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Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 27. März 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 93

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Hiobsnachrichten.

Das Drama am OsterLag.

(Telegraphischer Bericht.)

Newhork, 26. März.

montenegrinische Oberkommandant, Kronprinz Danilo, sandte heute durch einen Parla- mentär einen Brief an Essad Pascha, den neuen Kommandanten von Slutari, worin er ihm be­kannt gab, daß der König der Bevölkerung freicnAbzug aus Skutari gewähre. Essad Pascha erwiderte brieflich, er danke für diesen Edelmut, könne jedoch das Anerbieten nicht annehmen, da er von seiner Regierung hierzu nicht ermächtigt sei.

Mrianovei ist gefallen!

Die letzte Hoffnung der Türken vernichtet.

Die Bulgaren haben gestern vor Adria- nopel den entscheidenden Schlag gewagt: Sie rückten in der Morgenfrühe des Dienstags zum General sturm gegen Adrianopel vor und warfen die Türken aus ihren Verteidigungsstel­lungen zurück. Der Sturm aus die monatelang belagerte und heldenmütig verteidigte Festung hat heute die Entscheidung gebracht: Adria­no P e l ist gefallen, bulgarische Truppen haben in die eroberte Stadt ihren Einzug ge­halten, und damit ist im zweiten Teil des Bal- kankriegs die entscheidende Wendung mit einer neuen schweren Niederlage der Türken einge­treten. Wir verzeichnen nachfolgende eignen Drahtmeldungen:

Immer »och: RStsel-Sviel.

Die Heeres» «»d Deckungsvorlage.

Wie «ns aus Berlin berichtet wird, dürfte der Bundesrat am kom­menden Freitag über die neuen Steuervorlagen endgültig Be­schluß fassen. BiS heute ist über die Deckuug der dauernden Ausgaben der neuen Rüstungsvorlage noch keine Einigung erzielt. Dem Reichsschatz amt liegen eine ganze Reihe von Steuerentwürfen vor, mit deren Prü­fung man noch immer beschäftigt ist. Auch i« dieser Frage ist eine völlige Lebereinstimmuag der einzelnen Staa­ten noch nicht zustande gekommen.

Ist der Osterhase am Kanzlerhaus in der Berliner Wilhelmstraße vorübergegangen, ohne Herrn von Bethmann Hollweg durch die Gabe' der Erkenntnis zu erfreuen? Und soll dem schmetternden Fanfarenklang der Mil- liarden-Opferbegeisterung nun die schrille Dis­harmonie peinlichen Groschenschachers folgen? Als, schüchtern wie das Knospengrün im frühen März, die erste Kunde über das nationale Mil- liarden-Opfer sich in offiziöse Blätierspalten wagte, erbrauste von der Maas bis zur Memel das Hohelied vom braven Mann; der Kanzler erlebte die seltne Freude vorbehaltloser Aner­kennung einer glücklichen Idee, und es bedurfte kaum noch des historischen Beweises, zwischen achtzehnhundertdreizehn und neunzehnhundert­dreizehn die Gleichheit und Innigkeit natio­nalen Interesses zu konstruieren. Die Zeit war klug gewählt: Im Südosten des Kontinents die Schrecken eines überlangen Völkerkriegs in grellster Farbenwirkung; im Westen das Re­vanche-Gespenst gallischer Leidenschaft und im Osten die bange Sorge vor der Zukunft Mög­lichkeiten! In solchem Moment mutzte selbst ein

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RmLamntta im Sri»».

Die Orkan-Verwüstungen in Amerika; Hun­derte von Mensche» als Opfer der Kata­strophe ; ganze Städte verwüstet und zerstört.

Allmählich kommen genauere Nachrichten aus dem Gebiet der W i r b e l st ü r m e in den Ver­einigten Staaten von Amerika. Wie wir schon gestern berichteten, hat sich herausgestellt, daß die Zahl der Toten in Omaha mit tausend wohl zu hoch beziffert war, doch werden dort die Menschenopfer immerhin sich auf mehrere Hun­dert beziffern und auch in anderen Staaten ist hie Zahl der Toten und Schwerverletzten sehr groß. Die uns heute vorliegenden Drahtmel- dunaen geben ein Bild von den.

