Ur. 84. — 3. Jahrgan».
Casseler Neueste Nachrkchte»
ist nur auS den Wünschen der leitenden bulgarischen Militärkrcife zu erNären, die in der Einnahme der Festung mit bewaffneter Hand eine Prestigefrage sehen. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß König Ferdinand sich bis zuletzt weigerte, neue Menschenopfer für die Eroberung Adrianopels zu bringen. da ja diese Stadt ohnehin an Bulgarien fallen müsse. Die Militärpartei drang jedoch darauf, daß die Belagerung der Festung bis zu deren Fall vollendet werde, und begründete dieses Verlangen in erster Linie mit der künftigen Stellung der bulgarischen Armee auf dem
Türken verteidigten mit verzweifelter Tapferkeit den westlichen Stadtteil. Heute wird General Iwanow seinen Einzug in Adrianopel halten. König Ferdinand ist in Begleitung des Kronprinzen Boris und des Prinzen Kyrill nach Adrianopel abgereist. Die Einnahme von Adrianopel wurde durch Kanonenschüsse in Sofia verkündet und mit großer Begeisterung ausgenommen. Ministerpräsident Geschow richtete an den Generalissimus Sawow eine Depesche, worin er ihn und die tapfere Armee zu dem glänzenden Erfolge vor Adrianopel beglückwünscht, der den siegreichen Feldzug Bul-
schäftigen, ebenso mit dem interimistischen Regime. das in dem jetzt von Serbien und Montenegro besetzten Teilen Albaniens nach deren Abzug herrschen soll. Wie hierzu verlautet, wird, da da? Prinzip schon am Sonnabend angenommen worden ist, eine Einigung über diese Punkte rasch folgen. Tie Regierungen von Serbien und Montenegro werden als, dann von der Entscheidung der Mächte informiert und um schnelle Räumung der dem albanischen Staate zugeteilten Gebiete ersucht werden.
Balkan selbst, da ein Versagen vor Adrianopel den Gegnern Bulgariens ständig Angriffspunkte gegen die Tüchtigkeit der Militärmacht des Landes bieten würde.
Die Kämpfe bei Tschataldscha.
(Privat-Telegramm.)
Konstantinopel, 27. März.
Es wird nun auch türkischerseits bestätigt, daß ein n e u e r g r o ß e r Kampf an der Tfchataldschalinie im Gange ist. Gestern früh um vier Uhr begann ein furchtbarer Artilleriekampf, der den ganzen Tag andauerte. Genaue Einzelheiten über den Kampf sind aber noch nicht bekannt. Man weiß bisher nur, daß die Bulgaren versucht haben, den rechten türkischen Flügel zurückzuwcrfen, nachdem sie denselben nach ihrer Ansicht genügend durch den Artilleriekampf erschüttert glaubten. Etwa 20 000 bulgarische Infanteristen gingen gegen die Ortschaften Jndjekoi und Karakoi vor, die von den Türken mit großem Heldenmut verteidigt wurden. Obwohl die Bulgaren mehrere Male mit gefälltem Bajonett gegen die türkischen Verteidiger vorgingen, gelang es ihnen nicht, die geringsten Vorteile zu erzwingen. Die Bulgaren sollen 2000 Mann verloren haben. Den ganzen Tag über sind von Stambul Trup- penvcrstärkunge« über Konstantinopel nach der Tschataldschalinie abgegangen. Offizielle Schlachtberichte sind bisher allerdings nicht veröffentlicht worden.
Deutsche Offiziere gefangen!
(Privat-Telegramm.)
Sofia, 27. März.
Man gibt sich hier der Hoffnung hin, daß sich der türkische Thronfolger, Jussuff Jzzedin, unter den Gefangenen von Adrianopel befindet. Unter diesen befinden sich auch viele deutsche Offiziere, dä seinerzeit in türkische Dienste übergetreten sind. General Iwanow hat an die Einwohner von Adrianopel Brot verteilen lassen, da diese seit dem Beginn des Bombardements von Adrianopel keine Lebensmittel mehr erhalten haben. Die B c r l u st c der Bulgaren um und in Adrianopel werden hier als sehr hoch bezeichnet, doch sind genaue Ziffern bisher noch nicht bekannt gegeben. Man erwartet demnächst das Eintreffen vieler Verwundeter. Der Verteidiger von Adrianopel, S ch L k r i Pascha, sandte gestern dem bulga-^ rischen General Iwanow seinen Degen und bot ihm seine Ucbergabe an. Der General nahm die Kapitulation der rechten Forts und der türkischen Armee an, sandte jedoch dem tapferen Kommandanten den Degen zurück. Auf allen Festungswerken weht jetzt die bulgarische Flagge.
