Casseler Abendzeitung
3. Jahrgang
Kernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 1. April 1913
Nummer 97
Fernsprecher 951 und 952.
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Kasseler Neueste Nachrichten
Hessische Abendzeitung
Reis in der Mhlingrnacht?
Liberale Opposition gegen den Kanzler.
Wie «ns ans Berlin berichtet wird, steht es fest, daß der Abgeordnete Bassermann im Namen der liberalen Parteien bei der Beratung der Heeresvorlage und der für sie aufzubringenden Mittel im Reichstage die Einführung der Erbschaftssteuer beantragen wird. Weiter heißt es, daß die vom Reichsschatzamt vorgeschlagene Deckungsbeschaffung für die dauernden Ausgaben der Heeresvorlage bei den Regierungen einiger Bundesstaaten ganz entschiedenen Widerspruch hevorge- rufen hat, weil sie darin eine« Eingriff in die Finanzhoheit der verschiedenen Einzelstaate» erblicken.
Nun scheint das Glück dem Kanzler doch zu früh gelächelt zu haben. Zu früh: Wie der warme Sonnenstrahl dem scheidenden März! Rechnet man alles in allem, dann klang im er- ftcn Hall das Echo der offiziösen Kundgabe über die Deckung?- und Steuerpläne der Regierung nicht allzu schrill; Herr von Bethmann Hollweg und Herr Kühn durften sich sogar einer „guten Presse" erfreuen, und es schien fast, als habe der erste laue Hauch des erwachenden Lenzodems allen Groll und allen Hader geschwichiigt. lieber Nacht aber ist's anders geworden: Die Kritik der neuen Steuervorlagen setzt mit nachtfrostartiger Heftigkeit ein, selbst die wilhelmstraßen-treue Kölnische Zeitung protestiert gegen das kühnliche Kühn-System der Kostendeckung, bemängelt die dürftige Konstruktion der Wehrbeitrag - Technik und erhebt (zwischen den Zeilen) wider den Vater des „rettenden Gedankens" den Vorwurf, er habe die Lastenverteilung weder glücklich noch geschickt geordnet. Und nun kündet auch Herr Bassermann noch Fehde! Ob's sich bei seiner Kampfansage um mehr als eine dekorativ wirkende Programm - Nummer, um mehr als einen taktischen Zug handelt, bleibt abzuwarten; daß die Forderung der Erbschaftssteuer „im Namen der liberalen Parteien" parlamentarisch angemeldet und ver- teidigt werden soll, scheint indeffen darauf hinzudeuten, daß eilte Phalanx von Bassermann bis Payer sich als Kampftruppe wider die (die Erbschaftssteuer umgehenden) Steuerpläne der Regierung einsetzen wird: Der Block der Linken gegen den Wall der Rechten!
Ist's so, und wird stch's beim parlamentarischen Tournier so gestalten, dann stehen uns Kampftage bevor, deren Ereignisgehalt sich heut noch nicht abschätzen läßt. Daß der vom Schatzsekretär Kühn geformte Steuer- und Deckungsplan der Reichsregierung von dem Grundprinzip bestimmt worden ist, die Gefahr der Erbschaftssteuer-Fehde zu umgehen, begegnet nirgends Zweifeln; daß die Steuervorlage in Konstruktion und Ertrag-Kalkulation von mancherlei Mängeln in Effekt und Wertgehalt geschwächt wird, darf ebenfalls als dem Zweifel entrückte Tatsache gelten: Es ergeben sich also für den parlamentarischen Kampf um die Deckung der Rüstung - Milliarde für die Opposition breite Angriffsflächen aus feiten der Regierung, und der Jdealgedanke, Wehrvorlage und Steuerentwürse von der frifchen Brise nationaler Begeisterung gleich beim ersten Auslauf in den Hafen glücklichen Erfolgs tragen zu lasten, scheint schon jetzt ins Märchenreich entrückt. Nun heitzt's zwar tröstlich, Herr Kühn habe das sorglich gewärmte Treibhaus seiner Steuerideen durch das am Freitag und Sonnabend der Nation überreichte Milliarden- forderungs - Präsent bei weitem noch nicht erschöpft, berge vielmehr (für alle Fälle) noch einen stattlichen Vorrat andrer, nicht minder gefälliger Entwürfe in stiller Vorratskammer; aber Herr Kühn, der Säckelmeister, ist nur „Nachgeordnete Stelle" und seine Jdeen-Frucht- barkeit hat sich demgemäß auf denjenigen Gedankenkreis zu beschränken, den des Kanzlers Oberhoheit vorher abgegrenzt. Und im engen Raume dieses Kreises hat die Erbschaftssteuer keinen Platz: Herrn von Bethmann schrecken die Spuren srühern Frevelmuts, und kein Sorgenlag wird ihn bestimmen können, Herrn von Heydebrands Götterzorn abermals leichtfertig zu entfachen.
