Hessische Abendzeitung
Caffeler Abendzeitung
3. Jahrgang
Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, 7. MSrz 1913
Nummer 78
Fernsprecher 951 und 952.
siebzig Millionen zu veranschlagen ist. Zusammenkunft der leitenden Minister Bundesstaaten (bie zufällig während des suches des Prinzregenten von Bayern nächsten Sonnabend stattfindet) gilt einer
Die der Be- am Be.
dakteur der „Neuen Freien Preffe gegenüber folgendermaßen: Es geht weiter zum Frieden, langsam, sozusagen auf Krücken, aber es geht vorwärts. Alle Mächte bemühen sich um den Frieden und hoffentlich ist der Eindruck richtig, daß auch Serbien nach den Kriegs- monaten einen ehrlichen Frieden mit Oesterreich-Ungarn haben will.
gnfertionipreife: Die fedjSgefpaltene Zeile für einheimische A-fch-ifte 15 Pfg., für aus. wärtige Inserate 25 Pf„ Reklame,eile für einheimische Geschäft- 10 Pf, für auämirttge Geschäfte M Pf. Einfache Beilagen für Vie Gesamtauäags werden mit 5 Marl pro laufen) be. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Reiiden, uns der Umgebung sind die Saffeter Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnisch- Straße 5. Berliner Vertretung: SW., Friedrichstraße 16, Telephon: 'Amt Moritzpla« 1'2681
Die Tasieler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der Abonnementsprets beträgt monatlich 60 Pfg. bei freier Zustellung ins Haus. Bestellungen werden jederzeit von der Geschättsstelle oder den Boten entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: SchlachthoMraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 biS 8 Uhr abends. Sprechstunden der Auskunft • Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 8 bi« 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW, Friedrtchstr 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584.
Sie Todesopfer der Morine.
Neunhundert Opfer von Katastrophen.
Anläßlich des verhängnisvollen Torpedoboot-Unglücks bei Helgoland (über das wir in der ersten Beilage eingehend berichten) wird uns aus M a -
72 Mann der Besatzung ums Leben. Ein Jahr später kenterte das Torpedoboot „8. 26" am 22. September 1897 in der Elbmündung, Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg, der Kommandant des Bootes, und sechs Mann gingen dabei mit unter. Am 16. Dezember 1900 folgte das gräßliche Unglück der Kreuzerkorvette „Gneisenau", die bei Malaga das Opfer eines Sturmes wurde und mit der der Kapitän und 39 Seekadetten und andere Personen der
Haltungen am Sonnabend und Sonnntag wird erklärlicherweise die Deckungsfrage sein. Von eine*,« Bundesstaat wird der Antrag gestellt werden, dem Schwerin - Löwitzscheu Vorschlag den Vorzug vor der eine« oder anderen Besitzsteucr zu geben und zwar deshalb, weil bei ihrer Durchführung mehr als hundert Millionen Mark für das Reich zu erwarten seien, während der Ertrag der Vcrmö genszuw achssteuer auf etwa sechzig Millionen und der Erbanfallsteuer, mit der eine Wehrsteuer verbunden ist, auf etwa
Em derüscher Fürst von Mauren?
Der Herzog vou Urach als Anwärter.
W i e n, 6. März. (P r iv a tte l e g ramm.) In hiesigen gutunterrichteten politischen Kreisen. die mit der Hofburg rege Fühlung haben, wird als aussichtsreichster Kandidat auf den Thron Albaniens der Herzog Wilhelm von ii *« <h genannt. Ter Herzog ist Witwer
nalopfer der Milliarden-Spende eine Winzigkeit zu nennen, und die Milliardenlaft der Wehr-Rüstung werde zur süßen Bürde, wenn man ihr gegenüber die Schicksalwucht eines Krieges (dessen Verhütung sie dient) ins Auge fasse.
