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Nr. 85. S. Jahrgang

Casseler Neueste Nachrichten

Sonnabend, 15. März 1913.

Mir dem Konsistorium ist nichts zu machen .. Nur eine leise Hoffnung besteht noch, daß wenigstens eine Kleinigkeit gebessert wird. Nach dem Beschluß der StadtvLter-Versamm- lung muß zu weiteren Verhandlungen auch ein Vertreter derjenigen Korporationen hinzuge­zogen werden, die sachverständig ist: Des Feu­erbestattungsvereins. Denn auch das hatte 6ier in Cassel der Magistrat im entscheidenden Stadium der Sache übersehen. Nun geht die Vorlage nochmals an den Magistrat zurück. Aber auch dann wird der kreisende Berg ledig­lich ein Mäuslein gebären... Das Casseler Krematorium wird immer nur eine Miniatur­ausgabe werden und in der Geschichte der deut­schen Feuerbestattungsbewegung keineswegs ein Ruhmesblatt bedeuten. B. H.

Adrianopel vor dem Fall?

Ein Bild aus der belagerten Stadt.

In einer französischen Zeitung erschien die­ser Tage ein interessanter Bericht über die Läge der Bevölkerung und der Truppen in dem kin- geschlossenen Adrianopel, dem wir folgen­des entnehmen: Um den Bedürfnissen tier Gar­nison zu genügen, hat der Kommandant Schükri Pascha sich bisher dreimal veranlaßt gesehen, Requisitionen bei der Einwohner­schaft vorzunchmen. Das erste Mal wurde im Augenblick der Kriegserklärung bei den Kauf­leuten requiriert, das zweite Mal am 15. Ja­nuar bei allen Einwohnern der Stadt und der Bahnmeile, wobei das Ergebnis in 100 (100 Kilo Getreide bestand, und zmn dritten Mal am 1. Februar. Bei dieser letzten Requisition wurde nicht nur Getreide, sondern überhaupt alle Arten von Lebensmitteln eingefordert und von Zutaten, aus denen sich nur irgendwie Brot bereiten ließ. Allerdings ist schließlich ein Gebäck dabei herausgekommen, das gerade noch der wenig verwöhnte Magen eines rechten Orientalen zu verarbeiten vermag. Die Zahl der Backöfen beträgt zwanzig, jedem wird täg­lich ein Quantum von vier Sack Mehl zu 70 Kilo zugeteilt. Was den Viehbestand betrifft, so hatten die Flüchtlinge etwa 15000 Stück Rindvieh und 50 000 Hammel mit in die Stadt gebracht. Bis Mitte Oktober waren die Wei­deverhältnisse günstig, dann aber ließ die Fut­terversorgung nach. Stroh, Heu und andere Vorräte waren schnell erschöpft. Die vollständige

Einschließung der Stadt

hat die Viehbesttzer aber verhindert. sich noch rechtzeitig bei den Bauern der Um­gegend mit den entsprechenden Mengen Futter zu versehen. Man hat infolgedessen zu dem so- genannten Sorgho gegriffen, das die Tiere aber nicht mögen. Die Sterblichkeit unter dem Vieh ist deshalb äußerst groß und hat eine rapide Preisverminderung des Fleisches zur Folge gehabt. Während Rindfleisch in der ersten Zeit der Belagerung nicht unter anderthalb Mark pro Pfund zu haben war, kostet jetzt das Fleisch höchstens noch sechzig Pfennige. Auch die Ar- tillcriepferde leiden furchtbar unter dem Hun­ger. Da der Hafer für die Einwohner Vorbe­halten ist, so füttert man die Pferde wie die Rüidcr mit Sarghowurzeln. Die meisten gehen aber lieber zugrunde, ehe sie diese Nahrung nehmen, und so müssen Hunderte von Pferden geschlachtet werden. Auch Spezereien und Ko­lonialwaren sind fast völlig erschöpft. Hin und wieder ist noch etwas weißer Käse anzutrcffen, dessen Preis auf 1.60 Mark für das Kilo ge­stiegen ist. Bohnen kosten 1.30 Mark das Kilo, Sardinenkonservcn sind zweimal so teuer als in den Friedcnszeiten. Würste kosten 1.60 Mark das Kilo, Wein 80 Pfennige das Liter, Brannt­wein 2.40 Mark das Liter. In normalen Zei­ten sind alle diese Waren um ein Drittel so teuer. Das Salz ist seit drei Monaten völlig aus,gebraucht. Man hat jetzt seine Zuflucht zu den Pökelsaucen von Oliven und Seefischen ge­nommen, ans denen

