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Casseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nummer 88. Fernsprecher 951 und 952.
Mittwoch, IS. Marz 1913.
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Total: 2814,4 Mill. Mark 6418.3 3603,9 130,9 %
Zahlen sprechen bekanntlich auch eine Sprache, und zwar eine sehr beredte. Wenn man hier sieht, wie der europäische Friede, allein soweit er die sechs Großmächte angeht, annähernd sechseinhalb Milliarden Mark in einem einzigen Jahre (1912) ge. kostet hat und, soweit die RMungspläne der einzelnen Regierungen erkennen lassen, bereits 1914 «egen acht Milliarden kosten wird, so fragt sich der nachdenklich ««stimmte Friedensfreund denn doch, wohin dieses wahnsinnige Tempo schließlich führen soll. Vielleicht dämmert auch dem enragierteften Rüstnngsfanatiker bei Betrachtungkn dieser (auf offiziellem Material beruhenden!) „Waffenliste' der Gedanke, daß es so nicht in Infinitum weitergehen kann und daß eine Epoche, die sich ihres Fortschritts und ihrer Kulturhöhe rühmt, auch andere Mittel und Wege finden sollte, einen „ehrenvollen und gesicherten Frieden' zu erhalten. Jedenfalls: Solange die Völler als furchtbar bewehrte, durch Mißtrauen und Argwohn zu wilder Rüstungs-Anstrengung gestachelte „Stic, deuShütbr* einander gegenüberftehen, solange werden alle Phrasen von moderner Humanität inhaltlos und unwert bleiben. . .! -n.
*
Die deutsche Heeresvorlage.
Berlin, 18. März. (P r i v a 1 - T e le - gram m.) Wie nunmehr feftftcht, wird nm morgigen Mittwoch das Plenum des Bundesrats zusammentretcn, um über die neuen
Las ZshrhMdettin Waffen.
Die Milliardenlast der Rüstung.
Man braucht nicht erst lange zu beweisen, daß wir keineswegs im goldenen, sondern muten im „eisernen' Zeitalter leben: Ein Blick auf das in Waffen starrende Europa genügt! Niemals hat die Welt einen, gleichzeitig bewundernswerten und gleichzeitig schreckenerregenden, moralischen und finanziellen Auf- wand für Kriegszwecke gesehen, wie in uns'ren Tagen. Im Augenblick, da die Mächte (Deutschland voran) wiederum den Effektiobe- stand ihrer Heere und Flotten vermehren, dürste es interessant sein, einen Rückblick zu werfen auf die seit dreißig Jahren unablässig steigenden Ausgaben, die in den sechs großen Staaten Europas für Kriegszwecke gemacht wurden. Nachstehende Tabelle, die sich über drei charakteristische Perioden der letzten Jahrzehnte erstreckt gibt darüber Einzelheiten; die verzeichneten Summen sind in Millionen Mark ausge„ drückt.
1883—1893 1893-1907 1957—1912 (10 Jahre) (14 Jahre) (5 Jahre)
Total Jährl. Total Jährl. Total Jähr!. Teutf chland 255,2 25,5 430,4 30,7 229,6 4',9
England 79,2 7,9 552,8 39,5 229,5 45,9
Frankreich 80,0 8,0 162,4 11,9 203,8 40,1
Italien 36,0 3.6 49,6 3,5 184,8 36,9
Oesterreich 29,6 2,9 113,6 8,1 141,6 28,3
Rußland (— 48,8) (-4,9) 320,0 22,9 557.6 111,5
Total: 431,2 43,0 1628,8 116,6 1543,9 308,6
Mit alleiniger Ausnahme Rußlands begannen sämtliche Großmächte bereits in der ersten Periode (1883 bis 1893) ihr Militärbudget zu erhöhen, und zwar betrugen die Aufwendungen, die Deutschland (trotz des Dreibundes!) machte, mehr, als die der vier übrigen Mächte zusammengenommen. In der zweiten Periode (1893 bis 1907) behauptet England mit der Riesenziffer von über einer halben Milliarde Mehrkosten den ersten Platz, Deutschland und Rußland folgen in nicht allzuweitem Abstande während die übrigen (speziell auch Frankreich) ihre Rüstungen in bescheidenem Maße vervollständigen. Die dritte Periode endlich (1907 bis 1912) zeigt Rußland mit der formidablen Ziffer von 557 Millionen (oder UlbL Millionen pro Jahr) an der Spitze; Deutschland, England. Frankreich rücken mit je 229J4 bezw. 201 Millionen in gegenseitig ungefähr gleiche Linie. Die Gesamt-Mehrauswendungen erreichen für die vierzehn Jahre der zweiten Periode die gewaltige Summe von über 1600 Millionen, für die fünf folgenden Jahre aber nicht weniger als 1544 Millionen, das heißt, sie sind im Verhältnis von 114:309 gestiegen: Ein geradezu phantastischer „Fortschritt'!
