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Ur. 84. 3. Jahrgan».

Casseler Neueste Nachrkchte»

ist nur auS den Wünschen der leitenden bulgari­schen Militärkrcife zu erNären, die in der Ein­nahme der Festung mit bewaffneter Hand eine Prestigefrage sehen. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß König Ferdinand sich bis zuletzt weigerte, neue Menschen­opfer für die Eroberung Adrianopels zu brin­gen. da ja diese Stadt ohnehin an Bulgarien fallen müsse. Die Militärpartei drang je­doch darauf, daß die Belagerung der Festung bis zu deren Fall vollendet werde, und begründete dieses Verlangen in erster Linie mit der künf­tigen Stellung der bulgarischen Armee auf dem

Türken verteidigten mit verzweifelter Tapferkeit den westlichen Stadtteil. Heute wird General Iwanow seinen Einzug in Adrianopel halten. König Ferdinand ist in Begleitung des Kronprinzen Boris und des Prinzen Kyrill nach Adrianopel abgereist. Die Einnahme von Adrianopel wurde durch Kanonenschüsse in Sofia verkündet und mit großer Begeisterung ausgenommen. Ministerpräsident Geschow rich­tete an den Generalissimus Sawow eine De­pesche, worin er ihn und die tapfere Armee zu dem glänzenden Erfolge vor Adrianopel be­glückwünscht, der den siegreichen Feldzug Bul-

schäftigen, ebenso mit dem interimistischen Re­gime. das in dem jetzt von Serbien und Mon­tenegro besetzten Teilen Albaniens nach deren Abzug herrschen soll. Wie hierzu verlautet, wird, da da? Prinzip schon am Sonnabend angenommen worden ist, eine Einigung über diese Punkte rasch folgen. Tie Regierun­gen von Serbien und Montenegro werden als, dann von der Entscheidung der Mächte infor­miert und um schnelle Räumung der dem alba­nischen Staate zugeteilten Gebiete ersucht werden.

Balkan selbst, da ein Versagen vor Adrianopel den Gegnern Bulgariens ständig Angriffs­punkte gegen die Tüchtigkeit der Militärmacht des Landes bieten würde.

Die Kämpfe bei Tschataldscha.

(Privat-Telegramm.)

Konstantinopel, 27. März.

Es wird nun auch türkischerseits bestätigt, daß ein n e u e r g r o ß e r Kampf an der Tfchataldschalinie im Gange ist. Gestern früh um vier Uhr begann ein furchtbarer Ar­tilleriekampf, der den ganzen Tag an­dauerte. Genaue Einzelheiten über den Kampf sind aber noch nicht bekannt. Man weiß bisher nur, daß die Bulgaren versucht haben, den rech­ten türkischen Flügel zurückzuwcrfen, nachdem sie denselben nach ihrer Ansicht ge­nügend durch den Artilleriekampf erschüttert glaubten. Etwa 20 000 bulgarische Infante­risten gingen gegen die Ortschaften Jndjekoi und Karakoi vor, die von den Türken mit gro­ßem Heldenmut verteidigt wurden. Ob­wohl die Bulgaren mehrere Male mit ge­fälltem Bajonett gegen die türkischen Verteidiger vorgingen, gelang es ihnen nicht, die geringsten Vorteile zu erzwingen. Die Bul­garen sollen 2000 Mann verloren haben. Den ganzen Tag über sind von Stambul Trup- penvcrstärkunge« über Konstantinopel nach der Tschataldschalinie abgegangen. Offi­zielle Schlachtberichte sind bisher allerdings nicht veröffentlicht worden.

Deutsche Offiziere gefangen!

(Privat-Telegramm.)

Sofia, 27. März.

Man gibt sich hier der Hoffnung hin, daß sich der türkische Thronfolger, Jussuff Jzzedin, unter den Gefangenen von Adrianopel befindet. Unter diesen befinden sich auch viele deutsche Offiziere, seinerzeit in tür­kische Dienste übergetreten sind. General Iwanow hat an die Einwohner von Adrianopel Brot verteilen lassen, da diese seit dem Beginn des Bombardements von Adrianopel keine Lebens­mittel mehr erhalten haben. Die B c r l u st c der Bulgaren um und in Adrianopel werden hier als sehr hoch bezeichnet, doch sind genaue Zif­fern bisher noch nicht bekannt gegeben. Man erwartet demnächst das Eintreffen vieler Ver­wundeter. Der Verteidiger von Adrianopel, S ch L k r i Pascha, sandte gestern dem bulga-^ rischen General Iwanow seinen Degen und bot ihm seine Ucbergabe an. Der General nahm die Kapitulation der rechten Forts und der türki­schen Armee an, sandte jedoch dem tapferen Kommandanten den Degen zurück. Auf allen Festungswerken weht jetzt die bulgarische Flagge.