«ruf chemische» Wege

Salz gewonnen wird. Dieses Salz wird in den Apotheken zum Preise von etwa fünf Mark für

das Kilo verkauft. Reis, Zucker, Petroleum und Gemüse sind feit langer Zeit vollkommen verschwunden. Zu Beginn des Krieges zahlte die Garnison 70 Bataillone je 800 Mann, zu denen noch 4000 Anatolier hinzukamen. Nach den blutigen Kämpfen in der letzten Zeit in der Umgebung von Adrianopel und der dabei er­folgten Gefangennahme zahlreicher Türken, auch infolge von Krankheiten und Desertionen hat sich der Mannschastsbestand der Garnison von 60 000 auf 32 000 verringert, darunter sind 3000 Christen, die wegen Fluchtversuchs entwaffnet und in die Ianikkoschlankaferne cingefperrt worden sind. Bis zum 9. November erhielt je­der Soldat ein Kilo Brot täglich. Von diesem Zeitpunkt ab wurde die Tagesration auf ein halbes Kilo herabgefetzt. Seit dem 15. Ja­nuar gibt es für jeden Mann nur 350 Gramm Brm für 24 Stunden. Am ersten Februar, dem Tage der letzten Requisition, wurde gemischtes Bror eingeführt. Da aber jetzt das letzte Rebl, wenn man es so nennen kann, zu Ende geht, fo wild man bald zu Biskuits feine Zuflucht neh­men müssen, wovon ursprünglich etwa 500 000 Kilo vorhanden waren. Da aber diese Biskuits viel zu einer gewissen Art von Suppe verwen­det wurden, so hat auch dieser Vorrat eine er­hebliche Verminderung erfahren. Sollten die Soldaten ausschließlich mit diesen Biskuits er­nährt werden, dann dürsten auch diese Vorräte in kurzer Zeit völlig erschöpft sein. . .!

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Der Preis des Friedens.

(Telegraphische Meldung.)

Belgrad, 14. März.

Wie das Regierungs-Organ Samouprava mitteilt, stellen die verbündeten Balkanstaaten der Türkei folgende Bedingungen: Fort­dauer der Feindfeligkeiten bis zum Abschluß des Friedens. Als Basis der Friedensver- handlungen hat der von den Delegierten der Balkanstaaten am dreiund,zwanzigsten Dezem­ber in London gestellte Antrag zu dienen, näm­lich die Grenzlinie M i d i a - R o d o ft o unter Ueberlassung der Halbinsel Gallipoli an die Türkei und Abtretung des gesam­ten westlichen Territoriums an die Verbündeten mit Ausnahme Albaniens, dessen Grenze und Organisation die Londoner Bot- fchafterkonfercuz regeln wird. Es wird aus­drücklich gefordert, daß Adrianopel und Skutari vor dem Friedcnsschluß Bulga­rien und M o n t e n c g r o übergeben wer­den müssen. KUebergabc der Aegäischcn Inseln an Griechenland. Hierbei wird insbesondere K r c f a angeführt und gefordert, daß die Tür­kei auf alle Rechte in Kreta verzichtet. Die Türkei habe sich zu verpflichten, den verbündeten Ballanstaaten eine Kriegsentschädi­gung zu gewähren, deren Höhe vor der Unter­zeichnung des Friedens festzustellen ist. Die Sicherung der Rechte jener christlichen Unterta­nen der verbündeten Balkanstaaten, die sich in der Türkei aufhalten werden. Die Verschärfung der Bedingungen wurde durch die Fortsetzung des Krieges verursacht. Sollte die Türkei die Verhandlungen neuerdings verschleppen, dann werde» (schließt das Regierungsorgan) die neuen Friedensbedingungen noch schwerer sein als die gegenwärtigen.

