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Casseler Neueste Nachrichten

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Nach den Feierklängen.

Die drohende internationale Gefahr.

Die JubelgLocken der Jahrhundert­feier haben für eines Tages Dauer die Sorge überdröhnt, die auf der Schwelle lauert, haben den Blick vom Brandherd in Europens Wetter­winkel abgelenkt und in unfern Seelen die Er­innerung an jene Zeit lebendig werden lassen, da deutsche Waffentat engende Fesseln zerriß und drohende Gefahren niederzwang. Aber die Feierklange verrtmschen, Girlanden und Kranzgewinde welken und Leben und Wirk­lichkeit heischen wieder ihre Rechte. Ein Blick aufs Nächste schon läßt uns erkennen, daß es nicht Winzigkeiten sind, die unsre Kraft erfor­dern: Die neue Heeresvorlage ist nun der letz­ten Geheimnishüllen entkleidet, präsentiert sich dem Auge als riesenhaft gefügtes Wehrver­stärkungs-Projekt und läßt ahnen, daß die Ur­sachen. die sie in's Leben riefen, zwingender und sozusagen gewalttätiger Natur gewesen. Von offiziösen Interpreten Bethmann'scher Po­litik ist uns erzählt worden, den Anstoß zu der nationalen Rüstungsstählung habe eizentlich der Balkankrieg gegeben, der das europäische Mächte-Gleichgewicht gestört und die Möglichkeit einer Friedensgefährdung auf der Erde Europas näher an den Wirklichkeits- bereich herangerückt habe. Das allgemeine Rüstungfieber zeigt uns indessen, daß die Gefahr sich nicht auf den Balkan-Wetterwinkel be­schränkt, sondern daß aus dem Türken-Drama sich Komplikationen entwickeln können, die mög­licherweise das gesamte Europa in Mit­leidenschaft ziehen werden. Und für diesen Fall gerüstet und bereit zu sein, ist die Forde­rung des Tags.

Ueber das diplomatische Balkan-Fangball­spiel lächeln bereits die kleinsten Hühnchen, das Gerede überEntspannung" undKlärung". Verschärfung" undZuspitzung" langweilt längst die geduldigsten Bierbank-Männer, und man hat sich daran gewöhnt, die Siegs- und Phantasiedepeschen-Konkurrenz der Balkan- Helden mit dem gleichen Interesse zu verfolgen, wie man dem Ende eines Boxmatches oder eines Fußball-Wettbewerbs entgegenharrt. Es ist auch nicht das auf offner Szene spielende, etwas karikaturistisch gefärbte Balkan-Drama, das die Welt in Atem hält und Europas Großmächte spornt, das Pulver trocken und das Schwert scharf zu halten: Das Bedeutsame, das eigentlich Dramatische in der Folge und in der Entwicklung der Ereignisse spielt sich hinter den Kulissen, in den Diplomatenstuben der internationalen Politik ab, und Das, was dort in jüngster Zeit geschehen, darf von uns als Mahnung und Warnung geschätzt werden. Die Zentrale der Kulissen-Politik hat in der Londoner Downing Street ihre Stätte, und es ist das Verdienst Karl Max Lichnowskys, des Biebersteiners Erben im deutschen Botschaf­terhaus an der Themse, die verantwortlichen Stellen in Berlin über die Bedeutung der in London (unter Sir Edward Greys raffiniert erklügelter Regie) gcwobnen Kulissen-Politik derart orientiert zu haben, daß Mißverständ­nisse und verlegne Deutelungen nicht der Tat­sachen Wirklichkeitsgehalt verdunkeln konnten. Mit andern Worten: Fürst Lichnowsky war der Erste, der von der Themse her das Warnungssignal nach Berlin gab, und die Eile, mit der dann gearbeitet wurde, um die Heeres- verstärkung zu verwirklichen, beweist, daß Lich­nowsky nicht nur Gespenster gesehen, als er hinterm Londoner Friedensspiel Gefahren wit­terte.

