Caffeler Abendzeitung
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, 26. Marz 1913
Nummer 92
Fernsprecher 951 und 952.
clnfertion8nreife: $U Migtfpattene gelle für einhel-lUche SeschLfte 15 Pfz.. für «u«. rairttae Inserate 25 Pf, Reklamezelle für etahelmlsche SefchLfte 40 Pf. für auSwarttzs Geschäfte «0 Pf Einfache Beilagen für die Hefamtauflage werden mit 5 Mark pro Laufens be. reinet. Wegen ihrer dichten Berdrettung in der Refiden, und der Umgebung find die (Saffeler Neuesten Nachrichten eia vorzügliche« JnfertlonSorgan. Seschäftslelle: »Slnische Ltraße 5 Berliner Vertretung: SW, .rriedrichftrabe 16. Telephon: Amt MorlSplah 12584
Tie Casseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und gnar abends. Der Abonnement «preis beträgt monatlich 50 Psz. bet freier Zustellung in« Hau«. Bestellungen werden jederzeit von der Seschästrstelle oder den Boten entgegengenomme». Druckerei. Verlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28/80. Sprechstunden der RedaMon nut von 7 bl« 8 Uhr adendi. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bi? 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrichftr. 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.
CMer Dirucitc Machten
Hessische Abendzeitung
Der Wille Europas
düngen:
Wien, 25. März.
der Kronprinz in Langfnhr
im titari
Depeschen aus Wien zufolge wird über die Antwort auf die neue Friedensbasis der Großmächte »och -wischen den Balkan-Ver> bündeten verhandelt. Man hofft in drei Tagen eine Verständigung zu erzielen. Wie verlautet, wollen die Verbündeten den Vorschlag der Großmächte als Basis für die Friedensverhandlunge« annehmen, sodaß mit der Einstellung der Feindseligkeiten gerechnet werden darf.
strengstes Stillschweigen bewahrt wird. Sicher ist jedenfalls, daß die Schwierigkeiten zwischen Oesterreich und Montenegro zurzeit noch nicht beseitigt sind.
Wie an hiesiger amtlicher Stelle verlautet, hat Montenegro daS Ultimatum Oesterreichs in der Affäre des ermordeten Paters Palic unter zwangsweiser Kon- versierung der unter österreichischer Protektion stehenden albanischen Katholiken in Dja- kova angenommen. Demnächst werden der österreichische Dizrkonsul ht Prizrend und der Erzbischof von Prizrend zur Vornahm« einer Untersuchung in Dsakova eintreffen und die gewaltsam Konvcrsierten wieder dem katholischen Glauben zuführen, wobei der Erzbischof die entsprechenden rituellen Funktionen auSüben wird. Die Antwort deS Königs von Montenegro auf die zweite Demarche betreffend Einstellung der Beschießung von Skutari wird demnächst dem österreichischen Gesandten zugestellt werden. Die Antwort auS Eetinje ist gestern abend, kurz vor Ablauf der von Oesterreich gestellten Frist in Wien eingetroffcn. Wie bekannt wird, soll die Antwort nicht voll befriedigend sein. Es werden infolgedessen wichtige Entschließungen Oesterreichs als bevorstehend betrachtet. Man hält aber die Veröffentlichung der Angelegenheit zurück, da wegen des katholischen Feiertages die österreichischen Blätter erst Mittwoch wieder erscheinen und man eine Beunruhigung der öffentlichen Meinung vermeiden will.
verlebe. Und tatsächlich ist er bis in die jüngsten Lage hinein auch immer mehr außerhalb seiner Garnison als im Dienst gewesen. Man sah ihn auch in diesem Winter bei allerhand Operettenaufführungen, er hat bei dem strengen Dienst in seinem Regiment noch oft genug Zeit gefunden, in Berlin mit Operettensängern zu soupieren, und kaum las man in der Zeitung, der Kronprinz sei mit dem Nachtzuge nach Danzig abgereist, so las man acht Tage später schon wieder, er habe gestern die und die Premiere besucht. Es läßt sich nicht leugnen, daß diese Auffasiung von strenger soldatischer Arbeit in weiten Armee- und Volkskreisen vielfache Verwunderung erregt hat. Nun hat ja der Kronprinz durch sein im vorigen Jahre erschienenes Buch bewiesen, daß es ihm nicht an ernsten Charakteranlagen fehlt, aber besier als durch Bücher erweist man das doch im Leben. Welcher andere preußische Oberst kann sich Das leisten, beinahe jede Woche seinen Dienst durch Reisen nach der Residenz zu unterbrechen! Das schnelle, allzu schnelle Avancement, das den Söhnen fürstlicher Häuser im Militärdienst zuteil wird, läßt an sich die Gründlichkeit und Solidität ihrer militärischen Ausbildung problematisch erscheinen: Umso größeren Ernst und umso größere Sorgfalt aber erfordert doch zweifellos die mllttärische Ausblldung des künftigen Deutschen Kaisers!