$!e Politik des Inges.

Ferien im Abgeordnetenhaus.

Im preußischen Abgeordnetenhaus herrschte gestern Ferienstimmung. Nur auf ein Stündchen waren die Herren zufammengekom- men, um den Etat des Finanzministcr:ums vor den Ferren zu erledigen. Tie Debatte drehte sich hauptsächlich um die Gewährung von Teue- rurrgszulagen an kinderreiche Ünterbeamte. Der Etatstitel wurde bewilligt und der An­trag der Budgetkommission betreffend Gewäh-

fruiürton.

Sinnspruch.

Wer da fährt nach großem Ziel, Lern' am Steuer ruhig fitzen, Unbekümmert, wenn am Kiel Lob und Tadel hoch aufspritzen.

Emanuel Geibel.

Hebdrl-Feikr in Lsffkl.

Vortrags-Abend in der Stadt Stockholm.

Der Hebbel-Feier des Casseler Lehrerver­eins schloß sich gestern abend die im Rahmen der Völksvorträge verunstaltete Hebbel- Feier in der Stadt Stockholm würdig au. Eine stille Weihe lag über dem Abend, und eine stattliche Hebbel-Gemeinde wohnte andächtig der Feier bei. Nachdem BachsMeditation­verklungen, von Fräulein Gerlandt (Violine) und Frau Tr. Reuhaus «Klavier) vorgetragen, nahm Lehrer Hassenpflug das Wort zur Fest­rede. In warmen Worten schilderte er des Dichters düsteren Lebensweg, die harte, küm­mernisreiche Kindheit und Jugendzeit, die Jahre der Wanderschaft, des Ringens mit dem Schicksal, das sich immer und immer wieder der kämpfenden Seele entgegenstemmte, und die von fteundlicherem Licht verklärten, ein wenig schon vom Ruhm übergoldeten Jahre in Wien, an deren Abschluß neben Leiden und Tod Anerkennung und Erfolg standen. Lehrer Hassenpflug gab dann einen Einblick in das künstlerische, vor allem das dramatische Schaf­fen des Dichters, das der großen Menge fo lange fremd geblieben, und das erst allmählich Beachtung und Freunde gefunden. Ein jeder hat ja auch nicht gleich das Verständnis für die nordisch-herbe und doch so unendlich tiefe und reiche Wesensart des dithmarsischen Mau- rersohnes. Aber wer ihn einmal schätzen ge­lernt, der wird ihn nur immer herzlicher ver­ehren. Fräulein Anna G ö r l i n g vom Hof­theater hatte die Rezitation einiger Hebbel- scher Gedichte übernommen. Sie gab zuerst ein paar Jugendwerke des Dichters:Tas alte Haus-, die ergreifenden GedichtchenSchau ich in die tieffte Ferne-,Bubensomttag" uns »Aus der Kindheft-, fowie die bekannte Bal­

ladeDer Heideknabe". Einige Dichtungen späterer Jahre:Liebeszauber",Husarcnwer- bung" und andere folgten. Fräulein Görling. die wir als reife Künstlerin fchätzcn, gab auch hier eigenes inneres Erleben und Nachleben: sie hatte sich in des Dichters Seele hineinge- lefen. Zwischendurch fpielten Fräulein Ger­landt und Frau Dr. Neuhaus noch die zier­liche KompositionAlbumblatt" des heimischen Tonsetzers Rüdiger-Storklosf. e. s.

