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C Mer Neueste Mchrichtm

Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang

Kernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 1L Marz 1913

Nummer 81

Kernsprecher 951 und 952.

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Deutscher BSIker-Frühling.

Hundert Jahre deutscher Geschichte.

Wenn mit Frühlingsluft und Frühlingsahnen »er März ins deutsche Land seinen Einzug hält, regen sich in Erinnerung und Volksempfinden laufend Saiten, denn der Monat des Lenzbe- zinns hat in der Geschichte Preußens oft eine stdeutsarne Rolle gespielt. Am zehnten März acht- jehnhundertdreizehn trauerte das Preußenland an der Bahre der Königin Luise, die den liefen . Fall Preußens nach der Schlacht bei Jena see­lisch niemals ganz verwunden, und nun nach ihrem Tode dem Volk fast als eine Art Natio- : aalheilige erschien. Drei Jahre später, am zehn- :en März achtzehnhundertdreizehn, erfolgte die Stiftung des Eisernen Kreuzes und eine Wo­che darauf erließ Friedrich Wilhelm der Dritte seinen AufrufAn mein Volk". Eine Volkser­hebung andrer Art war es dann, die am acht­zehnten März 1848 in Berlin begann. Sie galt nicht der Befreiung von fremdem Joch, son­dern der Befreiung der Geister. Und dann folg­te noch ein ernster Gedenktag: Der neunte März achtzehnhundertachtundachtzig, der Tag, an dem - Kaiser Wilhelm der Erste aus dem Leben schied.

Zwischen diesen verschiednen Märztagen be­steht ein gewisser innrer Zusammenhang: Als auf den Schlachtfeldern von Jena und Aeuer- städt die preußische Macht zusammenbrach, da R zeigte es sich, daß die friderizianische Tradi­tion, die man in der Armee aufrecht erhalten hatte, kläglich versagte, weil sic zu etwas Aeu- , ßerlichem herabgesunken war: Der Geist Frie­drichs des Großen, der Geist des Fortschritts £ und der Freiheit, war im engherzigen Mucker­tum und Kastengeist untergegangen, und die - Zeit, die mit Riesenschritten vorwärts drängte, fand im Preußen der Jahrhundertwende klei­ne schwachgemute Geister.

Nach dem Frieden zu Tilsit, der Preußen eines großen Teils seines Staatsgebiets be­raubte, galt es deshalb, wieder gut zu machen, was man in zwei Jahrzehnten versäumt hatte. | Und da zeigte es sich denn, daß es dem preußi­schen Staate nicht an geeigneten Männern, nicht an gesunder Volkskraft fehlte, um aus sich ff selbst heraus wieder zu erstarken, sondern daß - das Volk nur der Möglichkeit ermangelte, seine ' Kräfte nutzbar zu machen. Mit der Befreiung der Geister begann man, um die Befreiuung des Staates vom französischen Joch vorzuberci- ten. Die Städteordnung, die Bauernbefreiung, , die Verleihung der Staatsbürgerrechte an die i Juden, die Stiftung der Universität Berlin, und viele andre freiheitliche und kulturelle H Maßnahmen galten alle dem einen großen (i Ziel. In der Königin Luise aber fanden die e Männer, die an dem großen Werk arbeiteten, / eine eifrige Förderin ihrer Ideen. Ueberra- . schend schnell gelang es auch, die geistigen und sittlichen Kräfte Preußens aufzurütteln, und in den Jahren 1813 und 1814 sollte es sich dann zeigen, was ein Volk vermag, das seine Ge­schicke s e l b st in die Hand nimmt. Denn nicht F Friedlich Wilhelm der Dritte war cs, sondern das preußische Volk selbst, von dem der Anstoß zu der Erhebung und Befreiung kam. Ohne den nationalen Impuls des Preußenvolks, ohne die gewaltige Hochspannung seiner sittli­chen und physischen Kräfte wäre das Werk der Befreiung nie zum Erfolg gessiehen, und darum ' soll in den Tagen der Erinnerung und der Jubelfeiern, die wir jetzt durchleben, des Hel­denvolks nicht beigeffcn werden, das Könige und Fürsten in der Hochflut stolzer Begeisterung mit sich fortriß zu Entschlußkraft und Taten- mut.

