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Casseler Neueste NaMtm

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Kernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 3V. März 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Die Wehr-Vorlage

Es werde« verstärkt

Die einmaligen Kosten

zusammen also auf 898 Millionen Mark.

Jährlich 63000 Rekruten mehr!

Revirement in der Marine?

Nummer 96

Um die angegebene Präsenzstärke zu errei­chen. sollen jäbrlich rund 63 000 Rekruten

Berlin. 29. März. (Privat-Tele« gramm.) S3it verlautet, stehen für die näch­sten Tage wichtige Veränderungen in den höchsten Kommandostellen der Mari­ne bevor. Der Chef der Marinestation der Nordsee, Admiral Graf Baudissin, wird in den Ruhestand treten. Vizeadmiral von He­ringen soll zum Stationschef in Wilhelmsha­ven. Admiral Pohl zum Chef des General-

Die Milliardenspende der Ration.

Zur Deckung der e i n m a l sg e n Ausga­ben sieht (wie offiziös bekannt gegeben wird) der Bundesrat die Erhebung eines einma­ligen Wehrbeitra'ges vor, an dem sich auch die deutschen Bundesfürsten beteili- gen werden. Der Wehrbeitrag soll nach dem Entwurf in einer Abgabe von % Prozent des Vermögens bestehen, jedoch ist auch ergänzungs- weise eine Heranziehung der hohen Einkom­men vorgesehen. Wer ein Einkommen von 50 000 Mark und darüber hat, soll einen einmaligen außerordentlichen Beitrag von 2 Prozent des Einkommens zu entrichten haben, sofern er nicht schon aus dem Vermögen einen gleich hohen oder höhern Betrag leisten muß. Kleine Vermögen bis zur Höhe von 10000 Mark sind von dem Wehrbeitrag befreit. Zur Vermeidung von Härten ist vorgesehen, daß der Betrag in kleinen Raten entrichtet werden kann und Stundungen bis zu drei Jah­ren sind znläffig. In den Kreis der Beitrags­pflichtigen sind auch die Aktiengesell­schaften und Kommanditgesell­schaften auf Aktien hineinbezogen. Für frü­here falsche Einschätzungen ist Straffrei­heit zugesichert und eine Nachzahlung hinter­zogener Steuern braucht nicht geleistet werden.

3nfertttm»pretfe: Die sechsgespalten« Zelte für einheimisch« Veschäste 15 Pfg., für aui. würNge Inserate 25 Pf, Reklamezetle für einheimische Geschäft« 4» Pf, für auSw-v-ttge SeschästeooPf. Einfache Beilagen für Vie »esamtauflage werden mit »Mark pro Tausend be. rechnet. Wegen ihrer dichten Berdreitung in der Residen, und der Umgehung sind die Lasseler Neuesten Nachrichten -in vorzügliche» JnserttonSorgan. Sefchäftsüelle: Nölnisch« «traüe 5 Berliner Vertretung SW, 4rt-drtchstras- 18. Telephon: Amt Morttzpla« 12534

Die Zivilversorgungs-Entschädigung wird von 12 auf 20 Mark monatlich erhöht, die Geldabsindnng von 1500 auf 3000 Mark.

mehr eingestellt werden. Die gesamte Hee- resvermehrung beläuft sich auf rund 4000 Offi­ziere, 15 000 Unteroffiziere, 117000 Gefreite und Gemeine und 27000 Pferde. Aus diesem Bestände werden zahlreiche Formationen der

gründung der Vorlage hervorhebt) ein rascherer und vermehrter Aus bau unserer Festun­gen erforderlich, damit diese den Unterneh­mungen des Feldheeres einen sicheren Rückhalt und Stützpunkt bieten können.

*

Der Zwang zur Rüstung.