Königliche Schauspiele.

InFlachsmann als Erzieher" trat gestern ein neuer Bewerber um das F-'ch des Bonvivants auf, Herr Pape vom Schau- fpielhaus in Bremen. Der Gast gab den genialen Jugendbildner Flemming. Eine gute Rolle für einen frischen Bonvivant, der feine Kräfte erproben möchte. Denn die schönen Eigen- fchaften des genialen Flemming, feine angeb­liche eminente geistige lleberlegenheit über das Zwergvolk der anderen, seine allesverstehende Herzensgüke sind mit jenem dicken Pinsel aus- getragen, den Otto Ernst als Lustspieldichter so über alles andere wert hält. Es kam also für Herrn Pape in erster Linie darauf au, eine Kontrastfigur mehr lebhaft zu kolorieren, als tief zu charakterisieren. Und das verstand der Darsteller vortrefflich. Wodurch einem Flemming glaubhaft werden fett: Genialität, Gemüt, tiefes Verstehen, Güte, Grobheit, Witz Humor und Schlagfertigkeit . . . das wußte Herr Pape wirkungsvoll ins Licht zu rücken. Er muß nach dieser Probe ein kurzweiliger, unterhaltsamer Bonvivant sein. Auch seine Sprachtechnik ist gut, sein Mienenspiel freflich befindet sich mit dem, was er tatsächlich dar-u- stellen vermag, nicht immer im Einklang. Alles in allem: Ein Darsteller, der gewiß Beachtung verdient. «e.

Sas Lude der Direktion SorLau.

Wie uns aus Berlin berichtet wird, hat nun die Direktion Willy R o r d a u 's im Ber­liner Friedrich - Wilhelmstädtischen ^Schauspiel- Hause ihr Ende gefunden, lind wenn selbst noch weitergefpielt werden sollte, so würde das auch nur fo eine Art Galgenfrist bedeu­ten, denn Herr Nordau wird sich bei den sehr

rung von Teuerungszulagen angenommen. Damit war der Etat des Finanzministeriums erledigt. Schließlich! gelangte noch ein Antrag betreffend Bereitstellung eines Fonds zur Un­terstützung der auf Bekämpfung des Kinoee- elends gerichteten charitativen Unternehmungen zur Annahme. Mit den besten Wünschen sät das Osterfest verabschiedete sich Vizepräsident Dr. Porsch darauf von den Abgeordneten. Die nächste Sitzung des Hauses findet am zweiten April statt.

Die kommenden Landtags-Wahlen.

Der Minister des Innern gibt bekannt, daß er für die Wahlen zur zweiundzwanzigsten Le­gislaturperiode des Hauses der A b g e o r d n e- t en als Wahltermin festgesetzt Hai: Für die Wahl der Wahlmänner den sechzehnten Mai, für die Wahl der Abgeordneten den dritten Juni dieses Jahres. Wo infolge der Vor­nahme der Abstimmung in der Form der Frist­oder Gruppenwahl die engeren Wahlen an den bezeichneten Tagen nicht durchgeführt werden können, haben diese Wahlen an den dafür an- derweits festzusetzenden Wahltagen stattzufin- den. mit der Maßgabe, daß die Wahlen der Wahlmänner spätestens' am achtundzwan- zigsten Mai^ die Wahlen der Abgeordneten spätestens am neunten Juni abgeschlossen werden.

Die Kasernenneubauten im Westen vorläuftg eingestellt. Nach Telegrammen aus Ko b l e n z sind im Westen verschiedene Kafernenneubauten vorläufig eingestellt worden bis zum Eintref­fen weiterer Anweisungen, die nach Erledigung der Militär- und Deckungsvorlagen im Reichs­tag zu erwarten sind. Der feste Waffenplatz Koblenz foll bedeutend verstärkt werden.

