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Caffeler Abendzeitung
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Dienstag, 18. März 1913
Fernsprecher 951 und 952.
Nummer 87
15.
I-
Schlage kommen, der für den Frie- von ausschlaggebender Bedeutung Die türkischen Positionen sind stark
scheidenden densschlutz ein wird, befestigt.
gahrhmdtttfeier in Berlin.
Der HuldigungS-Fackclzug zum Schlotz.
Die Tageirr Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Ter AbonnementSpreiS beträgt monatlich 60 Pfg. bei freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werden jederzeit von der iSeschäftSstelle oder den Boten entgegengsnommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofftratzs 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abends. Sprechstunden der AuSIunst. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung:.8V„ ssriedrichitr 16, Telephon: Stmt Morltzplatz 12584.
Ein mit Bergarbeitern stark besetzter Personenzug stieß mit einem Güterzug zusammen. Die Lokomotiven bohrten sich vollständig in- und übereinander. Der erste Wagen wurde völlig zertrümmert. Biele Passagiere haben schwere Verletzungen erlitten. Man zählt im Ganzen dreißig Schwerverletzte. Drei von ihnen sind bereits gestorben. Für den Rettungsdienst mußte eine Kompagnie Infanterie hcrangezogen werden.
Schon in den frühen Abendstunden füllte gestern eine große Menschenmenge die Straßen, die den Zuaang zum Königliche nSchloß
(Privat - T e l e g r a m m.)
Berlin, 17. März.
lPrivat - Telegramm.) Brüssel, 17. März. Ein schweres Eisenbahnunglück ereignete sich gestern bei Hänselt in der Nähe von Lüttich.
Droht abermals Revolution?
Die Türkeu-Tragödis am Wendepunkt.
Was seit Wochen befürchtet wurde, scheint nun Wirklichkeit werden zu sollen: Die Verschlimmerung der Lage am Balkan und die Vergrößerung der Gefahr eines völligen Zusammenbruchs der Türkei ist nicht ohne bedrohliche Einwirkungen auf die innere Lage der Türkei geblieben, das Gespenst einer neuen Revolution erscheint im nächsten Sichtbereich und die Gärung im Offizierkorps gibt zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß. Daß die Regierung ohnmächtig und ohne eignen Willen ist, offenbart sich in allen ihren Maßnahmen, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, steht die Türkei nunmehr am entscheidenden Wendepunkt ihres Schicksals. Depeschen melden uns:
JnserttonSpreise: Die lechsgespaltene Zeile für einheimisch« Geschäfte 1- Pfg., tur mir. roärtine Inserate 25 Pk. Reklam-zsil- für einheimische Geschäfte 41 Pt, für auswärtige Geschäfts 63 Ps. Einfache Beilagen für sie Gesamtauflage werden mit 5 Mark pro Tausend de. rechnet. Wegen ihrer dichten 'Verbreitung in der Restden, und der Umgebung stnd chie Easseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnseriionSorgan. Gsschäfts-ielle: Kölnische Straöe 5. Berliner -Vertretung: SW.. Friedrichstra»» 16, Telephon: Amt Morltzplatz 12584
Cchler Neueste MMen
........Hessische Abendzeitung ______
Afrika (die kürzlich von französischen Phantasten vorgcschlagen wurde) ist doch nur ein Scherz, eine Parodie auf den großen Schmerz Frankreichs, daß sein Volk nicht genügenden Nachwuchs für die Armee herzuleihen vermag. Was soll aber das zweite Shtriofunt dieses Satzes: „Die Vorsorge gegen die Anfangs- Eventualitäten eines modernen Krieges. Heißt Das, daß sich Frankreich vor einem deutschen Ueberfall in der nächsten Zeit fürchtet? Die Verblendung, die solche Ausgeburten der Phantasie erstehen läßt, ist nicht nur gefährlich: Sie ist einfach verbrecherisch! Und Frankreich gibt noch die Versicherung, paß die rücksichtslose Einführung der dreijährigen Dienstpflicht, die Erhöhung des Friedensstandes der französischen Armee um 160000 Mann eine „Friedensbürgschaft« sei, notwendig M zur Aufrechterhaltung des europäischen Gleichgewichts ! Eine Nation, die ihr böIhf<M Kraft- Vermögen in dieser Weise unter den ^ruck einer Riesenrüstung zwängt, handelt fei ost- mörderisch, denn sie opfert einem Wahn, einer Fieber-Idee die Zukunft der ^>olkhcu.