Verheerungen, die der Orkan ungerichtet hat.

Aeberschwemmung und Orkan.

(Privat * Telegramm.) Newhork, 26. März.

Die Unglücksnachrichten aus dem Gebiete der Tornados, die gestern und vorgestern zahlreiche Staaten der Union heimsuchten, mehren sich. Zu den Verwüstungen des Hochwassers kommen die Verheerungen neuer Wirbelstürme. In Danton im Staate Ohio steht das Wasser zum Teil sieben Fuß hoch. Der Bevölkerung ist die Flucht unmöglich, da alles benachbarte Land flach ist. Die Einwohner haben sich deshalb auf die Dächer ihrer Häuser flüchten müssen, wo sie sich in strömendem Regen so gut es geht, ein- rickten. Südlich von Tayton ist der Tamm eines große« Wasserreservoirs gebrochen und die angestanten Wassermasscn ergossen sich in den Fluß, der infolgedessen aus seinen Ufern trat und die Straßen der Stadt überschwemmte. Die Fluten durchströmten die Straßen mit einer solchen Gewalt, daß ein Passieren in Boten un. möglich ist. Flüchtende Einwohner wurden in den Straßen von Plünderern niedergeschossen. Der Versuch, auf der Eisenbahn die Stadt zu verlassen, ist als aussichtslos eingestellt worden. Bis jetzt sollen in Dayton und seiner Umgebung über fünfzehnhundert Menschen er- trunken sein. Tie Staaten Ohio «nd Indiana sind am schwersten von dem Hochwasser heimge. sucht. Dutzende von Ortschaften sind über- schwemmt. Die Stadt Makanda in Illinois, hundert Meilen südlich von St. Louis, ist in der letzten Nacht von einem neuen Tornado heimge­sucht worden. Bis jetzt wurden fünfzehn Tote gefunden. Zahlreiche Tote liegen noch unter den Trümmer» der Häuser. Ein Zentralbahn, zug wurde in der Nähe von Makanda durch den Sturm vom Geleise geweht. Zahlreiche Passa­giere sind hierbei ums Leben gekommen. Auch aus anderen Teilen des Staates kommen ähn»

lichkeit der Beschaffung von Millionen sich ver­gewissert zu haben. Monde hindurch hat dann Herr Kühn im Schweiß des Angesichts sich ge­müht, im magern Grund des Wirtschaftsackers neue Steuerquellen zu erspähen; die Finanz­minister der Bundesstaaten haben im Reichs­schatzamt Soll und Haben der Kühn'schcn Mil- liarden-Rechnung sorglich auf Ertrag und Effekt geprüft; der Kanzler und sein Adlatus waren tagelang um die emsigeBearbeitung" der Partei-Kommandeure bemüht; Herr Basser- mann versammelte beim Parlaments-Diner die Häupter aller Lieben: Und nun hört man, am Vorabend des Entscheidungstags, daß selbst über die Grundlinien der Kostendeckung eine Uebereinstimmung noch nicht erzielt werden konnte". Wenig tröstlich und gar nicht rühmlich, denn aus der Tatsache dernoch nicht erzielten" Uebereinstimmung darf ge;chlossen werden, daß irgend ein f e st umrissnes Pro­gramm der Reichsregierung für die Kostendek- kuna der Heeresverstärkung bisher.Über­haupt nicht vorhanden gewesen ist. -er Kanzler und Herr Kühn haben auf gut Gluck gearbeitet, vielleicht berauscht vom schnellen und ungewohnten Erfolg der Milliarden-^dee Cle­mens Delbrücks, und nun kommt (m Bundes­rat und Parlament) die Nachlese, die weniger begeisternde Kehrseite: Der Kampf um den Groschen! Ziemtzs sich da noch, an acht­zehn hund ertdreizehn zu erinnern^..?

F. H.

Das Ssterkablnett nm ßude?

Frankreich vor einer neuen Ministerkrise!

