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Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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1S13. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

Nummer 95

Sonnabend- 29

Fernsprecher 951 und 952.

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Churchills Feiemhr-Taum.

Unsre blonden Vettern und wir.

Mister Winston Churchill, der Erste Lord der englischen Admiralität, ist nicht unser Freund, hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß er den blonden Vetter diesseits des Kanals als gefährlichsten Macht- und Wirtschafts-Kon­kurrenten- beargwöhnt und pflegt in kurzen Zwischenräumen das Angelsachsen-Gewiffen im­mer wieder daran zu erinnern, daß vom stamm, und blutverwandten Volk der Deutschen dem Briten-Jmperium Gefahr drohe. Man mag Das betrauern oder bejubeln: Es ist die lieber« zeugung eines Mannes, der sein Vaterland liebt und der seine Stellungnahme zu den Problemen internationaler Völkerpolitik nicht den Maximen krähwinkelnder Kleinlichkeit anzu­passen Pflegt. Churchill spricht oft und viel, aber er spricht nicht nur: Er hat etwas zu sa­gen, und es erhöht sicherlich den Wert dieser spezifisch-angelsächsischen Persönlichkeit, daß der Erste Lord der Admiralität für den Oelzweig- Kult deutsch-englischer Friedens- und Versöh- nungs Fanatiker nicht das mindeste Ver­ständnis offenbart, sondern die Entwicklungs- Möglichkeiten deutsch-englischer Zukunft in dem verständigen Ausgleich der zur Giganten­größe emporwachsenden Machtrüstung der bei­den Nationen aus kernigem Germanenstamm erblickt. Unterm Gesichtswinkel der Persön­lichkeitswerte im Wesen des Politikers und Staatsmanns Churchill betrachtet, gewinnt sei­ne Mittwoch-Rede im britischen Unterhaus mit dem überraschenden Schlußeffekt des Feier­tag - Appells an Deutschland erhöhte Be- deutung, gesteigertes Interesse und eine deut­lich ausgeprägte Willensnote. Daß der Vor­schlag des Seewehr-Lords unferm Nationalge­wissen unannehmbar dünkt, mindert nicht den ideellen Wertgehalt der Idee: Man beseitigt nicht Berge des Aergernifles durch einen ein­zigen rüstigen Spatenstich!

Churchill ist weder Phantast noch Träumer, er kennt nicht Ueberfchwang, nicht pessimistische Schwarzseherei, und er war einer der Ersten, die über die Gespensterluftschiff-Märchen der Londoner City-Presse lächelten, wie man über einen Kinderscherz zu lächeln pflegt: Man darf alfo annehmen, daß er feine Einladung an Deutfchland, im W e t t r ü st e n zur See eine Pause von Jahresdauer eintreten zu lassen, nicht bekanntgegeben hat, ohne sich vorher über die notwendigen und unabwendbaren Wir­kungsfolgen einer solchen Maßnahme klar ge­worden zu fein. Er hat den Zwang des Rü­stungswettbewerbs eine Sklaverei genannt, in die Europens Völker freiwillig sich begeben, und fein Appell an Vernunft und Gewissen gründet sich auf die natürliche Erkenntnis, daß eines Tages das Rüstungsfieber mit einer K a- t a st r o p h e enden muß, die die Völker viel­leicht fchwerer heimfucht, als je ein Krieg es vermocht. Winston Churchill will nicht versöhnen, nicht durch Phrasenschwall und Wortgeklingel geschichtliche Tatsachen verbrämen, nicht in bil. ligen Sentiments an die germanische Empfin­dungssaite rühren: Er proponiert, ein kühler Kopf und nüchterner Politiker, den Ausgleich durch eine Pause im hastenden betrieb des Flotten-Wettbewerbs, durch einen Ruhetag im verzweifelten Ringen zweier starker Natio­nen um die Sicherung ihrer Macht. Er kalku­liert wie der Kaufmann, der mit dem Konkur­renten im beiderseitigen Interesse den Wettbe­werb erträglicher gestaltet, indem beide für eines Jahres Dauer die Propagandakosten sparen, und sich auf diese Weise von einer Ausgabe be­freien, die auf beiden Seiten mit der Zeit zu einer drückenden Last geworden war. Darf man einen Kaufmann, der feinem Konkurrenten biefen Vorschlag unterbreitet, einen Toren schelten?