Was in jenen Tagen vor hundert Jahren daS Land der Deutschen durchbrauste wie Don­nerhall und Wogenprall, das war Volkskraft und Nationalstolz, vaterländische Begeisterung und nimmermüder Opfermut, und diese höch­sten Tugenden, die ein Volk mit dem unver­welkbaren Lorbeer ewigen Heldentums umkrän­zen, waren gediehen in einer Zeit des Leids und der Heimsuchung, waren emporgewachsen zur höchsten Kraftentfaltung trotz Fürstenschwäche und Tatenlosigkeit der Verantwortlichen und Regierenden, und grade diese Urwüchsig­keit der nationalen Ermannung wars, die die Blücher, Stein und Scharnhorst als Führer an die Spitze der Bewegung drängte. Mit der Niederwerfung Napoleons waren die Ideen, die das preußische und große Teile des deut­schen Volks bewegt hatten, indeffen nur zum Teil erfüllt. Freiheit und Einheit waren die beiden Forderungen, fiir die man Gut und Blut eingesetzt hatte. Wie aber sah es nach den Freiheitskriegen aus? Das französische Joch war zwar abgeschüttelt, aber die geistige Unfreiheit blieb. Ja, vieles, das man in Preu­ßen nach Jena an freiheitlichen Einrichtungen geschaffen, wurde nach dem Siegertag bei Leipzig zurückrevidiert. Und die deutsche Ein­heit? Sie wurde zum Zerrbild! Der Deutsche

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Bund, das Machwerk Metternichs, war nur dazu geschaffen, die Kräfte Deutschlands ge­genseitig in Schach zu halten. So waren es denn die unerfüllten Hoffnungen der Märztage von achtzehnhundertdreizehn, die die Ereignisse des achtzehnten März achtzehnhundertachiund- vierzig heraufbeschworcn. Aber auch sie brach­ten nur einen Teilerfolg: Preußen erhielt ztvar eine Verfassung, aber säst unmittelbar darauf setzte abermals eine Zeit finsterster Reak­tion ein, die manche Volksrechte wieder hinweg­fegte. Auch das Sturmjahr 1848 hatte die Einigung Deutschlands nicht gebracht, und so war denn noch immer ein beträchtliches Saldo von Wünschen übrig, als Wilhelm der Erste den Hohenzollernthron bestieg.

Wilhelm der Erste hatte sich, als ihn des Schicksals Fügung zum König des Preußen- staais berief, mit dem Verfassungsgedanken noch nicht ausgesöhnt. Er war auch viel zu sehr Preuße, als daß ihm die Schaffung des Deutschen Reichs besonders sympathisch sein konnte; insbesondere widerstrebte ihm die Aus­einandersetzung mit Oesterreich, ohne di« die Einigung Deutschlands nun einmal nicht mög­lich war. Und grade dieser Herrscher, des­sen Auffassung vom Wesen der Monarchie in vielen Punkten von den liberalen und na­tionalen Ideen seiner Zeit abwich, war vom Schicksal dazu ausersehen, das Werk zu Ende zu führen, das in den Märztagen achtzehn- hundertdrcizehn begann. Sein Todestag, der sich gestern zum sünfundzwanzigsten Male jährte, bedeutet daher den Abschluß der Sturm- und Drangperiode des neuen Deutschlands. Gewiß: Auch heute fehlt es nicht an unerfüll­ten Wünschen. Die staatsbürgerliche Gleichheit und Freiheit ist vielfach nur Begriff und Schein. Aber wenn wir in diesen Tagen zu- rückblickcn auf die Zeit vor hundert Jahren, dann dürfen wir es doch mit einem gewisicn Gefühl der Defriedigung tun: Die Ideen, fsir die unsre Vorfahren einst gekämpft, haben sich als lebenskräftig erwiesen; sie sind fruchtbar geworden, und entwicklungsfördernd, haben das neue Reich in vier Jahrzehnten zur Höhe der Weltmacht emporgetragen und dem deut­schen Namen auf dem ganzen Erdrund Achtung und Anerkennung gesichert. Uns, den Enkeln der Väter, die vor hundert Jahren freudig Gut und Blut für des Vaterlandes Rettung und Befreiung opferten, die ihre ganze Kraft der Ermannung und Erhebung der Ration zur höchsten Offenbarung ihrer sittlichen und völ­kischen Kräfte widmeten: Uns liegt die heilige Pflicht ob, der Väter Erbe würdig zu er­halten, ihren Heldengeist in uns taten- zeugend und begeisternd fortwirken zu lasten und immerdar eingedenk zu bleiben jener gro­ßen Zeit, da Preußens Volk aus eigner Kraft die Ration, die Monarchie und des Landes Ehre aus den Banden der Schmach und der Erniedrigung errettete. Nicht Feier- klängc allein sollen uns die Zeit der Volkser­hebung in der Erinnerung lebendig werden lasten, sondern die stolze Erkenntnis, daß die Kraft eines Volkes unbesiegbar, unerschüt­terlich und unantastbar ist, wenn sic gestählt wird durch den sittlichen Gehalt und den idealen Hochschwung des nationalen Bewußt­seins. . .!

