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Casseler NM RaWteil

Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 94.

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 28. März 1913.

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Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

Frau und 8olkr-3ukMst.

Deutsche Gewissens-und Zukunft-Fragen.

Die Debatte über denGeburten- Rückgang hat mit hochslutartiger Intensi­tät eingesetzt, und es ist erstaunlich, bis zu wel­chen Gipfelhöhen Phantasie und Einfalt sich versteigen in dem Bemühen, des Unheils Wur­zel zu ergründen und die drohende Gefahr vor der Schwelle deutscher Volkszukunft abzudäm­men. Man hat in den letzten sechs Wochen das Thema in hunderterlei Variationen in Fraktur- und Antiqualettern erörtern sehen, und trotz dieser Vielheit und Vielgestaltigkeit hat keine der massenhaft vorgebrachten Argu­mentationen s o zu überzeugen vermocht, wie das einfach-schlichte Wort des Geheimrats El­ster vom preußischen Kultusministerium, der im diesjährigen Winterkursus für staatswis­senschaftliche Fortbildung in Berlin das Pro­blem des Geburtenrückgangs unter besondrer Berücksichtigung der deutschen Verhältnisse behandelt u. dabei einen Grundsatz aufgestellt, hat, besten Erkenntnisgehalt zweifellos weit wichtiger und wertvoller ist als das meiste Des­sen, das wir bisher als Resultat sozial-wiffen- schaftlicher und national-wirtschaftlicher Unter­suchung vernommen. Geheimrat Elster erklärt kurz und bündig, daß das Dogma des Segens der großen Kinderschar ein verhängnisvoller Irrtum sei und daß ein viel größter Segen der Volksgemeinschaft aus der Aufgabe erwachsen könne, eine k l e i n r e Nachwuchs­schar in geistiger, sittlicher und körperlicher Hin­sicht besser zu erziehen.

Geheimrat Elster steht auf dem Standpunkt, daß eine ständige große Bevölkerungszunahme nicht immer als ein Segen für die Nation an­zusehen sei, denn hinter der starken Vermeh­rung der Seelenziffer lauere die Gefahr einer Vernachlässigung der Qualität zugunsten der Quaniität; mit andern Worten: Die enor­me Steigerung der Volkszahl erschwere die sorgfältige und gewissenhafte Erfüllung derje­nigen Aufgaben, die die Volksgemeinschaft als Irzieher der nachwachsenden Generation ruf geistigem, sittlichem und hygienischem Ge­biet zu erfüllen habe. Man darf sagen: End­lich ein erlösendes Wort, eine Mahnung an Vernunft und Gewissen, ein Ruf zur Umkehr mn einem Wege, den kurzsichtiger Rationalfa- aatismus im Dunkel phantastischer Irrung be­schritten! Wenn ein Mann von der unantast­baren wissenschaftlichen Autorität des Ge­heimrats Elster vors Volk tritt und, ohne Pa- chos und unnütze Ereiferung, dem Dogma vom Segen der großen Kinderschar den Krieg er» Härt, so sollte das auch Denen zu denken zeben, die der Ueberzeugung leben, daß Deutsch­lands Zukunft nur in der beispiellosen Hast der Volksvermehrung ihre natürliche und un- yerrückbare Grundlage habe. Die Geschichte al­ler Zeiten und Völker zeigt uns, daß stets grade diejenigen Nationen die stärksten, leistungs­fähigsten und erfolgreichsten waren, die ihre Pflicht gegenüber dem Nachwuchs nicht in oer Steigerung der Zahl, sondern in der Ver­besserung der Qualität erblickten.