Der Jubel in Sofia.
(Privat-Telegramm.)
Sofia, 27. März.
garienS würdig kröne.
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„Adrianopel gefallen: Hurra!''
Die Petersburger Telegraphen-Agentur meldet: Dem Präsidenten der russischen Rcichs- d u m a ist gestern nachmittag vier Uhr eine Depesche überreicht worden, daß Adrianopel gefallen sei. Die Nachricht wurde sofort im Saale bekannt und rief begeisterteHurra- rufe hervor. Der Redner hielt inne und der Abgeordnete Krupcnsky betrat die Tribüne und rief aus: „Adrianopel ist gefallen! Hurra!" Stürmischer Beifall erfüllte den Saal. Die Abgeordneten und das Publikum erhoben sich und brachen in langanhaltende Hurrarufe aus.
Sie Politik der Tages.
Das Märchenland im Westen.
Die außerordentlich starke Entwicklung der Eisen- und Kohlenindustrie im rheinisch-westfälischen Industriegebiet begünstigt das Wachstum der Bevölkerung auf dem platten Lande, um diesen landläufigen, heute allerdings im Ruhrkohlenrevier kaum mehr berechtigten Ausdruck zu gebrauchen, tn einem Matze, daß die unaufhaltsam fortschreitende Städtebildung die natürliche Folge ist. Typisch ist in dieser Beziehung H a m b o r n, das in einem Zeitraum von fünf Jahren von 35 000 auf über 100000 Einwohner anwuchs, und zur Zeit, als es den 100 000. Bewohner registrierte, noch Land gemeinde war. Rachdenl dann vor einiger Zeit Buer mit seinen 60 000 Seelen die Städterechte erhielt, ist nun über Nacht auch die große Jndustriegemeinde Sterkrade Stadt geworden. Auch die beiden rasch voranschreitenden Jndustriegenreinden Bottrop und Gladbeck mit ihren je 55 000 Einwohnern haben beschlossen, sofort die Verleihung der Städterechte zu beantragen. Dieses enorme Wachstum der Bevölkerung und der Industrie hat auch auf die B o d e n w er t e
einen «»geahnten Einfluß ausgeübt. Der unbebaute Grund und Boden, soweit er noch im Dienste der Landwirtschaft steht, ist ganz fabelhaft im Preise gestiegen, seitdem die Kohlen- und Eisenindustrie alles, was sie noch nicht im Besitz hat, anzukaufen begann. Die Grund- und Bodenpreise sind in den letzten Jahren im Ruhrkoblenrevier um das zehn- bis zwanzigfache und stellenweise noch weit höher gestiegen: und tagtäglich ereignen sich Fälle, wo für kleine Hofe, die noch vor aeön bis fünfzehn Jahren mit 15- bis 20 000 Mark bewertet wurden, heute mehr als eine Million Mark aezablt werden. Die Eigentümer wissen, daß sie die Preise fordern können, und hie Industrie weiß, daß der Grund und Boden, den sie einmal erwerben mutz, später möglicherweise noch teurer zn bezahlen ist Erb in diesen Taaen bat die bei Essen oe< kegenc Gemeinde Rotthausen »um Zwecke der baulichen Erschließung einen Bauernhof zum Preise von 1400 000 Mark anaekauft, der noch vor fünfzehn Jahren mit 12 000 Mark zu Buch stand.
Der Jubel in Sofia ist unbeschreiblich. Alle Straßen tragen reichen Flaggenschmuck und sind von einer Menschenmenge angefüllt, die unaufhörlich ihre Begeisterung über den Erfolg der bulgarischen Waffen kundgibt. Nach den letzten Depeschen herrschte in dem brennenden Adrianopel große Verwirrung. Die
Die Einigung über Albanien.
London, 27. März. «Privat - Telegram m.) Die Botschafter-Konferenz dürft« sich bei ihrer heutigen Zusomenkunft mit den Einzelheit:» der künftigen albanischen Grenze gegen Serbien und Montenegro bc.
Politischer Tagesbericht.
