Casseler NM Nachrichten
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Caffeler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 8v.
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 21. März 1913.
Fernsprecher 951 und 952.
3. Jahrgang.
Das KönigsDrama.
An der Bahre des Königs der Hellene»; König Georg nud fein Mörder; der Bittbrief des Verbrechers an den König; die Griechen und das Königsdrama; König Konstantin.
Macht Skfterreich mm Frnft? Oesterreichs Flotte in See: Sesterreichisch- ttalienische Rüstung gegen die Balkanier.
Einer, der vom süßen Flötenspiel der Frie- Lensdiplomaten im Balkan-Wirrwarr nicht viel gehalten, der hinter den lächelnden Mienen der Zionswächter des „europäischen Gleichgewichts" die Angstgrimasse bangster Sorge sah und das Drama im südöstlichen Wetterwinkel des Kontinents unter andern Gesichtspunkten betrachtete, als es (vor Auge und Ohr der Welt) in Amts- und Tiplomaten- stubcn zu geschehen Pflegt, hat das ahnungsvolldüstre Wort gesprochen: „Wenn am Balkan die Schneeschmelze rinnt, wird das Ungewitter sich zur Entladung vorbereiten!" Die Wintermonde dämmern nun zum Abend, Sturm und Schnee weichen auch vor Ttschataldscha, vor Adrianopel und vor Skutart des Frühlings lindem Hauch, und die Elemente, die wochenlang die wilde Tatenlust der Balkansöhne wohltuend gehemmt, sind dem Sorgenbereich der Zaunkönige entrückt. Und abermals ist's Nikita von Montenegro, der Winzigste unter den Kleinen, der schrill ins Hifthorn stößt: Am Tara- bosch-Berg und vor den Wällen von Skutari haben in den letzten Tagen die Kanonen der Schwarzen Berge eine wild-brandende Lenz- Ouvertüre durchs sorgenbangende Europa dröhnen lasten; österreichische Konsulatsgebäude und italienische Klöster im Festungsgürtel von Skutari sind von den Granaten der Montenegriner- Artillerie vom First bis zur Schwelle zerstört, Angehörige des Habsburger- und Savoyer- Reichs von den Kugeln der Belagerer in den Sand gestreckt worden, und im Widerhall des Kanonen-Donners vor Skutaris Mauern fragen nun Oe st erreich und Italien: Dürfen wir weiter untätig zuschauen, wie Zwerge am heiUgen Recht völkischer Kulturgemeinschaft freveln? Gestern in der Morgenfrühe ward der Frage die Antwort gefunden: Aus dem Hasen von Pola dampften im Dämmern des neunzehnten Märztags zwei kriegsmäßig gerüstete Divisionen österreichischer Seemacht mit geheimer Ordre, den Kiel südwärts gerichtet, zum Adria-Meer, geleitet und geschützt durch ein Geschwader von Hochsee-Torpedobooten. Zur gleichen Stunde brachte der Draht aus Nom die Kunde, daß zwischen
Italien und Sesterreich-Angarn nunmehr eine Vereinbarung zustandegekom- men fei, die eine gemeinsame Aktion der beiden Adria-Mächte gegen das Vordringen der Serben und Montenegriner auf albanischer Erde vorberette, und die den festen Entschluß der Wiener und Römischen Regierung offenbare, dem Satyrspiel am Balkan nunmehr mit gepanzerter Faust ein Ende zu bereiten. In den Wirrwarr der Balkaniade ist also neue Gefahr hineingctragen, und wenn sich auch im Moment noch nicht abschätzen läßt, wie weit der Abstand zwischen Entschluß und Tat bei der austro-römischen Aktion sich dehnt, so kann doch kein Zweifel darüber bestehen, daß eine Flotten-Aktion der beiden Mächte (die erste wirkliche Tat, die Europa im Balkan-Drama sich als Verdien st anrechnen dürfte) die Situation im europäischen Wet- terwinkel von Grund aus umgestaltcn würde. Daß die Balkanier, vom Siegerruhm berauscht, unbekümmert um Pflicht und Kulturgewissen, am internationalen Völkerrecht gefrevelt, schreit aus allen Blättern der Geschichte dieses Krieges die Wahrheit ins Ohr der Welt, und cs war ein beschämendes Schauspiel, die Hüter der Kultur und die Wächter des Friedens in schimmernder Wehr in der Rolle müßiger Zuschauer dem Ausgang der Groteske entgegenharren zu sehen: Untätig, uneinig, unfähig und ohnmächtig! Run, da das Europäer-Gewissen am Wiener Ballplatz und auf der römischen Consulta erwacht, wagt neue Hoffnung sich zum Licht, und es bleibt nur der Wunsch, daß die Erman- nung zu Entschluß und Tat nicht auf Oesterreich und Italien allein beschränkt bleiben möge. Europa darf nicht länger dulden, daß man in seinem Machtbereich ungestraft groben Unfug an Recht und Frieden verübt: es muß die Kraft besitzen, Ruhe zu stiften: Sei's als mahnender Wächter oder als strafender Richter!