Im Gegenteil: Man muß ihn als einen Weisen schätzen! Winston Churchills Kalkula­tion ist (mit dem Auge des Briten betrach­tet) klug und geschickt, ist sozusagen das Pro­dukt verständiger Erkenntnis und darf in Form und Wirkungseffekt sogar dem Ueberpatrioten im Jnselreich genügen. Auch vom deutschen Standpunkt aus gesehen, erscheint sie dem Auge als ideal geformtes Hirnproduft, und erft bei sorglicherer Prüfung erkennt man ihre Finessen: Der Erste Lord der Admiralität hat (vielleicht nicht ohne bestimmte Absicht) über- fehen, daß ein Feierjahr, wie er es als erlö­sende Tat erdacht, für die beiden beteiligten Staaten nicht dieselbe Wirkung haben würde. Man darf nämlich nicht vergessen, daß der Standard 16:10 (den Herr von Tirpitz für annehmbar erklärt hat) erst im Jahre neun« zehnhundertzwanzig vorhanden sein wird, falls die Rüstungen programmäßlg fortschrci- ten. Ein Feierjahr würde also den Zeitpunkt, an dem dieser Standard erreicht wäre, noch ein weiteres Jahr hinauSf chiebeu! Da-u

kommt, daß in England die Bauzeit für ein Linienschiff nur zwei Jahre, bei uns dagegen drei Jahre'beträgt. Wir würden also bei der Einjahr-Feierpause doch zweifellos Entwick­lung - Möglichkeiten einbüßen, die man nicht ohne angemessne Gegenleistung preisgeben kann. Praktisch darf alfo Churchills Ein­

Das Amerika-Drama

Wie «ns ein Privat - Telegramm ans N e w h o r k meldet, wird der G e- samt- Verlust an Menschenleben bei der Orkan- und Leber- schwemmungs - Katastrophe in Nordamerika auf mindestens 133000, der Materialschaden aus über 100 Millionen Dollars geschätzt. Eine M i l- lionArbeiteristbrotlos. Präsident Wilson hat einen Ausruf an die Nation erlassen um Unterstützung der Aeberschwemmten. Er sagt darin, daß die Katastrophe die Größe eines nationalen Unglücks angenommen habe.

ftungSarbeit verständig abzugrenzen. Chur­chill hat als Brite kalkuliert: Was hindert Herrn von Tirpitz, einmal als Deut- scher den Grundriß einer Verständigung zwi­schen den blonden Insel-Vettern und uns sicht­bar abzugrenzen? Der Groll zwischen England und Deutschland hat beiden Reichen schwere Opfer aufgezwungen, und nun, da Britannia (abermals) die Hand übers Kanalgewässer reckt: Ziemt sich's da für den Nachbar, fein Ohr der Osterkunde zu verschließen...? F. BL

Die furchtbare Natur-Katastrophe auf amerikanischer Erde, die Hunderttausende von Menschenleben vernichtet, ungezählte Mil­lionen an Werten zerstört hat, steht wie ein grauenerregendes Gegenstück des Völkermordes im Südosten Europas vor unferm Auge und es liegt etwas von grotesker Tragik in diefern gleichzeitigen Schauspiel am Ufer der Maritza und im Stromgebiet des Mississippi. Der Kampf um Adrianopel hat etwas menschlich Großes: Die Opfer sind hier (wie man auch sachlich zu den Vorgängen stehen mag) um ein ideelles Ziel gefallen. Die amerikanische Kata­strophe aber hat in ihrer Furchtbarkeit etwas viel Krasseres, in ihrer Unlenkbarkeit, ihrer scheinbaren Unabwendbarkeit etwas Unversöhn­liches. Gewiß: Es ist kein beispielloses, kein nie erlebtes Unglück, aber Das grabe ist es, was diese Katastrophen so furchtbar macht: Die ewige Wiederkehr und der immer kolossalere Umfang, den diese Menschenver- nichtungen annehmen. Alle Verhältnisse auf diesem westlichen Kontinent sind größer als bei uns, die Naturgewalten toben freier und rie­senhafter als in unserer ruhigen Alten Welt. Mächtige Katastrophen hat es in jenem Lande wohl immer gegeben, aber je dichter die Bevöl­kerung sich anhäuft, um so gewaltiger wir­ken sie. Dem wachsenden Umfang des Gefah­renrisikos sollte die wachsende Fähigkeit des Menschen gegen den