Tie Taunusreise des Kaiserpaares. Der Kaiser, die Kaiserin und Prinzessin Viktoria Luise gedenken sich (wie nns telegraphisch ans Berlin berichtet wird) heilte abend nach Homburg v. d. H. zu begeben. Für die Zeit vom vierten bis achten Mai ist ein Besuch des Kaisers in Wiesbaden vorgesehen.
Um Leishmans Nachfolge. Professor Henry Burchard Fine aus Princeton hat den ihm angebotenen Botschafterposten in Berlin als Nachfolger Leishmans abgelebnt. Er begründet diese Ablehnung in einem Schreiben an Präsident Wilson aus München, wo er zum Besuch weilt, mit finanziellen Bedenken.
Der Selbstmord eines bayrischen Landtagsabgeordneten. Depeschen aus München zufolge hat sich der bayrische Landtagsabgeordnete Haagen, Bankier und Bürgermeister von Pappenheim, gestern im Starnberger See ertränkt. Neber die Ursache des Selbstmordes verlautet noch nichts.
Frankreichs Unglücks-Marine. Aus Paris meldet uns folgendes Privat-Telegramm: Seit fünf Tagen wütet «in Brand in den Bunkern des Panzerschiffes „Jena". Es ist dies dasselbe Sckiff, aus dem im Jahre 1907 die große Explosion erfolgt ist.
Dir Krönung des neuen Griechenkönigs. Telegramme aus Athen wissen zu berichten: Die feierliche Krönung des Königs Konstantin wurde auf den zweiten April festgesetzt. Dem Krönungsakt werden Vertreter aller regierenden Häuser beiwohnen.
Papst Pius von neuem erkrankt. Aus Rom geht uns folgendes Privat-Telegramm zu: Wie gemeldet wird, hat die Besserung im Befinden des Papstes nicht angehalten. Ter Papst bat gestern früh einen neuen, sehr ernsten Rückfall erlitten. Die Stimmung am Vatikan ist ernst.
Neues vom Tage.
Kaiserin Eugeniens Juwelen?
Paris, 27. März. (Von unserm Korrespondenten.) Aus Montlouis int Departement Pcjrenecs-Orientales kommt folgende überraschende Meldung: Hier sah dieser Tage de: Soldat Ernest Cbantebien in der Nähe der Festungswerke den Hals einer Flasche aus der Erde herausragen; er grub die Flasche aus und fand in ihr eine mit den Siegeln des zweiten Kaiserreiches versehene, vom vierten September 1870 datierte Urkunde folgenden Inhalts: „Verzeichnis der Juwelen und Wertpapiere, die heute Herrn Manuel Vo- rez überaeben wurden, damit er sie nach Madrid schaffe und der Gräfin von Montijo aushändrae: Ein Halsschmuck von seinen Perlen und Diamanten, Geschenk Seiner Majestät des Kaisers von Rußland, Wert 500 000 Francs: zwei mit echten Perlen besetzte Armbänder, Geschenk Ihrer Majestät der Königin von England, Wert 650 000 Francs: Schmuck von Rubinen und Diamanten, Geschenk Seiner Majestät des Schahs von Persien, Wert 800 000 Francs; ein mit echten Perle» und Diamanten besetztes Medaillon, Gesche»' Seiner Majestät des Kaisers von Brasilien, Wert 150 000 Francs: großer Halsschmuck von echten Perlen und Diamanten, Geschenk Seiner Hoheit veS Großfürsten Konstantin Den Rußland. Wert 950 000 Francs; vier Schmucke, sechs Armbänder, drei Halsketten, alles besetzt mit echten Steinen und Dia-
sseuilirton.
Sinnspruch.
Verzage nicht!
Blick auf in jene Ferne, Da glänzen tausend Sterne!
Wie groß ist deines Vaters Haus! Mahlmann.
Csssrlrr Vorträge.
3m Verein für hessische Volkskunde.