Weitere interessante Betrachtungen ergeben sich, wenn man die Totalausgaben der Großmächte für Militärzweckc vom Jahre 1883 einerseits, von 1912 andererseits gegenüberstellt, wie es in nachfolgender Tabelle geschieht.
Mehraufwendungen 1881 1912 Absolut Prozentual
Deutschland 403,2 Mill. Mark 1318,4 9(5,2 227 %
England ?61,6 „ „ 1423,1 861,=. 153.4 %
Frankreich <31,2 . . 1074,4 443,2 70,2 %
Italien 248,8 . „ 519,2 270,4 108,6%
Oesterreich 254,4 , . 539,2 284,8 111,9%
Rußland .715.-' . „ 1544.0 828.8 114,8 %
Heeres- und Steuervorlagcn Beschluß zu fassen. Während man wohl'bald zu einer Erledigung der Militärvorlagen kommen dürfte, scheinen nach offiziösen Verlautbarungen die Verhandlungen über die neuen Finanzgesetze sich noch etwas hi «ziehen zu sollen, da es noch nicht möglich war, die ausschlaggebenden cinzelstaatlichen Finanzverwaltungen unter einen Hut zu bringen. Es ist angeblich mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der Vorschlag wegen der Uebernahme der Stempelabgabe auf das Reich doch noch als Bundesratsbcschluß dem Reichstage zugehen wird. Diese Abgabenübernahme würde dem Reich etwa 150 Millionen Mark jährlich einbringen.
Frankreichs Rüstungs-Millionen.
Paris, 18. März. (Privat-Tele- g r a mm.) In ihrer gestrigen Sitzung hat die Budgetkommission der Deputicrtenkammer den Bericht über den Gesetzentwurf, betreffend die Aufnahme eines Kredits von vierhundertzwanzig Millionen Francs für die Nationalverteidigung einstimmig gebilligt und beschlossen, daß alljährlich die Finanzkommissionen der Kammer und des Senats je eine Unterkommission ernennen sollen, die über die Verwendung der für die Nationalvertcidigung an- gcforderten Kredite eine ständige Kontrolle üben soll und denen insbesondere die Aufgabe obliegt, die Notwendigkeit der geforderten Kredite zu prüfen.
Zer Wirrwarr am Balkan.
Oesterreich, Italien und... Albanien.
Die maßlosen Forderungen der Balkanstaate» haben überall einen unangenehmen Eindruck gemacht, und wenn man auch sich sagt, daß sie in der Hauptsache deshalb so hoch geschraubt wurden, um eventuell „abhandeln' zu können, so ist diese Handlungsweise doch geeignet, eine» Friedensschlnß weit hinaukzu- schieben. Gleichzeitig sind aber die Forderungen der Verbündeten auch ein Affront gegen die Großmächte, die sich zu einer vermittelnden Aktion bereit erklärt haben, denn die Mächte müssen sich sagen, daß mit derartigen Bedingungen an irgend welche erfolgreiche Vermittlung nicht zu denken ist. Auf diese Weise reizt man auch die Türkei bis zum äußersten Widerstand, und das Kriegsglück könnte sich vielleicht doch einmal gelegentlich wenden. Es ist daher begreiflich, daß die Haltung der Balkanstaaten bei den Großmächten einen unangenehmen Eindruck hervorgerufen hat, zumal auch sonst das Verhalten der Balkanstaaten kein derartiges ist, daß es die Billigung der Mächte finden könnte. In Konstantinopel scheint man das A e u ß e r st e zu wagen, da man sich auf die von den Balkanstaaten gestellten Bedingungen unmöglich einlassen kann, andernfalls eine Revolution (geführt von der Armee) die unausbleibliche Folge sein würde. Welchen Ausgang unter solchen Umständen die Dinge nehmen werden, läßt sich zurzeit in keiner Weise übersehen; das einzige erfreuliche Moment ist noch, daß wenigstens die Mächte enteil einheitlichen Standpunkt einzunehmen scheinen, sodaß weitere Verwicklungen nach dieser Richtung hin für den Augenblick als ausgeschlossen erscheinen können.
