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E Mer Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

Nummer 84

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 14. März 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang.

Sie Rordsee-Katastrovhe.

Wie Torpedoboot 8. 178 unterging.

Anter den fünfzehn Aeberlebenden der Torpedobootkatastrophe vor Helgo­land befindet stch auch der Maschi- niftenmaat Paul RSdrger. Die­ser hat in einem Briefs die Einzel­heiten des llnglücks eingehend ge­schildert und damit ist die erste zn- verläffige Darstellung der verhäng­nisvollen Katastrophe gegeben. RS- diger schreibt in seiner Darstellung:

Das Unglück passierte nachts um vierzig Minuten nach elf Uhr. Ich lag in der Koje und verspürte den Stoß selbst nicht. Auch als ich Waffer hereinrauschen hörte, dachte ich schlaftrunken: Das ist wie gewöhnlich bei schwerem Wetter. Da legte sich das Boot schief nach Backbordseite. Jetzt ich bei klaren Gedan­ken: Reiß dich zusammen. Ich sprang aus der Koje, lastete nach rechts: Niemand mehr da, ging nach vorn an den Niedergang und griff dabei nach links: Niemand mehr da. Ich war also meiner Meinung nach der letzte. Das Wasser stieg und stürzte mit Macht durch den Niedergang. Ich arbeitete mich mit Rie­senkräften deni Wasserdruck entgegen, Stiege für Stiege. Auf der obersten Stufe stand ich dann bis zum Leib im Wasser und holte tief, tief Atem, wie ein Schwimmer vor langer Tauchstrecke. Da sank das Hinterteil des Boo­tes. Ich wurde in den Wirbel gezogen, tiefer und tiefer. Da fühlte ich, daß sich eine Leine um beide Füße gewickelt hatte. Blitzschnell kam mir der Gedanke: Sollst du hier elend er­trinken? Nein! Mit verzweifelter Kraft riß ich die Unterhose vom Leibe, wobei die Leine mit abging, und arbeitete mich hoch. Es dau- cne lange, sehr lange, und als

all meine Luft verbraucht

war, kam ich an die Oberfläche. Nicht weit von mir schwamm jemand auf irgendeinem Wrack­teile. Ich schwamm hin und schwang mich mit hinauf. Wir verteilten uns, damit das Gleich­gewicht blieb. Und nun das Drama! Das Vorderteil des Bootes war noch nicht gesunken, sondern stand schräg aus dem Waffer. Sämt­liche übrige Menschen standen darauf und schrien durcheinander. Alles dauerte nur drei bis vier Minuten. Wir auf unseren Planken krallten uns im Holze fest. Die See ging über uns und erstarrte uns. Der Inge­nieur gesellte sich zu uns. Und das Boot sank. Wir trieben zirka Dreiviertelstunden, riefen die naheliegenden Schiffe an, keine Rettung. Trotz­dem blieben wir vollständig klar bei Sinnen. Des sehr schweren Wetters wegen konnte von den Linienschiffen kaum eine Kutter ausgesetzt werden. Ich sagte zu meinen Gefährten: -Noch zehn Minuten tragen uns die Bretter . . . dann ist Schluß." Da kam ein Kutter; dreimal zu­rückgeworfen, kam er endlich doch heran, und wir flogen hinein. Jetzt waren wir geborgen, und das Frieren fing an. Der Obermaat hatte Unterhose und Hemd, der Ingenieur Leder­zeug und ich nur Hemd an. Nach halbstündiger Fahrt kamen wir an Bord. Der Unterkörper war wie abgestorben. . .!

Die Bergungs-Arbeiten.

Rach einem Telegramm aus Helgoland sind die Bergungsarbeiten an dem Torpedo­boot S 178 wegen der Mrmischen See feit Sonntag eingestellt. Gestern sind der Hc- bekranOberelbe" und die Bergungsdampfer Reiher und Albatroß in Helgoland eingctrof- fen, um bei günstiger Witterung die Arbeiten fortzufetzen. Am Sonntag haben die Taucher des Bergungsdampfers Seeadler die Lage deS Torpedobootes eingehend untersucht. Tie Un­tersuchung hat ergeben, daß das Boot in bet Mitte aufgebrochen ist. Der Vorderteil steht austecht auf dem Meeresboden. Der hin­tere Teil ist gekippt und liegt mit dem Kiel nach oben. Ein Schornstein fehlt.

