Einzelbild herunterladen
 

Merwukstk R<MWM

Casseler Abendzeitung

Tie Casseler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und groar abends. Der AdonnementSvreiS betrügt monatlich 50 Pfg. bei freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werden icderzeit von der lSeschaftsftelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaktion: Schlachthosstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abends. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstr. 16, Telephon: Amt Morttzplatz 12584.

Hessische Abendzeitung

JnserttonSpreise: Die sechSgespaltene Zeile für einheimische Lefchüste 15 Pfg-, für auS. wärttge Inserate 25 Pf Reklameieile für einheimische Beschütte 40 Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Ps. Einfache Beilagen für die Besamtaustage werden mit 5 Mark pro Tausend de. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Restdenz und der Umgebung stn» die Casseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Morttzplatz 12584

Nummer 88. Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, IS. Marz 1913.

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Total: 2814,4 Mill. Mark 6418.3 3603,9 130,9 %

Zahlen sprechen bekanntlich auch eine Sprache, und zwar eine sehr beredte. Wenn man hier sieht, wie der europäische Friede, allein soweit er die sechs Großmächte angeht, annähernd sechseinhalb Milliarden Mark in einem einzigen Jahre (1912) ge. kostet hat und, soweit die RMungspläne der einzelnen Regierungen erkennen lassen, bereits 1914 «egen acht Milliarden kosten wird, so fragt sich der nachdenklich ««stimmte Friedensfreund denn doch, wohin dieses wahnsinnige Tempo schließlich führen soll. Vielleicht dämmert auch dem enragierteften Rüstnngsfanatiker bei Betrachtungkn dieser (auf offiziellem Material beruhenden!)Waffenliste' der Gedanke, daß es so nicht in Infinitum weitergehen kann und daß eine Epoche, die sich ihres Fortschritts und ihrer Kulturhöhe rühmt, auch andere Mit­tel und Wege finden sollte, einenehrenvollen und gesicherten Frieden' zu erhalten. Jeden­falls: Solange die Völler als furchtbar be­wehrte, durch Mißtrauen und Argwohn zu wilder Rüstungs-Anstrengung gestachelteStic, deuShütbr* einander gegenüberftehen, solange werden alle Phrasen von moderner Humanität inhaltlos und unwert bleiben. . .! -n.

*

Die deutsche Heeresvorlage.

Berlin, 18. März. (P r i v a 1 - T e le - gram m.) Wie nunmehr feftftcht, wird nm morgigen Mittwoch das Plenum des Bun­desrats zusammentretcn, um über die neuen

Las ZshrhMdettin Waffen.

Die Milliardenlast der Rüstung.

Man braucht nicht erst lange zu beweisen, daß wir keineswegs im goldenen, sondern mu­ten imeisernen' Zeitalter leben: Ein Blick auf das in Waffen starrende Europa genügt! Niemals hat die Welt einen, gleichzeitig be­wundernswerten und gleichzeitig schrecken­erregenden, moralischen und finanziellen Auf- wand für Kriegszwecke gesehen, wie in uns'ren Tagen. Im Augenblick, da die Mächte (Deutschland voran) wiederum den Effektiobe- stand ihrer Heere und Flotten vermehren, dürste es interessant sein, einen Rückblick zu werfen auf die seit dreißig Jahren unablässig steigen­den Ausgaben, die in den sechs großen Staa­ten Europas für Kriegszwecke gemacht wurden. Nachstehende Tabelle, die sich über drei charakte­ristische Perioden der letzten Jahrzehnte er­streckt gibt darüber Einzelheiten; die verzeich­neten Summen sind in Millionen Mark ausge drückt.

18831893 1893-1907 19571912 (10 Jahre) (14 Jahre) (5 Jahre)

Total Jährl. Total Jährl. Total Jähr!. Teutf chland 255,2 25,5 430,4 30,7 229,6 4',9

