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Nummer 83. Fernsprecher 951 und 952. Donnerstag, 13. März 1913. Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.
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Set Bekennet vom Rhein t.
Pfarrer Karl Jatho gestorben.
Wie Depeschen aus Köln berichten, ist dort der seit Wochen schwer kranke Pfarrer Karl Jatho am Dienstag abend kurz nach sieben Uhr im Alter von einnndsechzig Jahren gestorben. Jatho erlag einer Blutvergiftung, die er sich vor einigen Wochen beim Aussteigen aus einer Droschke in Halle a. d. Saale zugezogen hatte. Karl Jatho ist nicht mehr. Wie sein Leben ein Kampf um Sieg und Wahrheit gewesen, war auch sein Ringen mit dem Tode ein langer, schwerer Kampf unverbrauchter Lebenskraft wider die lähmende Gewalt eines tragischen Verhängniffes, und nun, da der allzeit wackre Streiter stumm und starr auf der Bahre ruht, ist's, wie wenn eines Märtyrers Erdenwandel sich in letzter Schicksal-Duldung vollendet. Jathos Name wird der Erinnerung der Nachlebenden noch vertraut und wert sein, wenn über seinem Grab der Denkmalstein schon bröckelt; sein Kampf um Wahrheit und Erkenntnis hat den Pfarrer von Sankt Rei- noldi in Köln zur Höhe rühmlicher Mannestat emporgetragen, und wir alle, die wir in dem nun Entschlafnen den glaubens- und zuversicht- starken, in allen Anfechtungen lutherfromm standhaften Christen verehrten, nehmen aufrichtigen Anteil an der Tragödie, die nach der Ent- amtung des am Ideal seines lautern Christen- tums nie irre gewordnen Priesters nun auch den Mensche n Jatho zu Fall gebracht. In der Erinnerung verdichten sich die düstern Linien des nwdernen Christen-Dramas zu einem Bild, das Herz und Gemüt wie kalter Eiseshauch berührt: Nach zwei Tagen eingehender, den Kern der Dinge aber dennoch nicht ergründender Verhandlungen erkannte das Spruchkollegium evangelischer Schristge- lehrter als Recht und Gerechtigkeitsgebot, daß die fernere Wirksamkeit des Kölner Pfarrers Jarho als Prediger im Dienst der evangelischen Landeskirche unmöglich sei und im Jnter- esie der kirchlichen Ordnung und Disziplin nicht geduldet werden dürfe. Fällte den schroffen Spruch, trotzdem beredte Zungen für den „Ketzer vom Rhein" stritten, trotz der Zwanzigtausend, die im deutschen Land in Heller Begeisterung den unerschrocknen Künder neuer Lehre feierten, und trotz der lautern Christlichkeit-Zeug- niffe, die dem vors Kollegium der Dreizehn Zitierten aus der Pfarrgemeinde am Rhein das Geleit zum Richtertisch gaben.
Das Urteil der Dreizehn droht in der evangelischen Christenheit zu verhängnisvollem Zwiespalt Anlaß zu geben, denn die Jatho- Bewegung, die schon vorm Spruch des kirchlichen Gerichts im ganzen Reich zur Hochflut der Erregung anschwoll, wird vermutlich zu einem neuen „Wahrheit-Kampf" im Schoß der evangelischen Landeskirche werden, zu einem jener Kämpfe, wie wir sie in den letzten Jahrzehnten leider Vie! zu oft übers Blachfeld friedlicher Gläubigkeit haben dahinbrausen sehen; niemals segenspendend, immer zerstörend, vernichtend und verderbend. Das Ende ist nicht abzusehen; aber schon Das, was bisher an Aeußerungcn der Massenstimmung merkbar wurde, läßt ahnen, daß die Bewegung zur Herzens- und Gemütssache geworden ist, und demgemäß auch ihre Wirkungen äußern wird. Und das ist das Verhängnisvolle: Ter „Fall Jatho" darf (wenn man der Sache gerecht werden will) nicht vom Standpunkt des Empfindens aus, oder unterm Gesichtswinkel der Gemüts- oder Herzens-Stimmung betrachtet werden, sondern seine Beurteilung muß unter sorgfältiger und ausschließlicher Berücksichtigung der kirchlich- und allgemein - rechtlichen Momente erfolgen. Genachtet man den Ursprung mid die Entwicklung des Falles von diesem Standpunkt aus, dann verliert das Bild des Märtyrers zuuächst den finster-orthodoxen Hintergrund, und in der weitern logischen Erlenntnisfolge verblaßt auch das Schreckgespenst des „Ketzergerichts", das in den Junitagen des Vorjahrs über den Bekenner von Köln zu Rate saß.