In diesem Gedankengang, dessen Logik und wirtschaftspolitisch - theoretische Exaktheit nicht anzuzweifeln sind, spiegelt sich die Auffassung der überwiegenden Mehrheit deutscher Volksgemeinschaft wider, und Erwägungen dieser Art sind auch bestimmend gewesen für die Aufnahme, die die weit aus dem Rahmen bethmännischer Rcichspolitik heraustretende Idee der Millionen-Spende in allen Schichten der Nation gefunden hat. Wir dürfen beruhigt in die Zukunft schauen: Die hundert Jahre, die zwischen den Tagen deutschen Völkerfrühlings und dem Frühlenz neunzehnhundertdreizehn liegen, haben die nationale Stärke des Volkstums nicht gemindert, den vaterländischen Gedanken nicht im Wert erschöpft; wir opferten einst und wir opfern heut, und imNational- bewußtscin deutscher Volkheit werden in ernster Stunde stets deutsche Hände sich zu deutschem Werk zusammenfinden. Das ist unser Trost. Unsre Sorge aber gilt der Frage: Bis zu welchen Verzweiflungs-Leistungen wird das in wilden Schauern die ganze Welt heimsuchende Rüstungssiebcr die Völker spornen, wenn der unaufhörliche Wettbewerb der Nationen untereinander das „Mächte-Gleichgewicht" immer aufs neue erschüttert und nationalistischer Fanatismus unaufhörlich Hirn und Nerven peitscht? Dieser Frage die Antwort zu finden, ist sicherlich noch wichtiger als die Entwirrung des uns quälenden Milliarden-Problems. denn es wird der Tag kommen, wo selbst heroischste Selbstverleugnung seufzend bekennen muß: Wir sind am Ende unsrer Kraft ...!
rische Imperativ: „Abrüstung!" Rettung vorm Zusammenbruch bringen. Bis dahin indessen ist's noch weit: Wir sehen heute, wie ganz Europa und selbst Asten von den Schauern :ines wilden Rüstungsfiebcrs geschüttelt wird, bestaunen die Leistungskraft nationalen Opfermuts, die Milliarden aus der Erde stampft, und ihnen, daß diese gewaltige Regung völkischer Wehr - Ermannung von stärker» Impulsen bestimmt wird, als künstlich erzauberte Stimmungsmache ste entfachen könnte.
Deutschland opfert, wie vor einem Jahrhundert zu nationaler Großtat begeistert, eine Milliarde aus den Beständen des Volks - Vermögens; Frankreich spornt in heroischer Kraftanspannung die physische Leistung der Volks - Gemeinschaft zu höchstem Selbstverleugnungs • Effekt: England erlistet durch klug erdachte, patriotisch - umrankte Erpresser - Manöver den Dreadnought - Tribut seiner Kolonien in nie erträumter Fülle; Rußland formt aus den ungeheuren Volksmassen des Riefenreichs immer neue, gewaltigere Heeressäulen; in Japan läßt das Rüstungsfieber diePulse wie in den Schauern des Siegesrauschs im Beginn des neuen Jahrhunderts fliegen, und selbst im Herrschaftsbereich chinesischer Trägheit, in der Republik der Mitte, eifert nationalistischer Fanatismus für ein Volksreich in Waffen. Und bange Sorge fragt: Wie soll Tas enden? Bertha Suttners Friedensruf:. Di- Waffen nieder!" klingt wie aus eines Märchens Idyll ins waffenstarrende zwanzigste Jahrhundert herüber. William Steads verträumter Friedens-Idealismus ist ins Reich der Schatten entschwunden und übers Erdrund klingt, dringlicher und schriller als je, der Ruf nach Wehr und Waffen. Nach Waffen, die den Friede» schirmen, die Krieggefahr scheuchen und den Böllern Ruhe und Sicherheit gewährleisten sollen. Ein mitten im hastenden Getriebe wirtschaftlicher Erwerbsarbeit stehender deutscher Finanzmann hat, um seine Meinung über Möglichkeit und Zweck des deutschen Milliarden- Opsrrs für Heer und RüsMng befragt, erklärt, gegenüber der Gefahrengrötze eines unglücklichen Krieges fei das «out Reick» exhßtne Ratio-
Auf dürfen zum Frieden?
El» hervorragender Staatsmann spricht.
Wien, 6. März. (Privat - Tele- g r a m m.) Ein hervorragender Staatsmann, der über die äußere politische Lage genau unterrichtet ist, äußerte sich einem Re-
Tie Lage wird hier als überaus ernst bezeichnet. Der französische Gesandte fragte bei der rumänischen Regierung an, ob diese nicht dem von Bulgarien angegebene» Schiedsgericht zustimmen wolle. Der Ministerpräsident erwiderte, die Regierung müsse den Beschluß des Minifterrats aufrecht erhalten, der auf die Annahme einer Vermittlung der Mächte ohne irgend eine Verpflichtung Rumäniens laute. Die Stimmung in Rumänien ist so b e d r o h l i ch wie n i e - mals seit dem Beginn des Balkankrieges.