Der Jubel in Sofia.

(Privat-Telegramm.)

Sofia, 27. März.

garienS würdig kröne.

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Adrianopel gefallen: Hurra!''

Die Petersburger Telegraphen-Agentur mel­det: Dem Präsidenten der russischen Rcichs- d u m a ist gestern nachmittag vier Uhr eine De­pesche überreicht worden, daß Adrianopel gefallen sei. Die Nachricht wurde sofort im Saale bekannt und rief begeisterteHurra- rufe hervor. Der Redner hielt inne und der Abgeordnete Krupcnsky betrat die Tribüne und rief aus:Adrianopel ist gefallen! Hurra!" Stürmischer Beifall erfüllte den Saal. Die Abgeordneten und das Publikum erhoben sich und brachen in langanhaltende Hurrarufe aus.

Sie Politik der Tages.

Das Märchenland im Westen.

Die außerordentlich starke Entwicklung der Eisen- und Kohlenindustrie im rheinisch-west­fälischen Industriegebiet begünstigt das Wachstum der Bevölkerung auf dem platten Lande, um diesen landläufigen, heute aller­dings im Ruhrkohlenrevier kaum mehr berech­tigten Ausdruck zu gebrauchen, tn einem Matze, daß die unaufhaltsam fortschreitende Städte­bildung die natürliche Folge ist. Typisch ist in dieser Beziehung H a m b o r n, das in einem Zeitraum von fünf Jahren von 35 000 auf über 100000 Einwohner anwuchs, und zur Zeit, als es den 100 000. Bewohner registrierte, noch Land gemeinde war. Rachdenl dann vor ei­niger Zeit Buer mit seinen 60 000 Seelen die Städterechte erhielt, ist nun über Nacht auch die große Jndustriegemeinde Sterkrade Stadt geworden. Auch die beiden rasch voranschrei­tenden Jndustriegenreinden Bottrop und Gladbeck mit ihren je 55 000 Einwohnern haben beschlossen, sofort die Verleihung der Städterechte zu beantragen. Dieses enorme Wachstum der Bevölkerung und der Industrie hat auch auf die B o d e n w er t e

einen «»geahnten Einfluß ausgeübt. Der unbebaute Grund und Boden, soweit er noch im Dienste der Landwirtschaft steht, ist ganz fabelhaft im Preise gestiegen, seitdem die Kohlen- und Eisenindustrie alles, was sie noch nicht im Besitz hat, anzukaufen begann. Die Grund- und Bodenpreise sind in den letzten Jahren im Ruhrkoblenrevier um das zehn- bis zwanzigfache und stellenweise noch weit höher gestiegen: und tagtäglich ereignen sich Fälle, wo für kleine Hofe, die noch vor aeön bis fünfzehn Jahren mit 15- bis 20 000 Mark bewertet wurden, heute mehr als ei­ne Million Mark aezablt werden. Die Eigentümer wissen, daß sie die Preise fordern können, und hie Industrie weiß, daß der Grund und Boden, den sie einmal erwerben mutz, später möglicherweise noch teurer zn bezahlen ist Erb in diesen Taaen bat die bei Essen oe< kegenc Gemeinde Rotthausen »um Zwecke der baulichen Erschließung einen Bauernhof zum Preise von 1400 000 Mark anaekauft, der noch vor fünfzehn Jahren mit 12 000 Mark zu Buch stand.

Der Jubel in Sofia ist unbeschreiblich. Alle Straßen tragen reichen Flaggenschmuck und sind von einer Menschenmenge angefüllt, die unaufhörlich ihre Begeisterung über den Erfolg der bulgarischen Waffen kundgibt. Nach den letzten Depeschen herrschte in dem brennen­den Adrianopel große Verwirrung. Die

Die Einigung über Albanien.

London, 27. März. «Privat - Tele­gram m.) Die Botschafter-Konferenz dürft« sich bei ihrer heutigen Zusomenkunft mit den Einzelheit:» der künftigen albanischen Grenze gegen Serbien und Montenegro bc.

Politischer Tagesbericht.

