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Caffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 99
Donnerstag, 3. April 1913
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
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3nferttonSpretfe-. Dt- fedjSgefpaltene Zell« für einheimische »«schäft« 15 Pfg., für au», roärtige Inserate 25 Pf, ReUamezsU« für «tnhetmifch« Beschäft« 45 Pf, für au4roi«ttge »«schäft« «o Pf. Einfache Beilagen für di« iSesamtaaslaz« werden nttt 5 Mar! pro laufend be. rechnet. Wegen ihrer dichten Bsrbreitnng tu der iHeitbenj und der Umgebung sind die Taffeler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche» JnsertionLorgan. Geschäftsstelle: »olntsch- Straß« 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 18, Telephon: Amt MoriWlaS 12584
streich geplant sei. um die jungtürkisch« Regierung zu stürzen und durch eine Revolution einer Regierung zum Siege zu verhelfen, die gewillt fei, unverzüglich einen dauernden Frieden abzuschließen.
hervorragende Mitglieder der provisorischen Regierung nach Rom gekracht, wo sich zurzeit auch der Herzog befindet.
men. Nach einem dreitägigen Aufenthalt hat der Herzog Vallona wieder verlassen und an Bord seiner Facht den Leiter der provisorischen
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bei Unwahrheit, des Eigenintereffes und der Intrige, den emsige Hände geschichtet, zu erschüttern, und es bedurfte sogar (wenn die darüber verbreitete Nachricht zutrifft) des Persönlichen Eingreifens des Kaisersohns, um dem Träger der Krone Wahrheit und Wirklichkeit zu entschleiern. Einmal schon, in einem Kampf, in dem höherer Einsatz auf dem Spiel stand, als im Cadiner Pächterstreit (in den Tagen der Er- Mllung des Eulenburg-Schicksals) war es Kronprinz Wilhelm, der dem Vater zum Wegzeiger der Erkenntnis wurde, nachdem wochenlang schon das Ungewitter wie drohendes Verhängnis auf Aller Seelen gelastet. Es ist die Tragödie
Ein Bankkrach in Darmstadt.
Zusammenbruch der eenoff enf »aftsba»!!
Wie aus Darmstadt berichtet wird, hak die Liquidation der Rechsgenossenschaftsbank auch die Landwirtschaftliche Genos« seuscha^t-hank in Darmstadt u»^ ht den
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der Fürsten, daß sie über dem Leben, über der Wirklichkeit und (deshalb auch) über der Wahrheit stehen; das zwanzigste Jahrhundert mit seiner Alles nivellierenden Tendenz hat's nicht vennocht, die Wolkenschleier zu zerstreuen, hinter denen die Könige thronen, und das idealste <9ut irdischen Seins, die Erkenntnis, bleibt versagt Denen, die hier auf Erden herrschen. Aber nicht nur die Tragödie der F ü r - st en ist's, die hier dem Auge sich offenbart: Es ist auch die Tragödie der Völker, daß zwischen ihnen und den Kronenträgern der Abgrund klafft und die Wahrheit sich vergebens müht, diese Schlucht zu überbrücken. Man denke sich den Fall Sohst in seiner charakteristischen Entwicklung auf politisches Gebiet, auf Weltgeschichte und Völkerschicksal übertragen: Und die Gefahr des Verkennens, das Verhängnis des Irrtums und das Gespenst der Intrige wachsen ins Riesenhafte! F. H.