Die anregenden Monatsversammlungen des Vereins für hessische Volkskunde erfreuen sich immer steigender Beliebtheit. Und sicherlich mit Recht Auch gestern hatte der Vorstand des Vereins wieder einen prächtig gelungenen Abend veranstaltet. Metropolitan Riebeling war zu einem Vortrag über „Allerhand volksmundartliche und sprachwissenschaftliche Darbietungen" gewonnen. „Gebt ihr «in Stück, so gebt es gleich in Stücken, das Publikum wird es Euch doch zerpflücken." Dies Zitat aus dem Vorspiel zum „Faust", mit dem der Redner seinen Vortrag einleitete, sah ein klein wenig »ach einer Entschuldigung aus. Und doch bedurfte es einer Entschuldigung nicht,gab doch der Vortragende eine solche Fülle anregenden Stoffes in lebendiger Darstellung, daß man ihm bis zuletzt mit größtem Interesse zuhörte. Das will immerhin etwas bedeuten, sind doch sprachkundliche Vortragsthemen im allgemeinen beim Publikum gerade nicht übermäßig beliebt. Metropolitan Riebeling wandte sich, als Kind der Schwalm, vor allem der Schwälmer Mundart zu, die «inen Uebergang vom Nirderbessischen zum Oberhessischen bilde, in Ton, Ausdruck und Wortform aber besonders dem Oberhessischen nahestehe, und überdies dem Sprachforscher einen unerschöpfliche» Reichtum biete. Treffende Beispiele belegten feine Ausführungen. Er wies dann auf di« Reste des Alt- deuffchen und des Mittelhochdeutschen in der Ichwälmer Mundart hin und wartete auch hier wäeder mit Beispielen auf. Aus diesem Vorhandensein altdeuffcher Sprachreste in der
Schwälmer Mundart schließt Metropolitan Riebeling, daß die Schwälmer ein urgermanischer und nicht etwa ei» keltischer Volksstamm sind. Er ging dann auf die Wörter lateinischen Ursprungs im Schwälmer Dialekt und bei dieser Gelegenheit auf die Vorliebe der Deutschen für das Fremde und vor allem für fremde Sprachen ein, gegen die die Dialekte noch immer der beste Schutzwall seien: schließlich wandte er sich dem Gebiete der Stilkunst zu.
Interessant waren auch seine Ausführungen über das „Konservative" in Form und Inhalt der Volkssprache im Gegensatz zur Schriftsprache; unendlich viele Wörter haben im Neuhochdeutschen, in der Sprache der Gebildeten, trtit der Form auch di« Bedeutung fast gänzlich gewechselt. Der alte Wohllaut der deutschen Sprache, der in der häufigen Anwendung klangvoller Vokale besteht, findet sich nur bei unseren besten Dichtern, die gewöhnliche Umgangssprache hat unendlich viel von ihrer Schönheit eingebüßt. Zum Schluß bracht« Metropolitan Riebeling mit köstlicher, beinahe dramatischer Lebendiakeft ein drastisches charakteristisches Sprachstück in Schwälmer Mundart „Die Neukirchener Ostermartt-Prügelei" zum Vortrag, das wahre Beifallsstürme entfesselte. Lebrer Schröder, der Schriftführer des Vereins. ergänzte Metropolitan Riebeling noch durch den gelungenen Vortrag eines Schwälmer Wiegenliedes und die interessante Schilderung einer Verlobung. emes Handschlags, wie man im Schwälmer Land sagt. Eine lebhafte Diskussion schloß sich an. Zum Schluß kam Professor Dr. Brunner auf die angeblich altdeutsche Frühlingsgöttin Ostara zu svrechen, die unserem Osterfeste den Namen gegeben haben soll. Aus den geschäftlichen Mitteilung«» des Vofftandes ist noch zu entnehme», daß im Verein für hessische Volkskunde insofern eine Aenderung cinge treten ist. als d'« Easseler Grimm-Gesellschaft beschlossen hat. sich dem Verein anzuschließen: die Monatsversammlun- gcn des Vereins für Volkskunde sind zukünftig gleichzeitig Versammlungen der Grimm-Gesell- 'chaft. Im nächsten Monat gedenkt der Verein, der wiederum eine Reihe neuer Mitglieder ge
wonnen hat, den ersten Ausflug zu unternehme» und zwar »ach der Altenburg bei Felsberg. e. s.
Wrtter-Drrilldrn.
Die Möglichkeit der Wetter-Voraussage.
