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COIerNeukstk Nachrichten

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 100

Freitag, 4. April 1913

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Vorsicht: Müdem verboten!

Offiziöse Mahnung an die deutsche Presse.

Die offiziZss Norddeutsche Allge­meine Zeitung appeliert an die deutsche Presse, künftig im Interesse der Landesverteidigung weder Nachrichten über Erfindungen und neue Verbesserungen auf dem Gebiete der Bewaffnung »nd Ausrüst­ung des Heeres, noch über Hebungen solcher Spezialtruppen z« veröffent­lichen, von denen man annimmt, das; sie den entsprechenden Waffengattun­gen anderer Armsen überlegen find. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung zeigt In der letzten Zeit das (an sich löbliche) Be­streben, Preßstimmen, die zur Beunruhi­gung Anlaß geben könnten, durch aufllärendc und besänftigende Exposes entgegenzuwirken. So hat erst vor einiger Zeit die halboffiziöse Schwester im Westen, die Kölnische Zeitung, die schmerzliche Erfahrung machen müssen, daß man in der Berliner Wilhelmstraße französisches Schwertgeklirr mit anderen Ohren frört als in Köln. Der neueste Erlaß des Berliner Kanz­lerblattes richtet sich in gleichem Maße gegen Rüstungs- wie gegen Abrüstungsfreunde. Es wird deshalb auch aus allen Parteilagern Er­widerungen zu hören bekommen, wie sie in sol­cher Einmütigkeit selten aus dem deutschen Blätterwalde herausschallen dürften. Das Blatt des Kanzlers vermißt bei einem großen Teile der deutschen Presse »politische Diszi­plin im nationalen Interesse" und rügt das vielfach bemerkbareSensations-Bedürfnis". Das Bethmann-Organon erinnert gleichzeitig an England und weift auf den Nationalstolz der britischen Presse hin. die aus politischer Klugheitmit Unterdrückung jedes Sewsa. tionsbcdürfnisses auf olle Mitteilungen aus dem Gebiete der Militärluftschiffahrt verzichtet" habe. Es ist indessen von dem Kanzlerblaite nicht ganz geschickt gehandelt, in diesem Falle auf die Pettern jenseits des Kanals zu deu­ten :Seht, das sind die besseren Menschen! Die deutsche Presse (soweit sie Ansehen und Achtung im Volke genießt) braucht sich durch die britische Presse nicht anRatio na lstolz" be­schämen zulassen. Wenn das Berliner Regie­rungsorgan Grund zu haben glaubt, über mangelnde Zurückhaltung der deutschen Presse bei der Erörterung militärischer Fragen Klage zu führen, so hätte es auch nach den Ur­sachen (oder mindestens den Erklärun­gen) dieser Mißstände forschen müssen, die. wenn man gerade von England spricht, un­schwer sich ergeben. Zunächst einekurze An­frage" an das Redaktionstelephon der Wil­helmstraße:Sitzt im Pressebüro des Ans- wärtigenAmtes in London ein Herr, der die Presse seines Landes mit der gleichen liebenswürdigen Zuvorkommenheit und Mit­teilsamkeit behandelt wie Herr von Hamann die deutsche Presse? Was gedenkt man dort zu tun, um die berüchtigtenHintertreppen" der Wilhelmstraße zu verbauen? Der englische Journalist geht an den zuständigen Stellen zur Vordertür hinein und ... er bekommt Aus­kunft. Der deutsche Journalist klopft ganz, ganz hinten an und bekommt ... vielleicht Aus­kunft. je nachdem ihm seine Körperkonstitution das Bücken und Dienern gestattet. Nun könnte man erwidern, England sei (horribile dctu!) das Land des Parlamentaiismus, wo ein Wirklicher Geheimrat nicht mehr gelte als ein Abgeordneter. Es wäre allerdings vermessen, aus einem solchen Vergleiche konkrete Konse­quenzen gezogen sehen zu wollen. Vielleicht sind aber auch schon unsere Brüder vom Dreibund in dieser Beziehung als bevorzugte Günstlinge des Glücks zu betrachten?