Tie Taunusreise des Kaiserpaares. Der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise gedenken sich (wie nns telegraphisch ans Berlin berichtet wird) heilte abend nach Homburg v. d. H. zu begeben. Für die Zeit vom vierten bis achten Mai ist ein Besuch des Kaisers in Wiesbaden vorgesehen.

Um Leishmans Nachfolge. Professor Henry Burchard Fine aus Princeton hat den ihm an­gebotenen Botschafterposten in Berlin als Nach­folger Leishmans abgelebnt. Er begründet diese Ablehnung in einem Schreiben an Präsident Wilson aus München, wo er zum Besuch weilt, mit finanziellen Bedenken.

Der Selbstmord eines bayrischen Landtags­abgeordneten. Depeschen aus München zu­folge hat sich der bayrische Landtagsabgeord­nete Haagen, Bankier und Bürgermeister von Pappenheim, gestern im Starnberger See er­tränkt. Neber die Ursache des Selbstmordes verlautet noch nichts.

Frankreichs Unglücks-Marine. Aus Pa­ris meldet uns folgendes Privat-Telegramm: Seit fünf Tagen wütet «in Brand in den Bun­kern des PanzerschiffesJena". Es ist dies dasselbe Sckiff, aus dem im Jahre 1907 die große Explosion erfolgt ist.

Dir Krönung des neuen Griechenkönigs. Telegramme aus Athen wissen zu berichten: Die feierliche Krönung des Königs Konstantin wurde auf den zweiten April festgesetzt. Dem Krönungsakt werden Vertreter aller regieren­den Häuser beiwohnen.

Papst Pius von neuem erkrankt. Aus Rom geht uns folgendes Privat-Telegramm zu: Wie gemeldet wird, hat die Besserung im Befinden des Papstes nicht angehalten. Ter Papst bat gestern früh einen neuen, sehr ernsten Rückfall erlitten. Die Stimmung am Vatikan ist ernst.

Neues vom Tage.

Kaiserin Eugeniens Juwelen?

Paris, 27. März. (Von unserm Korrespondenten.) Aus Montlouis int Departement Pcjrenecs-Orientales kommt folgende überraschende Meldung: Hier sah die­ser Tage de: Soldat Ernest Cbantebien in der Nähe der Festungswerke den Hals einer Fla­sche aus der Erde herausragen; er grub die Flasche aus und fand in ihr eine mit den Sie­geln des zweiten Kaiserreiches versehene, vom vierten September 1870 datierte Urkunde fol­genden Inhalts:Verzeichnis der Juwelen und Wertpapiere, die heute Herrn Manuel Vo- rez überaeben wurden, damit er sie nach Ma­drid schaffe und der Gräfin von Montijo aushändrae: Ein Halsschmuck von seinen Per­len und Diamanten, Geschenk Seiner Majestät des Kaisers von Rußland, Wert 500 000 Francs: zwei mit echten Perlen be­setzte Armbänder, Geschenk Ihrer Majestät der Königin von England, Wert 650 000 Francs: Schmuck von Rubinen und Diamanten, Geschenk Seiner Majestät des Schahs von Persien, Wert 800 000 Francs; ein mit ech­ten Perle» und Diamanten besetztes Medaillon, Gesche»' Seiner Majestät des Kaisers von Brasilien, Wert 150 000 Francs: großer Halsschmuck von echten Perlen und Diamanten, Geschenk Seiner Hoheit veS Großfürsten Kon­stantin Den Rußland. Wert 950 000 Francs; vier Schmucke, sechs Armbänder, drei Halsket­ten, alles besetzt mit echten Steinen und Dia-

sseuilirton.

Sinnspruch.

Verzage nicht!

Blick auf in jene Ferne, Da glänzen tausend Sterne!

Wie groß ist deines Vaters Haus! Mahlmann.

Csssrlrr Vorträge.

3m Verein für hessische Volkskunde.