Fürsten Hermann zu dessen Nachfolger als Statthalter der Reichslande, wel­chen schwierigen Posten er noch volle dreizehn Jahre, bis zum Oktober 1907, versehen hat. Sein Regime im Reichsland ist von den einen gepriesen, von den anderen getadelt worden. Die Aufhebung des Diktaturparagra­grap h e n ist mit seinem Namen verknüpft.

Das MMardes-Proble«.

Die Geheim-Konferenzen beim Kanzler.

Der Reichstag ist am Sonnabend in die Osterferien gegangen, nachdem er in sechzig Ple­nar-Sitzungen an größeren gesetzgeberischen Ar­beiten lediglich einige Ergänzungsctats und den Gesetzentwurf über vorübergehende Zoll­erleichterungen bei der Fleischeinfuhr erledigt hat. Umso reichlicher wird vermutlich die nachö st erliche Leistung des Parlaments K gestalten, da der Reichstag bei seinem Wie- zusammentritt nach den Osterferien wahr­scheinlich die neue Heeres- und D e k - kungsvorlage fix und fertig auf dem Tisch des Hauses finde« wird.

Der Kanzler nnd die Parteien.

(Informationen unseres E. IV.-Mitarbeiters.)

Berlin, 10. März.

Die vertraulichen Besprechungen, die zwi­schen dem Reichskanzler und den Führern der Fraktionen über die neue Heeresvorlage und die Deckungsvorschläge am Frei­tag im Reichstag begonnen hatten, sind am Sonnabend fortgesetzt worden. Da die Be­sprechungen vollständig vertraulichen Charak­ter hatten, so lassen sich Einzelheiten über ihren Inhalt nicht mitteilen. Es steht fest, daß in der Besprechung den Parteiführern die Grundzüge der Heeresvorlagen be­kannt gemacht worden sind, und über die Art der Deckungsvorschläge einige Andeutun­gen gegeben wurden, in welcher Richtung sich die neuen Deekunasvorschläge bewegen. Die Be­ratungen üocr die neuen Dcckungsgesttze sind noch nicht abgeschlossen und ihre endgültige Ge­staltung hängt von dem Verlaufe der Konfe­renz der F i n a n z m i n i st e r der Einzelstack- ten ab, die am heutigen Montag nachmittag stattfinden wird. Die Mitteilungen, die den Parteiführern in der Besprechung gemacht wor­den sind, haben befriedigt, und auch be­züglich der Deckungsvorschläge ist zwischen der Regierung und den Parteien eine U e b e r e i n- stimmung erzielt worden. Reben der ein­maligen Vermögensabgabe soll eine einmalige

Besteuerung der großen Einkommen erfolgen, und zwar wahrscheinlich in der Weise, daß von den größeren Einkommen von 15 000 Mark aufwärts Zuschläge nach dem Muster der preußischen Steuerzuschläge erhoben wer­den. Irgend welche Konsumsteuern sind nicht in Aussicht genommen. Auch eine all­gemeine Besitzsteuer wird von den Regierungen nicht vorgeschlagen werden; wenigstens sind bisher derartige Absichten der Regierung nicht bekannt geworden. Es wäre aber immerhin möglich, daß die E r b a n f a l l st c u e r in einer abgeschwächten Form dem Reichstag als Eventual-Entwurf vorgelegt werden wird, wenn sich Herausstellen sollte, daß die einmali­gen Abgaben der großen Vermögen und Ein­kommen für die Bedürfnisse der Heeresvorlage nicht ausreichen. Der Reichskanzler hat am

Fürst Hohenlohe-Langenburg f. Tod des frühere« Reichsland-Ltatthalters.