Ausbruch der Elemente

sich zu schützen, ein Paroli bieten. Ob sie das gerade in Amerika immer tut, ist allerdings zweifelhaft. Man ist dort häufig bei technischen Arbeiten leichtfertiger, als in dem vorsichtigen Europa erlaubt wäre. Das Menfchenleben wird nicht ganz so hoch eingeschätzt, und der göttliche Optimismus des Pioniers, des Kolonisten, der eben vieles, wofür wir selbst hierzulande zu sorgen gewohnt sind, den Göttern und dem Schicksal überläßt, ist noch lange nicht ver­schwunden. Bisher liegen keine bestimmten An­haltspunkte vor für die Vermutung, daß irgend ein Teil der gegenwärtigen Katastrovhe durch größere Vorsicht oder größere Gründlickckeit hätte vermieden werden können. Es sind Na­turereignisse, die wir vielleicht mildern und ab­schwächen können, aber die wir im Ganzen heute noch hinnehmen müssen. Was Menschen hier tun können, ist, den Unglücklichen, die das Le­ben und sonst nichts oder wenig gerettet haben, Hilfe zu bringen, denn die Katastrophe im Mississippi-Tal mit ihrer Massenopferung von Menschenleben ist so furchtbar, daß Menschen­kraft sich darauf beschränken muß, die grauen­erregenden Wunden, die das Drama in der Natur der Menschheit aeschlaaen, durch wirt­schaftliche Hülfe zu heilen. Der Gewalt der Elemente steht der Mensch ohnmächtig gegen­über, und die jetzige Heimsuchung der Neuen Welt zeigt uns wieder mit erschütternder Deut­lichkeit die Wahrheit menschlicher Schwäche-En- kenntniS: Unser Wissen, unser Können und unsre Stärke sind Stückwerk ...

Die Mississippi-Katastrophe.

(Privai-Telegramm.) Newhork, 28. März.

TaS gigantische Reservoir von Celina (Ohio), daS unter dem Druck der Wassermassen geborsten ist, bedroht ganz Nordweft- Ohio und Norbost-Jubiaua. Die Wassermassen ergießen sich unaufhörlich in den Fluß, die Stadt Zanesville steht vierundfünfzig Fuß unter Wasser. In dem schwer heimgesuch- ten Dayton sind fünfzehntausend Personen in den unmittelbar im Wege des Feuers gelege­nen Häusern eingeschlossen. Die Flam­men schießen hundert Fuß hoch. Mehrere Ge­vierte! inmitten des Geschäftsviertels sind niedergebrannt. Falls die Stadt nicht noch heute abend genügend Proviant erhält, werden Tausende den Hungerstod finden. Ganz Ost-Ohio ist überflutet, nur noch zwei Bahnlinien führen aus dom Osten westwärts. Die Drahtverbindung ist völlig unterbunden. Der Ohio-Fluß hat jcht eine Höhe von 50 Fuß erreicht und steigt noch stünd­lich um einen halben Fuß. Ebenso bedrohen

alle Nebenflüsse des Ohio die Ortschaften ihres Geländes. Bei dem Zusammensturz eines Ho­tels in Hamilton wurden fünfzig Personen, die sich dorthin geflüchtet hatten, unter den Trüm­mern begraben.

Dahton in Hellen Flammen.

(Privat - Telegramm.)

Newhork, 28. März.