Paris, 26. März. (Privat - Tele, gramm.) Das Kabinett Barthou präsentierte sich gestern der Kammer mit einer Erklärung, in der es sein Programm entwickelte. Sofort nach der Verlesung der ministeriellen Erklärung stellte das Ministerium die Vertrauens­frage. Es wurde abgestimmt. 225 Depu­tierte stimmten für und 162 gegen das Ministe­rium bei 202 Enthaltungen Das Ministerium ist also nicht lebensfähig und wird wahrscheinlich heute oder morgen demissionie­ren. In der heutigen Kammer-Sitzung wird eine neue Abstimmung über eine Interpellation betreffend die Zusammensetzung des Kabinetts erfolgen. Sollte diese Abstimmung gegen das Kabinett anssallcn, so wird die so­fortige Demission erfolgen. Der allgemeine Eindruck gehr dahin, daß das Ministerium

Barthou in seiner jetzigen Zusammensetzung unmöglich ist.

*

Regierung, Bundesrat, Reichstag. (Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.) Berlin, 26. März.

Die neue Heeresvorlage und die D eckungs gesetze werden voraussichtlich am Freitag halbamtlich veröffentlicht wer den nachdem der Bundesrat am-i Eerstag die Stcuergesetze endgültig verabschiedet haben wird. Di- Vorlagen werden am Ende dm Woche dem Reichstage zugehen und heim Ww- der.nsammcntriii des Ne i ch 8 t atzs «t ÄTt nächsten Woche den Abgeordneten gedruckt Bor liegen. Rach den vorläufigen Tttpopt on-n des Reichstags (die in der nächsten Woche endgültig vom Scniorenkonvent festgesetzt werden sollen) werden diese Vorlagen in der zweiten April woche zur ersten Beratung gestellt werden, nach dem dir Fraktionen sich vorher über die Be­handlung der Vorlagen schlüssig gemacht haben werden. Die Etatsberatung wird nach dem Wiederzusammentritt des Reichstages zunächst fortgesetzt werden und zwar mit dem M i l i - täretat, dem Etat des Auswärtigen Amtes, dem Etat des Reichstages, dem Etat des Reichsschatzamtes und den struertechnischen Etats. Außer der Etatsberatung und der ersten Lesung der Heeres- und Stcuergesetze sollen bis zur Pfingftvertagung noch das Staatsangehö- rigkeitsgcsetz und das Postscheckgesetz verab­schiedet werden. Außerdem soll versucht werden, noch die Heeresvorlage bis Pfing­sten endgültig zu verabschieden. Die Pfingstferien werden zwischen dem 25. und 30. April ihren Anfang nehmen und mit Rückst äst auf die Landta gsw a hlen in Preußen bis zum 27. Mai dauern. Man rechnet damit, daß die Budgetkommission die Beratung der Steuergesetze in den Pfingstferien so fördern wird, daß diese Gesetze noch in der ersten Hälfte des Juni endgültig verab­schiedet werden können. Die Budgetkommis fion des Reichstages wird ihre Arbeiten am 3. April wieder ausnehmen und zwar mit dem Etat des Auswärtigen Amtes. An dieser Kom- miffionssitzrmg wird der Reichskanzler teilnehmen und Aufschluß über den gegenwär­tigen Stand der auswärtigen Politik (hauptsächlich des BalkankriegeS) geben.

Bei den Stürmen, die am ersten Öfter« feiertag die Staaten Nebraska, Jndiania, Iowa, Missouri, Illinois, Alabama und Flo­rida, sowie Süddakotah und Montana heim­suchten, haben nicht weniger als sechshun­dert Menschen ihr Leben eingebützt, während fünftausend zum Teil sehr schwere körperliche Schäden erlitten. In Ne­braska wurden ganze Ortschaften von den Stür­men zerstört. In diesem Staate kamen vier­hundert Menschen um und tausendzweihundert wurden verletzt. In der Hauptstadt Ohama stürzten 150 Wohnhäuser, elf Kirchen und acht Schulhäuser ein. 250 andere Häuser wurden schwer beschädigt. Die Straßen der Stadt wa­ren voll von schreienden Kindern und Frauen, die in ihren Nachtkleidern aus den zusammenbrechenden Häusern geflüchtet waren. Der Blitz schlug in verschiedenen Gebäuden ein, und die Feuer wüteten die ganze Nacht, obwohl ein Wolkenbruch über die Stadt niederging. Die Obdachlosen hatten unter diesen Umständen schwer zu leiden. Alle Drahtleitun- gcn mit einer einzigen Ausnahme sind zerstört, und man befürchtet, daß das Unheil an man­chen Stellen noch viel größer ist, als die vor­liegenden spärlichen Nachrichten vermuten las­sen. Die Staatsmilizcn sind nach vielen Ort­schaften ausgerückt, um die Ruinen gegen Diebe und Räuber zu schützen. Das Telephonamt war eines der ersten Gebäude, das einstürzte, und