In der allgemeinen Begründung der Heeres-Dorlage heißt eS: Durch dis Ereignisse, die sich auf dem Balkan abspielen, sind die europäischen Machtverhältnisse verschoben wor­den. Deuffchland hat in einem Kriege, der ihm aufgenötigt werden sollte, langgestreckte, von Natur zum großen Teil offene Grenzen mög­licherweise gleichzeisig gegen mehrere Feinde zu schützen. Infolge der eingetrete- ncn Verschiebungen ist es heute mehr denn je unsere oberste Pflicht, diesen Schutz so stark zu gestatten, wie unsere Vottskraft es zuläßt. Die Stärke unseres Heeres hat mit dem Wachstum der Bevölkerung nicht völlig gleichen Schritt gehalten. Teile der wehrkräf­tigen Bevölkerung bleiben gegenwärtig für den Waffendienst unausgebildet. Die allgemeine Wehrpflicht ist aber die bewährteste Un­terlage für Deutschlands Stärke. Nur wenn sie verwirklicht bleibt, können wir der Zukunft mit dem sicheren Gefühl erfüllter Pflicht und festen Vertrauens entgegensehen. Dann bleibt auch die Armee jimg, und wir sind nicht genö­tigt, im Kriegsfälle ältere Jahrgänge, Männer mit Frau und Kind, sofort in vorderster L i n i e an den Feind zu führen, währeich junge, diensttaugliche Mannschaft zurückbleibt. Leiten­der Gedanke der Vorlage ist deshalb der A u s - bau der allgemeinen Wehrpflicht nach dem Stand der Bevölkerung.

der Versenkung entschwunden, und man tat recht daran, denn die Opposition der Bundesstaaten wäre ein zu teurer Einsatz für den Milltonen- gewinn gewesen. Alles in Allem: Deckungs­pläne von unbestrittnem Nützlichkeitsgehalt, be­reit parlamentarische Politur Herrn Kühn sicher­lich weniger Sorgen bereiten wird, wie Herrn von Heeringen die Verteidigung seiner Rechnungs-Begründung ...! F. H.

drei Hauptmassen auf einen erhöhten Etat ge­bracht. Die Durchführung der sämtlichen geplanten Maßnahmen bei den drei Hauptwaf­fen ist in Anbetracht ihrer Dringlichkeit soweit als möglich für den Oktober 1913 geplant. Nur bei den Spezialwaffen zwingen Rücksich­ten organisatorischer Art zu einer Verteilung der Durchführung auf einige Jahre. Die in den geltenden Gesetzen über die Friedensprä­fenzstärke des deutschen Heeres bereits angeord­neten organisatorischen Maßregeln, deren Ver­wirklichung noch im Vorjahre bis auf 1914 und 1915 verschiebbar erschien, sollen schon im Herbste 1913 durchgesührt werden. In ähn­licher Weise soll die größtenteils durch die Etats der letzten Jahre bereits angestrebte Beschaffung von Kriegsmaterial aller Art be­schleunigt werden. Auch ist lwie die Be-

Die Friedsnspräsenzstärke des deutschen Heeres wird von 544211 Mann ans 661176 Mann erhöht; die einmaligen Kosten der Heeresverstärk- ung stellen sich auf 898 Millionen Mark, die fortdauernden Kosten in den nSchtten drei Jahre« auf zusammen 393 Millionen Mark!

stellen sich für 1913 auf 435 Millionen Mark, für 1914 auf 285 Millionen Mark, für 1915 auf 178 Millionen Mark,

M entschleierte Geheimnis.

Randbemerkungen zur Heeres-Dorlage.

Herr von Heeringen, von dem es noch in den späten Januartagen hieß, fein schwäch­lich Zaudern habe die durchgreifende Rüstungsverbesserung des Reichs bei der For­mung der letzten Militärvorlage vereitelt, ist rehabilitiert: Die gestern abend erfolgte offi­ziöse Bekanntgabe der neuen Heeresforde- rungen läßt von Bescheidenheit im Fordern keine Spur mehr sehen, ihre gigantischen Zif- fernreihen bewegen sich ausnahmslos dicht an der Grenzscheide zwischen Möglichkeit und An- spruch-Ueberspannung, und wenn es Wahrheit und nicht Dichtung war, was die Generalstab- Presse dem Kriegsminister ins Sündenbuch schrieb (daß er die Bedürfnisse des Heeres nicht früh genug erkannt und noch in den Tagen europäischer Gefahr mit dem Entschluß zu neuen Forderungen gezögert habe), damt ist über Nacht aus dem Saulus ein vom Eifer zur Tat beseelter Paulus geworden. Rund hun- dertsiebzehntausen Mann mehr als bisher sollen nach der neuen Heeresvorlage zu- künftig unter den Waffen stehen, die Friedens- präsenzstärke der Armee eine Ziffer erreichen, die das Höchstmaß der Leistung darstellt, und die trotzdem nicht als durchgreifende Ver­wirklichung des allgemeinen Wehrpflicht-Prin­zips geschätzt werden kann, weil die Bevölke­rungszahl eine noch intensivere Nutzbarmachung der Vottskraft für die Reichswehr ermöglichen würde. Immerhin: Die Vorlage krankt nicht an mangelnder Großzügigkeit, und nur Eins befremdet: Daß allein der Balkankrieg Anlaß dazu gegeben haben soll, die Reichs­rüstung in diese riesenhaften Maße zu recken. Hat man so spät erkannt, daß wir, um allen Eventualitäten gegenüber sicher und zuversicht­lich bleiben zu können, die Wehrkraft stärken mußten?