Die Lösung der Affäre Sohst bildet hier das Tagesgespräch. Man ist allgemein mit der Regelung der ganzen Geschichte zufrieden. Die Mitteilung von der Beilegung der Affäre kam auch hier eingewcihten Kreisen überraschend, obwohl man wußte, daß in den letzten Tagen Schritte in der Sache getan worden waren. Man hielt jedoch die Angelegenheit geheim, da Herr von Oldenburg bekanntlich Order gegeben hatte, nichts in der Oeffentlichkeft bekannt werden zu lassen. Man behauptet, daß der Kaiser selbst die Angelegenheft in die Hand genommen habe. Er veranlaßte durch seinen Kabinettschcf, Herrn von Balentini, den Vorsitzenden und den Generalsekretär der Westpreußischen Landwirffchastsktmmer, Herrn von Oldenburg und Herr« von Steinmeyer. mit dem Pächter Sohst zu verhandeln. Die Beauftragten erschienen dann auch am Sonnabend abend in Elbing. Herr Sohst lehnte jedoch ein persönliches Erscheinen ab und sandte seinen Bruder zu den Verhandlungen. Die Herren von der Landwirtschastskammcr sollen nun zunächst im Aufttage des Zivilkabi- netts mitgeteilt haben, daß der Kaiser die Be- leidrgung, die er Herrn Sohst zugesügt habe, bedauere. Er würde seine
Ausführungen im Landwirtschaftsrat nicht gemacht haben, wenn er richtig informiert gewesen wäre. Er sei bereit, eine Genugtuung zu gewähren, und zwar solle Herrn Sohst ein Schreiben des Zivilkabinetts zugehen, das besagen werde, daß der Kai- ser seineAusführungen über denPächter bedaure, ferner werde Herrn Sohst die Verleihung eines Titels oder einer Dekoratton zugcsagt. Herr Sohst erklärte, daß durch diese Zusage sein Bruder sich rehabilitiert fühle, und darauf kam eine Einigung zustande, nach der Herr Sohst vom Pachtverträge zurücktritt. Ihm wird da- ür eine Summe von 120 000 Mark aus der kai- crlichen Schatulle für das tote und lebende Inventar sowie für die Saatanschaffung aus gezahlt. In dieser Summe ist auch die Abfindungssumme enthalten. Rehberg geht also, wie es ist, in den Besitz des kaiserlichen Gutes Cadinen über. Die Stellung des Bevollmächtigten der kaiserlichen Gutsherrschaft Cadinen, des Geheimen Oberregierungsrats von Etzdorfs, der früher in hoher Gunst beim Kaiser stand, gilt als erschüttert. Es ist Herrn von Etzdorff nahcgclegt worden, nach einer bestimmten Karenzzeit seinen Abschitt» zu nehmen und sich in das Privatleben zurückzuziehen. Etzdorff ist bekanntlich der Generalbevollmächtigte des Kaisers, der ihn auch in der Affäre Sohst informiert hatte.
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Die Mstenkroue von Manien.
Herzog von Montpenfier auf der Fahrt.
(Privat-Telegram m.)
Rom. 2. April.
Die Cadiner Apotheose.
Herr von Etzdorff in Ungnade?
(Privat-Telegram m.)
Elbing, 2. April.
>ak- eib- . ; sine ' ' ika- ,erleg . zin- ’, rad
Die Türkei will Frieden!
Depeschen aus Konstantinopel melden der Antwort der Pforte auf die Kollektivnote der Großmächte heißt cS unter anderem: Von den friedlichen Gesinnungen der Großmächte geleitet, nimmt die kaiserliche Regierung die in den erwähnten Mitteilungen vorgeschlagenen Präliminorgrund- lagen für den Frieden in ihrer Gesamtheit a n und vertraut sich bezüglich der Wiederherstellung des Friedens den Großmächten an.
Am Vorabend des Staatsstreichs?
Auch gestern ist noch keine Nachricht von 1 dem Verbleib des Bankiers Puppe und seines : Sohnes eingetroffen. Die Mitteilung, daß sie : Selbstmord verübt hätten, begegnet überall ■ starken Zweifeln, zumal festgestellt ist, daß sie : 40 000 Mark in bar mit auf die Flucht genom- ' men haben. Tie Höhe des Verlustes stellt sich als immer größer heraus. Die Passive» werden wohl zwei Millionen Mark übersteigen. Haupffächlich soll die Betei. ligung an einer Terraingesellschaft bei Spandau den R u i n der Firma herbeigeführt haben. Im Jahre 1835 wurde in Küstrin die Brau» e r e i Puppe von dem Vater des jetzige» Banz kiers Puppe gegründet. Bei der Uebernahmo des Geschäfts durch Gustav Puppe ließ dieser die Brauerei allmählich emgehen und gründete vor etwa fünfundzwanzig Jahren das Bankhaus Gustav Puppe, in das später der Sohn Gustav Puppe als Prokurist eintrat. Das Haus galt als absolut sicher. Biele Offiziere, Beamte und kleineLeute legten ihr Geld bei Puppe an, der als „so sicher wie die Reichs- bank" galt. Terrainspekulationen in Berliner Vororten brachten dem Bankhause zunächst einen Verlust von 324 000 Mark, zu dem dann noch die Schwierigkeiten infolge des Balkan- krieges waten. Gustav Puppe rief in der Nähe der Stadt eine mit ungeheuren Kosten angelegte S ä g r m ü h l e ins Leben, die jedoch den an sie gestellten Anforderungen nicht entsprach und jährlich große Opfer forderte. In der Stadt selbst erwarb Puppe fast alle Terrains und trieb
eine wilde Bodenspekulation.