F. H.
* * B
Oesterreichs Flotte auf der Fahrt!
(Brivat-Telegram m.)
Wien, 20. März.
Gestern früh find aus Pola zwei Divisionen mit Richtung nach Süden ausgelaufen. Tic erste Division besteht aus den Schlachtschiffen „Erzherzog Franz Ferdinand", „Stint" und „Radetzki" unter dem Kommando des Admirals Maximilian Jegowan, die zweite Division besteht auS den großen Kreuzern „St. Sevra" und „Svaun" unter dem Kommando
Noch ist das Geheimnis des Königs- mords in Saloniki nicht entschleiert, der Anlaß zum Verbrechen nicht zweifelst« ermittelt und die Persönlichkeit deS Mörders nicht mit Sicherheit in ihren politischen und psychologischen Merkmalen erkennbar: Daß es sich um ein rein-politisches Attentat handelt, scheint indessen nicht wahrscheinlich zu fein, denn der Mann, der die Waffe gegen den greisen König erhob, besitzt nach sicheren Meldungen aus Athen eine so geringe Bildung, daß er als Parteigänger oder Werkzeug einer Partei kaum angesprochen werden kann. Die Untersuchung des Attentats liegt in den Händen des Präsidenten des Apellationsgerichtshofes. Der Leichnam des Königs wurde einbalsamiert und mit einer hellenischen Fahne bedeckt nach dem Palais übergeführt. Als der Zug den Ort der Tat passierte, herrschte unbeschreibliche Erregung. Eine Proklamation des Prinzen Nikolaus kündigt die Thronbesteigung des Königs Konstantin an. Wie uns ein Privat - Telegramm aus Athen berichtet, wird König Konstantin heute dort zurLÄer- wartet, wo er gemäß der Verfassung den Eid vor dem Parlament, den Ministern und der heiligen Synode zu leisten hat. Ein besonderes Gesetz wird die Zivilliste für den neuen König festfetzen. In der griechischen Hauptstadt herrscht noch immer die größte Erregung, und cs läßt sich nicht verkennen, daß das tragische Ende König Georgs im Volk die Sympathien für die von Schicksalsschlägen so schwer heimgesuchte Dynastie gefestigt hat.
*
Wie König Georg starb.
Depeschen aus Athen berichten über den Tod des Königs folgende Einzelheiten: Der Mörder hielt sich an der Ecke der Dreieinig- keits- und der Feldstraße bei dem Polizeikommissariat verborgen. Der König kehrte von einem Spaziergange zurück und ging auf den Palast zu. Als er die Straße überschritt, schoß der Attentäter auf zwei Schritt Entfernung aus seinem Revolver. Beim ersten Schüsse wollte Flügeladjutant Oberst Frangu- lis seinen Revolver ziehen, sofort schoß der Mörder auf ihn, aber die Waffe versagte. Die beiden kretischen Gendarmen, die dem König folgten, stürzten sich auf den Mörder, der jetzt keinen Widerstand mehr leistete. Soldaten kamen den Gendarmen zu Hilfe. Als der Mörder festgenommen war, wandte der Adjutant sich nach dem Könige um, den er unverletzt glaubte, aber der König war halb bewußtlos zu Boden gesunken und mußte in einen Krämerladen gebracht werden. Er konnte kein Wort mehr sprechen. Soldaten trugen ihn zum Hospital. Bei dem Mörder wurden Revolverpatronen gefunden. Er soll einige Fahre int Auslande gelebt haben und noch der Besetzung von Saloniki durch die Griechen dort binackommen sein. Nach Mitteilungen aus politischen Kreisen soll der Mörder des Königs ein Anarchist fein, doch begegnet diese Annahme starken Zweifeln-
Ein Zeuge des Attentats.
