Einzelbild herunterladen
 

Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

gnferttonäprelfe: Die fechSgefpaltene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Pfz-, für au«, roärttge Inserate 25 Pt. ReklainsiSlie für einheimische Geschäfte 43 Pf, für auswärtige Geschäfte SO Pf. Einfache Beilagen für die Sesamtaullage werden mit 5 Mark pro Tausend de. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Melden, und der Umgebung find die Lasfeier Steuerten Nachrichten ein vorzügliche« Jnserttonsorgan. Geschäftstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW.. Friedrich trabe 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584

Nummer 83. Fernsprecher 951 und 952. Donnerstag, 13. März 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

Die Casseler 'Jteueflen Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend«. Der AbonnementSprets beträgt monatlich 60 Pfg. bet freier Zustellung ins Hau«. Bestellungen werden wderzett oo» der Geschäftsstelle ober den Boten entgegengenommen. TruSerei, Verlag und Redaktion: Schlachthosstraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bi« 8 Uhr abenbä. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: geben Mittwoch unb Freitag von 6 bi« 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, drledrtchrtr 18, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.

Set Bekennet vom Rhein t.

Pfarrer Karl Jatho gestorben.

Wie Depeschen aus Köln berich­ten, ist dort der seit Wochen schwer kranke Pfarrer Karl Jatho am Dienstag abend kurz nach sieben Uhr im Alter von einnndsechzig Jahren gestorben. Jatho erlag einer Blutvergiftung, die er sich vor einigen Wochen beim Aussteigen aus einer Droschke in Halle a. d. Saale zugezogen hatte. Karl Jatho ist nicht mehr. Wie sein Le­ben ein Kampf um Sieg und Wahrheit ge­wesen, war auch sein Ringen mit dem Tode ein langer, schwerer Kampf unverbrauchter Lebens­kraft wider die lähmende Gewalt eines tragi­schen Verhängniffes, und nun, da der allzeit wackre Streiter stumm und starr auf der Bahre ruht, ist's, wie wenn eines Märtyrers Er­denwandel sich in letzter Schicksal-Duldung vollendet. Jathos Name wird der Erinne­rung der Nachlebenden noch vertraut und wert sein, wenn über seinem Grab der Denkmalstein schon bröckelt; sein Kampf um Wahrheit und Erkenntnis hat den Pfarrer von Sankt Rei- noldi in Köln zur Höhe rühmlicher Mannestat emporgetragen, und wir alle, die wir in dem nun Entschlafnen den glaubens- und zuversicht- starken, in allen Anfechtungen lutherfromm standhaften Christen verehrten, nehmen aufrich­tigen Anteil an der Tragödie, die nach der Ent- amtung des am Ideal seines lautern Christen- tums nie irre gewordnen Priesters nun auch den Mensche n Jatho zu Fall gebracht. In der Erinnerung verdichten sich die düstern Linien des nwdernen Christen-Dramas zu ei­nem Bild, das Herz und Gemüt wie kalter Eiseshauch berührt: Nach zwei Tagen einge­hender, den Kern der Dinge aber dennoch nicht ergründender Verhandlungen erkannte das Spruchkollegium evangelischer Schristge- lehrter als Recht und Gerechtigkeitsgebot, daß die fernere Wirksamkeit des Kölner Pfarrers Jarho als Prediger im Dienst der evangeli­schen Landeskirche unmöglich sei und im Jnter- esie der kirchlichen Ordnung und Disziplin nicht geduldet werden dürfe. Fällte den schrof­fen Spruch, trotzdem beredte Zungen für den Ketzer vom Rhein" stritten, trotz der Zwanzig­tausend, die im deutschen Land in Heller Begei­sterung den unerschrocknen Künder neuer Lehre feierten, und trotz der lautern Christlichkeit-Zeug- niffe, die dem vors Kollegium der Dreizehn Zitierten aus der Pfarrgemeinde am Rhein das Geleit zum Richtertisch gaben.