Bor Jahren beteiligte sich die Firma in Berlin an einigen Terraingesellschaften, die aber im Laufe der Jahre Millionen verschlangen. ohne daß sie Nutzen brachten. Als vor einiger Zeft die Krisis im Berliner Baunrarkt einsetzte, erfolgte bereits der Zusammenbruch der Firma Gustav Puppe. Es traten mehrere kleinere Zahlungsstockungen ein, dir Veranlassung zu dem Gerücht gäbe«, daß die Firma vor dem Ruin stehe. Puppe drohte jedoch, die Urheber des Gerüchtes gerichttich z» belangen. Bor drei Jahren verschwand der ältere Puppe bereits für einige Zeft nach Belgien, kehrte aber nach einigen Wochen wieder zurück. Die Deutfche Bank und die R e i ch s b a n k, mit denen das Haus früher viel gearbeitet hatte, beschränkten allmählich feinen Kredit ganz erheblich, fo daß Puppe zeit- weife in ernste Schwierigkeiten geriet. Der Zusammenbruch selbst wurde durch den zweiten Bürgermeister der Stadt Küstrin herbeigesührt, der vor vierzehn Tagen in öffentlicher Stadtverordnetensitzung den Ruin der Firma voraussagte und dadurch die Oeffenttichkcit recht- zeittg warnte. Am Sonnabend voriger Woch, wurde Puppe von der Reichsbank sein Kre- dit gekündigt, und nun folgte Schlag auf Schlag. Der nunmehr jetzt cingetrttene Zu- fammenbruch der Firma dürfte für Küstrin zu einer wirtschaftlichen Katastrophe werden, da zahlreiche Beamte, Offiziere und Bürger fast ihr ge f a m t e s B e r m S g e n ver- koren haben.
Herr Sohst ist nun rehabilitiert: Der Kaiser hat dem Mann, den er (von unverantwortlich- einsettigem Vorurteil eines als bewährt Geschätzten informiert) gekränkt, ziemende Genugtuung gewährt, und die rechtlich-moralische Ordnung der feit Monden die Gemüter erregenden Affäre darf damit als erledigt gelten. Was «ock bleibt, sind Reflexionen über die Möglichkeiten, aus denen heraus eine ursprüng- ftch das Interesse des Alltags kaum überragende Rechtsstr»ft--Frage zwischen einemGutsberrn und feinem Pächter sich zu einer Volk- und öffentlichkeit-erregenden Tageskampssache entwickeln konnte. Daß im Mittelpunkt der Dinge die Person des Kaisers stand, gab der Debatte über die Pächter-Affäre zwar die bestimmende Richtung, aber wir leben doch in einer Zeit, die Draht und Dampf kennt, die zwffchen Fürst und Volk die Verbindungslinie enger gezogen hat, und die es auch den Thronenden ermöglicht, di« WirMchkeit des Lebens mit eignem Auge, unbeeinflußt vom Schattenspiel höfischer und parteilicher Einflüsse, zu schauen. Wie war es denkbar, daß Monde vergehen konnten, ehe dem Kaiser offenbar wurde, was in Cadinen Wahrhett, was Wirklichkeit war, wie es um den hart gescholtnen Pächter, um den Pettkuser Roggen und um die Bürgerrechte des wackren Landwirts Sohst stand? Mußten erst Presse und Leffenüichkeit, Berufsgenossen und unabhängige Ehrenmänner für den Pächter von Cadinen Gerechtigkeit fordern, und bedurfte es häßlichen Parteienkampfs, um der Wahrheit den Sieg und der Gerechtigkeit gebotne Geltung - zu sichern? Diese Fragen (dünkt uns) wiegen schwerer als das Einzel-Ereignis der Affäre Sohst; sie zeigen uns Gefahren, die jenseits des Kontrollbereichs öffentlicher Meinung lauern, und sie zwingen zu einer Erkenntnis, die bedrückend und schmerzlich zugleich ist.