Pfarrer Jatho hat vor seinen Richtern das Bekenntnis seiner Ueberzeugung freimütig offenbart, und damit zu erkennen gegeben, daß zwischen ihm und der Grundlehre der evangelischen Landeskirche unüberbrückbare Gegensätze bestehen. Jathos Lehre und stolzer Bekcnner- mui haben in der evangelischen Christenheit ein lautes Echo geweckt, und wie in der Zweitage- Derhandlung vor dem Spruchkollegium durch glaubenseiftigc Zeugen bekundet wurde, hat in der Kölner Protestantengemeinde, deren Seelsorge Jatho übertragen war, niemals ein so reges und echtes religiöses Leben geherrscht, als grade unter Jathos Priestrrhand, die den
Christusglauben zu starker Wirksamkeit erweckte. Es ist auch unzweifelhaft manches in dem Bekenntnis Jathos enthalten, das menschlichem Empfinden näher kommt, als der Geist starrer Dogmen, der dem Herzen fremd und der menschlichen Erkenntnis ewig verschlossen bleibt; aber das alles kann (und darf) doch nicht über die Kernftage des „Falles" Hinwegtäuschen: War der Prediger einer religiösen Ueberzeugung, wie sie Pfarrer Jatho als da« Ergebnis langen Wahrheit-Ringens mit stolzem Freimut offenbart hat, noch als Priester einer Kirche denkbar, deren Grundlehren zu seinem Bekenntnis in diametralem Gegensatz stehen? Diese Frage ist ohne weiteres zu verneinen, und das Urteil des Dreizehner-Kollegiums entsprach deshalb den logischen Konsequenzen des Falles und dem Willen des Gesetzes, das vor zwei Jahren zur Umhürdung der Landeskirche vor dem Einbruch irrender Lehre erfunden ward. Der Mensch und der C h r i st Jatho ist uns darum sicher nicht weniger sympathisch geworden, im Gegenteil: Sein Bekennermut hat Begeisterung und lauten Widerhall geweckt und die Saat, die seine Hand ausstreute, wird Früchte tragen und nutzbar werden. Aber über dem Rein-Menschlichen darf das Prinzip des geltenden Rechts nicht vergessen werden, denn nicht die Gerechtigkeit a n s i ch, sonder der Buchstabe formalen Rechts war's, der den Pfarrer von Köln des Priestertalars entkleidete.
Kein Ankläger, kein Richter und kein Eiferer hat Karl Jatho der Sünde wider den heiligen Geist christlicher Ueberzeugung zeihen können, keiner ihn mit dem Vorwurf antichristlichen Wandels und christenfeindlicher Lehre bemakeln dürfen: Was ihm als Sünde angerechnet ward, war seine, auf lange Wahrheit- und Erkenntnisforschung gegründete Auffassung vom Wesen des christlichen Göttlichkcitsbe- griffs, war sein Zweifel an der Dogmenstarre Heiligkeit und sein Bekenntnis zur sittlichen Schöpferkraft menschlicher Tugend. Der Pfarrer von Sankt Reinoldi bestritt, daß die christliche Religion die höchste und vollkommenste Offenbarung Gottes sei; ihm erschien vielmehr die Fortentwicklung der Welt bis in unendliche Ewigkeiten die logischste und natürlichste Wahrscheinlichkeit aller unserm Empfinden nicht erkennbaren Entwicklung. Der Diener des Gottesworts, der pflichtgemäß den zur Sünden- Erlösnng Herbeieilenden das sakramentale Abendmahl reichte, verneinte bewußt die Notwendigkeit eines erlösenden Mittlers zwischen Schöpfer und Geschöpf, denn der Mensch s e l b st ist (nach Jathos Auffassung) zu allem Guten fähig und erlöst sich durch die Befteiung von den Richtigkeiten irdischer Vergänglichkeiten in sich selber. Diese Ueberzeugung (kein Phantasie- oder Romantik-Produkt, sondern die Erkenntnis einer ernst um Wahrheit und Ltcht ringenden Seele) verschloß dem Bekenner vom Rhein die Pforten des Tempels der Landeskirche und kein Spruchrichter-Kollegium das auf Lehrsatz mid Glaubensformel verpflichtet war, durste den Künder dieser Lehre der Acht der Kirche cntziehn. Karl Jathos -ragodie wurzelt nicht im tiefen Tal dunkelnder Kümmernis und stummer Resignation: Sie fuhrt hinauf zu den Gipfelhöhen g-Mger und sittlicher Kraft und der Pfarrer von Sankt Reinold, hätte nicht als Märtyrer, sondern als B of r e i e r aus diesem Leben scheiden können, wenn 1«m Christenheit-Ideal einer glücklichcrn als Sehnsuchtziel vorangeleuchtet hane^.