England 79,2 7,9 552,8 39,5 229,5 45,9

Frankreich 80,0 8,0 162,4 11,9 203,8 40,1

Italien 36,0 3.6 49,6 3,5 184,8 36,9

Oesterreich 29,6 2,9 113,6 8,1 141,6 28,3

Rußland ( 48,8) (-4,9) 320,0 22,9 557.6 111,5

Total: 431,2 43,0 1628,8 116,6 1543,9 308,6

Mit alleiniger Ausnahme Rußlands be­gannen sämtliche Großmächte bereits in der ersten Periode (1883 bis 1893) ihr Militärbud­get zu erhöhen, und zwar betrugen die Auf­wendungen, die Deutschland (trotz des Drei­bundes!) machte, mehr, als die der vier übrigen Mächte zusammengenommen. In der zweiten Periode (1893 bis 1907) behauptet England mit der Riesenziffer von über einer halben Milliarde Mehrkosten den ersten Platz, Deutschland und Rußland folgen in nicht allzuweitem Abstande während die übri­gen (speziell auch Frankreich) ihre Rüstungen in bescheidenem Maße vervollständigen. Die dritte Periode endlich (1907 bis 1912) zeigt Rußland mit der formidablen Ziffer von 557 Millionen (oder UlbL Millionen pro Jahr) an der Spitze; Deutschland, England. Frankreich rücken mit je 229J4 bezw. 201 Millionen in gegenseitig ungefähr gleiche Linie. Die Gesamt-Mehrauswendungen erreichen für die vierzehn Jahre der zweiten Periode die ge­waltige Summe von über 1600 Millionen, für die fünf folgenden Jahre aber nicht weniger als 1544 Millionen, das heißt, sie sind im Verhältnis von 114:309 gestiegen: Ein gerade­zu phantastischerFortschritt'!

Weitere interessante Betrachtungen ergeben sich, wenn man die Totalausgaben der Großmächte für Militärzweckc vom Jahre 1883 einerseits, von 1912 andererseits gegenüber­stellt, wie es in nachfolgender Tabelle geschieht.

Mehraufwendungen 1881 1912 Absolut Prozentual

Deutschland 403,2 Mill. Mark 1318,4 9(5,2 227 %

England ?61,6 1423,1 861,=. 153.4 %

Frankreich <31,2 . . 1074,4 443,2 70,2 %

Italien 248,8 . 519,2 270,4 108,6%

Oesterreich 254,4 , . 539,2 284,8 111,9%

Rußland .715.-' . 1544.0 828.8 114,8 %

Heeres- und Steuervorlagcn Be­schluß zu fassen. Während man wohl'bald zu einer Erledigung der Militärvorlagen kommen dürfte, scheinen nach offiziösen Verlautbarungen die Verhandlungen über die neuen Finanzge­setze sich noch etwas hi «ziehen zu sollen, da es noch nicht möglich war, die ausschlaggeben­den cinzelstaatlichen Finanzverwaltungen unter einen Hut zu bringen. Es ist angeblich mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der Vorschlag we­gen der Uebernahme der Stempelabgabe auf das Reich doch noch als Bundesratsbcschluß dem Reichstage zugehen wird. Diese Abgaben­übernahme würde dem Reich etwa 150 Millio­nen Mark jährlich einbringen.

Frankreichs Rüstungs-Millionen.

Paris, 18. März. (Privat-Tele- g r a mm.) In ihrer gestrigen Sitzung hat die Budgetkommission der Deputicrtenkammer den Bericht über den Gesetzentwurf, betreffend die Aufnahme eines Kredits von vierhun­dertzwanzig Millionen Francs für die Nationalverteidigung einstimmig gebilligt und beschlossen, daß alljährlich die Finanzkommissio­nen der Kammer und des Senats je eine Un­terkommission ernennen sollen, die über die Ver­wendung der für die Nationalvertcidigung an- gcforderten Kredite eine ständige Kontrolle üben soll und denen insbesondere die Aufgabe obliegt, die Notwendigkeit der geforderten Kre­dite zu prüfen.

Zer Wirrwarr am Balkan.

Oesterreich, Italien und... Albanien.

Die maßlosen Forderungen der Balkan­staate» haben überall einen unangenehmen Ein­druck gemacht, und wenn man auch sich sagt, daß sie in der Hauptsache deshalb so hoch geschraubt wurden, um eventuellabhandeln' zu können, so ist diese Handlungsweise doch ge­eignet, eine» Friedensschlnß weit hinaukzu- schieben. Gleichzeitig sind aber die Forderun­gen der Verbündeten auch ein Affront gegen die Großmächte, die sich zu einer vermittelnden Aktion bereit erklärt haben, denn die Mächte müssen sich sagen, daß mit derartigen Be­dingungen an irgend welche erfolgreiche Ver­mittlung nicht zu denken ist. Auf diese Weise reizt man auch die Türkei bis zum äußersten Widerstand, und das Kriegsglück könnte sich vielleicht doch einmal gelegentlich wenden. Es ist daher begreiflich, daß die Haltung der Bal­kanstaaten bei den Großmächten einen unange­nehmen Eindruck hervorgerufen hat, zumal auch sonst das Verhalten der Balkanstaaten kein derartiges ist, daß es die Billigung der Mächte finden könnte. In Konstantinopel scheint man das A e u ß e r st e zu wagen, da man sich auf die von den Balkanstaaten gestell­ten Bedingungen unmöglich einlassen kann, an­dernfalls eine Revolution (geführt von der Armee) die unausbleibliche Folge sein würde. Welchen Ausgang unter solchen Umständen die Dinge nehmen werden, läßt sich zurzeit in keiner Weise übersehen; das einzige erfreuliche Moment ist noch, daß wenigstens die Mächte enteil einheitlichen Standpunkt einzunehmen scheinen, sodaß weitere Verwicklungen nach dieser Richtung hin für den Augenblick als ausgeschlossen erscheinen können.

