. Die Besatzung wird überwacht. Do« ««terrichteter Seite verkästet, daß man hier weit davon entfernt ist, der Landung des deutsche« Luftschiffes auf dem »ebungSplatze bei Luneville irgend« welche tiefergehende Bedeutung beizumeffe«.

Aus Luneville wird dazu gemeldet, daß der deutsche Luftkreuzer infolge Versagensset- ner Schrauben gezwungen worden sei, zu landen. Die Offiziere wurden sofott vernom­men. Sie erflärten. daß sie sich verirr t hät­ten. Die Landung erfolgte auf dem Manöver­felde bei Luneville, gerade als dort eine Ka- valleriebrigade U ebnn gen vornahm. Die französischen Truppen umstellten sofort die deutschen Luftfahrer. Die mili­tärischen Behörden begaben sich an den Lan­dungsplatz, um die nötigen Feststellungen vor­zunehmen. In Paris erregte die Meldung großes Aufsehen. Die Motore des Zeppelin­lustschiffes sind demonttert worden. General L a s c o t verhörte die Offiziere. Sie erklärten, gestern früh um sechs Uhr in Friedrichs­hafen aufgestiegen zu sein. Sie wollten einen großen Flug ausführen und seien durch die Wolken über ihre Richtung getäuscht worden. Aus Versehen seien sie nach Luneville gelangt. Der Ballon wird von Mflitär bewacht.

Die Landung in Luneville.

(Privat-Telegramm.) Luneville, 4. April.

Die Landung des Zeppelin-Luftschiffes Z. IV» bei Luneville erfolgte gestern nachmit­tag um 3 Uhr 15 Minuten. An Bord de« Lust- schiffes, das von einem Angestellten der Zeppe­lin-Gesellschaft, Hauptmann a. D. G t u n b, geführt worden ist, befanden sich 3 Offiziere in Uniform, Hauptmann George, Oberleutnant Jakobi und Oberleutnant Brandei«, bekannte deuffche Militärlufffchiffer, und drei Mechaniker. Das Luftschiff wurde durch Fortnahmeder Magnete bewegungslos gemacht und an eiferneu Pfählen verankert. Tie Zivil- mW Militärbehörden waren tu kurzer Zeit zur Stelle. Ter Souspräfekt leitete die Unter­suchung. General Lescot und der Unterpräfekt von Luneville boten gemeinsam und mit vol­lem Erfolge alles auf, um in der Stadt und Umgegend deutsch feindliche Kundge­bungen zu verhindern. Der Exerzier-

Die Gefangenen der Franzosen.

(Privat - Telegramm.)

Luneville, 4. April.

Auf die Frage des Platzkommandanten von Luneville, General Lesest, er- widetten die deutschen Offiziere, datz sie n i ch t die Absicht hatten, die französische Grenze zu passieren, und datz sie auch keine Photographien von den Fotts ausgenommen hätten, über die sie hinweggeflogen seien. Zwei französische Leutnants wurden beauftragt, die Alumi­nium-Gondel des Luftschiffs zu durchsuchen, fanden aber nichts Verdächtiges. Nachdem der Ballon fest verankert war, ersuch­ten die deutschen Offiziere um die Erlaubnis, an die deutsche Boffchaft in Paris und an das deuffche Kriegsministerium, sowie ferner auch an die Z e p p e l i n w e r k e in Friedrichshafen depeschieren zu dürfen, um von dott die Ent­sendung von Wafferstosfbehältern und Mecha­nikern zu bewirken, da sie die Absicht hätten, morgen ihren Ausgangspunkt auf dem Luft­wege wieder zu erreichen. Sie crttärten im weiteren Verlauf des Verhörs, das Luftschiff sei ans einer seiner drei Probefahrten gewesen und von der Militärbehörde noch nicht abge­nommen. Außer mit dem O st w i n d e und dem Benzinmangel hätten sie ai'.ch mit einem Motordefekt zu tun gehabt. Die Offiziere haben sich in ein Hotel begeben, vor dessen Tor mehrere Posten aufgezogen sind.