Pfarrer Karl Jatho, der gestern abend im Alter von einundsechzig Jahren an den Folgen einerBlmvergismng starb, di- er sich beim Aussteigen aus einer Droschke in Halle a. S. zuzog, war ein g borener Casselaner. - Er wurde 25 September 1851 in Cassel °ls Sohn eines Pfarrers geboren und empfing Hw- seinen ersten Unterricht. Spater benichte er de Universitäten Marburg und L eipz'g unv war dann als Kandidat der Theologie m Aachen tätig. Im Alter von fünfundzwanzig Jahren beiratete er. Von Aachen mis gmg er als Pfarrer an die deutsch-evangelifche Gemeinde in B u k - r e st und blieb dort bis 1884- Nunmehr kehrte er nach DeMf chland zuruck und nahm eine Pfarrstelle in Boppard am Rhein an. Im Jahre 1891 wurde.er nach der rheinischen Metropole Köln verletzt und hier land er das Feld seiner Betätigung, m der er eine große Gemeinde um sich sammelte, bis das bekannte Urteil des Spruchkollcgiums feinem Wirken ein (Snbe- bereitete.
Her Londoner Friedensrat.
Die Botschafterkonferenz am Donnerstag.
London, 12. März. (Privat - Teleara m m.) Die nächste Sitzung der B o t - - Konferenz ist für Donners
tag festgesetzt. In diplomatischen Kreisen wird erklärt, daß die Friedensvcrhandlungen mit der Türkei erst dann ausgenommen werden können, wenn die Türkei den Hauptforderungen der Verbündeten zugestimmt habe.
Midlich wird BemoMlifiett!
Rußland und Oesterreich rüsten ab.
Endlich ist das langersehnte Communique erschienen, das gleichlautend von der österreichisch-ungarischen und der russischen Regierung veröffentlicht wird und die Demobilisierung ankündigt. In dem Communique wird gesagt, daß nunmehr beide Regierungen zu dem Schluß gelangt sind, daß gewisse Maßnahmen defensiver Art, die in den Grcnzprovinzen beider Staaten ergriffen worden waren, durch die inzwischen eingetretenen Umstände h i n - fällig geworden seien. Rußland entläßt dreihundertsechzigtausend Mann. In dem Communique heißt es wörtlich:
Der Briefwechsel, der letzthin zwischen Kaiser Franz Joseph und Kaiser Nikolaus stattgesunden hat, hat von neuem bewiesen, daß die Ereignisse auf der Balkanhalbinsel den freundschaftlichen Gefühlen zwischen den beiden Souveränen keinen Eintrag getan haben und daß die Erhaltung des Friedens fortgesetzt das Ziel ihrer Bemühungen bildet. Demgemäß sind die beiden Regierungen zu dem Schluß gelangt,^daß gewisse Maßnahmen rein defensiver A r t, die in den Grenzprovinzen der beiden Staaten ergriffen worden waren, durch die Umstände nicht mehr erfordert zu werden scheinen. Daher ist die H c r a b s e t- zung der Truppenstärke Oesterreich- Ungarns in Galizien auf einen normalen Stand soeben beschlossen worden, ebenso wird die Entlassung der russischen Reservisten derjenigen Jahresklassc, die im Herbst des vergangenen Jahres hätte entlassen werden sollen, verfügt werden.