Die deutsche Presse erörtert die Ereignisse der Auslandspolitik nicht mit Unterstüt­zung, sondern trotz der zuständigen Regie­rungsstellen, die angeblich informierend wir­ken sollen. Will die Norddeutsche Allgemeine Zeitung (zugegeben: Aus guten Gründen) der deutschen Presse Material entziehen, so muß sie zunächst darüber sinnen, wie aus den eingetrocknetcn amtlichen Informationsquellen wieder der klare Strom des Wissens rinnen soll, denn darüber braucht füglich nicht ge stritten zu werden: Bei uns im Vaterland der Dichter und Denker, erfreut sich die Presse (so­fern sie nicht offiziös-diensteifrig ist) seitens der politischen und diplomatischen Amtmannschaft einer Nichtachtung, die fast an Ignoranz grenzt, und es kann also nicht wundern, w:nn hierzuland die Berührungspunkte zwischen Presse und öffentlich amtlichem Leben, die im Ausland, speziell in England und Frankreich, die Disziplin der Presse selbsttätig und gewis­sermaßen unwillkürlich formen, gänzlich kehlen.

Die Mahnung der Wilhelmstraße:Schweigen ist Gold!" gleicht also ungefähr der Rüge jenes Mannes, der in seines Nachbars Auge den Splitter sah und des Balkens im eigenen Auge nicht gewahr wurde. Erkenne Dich selbst: Das gilt auch für das Blatt des Kanzlers, und für Alle, die ihres Geistes Regen in nord­deutsch-allgemeinen Blätterspalten fruchtbar werden lassen möchten! F. N.

Sie Solinger Vergiftungen.

Heber dreihundert Personen erkrankt!

Die Solinger Fleisch-Vergiftungen, über die wir bereits wiederholt berichtet haben, scheinen sich zu einer K a t a st r o p h e zu ge­stalten, da die Zahl der Erkrankungen noch fortwährend zunimmt, sodaß zurzeit über drei­hundert Personen krank darniederliegen, von denen zahlreiche so bedenklich erkrankt sind, daß mit ihrem Ableben gerechnet werden muß. Die Ursache der Mafsenvergistungen ist immer noch nicht mit Sicherheit festgestellt worden, da die Untersuchungen und Ermitte­lungen darüber noch schweben. Im einzelnen wird folgendes bekannt:

Die Opfer der Vergiftung.

(Von unserm w. -. Korrespondenten.)

Solingen, 3. April.

Die Zah' der an Fleischvergiftung Erkrankten ist im Laufe des gestrigen Tages noch qanr gewaltig gestiegen; im ganzen dürf­ten über dreihundert Erkrankun­gen zu verzeichnen sein, jedenfalls sind über zwcihundertfünfzig Fälle amtlich gemeldet worden, die sich auf Solingen, Wald, Gräs- rath, Ohligs, Höhscheid, Mettmann, Vohwinkel, Dornap und Haan verteilen. Am größten ist die Zahl der gemeldeten Erkrankungen in S o- lingen, Grafrath, Vohwinkel und Höhscheid. Der Zustand der Erkrankten ist vielfach recht bedenklich; die von einigen Zei­tungen verbreitete Meldm-g, daß bereits dr-si Personen an Fleischvergiftung gestorben seien, trifft nicht zu, außer dem gemeldeten Ster- bcfall ist bis jetzt kein weiterer eingetreten. Die Erkrankungen treten übrigens nicht gleich stark auf; so sind in einzelnen Familien einige Personen schwer erkrankt, während andere An­gehörige der Familie, die gleichfalls von dem Pferdefleisch und der Wurst gegessen haben, mit einigen Leibschmerzen davon kamen. Die Un­tersuchung über die Ursache der Flerschver- gistung ist noch nicht abgeschlossen. Während in Vohwinkel und Düsseldorf