Kein Verzicht aus die Vermögenssteuer! Den Informationen eines rheinifchen Blattes zu­folge sollte auf die Vermögenssteuer verzichtet sein. Demgegenüber wird aus zuverlässiger Quelle berichtet, daß diese Nachricht völlig un­zutreffend ist und nicht den Befchlüssen ent­spricht, die die Konferenz der bundesstaatlichen Finanrminister und der Mitglieder des Bun­desrats in dieser Frage gefaßt hat.

Fünfundzwanzig Millionen für unsere Ko­lonisation. Aus Berlin berichtet uns fol­gendes Telegramm: Ein gestern dem pr-'ußr- schen Abgeordnetenhause zugegangener Gesetz­entwurf verlangt zur Förderung der Landes- kulmr und der inneren Kolonisation fünsnnd- zwanzig Millionen Mark. Der GesetzentwUls dürfte bald nach den Ferien beraten werden.

Seses hnm Tage.

Feuer im Lessing-Theater!

Berlin, 14. März. (Privat - Tele­gramm.) Gestern abend kurz vor zehn Uyr brach in der Möbelkammer des Lessingtheacers. in der besonders Polsterwaron aufbewahrt werden, ein großer Brand aus. Die Vorstel­lung mußte abgebrochen werden, der eiserne Vorhang schloß sich schnell, und das Publikum verließ in vollkommener Ordnung das Theater. Der bald darauf erschienenen Feuerwehr ge­lang es'nach verhältnismäßig kurzer Zeit, den Brand zu löschen. Der Schaden ist unbedeu­tend. Alan vermutet, daß Kurzschluß den Brand verursacht hat. Der Betrieb des Les- singtheaters erleidet keinerlei Unterbrechung, da das Feuer auf die MöbeNammer beschränkt geblieben ist.

Das Verbrechen einer Frau?

Cottbus, 14. März. (Privat - Tele- gramm.) Unter dem Verdacht, ihren Lieb­haber ermordet und verbrannt zu haben, wurde die Karussellbesitzerin Köscheritz aus Dr'bkau verhaftet. Es erregte in dem kleinen Städtchen Aussehen, als es bekannt wurde, daß der bei der Verhafteten wohnende Arbeiter Karl Frö- 6er. seit einiger Zeit spuolos verschwvnoen war. Die Gendarmerie nahm darauf bei der Frau eure Haussutung vor und entdeckte in

bedeutenden Verpflichtungen kaum halten kön­nen. Im einzelnen verlautet, daß (entgegen der Angabe aus dem Bureau des Theaters) die fällige Miete nicht gezahlt wurde, und daß man auch mit den Gagen erheblich im Rück­stand ist. Zudem ist der größte Teil der beim Polizeipräsidium hinterlegten Kaution bereits abgehoben. Zu ihrer Auffüllung war Direktor Nordau eine Frist bis zum 10. März gestellt worden, doch hat er die Zahlung nicht erfüllen können. Danach erscheint es ausgeschlossen, daß ein Ausweg gesunden werden kann, da, um das Nebel für Nordau voll zu macheir, fet­tens des Vertreters der Fritzescheu Erden (der Eigentümer des Theaters) die Ermiffions° klage angestrengt worden ist. Ob unter die- fen Umständen vom Polizeipräsidium ein Wei- terfpielen gestattet wird, hängt davon ab, wie die Konferenz ausfällt, die heute im Polizei Präsidium stattfindet. Voraussichüich wird einer Kommifsion der Schauspieler von dem Fritzescheu Vertreter eine Notkonzession erteilt werden.

Professor Pohle geht nach Breslau! Depeschen aus Frankfurt am Main berich­ten uns: Der Professor der Nationalökonomie an der Akademie für Sozial- und Handelswis- fenfchaften in Frankfurt a. M., Dr. Ludwig Pohle, ist an die Universität Breslau als Nachfolger des nach Charlottenburg übekgesie- delten Geh. Reg. Rat Professors I. Wolf be­rufen worden. Professor Pohle bat bekannt­lich im letzten Herbst auf Veranlassung der Kurbeffischen Gesellschaft für Kunst und Wissen­schaft auch hier in Cassel eine, Vorlesung veranstaltet.