Die Aussichten für die nahende Campagne sind also weder lenz-lieblich noch maien-schön, und da der Vorwärts bereits am Abend des Veröffentlichungstags der neuen Steuervorlage kategorisch erklärt hat, das parlamentarische Genosten-Hecr werde bis zur Erschöpfung dem Wirkltchkeitw-rdeu „stümpernder Verlegenheitspläne" widerstreben, so ist die Möglichkeit einer Verbreiterung der Opposition- - Kamvf-
F. H.
Abend verdüstert!
fordert das Land auf, sich gegen
Mark in Goldmünzen im Juliusturm zu Spandau ruht, soll im Zusammenhang mit den neuen Wehrforderungen verdreifacht werden. und zwar sollen weitere 120 Millionen
bermünzen „zur Befriedigung eines außerordentlichen Bedarfs" aufbewahrt werden. Die Zusammensetzung dieses Silberfchatzes nach den einzelnen Münzgattungen wird der Bundesrat regeln. Veränderungen im Juliusturm zu Spandau aber sind nicht geplant.
Der Reichs Kriegsschatz.
Ter R e i ch s k r i e g s s ch a tz, der seit dem Herbst 1871 int Betrage von 120 Millionen
Die Opfer von Adrianopel.
Nach den ersten, vom bulgarischen Haupt- quartier in Sofia eingegangenen Informationen betragen di« bulgarische« Verluste bei der Erstürmung von Adrianopel vom 24. bis 26. März ungefähr elftausend Tote und Verwundete; die Serbe« haben zwölfhun- dert Tote und Verwundete. Tie Zahl der Gefangenen beträgt ungefähr fechzigtausend Man« und achthundertdreiunddreißig Offiziere, darunter dreizehn Generäle. Tie Kriegsbeute beträgt 650 Kanonen verschiedenen Kal'bers, 58 Ma- fchinengewehre, zehn Fahnen und ein Fesselballon, eine große Menge von Waffen und Infanterie- und Artilleriemunitton und eine Anzahl von Fahrzeugen, wie fie im Festungsdienst gebraucht werden.
Fortsetzung des Krieges!
Ein Privat-Telegramm aus Konstanti- nopel meldet uns: Der Ministerrat hat be= schloffen, den Krieg fortzusetzen, falls der Balkanbund über die in der Note der Mächte formulierten Bedingungen hinausgehen werde. Es besteht die Hoffnung, daß England gegen die Politik Rußlands und Frank, reichs zugunsten der Balkanstaaten energisch protestieren werde. Tie Türkei müffe darauf bestehen, daß die neue Grenze auch eine Verteidigung des Landes ermögliche, dies sei aber bei einer Linie Kadiköi-Midia unmöglich. Falls die Türkei Türhüterin der Dardanellen bleiben solle, müsse dieses Tor vo 1,1 ständig in ihre« Händen bleiben.
gen mtt feinen ernsten Gefahren nehme in ganz Europa zu, und auf der anderen Seite der Vogesen würden die fruchtbarsten Rüstungen fieberhaft betrieben, ohne Widerstand, ohne Diskussion. Tie reaktionäre ™
einer Abgeordneten zu erheben und empfiehlt den Staatsstreich. Im Gaulois sagt Arthur Meyer: „Man wird bald gewahr werden, daß es aus der gegenwärtigen Situation nur einen Ausweg gibt, der a u tz e r fi a I b der Ge- etzmätzigkeit liegt," und Echo de Paris erklärt: „Das Land mutz sich bewußt werden, daß es von seinen Führern nichts mehr zu erwarten hat. Wenn Frankreich gerettet werden soll, so muß es sich selbst retten, ohne das Parlament, trotz des Parlaments, gegen das Parlament...!"