Das Urteil der Dreizehn droht in der evan­gelischen Christenheit zu verhängnisvollem Zwiespalt Anlaß zu geben, denn die Jatho- Bewegung, die schon vorm Spruch des kirch­lichen Gerichts im ganzen Reich zur Hochflut der Erregung anschwoll, wird vermutlich zu ei­nem neuenWahrheit-Kampf" im Schoß der evangelischen Landeskirche werden, zu einem jener Kämpfe, wie wir sie in den letzten Jahr­zehnten leider Vie! zu oft übers Blachfeld friedlicher Gläubigkeit haben dahinbrausen se­hen; niemals segenspendend, immer zerstörend, vernichtend und verderbend. Das Ende ist nicht abzusehen; aber schon Das, was bisher an Aeußerungcn der Massenstimmung merkbar wurde, läßt ahnen, daß die Bewegung zur Herzens- und Gemütssache geworden ist, und demgemäß auch ihre Wirkungen äußern wird. Und das ist das Verhängnisvolle: Ter Fall Jatho" darf (wenn man der Sache ge­recht werden will) nicht vom Standpunkt des Empfindens aus, oder unterm Gesichtswin­kel der Gemüts- oder Herzens-Stimmung be­trachtet werden, sondern seine Beurteilung muß unter sorgfältiger und ausschließlicher Berücksichtigung der kirchlich- und allge­mein - rechtlichen Momente erfolgen. Ge­nachtet man den Ursprung mid die Ent­wicklung des Falles von diesem Standpunkt aus, dann verliert das Bild des Märtyrers zuuächst den finster-orthodoxen Hintergrund, und in der weitern logischen Erlenntnisfolge verblaßt auch das Schreckgespenst desKetzer­gerichts", das in den Junitagen des Vorjahrs über den Bekenner von Köln zu Rate saß.

Pfarrer Jatho hat vor seinen Richtern das Bekenntnis seiner Ueberzeugung freimütig of­fenbart, und damit zu erkennen gegeben, daß zwischen ihm und der Grundlehre der evangeli­schen Landeskirche unüberbrückbare Gegensätze bestehen. Jathos Lehre und stolzer Bekcnner- mui haben in der evangelischen Christenheit ein lautes Echo geweckt, und wie in der Zweitage- Derhandlung vor dem Spruchkollegium durch glaubenseiftigc Zeugen bekundet wurde, hat in der Kölner Protestantengemeinde, deren Seelsorge Jatho übertragen war, niemals ein so reges und echtes religiöses Leben geherrscht, als grade unter Jathos Priestrrhand, die den

Christusglauben zu starker Wirksamkeit erweck­te. Es ist auch unzweifelhaft manches in dem Bekenntnis Jathos enthalten, das menschlichem Empfinden näher kommt, als der Geist star­rer Dogmen, der dem Herzen fremd und der menschlichen Erkenntnis ewig verschlossen bleibt; aber das alles kann (und darf) doch nicht über die Kernftage desFalles" Hinweg­täuschen: War der Prediger einer religiösen Ueberzeugung, wie sie Pfarrer Jatho als da« Ergebnis langen Wahrheit-Ringens mit stol­zem Freimut offenbart hat, noch als Priester einer Kirche denkbar, deren Grundlehren zu seinem Bekenntnis in diametralem Gegensatz stehen? Diese Frage ist ohne weiteres zu ver­neinen, und das Urteil des Dreizehner-Kol­legiums entsprach deshalb den logischen Kon­sequenzen des Falles und dem Willen des Ge­setzes, das vor zwei Jahren zur Umhürdung der Landeskirche vor dem Einbruch irrender Lehre erfunden ward. Der Mensch und der C h r i st Jatho ist uns darum sicher nicht we­niger sympathisch geworden, im Gegenteil: Sein Bekennermut hat Begeisterung und lauten Wi­derhall geweckt und die Saat, die seine Hand ausstreute, wird Früchte tragen und nutzbar werden. Aber über dem Rein-Menschli­chen darf das Prinzip des geltenden Rechts nicht vergessen werden, denn nicht die Gerech­tigkeit a n s i ch, sonder der Buchstabe forma­len Rechts war's, der den Pfarrer von Köln des Priestertalars entkleidete.