Eine Ballon-Katastrophe?

(Privat Telegramm.)

Berlin, 13. März.

In de« späten BbendMndcn waren gestern kn Berlin und Potsdam Gerüchte verbreitet, daß über den Potsdamer Wäldern ein Luft­schiff in Flammen aufgegangen und dann heruntergcstürzt fei. Von den in der Nähe liegenden Orten wurden sofort Feuer­wehren abgesandt, um nach dem Verbleib des Ballons zu forschen. Die Nachforschungen nach dem abgeMrzten Ballon, die bis spät in die Nacht hinein andauerten, brachten indessen lein Ergebnis. Bon den bei Berlin resp. Johannisthal, Potsdam und BieSdors statio­nierten Lenkballons kommt keiner in Betracht,

Was ist nun wahr?

Offiziöse Komödie der Irrungen: Die Norddeutsche Allgemeine gegen die Kölnische Zeitung, die Kölnische gegen die Norddeutsche; Säbelgeraffel und Friedensmahnen.

der

hat

Rechtfertigung ihres allzu-inipulstven Kriegs

Erachtens richtiger gewesen, wenn die Nord-

allgemeinen Bemerkungen unmöglich ist. haben schon darauf hingewiesen, daß es übcrzeugeiw wirken würde, wenn unsere lichen Stellen angesichts der verhetzenden

Eventualität, die Deutschland gegenseincn Willen aufgenötigt werden kann, soll die neue Wchrvorlage Vorkehrung treffen, indem sie in Ausführung der allgemeinen Wehr­pflicht die militärtaugliche, aber bisher freige-

deutsche Allgemeine Zeitung die Blätter, gegen deren Auslassungen sic sich wendet, genannt hätte. Man hätte dann kritisch zu ihren Aeuße- rungen Stellung nehmen können, was bei so

Wir nicht amt-

erflärt, daß das Kriegsgeschrei der Kölnischen Zeitung sozusagen ein Privatvergnügen des als Sprachrohr des Kanzlers bekannten rheini­schen Blattes sei und daß die amtlichen Stellen dem März-Alarm am Rhein völlig fe r n st ä n - den. Diese Feststellung wäre erfreulich, wenn sie der Wirklichkeit bedingungslos gerecht wür­de: Frühere Erfahrungen haben indessen be­wiesen, daß mitunter im Schoße der Regierung Politik gegen die Regierung gemacht wird, und zwar auf dem längst nicht mehr ungewöhn­lichen Wege der Presse-Beeinflussung. Man nennt dasPolitik auf eigne Faust, eigne Rech­nung und Gefahr", und wer h i n t e r die Ku­lissen der Berliner Wilhelmstraße gesehen, weiß, daß Erscheinungen dieser Art nicht etwa Ausnahmen, sondern Regel sind. Die Versiche­rung des norddeutsch-allgemeinen Kanzler­blatts, daßdie amtlichen Stellen diesen Arti­keln fernstehen", hat also nur dann Wert und Bedeutung, wenn sie in der Form gedeutet werden darf, daß irgend eine Amtsperson an dem volkerregcnden Rhein-Alarm nicht beteiligt gewesen ist. Und Das hat die Nord­deutsche leider festzustellen vergessen. Die Kölnische Zeitung selbst läßt sich zur

ganz sicher, werden mit den Franzosen die Klinge zu kreuzen haben. Wann dgs geschehen wird, kann niemand wissen..." Das klang wie Säbelgerassel, weckte in Handel und Industrie ernste Sorge und ließ vorm Auge des entsetzten Bürgers das Kriegsgespenst in nächster Nähe vorüber­huschen. Jst's so weit, daß jeder Moment ein neues Agadir und eine Katastrophe bringen kann, dann (dachten die Erschrocknen) heißt's auf der Hut fein: Gegenüber dem Rasseln der Schwerter am Rhein schien selbst der Kriegs­tanz an der Russengrenze in den hitzigsten Ta­gen der Balkankrise ein Kinderspiel.