Drummer zum Prediger nationaler Opfer- Willigkeit, zum Mahner deutschen Gewissens werden, und wenn Clemens Delbrück den Plan der Milliarden-Abgabe nicht erdacht, hätte eines Andern Hirn der Erkenmnis teilhaft werden müssen, daß der Augenblick, ba£ Gewissen des Volks zu rascher Tat zu ermuntern, nicht un- genutzr vorüberhasten dürse. Indessen: Begei­sterung läßt sich nicht auf Flaschen ziehen, und wenn wir heut (ein paar Wochen später) Um­schau hatten, gewinnt das Bild ein weit we­niger freundliches Gepräge.

Daß die Fürsten sich an dem National­opfer der Milliarden-Spende aus freiem Willen zu beteiligen wünschten, hörten wir am Tag der Kundmachung des Plans als Offenbarung höchster Pflichterkenntnis. Vernahmen, daß die Anregung zu diesem Schritt souveränen Für­stenwillens vom Kaiser selbst gegeben worden, und sahen in der Freiwilligkeit des Entschlusses einen Tribut, den die Regierenden selbst in schwerer Zeit dem Vaterland zu entrichten ge­sonnen. Unterdessen ist errechnet worden, daß zwischen Hoffnung und Wirklichkeit das Land Utopia liegt: Der Ertrag der Fürstenspende zum nationalen Rüstungs-Milliarden-Opfer bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, die froher Optimismus angesichts der Größe des Entschlusses schon gesichert wähnte. Und derweil drängt auch dieKritik der reinen Ver­nunft" energischer aus Mund und Feder: Der Ausnahmegesetz-Eharafter des Milliarden- Opfers hat die srohe Begeisterung schnell ge­dämpft; ruhige Besonnenheit fragt, warum ein Sechzigmillionen-Volk, das stark in Waffen und entschlossen zu Taten sein will, seiner Rüstung Zwangbedarf durch eine gesetzlich fest, gelegte Anleihe beim eignen Volk zu decken versucht, wenn ohne Gefährdung der nationalen Wirtschafts-Sicherheit bei kluger Nutzung ge­gebner Möglichkeiten andre Quellen erschlos­sen werden könnten, und die Besten der Nation lehnen es ab, den Vergleich zwischen achtzehn- und neunzehnhundertdreizehn unbesehen hinzu- nehmen. Vor hundert Jahren galt's, das höchste Ziel völkischen und nationalen Sehnens: Die Freiheit, zu erstreben; heut gflts nur, der Regierung die Notwendigkeit zu ersparen, eine Steuerpolitik vorzubrreiten, von d-r sie eine Schwächung ihrer parlamentarischen Stützen befürchtet. Und damit kommen wir zum Kernpunkt der Dinge!

Man darf erwarten, daß die Heeresvorlage selbst in den Umrissen nicht sestgelegt worden ist, o h n e die Notwendigkeit erträglicher Lasten- Verteilung auf die einzelnen Schichten des Botts von vornherein zu berücksichtigen. Es haben also schon zum Beginn des Werdens der neuen RüsUmgspläne bestimmte Möglichkei­ten der Kostendeckung ins Auge gefaßt werden müssen, denn man kann doch nickt annehmen, daß die Reichsregierung von der Volksgemein­schaft Milliarden fordert, ohne über die Mög-

Eofia, 26. März.