Droht von Albanien Gefahr?
(Privat - Telegramm.)
Rom, 18. März.
Zu der Besetzung von Valona und Berat durch griechische Truppen schreibt das offiziöse Giornale d’Italia in einem längeren Artikel: ES ist bekannt, daß Italien und Oesterreich- Ungani Truppen zum sofortigen Abmarsch nach Albanien bereit halten und daß beide Länder nur noch deshalb eine abwartende Haltung einnehmen, weil sie bisher von den europäischen Großmächten nicht den Auftrag erhalten haben, diesen Schritt zu unternehmen. Die Besetzung von Valona und Berat scheint nun diesen Schritt bedeutend in den Vordergrund zu drängen. Man erwartet für die nächste Zeit eine Landung österreichischer und italienischer Truppen auf albanischem Bode», selbst daun noch, wenn der Friede bereits geschlossen ist.
Die Großmächte find einig!
(Privat - Telegramm.)
London, 18. März.
Wie von maßgebender Seite erklärt wird, sind die Großmächte in allen Fragen einig. Sie haben die Regierungen des Bal- kanvierbundes aufgefordert, die Vermittlung
bezogen sich auf die Note der Balkanstaaten. Sobald der definitive Text festgelegt sein wird, soll die Antwort telegraphisch den Balkanstaaten mitgeteilt werden.
Sie«. 6.9. aus dem Marsch!
Die Lechwerke und der bayrische Staat.
Wie Depeschen aus München melden, ist zwischen dem Bayerischen Staat und den Lech- Elektrizitätswerken in Augsburg ein Vertrag zustande gekommen, wonach den Lech-Elektrizitätswerken die Elektrizitätsversorgung des größten Teiles von Schwaben und eines Teiles von Oberbayern auf eine Reihe Jahre übertragen wird. Wenn man statt Lech-Elektrizitätswerke Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft liest, hat man den Kern dieser Meldung erfaßt: Bei Finanzierungen und Elektrizitätsversorgungen tritt die A. E. G. selten unter eignem Namen auf, sondern je nach Bedarf als Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschast (A. E. G.) mit ihren zahlreichen Untergesellschaften, als Lähmeyer-Gesellschast, die voll- ständig den A. E. G.-Jntcressen dienstbar ist, oder als Bank für elektrische Unternehmungen, ganz abgesehen von den zahlreichen anderen Gesellschaften, in denen sie keine so vollständige Herrschaft, aber großen Einfluß ausübt: Die Lech-Elektrizitätswerke sind ein der Lahmeher- Gesellschast aufs engste verbundenes Unternehmen, und da die Lahmeyer-Gesellschast vollkommen unter dem Einfluß der A. E. G. steht und von dieser auch dirigiert wird, ergeben sich die weiteren Folgerungen von selbst: Die A. E. G. hat in Bayern erreicht, was sie anderwärts vergeblich erstrebt, und es wird nun auch verständlich, welche Umstände dazu geführt haben, daß dieser Tage in einem (offenbar von der A. E. G. inspirierten) Artikel der elektro- lechnischen Zeitschrift „Helios' der Bayernstaat in der Elektrizitätsmonopol-Frage als Entdecker des Steins der Weisen gefeiert wurde, während es bezüglich des preußischen Staates hieß, er habe sich mit seinen Kraftzentralen- Plänen auf Wege verirrt, die niemals zum Ziele führen würden. Tatsache ist jedenfalls, daß die bayrische Staatsregierung den Lech- Elektrizitätswerken bezw. der A. E. G. ein Monopol der Stromversorgung eingeräumt und damit einen Schritt getan hat, der nach den bisherigen Erfahrungen der Praxis zum mindestens nicht glücklich genannt werden kann. Ein Blick auf die Landkarte zeigt die Größe und die Bedeutung der Monopol- Bestrebungen der A. E. G.: Der Regierungsbezirk Wiesbaden ist bis in den Westerwald hinauf, und nach dem Abkommen mit Koblenz, bis zu dieser Stadt,