Um das Communique zu' ergänzen, ist die Petersburger Telegraphenagentur ermächtigt, mitzuteilen, daß (wie aus den Besprechungen mit dem Wiener Kabinett hervorgehen) Oesterreick-Ungarn keine Angriffsabstchten gegen seine südlichen Nachbarn hegt. Etn Privat - Telegramm aus Wien berichtet uns, daß mit der Demobilisierung allerdings noch nicht gesagt sei, daß nunmehr alle mit dem Balkankrieg zusammenhängenden Fragen als erledigt betrachtet werden könnten. Die Demobilisierimg bezieht sich nur aus das österreichisch-russische Grenzgebiet.
Was soll nun werden?
Paris, 12. März. (P ri va t-T el e- gram m.) Man hat hier soeben Kenntnis von dem Inhalt der den Großmächten zu übermittelnden Rote der Balkanverbündeten erlangt. Die darin gestellten Forderungen sind ganz ungeeignet, um als Grundlage irgendwelcher Vermittlungstätigkeit zu dienen. Verlangt wird die sofortige bedingungslose Uebergabe von Adrianopel und Skutari. Von irgend einem Gegenzugeständnis ist aber nicht die Rede. Die Verbündeten verweigern sogar den türkischen Waffenstillstand. Angesichts der Undiskutierbarkeit dieser Forderungen meint der Tcmps, jetzt müsse eine andere Methode zur Lösung des Valkanproblems gefunden werden.
Neue Stürme in der Türkei?
Kanstantin opel, 12. März. (Privat-Te- legramm.) Informationen, deren Zuverlässigkeit sich einwandfrei bewährt hat, stellen eine bedenkliche Zuspitzung der inneren L a g e des Landes fest. Es sind Momente vorhanden, die darauf hindeuten, daß sich beide gegnerischen Truppen der Liga und des Komitees ;» einem vielleicht entscheidenden Zusammenstoß vorbereiten. Nach diesen Mitteilungen sollen überraschende Ereignisse im Pereiche der Möglichkeit liegen. Ueberall in der ganzen Stadt herrscht regstes militärisches Leben und die National-Miliz zuni Schutz der Hauptstadt ist um 2000 Mann verstärkt worden.
Papst Pim als Genefenhet.
Die Besserung im Befinden schreitet fort.
Wie aus Rom berichtet wird, bat Papst Pius den gestrigen Tag gut verbracht. Im Vatikan betrachtet man die Erkrankung des Pavstes bereits als überstanden und man glaubt, daß der Papst, wenn die Besserung an- hält, die regelmäßigen Audicuzen vom Ende dieser oder Anfänge nächster Woche an wieder abhalten wird.
Die Stimmung in Rom.
Wie uns soeben ein Privat-Tcle- g r a m m aus Rom meldet, herrscht dort allgemein die Auffassung vor. daß der Zustand des
Papstes weit bedenklicher gewesen ist, als in den vatikanischen Meldungen zugegeben wurde. Es verlautet, daß auch die vatikanischen Aerzte die st ä r k st e n Besorgnisse geäußert hätten und daß der Papst lange Zeit hindurch bewußtlos gewesen sei. Erst seit gestern früh habe die Besserung im Befinden des Kranken leicht eingesetzt.
Sas ßMllenzen-Patlament.
Die Berliner Minister-Konferenzen.