Kein Ankläger, kein Richter und kein Eife­rer hat Karl Jatho der Sünde wider den hei­ligen Geist christlicher Ueberzeugung zeihen können, keiner ihn mit dem Vorwurf antichrist­lichen Wandels und christenfeindlicher Lehre bemakeln dürfen: Was ihm als Sünde ange­rechnet ward, war seine, auf lange Wahrheit- und Erkenntnisforschung gegründete Auffassung vom Wesen des christlichen Göttlichkcitsbe- griffs, war sein Zweifel an der Dogmenstarre Heiligkeit und sein Bekenntnis zur sittlichen Schöpferkraft menschlicher Tugend. Der Pfar­rer von Sankt Reinoldi bestritt, daß die christ­liche Religion die höchste und vollkommenste Offenbarung Gottes sei; ihm erschien vielmehr die Fortentwicklung der Welt bis in unendliche Ewigkeiten die logischste und natürlichste Wahr­scheinlichkeit aller unserm Empfinden nicht er­kennbaren Entwicklung. Der Diener des Got­tesworts, der pflichtgemäß den zur Sünden- Erlösnng Herbeieilenden das sakramentale Abendmahl reichte, verneinte bewußt die Not­wendigkeit eines erlösenden Mittlers zwischen Schöpfer und Geschöpf, denn der Mensch s e l b st ist (nach Jathos Auffassung) zu allem Guten fähig und erlöst sich durch die Befteiung von den Richtigkeiten irdischer Vergänglichkeiten in sich selber. Diese Ueberzeugung (kein Phan­tasie- oder Romantik-Produkt, sondern die Erkenntnis einer ernst um Wahrheit und Ltcht ringenden Seele) verschloß dem Bekenner vom Rhein die Pforten des Tempels der Landes­kirche und kein Spruchrichter-Kollegium das auf Lehrsatz mid Glaubensformel verpflichtet war, durste den Künder dieser Lehre der Acht der Kirche cntziehn. Karl Jathos -ragodie wurzelt nicht im tiefen Tal dunkelnder Küm­mernis und stummer Resignation: Sie fuhrt hinauf zu den Gipfelhöhen g-Mger und sittli­cher Kraft und der Pfarrer von Sankt Reinold, hätte nicht als Märtyrer, sondern als B of r e i e r aus diesem Leben scheiden können, wenn 1«m Christenheit-Ideal einer glücklichcrn als Sehnsuchtziel vorangeleuchtet hane^.

Pfarrer Karl Jatho, der gestern abend im Alter von einundsechzig Jahren an den Folgen einerBlmvergismng starb, di- er sich beim Aussteigen aus einer Droschke in Halle a. S. zuzog, war ein g borener Casselaner. - Er wurde 25 September 1851 in Cassel °ls Sohn ei­nes Pfarrers geboren und empfing Hw- seinen ersten Unterricht. Spater benichte er de Universitäten Marburg und L eipz'g unv war dann als Kandidat der Theologie m Aachen tätig. Im Alter von fünfundzwanzig Jahren beiratete er. Von Aachen mis gmg er als Pfarrer an die deutsch-evangelifche Gemein­de in B u k - r e st und blieb dort bis 1884- Nunmehr kehrte er nach DeMf chland zuruck und nahm eine Pfarrstelle in Boppard am Rhein an. Im Jahre 1891 wurde.er nach der rhei­nischen Metropole Köln verletzt und hier land er das Feld seiner Betätigung, m der er eine große Gemeinde um sich sammelte, bis das bekannte Urteil des Spruchkollcgiums feinem Wirken ein (Snbe- bereitete.

Her Londoner Friedensrat.

Die Botschafterkonferenz am Donnerstag.

London, 12. März. (Privat - Tele­ara m m.) Die nächste Sitzung der B o t - - Konferenz ist für Donners­

tag festgesetzt. In diplomatischen Kreisen wird erklärt, daß die Friedensvcrhandlungen mit der Türkei erst dann ausgenommen wer­den können, wenn die Türkei den Hauptforde­rungen der Verbündeten zugestimmt habe.

Midlich wird BemoMlifiett!

Rußland und Oesterreich rüsten ab.

Endlich ist das langersehnte Communique erschienen, das gleichlautend von der österrei­chisch-ungarischen und der russischen Regierung veröffentlicht wird und die Demobilisie­rung ankündigt. In dem Communique wird gesagt, daß nunmehr beide Regierungen zu dem Schluß gelangt sind, daß gewisse Maßnah­men defensiver Art, die in den Grcnzprovinzen beider Staaten ergriffen worden waren, durch die inzwischen eingetretenen Umstände h i n - fällig geworden seien. Rußland entläßt dreihundertsechzigtausend Mann. In dem Communique heißt es wörtlich:

Der Briefwechsel, der letzthin zwi­schen Kaiser Franz Joseph und Kaiser Niko­laus stattgesunden hat, hat von neuem be­wiesen, daß die Ereignisse auf der Balkan­halbinsel den freundschaftlichen Ge­fühlen zwischen den beiden Souveränen keinen Eintrag getan haben und daß die Er­haltung des Friedens fortgesetzt das Ziel ihrer Bemühungen bildet. Demgemäß sind die beiden Regierungen zu dem Schluß gelangt,^daß gewisse Maßnahmen rein de­fensiver A r t, die in den Grenzprovinzen der beiden Staaten ergriffen worden waren, durch die Umstände nicht mehr erfordert zu werden scheinen. Daher ist die H c r a b s e t- zung der Truppenstärke Oesterreich- Ungarns in Galizien auf einen normalen Stand soeben beschlossen worden, ebenso wird die Entlassung der russischen Re­servisten derjenigen Jahresklassc, die im Herbst des vergangenen Jahres hätte ent­lassen werden sollen, verfügt werden.

Um das Communique zu' ergänzen, ist die Petersburger Telegraphenagentur ermächtigt, mitzuteilen, daß (wie aus den Besprechungen mit dem Wiener Kabinett hervorgehen) Oester­reick-Ungarn keine Angriffsabstchten gegen seine südlichen Nachbarn hegt. Etn Privat - Telegramm aus Wien be­richtet uns, daß mit der Demobilisierung al­lerdings noch nicht gesagt sei, daß nunmehr alle mit dem Balkankrieg zusammenhängen­den Fragen als erledigt betrachtet werden könnten. Die Demobilisierimg bezieht sich nur aus das österreichisch-russische Grenzgebiet.

Was soll nun werden?

Paris, 12. März. (P ri va t-T el e- gram m.) Man hat hier soeben Kenntnis von dem Inhalt der den Großmächten zu über­mittelnden Rote der Balkanverbünde­ten erlangt. Die darin gestellten Forderungen sind ganz ungeeignet, um als Grundlage irgendwelcher Vermittlungstätigkeit zu dienen. Verlangt wird die sofortige bedingungslose Uebergabe von Adrianopel und Skutari. Von irgend einem Gegenzuge­ständnis ist aber nicht die Rede. Die Verbün­deten verweigern sogar den türkischen Waffen­stillstand. Angesichts der Undiskutierbarkeit die­ser Forderungen meint der Tcmps, jetzt müsse eine andere Methode zur Lösung des Valkanproblems gefunden werden.

Neue Stürme in der Türkei?

Kanstantin opel, 12. März. (Privat-Te- legramm.) Informationen, deren Zuver­lässigkeit sich einwandfrei bewährt hat, stellen eine bedenkliche Zuspitzung der inneren L a g e des Landes fest. Es sind Momente vor­handen, die darauf hindeuten, daß sich beide gegnerischen Truppen der Liga und des Komi­tees ;» einem vielleicht entscheidenden Zusammenstoß vorbereiten. Nach diesen Mitteilungen sollen überraschende Er­eignisse im Pereiche der Möglichkeit liegen. Ueberall in der ganzen Stadt herrscht regstes militärisches Leben und die National-Miliz zuni Schutz der Hauptstadt ist um 2000 Mann verstärkt worden.

Papst Pim als Genefenhet.

Die Besserung im Befinden schreitet fort.

Wie aus Rom berichtet wird, bat Papst Pius den gestrigen Tag gut verbracht. Im Vatikan betrachtet man die Erkrankung des Pavstes bereits als überstanden und man glaubt, daß der Papst, wenn die Besserung an- hält, die regelmäßigen Audicuzen vom Ende dieser oder Anfänge nächster Woche an wieder abhalten wird.

Die Stimmung in Rom.

Wie uns soeben ein Privat-Tcle- g r a m m aus Rom meldet, herrscht dort allge­mein die Auffassung vor. daß der Zustand des

Papstes weit bedenklicher gewesen ist, als in den vatikanischen Meldungen zugegeben wurde. Es verlautet, daß auch die vatikanischen Aerzte die st ä r k st e n Besorgnisse ge­äußert hätten und daß der Papst lange Zeit hindurch bewußtlos gewesen sei. Erst seit gestern früh habe die Besserung im Befinden des Kranken leicht eingesetzt.

Sas ßMllenzen-Patlament.

Die Berliner Minister-Konferenzen.