Die Gefahr aber lauert nicht nur jenieit- per Vogescnberge: Frankreich handelt durch das neue Rüstungsgesetz gemeingefährlich und friedenbedrohend. Hat nicht selbst England Frankreich dringend vor der Lockung des Revanchegedankens gewarnt, ist nichts grade im eine Enispannuntz zwischen Rup- land und Oesterreich-Ungarn am Werke, durch die im Osten Europas eine neue, segensreiche Friedensära eingeleitet werden soll? Will Frankreich in diesem Augenblick im Westen Europas neue Erschütterungen Hervorrufen? Wo lauert außerhalb der republikanische Grenzpsähle für Frankreich eine Gefahr? In feinem eignen Chauvinismus liegt diese Gefahr. Tie Gloirepolitik, der Phrasenraiifch. scheint neuerdings im Frankreich Poincarees jtt erstehen zum Schaden der Kultur der Republik und der Kultur ganz Europas. Frankreich müßte der Fluch treffen, wenn seine Rüstungen über kurz oder lang zu einem Kriege führten, Frankreich wird aber auch selbst schwer darunter leiden, wenn diese Rüstungen, paralvsiert durch die Deutschlands, zu nichts mehr führen, als zu nutzlosen Opfern am Altar des Miltta- etSmus. Der Geburtenrückgang ist zu allen Zeiten eine Begleiterscheinung der Hochkultur gewesen. Hofft Frankreich, wenn es die Kultur durch seine neuen Militärgesetze bedroht oder vernichtet, mehr Geburten zu erzwingen? Es ist ein tolles Fieber, das die französische Repu
blik schüttelt, es ist eine Reaktion, die die i Früchte fortschrittlicher und völker-versöhnen- j der Kulturarbeit bedroht, und es ist die Tragödie eines genialen Volks, daß der Revanche- i durst alle Hemmungen der Vernunft ausschal- . tet und Frankreich in einen Leidenschafts- Taumel hineindrängt, der eines Tages zur Ka- . tastrophe, zum Verbluten, führen muß. F. II. i
*
Die Marzparade in Vincennes.
(Privat-Telegramm.)
Paris, 17. März.
Am gestrigen Sonntagnachmittag fand in Vincennes in Gegenwart einer großen Zu- schauermenae vor dem Präsidenten Poincaree die Frühjahrsparade der Pariser Garnison statt. Außer dem Kriegsminister wohnten noch andere Mitglieder der Regie- rvng sowie die Präsidenten des Senats und der Kammer der Vorführung bei. Nach Beendigung der Parade hielt Präsident Poincaree in Erwiderung auf Ansprachen des Deputierten des Bezirks und des Bürgermeisters eine Rede, in der er erklärte:
Wenn Frankreich die berechtigte Sorge hat, feine Stellung in der Welt unversehrt aufrecht zu erhalten, und wenn cs imstande sein will, seine E h r e zu verteidigen, so beweise es doch alle Tage die Aufrichtigkeit seiner sriedlichen Absichten, indem es ohne Hintergedanken an der europäischen Entente mitwirkt. Die Regierung der Republik wird als getreuer Dolmetsch des nationalen Willens fortfahren, ohne Schwäche eine Politik des Friedens und der Würde zu betreiben, die zugleich den Interessen Frankreich und denen der Zivilisation entspricht.
Das farbenfrohe Schauspiel wurde durch das ungünstige Wetter wesentlich beeinflußt. Schwere Regenwolken jagten am Horizont dahin und der heftige Wind verhinderte die projektierte Mitwirmng der Flugzeuge bet dem militärischen Schauspiel. Um zwei Uhr erschien der Präsident der Republik nn offenen vierspännigen Landauer, vom Kriegsmimsier, sowie dem Chef des Generalstabs begleitet worauf das imposante militärische Schauspiel seinen Anfang nahm. Die Parade ging ohne irgendwelche Zwischenfälle vonstatten.
Blutiger Sonntag in St. Gervais.