äre Presse Mark gleichfalls in Goldmünzen unverzinslich - - -
den Verrat aufgespeichert, und dazu 120 Millionen in Sih- biete zu erhalten, beharrt. Die Situation ist
Sie neue Heerer-Borlage.
Einzelheit«« aus der Wehr-Vorlage.
Die einzelnen neuen Forderungen, die die Wehrvorlage bringt, werden in einem Ergün zungsetat, der als Anlage zum Etatsgesetz bezeichnet wird, ausgeführt. Daraus geht hervor, daß das Kriegsministerium um eine Anzahl Offiziere und Beamte vermehrt wird; es soll einen Generalmajor als neuen Abteilungschef bekommen. Auch die Jnten- danturverwaltung erführt eine starke Vermehrung. Sehr groß ist die Zahl der neuen höheren Truppenbefehlshaber. Für C a s s e l wird eine weitere Bau rate für den Train-Kasernenbau angefordert. Im einzelnen verteilen sich die Forderungen der neuen Heeresvorlage wie folgt:
Die Heeres-Vermehrung.
Reue Kriegs-Gefahr?
Tepeschen aus Petersburg melde« unS: Man muß ernstlich mit der Möglichkeit eines bewaffneten Konfliktes zwischen Bulga. rien und Rumänien rechnen, denn es verlautet aus absolut sicherer Quelle, daß Bulgarien lieber zu den Waffen greifen will, als Si- liftria ausgeben. Unter diesen Umständen ist die Gefahr kriegerischer Verwickelungen zwischen den beiden Reichen in bedrohliche Nähe gerückt, da Rumänien auf seiner Forderung, Siliftria bei der Reuabgrenzuug der Balkange-
Staatsstreich-Gefe^ in Frankreich?
Die Republik, ihre Führer und das Volk.
Die Tatsache, daß sich die ffanzöfische Kammer bis zum sechsten Mai vertagt hat, ohne das neue Gesetz derdreijäh- rigenDienstzeitzu diskutieren, und daß auch die Armeekommission ihre Arbeiten bis Ende April unterbrochen hat, ruft in Frankreich allgemeine Erregung und Mißstimmung hervor: Der Figaro beklagt in heftigen Worten, daß sich das Parlament, anstatt die geforderten Maßregeln für die nationale Verteidigung zu beraten, mit der Amnestierung von Verbrechern beschäftigt habe. Während der verlorenen Zeit vermehrten sich die Gefahren der allgemeinen Krise. Der Wettstreit der Rustun-
Hnie von Bassermann bis Bebel in sichtbare Nähe gerückt. Es erübrigt sich, auf diese denkbar gewordne Eventualität die Zähre der Trauer rinnen zu lassen: Die Forderung der Erbschaftssteuer ist ein selbstverständliches und natürliches Gebot volkstümlich-liberaler Politik, und die Gelegenheit, ihre Verwirklichung als Preis der Billigung eines Milliarden-Opfers zu erstreben, war nie günstiger und aussichtsreicher, als grade jetzt. Schon aus partei-taktischen Erwägungen mutzte also Herr Bassermann zu dem Entschluß gedrängt werden, ohne zimperliche Rücksichtnahme auf sreundnachbarliche Vorbesprechungen mit dem Kanzler und den Kollegen von rechts die Forderung der Erbschaftssteuer anzumelden. Herr von Bethmann Hollweg bleibt trotzdem im Schutz parlamentarischer Deckung: Opfert er den Widerstand gegen die Erbschaftssteuer auf dem Altar versöhnender Liebe, dann geschieht's nicht aus eignem, starkem Herzenstrieb , sondern der Not gehorchend und dem Druck der Opposition, und selbst Heydebrands Unentwegtheit kann (wenn die Rettung des Rüstungswerks ohne Bassermann und Payer nicht möglich) dem Kanzler nicht grollen, der einen (schon halb gewelkten) Grundsatz opfert, um einen Milliardenwert zu retten. Gehi's ohne Erbschaftssteuer, ohne Bassermann und Payer: Schön; der Kanzler ist auch dann (für's erste) gerettet,' der Block des Morgen- dümmerns der Bethmann-Aera neu erstanden und ... für kommende Tage eine G e - fahr herausbeschworen, die vielleicht in nicht ju ferner Zeit der fünften Kanzlerschaft