Messtes bei Mataldscha!
Die Bulgare» auf dem Rückzug.
Ein anrllicher Kriegsbericht aus Konstantinopel meldet: Die türkischen Truppen erbeuteten am Sonnabend morgen einen Wi-
Oesterreich imb Montenegro.
Die Antwort aus den Schwarzen Bergen.
Dem Vorgehen Oesterreichs gegenüber Montenegro haben sich Rußland und Italien angeschlossen. Der russische Gesandte von Giers unternahm am Sonntag in Eetinje im Auftrag einer Regierung eine Demarche beim Minister des Aeußern und verlangte nachdrücklich st, daß die Zivilbevölkerung von Skutari die Erlaubnis erhalte, die Stadt zu verlasien, und daß bis zum vollzogenen Abzüge die Beschießung eingestellt bleibe. Die gleiche Forderung stellte am selben Tage namens seiner Regierung der italienische Gesandte in Eetinje. Unter dem Druck dieser dreifachen Ermahnungen cheint sich König Nikita dann auch besonnen zu haben. Wir erhalten folgende Drahtmel-
Die Einigkeit der Machte.
Depeschen aus London berichten: Wie Reuters Bureau meldet, sind sich die Mächte gestern Über die Grenzen Albaniens einig geworden. Skutari und Djakova werden zu Albanien gehören. Damit sind sämtliche Hauptschwierigkeiten erledigt, und da die Mächte nicht verfehlen werden, den Verbündeten klar zu machen, daß alle weiteren KriegSerfolge an diesen Entschlüssen nichts ändern werden, ist die Einstellung der Feindseligkeiten in allernächster Zeit zu erwarten. Auch wenn die Verhandlungen über Einzelheiten noch längere Zeit dauern sollten, find ernsthafte Schwierigkeiten nicht mehr zu befürchten.
Lenkt die Türkei ein?
Konstantinopel, 25. März. (Privat- telegramm) Ter Minifterrat berät über die Antwort, die den Mächten erteilt werden soll. Die Pforte soll entschlossen fein, die
All die Balkanfragen, die in den letzten Tagen vor dem Osterfest so überaus ernsten und für den Frieden Europas bedrohlichenCha- rakter zeigten, sind ganz plötzlich über Nacht ihrer ruhigen und einfachen Lösung näher gebracht worden. Die unerwartet aus den Nachmittags des Karsamstags in London zusammenberufene Sitzung der Botschafter-Reunion ist offenbar zu einer alle Beteiligten befriedigenden Einigung gelangt, bei der es, wie man Wohl sagen darf, weder Sieger noch Besiegte gibt. Dies« glückliche Lösung der bedrohlich zugespitzten Krise darf als »dem Willen Europas" entsprossen gewertet werden, und es ist interessant, zu lesen, wie diese Auffassung sich in einer Aeußerung von deutsch- offiziöser Stelle widerspiegelt:
Die Stimme der Wilhelmstraße.
Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihren Wochenrückblicken über die Lösung der Balkankrise: Die einstimmig beschlossenen Bedingungen für die den Balkanstaaten angebotene Friedensvermittlung der Größmächte werden in den Hauptstädten des Balkanbundes durch eine amtliche Mitteilung in kollektiver Form überreicht. Sie beziehen sich auf eine Grenzlinie Enos-Ergcne- Midia, auf die ausschließliche Zuständigkeit der Mächte für die Bestimmungen der Grenzen und des Regime des künftigen Albanien, auf die Regelung der ägäischen Jnselfrage durch die Mächte, auf die Abtretung Kretas, aus Bedenken gegen eine Kriegsentschädigung, auf die Zu, zichung von Vertretern des Balkanbundes bei der Regelung der beim Friedensschluss zu lösenden finanziellen Fragen, und endlich auf die Einstellung der Feindseligkeiten. Diese Punfie sind nach eingehender Beratung durch die Versammlung der Botschafter in London als Ausdruck der Willensmeinung Eurovas festgestellt worden. Die Großmächte dürfen darauf eine Antwort erwarten, die eS möglich niacht, endgültige Friedensverhandlungen einzuletten. Ein baldiger Beginn und eine ungestörte Durchführung solcher Verhandlungen liegt im Interesse der Kriegführenden. Die Botschasterversammlung hat ferner einmütig beschlossen,
i» Belgrad und in Cetinfe, ebenfalls in Form eines Kollekttvschrittes aller Großmächte, zu erklären, daß diese die Entscheidung über das Schicksal Skutaris wie überhaupt die Abgrenzung Albanien? sich selbst Vorbehalten, daß daher der Versuch, auf albanischem Roden durch Akte der Kriegführung Rechte für Serbien und Montenegro zu begründen, hinfällig und weiteres Blutvergießen zwecklos bleiben muss. Entgegen der an dieser Stelle ausaedrückten Hoffnung hat Montenegro die Angriffe gegen Skutari fortgesetzt obne Schonung für Eigentum und Leben der Fremden und Nichtkämpfer. Dazu kommt die augenscheinlich völkerrechtswidrige Behandlung des österreichischen Dampfers „Skodra" in San Giovanni die Medua und das unchristliche Vorgeben gegen katholische Albanesen in Diakova. Menn Oesterreich-Ungarn entschlossen ist. von Montenegro für folche Hebelgriffe Rechenschaft zu verlangen, so bandelt es zur Wahrung seiner verletzten Rechte und Interessen, mit der zugleich der Schutz des Völkerrechts und der Grundsätze europäischer Gesittung zusammenfällt. Von unserer Ankündigung eines Ausgleichs zwischen Oefterreich-Ungarn und Ruß- : land in der albanesischen Frage haben _toir । nichts zurückzunebmen. Wir ssnd vielmehr überzeugt. daß eine endgültige Einigung auch über den letzten bisher streitigen Punkt gesichert ist.
Im Zusammenhang mit vorstehenden Meldungen berichtet uns ein P r i v a t - Telegramm aus Paris: Nach hier eingetrosfe. nen Depeschen wird versichert, daß König Nikolaus nach einer in der Nacht vom Sonntag zum Montag abgehaltenen Beratung montenegrinischen Hauptquartier vor en feine drei Söbne und die Kommandanten des serbischen Hilfskorps sowie den russischen Bevollmächtigten zu einer Konferenz eingeladen hatte. Das Ergebnis der Konferenz soll eine sehr ausführliche Depesche nach Petersburg aewesen fein, über deren Inhalt
Unterstützung Oesterreich - Ungarns und des Papstes als aussichtsreichster Kandidat für den albanischen Thron gelte; die Katholiken Alba, niens benötigten als Herrscher einen reichen ka. tholischen Fürsten wie Ferdinand von Bulgarien es seinerzeit für das Bnlgaren-Fürsten- tum gewesen sei.
Rach den Mrtagen.
Abbee Wetteris für die Republik!
(Privat-Telegramm.)
Paris, 25. März,
Ein Mitarbeiter der sozialistischen Humanite hatte in Kalmar eine Unterredung mit dem vielgenannten Deutschenfeind Abbe Wetter- 16. Auf die Frage des Korrespondenten, ob die Bewohner von Elsaß-Lothringen einen Krieg wünschten, oder ob sie den Frieden vorzögen, antwortete Wetterlö: Ob wir den Krieg wünschen? Aber ganz gewiß! Rur müssen wir sagen, daß unsere Meister sich schlecht an- lassen, uns ihn zu sichern. Deutschland hätte unsere Abneigung auf andere Weise verschwinden lassen können, und zwar dadurch, daß eS unseren legitimen Forderungen Gehör geschenkt hätte. Aber es wollte uns durch Strenge unterwerfen: Diktatur, Sprachenverordnung, ge. Heimer Polizeirapport, schwarze Listen, Aufenthaltsverordnungen und andere Maßregeln! Dadurch hat man die Sympathien unseres Volkes,die es für Deutschland hatte, niedergedrückt. Elsaß-Lothringen hätte unter dem freien Regi. ment die Einigung ü e_i b e t Völker bewerkstelligen können; es hätte beide Nationen ineinander verschmolzen. Aber unglücklicherweise hat man es zu einem Schlachtfelde gemacht, wo sich die verschiedenen Nationen im Kampf gegenüberstehen. Wir können niemals hoffen, daß unsere Forderungen zugestanden werden würden. Auf die "Frage, ob Elsatz-Lo- thringen lieber eine Republik oder eine andere Regierungsform haben wollte, antwortete Wetterlö: Ganz bestimmt eine Republik...!