Proben des Fleisches untersucht werden, das in den Geschäften des Vohwinkler PferdemetzgerS beschlagnahmt wurde, ist es der Solinger Polizei noch gelun­gen, ein Stück Wurst aufzutreiben, von dem mehrere der erkrankten Personen gegessen haben. Die bakteriologische Untersuchung der Wurst im städtischen Nahrungsmittel-Unter- suchungsamt dürfte erst morgen abgeschlossen sein. Es mag auffallen, daß die Zahl der Er­krankungen so groß ist. Dazu ist zu bemer­ken, daß der Pferdefleisch-Konsum sich gerade im Solinger Bezirk recht eingebür­gert hat und hier eine Höhe erreicht, wie sie verhältnismäßig selbst in den Großstädten nicht zu verzeichnen ist. Von den Solinger Pferde­metzgern werden allein monatlich über hun­dert Pferde geschlachtet oder in geschlachtetem Zustande in Halbstücken aus Berlin oder Ham­burg bezogen; außerdem kommen noch mehrere auswärtige Pftrdcmetzger nach Solingen zum Wochenmarkt (darunter auch der Vohwinkler Metzger) und ferner wohnen auch noch Pferde­metzger in Wald, Höhscheid und Ohligs. Der Betrieb des Metzgers, aus dessen Laden das gesundheitsschädliche Fleisch stammte, ist poli­zeilich geschlossen worden.

Die Maßnahmen der Behörden.

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Solingen meldet, hat die Polizei­behörde anläßlich der Massenvergiftungen durch gesundheitsschädliches Pferdefleisch eine stren­gere Untersuchung des als Nahrungs­mittel verwandten Pferdefleisches angeordnet. Diese Maßnahme bezieht sich sowohl auf die in Solingen erfolgenden Schlachtungen als auch auf die von auswärts kommenden Fleischliefe­rungen und soll sogar auf den ganzen In- dnstriebezirk ausgedehnt werden. Die Pferde­metzger wollen gegen diese Maßnahme bei der Aufsichtsbehörde Einspruch erheben.

An Kaiserkanz für Morgan.

Der Kaiserseinem lieben Freunde".

Berlin, 3. April. (Privat-Tcle- g r a mm.) Kaiser Wilhelm hat am Sarg Pierpont Morgans durch den deutschen Botschafter, Herrn von Flothow. einen Kranz niederlegen lassen, der aus der Schleife die Wid­

mung trägt: Meinem lieben Freunde! Wilhelm I. R. Der Frau Morgans sandte der Kaiser folgendes Telegramm: Ich spreche Ihnen zu Ihrem Verlust mein herzlich st es Vei'leid aus. Pierpont Morgans Tod ist ein herber Verlust für fein Vaterland und für seine Freunde in der weiten Welt. Ich werde Sie nicht vergessen , . .!

ßmovaischrr Avril-Scherz?

Das Antivari-Demonstrations-Spiel.

In den Gewässern an der Dalmatinerküste kreuzen europäische Kriegsschiffe, die Kanonenschlünde drohend gen Antivari gerich­tet; in den Schwarzen Bergen ringen Cyerna- gorzen - Trotz und Slaven - Furcht um die Ent- schlußkrast zur Tat; in Petersburg und Paris peitscht die Stimmung allgemeinen europäischen Unbehagens die Leute am Grünen Tisch in beängstigende Nervosität, und am Wiener Ball­hausplatz, wo man am ersten Apriltag die europäische Flotten - Demonstra­tion vor Antivari" noch als Großtat star­ken Europäerwillens bejubelt, erkennt grollende Enttäuschung, daß dieEinigkeit der Mächte" nur ein Aprilscherz war, daß Argwohn und Mißtrauen unter den Hütern des Friedens auf Erden jede tatkräftige Aktion am Balkan ver­eiteln und daß die Hoffnung auf endliche Ver­wirklichung der ersten Tat Europas im bal­kanischen Völkerdrama ein Trugbild allzu frohen Optimismus war. Das Dickicht der Ka­balen und Intrigen durchdringt fein Blick, keine Hand entwirrt die Fäden, die sich um die Ener­gie der Großmächte wie eine lähmende Fessel spannen, und das Unerhörte: Die Ohnmacht Europas gegenüber der groben Unfug- Leistung des kleinsten und winzigsten Gliedes im kontinentalen Staatengefüge, wird nur er­kennbar in der systematischen Durchkreu­zung aller derjenigen Maßnahmen, die die Voraussetzung des Erfolgs des europäischen Strafgerichts über Montenegro waren. Die Flotten-Demonstration hat zwar begonnen, aber sie gleicht einer durch Nötigung erzwung- nen Leistung, und die Mächte, deren Schiffe in diesem Augenblick vor Antivari kreuzen, sähen am liebsten das rasche Ende dieses srühlenz- licken Spiels. Wir verzeichnen folgende Draht- meldungen:

Das Spiel hat begonnen!