werden würde, die Notwendigkeit der neuen Wehrvorlage zu begründen, wenn sie nur klar und deutlich und ohne Verschleierung auf die Seite Hinweisen wollte, von der uns Gefahr drohe, und auf der alle Welt die Gefahr emp­finde : Nämlich auf Frankreich.Nie ist (so versicherte uns der Trommler zum Revanche- Wirbel) das Verhältnis zu unserem westlichen Nachbarn so gespannt gewesen, wie heute, nie hat sich dort der Rachegedanke so unver­hüllt gezeigt, und nie ist es so offenbar gewor­den, daß man in Frankreich die russische Bun- deshilse und die englische Freundschaft nur zu dem Zweck beansprucht, Elsaß-Lothrin-

laffcne junge Mannschaft zum Dienst mit Waffe heranzieht. . .!"

Die Antwort vorn Rhein.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung

Die Stimme des Kanzlers.

Unterdessen hat (in des Kanzlers Auftrag) die Norddeutsche Allgemeine Zeitung gespro­chen: Die offiziöse Wilhelmftraßen-Schwester zur offiziösen Schwester am Rhein. Das Blatt des Kanzlers fährt mit hörbarem Ruck in den Koller und ruft,ins Land:In einzelnen deutschen Zeitungen sind in diesen Tagen alarmierende Artikel mit Bezug auf die gegenwärtige oder demnächst zu erwartende europäische Lag evcrbreitet worden. Wie die amtlichen deutschen Stellen, die diesen Ar­tikeln gänzlich fernstehen, die Situation beurteilen, ist wiederholt in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung ausgeführt worden. Die gemeinfamen Bemühungen der Großmächte ha­ben bereits, wie auch der englische Premier­minister es soeben klar festgeftellt bat, wert­volle Ergebnisse erzielt. Wir halten daran fest, daß es dieser gemeinsamen Arbeit gelingen wird, auch der noch verbliebenen Schwierigkeiten Herr zu werden. Diese Zu­versicht hat eine besondere Stärkung durch die von Europa dankbar begrüßte Vereinbarung erfahren, die Oesterreich-Ungarn und Rußland soeben über die Reduktion ihrer militärischen Maßnahmen getroffen haben. Wenn in den erwähnten Artikeln andererseits die geplante deutsche Heeresverstärkung mit einer angeblichen Verschlechterung der Beziehungen Deutschlands mit dem einen oder anderen Rachbar motiviert wird, die zu

einem kriegerischen Konflikt

Drohungen französischer Leberpatrioten den Kopf in den Sand stecke« und sich die Be­gründung der großen Opfer, die man dem deutschen Volke zumutet, ausschließlich vom Balkan herholen wollten. Mit recht gemischten Gefühlen wird man auch in der Regierungs­kundgebung den Satz lesen:Kein Tmtscher wird die Verantwortung auf sich nehmen wol­len. daß in einem Kampfe, der uns gufgenötigt werden sollte, nicht alle Wehrfähigen auch als Soldaten zur Verteidigung von Haus und Hof bereitstehen." Ist uns Deutschen auch diese Verantwortung erst auf dem Bal­kon erwachsen? Wir meinen, nicht erst dort sei uns die Erkenntnis gekommen, daß uns noch einmal ein Kamps aufgenötigt werden könne. Seit Agadir war das allen Deutschen klar. Aber unsere Regierung und unsere Heeresverwaltung hatten bis vor ganz kurzem allerdings die Verantwortung dafür auf sich genommen, daß wir auch mit der bisher bei uns angewandten beschränkten Wehrpflicht einen solchen Kampf bestehe« könn­ten. Noch im vorigen Jahre war von ihrer Ausdehnung auf alle Wehrfähigen, die jetzt all­gemein als Pflicht empfunden wird, keine Rede. Auch uns ist eine solche Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht sehr sympathisch. Da sie aber die Heeresverwaltung bisher nicht forderte, glaubten wir. nicht päpstlicher sein zu dürfen als der Papst, und im Vertrauen auf deren sachkundige Beurteilung dem Volke diese Mehrbelastung sparen zu können. Dieses Bertrane« scheint allerdings nicht gerecht­fertigt gewesen zu sein. Das müssen wir wenigstens annehmen, so lange uns nicht ein einleuchtender Grund dafür angegeben wird, weshalb sich an den maßgebenden Stellen die