Der Begleiter des Königs, Oberst Fran- g u l i s, gibt folgende Darstellung von dem Mordanschlag auf König Georg: Wir befanden uns auf dem Rückwege von der Promenade, deren Ziel der „Weiße Turm" gewesen war. Es begann eben zu dunkeln. Der König blickte zum Himmel empor und sagte: „Ich glaube, Oberst, daß wir morgen für den Besuch an Bord des deutschen Kriegsschiffes „G o e b e n" gutes Wetter bekommen. Ich fragte den König, ob wir unfer Marfchtempo nicht etwas beschleunigen wollten. Was mich zu dieser Frage veranlaßt bat, ist die Tatsache, dah seit einigen Tagen, seitdem bekannt wurde, daß der Könio regelmäßig den Weißen Turm als Kiel wählte, nicht bloß harmlose Neugierige, sondern auch manche wenig Vertrauen einflößende Ge st alten auf diesem Wege zu sehen waren. Denn es ist richtia, daß der König während der verflossenen Wochen in mehr oder weniger dringender Form um Almosen angegangen wurde. Dieser Umstand war auch für den Prinzen Nikolaus bestimmend gewesen, seinem königlichen Vater trotz dessen Widerstrebens die Begleitung von vier berittenen Gendarmen aufzunötigen. Re- aelmäßig ober fch'ckte der König zwei Gendarmen nach Haufe und gestattete den beiden anderen nur. in großer Entfernung -u fotaen. Dies war auch bei dem letzten vrhängnisvol- lrn Spaziergang der Fall.
3m Moment der Tat.
Die griechische Regierung veröffentlicht über den Königsmord folgende offizielle Darstellung: Als der König, von seinem Spaziergang in das Palais zurückkehrend. die Straßenecke an der
Hagia Trias passierte, sprang der Mörder hervor und feuerte aus einem großkalibrigen Revolver auf zwei Schritt Entfernung auf den König. Bei dem ersten Schuß wollte der an der Seite des Königs schreitende Adjutant Oberst Frangulis seinen Revolver ziehen. Infolge dieser Bewegung richtete der Mörder nun die Waffe auf den Adjutanten, der Schuß versagte jedoch. Die beiden Gendarmen, die dem König in einem kurzen Abstande folgten, warfen sich sofort auf den Attentäter und nahmen ihn fest. Der Verhaftete leistete nicht den geringsten Widerstand. Als der Adjutant sah, daß der Attentäter sich in sicheren Händen befand, wandte er sich dem Könige zu, in dem Glauben, daß dieser nicht getroffen sei. Der König war jedoch nach wenigen Schritten vor dem Laden eines Kaufmanns zusammengebrochen. Der Inhaber des Geschäfts beeilte sich, den König wieder aufzurichten. Auf dem Straßenpflaster war nicht die geringste Blntspur zu entdecken. Auf die Frage eines Polizisten antwortete der Mörder: Ihr habt ja Gerichte, dort werde ich sprechen. Später gab er an, S ch i m a s zu heißen, verweigerte aber weitere Aussagen.
Der Vittbrief des Mörders.