(Privat - Telegramm.)

Wien- 3. April.

Die Flottendemonstration gegen Montenegro hat gestern begonnen, denn die österreichisch-ungarischen sowie die italieni­schen Schisse kreuzen bereits an der monte­negrinischen Küste. Nach Berichten aus ver­schiedenen Küstenstädten sind diese Schiffe von der Küste ans zu sehen. Auffällig ist die Meldung, daß gestern auch ein griechi­scher Torpedobootszerstörer in Antivari ein­lief, dort eine Biertelstunde blieb und dann schleunigst wieder abdampfte. Aus Spezia wird gedrahtet, daß die italienischen KriegsschiffeVarese" undGaribaldi" mit verflegelter Order in See gestochen sind.

Das römische Gewissen spricht.

lPrivat-Telegramm.)

Nom, 3. April.

Die hiesige Presse vermag die unbe­haglichen Gefühle nicht zu verhehlen, mit denen Italien seine Schiffe an die alba­nische Küste ziehen sieht. Man ist hier fest überzeugt, daß die Demonstration irgend welchen Erfolg nicht zeitigen kann. Der herrische alte König Nikita werde bei seiner Garibaldiner Devise entweder S k u t a r i erobern oder den Tod suchen. Was könne eine Flottendemonstration gegen ein Land ausrichten, das keine Flotte und kaum Häfen habe. Die großen Schwierigkeiten der Lage würden indes erst zutage treten, wenn Skutari gefallen sei.

Der Dreibund zaudert!

(Privat-Telegramm.)

Paris, 3. April.

Im Ministerium des Aeutzern wurde ge­stern die zaudernde Haltung Frank- re i ch s in der Angelegenheit des Anschlusses an die Seedemonstration damit begründet, daß dem in Piräus Instruktionen erwarten­den französischen KreuzerEdgar Quine" noch immer nicht mitgeteilt werden konnte, ob er sich lediglich als Vertreter der französi­schen Flagge oder der französischen und rus­sischen zu betrachten habe. Eine strikte Er­klärung der Petersburger Regierung Über deren Auffassung, ist bis zur Stunde noch nicht eingetroffen.

Und Das nennen rasch-begeisterte Leute: Die Einigkeit Europas! In Rom two die Teilnahme am tragikomisch sich verwickelnden Schicksal des Schwiegervaters in den Schwarren Bergen alle andern Regungen über­

stimmt) beginnt die Sentimentalität der öffent­lichen Meinung, die Männer der Consulta in ihren Bann zu zwingen; man betrachtet die machtvoll geplante Flotten-Demonstraiion als unnütze Kraftverschwendung, der nicht die win­zigste Erfolg - Möglichkeit gegenüberstehe und sieht in dem alten Spiel, mit Kanonen auf Zaunkönige zu schießen, einen allzu - teuren, längst nicht mehr movernen Sport. Rußland und Frankreich harren als stumme Zuschauer des Werdens bet Ereignisse: Rußland be­stimmt von der Sympathie für Montenegro und in seinen Maßnahmen beeinflußt durch die altslawische Idee und ihren Bannerträger: Die Großfürsten- und Kriegspartei; Frank­reich als treuer Bundgenosse eds Zaren­reichs, als unentwegter Gefolgsmann Is- wolski'scher Politik und als natürlicher Puffer zwischen den Balkan-Interessen Rußlands und Oesterreichs. Bleiben noch: Deutschland, Oester- reich und England als Mandatare des Euro­päerwillens am Balkan! Keine Mächie-Einheit, keine Entschluß- und Tatgemeinschaft, kein Europa-Echo vereinten Großmächte-Willens, sondern eine Verlegenheits - Aktion dürftigster Art, ein europäischer Aprilscherz sozusagen, der weder Freude Wecken noch Er­folg werben kann. Vor Skutari donnern (nach kurzer Eintags-Paufe) Nikitas Kanonen dröh­nenden Protest wider das April-Intermezzo vor Anftvari; Serbien eilt dem bedrängten Ezernagorzen - Bruder mit Truppen und Hau­bitzen zu Hilfe, und ehe die erste April-Woche verronnen, wird auf Skutaris Zinne die Weiße Flagge im Lenzwind wehen. Trotz der Flöt« ten-Demonstration, trotz Europas Drohung, trotz des Strafgerichts des April. . .! F. H.