Die Erklärung des Führers.

(Privat - Telegramm.)

Luneville, 4. April.

Der Führer des Zeppelin - Luftfchiffs, Kapitän G l n n d, erklärte dem nach Luneville entsandten Vertreter des Matin folgendes: Früh sechs Uhr hatten wir Friedrichshafen ver- lassen, um eine Fahrt in großer Höhe zu unter­nehmen. Wir wollten über Baden-Baden flie­gen und bei Metz landen. Rach dem Ausstieg ging das Luftschiff alsbald in zweitausend Me­ter Höhe. Wir näherten unS dem Schwarz­walde, als das Wetter, das bis dahin völlig Hat gewesen war, plötzlich umschlug und trübe wurde. Bald fühlten wir auch, datz wir nach Westen abgetrieben wurden, konnten aber den Ort, wo wir uns befanden, nicht feststellen. Des­halb gingen wir auf mehrere hundert Meter herunter und erkannten plötzlich, datz wir über französischem Gebiet flogen. Wir befanden uns in einer Höhe von etwa vier- bis fünfhundert Metern und mutzten uns nun einen geeigneten Landungsplatz für unsere Landung suchen. Wir wollten, da wir uns über französischem Boden befanden, mich dort niedergehen, um völlig lot« rett zu handeln und keine Komplikationen her­beizuführen. AIS besten Landungsplatz erach­teten nur das Manöverfeld.

Der Bericht an den Kaiser.

(Privat Telegramm.)

Frankfurt a. M., 4. April.

Die LufffchiffgefellfchastDelag" in Frankfurt a. M. hat es übernommen, den Kaiser am Don­nerstag abend in Homburg von der Landung des Zeppelinkreuzers in Frankreich in Kennt­nis zu setzen. Im Schlosse zu Homburg v. d. H. war von der Fahrt desZ. IV noch nichts bekannt. Ter Kaiser ließ sich durch bew diensttuenden Flügeladjutan- ten besonders die Namen der an der Fahrt beteiligten Offiziere neunen. Wie man weiter aus guter Quelle erfährt, wird die französische Regierung dem Rücktransporie des Luftschiffs leine Schwierigkeiten bereiten Die Nachricht von der Landung des Luftschiffes ist in Friedrichshafen gestern nachmittag ehr getroffen und Mannschaften befinden sich be- reitd auf dem Wege noch Luneville. :un die nötigen Vorbereitungen zum Rücktransport zu treffen. Man glaubt, daß die französische Re­gierung schon heute gestalten wird, daß das Luftschiff seine Heimreise antreten kann. Die Stimmung in Luneville, die in den ersten Nach- mittagsstimden gestern recht gereizt war, ist inzwischen etwas ruhiger geworden.

örierung dieser Möglichkeiten nationalistisch- fanatisierie Phantasie versteigt. So stellt (um ein Beispiel aus langer Reihe herauszugreifen) ein besonders heroisch veranlagter Patriot die Forderung auf, die Besatzung des Luftschiffs hebe in dem Augenblick, als die Gefahr einer Notlandung auf französischem Gebiet und die Gefangennahme durch gallische Häscher nicht mehr abzuwenden war, den Lustkreuzer zer­stören müssen, um auf diefe Weise unfern Gegnern jede Möglichkeit zu nehmen, das Zep­pelin-Schifi, am Fesseltau der Republik ver­ankert, in nächster Nähe zu fehen. Lebten wir in Kriegszeit und Völkerkampf mit Frankreich, dann wäre die Forderung der Zerstörung felbst- verständlich und zwingend gewesen; es dröhnen aber weder Kanonen, noch blitzen diesseits und jenseits der Vogesen die Schwerter, und angesichts der korreften Haltung unsrer Nach­barn gegenüber einem immerhin peinlichen, die Republikaner-Ruhe ernsthaft bedrohenden In­termezzo nimmt sich der Herostratenwunsch eifernden Teutonen fast wie eine Taktlosigkeit aus. Nun: Die Herren an Bord desZ. IV» waren verständiger! Sie haben den Franzosen das nerven-erregende Gespenster-Luftfchisf- Abenteuer gegönnt, haben sich in Luneville wie deutsche ©entfernen benommen und werden, hoffentlich, heimkehren, ohne am Grenzwall vom Bannstrahl -es Teutonenzorns behelligt zu werden. Peinlich ist nur, datz Kapitän Glund John Bull denfliegenden Holländer bet Lüfte», der jenseits des Kanals bisher nur ht Jahrmarkt-Ballons und ähnlichen Scherzarii- keln sichtbar geworden, nun in feiner wirkli­chen Gestalt gezeigt hat. Aber wir werden's zu ertragen suchen ...I F. H.