Meldungen aus Athen zufolge bestätigt es sich, daß der Mörder des Wnigs vor einigen Tagen an König Georg einen B i t t b r i e f gerichtet batte, aus den eine Antwort noch nicht erteilt worden war. Diesen Bittbrief hat der Attentäter vor wenigen Tagen in einer Ma- troscnkneipe abgefaßt. Seine Schriftzüge lassen fehr deutlich erkennen, daß er nur geringe Bildung besitzt. Einige Ausdrücke, die sich auf die „gerechte Verteilung der Güter und auf die Förderung des Proletariats" beziehen, scheinen aus einer Aqitationsbro- fchiire abgefchrieben zu fein. Die Behörden bleiben bei der Ansicht, daß man es mit einem Geistesgestörten zu tun habe und daß „keinerlei direkter Antrieb" fettens feiner Genossen vorlag. Der eigentümlich stechende Blick, auch die ganze Physiognomie des Täters kennzeichneten zur Genüae seinen Geisteszustand. Es fcheint alfo. daß hinsichtlich der Beurteilung des Mörders und des Anlasses zum Attentat selbst an amtlicher griechischer Stelle noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten bestehen. Die Prinzen Georg und Andreas teilten der Königin Olga die Nachricht von der Ermordung ibres Gatten auf die fchonendste Weise mit. Die Königin brach in lautes Weinen aus und wurde wiederholt ohnmächtig, sodaß man eine ernstliche Erkrankung der 'mossicklichen Witwe des ermordeten Königs befürchtet.
* n *
An der Bahre des Königs.
(Privat - Telegramm.)
Athen, 20. März.
Die Leiche des Königs wurde gestern in einem kleinen Saal beim Eingang deS Hospi- tals gebettet. Als man sie dann zu einer provi- forifchen Billa brachte, wurde sie mit einer großen Fahne bedeckt und aus eine Bahre gelegt, die abwechselnd vom Prinzen Nikolaus, dem Adjutanten und verschiedenen höheren Offizie- ren getragen wurde. ES folgten die Staatsund Kirchenbehörden. Griechische Polizisten er. öffneten den Zug. Ter pruuflose Zug in den tillen, menschenleeren Straßen machte einen e r - greifenden Eindruck. Die Leiche wurde im Salon deS Erdgeschosses aufgebahrt. Die Beisetzung erfolgt im Erbbegräbnis in der Sommerresidenz Tatoi, inmitten von herrlichen Wäldern, wo aus einer abgelegenen, wundervollen Höhe ein Heines Mausoleum errichtet ist. Bisher ruht dort nur eine in frühester Jugend verstorbene Tochter des Königspaares. Wie die amtliche Untersuchung über das Attentat ergeben hat, sind an dem Anschlag auf den König ke i n e weiteren Personen beteiligt gewesen. Der Mörder itznichtirrsinnig, aber auch nicht vollkommen zurechnungsfähig. Er war vor etwa zwanzig Tagen von Athen über Bolo, wo er sich einige Tage aufgehalten hatte, nach Saloniki gekommen. Er entwickelte sozialistische Ideen, indem er ankündigte, „in kurzem werde eS völlige Gleichheit geben und die Arbeitszeit werde aus zwei Stunden herabgesetzt werden". Der Mörder war früher in der medizinischen Fakultät in Athen als Student immatrikuliert und später Lehrer. Für das Verbrechen gibt er keinen Grund an Er sagt nur, er habe vor zwei Jahren im Schlosse um Unterstützung gebeten, fei jedoch von einem Adjutanten brutal hinausgeworfen worden. Der Mörder Schimas ist ein heruntergekommener, von seiner Familie verstoßener Mensch, der als arbeitsscheu», geistig minderwertig gilt.
deS Konteradmirals Paul Fiedler. Die Order zum Auslaufen traf gegen Mitternacht hier ein. Man bringt diese Maßnahme in Verbindung mit der Durchsuchung und Bedrohung eines österreichischen Dampfers in San Giovanni di Medua und der Beschießung des Europäerschiffes vor Skutari. Aus diplomatischen Kreisen verlautet, daß die österreichisch-ungarische Fahne in Durazzo von serbischem Militär insultiert wurde. In Djalowa wurden siebzig Katholiken, darunter auch Priester, wegen Nichtänderung ihrer Religion von Serben massakriert. Der Protest des österreichischen Konsuls wurde nichts angenommen. Aus sicherster Quelle verlautet, Italien werde gemeinsam mit Oesterreich eine Aktion gegen das Vordringen der Serben und Montenegriner in Albanien einleiten.
Sie Karlsruher Katsstrotz he Das Militärluftschiff „L. Z. XV." zerstört.