Seit Montag mittag kämpft Herr von Bethmann Hollweg im Reichsamt des Innern um seine Zukunft. Ob er Sieger bleibt, ist bis zur Stunde, da diese Zeilen geschrieben werden, noch nicht ersichtlich; aber das weiß man schon heute, daß sein Kampf ein schwerer ist, und daß fein Sieg nur ein Pyrrhussieg sein kann. Als man an den hohen und höchsten Stellen auf den überraschenden Gedanken der „einmaligen Kriegsumlage" kam, da glaubte man aus den zermürbenden, wochenlangen Kämpfen um die „Dek- kung". die noch immer zu keinem befriedigenden Ausweg geführt hatten, heraus zu sein. Der Gedanke der „einmaligen Kriegsumlage" toten so populär zu sein, daß man felsenfest an seinen Sieg glaubte. Aber seit Montag mittag dürften der Kanzler und seine Mitarbeiter anderer Meinung sein. Wir erhalten darüber folgende Mitteilungen:
Der Kanzler und die Minister. (Informationen unseres W. L.-Mitarbeiters.) Berlin, 12. März.
Die Konferenzen im Rcichsschatzamt sind gestern zu Ende gegangen. Ob sie befriedigt haben? Wer weiß es? In unterrichteten Kreisen bezweifelt man es. Sicher ist jedenfalls, daß eine Reihe von Bundesstaaten die einmalige Kriegssteuer nur bewilligt, wenn zugleich annehmbar- Vorschläge für die Deckung der dauernden Ausgaben gemacht und vom Bundesrat akzeptiert werden. Ter Kanzler hat sich am Moittag vergebens bemüht, die Erledigung der einmaligen Kriegssteuer von der Frage der dauernden Deckung zu trennen, und diese seine Bemühungen haben nahezu die ganzen Beratungen am Montag ausgesüllt. Da sie fruchtlos verliefen, mußte sozusagen am gestrigen Dienstag der ganze Kampf von vorn begonnen werden. Bis zum Montag war der Kanzler nun mit seinen Vorschlägen für die dauernde Deckung nicht hervorgctreten, gestern vormittag suchte er nun die Verhandlungen auf eine neue Basis zu stellen, indem er durch das preußische Finanzministerium den Vorschlag machte, für die dauernde Deckung die R e i ch s - Ver - Mögenszuwachssteuer einzuführen. Dieses Mittel hatte sich der Kanzler erst in letzter Stunde in Reserve gelegt. Man weiß zwar, daß er schon lange mit dem Gedanken der Vcr- mögenszuwachssteuer spielte: Aber erst am Sonntag wurde in aller Eile, Hals über Kopf das preußische Staatsministerium zusammengetrommelt, um seinerseits fest zu beschließen, daß von Preußen für die jetzige Bundesratskonferenz die V e r m v - genszuwachssteuer beantragt werden sollte. Bis zum Sonntag also war sich der Kanzler noch im Unklaren gewesen. Und der Beschluß des preußischen Staatsministeriums vom Sonntag erfolgte auch nur in aller Hast, um den Bundesrat sozusagen vor die Tatsache einer scheinbar klaren und beschlossenen Stellungnahme Preußens zu stellen. Die Anwendung dieses Beschlusses im Bundesrat behielt man sich ausdrücklich als „Notausgang" vor. Während der ganzen Montagsberatungen hat Herr von Bethmann Hollwcg kein Wort über die Entschließung des preußischen Ministeriums vom Sonntag gesagt. Erst gestern vormittag überraschte er den Bundesrat damit. Aber die Opposition war aus solche Uebcr- raschungen vorbereitet. Zur selben Zeit, als nämlich das preußische Staatsministerium am Sonntag zusammentrat, trat in einem großen Berliner Hotel der sächsische Finanzminister mit einigen seiner süddeutschen Kollegen zusammen, um den Standpunkt und die Strategie der Opposition frstzulegen. lind die nächsten Tage müssen nun zeigen, wer die besseren Strategen waren...!
Die Beschlüsse der Konferenz.
Berlin, 12. März. (Privat-Telr- g ramm.) Amtlich wird bekannt gegeben: Tie Konferenz der leitenden Minister und Finanzminister der Bundesstaaten, die vorgestern und gestern unter dem Vorsitz des Reickskanzlers hier tagte, um über die Deckung der Kosten der neuen Heeresvorlage zu beraten, hat gestern ihre Beratungen zu Ende geführt. Die Notwendigkeit der vorgeschlagenen Heeresver- stärkuna wurde allseitig anerkannt, der Erhebung einer einmaligen Abgabe vom Vermögen zur Deckung der einmali-