Wer die wirtschaftlichen Statistiken über die Lebenshaltung und die Erwerbsmöglichkeiten der mittleren und unteren Devölke- mngsklassen (die in der Hauptsache die Träger der starken Bevölkerungszunahme sind) mit de­nen der Vermehrung der Volksgemeinschaft ver­gleicht, wird unschwer erkennen, daß hier ein I rasses Mißverhältnis besteht, dessen sichtbare Wirkungen sich im sozialen Elend wei­ter Volksschichten offenbaren. Was nutzt es dem Reich und der Nation, daß Jahr um Jahr die Bevölkerung sich um viele Hunderttausende von Seelen vermehrt, wenn unterm Druck der sozialen Not der Nachwuchs verkümmert, wenn die Erziehung der für die Zukunft heran­reifenden Generation von Sorge und Kummer, vom harten Kampf ums Dasein und vom Zwang, der großen Maste das Wohl des Ein­zelnen zu opfern, beeinträchtigt wird? Wo bleibt die völkische Kraft und die Wehr- haftigkeit der Nation, wenn der Nachwuchs zwar gewaltig an Zahl, aber dürftig in seiner geistigen und körperlichen Entwicklung ist, und was soll aus den Millionen werden, die beim Fondauern des bisherigen schnellen Tem­pos der Bevölkerungszunahme in zwanzig oder dreißig Jahren den Ueberschuß der Volks- oermebrung darstellen werden, wenn nicht (glei­chen Schritt haltend mit der Zunahme der Be­völkerung) auch die wirtschaftlichen Ver­hältnisse eine entsprechende Verbesserung er­fahren?

Das alles sind Fragen, die ehrliche Anteil­nahme am Schicksal der deutschen Nation nicht leichtfertig mit dem Hinweis auf die .Entwick­lungsmöglichkeiten der Zukunft" abtun kann, und Geheimrat Elsters Mahnnif: -Richt Quantität, sondern Qualität des Volkszu­

wachses !" darf also als int Interesse der Nation gebotne Kundgabe ehrlicher und wirklicher Er­kenntnis geschätzt werden. Wie diese Erkennt­nis praktisch nutzbar gemacht werden kann, zeigt uns der als nationalökonomische Autori­tät gefeierte Wiener Gelehrte Rudolf Gold- scheid: Er erblickt die Verbesserung des Men­schennachwuchses der Nationen (die er, ebenso wie Geheimrat Elster, das wichtigste Pro­blem der Völkerzukunft nennt) in der Züchtung gesunder Individuen int gesunden Milieu, und als Voraussetzung dieser Möglichkeit bezeichnet er diepolitisch befreite Frau", deren

sozialer Wert erst dann für die menschliche Ge­sellschaft in seinem ganzen Wirkungs- und Nutzungsbereich erkennbar werde, wenn die Frau als direkte Nutznießerin einer vernünf­tigen Menschenökonomie der geistigen, sittlichen und körperlichen Erziehung der nachwachscnden Generation diejenige Sorgfalt und diejenige Hingabe zuwenden könne, die das Problem der Menschen-Qualitätverbesserung .erforbre. Es darf damit als erwiesen gelten, daß zwischen Frauenfrage und Volkszukunft ein ursächlicher und untrennbarer Zusammenhang besteht, und daß eine Lösung des Problems der Volkswert-Verbesserung nur möglich ist in eng­ster Verbindung mit der natürlichen Entwick­lung der zum Ziel sozialer und ethischer Ge­rechtigkeit strebenden Frauenbewegung ^..!

Heute W Sie ßlMrsswnz!

Weder Vermögens- noch Erbschaftssteuer.

Wie wi>- gestern bereits mitgeteilt haben, sins in den Ausschüssen des Bundesrats am Mittwoch die Heeres - und Deckungs- Vorlagen eingehend erörtert worden. Nach längerer Beratung haben dann am Mittwoch die " Ausschüsse ihre Vorarbeiten abgeschlossen, und am heutigen Donnerstag wird wahrschein­lich im Plenum des Bundesrats die Ent­scheidung über die neuen Steuerpla­tt e fallen, deren Veröffentlichung zusammen mzt derjenigen der Heeresvorlage noch vor Ab­lauf der Woche erfolgen dürfte, ließet die dem Bundesf zur Beschlußfassung vorliegenden Entwürfe wird uns berichtet:

Die Steuerpläne der Regierung.

(Privat - Telegramm.)

Berlin, 27. März.