Der Kaiser ist der Wirklichkeit der Dinge entrückt: Diese Tatsache ist im Entwicklungsgang der Cadiner Pächter-Affäre jedem Auge erkennbar geworden. Kaiser Wilhelm Ej, wtirde nie das Wort vom »hinausgeschmiflnen Pächter' gesprochen, nie die Tüchtigkeit des als Landwirt geschätzten Mannes angezweifelt haben, wenn er die Wirklichkeft aus e i g n e r Wahrnehmung gekannt hätte, oder auch nur zuverlässig über den Stand der Ding« orientiert gewesen wäre. Es bedurfte eines förmlichen Volksprotests, um den Wall des Vorurteils und
Ein Privat-Telegramm meldet uns aus ®e»f: An hiesige hochstehende Mitglieder der Vereinigung Progres de Flslam gelangten aus Smyrna, Saloniki und Konstantinopel Privat Regiernnq, Ismail Kem*l und andere Nachrichten denen zufolge ein Sts-
3ns Spiel mit Millionen.
Der Küstriner Millionen-Krach; noch keine Spur von den flüchtigen Bankiers; wilde Bodenspekulation als Ursache des Krachs.
Wie wir schon telegraphisch berichteten, hat das in der Provinz und in Bankkreisen sehr an« gesehene Bankhaus Gustav Puppe in Stuft t i u feinen Konkurs angemcldet. Die beiden Inhaber, Gustav Puppe und Sohn, sind flüchtig und haben aus Berlin Abschiedsbriefe an ihre Angehörigen gelangen lassen, lieber die Höhe der verlorenen Summen ist noch nichts Sicheres zu erfahren, doch dürften minde« ft en § anderthalb Millionen Mark verloren sein. Der Zusammenbruch der Firma scheint in der Hauptsache durch leichtfertige Spekulätions - Aktionen verursacht worden zu sein. Es werden darüber folgende Einzelheiten bekannt:
Eine Katastrophe für Küstrin!
(Von unferm L. L.-Mitarbeiter.)
Küstrin 2. April
_J£Lber bw Flottenaktion der Mächte wird uns SnVri depeschiert: Vorläufig be- EsE sich bte Flottendemonstration auf die bis «un/ ’n 2 Tpirza „Per Antivari toD3fPifr^x£^teM,toerfeit§ lind bei Cat- rt^aIU8°^n «-"gesammelt drei v^ab^? /in Schnellkreuzer und drei Tor- pedoboote insg^aml sieben Einheiten mit pLl 1 V" d M ann, wovon ein Drittel an Ä.8'eW Serben kann. Sollte trotz der S“0' die Beschießung Skutaris fortge - e&i*^.rd man sich über weitere telegraphisch verständigen, die Schritte vmaefebe» in der Botschaster-R^ion böigeren toorben. Es würde die Landung e k .^-nächst auf montenegrini- Ä6'« und dann erst aus albanischem Ge- vitu. erfvigelt.
Sie erste Tat Gutolms.
Die internationale Flottendemonstration.
Was gestern noch unsicher, zweifelhaft und fraglich schien, ist nun Wirklichkeit geworden: Die internationale europäische Flotten-De- monstration gegen den Balkan-Ruhestörer Montenegro darf als Tatsache geschätzt werden, und an dieser Aktion des friedenvermittelnden Europas wird sich auch Deutschland beteiligen ! Die österreichisch-ungarische Flotte dürfte bereits vor Antivari angelangt fein; englische Schiffe haben entsprechende Befehle erhalten. Ob noch andere Mächte attive Teilnahme an der Demonstration nehmen werden, steht noch nicht fest. Auch über die zweideutige Rolle Rußlands ist noch kein klares Bild zu erhalten, doch ist an der Tatsache der Verwirflichnng des europäischen Strafgerichts nicht mehr zu zweifeln. Wir verzeichnen folgende Drahtmeldun- gen:
Die Flottenattion der MSchte.
(Privat « Telegramm.)
Berlin, 2. April.