Die Solidarität der Slaven.

Belgrad, 3. April. (Meldung deS Wiener Korrespondenz - Büros.) Wie verlautet, hat der englische Gesandte den Ministerpräsidenten P a s i t s ch ausgesordcrt, im Interesse der Erhaltung der englischen Sympathie für Serbien die serbischen Truppen von Skutari zurückzuziehen. Pasitsch erwiderte mit Berufung auf die Bun­despflicht die Erfüllung dieser Forderung für unmöglich und verwies darauf, daß die Großmächte den Balkanstaaten Einrtacht gera­ten hätten.

Stutmftenen im Landtag.

Heftige Zusammenstöße in der gestrigen Ab­geordnetenhaus-Sitzung; der Präsident und das Haus; der Kampf um de« Kultusetat.

Beim Kultusetat, dessen Beratung ge­stern im Abgeordnetenhaufe begann, pflegt im allgemeinen das Haus recht lange zu verweilen, denn die Aussprache ist meist eine gründliche. Mit Rücksicht auf die drän­gende Zeit will man aber (nach einem Beschlüsse der Mehrheftsparteien) diesmal davon Abstand nehmen. Die Sozialdemokratie war zu der Be­sprechung der Parteien nicht eingeladen wor­den, und so kam es, daß der sozialdemokratische Abgeordnete Hoffmann den Beschluß, derweise Beschränkung" fordert, gänzlich ignorierte. Die Folge war eine sehr hitzige Geschäftsordnungs­debatte, in der der Fortschrittler Wiemer den Genossen zu Hilse kam, während die Redner der übrigen Parteien betonten, daß der Beschluß gelten müsse, da es sich nur um die Abkehr von einer Gewohnheit, nicht aber etwa um einen Bruch der Geschäftsordnung handle.

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Die gestrige Kampf-Sitzung.

Abgeordnetenhaus-Sitzung vom 2. April.

Am Ministertisch: Kultusminister von Trott zu Solz. Auf der Tagesordnung steht der Kultusetat. Eine allgemeine Besprechung beim TitelMnistergehalt" findet nicht statt auf Grund eines Beschlusses, der gestern am Schluß der Sitzung gegen die Stimmen der Sozial­demokraten, Polen und Fortschrittler angenom­men ist. Trotzdem ergreift zu diesem Titel

Abg. Hoffmann (So;.) das Wort: Wir kön­nen dem Ministergehalt nicht zustimmen, auch nicht den Gehältern feiner untergeordneten Be­amten. Das muß ich begründen. Wie steht es mit der Trennung von Staat und Kirche? (Unruhe im Zentrum.)

Präsident Graf Schwerin: Damit beginnen Sie «ne allgemeine Besprechung, die gestern abgelebni ist.

Abg. Hoffmann (So;.): In allen Parlamen­ten der Welt ist es zulässig, beim Atinistergehalt die allgemeine Politik des Ministers zu besprechen. Tas will ich aber gar nicht, son­dern ich will nur begründen, weshalb wir das Ministergehalt nicht bewilligen. Vielleicht überzeuge ich Sie. (Heiterkeit.) Wenn jetzt aber debattelos das Gehalt bewilligt wird, dann ist es zu spät. Mein Standpunkt findet seine Be­gründung in der Geschäftsordnung.

Präsident Graf Schwerin: Wir können die Abstimmung über «das Minister gehalt ja aus­setzen, bis die anderen Kapitel erledigt sind. Tas Hans hat gestern mit übettoieaenber Mehr-