Paris, 17. März. (P r iv at-Tele- gramm.i Zahlreiche Syndikalisten nahmen am Sonntagnachmittag an der von dem Ar - terverband und der sozialistischen Partei unter freiem Himmel in Pre-St.-Gervais bei Pans veranstalteten Pr otestv ersam mlun g gegen den Gesetzentwurf zur Einführung der dreijährigen Dienstzeit teil. Obgleich strenge Maßregeln ergriffen worden wa- 1 ren, um Sie Ordnung aufrechtzuerhalten, ent stand im Viertel Buttes- Charmant cm Zusammenstoß zwischen Schutzleuten und Syndikalisten, die die rote Fahne entfaltet ha. ten. Ein Schutzmann wurde s ch w e r verwundet, vier Leute verhaftet. Auch tn dem Viertel La Billette hatten um sechs Uhr abend-, die Syndikalisten einen heftigen Zusammenstoß mit Schutzleuten. Drei Schutzleute wurden verwundet. Sieben Verhaftungen , wurden vorgenomincn.
Sie Gattin der Khedivs.
Die Flucht der Prinzessin Sobetda.
Zu der Meldung au5 Kairo, daß die ungarische Gräfin Toeroek, die im Jahre 1910 als „Jkbal Hanem" unter dem Namen einer Prinzessin So- beida tn den Harem des Khediven von Aegypten eintrat, plötzlich verschwunden sei, gibt ein Privat- Telegramm an. daß sie bereits Anfang Februar nach Oesterreich zurückkehrte. Ihre Abreise wurde jedoch, geheim gehalten und ist erst jetzt bekannt geworden In den gesellschaftlichen Kreisen Kairos hat di« Flucht großes Aufsehen hervorgerufen. Es scheint, als ob Etsersucht die Ursache des Bruches gewesen ist Es werden uns darüber folgende Einzelheiten berichtet:
In den gesellschaftlichen Kreisen Kairos hat die Flucht der ungarischen Gräfin Toe- r o e k großes Aussehen hervorgerufen. Die Gräfin war seit dem Jahre 1910 eine der Bewohnerinnen des Harems Abbas Hilmis, des Herrschers von Aegypten. Ihre Flucht wird durch eine mehr europäische als orientalische Eifersucht erklärt. Die Gräfin flüchtete schon im Februar nach Oesterreich, so heißt cs, weil der Khedive ein anderes Mitglied seines Harems mit besonderer Gunst auszcich- nete. Die Art des orientalischen Familienlebens und die Stellung der Frau in der islamitischen Welt bringt es mit sich, daß man von den Damen am Hofe des ägyptischen Vizekönigs nur sehr wenig weiß und spricht. Abbas Hilmi hat sich am neunzehnten Februar 1895 mit der Prinzessin Jkbal Hanem verehelicht; aus dieser Ehe stammen vier Töchter und zwei Söhne. Die älteste Tochter, die Prinzessin Amina Hanem, Verlobte der Khedive am sechsten Juni vorigen Jahres in Konstantinopel mit einem Sohne des Ergroßwesirs Ferid Pascha, Sekretär bei der Pariser Botschaft. Im Jahre 1910 hatte sich Abbas Hilmi mit bei Gräfin Toeroek vermählt, die den Namen einer Prinzessin Sobeida annahm und zum Islam übertrat. Gräfin Toeroek bezog, wie alle ägyptische Prinzessinnen, ein monatliches Nadelgeld von 4000 Mark und erhielt außerdem vom Khediven sehr reiche Geschenke. Man rühmt der Gräfin Toeroek, die ftüher in Wien und Budapest
eine Rolle in der Gesellschaft spielte, große Schönheit und geistige Regsamkeit nach. Sie kannte den Khediven schon acht Jahre bevor sie in seinen Harem eintrat. Angehörige des Harems AbbaS Hilmi ist auch die Khedivah-Mutter Amina Hanem, da bekanntlich der Islam keine alleinstehenve Frauen kennt, sondern sie stets einer Familie, entweder der des Vaters oder des Mannes oder des Sohnes zuteilt. Die Kbedivah-Mutter hat sich im italienisch - türkischen Kriege große Verdienste erworben durch ihre Mitwirkung an der Ausrüstung mehrerer Expeditionen des Roten Halbmondes. Sie wurde Pro- tektorin der Damen-Liga dieser Einrichtung und stiftete tausend ägyptische Pfund. Den La- zareten in Benghasi überwies sie 30 000 ägyptische Pfund. Damen der europäischen Gesellschaft, die der Mutter des Khediven vorgestcllt wurden, wissen von der Liebenswürdigkeit der alten Dame und ihrer genauen Kenntnis moderner Kultursragen viel zu erzählen. Aus der Familie des Khediven ist noch zu nennen der kunstsinnige und lebensfrohe Prinz Mohammed Äli, ein Bruder des Khediven, der im vorigen Jahre ausgedehnte StudienKt- sen nach Amerika unternahm, sowie der Thronfolger. Prinz Abdul Moneim, und dessen Bruder, Prinz Abdul Kader. Der achtunddreißigjährige Khedive selbst ist ein echter Reise- könig. Abba? Hilmi reift nämlich, so oft ‘ feine Rcgierunasvflicbten es erlauben. Und das ist sehr oft der Fall . . .! Dr. F. A.