Wie die Caffeler Neuesten Nachrichten bereits gestern abend durch Extrablatt mitteilteu, ist am Mittwoch nachmittag das neue MilstLr- lustschiff L Z 15 bei der Landung infolge des Sturmes vollständig zerstört worden. Die Spitze wurde so heftig in den Erdboden festgedrückt, datz das Luftschiff in der Mitte zerbrach. Personen find nicht verletzt worden, dagegen gilt das Luftschiff selbst als vollständig verloren. Die Zahl der Zeppelin-Katastrophen hat sich um ein neues Unglück vermehrt: Der Militärlüftkreuzer „L. Z. XV", der in Baden-Oos stationiert ist und am Mittwoch auf einer Fahrt, die er nach Hessen und dem nördlichen Baden unternommen hatte, infolge des orkauariigen W.ndes in Karlsruhe zu einer Notlandung gezwungen worden war, ist dort durch eine Böe mit der verankerten Spitze zu Boden gedrückt worden, sodaß das Luftschiff in der Mitte auseinanderbrach. Der Verlust, den unsere Luftschifslotte durch die Vernichtung dieses Kreuzers erleidet, ist umso schwerwiegender, als der „L. Z. XV", der als Ersatz für den in Metz jetzt abmontierten alten „Z. I" die Werft in Friedrichshafen erst vor einigen Monaten verließ, einer der neuesten und besten Luftkreuzer war, über die wir verfügen. Es ist natürlich unmöglich, fchon jetzt nachzuprüfen, ob und wie weit ein Verschulden derFührung des Schiffes vorliegt, ob es sich nicht doch hätte vermeiden lassen. durch eine Notlandung die Gefahr heraufzubeschwören. Wenn man aber bedenkt, wie groß die Gewalt der Stürme war, die in den letzten Tagen und auch am Mittwoch saft über ganz Deutschland dahinbrausten, so ist es begreiflich, daß auch dieses neue Luftschiff mit seiner Malchinenkraft die Macht des Sturmes nicht ausgleichen konnte. Offenbar wäre ohne eine Notlandung das Luftschiff völlig abgetrieben worden, sodaß man sich wohl oder übel zu einer Landung verstehen mußte. Diese erfolgte dann
unter fehr ungünstigen Verhältnifferr aus der freien, jedem Windstoß zugängigen Fläche des Karlsruher Exerzierplatzes, und trotzdem sie gelang, war es unmöglich, das Luftschiff gegen die Böen so zu sichern, daß es nicht durch einen Anprall an den Boden Schaden erlitt. Der Vorfall beweist aufs neue, wie notwendig es ist, daß überall L u s t s ch i f f- hallen errichtet werden. Wäre eine solche in Karlsruhe vorhanden gewesen, so hätte das Unglück aller Wahrscheinlichkeit nach vermieden werden können. Es wird ja auch nach dieser Richtung in der nächsten Zeit durch den Bau neuer Hallen ein Wandel eintreten. Gerade dieser Unfall mag ein Sporn fein dazu, daß man den Bau weiterer Hallen beschleunigt. Das gestern zerstörte Luftschiff unternahm feine erste Probefahrt am 16. Januar 1913, zunächst in Friedrichshafen, und wurde am 20. Januar nach Oos bei Baden-Baden übergefühtt, wobei es eine stürmische Schwarzwaldfahtt zu überstehen hatte. Vom 24. bis 25. Januar wurde unter Führung von Oberingenieur ®_ü r r eine . sechzebnftündige Dauerfahrt ausgefühtt, der sich am fünften Februar eine achtstündige Lö- benfahtt anschloß, die über 2000 Meter Höbe rührte. Tann erfolgte die Abnahme des Schiffes durch die Militärbehörde. Seitdem hat das Schiff eine Reibe wohlgelunaener Flüge unter Führung des Hauptmanns Horn ausgeflldrr, der auch die Leitung der gestrigen Unglücks- uhrt hatte.
Die gestrige Katastrophe.
(Privat - Telegramm.)
Karlsruhe r. B., 20. März.
DaS gestern bei einer Notlandung völlig zerstörte Militärluftschiff „L. Z. XV" war mn Dienstag in Baden-Oos zu einer Dauerfahrt aukgestiegen und um zehn Uhr nacht? über Mannheim erschienen. Es kreuzte über Heidelberg, in Baden und Hessen und erschien