Das Kaiserpaar im Taunus.
Wie aus Berlin berichtet wird, werden sich der Kaiser, die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise am nächsten Donnerstag abends vom Neuen Palais aus zu längerem Aufenthalt nach Homburg vor der Höhe beg-ben. Prinz Ernst August Herzog von Cumberland hat gestern Berlin verlassen, um in Vertretung seines Vaters, deS Herzogs von Cumberland, sich zu den Trauerfeierlichketten nach Athen zu begeben. Er wird sich auf dieser Fahrt von Frankfurt aus dem Prinzen Heinrich anschließen, der als Vertreter des Kaisers zu den Beisetzungsfeierlichkeiien reist.
Prinz Albrecht als Prätendent?
Paris, 25. März. (Privat - Tele- gtamm.) Der Newyork Herald bringt eine völlig unglaubwürdige Meldung aus Rom, wonach Prinz Albrecht von Württemberg mit
Frankreichs Sehnsuchts-Traum.
(Privat-Telegramm.)
Paris, 25. März.
Der Matln schreibt über die Möglichkett der Bildung einer Armee schwarzer Truppen: Die Möglichkeit, schwarze Truppen zu Kriegsdiensten heranzubilden, wird von keiner Sette mehr bezweifelt. Die Senegalttuppen haben ihre Probe in Marokko bestanden, sie ma- növerieren leicht und schießen ausgezeichnet; Kanonenschüsse regen sie nicht mehr auf. Die Errichtung schwarzer Armeekorps in Algerien würde es Frankreich ermöglichen, weiße Mannschaften nach Europa zurück- zuziehen. Diese Armeekorps könnten wie folgt zusammengesetzt werden: Acht Infanterie- Regimenter & 2500 Mann gleich 20 000 Mann, zwei Regimenter Kavallerie (Saphir) & 700 Mann gleich 1400 Mann, drei gemischte Batterien Artillerie ä 900 Mann (Weiße und Schwarze) gleich 2700 Mann, für den Hilfsdienst 1500 Mann. Die Aufstellung und Einrichtung der verschiedenen Brigaden könnte bis zum Jahre 1917 erledigt sein. Die Ausbildung der schwarzen Truppen müßte naturgemäß den Kolonialtruppen überlassen bleiben, die auch die Offiziere und Unteroffiziere zu siel, len hätten. Das Blatt gibt am Schluß des Artikels der Hoffnung Ausdruck, daß .Frankreich es nicht versäumen möge, den Menschenreichtum seiner Kolonien für die nationale Verteidigung heranzuziehen".
*
An König Georgs Bahre.
(Privat-Telegramm.)
Saloniki, 25. März-
König Konstantin von Gttechenland ist am Sonntag nachmittag hier eingetroffen und von einer zahlreichen Volksmenge mit begeister- ten Hochrufen empfangen worden. Die Kundgebungen erneuerten sich später vor dem Palais, als der König mit den Mitgliedern der königlichen Familie auf dem Balkon erschien. Ergreifend war die Begegnung des Königs mit seiner Mutter, ebenso war es ein bewegter Moment, als der König an _ die Leiche seines Vaters trat. Der König wird das Oberkommando über die Armee bei- behalten, das Hauptquattier wird nach Salonifi verlegt. Tie Truppen in Epirus wird General Danglis befehligen. Solange König Konstantin sich bei der Leiche seines Vaters aufhielt, war er für niemanden zu sprechen. In seiner Umgebung befand sich nur Ministerpräsident Veuizelos. Die Leiche des toten Königs wurde gestern abend eingesargt. Heute wird sie an Bord eines griechischen Kriegsschiffes gebracht werden. Der deutsche Kreuzer „Goeben" wird das Kriegsschiff bis nach Piräus begleiten. Für die Beisetzung des ermordeten Königs , sind in Athen große Feierlichkeiten geplant, und es verlautet auch, daß anläßlich der Regie- rungsübernahme König Konstantins eine allge- 1 meine Amnestie erlassen werden solle.