Wie uns weitere Depefchen aus Konstantinopel melden, haben etwa drei- taufend Offiziere der Armee an den Großwesir ein Memorandum gerichtet, in dem es unter anderem heißt: Die letzte Revolution hat betoiefen. daß eine H andvoll Leute nur auf die Befriedigung eigensüchtiger Zwecke abzielt. Leider ist auch der bei der Armee allseitig geachtete Großwesir zum Handlanger dieser Strömung geworden. Unglücklicherweise hat die neue Regierung nicht die gleichen Vorteile sichern können, als die frühere. Sie hat feit anderthalb Monaten keine Erfolge aufzuweifen, vielmehr den bedauerlichen Fall von Janina erlebt, und verschuldet, daß die Verbündeten die alten Friedensbedingungen annullierten und auf den bekannten Friedensbedinaungen bestehen konnten. Das Offizierskorps wird nicht dulden. daß das Interesse des Landes zum Spielball einer Handvoll habsüchtiger Leute werde und empfiehlt dem Großwesir nochmals, die Leitung der Geschäfte völlig vertrauenswürdigen Personen zu überlassen.
Depeschen vom Kriegsschauplatz.
Konstantinopel, 17. März. <Pri - vat-Telegram m.) Ter türkische Angriff auf den Nordwest gründ von der Tsckataldscha- linie wird mit Energie fortgesetzt Tie türkische Flotte beschießt vom Marmarameer aus die bulgarischen Stellungen bei Siliwri Am letzten Sonu-dend haben die Griechen die Insel Samos besetzt, r hne irgendwie Widerstand zu finden. Für die nächsten Tage wird bei Tschataldscha eine Entscheidungsschlacht erwartet. Seit drei Tagen stehen sich die seindlichen Heere auf Kilometerweite gegenüber und es muß nunmehr zu dem ent-
Sie Tragödie der Franzosen.
Der Revanche-Gedanke: Frankreichs Anheil.
Seit Wochen sehen wir das düstre Schauspiel eines Verzweislungskampfs wider das Schicksal, die Tragödie der französischen Nation: Frankreich ist im Begriff, einen Selbstmord zu begehen! Der Rüstungswahn, der die Republik ergriffen hat, offenbart alle Zeichen einer anormalen Geistesverfassung und läßt Regungen erkennen, die unferm Empfinden wie dämonische Leidenschaften erscheinen. Auch Völker werden von Krankheiten ergriffen, die ihr seelisches Gleichgewicht stören, genau wie einzelne Individuen. In Frankreich ist diese Tatsache im Augenblick deutlich verwirklicht, und wer diese Erscheinungen richtig ein« schätzt, kann ihre Gefahren nicht verkennen. Der französische Kriegsminister Etienne hat in der Kammer den Gesetzentwurf über die Wieder- • einführung der dreijährigen Dienstzeit mit einem eingehenden „Motiven-Be- richf begründet und dieser Bericht war ein Beweis dafür, wie weit der französische Chauvinismus, die brutale Revanchelust, sich vom gesunden Denken entfernt. Der Kernsatz der Ausführungen Etiennes lautete: „Der Rückgang der Geburtenziffer zwingt uns, für die Sicherheit vorzusorgen und den Anfangs- Eventualitäten eines modernen Kriegs die Spitze zu bieten." Dieser lapidare Satz enthüllt den verwirrten Gedankengang der französischen Revanchepolitiker, die anscheinend einen neuen Rückhalt in der Person des eben ins Elysee eingezognen Präsidenten Poincaree erhalten haben. Kurios ist vor allem die Idee, daß der Rückgang der Geburten durch das Gesetz der Wiedereinführung der dreijährigen Dienstpflicht paralysiert werden könnte: Ursachen und Wirkungen sind hier völlig verwechselt !