Diese Frage läßt die Begründung der Vor­lage offen: Sie handelt nur von der durch das Balkandrama verursachten Machtverschiebung im Südosten des Kontinents, registriert die Möglichkeiten, die aus dieser Tatsache sich für die um die Sicherung des Friedens bemühten Großmächte ergeben können und spricht in knap­pen (nicht sonderlich glücklich gewählten, kaum an's nationale Empfinden rührenden) Worten von den vaterländischen Pflichten, die sich aus der Erkenntnis der Gefahren-Erhöhung für Reich und Ration ergeben. Kein markiges Wort, keine Silbe, die den Vergleich zwischen achtzehn- und neunzehnhundertdreizehn auch nur in der Erinnerung wecken könnte, kein tiefinnerlicher Appell an Volksgewissen und Opfermut: Kühl und geschäftsmäßig erzählt uns Herr von Heeringen, was den Plan der Rüstungsstählung bestimmte und formte; rech­nerisch übersichtlich und korrett, nach Hauptbuch- Rubriken geordnet, präsentiert er seine Forde­rungen, und keine Andeutung, keine Wendung löst das Rätsel der überraschenden Plötzlich­keit dieser Erkenntnis-Erleuchtung. Die Be­gründung der Heeresvorlage ist die Achi ll e s - ferse dieses Dokuments ernster Zeit, und Herr von Heeringen müßte ein Sonntagskind des Glücks sein, wenn es ihm erspart bleiben sollte, tiornt Parlament über den raschen Wechsel zwischen Ebbe und Hochflut seiner Wünsche Rede und Antwort zu stehen. Es mag für einen Kriegsminister schmerzlich sein, die Geschichte - feiner Bekehrung preiszugeben, aber schließlich handett's sich doch um Fragen der Reichs- Sicherhett. Und diesem Wertstück gegenüber muß jede Nachsicht-Regung schweigen!

Herr Kühn, der Schatzsekretär des Reichs, hat glücklichere Arbeit geleistet: Die Deckungs- Vorlage zeichnet sich zum mindesten durch eine außerordentliche Vielseitigkeit aus, und wenn sie auch nicht grade den Stein der Weisen birgt, so darf doch gesagt werden, daß sie eine Fülle guter Gedanken zur Verwirklichung eines be­deutsamen Ziels vereint. DieMillarden- spende" der Ration reicht in der Horm, wie sie Herr Kühn konstruiert, zur Deckung der ein­maligen Ausgaben im wesentlichen aus, und es läßt sich nicht leugnen, daß der Besteuerung der großen Einkommen ein gesunder Gedanke zugrunde liegt. Man wird ihn nur erst mtt der Vermögensbesteuerung in rechten Einklang zu bringen haben, nm ihn fruchtbar werden zu lassen. Tas Richtige dürste sein, in der Einkommensbesteuerung auf dieselbe Grenze herunterzugehen, die da? versteuerbare Ver­mögen bezeichnet. Was in dieser Hinsicht noch zu tun ist, bleibt Aufgabe der parlamentarischen Beratung, und da Herr von Bethmann Hollweg in traulichem Beisammensein mit den Führern der Parteien die Stimmungen im Parlament erhorcht und die Möglichkeit der Mebrheitschaffung erspäht hat, wird eine Eini­gung darüber nicht unmöglich sein. Der Plan eia« dauernden Reichsvermögenssteuer ist in

die Infanterie von 661 auf 669 Bataillone,

die Kavallerie von 516 auf 550 ESkadrons,

die Fußartillerie von 48 auf 55 Bataillone,

die Pioniere von 33 auf 44 Bataillone,

die Verkehrstruppen von 18 auf 31 Bataillone, der Train von 25 auf 26 Bataillone,