Ein deutscher Konsul ermordet?
Konstantinopel, 25. März. lPri - vat-Telegramm.) Wie berichtet wird, ist hier daS Gerücht verbreitet, daß der d e u t s ch e Konsul in Saloniki, der bei einem Gemetzel in Saloniki Türken und Juden osmanischer Rationalität zu verteidigen und zu schützen ver- sucht habe, von den Griechen ermordet worden fein. Eine Bestätigung der Meldung war bisher nicht zu erlangen; auch find bis fetzt keine näheren Meldungen über den Vorfall bekannt geworden.
Friedenskonferenz in San Remo?
Rom, 25. März. (Privat - Tele- gramm.) JnSanRemo trafen am Sonnabend mehrere Vertreter der B a l k a n st a a t e n ein, die sich um Räume von genügender Grösse bemühten. Da fast alle Hotels überfüllt find, richteten sie ihr Augenmerk auf das städtische Kasino. Man sieht hierin eine Bestätigung der Meldung, daß die Balkanbevollmächtigten in San Remo neue Friedensverhandlungen führen wollen.
Die Heimlehr aus Danzig.
Rückkehr des Kronprinzen »ach Berlin.
Wie aus Berlin verlautet, wird der Kron- brinz des Deuffchen Reiches noch im Laufe dttses Sommers seine Zelte in Langfnhr ab- brechen, um in Berlin die Führung eines Regiments zu übernehmen, die Leitung des Kaiser Alerander Garde-Grenadier-Regiments Nr 1. Ursprünglich sollte die Abwesenheit des Kronprinzen von Berlin noch auf ein Jahr länger bemessen werden, und es verlautet nichts über die Ursache der Verkürzung seiner auswärtigen Dienstzeit, die natürlich von der großen Schar der Verehrer des außerordentlich beliebten Kronprinzen mit großer Freude begrüßt wird. Es wird uns dazu geschrieben:
Der Kronprinz als Kommandeur.
(Von unferm -ss- Mitarbeiter.)
Berlin, 25. März.
Man wird sich noch entsinnen, daß der Befehl des Kaisers, der seinerzeit dem Kron- Prinzen eine mehrjährige dienstliche Tätigkeit fern der Residenz zuwies, lebhafte Diskussionen entfeffelt hat. Man wollte wissen, daß dieser Befehl ein Ausfluß der kaiserlichen Verstimmung über die allzu große Popularität des Kronprinzen fei, und man bezeichnete die Enffendung nach Langfuhr als eine Art von Verbannung. In der Presse wurden vielfach Stimmen laut, die sich gegen diese . Maßnahme aussprachen und der Meinung Ausdruck gaben, der Kronprinz, der einst berufen sein solle, die Geschicke des Reichs zu leiten, dürfe nicht vom Zentrum des Reichs entfernt werden, wo er noch so viel zu lernen und zu beobachten habe. Diese Argumente hatten vieles für sich, aber ebenso viel die andern, die darauf hinwiesen, daß der Kronprinz fast zu fahr im Mittelpunkt des glänzenden gesellschaftlichen Hoflebens stand, und daß darum die strenge Zucht und der strenge Dienst in einer auswärtigen Garnison zur Abwechslung ebenfalls eine recht gute Vorbereitung für seinen künftigen Berus sein könne. Leider mutz nun gesagt werden, daß alle Die, die das Tun des Kronprinzen in den letzten Jahren beobachtet haben, von der strengen Zucht und dem strengen Dienst nicht viel gemerkt haben Schon vor einem Jahre wurde ein Aufsatz eines früheren preußischen Offiziers im .Türmer" beifällig begrüßt, der darauf hinwies, welchen minimalen Bruchteil seiner Zeit eigentlich
Linie Midia-Enos anzunehmen, unter der Bedingung, dass LÜle-BurgaS der Türkei verbleibe. Außerdem verlangt die Türkei religiöse Privilegien für Adrianopel. In diplomatischen Kreisen bezeichnet man die Haltung Serbiens als eine noch immer unklare.