südlich bis an den Main, in den Händen der Mainkrastwerke, alias Lah- meyer, also A. E. G.; durch Verhandlungen mit Stadt- und Landkreis Hanau soll das Gebiet östlich von Frankfurt von den Mainkraftwerken gewonnen, und wenn das Vorgehen in Hessen gelingt, auch der Kreis Offenbach direkt unter dem Namen der A. E. G. erobert und damit die Umklammerung Frankfurts vollendet werden. Folgen wir der Bahnlinie nach Berlin, so kommen die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern, denen die A. E. G. teilweise direkt, teilweise durch die von ihr beherrschte Ueberlandzentrale Fulda bereits Angebote gemacht hat. Nordöstlich und östlich schließt sich unmittelbar das Gebiet der Thüringischen Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft an, deren Namen schon ihre Zugehörigkett bezeichnet; östlich und südöstlich daran kommt der bayerische Regierungsbezirk Oberfranken mit Kulmbach, Bayreutb. Hof, welcher kürzlich von der bayerischen Regierung an die Gruppe „E. L. G.' - Lahmeyer-Elektrobank übergeben worden ist. Außerdem bemühen sich zur Zeit sowohl die E. L. G. als Lahmeyer (scheinbar als Konkurrenten) um die Versorgung des Regierungsbezirks Untersranken von Aschaffenburg über Kissingen bis Thüringen. Gelingen diese Projekte, so würde die A. E. G. einen zusammenhängenden Gebiets st reifen von fast 400 Kilometer Längeund75Kilo- Meter Breite besitzen und eine solche wirtschaftliche Uebermacht damit in Händen haben, daß jede spätere Konkurrenz ausgeschlossen und auch die schönsten Verträge in den Händen der Behörden totes Papier bleiben müßten. Diese Tatsache und diese Aussicht ist gerade für Cassel die eindringlichste Warnung vor der Gefahr, sich ebenfalls in das goldue Retz der A. E. G. verstricken zu lassen und sein mit großen Opfern errichtetes Elektrizitätswerk als Werkzeug für die großkapitalistischen Monopolbestrebungen der A. E. G. herzuleihen. -an.
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Cassel und der Staat.
der Mächte ohne Einschränkung anzunetzmen und die Feindseligkeiten einzustellen. Obwohl gestern keine Botschafterkonscrenz stattfand, begaben sich abends alle Botschafter nach dem Auswärtigen Amt, nm mit Sir Ed-
Wie wir schon am Montag berichteten, fand gestern nachmittag in Hannoversch- M ü n d c n an Ort und Stelle eine Besprechung der Einzelheiten für die Erbauung des Kraftwerkes in Hannoversch-Münden und eine Be
warb Grey zu konferieren. Grey hatte auch Be- sick-'iaung durch die Kommission statt. Roch sprcchungen mit dem türkischen Botschafter und am Abend reisten die Herren nach Hem- bem bulgarischen Gesandten. Die Beratungen inrth weiter, wo heute die E d d t a l -
sperre besichtigt wird. Wie uns weiter mitgeteilt wird, wurde das Gesetz, betreffend den Ausbau der Wasserkräfte im oberen Quellgebiete der Weser, im Herrenhause nach mehrfachen Verhandlungen, die Oberbürgermeister Dr. Scholz mit den Führern der ausschlaggebenden Parteien hatte, an eine fiinfzehngliedrige Kommission verwiesen, der auch unser Oberbürgermeister als Mitglied angehört. Die Kommission wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des April zusammentreten. Für die Verhandlung im Plenum hat Oberbürgermeister Dr. Scholz bereits eine Resolution beantragt, die (gleichlautend mit der vom Abgeordnetenhaus beschlossenen) der Staatsregierung empfiehlt, der Stadt Cassel bei den schwebenden Vertragsverhandlungen tunlichst ent- gegenznkommcn. Damit lenkt der Magistrat also in die ihm von Anfang an von der Bürgerschaft empfohlene Richtung ein und die Aussichten der A. E. G. werden immer geringer.
Deutschlands jüngste Waffe.
Maschinengewehre im Zeppelinkreuzer.
(Von unserm militärifcben Mitarbeiter.)
Berlin- 18. März.