Tic Beratungen über die neue HeereS- nnd Dcckungsvorlage sind (wie eine offiziös bediente Korrespondenz meldet) gestern in den Ausschüssen des Bundesrats abge­schlossen worden. Das Plenum des Bun­desrats wild sich in feiner heutigen Sitzung mit den Vorlagen beschäftigen. Es handelt sich dem Vernehmen nach im ganzen um acht E n t- w ür f c, nämlich um Vorlagen zur Aenderung der Gesetze über die Friedenspräsenzstärke, der Vesoldungsordnung und des Mannschaftsver- svrgungsgesetzcs, ferner um Entwürfe für ein Gesetz zur Aenderung des Reichsstempel­gesetz e S. ein Wehrbeitragsgesetz, ein Gesetz über das Erbrecht des Staa­te K nno eine Vorlage zur Ergänzung de ReickShaushaltSetats 1913. Mit Rücksicht aus die Drnailichkeit der Vorlagen kann man an­nehmen, daß das Plenum des Bundesrats sie bereits in der heutigen Sitzung verabschieden wird. Ter Plan der Bermögenszu- wachs- und Erbschaftssteuer ist völ­lig fallen gelassen worden und die Regie- runq braucht also nicht die OPpoMon der Rechten zu fürchten.

Das Rachosterprogramm im Landtag.

Wie unser parlamentarischer Mitarbeiter mitteilte, ist die Arbeit, die der Landtag tm Monat April noch zu leisten haben wird, wenn er das gesamte unerledigte Material °uf ten will, eine sehr umfangreiche. Wahrschein­lich wird ein großer Teil des un er ledig- ten Materials überhaupt nicht mekto berattn und verabschiedet werden können, jter niorenkonvent wird in der nächsten Woche sich darüber schlüssig werden, welche Vorlagen und Anträge noch zu beraten fein werben <>n der Hauptsache wird es sich um die Erledigung des Etats der vier K red t tv o rl ag - und einer Reihe kleinerer Gesetze sandeln, wahrend die S t e u e r g e f e tz e und der gro^e Teil der Anträge unerledigt bleiben wer­

den.

einem einsamen Wäldchen bei Rom eine K u - gel in den Kopf gejagt. Der Tod trat sofort ein. In der Tasche des Uebetrocks des Prinzen fand man drei Briefe, darunter einen an den österreichischen Botschaft er. Die Brieftasche des Erbprinzen enthielt kein Geld, lieber die Beweggründe zur Tat sind die verschiedensten Gerüchte in Umlauf. Ter Botschafter glaubt, daß der Erbprinz in einem Anfall von Neurasthenie gehandelt hat. Tie Frau eines Bahnwärters einer nahe vor­übergehenden Kleinbahn will in dem Toten einen Herrn erkennen, der in den Abendstun­den häufig in Begleitung einer schönen jungen Dame war.

6ie Sieg her Mennkmr?

Ein Jahr Feiertag im Wettrüsten!

Winston Churchill, Englands Mari­tt e m i n i st e r, von dem sicher niemand be­haupten kann, daß er für dendeutschen Vetter" befonbre Svmpathien hege, ist in der Nachoster- zeit von bet Erkenntnis heimgesucht wor­den, und bie Frucht seiner plötzlichen Erleuch­tung sehen wir nun in der Rede, mit der er gestern im Unterhaus den Flottenetat eingebracht hat: Mister Churchill unterbrei­tet uns den Vorschlag, im Rüstungswettbewerb zur See zwischen Deutschland und England eine Jahrespause eintreten zu lassen, um den beiden Ländern eine wirtschaftliche Erho­lung und Neukrästigung zu ermöglichen. Der Vorschlag des blonden Vetters kommt etwas überraschend, aber die Art, tote er vorgebracht wird, ist jedenfalls recht interessant.

Sireneuklange von der Themse.

(Telegraphischer Bericht.)

London- 27. März.