Droht von Albanien Gefahr?

(Privat - Telegramm.)

Rom, 18. März.

Zu der Besetzung von Valona und Berat durch griechische Truppen schreibt das offiziöse Giornale dItalia in einem längeren Artikel: ES ist bekannt, daß Italien und Oesterreich- Ungani Truppen zum sofortigen Abmarsch nach Albanien bereit halten und daß beide Länder nur noch deshalb eine abwartende Haltung einnehmen, weil sie bisher von den europäischen Großmächten nicht den Auftrag erhalten haben, diesen Schritt zu unter­nehmen. Die Besetzung von Valona und Be­rat scheint nun diesen Schritt bedeutend in den Vordergrund zu drängen. Man erwar­tet für die nächste Zeit eine Landung österreichi­scher und italienischer Truppen auf albanischem Bode», selbst daun noch, wenn der Friede be­reits geschlossen ist.

Die Großmächte find einig!

(Privat - Telegramm.)

London, 18. März.

Wie von maßgebender Seite erklärt wird, sind die Großmächte in allen Fragen einig. Sie haben die Regierungen des Bal- kanvierbundes aufgefordert, die Vermittlung

bezogen sich auf die Note der Balkanstaaten. Sobald der definitive Text festgelegt sein wird, soll die Antwort telegraphisch den Balkanstaaten mitgeteilt werden.

Sie«. 6.9. aus dem Marsch!

Die Lechwerke und der bayrische Staat.

Wie Depeschen aus München mel­den, ist zwischen dem Bayerischen Staat und den Lech- Elektrizitäts­werken in Augsburg ein Vertrag zustande gekommen, wonach den Lech-Elektrizitäts­werken die Elektrizitätsversor­gung des größten Teiles von Schwa­ben und eines Teiles von Oberbayern auf eine Reihe Jahre übertragen wird. Wenn man statt Lech-Elektrizitätswerke Allgemeine Elektrizitäts-Gesell­schaft liest, hat man den Kern dieser Mel­dung erfaßt: Bei Finanzierungen und Elektri­zitätsversorgungen tritt die A. E. G. selten un­ter eignem Namen auf, sondern je nach Be­darf als Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschast (A. E. G.) mit ihren zahlreichen Untergesell­schaften, als Lähmeyer-Gesellschast, die voll- ständig den A. E. G.-Jntcressen dienstbar ist, oder als Bank für elektrische Unternehmungen, ganz abgesehen von den zahlreichen anderen Gesellschaften, in denen sie keine so vollständige Herrschaft, aber großen Einfluß ausübt: Die Lech-Elektrizitätswerke sind ein der Lahmeher- Gesellschast aufs engste verbundenes Unterneh­men, und da die Lahmeyer-Gesellschast vollkom­men unter dem Einfluß der A. E. G. steht und von dieser auch dirigiert wird, ergeben sich die weiteren Folgerungen von selbst: Die A. E. G. hat in Bayern erreicht, was sie ander­wärts vergeblich erstrebt, und es wird nun auch verständlich, welche Umstände dazu geführt haben, daß dieser Tage in einem (offenbar von der A. E. G. inspirierten) Artikel der elektro- lechnischen ZeitschriftHelios' der Bayernstaat in der Elektrizitätsmonopol-Frage als Ent­decker des Steins der Weisen gefeiert wurde, während es bezüglich des preußischen Staates hieß, er habe sich mit seinen Kraftzentralen- Plänen auf Wege verirrt, die niemals zum Ziele führen würden. Tatsache ist jedenfalls, daß die bayrische Staatsregierung den Lech- Elektrizitätswerken bezw. der A. E. G. ein Mo­nopol der Stromversorgung eingeräumt und damit einen Schritt getan hat, der nach den bisherigen Erfahrungen der Praxis zum min­destens nicht glücklich genannt werden kann. Ein Blick auf die Landkarte zeigt die Größe und die Bedeutung der Monopol- Bestrebungen der A. E. G.: Der Regierungs­bezirk Wiesbaden ist bis in den Westerwald hinauf, und nach dem Abkommen mit Koblenz, bis zu dieser Stadt,