Der Telcgraphenbeamte der Station Day - t o n, der bisher alle Nachrichten über die schwe­re Katastrophe nach Kolumbia gemeldet hatte, teilte gestern mit, daß das Feuer in der Stadt von neuem ausgebrochen sei. Seine Sta­tion sei in höchstem Matze bedroht, er könne nicht mehr länger auf seinem Posten bleiben und müsse nunmehr an feine eigene Rettung denken. Tie ganze Stadt sei ein einziges Flammenmeer. Ein Telegramm aus Ohio an den Newyork Herald berichtet: Es ist unmöglich, Ihnen einige Zahlen über die Opfer mitzuteilen, die die Sturm-, Wasscr- und Feuer-Katastrophe in Ohio gefordert hat. Der Gouverneur selbst sagt, daß in der Stadt Dayton ebensogut tausend wie zehntau­send Personen ihr Leben verloren haben kön­nen. Die ganze Gegend ist vom Verkehr völlig abgeschnitten, alles steht unter Wasser. Amtlich wird erklärt, daß seit dreißig Jahren keine Ueberschwemmung in dem Maßstabe auf­getreten ist.

Hochflut-Gefahr überalll

(Privat - Telegramm.)

Newhork, 28. März.

Dutzende von Familien wurden in Day­ton von den Dächern ihrer Häuser von den Fluten weggetrieben und ertranken. In Lawreneeburg soll der die Fluten des Miami- fluffes aufhaltende Bahndamm mit Dynamit gefprengt werden. Von den Bewohnern der Stadt Columbus sind weit über taufend umgekommen. Auch der Mississippi fteigt unaufhörlich. Cincinnati ist vom schlimm- sten Hochwasser unmittelbar bedroht. Die un­tere Stadt ist bereits größtenteils geräumt worden. Nachrichten au8 Pemisylvanien zu­folge droht auch dem oberen Staate Newyork eine Ueberfchwvmmung. In den vom Schnee- sturm bedrohten Gebieten fallen Hunderte, die sich feit 58 Stunden in den Baumkronen fest- gehalten haben, vor Kälte erstarrt in die Fluten, viele andere hängen erfroren in den Bäumen. Die Stadt Newyork wird von einem sintflutartigen Regen heimgesucht.

Die Opfer der Katastrophe.

(Privat-Telegramm.)

Newhork, 28. März.

Nach amtlichen Schätzungen hat die Orkan- imd Hochflut-Katastrophe der letzten Tage min­destens 133000 Menschenleben gefor­dert. Der Materialschaden wird insgesamt auf 100 Millionen bemessen. Die Eisenbahnen allein schätzen ihre Verluste aus 25 Millionen. Die Lage in Dayton ist fortdauernd tritt Tie Brände sind noch nicht gelöscht, auch wird über Verbrechen aller Art berichtet. Die Temperatur im ganzen Westen ist plötzlich stark gesunken; auch Schneestürme sind cingetre- ten, so daß die Obdachlosen schwer leiden. Die Sage in Indianapolis ist schlimmer; dort stehen manche Straßen zehn Fuß unter Wasser. Der Gouverneur Gox von Ohio telegraphiert hie­sigen Blättern, daß der Umfang der Katastrophe noch nicht zu übersehen sei. Es sei die größte Tragödie in der amerikanischen Geschichte, weitaus größer, als man jetzt vermute, da zahlreiche Orte, von denen man noch nichts gehört habe, vollständig wegge­schwemmt seien. Aus Arkansas wird ge­meldet, daß der Mississippi um dreißig Fuß g e - stiegen ist, und noch weiter steigt. Auch die Flüsse Hudson, Mohawk und Genesy im Staate Newyork führen Hochwasser.

Sfiaas, der Kömgrmörder. Der Mörder des Griechenkönigs im Ge­fängnis; die Bekenntnisse des Verbrechers.

Alexander S k i n a s, der (nach den Fest­stellungen der griechischen Untersuchungsbehör- de geisteskranke) Mörder des Königs Georg von Griechenland, befindet sich in Saloniki im Untersuchungsgefängnis, von wo aus er in nächster Zeit wahrscheinlich einem Irren­haus zugeführt werden wird. Skinas liegt fast den ganzen Tag, in eine Decke gehüllt, auf dem Fußboden; er wird, da man fürchtet, daß er sich das Leben nehmen könnte, streng be­wacht. Ein römischer Journalist hat den- nigsmörder im Gefängnis besucht und gibt von diesem Besuch im Mailänder Secolo eine an« schauliche Schilderung.

Bekenntnisse eines KönigsmörderS.