Die Deckung der Mehrausgabe«

soll erfolgen durch einen erhöhten Betrag der bestehenden Zölle und Steuern, die Er­hebung eines Stempels von Gesellschafts- Verträgen und Versicherungsquittungeu, die Er­weiterung des Erbrechts des Staates, die Ueberschüffe von 1911 und 1912 und die Erhe­bung eines Wehrbeitrages als einmalige Abgabe vom Vermögen.

Die im ganzen deutschen Vaterlande mit so großer Spannung erwarteten Vor- schlage der Regierung über die Ver­stärkung unserer Rüstung, deren Kosten und die Vorschläge zu ihrer Dek- kung sind gestern abend von der Nord­deutschen Allgemeinen Zeitung bekannt- gegeben worden. Sie bringen keine Üeberraschnng hinsichtlich des Inhalts der Vorlage, doch übersteigt der Umfang der Forderungen bei weitem die bisheri­gen Annahmen über die Höhe der RüstungS-BerstärklMg. Die Friedensprä­senzstärke des Heeres wird um 116 965 Mann erhöht und damit auf einen Stand gebracht, der hinsichtlich der Kosten­frage das Höchstmaß Dessen darstellt, das von der Nation zurzeit wirtschaft- l i ch überhaupt geleistet werden kann.

Die Extra-Ausgabe der offiziösen Norddeut- chen Allgemeinen Zeitung bringt eine Ueber- icht über die Heeresvorlage und die dazu gehörigen Steuervorlagen. Die Heeresvorlage setzt die Friedenspräsenzstärke auf 661176 Mann fest (plus 116965). An dieser Frisdenspräsenzstärke sind beteiligt:

Preußen (einschließlich der unter preußischer Militärverwaltung stehenden Kontingente) mit 513068

Bayern mit 73168

Dachsen mit 49 472

Württemberg mit 25 468 Gemeinden, Gefrei­ten und Obergefreiten,

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Deutsche Rüstungs-Arbeit.

Die Heeresverwaltung und die nene Heeres» Vorlage; VerwirMchrrng der Rüstungsves» fiärknng im Stillen; Symptome ernster Zeit ,

Die neue deutsche Heeresvorlage ist nun bekannt, und wenn auch noch Zweifel über die Mittel und Wege ihrer Deckung bestehen, so darf es trotzdem wohl als sicher gelten, daß diese Deckung doch noch erfolgen wird. Es wird nun interessant sein, zu erfahren, daß tn der sicheren Hoffnung auf den glücklichen Ver­lauf der Deckungs-Verhandlungen die deutsche Heeresverwaltung schon seit lang em be­gonnen hat, die Rüstungsvermehrungen vorzubereiten. Diese Vorbereitung ist keine zufällige gewesen, sondern etne systemati­sche und wohlgeordnete. Wir erhalten darüber folgende authentische Informationen:

Hochkonjunktur in Armee-Bedarf-

(Von uttfertn R. 8. - Mitarbeiter.)

Berlin, 29. Mär,.