Es ist immer wieder die alte Geschichte: Unsre offiziöse Presse richtet mehr Unheil, mehr Verwirrung und mehr Schaden an als die vom Kanzler oft und hart gescholtne Vertvilderung der öffentlichen Meinung" im gesamten Arbeits- und Kulturbereich der Druk- kerschwärze, und der neueste Fall ist für die Disziplin- und Planlosigkeit offiziöser Stim­mungsmache so charakteristisch, daß nun selbst Herr von Bethmann Hollweg sich nicht mehr der Notwendigkeit entziehen kann, dem grau­samen Spiel ein Ende zu bereiten. Wie es kam? Ueberraschend und unverantwortlich, wie's seit den Tagen von Agadir löblicher Brauch geworden im Betrieb des Herrn Ham- mann. Am elften Märztag brachte die Kölnische Zeitung, die von altersher zur Berliner Wil­helmstraße enge Beziehungen unterhält und in deren Spalten verantwortliche und nicht ver­antwortliche Teilnehmer am Regierungsge­schäft ihres Geistes Spuren zu hinterlassen pflegen, einen Alarm-Artikel, der die nicht gra­de vorösterlich-poetische UeberschriftDer Stö­renfried" trug. In diesem Artikel, dessen Stilkunst die etwas ungelenke Feder des Grü­nen Tisches vermuten ließ, wurde gesagt, daß es der deutschen Regierung gar nicht schwer

dränge, so sind derartige Ausführungen auf

Aussichten über Deutschlands Wehrfä-

das Entschiedenste zurückzuweisen.

I) i gleit von heute auf morgen oder vielmehr

Daß die gesamten europäischen Machtverhält- niffe durch die Vorgänge auf dem Balkan eine Verschiebung erlitten habe«, von der mit­telbar auch Deutschland berührt wird, ist eine jedem einleuchtende Tatsache. Solange der ewige Wrlifriede noch nicht garantiert ist, mutz Deutschland damit rechnen, daß es in einen Krieg genötigt fein kann, seine weitgestreüten Grenzen nach mehreren Seite« zu verteidigen, und daß es dereinst um seine Existenz ringen wird. Für eine solche

vom vorigen bis zu diesem Jahr geändert h a b en ..

Wer spielt Komödie?

Die Antwort der Kölnischen ist noch schrof­fer als die Zurechtweisung seitens der Siord- deut scheu. Und man fragt sich: Wer ist hier im Reckst? Der Mahner am Rhein oder der Schwichnger in Berlin? Das Volk hat ein Recht. Aufklärung zu verlangen, denn zum Komödienspiel ist heut nicht Zeit. Oder denkt man in Berlin darüber anders? F. II.

da alle in ihre« Hallen wohlgeborgen find. Es kann stch also, wen« die Nachricht zutrisst, nur um ein fremdes Luftschiff handeln.

3er BersShmmgsPrinz?

Der Berliner Befuch des Prinzen von Wale S Neben soviel beunruhigenden Nachrichten kam in den letzten Tagen auch die beruhigende, daß der englische Kronprinz der deut­schen Reichshauptstadt einen längeren Besuch abstatten werde. Als politisches Symptom ist dieser Besuch nicht zu überschätzen, aber noch weniger zu unterschätzen. Der englische Thron­folger dürfte sich kaum außer Landes begeben, wenn die Kriegsgefahr wirklich fo un­mittelbar wäre, wie sie noch vor ein paar Ta­gen hin offiziöses rheinisches Blatt angedeutet hat. Mindestens ist der Besuch ein Zeichen da­für, daß die Regierungen von London und Berlin in allernächster Zeit an keine Verwick­lungen glauben, die zwischen ihnen zu ernster Auseinandersetzung führen könnten.