In welcher Form die in flüchtigen Konturen bereits sichtbaren Gefahren sich einmal praktisch offenbaren werden, läßt sich heute nur vermu­ten; sicher ist nur das Eine: Der Anlaß und Ausgangspunkt der sich vorbereitenden Macht­verschiebung auf der Erde Europas wird im Balkankrieg zu suchen sein. Es ist mög­lich. daß Deutschland von den kommenden Ereignissen nicht direkt betroffen werden wird; unabwenbar aber scheint die Gefahr, daß auch wir in diese Ereignisse verwickelt werden. Den österlich-zuversichtlichen Meldun­gen überEntspannung" undAbrüstung" zwischen Rußland und Oesterreich-Ungarn wird in Kreisen, die es wissen können, keinerlei besondre Bedeutung beigelegt, und man ist so­gar in London überzeugt, daß die russische Re­gierung vom eignen Volke zum Einschreiten in der albanischen Frage zugunsten Serbiens gezwungen werden wird, wenn die Stunde gekommen ist. Das Beispiel vom Jahre 1877 (wo der durchaus friedliebende Zar Alexander gegen seinen Willen zum Krieg gedrängt wurde) beweist, daß auch eines Zaren Macht Volksleidenschaft nicht zu dämmen vermag. Ferner: Serbien hat seit Monaten begonnen, seine Truppen möglichst zu schonen und in Frontstellungen gegen Norden zu bringen.

so daß jeden Augenblick eine schnelle Heeres- Konzentration gegen Oesterreich möglich ist. Es liegt auf der Hand, daß unter die­sen Umständen bei einem Zusammenstoß zwi­schen Rußland und Oesterreich-Ungarn eine größere Anzahl von Armeekorps der Habsbur­gischen Monarchie im Süden sestgehalten wer- den und aus dem Kampf gegen Rußland aus­scheiden müssen. Die deutsche Politik hat fortan mit allen Möglichkeiten dieser Entwick­lung zu rechnen, denn es ergibt sich daraus, daß Deutschland gegenüber dem Bündnis sei­ner Nachbarn in Ost und West auf eine schwächer« Unterstützung durch seinen österreichischen Verbündeten gefaßt sein und demgemäß zur eignen Sicherheit in« Reichs­rüstung verstärken mutz.

Die Ziele der in London unter der Firma Internationale Friedensvermittlung" betrieb­nen Politik liegen klar zu Tage, und es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß sich die po­litische Gesamtlage für den Dreibund ver­schlechtert und für das russisch-französische Bündnis gebessert hat. Die schnelle Verstärkung der deutschen Macht ist also ein Gebot der Not­wendigkeit, denn nur in Deutschlands achtung­gebietender Rüstung kann der Dreibund den Kern und den Grundpfeiler seiner Macht und seines Einflusses erblicken. Die Sprengung der österreichisch-ungarischen Monarchie ist das Ziel, auf das die russische Kriegspartei hinarbeitet, und die ffchechischen Frechheiten lassen täglich erkennen, mit welchen Plänen sich das Groß- slaventum trägt. Friedensbeteuerungen und fürstliche Freundschaftsgelübde haben noch nie den Gang der Weltgeschichte bestimmt; es wa­ren immer die realen politischen In­teressen, di« den Ausschlag gaben. Wenn man von diesem Standpunkt aus die Ent­wicklung der Dinge auf dem europäischen Kon­tinent innerhalb der letzten zehn Jahre über­schaut, offenbart sich die rücksichtslos« Konse­quenz der von Eduard dem Siebenten begon­nenen Politik der Dreibund-Erschütterung in tausend Zufälligkeiten und Momentbildchen der Tagesgeschichte, und es ist ein süßer, aber ver- hängnisvoller Wahn, sich der Hoffnung hinzu­geben, es könne der Eifer von Idealisten durch Versöhnungs-Toaste und Freundschafts-Ban­ketts den abgrundtiefen Jntereffen-Gegensatz zwischen Deutschland und England überbrücken. Wenn Fürst Lichnowsky diese harte Wahrheit erkannt hat und dem Reich in bedeutungsvoller Stunde «in ernster Warner geworden ist, dann hat er dem Vaterland nützlichem und schätzbarerem Dienst geleistet, als alle, die vor ihm im Londoner Palace-Hotel fürs Reich auf der Wacht standen ...! F. H.

Die neue Heeresvorlage.