Es werden angefordert: Ein Armeeinspekteur, ein Inspekteur des Militär- und Krafffahrwesens, vier Kavallerie-Brigadekommandeure. ein Inspekteur der Luftschisfertruv- pen, ein Inspekteur der Fliegertruppen, zwölf Landwehrinspekteure. Für Köln wird ein Kommandant gefordert, für Grandenz ein Gouverneur und ein Kommandant, für K ö - n i g s b e r g ein Gouverneur und ein Kommandant. zwei Kommandanten für Neu-Breisach und vier mit Regimentskommandeur- Rang für die Truppenübungsplätze Gruppe, HeuSerg. Orb und Zossen. Zwei Chef? deS Generalstabs in zwei größeren Festungen werden angefordert, ebenso die entsprechenden höheren Offiziere für die Vermehrung der Ingenieur- und Pionierttuppen. Neu verlangt werden acht Regimentskommandeure, 437 Bataillons- und Abteilungskommandeure, 584 Kompagnie-, Eskadrons- und Batterie-Chefs. 1538 Oberleutnants und Leutnants. An Sani- tätsofftzieren werden neu gefordert ein Generalarzt, 29 Generaloberärzte und die weiteren 68 Aerzte, fotoie das dazu gehörige Personal. An einmaligen Ausgaben werden die Neubauten aufgefühtt. darunter für Koblenz eine Kaserne für ein Trainbataillon. Verschiedene dritte und bierte Bauraten für Kasernenbauten, die für fpätere Etats ursprünglich vorgesehen waren, werden bereits jetzt angefordert, darunter für Trainkompagnien in Cassel und Darmstadt.
Für Kasernen-Reubaute« in Durlach, Freiburg, Karlsruhe und Mannheim werden Schlußraten gefordert. Für Vergrößerung des Truppenübungsplatzes Jüterbog werden 1197 000 Mark angefordert, zur Ergänzung der Unterkunft und der Ausstattung. Aus Truppenübungsplätze werden als erste Rate 10,25 Millionen angefordert. Zur Erwerbung eines Truppenübungsplatzes für das vierzehnte Armeekorps in H eu- b e r g werden als sechste Rate zwei Millionen verlangt; für Erwerbung und Herrichtung eines Truppenübungsplatzes im Osten des Reichs werden als erste Rate 40 000 Mark gefordert. Die Gefarntkosten sollen sich auf 25 Millionen belaufen. Zur Errichtung eines Fußartillerie- schießplatzes werden als erste Rate 60 000 Mark von insgesamt 16,5 Millionen Mark Kosten angefordert. Größere Summen werden angefordert zur Neubeschaffung für das Militär- Medizinalwesen. AIS erste Rate zur Beschaffung von Feld-Sanitätsmaterial werden 539 000 Mark verlangt. Eine erste Rate tritt auf für den Neubau einer neuen Kriegsschule, einer neuen Militärsckmiede, für den Neubau dreier Unteroffiziervorschulen im Bereiche des sechsten und neunten Armeekorps und in Jülich. Zur Beschaffung von Handwaffen für die Artillerie werden 10 826 000 Mark angefordert, zur Ergänzung für Feldartilleriezwecke 23 674688 Mark. Zur Ergänzung und Verstärkung der Festungen werden insgesamt 70 Millionen gefordert, darunter zur Verstärkung der Festung Germersheim 1200 000 Mark.
Tiirkensieg bei MatMcha!
Ein voller Erfolg der türkische« Waffen.