Sa» Abenteuer de» z iv.

Nach der Landung in Luneville.

(Privat « Telegramm.) Luneville, 4. April.

Da« Lusffchiff Z IV hatte Höhenfahrt«, versuche angestellt «nd eine Höhe von 3000 Meter erreicht. Bereits um ein Uhr nachmit­tags wurde das Luftschiff über Luneville be­merkt, und zwar in einer Höhe von 1500 bis 2000 Meter, doch nahm die Bevöfterung «och keine besondere Roüz davon; erst später, als das Luftschiff geringere Höhen auffuchie, wurde man aufmerksam. Die deutschen Offiziere erflärten, daß sie wohl gewußt hätten, datz sie sich schon fett längerer Zeit über französischem Boden befanden, aber ans den bereits mit ge­teilten Gründen nicht nach Deuffchland zurück­kehren konnten. Sie wollten jedoch versuchen, in der Nähe einer Garnisonstadt zu landen, um möglicherweise Seile znm Festhaften des Lustschiffes zur Verfügung zu haben, und außerdem, tim zu vermeiden, datz bei einer Sanbnng die ländliche Bevölkerung sich zu irgendwelchen gegendeuffchen Kundgebungen hinreitzen ließ. Die Offiziere sind von einem General, dem Unterpräfetten itnb einem Spe- zialkommffsat einem genauen Verhör unter­worfen worden. Die Gondel des Luftschiffes wurde auf das Genaueste untersucht, doch wurde nichts gefunden, da die Offiziere die photographischen Platten vor der Landung zerbrochen hatten. Ebenso haben sie die deutsche Flagge, die von dem Lufffchiff wehte, zerrissen. Die Offiziere baten um die Erlaubnis, nach Konstanz telephonieren zu dürfe», damit ihnen der nötige Gasftosf zuge- sandt würde, um das

Luftschiff toiebec flott zu machen.

Gleichzeittg wollten sie auch an die deuffche Boffchaft in Paris telephonieren. Diese Er­laubnis wurde ihnen vom Minister des Inner« auch erteilt. Die Offiziere bezogen gestern abend ein Hotel der Stadt, jedoch wurden Schildwachen vor ihren Zimmer« ausgestellt, damit sie mit der Außenwelt nicht in Verkehr treten könnten. Voraussichtlich werden sie heute nach Konstanz zurückkehren. Heber das Schicksal des Luftschiffes ist noch nichts be­kannt. Die Erregung der Bevölke­rung in Luneville soll immer noch sehr groß sein. Im ganzen befanden sich in dem Lufffchiff zwölf Passagiere, ferner ein Pilot der deutschen Zeppelin-Luftschiffbau Gesellschaft, ein Haupt- mann, zwei Leutnants und drei Mechaniker. Tas Luftschiff wurde von zahlreiche« franzöfifchen Offizieren besich­tigt. Tie deuffche» Offiziere wurden im Auto nach Luneville gebracht und gleichfalls unter Bedeckung aus das dortige Postamt geführt, wo sie telephonierten. Bei ihrer Durchfahrt durch die Stadt wurden einige deutschfeind­liche Rufe laut Das Luftschiff selbst ist mtt einem Drahtgitter umgeben worden, um es vor etwaigen äußeren Beschädigungen z«