Wie wir schon im gestrigen Abenddepeschen- Aushang berichtet haben, wird, nach Meldun­gen des Berliner Lokal-Anzeigers, die gesamte in der neuen Heeresvorlage angeforderte Ver­mehrung des Heeres 68090 Mann jähr­lich betragen, innerhalb zweier Jahre 4000 Offiziere. 15 000 Unteroffiziere und 117000 Mann Aus diesen Mannschaften werden zu- näcÄt einmal die Regimenter, die nur zwei Bataillone haben, ibr drittes Bataillon erhalten; außerdem werden durchweg die Kom­pagnien verstärkt werden, diejenigen der Grenzkorps sollen sogar auf einen höheren Stand gebracht werden. Neue Jnfanterteregt- menter werden nicht gebildet, wohl aber wer­den die übrigen Truppengattungen^ neue Kontingente erhalten. So bestätigt es sich, daß sechs neue Kavallerieregi­menter angefordert werden, die in der 5>auptsach« den Grenzkorps zugeteilt werden sollen Für die Feldartillerie werden fast 30 000 Pferde verlangt, sodaß künftig jede Batterie auch zu Friedensübungen schon mit sechs Geschützen und einigen Munitionswagen ausrücken kann. Die Vorlage sieht die Bil­dung eines halben Dutzend neuer Fußarrtllerte- bataillone vor, denen auch selbständige M a - schinengewehrabteilungen zugeteilt werden sollen. Tie Zahl der Scheinwerferkom­pagnien. die die Vorlage bringt, wird ebenfalls erheblich sein, auch die Lücken unseres T r a i ns werden durch Ausstellung mehrerer neuer For­mationen ausgefüllt werden. Die bestehenden fünf Telegraphenbataillone sollen (da mit ihnen längst nicht mehr aus-ukommen ist) fast v e r - doppelt werden, während das Pionierwesen ebenfalls um ein halbes Dubend neuer Kom­pagnien vermehrt werden soll.

Sie Berliner MMonen-Konferevz.

Im Vordergrund: Die Vermögenssteuer!

Berlin, 11. März. (Privat-Tele- gramm.) Unter dem Vorsitz des Reichskanz­lers wurden gestern nachmittag im Reichsamt des Innern in dem für die BundeSratssitzun gen bestimmten Saale die Verhandlun­gen über die Aufbringung der für die Hcerrsverstärkung notwendigen Mittel eröffnet.

Die geheim geführten Verhandlungen wurde« abends um sieben Uhr abgebrochen und werden heute fortgesetzt werden. An der Konferenz nehmen außer den Finanzministern der Bun­desstaaten auch die Mitglieder des Bundesrats teil. Es verlautet, daß im Vordergrund der Erörterungen die Frage einer Vermöge« s- Zuwachssteuer steht.

Aas dem toten Pank?

Man ist noch keinen Schrittweiter gekommen!

Die Friedensaussichten am Balkan haben sich verschlechtert. Die Kölnische Zeitung er­fährt darüber aus Berlin: Die Entwicklung zum Frieden hatte mit Vermittlungsversuchen der Pforte vielversprechend eingesetzt; jetzt zeigt sich aber, daß man bisher leider um keinen Schritt weiter gekommen ist. Aber wie schon mehrmals im Verlauf der Balkankrise, scheinen Hindernisse im Wege zu liegen, von denen man nur weiß, daß sie aus dem Wege geräumt werden müssen, zu deren Beseitigung sich aber vorläufig kein Weg zu finden scheint Inzwischen liegen über di« weitchie Entwicklung der Dinge folgende Meldungen vor:

Konstantinopel- 11. März.

Der gestrige Ministerrat beschäftigte sich lange mit Funken-Telegrammen des Kommandanten und des Bali von Adriano- pel, die zu einer lebhaften Diskussion Anlaß gaben. Die Beschlüsse werden streng ge­heim gehalten. Es herrscht der Eindruck vor, daß die Verbündeten eine Erledigung der Friedensfrage absichtlich in Erwartung von Ereignissen hinausschieben, die ihre Stellung bessern sollen.

Wien, 11. März.