(Von unferm Dr. M. 8.-Mitarbeiter.)

Rom, 28. März-

Luciano Magrini schildert im Mailän­der Secolo feinen Besuch in der Zelle deS Kö­nigsmörder Skinas: Der Attentäter ist ärmlich gekleidet. Der lang aufgeschossene, ma­gere Mann mit den hohlen Wangen läßt so­fort erkennen, daß er lungenkrank ist; ein trockener Husten unterbricht, wenn et fpricht, fast jeden Augenblick seine Rede. Seine Stimme klingt weinerlich, und man hat schon nach den ersten Worten, die er spricht, den Eindruck, daß man einem geistesschwa­chen, willenlosen Menschen, der sich der Schwere des von ihm begangenen Verbre­chens nicht bewußt ist, gegenübersteht. Von Zeit zu Zeit schüttelt er, wie geistesabwesend, den Kopf und macht mit dem Zeigefinger der linken Hand geheimnisvolle Zeichen. Er er­klärt mit aller Bestimmtheit, daß er den König in einem Zustand der Unzurechnungsfä­higkeit getötet habe; er wisse nicht, wie und warum. Um fein weiteres Schicksal kümmert er sich nicht. Auf Magrinis Frage, weshalb et den König getötet habe, antwortete SkinaS mit einem feltfamen Lächeln: Nicht ich, fonbetn die Kugel des Revolvers hat ihn getötet. Vor zwei Monaten war ich noch ein guter Grie­che, obwohl ich feit vierzehn Jahren an einet Nervenkrankheit litt und mit nur schwer meinen Lebensunterhalt verdienen konnte. Ich habe viel gelitten; ich wurde lungenkrank und wur- de in den Tagen, die dem Tode des Königs vorangingen,

von heftigen Fiebern geschüttelt, von Sinnestäuschungen gepackt, wachte ich in den Nächten plötzlich auf; ich wollte mich rächen, denn ich war verzweifelt, weil ich mich verfolgt wähnte. Ich hätte die Welt umstürzen und alle Menschen töten mögen, weil die ganze Gesellschaft mein Feind war. In diesem Zustande traf ich zufällig den König; ich hätte auch meine eigene Schwester ge­tötet, wenn ich sie an jenem Tage getroffen hätte. Vorher überlegt habe ich den Mord nicht. Ich ging wie ein lebender Leich­nam durch die Straßen, ohne zu wissen, wohin ich ging. Plötzlich sah ich, als ich mich um- toanbte, hinter mir den König mit einem Adju­tanten. Mit der Waffe zielen brauchte ich nicht, da der König nur einen Meter von mir entfernt war. Anarchist bin ich nicht, bin es nie gewesen, aber ich bin Sozialist. Sozialist bin ich geworden, als ich in Athen Medizin studierte; man wird Sozialist, ohne eS zu merken, so nach und nach. Alle guten Men­schen sind Sozialisten; die Philosophie der Medizin war für mich der Sozialismus ...I Skinas erzählte dann, daß an all feinem Un« glück feine Schwestern schuld feien. Beide Schwestern seien Lehrerinnen, und er habe, als er Medizin studierte und, da ihm die Mittel fehlten, um das Examen zu machen, die Schwestern um Unterstützung gebeten. Man habe ihn jedoch im Stich gelassen. Das fei der Anfang seines Vagabundenlebens gewesen.

*

Ich bin ein Unglücklicher!"

ladung an Deutschland:Reich' mir die Hand, Germania!" nicht überschätzt, theoretisch und ideell aber auch nicht gering geachtet werden. Sie ist ein Versuch, bedrohlich ver» schärfte Sorgen abzuschwächen, in ihren wirt­schaftlichen und politischen Wirkungen zu mil­dern und den PslichtenkreiS nationaler-

Skinas erzählte weiter: »Vor drei Jahren verließ ich Saloniki; die Jungtürken haben mich vertrieben, weil ich ein giftet Grieche war. Vor einem Monat bin ich als schlechter Mensch (bie Menschen und die Krankheit haben mich dazu gemacht) zurückgekommen/ Aus die Frage, wie ihn nach seiner Ueberzeugung bie Menschen beurteilen würden, antwortete er:Jeder kflrtz