Die anregenden Monatsversammlungen des Vereins für hessische Volkskunde er­freuen sich immer steigender Beliebtheit. Und sicherlich mit Recht Auch gestern hatte der Vor­stand des Vereins wieder einen prächtig ge­lungenen Abend veranstaltet. Metropolitan Riebeling war zu einem Vortrag über Allerhand volksmundartliche und sprachwissen­schaftliche Darbietungen" gewonnen.Gebt ihr «in Stück, so gebt es gleich in Stücken, das Pu­blikum wird es Euch doch zerpflücken." Dies Zitat aus dem Vorspiel zumFaust", mit dem der Redner seinen Vortrag einleitete, sah ein klein wenig »ach einer Entschuldigung aus. Und doch bedurfte es einer Entschuldigung nicht,gab doch der Vortragende eine solche Fülle anregenden Stoffes in lebendiger Darstellung, daß man ihm bis zuletzt mit größtem Interesse zuhörte. Das will immerhin etwas bedeuten, sind doch sprachkundliche Vortragsthemen im allgemeinen beim Publikum gerade nicht über­mäßig beliebt. Metropolitan Riebeling wandte sich, als Kind der Schwalm, vor allem der Schwälmer Mundart zu, die «inen Uebergang vom Nirderbessischen zum Oberhessischen bilde, in Ton, Ausdruck und Wortform aber besonders dem Oberhessischen nahestehe, und überdies dem Sprachforscher einen unerschöpfliche» Reichtum biete. Treffende Beispiele belegten feine Aus­führungen. Er wies dann auf di« Reste des Alt- deuffchen und des Mittelhochdeutschen in der Ichwälmer Mundart hin und wartete auch hier wäeder mit Beispielen auf. Aus diesem Vor­handensein altdeuffcher Sprachreste in der

Schwälmer Mundart schließt Metropolitan Riebeling, daß die Schwälmer ein urgermani­scher und nicht etwa ei» keltischer Volksstamm sind. Er ging dann auf die Wörter lateinischen Ursprungs im Schwälmer Dialekt und bei die­ser Gelegenheit auf die Vorliebe der Deutschen für das Fremde und vor allem für fremde Sprachen ein, gegen die die Dialekte noch immer der beste Schutzwall seien: schließlich wandte er sich dem Gebiete der Stilkunst zu.

Interessant waren auch seine Ausführungen über dasKonservative" in Form und Inhalt der Volkssprache im Gegensatz zur Schrift­sprache; unendlich viele Wörter haben im Neu­hochdeutschen, in der Sprache der Gebildeten, trtit der Form auch di« Bedeutung fast gänzlich gewechselt. Der alte Wohllaut der deutschen Sprache, der in der häufigen Anwendung klangvoller Vokale besteht, findet sich nur bei unseren besten Dichtern, die gewöhnliche Um­gangssprache hat unendlich viel von ihrer Schönheit eingebüßt. Zum Schluß bracht« Met­ropolitan Riebeling mit köstlicher, beinahe dra­matischer Lebendiakeft ein drastisches charakte­ristisches Sprachstück in Schwälmer Mundart Die Neukirchener Ostermartt-Prügelei" zum Vortrag, das wahre Beifallsstürme entfesselte. Lebrer Schröder, der Schriftführer des Ver­eins. ergänzte Metropolitan Riebeling noch durch den gelungenen Vortrag eines Schwäl­mer Wiegenliedes und die interessante Schilde­rung einer Verlobung. emes Handschlags, wie man im Schwälmer Land sagt. Eine lebhafte Diskussion schloß sich an. Zum Schluß kam Professor Dr. Brunner auf die angeblich alt­deutsche Frühlingsgöttin Ostara zu svrechen, die unserem Osterfeste den Namen gegeben ha­ben soll. Aus den geschäftlichen Mitteilung«» des Vofftandes ist noch zu entnehme», daß im Verein für hessische Volkskunde insofern eine Aenderung cinge treten ist. als d'« Easseler Grimm-Gesellschaft beschlossen hat. sich dem Verein anzuschließen: die Monatsversammlun- gcn des Vereins für Volkskunde sind zukünftig gleichzeitig Versammlungen der Grimm-Gesell- 'chaft. Im nächsten Monat gedenkt der Verein, der wiederum eine Reihe neuer Mitglieder ge­

wonnen hat, den ersten Ausflug zu unterneh­me» und zwar »ach der Altenburg bei Fels­berg. e. s.

Wrtter-Drrilldrn.

Die Möglichkeit der Wetter-Voraussage.