Zum Film drängt alles ..." Alfred Halm, der trübere Direktor des Berliner Neuen Schauspielhauses, ist für das Haus Paths Freres in Paris als Filmregisseur ver­pflichtet worden. Von einemFflmfouffieur" wird man wohl auch demnächst hören!

Meyerbeer und die Veteranen von 1813. Eine eigenartige Erinnerungsfeier an die Be­freiungskriege fanb Jahrzehnte hindurch in Berlin statt Amalie Beer, die Mutter Meher- beers, versammelte alljährlich, am Jahrestage der Völlerschlacht bei Leipzig, im Lokal Kem­perhof die in den FreihüMänchj« um ihr

einem Ofen Fiel schrei le und Knochen, die von einem Menschen herrührten. Man nimmt an, daß es zwischen den Serbe« zu einem Streit gekommen sst, in dessen Verlaus die Frau den Manu getötet und die Leiche im Ofen ver- brannt hat.

Römische Apachen-Keschichten.

Rom, 14. März. (Telegraphische Meldung.) Die Tochter des Münchener Professors K räp elin ging mittags ohne Be­gleitung durch die Straßen der Altstadt am Tiber spazieren. Dicht bei der bayerischen Ge­sandtschaft auf der Piazza Sandarlo Catinari wurde sie von zwei heruntergekommen aus- t'eheltden Männern angehalten, die sich für Ge­heimpolizisten ausgaben, aber wahrscheinlich Apachen gewesen sind. Die beiden Frenrden faßten die Dame ohne weiteres am Arm und suchten sie in einen Wagen hineinzuzerren. Dies gelang aber nicht, da sich die Ueberfattcnc kräf­tig wehrte. Eine neugierige Menschemnertge sah der Szeile zu. Nach einer viertelstündigen Balgerei entschlossen sich die beiden Fremden, von der übel zerzausten jungen Dame abzu- lassen.

rrr Sic werden nicht alle! Der Direttor bet in Konkurs geratenen Spar- und Darlehnskasse St. Joseph in Erfurt, Robert Hartmann, wurde aus Anordnung der Staatsanwaltschaft verhaftet. Hattmann soll sich Unregelmäßigkei­ten haben zuschulden kommen lassen. Aber erst in den letzten Tagen häuften sich die Verdachts­momente gegen ihn so an, daß er in Haft ge­nommen werden konnte.

ttv Bei einem Schulausflug ertrunken. Auf einem Ausflug, den gestern nachmittag eine Madchenklasse der Volksschule in Hagen in Westfalen unternahm, ereignete sich ein schwc res Bootsunglück. Beim Uebersetzen über die Lenne kippt- der Nachen um. Sieben Mädchen fielen ins Wasser. Drei konnten gerettet wer­den, die vier anderen, im Alter von dreizehn bis vierzehn Jahren, sind ertrunken.

~ Vom Schicksal ereilt. Wie aus Frank­furt a. O. gemeldet wird, ist der zwanzigjäh­rige Raubmörder Krause, der in der Nacht zum zweiten Januar in Salzkoffäten den sieb­zigjährigen Eigentümer Wernicke durch Beil­hiebe ermordete und dessen Ehefrau schwer verletzte, in Ziebingen bei Frankfurt verhaftet und in das Frankfurter Gerichtsgefängnis ein­geliefert worden.

Ein Eisenbahnfclretär spurlos verschwun­den. Seit dem zweiten März wird der acht- unddreißig Jahre alte bayrische Eisenbahnsekre­tär Bartholomäus G r e 6 n c r aus Mün­chen vermißt. Er gab an, eine Tour in die Nordtiroleralpen. unternehmen zu wollen. Nachdem er bis heute nicht zurückgekehrt ist, hat die Münchener Sektion des Alpenvereins eine Rettungsexpedition in das Kaisergebirge ab­gesandt.