Bei der Einbringung des Flottenetats hielt gestern Winston Churchill, der erste Lord der Admiralität, eine Rede, in der er sagte: Die Flotte geht jetzt durch eine Periode, nicht lediglich der Erpansion, sondern auch schneller und unaufhörlicher Entwicklung. Das letzt? deutsche Flottengesetz hat bie Zahlbar Schiffe, die toir jährlich zu bauen haben, ver­mehrt. Dieses Gesetz und die Erforder­nisse des Mittelmeeres haben die Zahl der Schiffe noch weiter gesteigert, die in höchster Bereitschaft erhalten werden müssen. Für die Aufrechterhaltung des Mann­schaftsbestandes der Kriegsflotte ist ein bestän­diges bedeutendes Anwachsen in der Zahl der Offiziere und Mannschaften aller Grade erfor­derlich und es ist keine Aussicht vorhanden, die gewaltigen, dauernden und wachsenden Kosten in den Floltenetats der künftigen Jahre zu vermeiden, wenn nicht bie Periobe der Riva­lität und deS technischen Fortschritts zu ei­nem Ende kommt. Von allen Nationen der Welt sind wir vielleicht am besten imstande, ei­ne derartige Ausdehnung zu tragen, falls sie fortgesetzt werden sollte. Aber es gibt glückli­cherweise einen Weg, der offen steht, und offen bleiben wird, durch den die Völker

ein Ende der Sklaverei

erreichen können, in bie sie sich selbst begeben haben. Die Frage, bie sich bie Großmächte unb nicht nur die Großmächte, fonbent die großen Nationen vorlegen sollten, ist diese: Wenn für den Zeitraum eines Jahres kein neues Schiff für irgend eine Flotte gebaut worden wäre, würden unsere Flotteninteressen oder die nationale Sicherheit in irgend einer erkennbaren Weise gefährdet werden? Wir haben heute gute Schiffe; sie sind die besten in der Welt, bis bessere gebaut werden. Können sie nicht ein Jahr die Herrschaft behalten, bevor sie zurück- gesetzt werden? Warum sollten wir alle nicht für ein Jahr im Schiffsbau Feiertag eiw- treten lassen, so weit eine neue Konstruktion ober unter allen Umstänben eine neue Konstruk­tion eines Linienschiffes in Betracht kommt. Das ist bie Frage, bie ich im vorigen Jahre ge­stellt habe, das ist der Vorschlag, den ich in diesem Jahre wiederhole. Er schließt keine Aen­derung in der relativen Stärke der Flotten in sich ein unb er bedingt nicht das Ausgeben irgend eines Planes bezüglich der Flotten-Or- ganifation ober ber Flottenvetmehrung. Tie Finanzen eines jeben Landes würden eine Ent­lastung erhalten, keine Flotte würbe im ge­ringsten benachteiligt sein.

Churchills Vorschlag zur Güte.

Kiel legen. Eine beiderseitige Verzichtleistun, in diesem Jahre würde für Deutschland nichi unvorteilhaft fein, während der Einfluß eines Zusammenarbeitens der englischen und deut, scheu Regierung imJnteresfedesFrie. d e n s ein maßlos lobenswerter fein würde.

Auch Tschataldscha gefallen? Die letzten Kämpfe bei Tschataldscha; Tscha» ^aldscha nach heißer Schlacht genommen

Der letzte Akt der Türken Tragödie scheint mit eilenber Hast sich abzuspielen: Ge­stern in ber Morgenfrühe fiel das nahezu ein halbes Jahre hindurch heldenmütig verteidigte Abrianopel, bie Eingangspforte zur Hauptstadt der Türkei, und nun ist auch bei Tschataldscha, dem letzten Stützpunkt bet Türkenmacht, die völlige Niederlage ber Os- manen nur noch eine Frage von Stunben ober Tagen. Daß der Ort Tschataldscha von den Bulgaren nach zweitägigen erbitterten Kämp­fen genommen werden konnte, beweist, daß die Türken die vor einigen Tagen eroberten Posi­tionen wieder verloren haben und von den Bulgaren zurückgeworfen worben sind, lieber bie Kämpfe um bie Tschataldscha-Linie liegen uns folgenbe Drahtnachrichten vor:

London, 27. März.