Das Kriegsglück am Balkan scheint sich wieder einmal gewendet zu haben: Am südlichen Ausläufer der Tschataldscha-Stel- l u n g haben die Türken am Sonnabend einen großen Waffenerfolg errungen und den Feind zurückgeworfen. Ob dieser Sieg der Türken für die fernere Gestaltung der militärischen Operationen vor Tschataldscha entscheidend fein wird, läßt sich aus den bisher vorliegenden Meldungen nicht trf elfen. Der offizielle türkische Kriegsbericht meldet über die Sonnabend-Kämpfe kurz und bestimmt:
Am Sonnabend hat im Westen von Büjük- Tschekmedje ein großer Kampf stattgefunden, der mit der Niederlage. deS Feindes endete. Der Feind ließ etwa tausend Tote zurück; die türkische« Truppen erbeuteten vielGewehre und Kriegsmaterial.
Zu diesem Kampf wird aus Konstantinopel noch gemeldet: In der Nacht zum Sonnabend hatte der Feind eine vorgeschobene Stellung westlich von Büjük-Tschekmedje angegriffen," unb ein türkisches Bataillon, das sich dott befand, war zurückgewichen; infolge eines bei Tagesanbruch von dem linken türkischen Flügel mit Unterstützung der Flotte unternommenen Gegenangriffes wurde der Feind aber zurückgeworfen. Ein feindlicher Angriff gegen den Hügel Muradtepe in der Tfcha« taldschalinie ist an dem Widerstande der türkischen Truppen gescheitert.
Der Erfolg der Türken.
Das Gefecht am Sonnabend auf dem linken türkischen Flügel der Tschtaldschalinie war (wie der Großwesir den fremden Diplomaten in Konstantinopel mUteilte) ein »oller Erfolg der türkischen Waffen. Dje Türken er- ofierten alle Stellungen wieder, die tags zuvor von den Bulgare« genommen worden waren, so daß sie sich jetzt wieder in den alten Stellungen befinden. ES zeigte sich, wie in dem türkischen Bericht betont wird, auch diesmal, daß die Bulgaren den Türken nicht g e - wachsen sind, sobald fie auf aktive Risamtrup- pen stoßen. Die Türken hatten 300 Tote und 500 Verwundete, während die Bulgaren allein über tausend Tote auf dem Schlachffelde ließen, die von den Türken begraben wurden.
Ein Wunsch des Kaisers.
H o m b u r g v. d. H., 31. März. (Privat- Telegramm.) Der Kaiser nahm gestern den Vottrag des Chefs des Militärkabineits entgegen, wobei er über die Nachricht von der Genehmigung der Militärvorlagen durch den Bundesrat seine höchste Befriedigung ausdrückte. Der Kaiser äußette dabei den Wunsch, daß das deuffche Volk 1913 ebenso wie vor hundert Jahre» seine Bereitwilligkeit zeige» möge, für das Vaterland die größten O p f e r zu bringen, da das Reich j» der gegenwärtige» Zeit dieser Opfer bedürfe.
Auch Oesterreich rüstet!
Wie», 31. März. (Privat - Telegramm.) Die neue Heeresvorlage foll noch vor de» Sommerferien eingebracht werden. Die Friedenspräfenz foll um 50 000 Mann er höht werden. Das gestattet eine Mehreinftel- lung von 25 000 Rekruten pro Jahr, die hundert Millionen an einmalige» Teckungsunkosten erfordern. Tiefe Summe foll auf mehrere Jahre verteilt werden. Auch die kürzliche Audienz des ungarifchen Ministerpräsidenten beim Kaiser steht mit dieser Angelegenheit im Zusammenhang.
Die Stimmung in Frankreich.
Paris, 31. März. (Privat - Telegramm.) Zur deutschen Heeresvorlage schreibt das Echo de Paris: Das deutsche Volk ist vom imperialistischen und militaristischen Taumel erfaßt, der ihm das Gefühl für die Wirklichkeit genommen hat. DaS französi- fche Bott ist verpflichtet, wenn es sich nicht völlig einem eventuellen Gegner ausliefern will, dem zu folgen. Das ist die bittere Wahrheit. Wenn in dem tragischen Augenblick, wenn es zu dem gräßlichsten Maffakres führen wird, Frankreich sich selbst überlassen wäre, so würde es die Rolle des Lammes spielen, das zur Schlachtbank gefühtt wird.