In älteren Kalender» findet man Wettervoraussagen nach dem hundertjährigen Kalender. Zugrunde liegt die naive Vorstellung, daß das Wetter sich in hundert Jahren genau wiederholt. Man witterte eine Periodizität des Wetterlaufs, beschränkte sich aber darauf, eine willkürliche Zcitperiode anzu- nehmcn. In früheren Zeiten wäre wohl die Zahl 7 oder 12 zu der Ehre einer Wetterlen- kerin gelangt: im Zeitalter des dekadischen Zahlensystems huldigte man der 100. Die auf- blühende meteorologische Wissenschaft bat nun tatsächlich deutliche Wetterperiodcn festgestellt, eine elfjährige, die mit der periodischen Lonnentätigkeit (Soitnenflecken) zusammenfällt und eine dreijährige, von der der namhafte Meteorologe Braak (Batavia) annimmt, daß sie rein irdischen Ursprungs ist. Es wechsel» Zeiten, in denen die Gegensätze zwischen den Marima und Minima des Luftdrucks stark ausgeprägt sind, die Hochdruckgebiete also sehr hohen, die Tiefdruckgebiete sehr niedrigen Luftdruck aufweisen, mit Zeiten einer Abflachung des Luftdrucks. Die Lustzirkulaffon und damit die Niederschlagsmenge ist im erste» Falle bedeutend größer als im zweiten.
Die dreijährige Wetterperiode wird sehr hübsch durch die Salzproduktiön in Madura (Java) illustriert. In jedem dritten Jahre ist die Menge des dort durch Verdunstung gewonnenen Salzes besonders groß, weil die Lust- ftockenheil in diesen Jahren ein Maximum zeigt, also eine dreijährige Periode hat, die in jenen Gegenden besonders deutlich ausgeprägt ist. Beobachtungen der Niederschlagsmenge (Regenhöhe) haben zur Feststellung »och kürzerer Perioden geführt. Es hat den Anschein, als ob unser Erdball von vier Wetterwellen umkreist wird, deren größte die Länge des Erdumfanges besitzt; die anderen verhalten sich dazu wie Obentöne zum Grundton (ein halb,
•_______________Freitag, 28. März 1913.
mantc», "Wert 1600 000 Francs: zwei Miltto- nen >n Scheinen der Bank von Frankreich (2 000 000 Francs), Gesamtwert: 6 650000 Pari?. Tuilerienvalast, den 4. September 1870. Der Oberhosmarschall: (Unterschrift unlcserlicln Dian ergeht sich in Vermutungen über diesen Fund, zumal da Grabungen, die sofort an der Fundstelle vorgenommen wurden, zur Entdck- kung eines Teiles eines Skeletts, das aus derselben Zeit zu stamme» scheint, geführt haben.
es Römische Juwelenraub Geschichten. Eine Affäre, in deren Mittelpunkt Frau Wolf Wertheim aus Berlin steht, beschäftigt gegenwärtig die römische Polizei und das deutsche Konsulat in Rom. Frau Wertheim hat bei der Kriminalpolizei in Rom die Anzeige erstattet, daß ihr eine Handtasche mit Juwelen im Werte von 180 000 Mark gestohlen worden sei. Ter Diebstahl ist bisher noch nicht aufgeklärt.
es Russisches aus Baden. Aus dem Güterbahnhofe in Leopoldshöhe im Kreise Lörrach in Baden, wurden sechzehn Eisenbahnbeamte wegen Durchstechereien verhaftet. Zahlreiche weitere Verhaftungen stehen noch bevor. Die Beamten, die schon seit längerer Zeit unter dem Verdacht standen, Durchstechereien zu begehen, sind sämtlich schon länger im Dienst. Der Fall erregt das größte Aufsehen.
es Das Schreckensende eines Scherzes. In Schweixingen in Lothringen erzählten zwei Gäste einem Wirt, um sein Haus schlichen Diebe. Der Wirt holte darauf sein Gewehr und die beiden Gäste versteckten sich, um den Wirt zu necken. Dieser gab dabei einen Schuß auf die vermeintlichen Diebe ab, der einen der Diebe ins Herz traf, sodaß er sofort tot. zusammenbrach. Der Wirt erstattete selbst über den Vorfall Anzeige.
s: Und immer wieder einer! Der Prokurist Brun von der Hamburger Filiale der United Export Companie in Kopenhagen ist in Ham- burg verhaftet worden, weil er an fingierte Kunden in Lissabon Reislieferunaen im Werte von mehreren 100 000 Mark gesandt, sie in Wirklichkeit aber an seinen dortigen Bruder verkauft hat. Die Firma ist schwer geschädigt. Der Verhaftete war schon seit längeren Jahren bei ihr tätig.