Zugegeben: Im Augenblick kann der deutschen Heeresmacht infolge der Rückbehal- tung der französischen Soldaten unter der Fahne eine imposante Armee entgegengestellt werden, der Geburtenrückgang wird aber sicher sich nicht ändern, und in ein paar Jahren steht Frankreich abermals vor demselben Problem, denn die Schaffung einer Brutstätte für französische Krieger durch Verpftanzung von einer Million Kolonisten nach Franzöflsch-
Meserr-MMerrung im Westen. Fünfzehntansend Arbeiter ausgesperrt t (Privat-Telegram ml
Krefeld, 15. März.
Nachdem die seit dem zweiundzwanzigsten Februar wegen Lohndifscren-cn und Lohnver- kürzuugen ausständigen 2500 Färber Krefelds die Zugeständnisse der Arbeitgeber glatt abgelehnt batten, erfolgte gestern die von dem Verband der Arbeitgeber der Leinenindustrie beschlossene Aussperrung von etwa 15000 Arbeitern und Arbeiterinnen der gesamten Krefelder Leinenindustrie. Die vom Oberbürgermeister angebotene Vermittlung zwischen den streitenden Parteien wurde von den Arbeitgebern mit der Begründung abgelehnt, daß sie bis an die äußersten Grenzen gegangen seien, weshalb eine Vermittlung nicht mehr am Platze wäre. Sollten die Färber von ihrer Forderung nicht abgehen, so wird am zweiundzwanzigsten März eine weitere Aussperrung in der niederrheinischen Samt- und Samtbandfabrikation erfolgen. Tritt , diese Aussperrung tn Kraft, so würden davon insgesamt etwa dreißigtausend Arbeiter und Arbeiterirmen betroffen werden.
MsKbshy-Ratastroyhe in Belgien.
Zahlreiche Personen wurden verletzt.
Konstantinopel, 17. März.
Die Lage hat sich derart zugespitzt, daß tagtäglich der Ausbruch der Revolution erwartet wird. Die fremden Kriegsschiffe haben Befehl erhalten, erforderlichenfalls sofort einzugreifen. Selbst die gemäßigten Blätter bezeichnen die Lage als äußerst ernst und erklären, daß die letzte Antwortnote der Balkanstaaten völlig unannehmbar sei. Die letzte Hoffnung der Türkei seien nun noch die Großmächte, denen die Aufgabe zufalle, die Türkei vor dem völligen Zusammenbruch zu bewahren.
Konstantittopel, 17. März.
Der Frieden scheint immer mehr zu e n t s ch w i n d en. Die militärischen Atta ckjees wollen Konstantinopel verlassen, weil ihnen nicht gestattet wird, die Operationen auf dem Kriegsschauplatz zu verfolgen. Die jungtürkischen Offiziere wollen von einer Uebergabe Adrianopels nichts hören. Seit dem Fall von Janina ist der Wunsch nach Revanche bedeutend gestiegen. Die letzte Note der Balkanstaaten hat einen einzigen Entrüstungsschrei in Konstantinopel hervorgerufen.
Ueber die Stellungnahme der Regierung zu den Friedens-Bedingungen der Verbündeten berichtet uns ein P r i v a t-T e l e g r a m m aus Konstantinopel: Der Minifterrat hat in seiner letzten Sitzung die Bedingungen der verbündeten Balkanstaaten als unannehmbar bezeichnet. Der Großwesir Mahmud Schewket Pascha besuchte (Wie gemeldet wird) ein Lazarett des roten Halbmondes und soll bei dieser Gelegenheit gesagt haben: „Wir sind f e ft entschlossen, den Krieg fortzusetzen. Es werden voraussichtlich noch weitereVerwnn- dcte eintreffen, pflegen Sie dieselben mit derselben Aufopferung wie bisher ...!"
Das Offizierkorps droht!
An Kasablanca-Fntermezzo.
Das Haus eines Deutschen zerstört.
Aus Casablanra wird französischen Blättern gemeldet, daß am dreizehnten März während eines Zapfenstreiches das französische Musikkorps mit Steinen beworfen wurde, wobei der Kapellmeister leicht verletzt wurde. Ter Zwischenfall ereignete sich vor dem Hause eines Deutschen, namens Ficke. Zwei eingeborene Diener desselben wurden als der Tat verdächtig verhaftet. Der deutsche Konsul hat hiergegen Protest eingelegt. Die französische Presse in Tanger meldet, die Volksmenge habe erbittert daS Haus des Deutschen gestürmt und teilweise zerstört. Tas deutsche Konsulat beantragte beim französischen Schadenersatz.