~ Ein Brand im Erzhcrzogsschloß. Das berühmte Jagdschloß des Erzherzogs Friedrich in Caravancsa in Ungarn ist gestern vollständig niedergebrannt. Obwohl die Feuerwehr rasch zur Stelle war, wurde das Jagdschloß mit der prächtigen Einrichtung der zwanzig Zimmer, in denen gewöhnlich die Gäste des Jagdgebers logierten, vollständig vernichtet. Man vermu­tet Brandstiftung als Entstehungsursachc des Feuers.

Im MuM am 8Mk.

Die Geschichte der Stadt Cassel.

Die Vorbereitungen üi die Tausendjahr­feier der Stadt Cassel nehmen einen stetig brei­ter werdenden Raum in ben Beratungen der städtischen Körperfchaften und der Bürger- so­wie anbereit Vereine tu Anspruch. UeberaC regt man sich, die Geschichte der Stadt in ben Dienst der Feier zu stellen, histarische Momente, Grup­pen und Dekorationen erneut in die Erinne­rung der Gegenwart zu bringen und so die Liebe zur Heimat zu hegen mtb zu pflegen.

Augenlicht gekommenen Veteranen um sich, gab ihnen ein Festmahl und bescheirkte sie reichlich. Wiederholt erfreute der junge Meyerbeer die blinden Veteranen mit feinem Klavierspiel, und voll innerer Bewegung lauschten sie den alten Freiheitsliedern. Meyerbeer sorgte dafür, daß der fchöne Brauch auch nach dem Tode seiner Mutter erhalten bleibe.

SudermannsKatzenstcg" gefilmt: Ren­tableKunst"! Hermann Sudermann hat sei­nen RomanTer Katzensteg" durch den Licht­spielvertrieb des Verbandes deutscher Bühnen- schriststeller an die Projektions-Gesellschaft Union" und die Firma Dusker, G. m. b. H., zur Verfilmung verkauft. Als Honorar sind 60 000 Mark gezahlt worden; dazu kommt noch ein Anteil an der Einnahme als Tantteme.

ffilli Krtjmannn Mrmoirm.

Die bekannte Kammersängerin Lilli Leh­mann ist gegenwärtig, wie aus Berlin gemeibet wirb, mit ber Niederschrift ihrer Mc- motren beschäftigt, die noch im Herbst dieses wahres auf dem Büchermarkt erscheinen sollen un,k aus die man mit Recht gespannt sein darf. Ltllt Lehmann entstammt bekanntlich felbst ei­ner Künstlerfamilie. Ihr Vater, Karl August Lehmann, war ein beliebter Heldenteuor, der namentlich am Stadttheater in Würzburg gro­llen Beifall fanb. Ihre Mutter war die fei« nerjeit treffliche Haffenvirtnosin und Geiang- meifterin Maria Theresia Lehmann, die sich ur­sprünglich felbst ber Bühnenlaufbahn zuwen­dete, in den Jahren 1837 bis 1845 in Leipzig, Dresden und Cassel große Triumphe feierte und schließlich als Harfenvirtuofin große Er­folge errang. Lilli Lehmann war namentlich mit Richard Wagner sehr befreundet. Pom Prager Landestheater, wo sie zuerst engagiert war, kam sie nach Danzig, bann nach Leipzig, von wo man die junge Künstlerin bald nach Berlin an die Königliche Oper holte. Ein Jabr später trat sie in den Verband dieses Kunstin- ftiluts, in dem sie nun trotz ber Lucca, Mallin­der und Marianne Brand glänzend bestaub. Sie wurde dem Hoftheater auf Lebenszeit ver­pflichtet, unterbrach ihre Bcrlmer Tätigkeit aber durch eine mehrjährige Gastspieltournee Lurch Amerrka.