Wie Depeschen aus Langenburg (Würt­temberg) melden, ist dort gestern mittag Fürst Hermann zu Hohenlohe- Langenburg, der frühere Statt­halter der Reichslande, gestorben. Fürst Hermann zu H o h e n l o h e - Lan­ge n b u r g entstammte dem standesherrltchen, einst reichsunmittelbaren Hause der Hohenlohes, das auf eine stolze Vergangenheit zuruckblickt, auch viele bedeutende Heerführer und Staats­männer hervorgebracht bat. Er gehörte dem in Württemberg anfäfftgen protestantischen Zweige Langenburg an, während dem katholi- ichcn Zweige Schillingsfürst der Reichskanzler Fürst Chlodwig entsprossen war, dessen Nach­folger als Statthalter in Elsa 8- Lothringen Fürst Hermann, wurde. Ter Verstorbene war am cinunddreißigsten Auaun 1832 geboren, und widmete sich zuerst dem Mili­tärdienst. anfangs im würticmber gischen. dar­auf im österreichischen und zuletzt im barmwen Heer, in dem er auch 1870 den französischen Fekvzug mitmachte. Als er dann den Dienst verlassen, ergab er sich mit Eifer den politi­schen Interessen. Neunzehn volle Jahre (1871 bis 1890) vertrat er im Reichstag den zwölften württembergif'chen Wahlkreis, und ist stets ein eifriges Mitglied der n a ti o n a l l i b c r a l en Partei gewesen 1883 gründete er die Deutsche K o l o n i a l g e, e l l schäft, de­ren Leiter er ein halbes Menschenalter hindurch gewesen ist. Als dann im Jahre 1894 Fürst Chlodwig als dritter Reichskanzler nach Ber­lin berufen wurde, ernannte der Kaiser den

Sonnabend abend den Parteiführern ein inti­mes Diner gegeben, das nach außen hin kund­geben sollte, daß zwischen der Regierung und den Parteien in allen Fragen Uebercin- st i m m u n g herrsche. Auch bei diesen! Diner sind die Verhandlungen zwischen dem Kanzler und den Parteien fortgesetzt worden.

894 Millionen!

Wie aus parlamentarischen Kreisen mitge teilt wird, werde« sich die einmaligen Ko­sten für die Milttärvorlage auf genau 994 MillionenMark belaufen. Zu der Frage, wie die Deckung für die dauernden Ausgaben zu beschaffen fei, wird mitgeteilt, daß auch die bayerische Regierung sich gegen eine Ber- mögenszuwachs st euer erklären wird. Was die Erbanfallfteucr anbetrifft, so wird Bayern zwar nicht dafür fein, es wird aber (falls im Bundesrat die Erbansallsteuer eine Mehrheit findet) sich dieser Mehrheit f ü - gen, und zwar mit Rücksicht auf die Tatsache, daß Bayern vor vier Jahren schon mit der Erbansallsteuer einverstanden war.

Stetige Kämpfe vor Avrtenopel.

Nena schwer- Verluste der Türken.

Konstantinopel, 10. März. (Privat - Te­legramm.) Am Sonnabend und gestern wurde Adrianopel von Bulgaren und Serben unablässig bombardiert. Es war das erste Mal, daß die serbische Artillerie in Tätigkeit trat. Die Festung wurde mit Geschossen ge­

radezu überschüttet. Die neuen Kanonen, die vor vierzehn Tagen angekommen sind, schießen mit großer Sicherheit. Es gelang den Bulga­ren, nach mörderischen Kämpfe« das Fort das Fort Cheitan Torla zu erobern und vierhundert türkische Soldaten gefangen zu nehmen, fowie eine große Anzahl Waffen zu erbeuten. Die Türken hatten schwere Verluste. Die Straße nach Gallipoli ist mit tür kisch cn Leichen geradezu übersät. In den letzten Tagen hat auch bei Beshei ein blutiger Kampf statt gefunden. Die türkischen Soldaten formierten sich in zwei Reihen und begannen dir bulgarische Befestigung anzugreifen. Sie wurden mit schweren Verlusten zurück, geschlagen.

Ein Ianiua-Telegramm des Kaisers?