Adrianopel ist gefallen! Das 23. Schipka- Infanterie - Regiment, das zur achten bulgarischen Infanterie- Brigade gehört, ist heute früh in die Stadt ein gezogen. Tie türkische Be­satzung hat die Militär-Depots i n d i e Luft gesprengt.

Berlin, 26. März.

Die hiesige bulgarische Gesandt­schaft teilt der Preß-Zentrale folgen­des Telegramm der bulgarischen Heeresleitung mit: Mnstapha Pascha, 26. März 9 Ahr 30 Min. vor­mittags: Alle Forts Adriarropels in unseren Händen. Depots in die Luft gesprengt!

Der Fall von Adrianopel besiegelt das Schicksal der Türkei, die nun auch im zweiten Wasfcngaug vom Gegner niedergezwungen worden ist. Die Friedensverhandlungen wer­den unter dem Druck der Ereignisse nun inten­siver gefördert werden als durch Jbie seit Ma­laien andauernden Friedensbemühungen der Großmächte, denn die Türkei muß jetzt einsehen, daß weiterer Widerstand und weiteres Blutver­gießen nutzlos sind und die Fortführung des unglücklichen Krieges das Schicksal dock nicht mehr in seinem Lauf einhalten kann. Die ein­zige Hoffnung bleibt noch Tschataldscha, aber nach Adrianopcls Fall wird auch Tscha- taldscha nicht mehr lange widerstehen können.

Die Kampfe um Adrianopel.

(Amtliche bulgarische Meldung.)

Sofia, 26. März.

Gestern früh, kurz nach ein Uhr, unternah­men die bulgarischen Truppen gleichzeitig einen Generalsturm gegen die vorgeschobenen Positionen der Festung Adrianopel. Gegen halb vier Uhr früh gingen die bulgarischen Truppen trotz des erbitterten Widerstandes des Feindes mitdem Bajonett vor. Es gelang ihnen, alle Positionen vor den Ostfotts zu besetzen. Die Festungswerke von Maslik mit dem Fort gleichen Namens und alle unmittelbar im Osten der Festtmg liegenden befestigten Punkte fie­len in die Hände der Bulgaren, die zwölf Ge­schütze mit allem Material und vier Mitrail- leusen erbeuteten sowie ein Bataillon Türken gefangen nahmen. Die bulgari­schen Vorposten besetzten dann Scrwandern, das ungefähr ein Kilometer von den Festungswer­ken entfernt liegt. Auf den westlichen und süd­lichen Forts warfen die bulgarischen Truppen den Feind aus seinen voraesckobenen Positio­nen und rückten bei seiner Verfolgung energisch vor. Heute bei Tagesanbruch wurde nack neuen, erbitterten Kämpfen die gesamte Ostfront der Festtmg Adrianopel mit sieben Forts sowie sämtlichen Batterien dieser Forts eingenommen. Kur, daraus ergab sich die Festung und bul­garische Truppen hielten ihren Einzug in die Stadt. Sämtliche Devots sind im letzten Au­genblick von den Türken in die Luft ge­sprengt worden.

Eine Schlacht bei Tschataldscha.

Konstantinopel. 2R. März. (Privat- telegramrn.) Bei Tschataldscha ist seit gestern früh ein ernster Kampf int Gange. Die Schlacht hielt den ganzen Tag über an und der Kanonendonner war zeitweise bis Stambul hör­bar. Ter Kampf wütet auf der cantcn Tsrha- taldschalinir. Der rechte Flügel her Türken bei DerkoS soll Terrain gewonnen haben. Man schätzt die Zahl der toten Bulgaren auf achthundert Am Abend ging daS Gerücht in der Stadt, hab die Bulgaren vollstän­dig geschlagen worden seien, doch ist dieS offiziell noch nicht bekannt.

Der Held von Skutari ermordet!

Belgrad, 26. März. (Privat-Tele- gramm.) Der heldenmütige Verteidiger von Skutari, Riza Pascha, wurde gestern, als er von einem Diner auf die Straße trat, von einem Malifforcn ermordet. Zu seinem Nachfolger wurde Essad Pascha ernannt. Ter