Die heutigen Morgenblätter ver­öffentlichen eine Meldung der hiesigen bulgarischen Gesandtschaft, wonach Tschataldscha gestern von den Bul- garen^nach zweitägige« erbitterte» Kämpfen genommen worden sein soll. Erne anderwekte Bestätigung derRach- richt steht allerdings noch aus. Ein Telegramm aus Konstantinopel bestätigt nur, daß die Ortschaft Tschataldscha geräumt wordensei. Der Gouverneur des Ortes ist bereits in Konstantinopel eingetroffen. Der Rückzug der Truppen aus Kadikoej sollsich fluchtartig vollzogen habe«. Man erzählt, daß die Türken dort nur ein Regiment mit lnsgesamtS50Mann und acht Kanonen stark waren. Sie sollen im Kampfe mit der bulgarischen ilebcrmacht etwa 200 Mann Tote und 74 Verwundete gehabt haben. Der Rest konute sich über die Grenze retten.

Bestätigen sich diese Nachrichten (und die Quelle, aus ber sie stammen, läßt Zweifel an ber Richtigkeit fast nicht zu), bann darf das Kriegsschicksal ber Türkei als besiegelt gel­ten. Der Endkampf um Tschataldscha kann in diesem Falle nur noch ein Nachspiel der militä» rischen Operationen fein, denn mit dem Fall von Adrianopel und Tschataldscha ist in Wirk­lichkeit die Entscheidung bereits gefallen. Es mag vielleicht die Frage berechtigt fein, ob es notwendig war und ob es menfchlich zu rechtfertigen ist, am Abend des Balkan-Dramas nochmals Ströme von Blut zu vergießen, nachdem der Gegner bereits am Boden lag: S i- ch e r ist jedenfalls, daß der Fall der beiden letz­ten türkischen Stützpunfte endlich die Kriegs­lage geklärt und dem Frieden die Bahn ge­ebnet hat!

Der Einzug in Adrianopel.

(Privat - Telegramm.) Sofia, 27. März.

Nachdem der Kommandant von Adrianopel, General Schükri Pascha, mit seinem Stabe von bulgarischer Kavallerie umzingelt war, hat er sich gestern mittag dem bulgarischen General Iwanow ergeben. General Iwanow teilte dies dem Generalissimus telegraphisch mit. In einem Privattelearamm wird der Einzug der Sieger in die brennende Stadt folgendermaßen geschildert: Mit klingendem Spiel marschierten die Regimenter in die zum Teil brennende Stadt ein, wo noch an vielen Stellen die Detonationen der Sprengungen ertönten und wo an manchen Stellen zwischen den Truppen noch erbitterte Einzelkämp» fe ftattfanben. Die bulgarischen Verluste sind außerordentlich groß, da die Türken sich gerade­zu verzweifelt verteidigten. Als die Bul­garen die Borforts erstürmt hatten, fanden sie die dortige gefangene Besatzung im Zustand der äußersten Erschöpfung vor. Als die ersten bulgarischen Regimenter in die Stadt einmar­schierten, brach unter der Bevölkerung eine furchtbare Panik aus und Taufende verließen

Jis Tragödie eines Erbprinzen.

Selbstmord eines österreichischen 'Bringen, (Privat -Telegramm.)

Rom, 27. März.

Der Sohn des österreichischen HerrenhauS- Präsidenten Fürst Windischgrätz, Erbprinz Vincenz zu Windischgrätz, der Attache der österreichisch-ungarischen Botschaft beim Quiriual, hat sich in der vergangenen Nacht in

Der Marine-Minister schloß seine Rede mit folgender Einladung an Deutschland: Ich lade Deutschland ein. feinen Willen dahin kundzugeben, das Flottenprogramm von 1914 oder 1915 zu streichen. England würde dann dasfelbe tun und dadurch würde außerordentlich viel gewonnen. Mit Ende des Jahres würde England über 100 Luftfchisse und Piloten für seine Flotte zur Verfügung ha­ben. Im Jahre 1914 wird Großbritannien vier Schiffe gegen zwei deutsche auf

in wilder Flucht die Stadt.

Bulgarischer HerosLraLen-Wahn?

(Privat - Telegramm.)

Sofia, 27. März.

Tie offiziellen Mitteilungen des Kriegs. Ministeriums über den Beginn des General- sturms gegen Adrianopel haben hier die größte Ueberraschung hervorgerusen, da man an große Kriegsoperationen nicht mehr glaubte. Daß es trotzdem noch dazu kam,