Der kleine Kreuzer „Breslau" hat gestern Befehl erhalten, sich zur Teilnahme an der in Aussicht genommenen Flotten-De- monftration an der montenegrinischen Küste in die Adria zu begeben. Zur Flotten- bemonftration vor Antivari entsandte Italien (tote jetzt feststeht) drei Kriegsschiffe, die morgen in den montenegrinischen Gewässern eintreffen werden. Auch englische Schisse find unterwegs, um an der Flotten- deuronstration sich zu beteiligen.
Rußland hinter der Szene?
Tie Suche nach einem Fürsten für das neue Fürstentum Albanien scheint nun ihre Erledigung gefunden zu haben, denn nach hier vorliegenden Depeschen ist es dem Herzog von Montpenfier trotz der strengen Ueberwachung der Griechen gelungen, an Bord einer Jacht „Mekeng* in Vallona zu landen. Der Herzog wurde von der provisorischen Regierung und der Bevölkerung mit
großer Begeisterung aufgenom
(Privat - Telegramm.)
Wien. 2. April-
Nachdem die montenegrinische Regierung die Note der Mächte ablehnend beantwortet hat und Serbien sich auf den gleichen Standpunkt wie Montenegro zu stellen scheint, verlangt die hiesige Presse, daß nunmehr energ isch cingefdjrttten wird, da „Europa sich nicht verspotten lassen dürfe". Man nimmt es hier als selbstverständlich an, daß sowohl in Montenegro wie in Serbien r n s s i s ch e r s e i t s Versprechungen gemacht wurden, da cs andererseits gar- nicht anzunchmen wäre, daß die beiden Länder den Großmächten trotzen würden.
Der Sturm auf Skutari.
(Privat - Telegramm.)
Cetinje, 2. April.
Am Montag griffen montenegrinische Ba- tatttone der Südarmee den T a r a b » sch an was 00" nemt Uhr vormit-
togö 6*3 in die Nacht. Die ersten Redouten wurden mittags genommen. Die serbische hält bie türkischen Positionen bei Tepe tn Schach, so daß diese die Verteidiger des Tarabosch nicht unterstützen können. Die zweite Reihe der Schanzen fiel am Nach- mUtog. Die Kämpfe wurden gestern mit Er- bltterung fortgefetzt. Die türkische Kanonade wurde von Stunde zu Sttinde schwächer
Set Pächter von Sabinen.
Einigung, Abfindung, Kronenorden l
Just am ersten April, dem Tag des Scherzes und der Unschuld-Witze, trug der Draht von Berlin aus die Kunde durchs Land: .Der Gutspächter S o h st in Rehberg ist von der Pachtung des zur Cadiner Besitzung des Kaisers gehörigen Gutes Rehberg zurückgetre- ten. Die Auflösung des Pachtverhältnisses ft auf Grund einer unter Zuziehung der Land- wirffchaftskammer für Westpreußen zustande gekommenen, beide Parteien voll befriedigenden Vereinbarung erfolgt. Dem bisherigen Pächter des kaiserlichen Gutes ist zugleich der Kronenorden vierter Klasse verliehen worden ...!" Wer's las, lächelte vergnüglich, dachte an den nicht minder gelungnen Vorjahr-April- scherz, der uns die huldvolle Einladung des Reichswgprästdenten Kämpff zur Osterfahrt nach Korfu kündete und freute sich, daß Witz und Humor im deutschen Vaterland (trotz allem!) noch nicht erstorben. Warum (frug fromme Einfalt) erzählt man uns als April - Geschehnis, was schon vonn März-Abschied ernsthafte Wirflichkeit hätte werden sollen, und warum versucht sich die Schwäche offiziösen Hu mors an Dingen, die dem Scherzbereich läng entrückt? Indessen: Der erste April kann außer munterm Scherzspiel auch dauerhaftere Werte schaffen, und die ersteuende Apotheose im Fall des Cadiner Pächters hat nnterm Zauber der Aprfl-Premiere nicht gelitten: Herr Sohst ist wirklich rehabilitiert, erhält'tatsächlich hundertzwanzigtausend Silberlinge Abfindung und (als Zeugnis kaiserlicher Anerkennung allseitig gewürdigter und niemals bestrittner Verdienste) den Orden der Krone von Preußen in vierter Rangklasse! Der Aktschluß darf also mit der allzu temperamentvollen Inszenierung des ; ersten Szenenbilds versöhnen.