südlich bis an den Main, in den Händen der Mainkrastwerke, alias Lah- meyer, also A. E. G.; durch Verhandlungen mit Stadt- und Landkreis Hanau soll das Gebiet östlich von Frankfurt von den Mainkraftwerken gewonnen, und wenn das Vorgehen in Hessen gelingt, auch der Kreis Offenbach direkt unter dem Namen der A. E. G. erobert und damit die Umklammerung Frankfurts vollen­det werden. Folgen wir der Bahnlinie nach Berlin, so kommen die Kreise Gelnhausen und Schlüchtern, denen die A. E. G. teil­weise direkt, teilweise durch die von ihr be­herrschte Ueberlandzentrale Fulda bereits Ange­bote gemacht hat. Nordöstlich und östlich schließt sich unmittelbar das Gebiet der Thüringi­schen Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft an, deren Namen schon ihre Zugehörigkett bezeich­net; östlich und südöstlich daran kommt der bayerische Regierungsbezirk Oberfranken mit Kulmbach, Bayreutb. Hof, welcher kürzlich von der bayerischen Regierung an die Gruppe E. L. G.' - Lahmeyer-Elektrobank übergeben worden ist. Außerdem bemühen sich zur Zeit sowohl die E. L. G. als Lahmeyer (scheinbar als Konkurrenten) um die Versorgung des Re­gierungsbezirks Untersranken von Aschaf­fenburg über Kissingen bis Thüringen. Gelin­gen diese Projekte, so würde die A. E. G. einen zusammenhängenden Gebiets st reifen von fast 400 Kilometer Längeund75Kilo- Meter Breite besitzen und eine solche wirt­schaftliche Uebermacht damit in Händen haben, daß jede spätere Konkurrenz ausgeschlossen und auch die schönsten Verträge in den Händen der Behörden totes Papier bleiben müßten. Diese Tatsache und diese Aussicht ist gerade für Cassel die eindringlichste Warnung vor der Gefahr, sich ebenfalls in das goldue Retz der A. E. G. verstricken zu lassen und sein mit gro­ßen Opfern errichtetes Elektrizitätswerk als Werkzeug für die großkapitalistischen Monopol­bestrebungen der A. E. G. herzuleihen. -an.

*

Cassel und der Staat.

der Mächte ohne Einschränkung anzunetzmen und die Feindseligkeiten einzustel­len. Obwohl gestern keine Botschafterkonscrenz stattfand, begaben sich abends alle Botschafter nach dem Auswärtigen Amt, nm mit Sir Ed-

Wie wir schon am Montag berichteten, fand gestern nachmittag in Hannoversch- M ü n d c n an Ort und Stelle eine Besprechung der Einzelheiten für die Erbauung des Kraft­werkes in Hannoversch-Münden und eine Be­

warb Grey zu konferieren. Grey hatte auch Be- sick-'iaung durch die Kommission statt. Roch sprcchungen mit dem türkischen Botschafter und am Abend reisten die Herren nach Hem- bem bulgarischen Gesandten. Die Beratungen inrth weiter, wo heute die E d d t a l -

sperre besichtigt wird. Wie uns weiter mit­geteilt wird, wurde das Gesetz, betreffend den Ausbau der Wasserkräfte im oberen Quellge­biete der Weser, im Herrenhause nach mehrfa­chen Verhandlungen, die Oberbürgermeister Dr. Scholz mit den Führern der ausschlaggeben­den Parteien hatte, an eine fiinfzehngliedrige Kommission verwiesen, der auch unser Ober­bürgermeister als Mitglied angehört. Die Kom­mission wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des April zusammentreten. Für die Verhandlung im Plenum hat Oberbürgermei­ster Dr. Scholz bereits eine Resolution bean­tragt, die (gleichlautend mit der vom Abgeord­netenhaus beschlossenen) der Staatsregierung empfiehlt, der Stadt Cassel bei den schwe­benden Vertragsverhandlungen tunlichst ent- gegenznkommcn. Damit lenkt der Magistrat also in die ihm von Anfang an von der Bür­gerschaft empfohlene Richtung ein und die Aus­sichten der A. E. G. werden immer geringer.

Deutschlands jüngste Waffe.