In älteren Kalender» findet man Wetter­voraussagen nach dem hundertjährigen Kalender. Zugrunde liegt die naive Vorstel­lung, daß das Wetter sich in hundert Jahren genau wiederholt. Man witterte eine Periodizität des Wetterlaufs, beschränkte sich aber darauf, eine willkürliche Zcitperiode anzu- nehmcn. In früheren Zeiten wäre wohl die Zahl 7 oder 12 zu der Ehre einer Wetterlen- kerin gelangt: im Zeitalter des dekadischen Zah­lensystems huldigte man der 100. Die auf- blühende meteorologische Wissenschaft bat nun tatsächlich deutliche Wetterperiodcn fest­gestellt, eine elfjährige, die mit der periodischen Lonnentätigkeit (Soitnenflecken) zusammenfällt und eine dreijährige, von der der namhafte Meteorologe Braak (Batavia) annimmt, daß sie rein irdischen Ursprungs ist. Es wechsel» Zei­ten, in denen die Gegensätze zwischen den Marima und Minima des Luftdrucks stark aus­geprägt sind, die Hochdruckgebiete also sehr hohen, die Tiefdruckgebiete sehr niedrigen Luft­druck aufweisen, mit Zeiten einer Abflachung des Luftdrucks. Die Lustzirkulaffon und da­mit die Niederschlagsmenge ist im erste» Falle bedeutend größer als im zweiten.

Die dreijährige Wetterperiode wird sehr hübsch durch die Salzproduktiön in Madura (Java) illustriert. In jedem dritten Jahre ist die Menge des dort durch Verdunstung gewon­nenen Salzes besonders groß, weil die Lust- ftockenheil in diesen Jahren ein Maximum zeigt, also eine dreijährige Periode hat, die in jenen Gegenden besonders deutlich ausgeprägt ist. Be­obachtungen der Niederschlagsmenge (Regen­höhe) haben zur Feststellung »och kürzerer Perioden geführt. Es hat den Anschein, als ob unser Erdball von vier Wetterwellen umkreist wird, deren größte die Länge des Erd­umfanges besitzt; die anderen verhalten sich dazu wie Obentöne zum Grundton (ein halb,

_______________Freitag, 28. März 1913.

mantc», "Wert 1600 000 Francs: zwei Miltto- nen >n Scheinen der Bank von Frankreich (2 000 000 Francs), Gesamtwert: 6 650000 Pari?. Tuilerienvalast, den 4. September 1870. Der Oberhosmarschall: (Unterschrift unlcserlicln Dian ergeht sich in Vermutungen über diesen Fund, zumal da Grabungen, die sofort an der Fundstelle vorgenommen wurden, zur Entdck- kung eines Teiles eines Skeletts, das aus derselben Zeit zu stamme» scheint, geführt ha­ben.

es Römische Juwelenraub Geschichten. Eine Affäre, in deren Mittelpunkt Frau Wolf Wert­heim aus Berlin steht, beschäftigt gegenwärtig die römische Polizei und das deutsche Konsu­lat in Rom. Frau Wertheim hat bei der Kri­minalpolizei in Rom die Anzeige erstattet, daß ihr eine Handtasche mit Juwelen im Werte von 180 000 Mark gestohlen worden sei. Ter Diebstahl ist bisher noch nicht aufgeklärt.

es Russisches aus Baden. Aus dem Güter­bahnhofe in Leopoldshöhe im Kreise Lörrach in Baden, wurden sechzehn Eisenbahnbeamte wegen Durchstechereien verhaftet. Zahlreiche weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Die Beamten, die schon seit längerer Zeit unter dem Verdacht standen, Durchstechereien zu begehen, sind sämtlich schon länger im Dienst. Der Fall erregt das größte Aufsehen.

es Das Schreckensende eines Scherzes. In Schweixingen in Lothringen erzählten zwei Gäste einem Wirt, um sein Haus schlichen Diebe. Der Wirt holte darauf sein Gewehr und die beiden Gäste versteckten sich, um den Wirt zu necken. Dieser gab dabei einen Schuß auf die vermeintlichen Diebe ab, der einen der Diebe ins Herz traf, sodaß er sofort tot. zu­sammenbrach. Der Wirt erstattete selbst über den Vorfall Anzeige.

s: Und immer wieder einer! Der Prokurist Brun von der Hamburger Filiale der United Export Companie in Kopenhagen ist in Ham- burg verhaftet worden, weil er an fingierte Kunden in Lissabon Reislieferunaen im Werte von mehreren 100 000 Mark gesandt, sie in Wirklichkeit aber an seinen dortigen Bruder verkauft hat. Die Firma ist schwer geschädigt. Der Verhaftete war schon seit längeren Jah­ren bei ihr tätig.