In einer Besprechung der internationalen Situation schreibt dieReichspost": In den Beziehungen Oesterreich-Ungarns zu Ruß­land ist in den letzten Tagen keine neue Wendung zu verzeichnen. Die angekün­digte A b r ü st u n g, der der Zar im Prinzip bereits zugestimmt hatte, erleidet neuerliche Verzögerungen. Man will dies darauf zu­rückführen, daß die Entlassung österreichischer Reserve« nicht als Entlassung, sondern ledig­lich als zeitweilige Beurlaubung betrachtet werde.

Wien, 11. März.

Einer Konstantinopeler Meldung zufolge, tritt in den Kreisen der jungtürkischen Poli­tiker eine wachsende Verstimmung ge­gen den Großwesir Mahmud Schefket Pascha zutage. Das Komitee beabsichtigt eine Erör­terung der Frage, ob politische Interessen nicht de« Rücktritt SchefketS erhei­schen. Falls daS Komitee dies beschließen sollte, wird wahrscheinlich Hakki Pascha, der jetzt in London weilt, als Nachfolger Scheftets für das Großwesirat in Aussicht ge­nommen werde«.

Vom Kriegsschauplatz selbst wird berichtet: Nach Depeschen aus C e t i n j e ver­suchten gestern früh türkssche Trupp«» von Brdica aus einen Ausfall, um in der Urnge- bung zu fouragieren. Nach fünfstündigem Kampfe gingen die Türken zurück. Vierund­zwanzig Mann wurden gefangen. Sie erzähl­ten, die Türken haften fünfundzwanzig Tote und fünfzig Verwundete gehabt. Ferner mel­det uns ein Privattelegramm aus So­fia: Der Sobranje-Präsident Dr. Danew ist gestern ins Hauptquartier abgereist. Man er- waftet hier für die nächsten Stunden den F a l l Skutaris.

Die Antwort der Verbündeten.

Belgrad, 11. März. (Privattelegra mm) Tie Antwort der verbündeten Balkanstaaten auf die Vorstellungen der Mächte erfolgt binnen drei oder vier Tagen nach der definitiven Be­schlußfassung. Hiesige maßgebende Kreise sind der Ansicht, daß die Türkei nicht eine Medi- afton, auch nicht gute Dienste, sondern einen Schiedsspruch verlangt und daß die Verbünde­ten nach ihren kriegerischen und moralischen Erfolge nicht im voraus auf einen definitiven Schiedsspruch der Großmächte eingehen könn- tcn. Tie von den Verbündeten zu stellenden neuen Fricdensbedingungen werden schwieriger sein als die letzten. Hauptsächlich bezüglich der Kriegsentschädigung. Es verlautet, daß die grie­chischen Truppen den Befehl erhalten haben, ganz Südalbanien zu besetzen.

Keine Korsufahrt des Kaisers!

Dis nächsten Reifen des Kaisers.

Berlin, 11. März. (Priv at-Tele­gramm.) Wie von unterrichteter Seite ver­lautet bestätigt es sich, daß der Kaiser in diesem Jahr keine Reise nach Korfu unternehmen wird. Der Kaiser wird daher auch nicht (wie gemeldet wurde) im März oder April nach Wien reisen. Als Ursache dafür, daß der

Kaiser seine gewohnte Frühjahrsreise nach dem Süden nicht unternimmt, werden die Kriegs» wirren im Südosten Europas angegeben. Kaiser Wilhelm will nicht im Gebiete eines kriegführenden Staates Aufenthalt nehmen. Er wird aber seinen gewohnten Besuch bei Kaiser Franz Josef nicht unterlassen, und zwar dürfte dieser Besuch int Sommer in Ischl erfolgen.

Sie Ham und Grundbesitzer.

Der sechzehnte Verbandstag in Berlin.

Am Sonntag und Montag fand in Ber­lin (wie wir bereits gestern kurz meldeten) der sechzehnte Perbandstag der preußischen Haus- und Grundbesitzervereine statt, der sich mit verschiedenen wichtigen Fragen, wie beispielsweise mit dem preußischen Wohnungs­gesetzentwurf. sowie mit der Frage der Schaf- fung von Pfandbrief-Instituten für erste und zweite Hypotheken, zu befassen hatte. Ueber die Verhandlungen des gestrigen Tages geht uns folgender telegraphische Bericht zu:

Die gestrige Sturm-Sitzung.