Der Mehrbedarf unseres Heeres nicht nur an Mannschaften, sondem auch an den zu ihrer Bekleidung und Ausrüstung notwendigen Waffen-, Munitions- und Gardero- ben-Stücken ist längst auf das Genaueste berechnet und festgestellt worden. Bis die Hee- resvorlagen und die Deckungsgesetze im Reichs­tag vollständig erledigt sind, darüber können noch Wochen, ja vielleicht Monate vergehen. Spätestens am ersten Oktober sollen aber die HeereSvermchrungen verwirklicht sein, und bis dahin muß auch die sehr umfangreiche Herstel­lung des Mehrbedarfs an Bekleidungs- und AuSrüstungsmaterialicn erledigt fein. Um das zu ermöglichen, hat die Heeresverwaltung die notwendigen Lieferungsaufträge schon lange vergeben und überall, tu allen in Frage kommenden Fabriken und Werkstätten, wird schon seit Monaten an diesen Auf­trägen gearbeitet. Einzelne Waffenfabriken ha­ben gar nicht genug Arbeiter einstellen können, um den Lieferungsbedingungen der Heeresver­waltung zu genügen. Es findet nicht nur eine Vermehrung des vorhandenen Kriegsma­terials statt, sondern auch eine durchgreifen«e Revision und Verbesserung des Ma-, terials, das schon in Gebrauch war. Soweit diese Arbeiten nicht in den milttärischen Werk­stätten selber, sondern in privaten Unterneh­mungen erledigt wurden, sind diese

zur größten Eile

und zur Einräumung kürzester Lieferungsfristen bestimmt worden. Ueberstundenhonorare tour« den von der Heeresverwaltung gern bezahlt, ja, in einzelnen Fällen, wurden den Lieferanten sogar Vorschüsse gewährt, damit sie ihre Dis­positionen möglichst günstig für die Heeres­verwaltung einrichten konnten. Interessant ist nun die Frage, woher die Heeresverwaltung die Mittel nimmt, um diese Ausgaben zu bestreiten, die offiziell noch gar nicht bewilligt sind. Es handelt sich hier wirklich um außer­ordentliche Ausgaben, die im Etat natürlich nicht vorgesehen sind, und für die die Deckung deshalb aus außerordentlichen Quellet? lam­men muß. Daß die Heeresverwaltung etwa den Kredit von Lieferanten in Anspruch genom­men hätte, ist ausgeschlossen. Sie hat alle Auf­träge sofott bei Ablieferung bar bezahlt und, wie schon erwähnt, sogar Vorschüsse ge- wähtt. In den Kreisen der Armeelieferanten nimmt man an, daß die Mittel des Ju­lius tu rmS in Spandau für die jetzigen Ausgaben schon in Anspruch genommen worden sind. Das wäre eine außerordentliche Praxis, die sich aber mit den besonderen Umständen rechtferttgen ließe, zumal ja fein Zweifel be- steht, daß bet Kriegsschatz im Juliusturm nach der Beendigung der notwendigen Reichstags­debatten bald wieder um den enthobenen Be­trag aufgefüllt werden kann.

Die dauernden Ausgaben.

Die laufenden Ausgaben der Rü­stungsverstärkung werden gedeckt durch Erhö­hung der Matrikularbeiträge um 1,25 Mark pro Kopf der Bevölkerung. Als Gesetz, das für den Fall, daß eine landesgesetzliche Re­gelung nicht rechtzeitig zustande kommt, von Reichs wegen in den betreffenden Bundes­staaten in Kraft zu treten hat, ist ein Ver- Mögenszuwachs - Steuergesetz vor- geschlagen. Die Steuerpflicht ist beschränkt auf natürliche Personen. Kleinere Vermögen bis 6000 Mark sind von der Steuer befreit. Die Steuersätze bewegen sick> zwischen 0,5 und 2,5 Prozent des Zuwachses. Infolge des durch die Militärvorlage erhöhten Bedarfes soll die geplante Ermäßigung der Z u ck e r st e u e r un­ter Wegfall des Zuschlages zum Grundstücks- stempel noch bis zum Ende 1917 hinausgescho­ben werden. Weiter ist geplant, ein Reichs­stempel auf Gesellschastsverträge und Versiche­rungen unter Wegfall der bisherigen einzelstaat- lichen Besteuerung dieser Vertrage. Der Mehr­ertrag aus der Besteuerung der Gesellschastsver- trage ist auf 28 Millionen veranschlagt. Die Versicherungsverträge sollen dem Reiche 36 Mil­lionen Mark zuführen.

Die fortdauernde« Kosten

stellen sich für 1913 auf 54 Millionen Mark, für 1914 auf 153 Millionen Mark, für 1915 auf 186 Millionen Mark, zusammen auf 393 Millionen Mark.