Maschinengewehre im Zeppelinkreuzer.

(Von unserm militärifcben Mitarbeiter.)

Berlin- 18. März.

Die epochemachenden ersten Maschinen­gewehr - Manöver, die (wie wir berich­teten) vor einigen Tagen auf dem neuen Mi­litärluftkreuzerZ. 4 gemacht worden sind, sind für die Verwendung der Zeppelinluft- schiffe als Kriegswaffe von so großer Bedeu­tung, daß ein Eingehen auf die Erfahrungen mit den Maschinengewehrübungen lohnend er­scheint. Es handelte sich bei den Versuchen in erster Linie darum, welche Wirkung eine große Anzahl von Maschinengewehrschüssen auf die Sicherheit und Lenkbarkeit des Luftschiffes haben würde. Hierbei hat sich gezeigt, daß die Aktionsfähigkeit eines Zeppelin-Luftschiffes durch das Abseuern von Maschinengewehren in keiner Weise be­einträchtigt wird. Das Luftschiff kann ohne weiteres genau wie sonst manövrieren, sich ohne Hindernis seiner Steuer bedienen, und die Erschütterungen des Luftschiffkörpers sind so geringfügig, daß sie gar nicht in Frage kommen. Weiterhin war vor allem wichtig, ob es möglich ist, aus einem schnell fliegenden Luftschiff zu zielen und Ziele zu treffen. Auch hierbei waren die Ergebnisse so gute, daß über diese, für die Bedeutung des Zeppe­lin - Lu ftschi ff e s als Kriegsmit- tel fo wichtige Frage nicht das geringste Be­denken mehr bestehen kann: auch darüber nicht, daß das Zeppelin-Luftschiff dem Flugzeu­ge im Kampfe in der Luft unter allen Umständen überlegen ist. Es wurde festgestellt, daß die Luftschiffe des starren Systems mit genau derselben Geschwindigkeit in die Höhe zu steigen vermögen, als die besten der heutigen

kriegsbrauchbaren Flugzeuge.

Das Luftschiff steigt, wenn nötig, senkrecht durch Ballastabgabe. Das Flugzeug steigt nur im Fluge nach vorwärts oder in großen Krci sen, und je steiler es steigt, umso mehr verrin- gert sich seine Geschwindigkeit. Die Ueber- höhung eines Luftschiffes durch ein Flugzeug, die in der Tat im Ernstfälle sehr gefährlich wäre, ist im Kampfe fo gut wie unmöglich. Wenn auch die Flugzeuge größere Höhen er­reichen können als die Luftschiffe, fo dauert d:r Ausstieg bis zur Höhengren.ze der Luftschiffe so lange, daß es einem Luftschiff, das mit vol ler Geschwindigkeit fliegt, immer gelingen wird, dem Flugzeuge zu entkommen oder durch senkrechten Aufstieg das Flugzeug feiner)eit? zu überhöben und zu bekämpfen, zumal das Flugzeug, je steiler es ansteigt, umsomehr in der vollen Entwicklung seiner Geschwindigkeit be­hindert ist. Ein Luftschiff, dessen höchste Flug­geschwindigkeit fo groß oder größer ist, als die horizontale Geschwindigkeit ansteigender Flug­zeuge, wird sich der Ueberhöbunq immer ent­ziehen können. Schon beute ist das Zeppelin- Luftschiff in der Praxis nicht langsamer als die brauchbaren Kriegsflugzeuge. Da, wie Versuche mit Flugzeugen ergeben haben, die Verwendung von Maschinengewehren auf Flugzeugen deren Aktionsfäbigkeit stark ficcnr trächtigt. so ist das Lufsschifs ein weit über lcgener Gegner. Und selbst, wenn ein in fiet Höhe aus der Ferne herannahendes Flug­zeug ein Zepvelin-Lustschiss überhöhen sollt-, wird das Maschinengewehr auf der oberen Plattform genügen, um den Gegner mit Er folg zu bekämpfen. H. P.

Armierung sämtlicher Luftkreuzer.

Berlin. 18. März. (Privat-Tcle- «ramm.) Nach den erfolgreichen Schieß­übungen mit einem Maschinengewehr auf dem neuen Zeppelin MilitärlustfchiffZ 4" werden alle künftig zu erbauenden Zeppelinlnfsschiffe für Militär und Marine mit Maschinengeweh­ren ausgerüstet werden Die im Bau befind- lichen Zeppelinkreuzer haben bereits Schieß- stände erhalten. Die Schießverfuche auf dem neuen Militärlufsschiff sind zunächst beendet.