»x Immer wieder Opfer der Berge! Der Tourist Weiß aus Nürnberg ist vor den Auaen seiner vier Geschwister, die mit ihm die Würzenauer Wand im fränkische» Jura bestie­gen hatten, zweiundzwanzig Meter tief abge­stürzt. Er wurde tödlich verletzt ins Kranken­haus gebracht, wo er bald darauf .starb. Das Unglück ist dadurch geschehen, daß Weiß beim Absffeg zu unvorsichtig war.

Ein Eisenbahnunglück in Ungar». In der Nähe der Station Tiszolcz in Ungar» ist ein Güterzug in einen Personenzua hineinge­fahren. Mehrere Waggons des Güterzuges wurde» zertrümmert, mehrere Wagen des Per­sonenzuges entgleiste», unter ihnen der Post­wagen. Ei» Bahnbeamter wurde getötet, zwei Beamte, ein Gendarm, eine Frau und deren Kind erlitten lebensgefährliche Verletzungen.

Zunehmende Kriminalität in Frankreich Die Kriminalität nimmt in Frankreich in be­unruhigender Weis« zu. Im letzten Jahre wur­den der Statistik zufolge nicht weniger als 38 970 Kriminalprozesse eingeleitet, ungeachtet der 51946 Personen, die wegen kleinerer Ver­gehen zu Geldstrafen verurteilt wurden. An Verbrechern, die für verrückt erklärt wurden, gab es 1850t insgesamt wurden im Jahre 1912 zweitausend Personen mehr verurteilt als im Jahre vorher.

ReuestZ mw AM.

Kommunales aus Rothenditmold.

Eine gestern abend abgehaltene Versam:»- lung des Bürgervereins Rothendit. m o l d beschäftigte sich eingehend mit der Tau. sendjahrfeier der Stadt Cassel. Der Vorsitzende, Stadtverordneter C ö st e r, teilte dabei mit, daß sich der Bezirksvcrein nunmehr entschlossen habe, die Gruppe 3 a und b im Festzug der Tausendjahrfeier in Gemeinschaft mit der ein drittel, ein viertel des Erdumfanges). Diese Wetterwellen schreiten von Westen nach Oste» fort Bekanntlich wandern auch die Hochs und die Tiefs in dieser Richtung. Am deutlichste» ist die kürzeste, die siebentägige Welle, ausge­prägt, di« längste hat eine Schwingungsdauer von etwa siebenundzwanzig Tagen. Da nun der siderische Monat siebenundzwanzig Tage hat, ist die Beziehung dieser Wellen zur Mond­bewegung sehr wahrscheinlich geworden. Durch die Uebcreinanderlagerung aller dieser Wetter­perioden entfielt das überaus wechselvolle Bild der W e tt e rl a a e, die sich mit einiger Sicher­heit nur etwa v ieru n d zw a n z i g Stu», den Voraussagen läßt. 0. K.

ui. SchillersRäuber" auf historischem Bo­de». Auf der Höhe über Stuttgart, im Bopferwald. wo heute noch Baum- und Wege- namen an Schiller gemahnen und wo der Dich­ter auch insgeheim fein Erstlingswerk im Kreise der Freund« von der Karlsfchule vortrug, soll in diesem Jähr« eine Freilichtbühne für di« Aufführung von SchillersRäuber" erstehen. Der königliche Hofschauspieler Bruno P efchel hat dem guten Gedanken die Ausführung ge­sichert. Die Mitglieder des Hoftheaters und die Studentenschaft der Technischen Hochschule werden mirwiffen. Insgesamt solle» 200 Per­sonen auftreten.

es Unverzeihlicher Irrtum Mr. Smith kommt wütend in den Klub, schleudert seinen Hut in die Ecke und läßt sich kopfschüttelnd in einen Sessel fallen.Aber Smith, was ist denn los, du bist ja ganz bleich." Nie, nie im Leben werde ich mit das verzeihen. Gestern verbot ich einem Herrn mein Haus!"Lieber Gott, wenn man Vater junger Töchter ist, mutz man manchem Herrn die Tür weisen. Gilt junger Bursch vermutlich ..."Stobt, bester Vierziger ...!Herrgott, in dem Alter sollten Männer e gentlich besseres zu tun habe», als jungen Mädchen de» Kopf zu verdrehen. Ich hätte ihn auch hinausgeworfen ...!"Mensch, sprich nicht so leichtfertig. Erst später hab ich'S erfahren. Er hatte Absichten auf meine -Zchwie» germutter ...1"