Seit Montag mittag kämpft Herr von Bethmann Hollweg im Reichsamt des Innern um seine Zukunft. Ob er Sieger bleibt, ist bis zur Stunde, da diese Zeilen ge­schrieben werden, noch nicht ersichtlich; aber das weiß man schon heute, daß sein Kampf ein schwerer ist, und daß fein Sieg nur ein Pyrrhussieg sein kann. Als man an den hohen und höchsten Stellen auf den überraschenden Gedanken dereinmaligen Kriegsum­lage" kam, da glaubte man aus den zermür­benden, wochenlangen Kämpfen um dieDek- kung". die noch immer zu keinem befriedigenden Ausweg geführt hatten, heraus zu sein. Der Gedanke dereinmaligen Kriegsumlage" toten so populär zu sein, daß man felsenfest an sei­nen Sieg glaubte. Aber seit Montag mittag dürften der Kanzler und seine Mitarbeiter an­derer Meinung sein. Wir erhalten darüber folgende Mitteilungen:

Der Kanzler und die Minister. (Informationen unseres W. L.-Mitarbeiters.) Berlin, 12. März.

Die Konferenzen im Rcichsschatzamt sind ge­stern zu Ende gegangen. Ob sie befriedigt haben? Wer weiß es? In unterrichteten Krei­sen bezweifelt man es. Sicher ist jedenfalls, daß eine Reihe von Bundesstaaten die einma­lige Kriegssteuer nur bewilligt, wenn zugleich annehmbar- Vorschläge für die Deckung der dauernden Ausgaben gemacht und vom Bun­desrat akzeptiert werden. Ter Kanzler hat sich am Moittag vergebens bemüht, die Erledigung der einmaligen Kriegssteuer von der Frage der dauernden Deckung zu trennen, und diese seine Bemühungen haben nahezu die ganzen Be­ratungen am Montag ausgesüllt. Da sie frucht­los verliefen, mußte sozusagen am gestrigen Dienstag der ganze Kampf von vorn begon­nen werden. Bis zum Montag war der Kanz­ler nun mit seinen Vorschlägen für die dauernde Deckung nicht hervorgctreten, gestern vormittag suchte er nun die Verhandlungen auf eine neue Basis zu stellen, indem er durch das preu­ßische Finanzministerium den Vorschlag machte, für die dauernde Deckung die R e i ch s - Ver - Mögenszuwachssteuer einzuführen. Die­ses Mittel hatte sich der Kanzler erst in letzter Stunde in Reserve gelegt. Man weiß zwar, daß er schon lange mit dem Gedanken der Vcr- mögenszuwachssteuer spielte: Aber erst am Sonntag wurde in aller Eile, Hals über Kopf das preußische Staatsministerium zusammengetrommelt, um seinerseits fest zu beschließen, daß von Preußen für die jetzige Bundesratskonferenz die V e r m v - genszuwachssteuer beantragt werden sollte. Bis zum Sonntag also war sich der Kanzler noch im Unklaren gewesen. Und der Beschluß des preußischen Staatsministeriums vom Sonntag erfolgte auch nur in aller Hast, um den Bundesrat sozusagen vor die Tatsache einer scheinbar klaren und beschlossenen Stellungnahme Preußens zu stellen. Die An­wendung dieses Beschlusses im Bundesrat be­hielt man sich ausdrücklich alsNotausgang" vor. Während der ganzen Montagsberatungen hat Herr von Bethmann Hollwcg kein Wort über die Entschließung des preußischen Mini­steriums vom Sonntag gesagt. Erst gestern vormittag überraschte er den Bundesrat damit. Aber die Opposition war aus solche Uebcr- raschungen vorbereitet. Zur selben Zeit, als nämlich das preußische Staatsministerium am Sonntag zusammentrat, trat in einem großen Berliner Hotel der sächsische Finanz­minister mit einigen seiner süddeutschen Kollegen zusammen, um den Standpunkt und die Strategie der Opposition frstzulegen. lind die nächsten Tage müssen nun zeigen, wer die besseren Strategen waren...!

Die Beschlüsse der Konferenz.

Berlin, 12. März. (Privat-Telr- g ramm.) Amtlich wird bekannt gegeben: Tie Konferenz der leitenden Minister und Finanz­minister der Bundesstaaten, die vorgestern und gestern unter dem Vorsitz des Reickskanzlers hier tagte, um über die Deckung der Kosten der neuen Heeresvorlage zu beraten, hat gestern ihre Beratungen zu Ende geführt. Die Not­wendigkeit der vorgeschlagenen Heeresver- stärkuna wurde allseitig anerkannt, der Erhebung einer einmaligen Abgabe vom Vermögen zur Deckung der einmali-