»x Immer wieder Opfer der Berge! Der Tourist Weiß aus Nürnberg ist vor den Auaen seiner vier Geschwister, die mit ihm die Würzenauer Wand im fränkische» Jura bestiegen hatten, zweiundzwanzig Meter tief abgestürzt. Er wurde tödlich verletzt ins Krankenhaus gebracht, wo er bald darauf .starb. Das Unglück ist dadurch geschehen, daß Weiß beim Absffeg zu unvorsichtig war.
Ein Eisenbahnunglück in Ungar». In der Nähe der Station Tiszolcz in Ungar» ist ein Güterzug in einen Personenzua hineingefahren. Mehrere Waggons des Güterzuges wurde» zertrümmert, mehrere Wagen des Personenzuges entgleiste», unter ihnen der Postwagen. Ei» Bahnbeamter wurde getötet, zwei Beamte, ein Gendarm, eine Frau und deren Kind erlitten lebensgefährliche Verletzungen.
Zunehmende Kriminalität in Frankreich Die Kriminalität nimmt in Frankreich in beunruhigender Weis« zu. Im letzten Jahre wurden der Statistik zufolge nicht weniger als 38 970 Kriminalprozesse eingeleitet, ungeachtet der 51946 Personen, die wegen kleinerer Vergehen zu Geldstrafen verurteilt wurden. An Verbrechern, die für verrückt erklärt wurden, gab es 1850t insgesamt wurden im Jahre 1912 zweitausend Personen mehr verurteilt als im Jahre vorher.
Mß ReuestZ mw AM.
Kommunales aus Rothenditmold.
Eine gestern abend abgehaltene Versam:»- lung des Bürgervereins Rothendit. m o l d beschäftigte sich eingehend mit der Tau. sendjahrfeier der Stadt Cassel. Der Vorsitzende, Stadtverordneter C ö st e r, teilte dabei mit, daß sich der Bezirksvcrein nunmehr entschlossen habe, die Gruppe 3 a und b im Festzug der Tausendjahrfeier in Gemeinschaft mit der ein drittel, ein viertel des Erdumfanges). Diese Wetterwellen schreiten von Westen nach Oste» fort Bekanntlich wandern auch die Hochs und die Tiefs in dieser Richtung. Am deutlichste» ist die kürzeste, die siebentägige Welle, ausgeprägt, di« längste hat eine Schwingungsdauer von etwa siebenundzwanzig Tagen. Da nun der siderische Monat siebenundzwanzig Tage hat, ist die Beziehung dieser Wellen zur Mondbewegung sehr wahrscheinlich geworden. Durch die Uebcreinanderlagerung aller dieser Wetterperioden entfielt das überaus wechselvolle Bild der W e tt e rl a a e, die sich mit einiger Sicherheit nur etwa v ieru n d zw a n z i g Stu», den Voraussagen läßt. 0. K.
ui. Schillers „Räuber" auf historischem Bode». Auf der Höhe über Stuttgart, im Bopferwald. wo heute noch Baum- und Wege- namen an Schiller gemahnen und wo der Dichter auch insgeheim fein Erstlingswerk im Kreise der Freund« von der Karlsfchule vortrug, soll in diesem Jähr« eine Freilichtbühne für di« Aufführung von Schillers „Räuber" erstehen. Der königliche Hofschauspieler Bruno P efchel hat dem guten Gedanken die Ausführung gesichert. Die Mitglieder des Hoftheaters und die Studentenschaft der Technischen Hochschule werden mirwiffen. Insgesamt solle» 200 Personen auftreten.
es Unverzeihlicher Irrtum Mr. Smith kommt wütend in den Klub, schleudert seinen Hut in die Ecke und läßt sich kopfschüttelnd in einen Sessel fallen. „Aber Smith, was ist denn los, du bist ja ganz bleich." Nie, nie im Leben werde ich mit das verzeihen. Gestern verbot ich einem Herrn mein Haus!" „Lieber Gott, wenn man Vater junger Töchter ist, mutz man manchem Herrn die Tür weisen. Gilt junger Bursch vermutlich ..." „Stobt, bester Vierziger ...!“ „Herrgott, in dem Alter sollten Männer e gentlich besseres zu tun habe», als jungen Mädchen de» Kopf zu verdrehen. Ich hätte ihn auch hinausgeworfen ...!" „Mensch, sprich nicht so leichtfertig. Erst später hab ich'S erfahren. Er hatte Absichten auf meine -Zchwie» germutter ...1"