R o m, 10. März. (P ri va 1 t e l e g ram m.) Italienisch« Blätter veröffentliche« eine De. pesche aus Athen, wonach der Deutsche Kaiser an die Kronprinzessin von Griechen­land ei« sehr warm gehaltenes Telegramm geschickt haben soll, in dem er feinem Glück­wunsch zur Einnahme Janinas Ausdruck ge­geben habe. ______

Papst Pius schwer erlranv!

Eine Trauerbotschaft aus dem Vatikan.

Am Samstag abend wurde in Rom vom Osservatore Bomano, dem Blatt des Vatikans, amtlich bekannt gegeben, daß der P a pst an einem Katarrh und Influenza erkrankt fei. I« letzter Zeit find häufig ungünstige Nachrich­ten über den Gesungheitszustand des Papstes bekannt geworden, die aber in der Regel nach kurzer Zeit dementiert wurden. Die jetzige Er­krankung des Papstes scheint nun aber ern­sterer Natur zu sein, denn schon die Tatsach^, daß eine amtliche Bekanntgabe erfolgte, laßt darauf schließen, daß es sich nicht um einen der leichten Erkrankungssülle handelt, von denen P-us der Zehnte in jüngster Zeit ost heimge- sucht worden ist. Wir verzeichnen jolgende Meldungen:

Die Krankheit des Papstes.

(Telegraphische Meldungen.)

Rom, 10. März.

Der Sekretär des Papstes, Monsignore Bres- san, benachrichtigte am Sonnabend die Schwestern des Papstes telephonisch von dessen Unpäßlichkeit und fügte hinzu, daß der Kranke sic zu sehen wünsche. Darauf be- gaben sich feine Schwester Anna und feine Richte Gilda in den Vatikan und sprachen lange mit dem Kranken. Der Papst fühlte sich erleich­tert, zeigte keine Besorgnis und schrieb die Krankheit einer Erkältung zu, die er sich bet den Empfängen der letzten Tage zugezogen hat. Die Aerzte Amici und Marchiafava nahmen abends von neuem eine genaue Unter- fuchung vor. Marchiafava bestätigte die Diagnose Amicis, die auf leichten Katarrh und Grippe lautete, und empfahl unbe- Dingte 9i u 0 e. Das Befinden des Kranken war abends unverändert. In der Fieberteni- peratur ist keine Veränderung eingetreten, was als günstiges Zeichen aufgesaßt wird. In das Zimmer t«S erkrankte« Papstes ward außer feinen Sekretären und seinem Kam­merdiener niemand gelassen. Der Papst ver­brachte die Rächt zum Sonntag Verhältnis- mäßig ruhig, aber schlaflos. Ucber die eigentliche Erkrankung des Papstes ist völlig Zuverlässiges nirgends zu erfahren. ~c. arzt erklärt, man müsse abwarten, wie sich die Entzündung der Luftwege entwickle. Die tiefe­ren Bronchien seien bis jetzt nicht ergriffen. Wenn sie von der Entzündung verschont blie­ben, könne die Indisposition rasch behoben sein Wenn die Entzündung aber weiter q r e i f e, fo fei nur zu hoffen, daß die gute Konstitution nnd vor allem das starke Herz des Papstes den Gefahren Trotz bieten können, die im hohen Alter des Patienten lägen. T»e Nachricht von der Erkrankung des Papstes ver­breitete sich i» Rom wie ein Lauffeuer. Der kürzlich erfolgte Tod seiner Lieblings- sch wester hatte den Papst seelisch so nieder- gedrückt, daß sich schon wenige Tage nach dem Trauerfall auch Beeinträchtigung des körperli­chen Befindens herausstellte. Die kräftige Kon­stitution dcs Achtundsicbzigjährigen schien in­dessen de« schweren Schlag glücklich überwun- deu zu haben, sodaß die jetzige neue Erkran­kung des greifen Kirchenfürsten mehr Be­sorgnisse weckt, als in vatikanifchen Kreisen zu­gegeben wird.

Ernste Sorge im Vatikan!

R o ni, 10. März. (Privat-Tele­gram m.) Während cs gestern abend hieß, der Zustand des erkrankten Papstes Pius habe sich wesentlich gebessert und der Kranke sei völ­lig sieberfrei, sodaß die Acrzte jede Besorgnis als geschwunden erachteten, wird heute früh bc-