Die epochemachenden ersten Maschinengewehr - Manöver, die (wie wir berichteten) vor einigen Tagen auf dem neuen Militärluftkreuzer „Z. 4“ gemacht worden sind, sind für die Verwendung der Zeppelinluft- schiffe als Kriegswaffe von so großer Bedeutung, daß ein Eingehen auf die Erfahrungen mit den Maschinengewehrübungen lohnend erscheint. Es handelte sich bei den Versuchen in erster Linie darum, welche Wirkung eine große Anzahl von Maschinengewehrschüssen auf die Sicherheit und Lenkbarkeit des Luftschiffes haben würde. Hierbei hat sich gezeigt, daß die Aktionsfähigkeit eines Zeppelin-Luftschiffes durch das Abseuern von Maschinengewehren in keiner Weise beeinträchtigt wird. Das Luftschiff kann ohne weiteres genau wie sonst manövrieren, sich ohne Hindernis seiner Steuer bedienen, und die Erschütterungen des Luftschiffkörpers sind so geringfügig, daß sie gar nicht in Frage kommen. Weiterhin war vor allem wichtig, ob es möglich ist, aus einem schnell fliegenden Luftschiff zu zielen und Ziele zu treffen. Auch hierbei waren die Ergebnisse so gute, daß über diese, für die Bedeutung des Zeppelin - Lu ftschi ff e s als Kriegsmit- tel fo wichtige Frage nicht das geringste Bedenken mehr bestehen kann: auch darüber nicht, daß das Zeppelin-Luftschiff dem Flugzeuge im Kampfe in der Luft unter allen Umständen überlegen ist. Es wurde festgestellt, daß die Luftschiffe des starren Systems mit genau derselben Geschwindigkeit in die Höhe zu steigen vermögen, als die besten der heutigen
kriegsbrauchbaren Flugzeuge.
Das Luftschiff steigt, wenn nötig, senkrecht durch Ballastabgabe. Das Flugzeug steigt nur im Fluge nach vorwärts oder in großen Krci sen, und je steiler es steigt, umso mehr verrin- gert sich seine Geschwindigkeit. Die Ueber- höhung eines Luftschiffes durch ein Flugzeug, die in der Tat im Ernstfälle sehr gefährlich wäre, ist im Kampfe fo gut wie unmöglich. Wenn auch die Flugzeuge größere Höhen erreichen können als die Luftschiffe, fo dauert d:r Ausstieg bis zur Höhengren.ze der Luftschiffe so lange, daß es einem Luftschiff, das mit vol ler Geschwindigkeit fliegt, immer gelingen wird, dem Flugzeuge zu entkommen oder durch senkrechten Aufstieg das Flugzeug feiner)eit? zu überhöben und zu bekämpfen, zumal das Flugzeug, je steiler es ansteigt, umsomehr in der vollen Entwicklung seiner Geschwindigkeit behindert ist. Ein Luftschiff, dessen höchste Fluggeschwindigkeit fo groß oder größer ist, als die horizontale Geschwindigkeit ansteigender Flugzeuge, wird sich der Ueberhöbunq immer entziehen können. Schon beute ist das Zeppelin- Luftschiff in der Praxis nicht langsamer als die brauchbaren Kriegsflugzeuge. Da, wie Versuche mit Flugzeugen ergeben haben, die Verwendung von Maschinengewehren auf Flugzeugen deren Aktionsfäbigkeit stark ficcnr trächtigt. so ist das Lufsschifs ein weit über lcgener Gegner. Und selbst, wenn ein in fiet Höhe aus der Ferne herannahendes Flugzeug ein Zepvelin-Lustschiss überhöhen sollt-, wird das Maschinengewehr auf der oberen Plattform genügen, um den Gegner mit Er folg zu bekämpfen. H. P.
Armierung sämtlicher Luftkreuzer.
Berlin. 18. März. (Privat-Tcle- «ramm.) Nach den erfolgreichen Schießübungen mit einem Maschinengewehr auf dem neuen Zeppelin Militärlustfchiff „Z 4" werden alle künftig zu erbauenden Zeppelinlnfsschiffe für Militär und Marine mit Maschinengewehren ausgerüstet werden Die im Bau befind- lichen Zeppelinkreuzer haben bereits Schieß- stände erhalten. Die Schießverfuche auf dem neuen Militärlufsschiff sind zunächst beendet.