(Bericht. unseres P. F.-Korrespondenten.)

Berlin, 11. März.

Arn gestrigen zweiten Verhandlungstag« des Verbandstages der preußischen Haus- und Grundbesitzer-Vereine wurde die Erörterung über den neuen preußischen Wohnungsgesetz- Entwurf zu Ende gefübrt. Stadttai Luther- Magdeburg, der Vertreter des preußischen Städtetags, erklärte, er könne dem nicht zustim­men, daß die Regelung des Wohnungswesens in die Hände des Gemeindevorstehers gelegt werde. Verlangt müsse werden, daß die prak­tische Ordnung des Wohnwesens nur durch die Gemeindeverwaltungen ohne Einwirkung der Polizei ausgeübt werde. Die von dem Refe­renten vorgelegten Leitsätze wurden einstimmig angenommen. Es folgt« die Beratung des Ge­setzentwurfes über die Taxämter, die verbun­den wurde mit der Erörterung über Schaffung von Pfandbrief-Instituten für erste und zweite Hypotheken. Referenten hierfür waren Justiz- rat Dr. Riemann-Breslau und Justizrat Dr. Baumett-Spandau. Die vorgelegten Lettsätze, die die Schaffung von Taxämtern fordern, wur­den angenommen. Zu der Frage der Schaf­fung von allgemeinen Pfandbrief-Instituten für erste und zweite Hypotheken lag der Ver­sammlung ein Antrag vor, die Staatsregierung und den Landtag zu bitten, jeder Provinz ein Kapital von einer Million Mark zur Gründung eines Pfandbrief-Instituts für Hausgrundstücke zur Verfügung zu stellen. In der Diskussion kam es mehrfach zu

, sehr Mrmischen Szenen.

Die Opposition verursachte verschiedene Male einen wahrhaft ohrenbetäubenden Lärm und beschuldigte die Versammlungsleitung der Par­teilichkeit, sodaß die Verhandlung minutenlang unterbrochen werden mußte. Der Diskussions­redner Justizrat Meyer-Frankfurt beantragte, daß der Verbandslag beschließen möge, an die Reichsregierung und den Reichstag das drin­gende Ersuchen zu richten, für eine sofortige Aufhebung der Paragraphen 1123 und 1124 des BGB. und deren Ersetzung durch gesetzliche Vorst' .fisten Sorge tragen zu wollen, wonach die bedingungslose Haftung der Eigentümer für die Hypothekenzinsen sicherqestellt wird. Die Abstimmung ging in sehr stürmischer Weise vor sich. Als über den Antrag Meyer abgestimmt werden sollte, bezweifelte der Delegiette Wege- Berlin die rechtliche Zulässigkeit des Antrages. Als der Vorsitzende doch über den Antrag ab» stimmen lassen wollte, nannte Wege dies eine bewußte Rechtsbeugung. Wege wurde hier­auf durch Beschluß der Versammlung aus dem Saal verwiesen. Die Leitsätze der Referenten wurden sodann angenommen, die Abstimmung über den Antrag Meyer wurde vertagt.

Der Schluß des Verbandstags.

Nach weiterer Aussprache beschloß der Ber- bandstag, zum Punkte Einkommensteuer-Ge­setzentwurf an die maßgebenden Faktoren eine Eingabe zu richten, wonach in das neue Gesetz die Bestimmung ausgenommen werden solle, daß von der Einkommensteuer Damno, Pro­vision und Zinsen abzugssähig sein sollen. Der Vorstand wurde beauftragt, in diesem Sinne tätig zu sein. Wetter wurde beschlossen, an das Reichsversicherungsamt ein« Bittschrift wegen der Verzinsung der an gemeinnützige Baugenossenschaften geliehenen Hypotheken ein­zureichen.

Reue Krdbeden-Katastrovhe.

Eine ganze Stadt vom Erdbeben zerstört!

Aus Newyork kommt die Kunde von einer furchtbaren Erdbeben-Katastrophe, die die Republik Guatemala heimgesucht hat. Nähere Mitteilungen über Umfang und Wirkungen der Katastrophe stehen zwar noch aus, doch läßt sich schon aus den jetzt vorliegen-