Haldanes und Kiderlens Werk.

(Informationen unseres W. ^.-Mitarbeiters.) Berlin- 13. März.

Der Besuch des Prinzen von Wales in Berlin verfolgt zwei Zwecke. Einen rein per­sönlichen und einen politischen. Der persön­liche Zweck ist darin zu suchen, daß der eng­lische Thronfolger in Berlin seine Studien fortsetzen soll. Das war schon seit langem in Aussicht genommen und man darf mitteflen, daß es auf den Rat jenes guten Freun­des geschehen ist, den die deutsche Sache und die deutsche Kultur in England in der Person Lord Haldanes hat, der bis zum vergan­genen Sommer Englands Kriegsminister war und sich der besonderen Freundschaft König Georgs erfreut. Haldane hat selbst in Deutsch­land studiert, er ist ein großer Verehrer Goethes und hat dem König Georg wiederholt vorge­schlagen, den Thronfolger auch einmal nach Deutschland zu schicken. Bei seiner Anwesen­heit in Jüttliit int vergangenen Jahre wußte es Lord Haldane auch zu ermöglichen, daß Kaiser Wilhelm Kenntnis von dem Plane erhielt, der ein Studium des Prinzen von Wales in Deutschland vorsah, und die Folge davon war, daß im vergangenen Som­mer der deutsche Kaiser an den König von England

eine frenndliche Einladung zum Besuch seines Sohnes in Deutschland sandte. Es wurde darüber verschiedentlich hin- und her korrespondiert und die endgültige An­kündigung des Besuches erfolgte in einem herzlichen Schreiben König Georgs um die Wende des Novembers. Man entsinnt sich, daß Herr von Kiderlen-Waechter in jener Zeit im Reichstag mit Worten wärm­ster Art von dengeradezu vertrauensvollen Beziehungen" sprach, die Deutschland neuer­dings mit England verbänden. Das war ge­rade an jenem Tage, als am Morgen die herzliche Ankündigung des Besuches des eng­lischen Thronfolgers in Berlin angelangt war, und der Kaiser hatte Herrn von Kiderlen tele­phonisch davon in eigener Person in Kenntnis gesetzt. Die Vorbereitungen für den Besuch des Prinzen sind ziemlich umsaffende. Mit Hilfe des Auswärtigen Amtes, der englischen Bot­schaft ist in reger Anteilnahme des Kaisers das Programm für den Besuch ausgearbeitet worden. Der Prinz von Wales soll bei seiner Anwesenheit in Berlin das deutsche Leben von allen Seiten kennen lernen, und demgemäß wird auch sein Aufenthalt in Deutschland von längerer Dauer sein.

Berlin»Leipzig - Dresden.

Wie es heißt, wird der Prinz von Wales gelegentlich seines Berliner Besuchs auch einer Sitzung des Reichstags beiwohnen und große Berliner Jndustrieunternehmungen besichtigen. Jedenfalls wird er auch seinen Vater bei der Hochzeit der Prinzesfin Viktoria Luise ver­treten. In das Programm sind auch einige Ausflüge nach deutschen Städten eingeschloffen. So wird der Prinz beispielsweise einen Tag in Dresden verbringen und von da nach Leipzig reisen, falls dort die große inter­nationale Bauausstellung schon vollendet sein sollte. Der politische Zweck des Besuches ist leicht zu erkennen: Er soll eben darstellen, daß zwischen Deutschland und England wirklich eine Entspannung eingetreten ist.

Pavss Vim und fern Arzt.

Pater Bernardo, der Natnrarzt.

(Von unferm E. O.-Mitarbeiter.)

Rom, 13. März.

Wenn die Gefundheit des Papstes, mit der es manchmal recht schlecht bestellt war, immer wieder gebessert werden konnte, so ist das nicht das Verdienst der Aerzte, die der Papst nut in besonders kritischen Fällen zu Rate zieht. Es ist vielmehr ausschließlich das