Daß der Schritt der Mächte, die Friedens- Verhandlungen zwischen der Türkei und den Balkanstaaten durch fteundschaftliche Vorstellungen zu fördern, ergebnislos bleiben dürfte, wird auch in einem uns aus Athen zugehenden Privat-Telegramm bestä- ttgt, in dem es heißt: Die gestrig« gemeinsame Vermittlung der Gesandten der Großmächte bei dem Minister des Aeußern wird hier für aussichtslos angesehen. Es wird erklärt, fo lange die Türkei nicht klar und bedingungslos die Forderungen der Verbündeten angenommen hätte, werde kein Frieden geschlossen werden können, da die Verbündeten nickt gesonnen seien, sich auf neue Winkelzüge der Türkei einzulassen.
Vor neuen Stürmen?
Milliarden-Bankett beim Kanzler.
fPrtvat-Tekenramm.l
Berlin, 6. März.
Am Sonnabend gibt der Reichskanzler ein parlamentarisches Essen, zu dem eine große Anzahl namhafter Reichstagsabgeordneter eingeladen sind. Am Sonntag komme» die Finanzminister der Bundesstaate» in I Berlin zu der schon angekündigten Besprechung I zusammen. Tex Kauptgcgenstand der Unter»
Nachtdienst auf hoher Tee.
Der nächtliche Dienst der Torpedoboote.
Die entsetzliche Torpedobootskatastrophe bei Helgoland legt die Frage nahe, ob solche Katastrophen. die sich auch in der deutschen Flotte bereits mehrfach ereignet haben, verhindert werden können. Die neue Katastrophe übertrifft an Umfang alle in der deutschen Marine früher vorgekommenen Torpedobootskatastrophen. Die Ursache war aber bet fast allen die gleiche. Die Frage nach Ab Hilfe wurde auch bei den früheren Unfälle» lebhaft erörtert, ohne daß es jedoch möglich gewesen wäre, wirlliche Maßregeln zu finden. Die Ge- fahr liegt eben in dem nächtlichen Dienst der Torpedoboote. der eine unabwendbare Notwendigkeit ist. Das bisher größte derartige Unglück in der deutschen Marine war die Kata-
Konstantinopel, 6. März. (Tele - grammdes Wiener Korrespondenz- Bureaus.) Während der vorgestern und gestern abgehaltenen geheimen Stt-ungen des jnngtürkischen Komitees kam eS (wie verlautet) zu sehr erregten Debatten über die Frage des Friedensschlusses. Ter frühere Minister Haire soll erflärt haben, wenn der Friedensschluß die Notwendigkeit der Abtretung AdrianopelS ergeben sollte, so müsse das Kabinett demissionieren. Ta- laat Bey trat dieser Aeutzerung heftig entgegen. Bisher ist über die Frage des Friedens kein Beschluß gefaßt worden. Haire verließ die Sitzung, ohne an den weiteren Verhandlungen teilgenommen $u haben.
rine-Kreisen folgendes geschrieben:
Rund neunhundert Todesopfer! Das ist das traurige Ergebnis einer Zusammenstellung aller bei den bisherigen Katastrophen der deutschen Marine ums Leben Gekommenen. Das tückische Element und die unberechenbaren Maschinen haben also bereits auS deutschen Seemannskreisen eine große Anzahl Opfer gefordert. Die erste große Katastrophe nach dem Kriege von 1870 war das Unglück des Panzerschiffes „G r o ß e r K u r f ü r st", das am 31. Mai 1878 in der Nordsee zu Grunde ging. Es kamen dabei 269 Man» um. Sieben Jahre später wurde die Korvette „Augusta" im Arabischen Meer das Opfer eines furchtbaren Sturmes und nahm 223 Mann mit ins nasse Grab. Am 16. März 1889 zerschellten im Hafen von Apia in Samoa der „Eber" und der „Adler", wobei 53 Seeleute de» Tod fanden. Am 28. August starben 13 Mann beim Untergang des Torpedobootes „S. 41“. Am 11. April 1896 waren beim Untergang des Torpedobootes „S. 48" im Jadebusen drei Mann zu beklagen. Im gleichen Jahre, am 23. Juli, erfolgte die ost beschriebene Katastrophe des Kanonenbootes „Iltis", das an der chinesischen Küste von Schantung sank. Hierbei kamen
und durch seine verstorbene Gemahlin, eine bayerische Prinzessin, mit dem österreichischen Kaiserhaus verwandt. Gleichzeitig ist er durch allerengste Beziehungen mit dem würitember- gifchen Königshaus verwandtschastlich verbunden. •
Seat Wolken am Balkan.
Enttäuschung auf der ganzen Linie!
Am gestrigen Mittwoch ist nun die große Tat geschehen: Die Vertreter der Grotzmäch- t e haben in Sofia dem Ministerpräsidenten vorgestellt, daß die Türkei Vorschläge zum Frieden gemacht habe. Nach einem Telegramm tat dasselbe in Belgrad am gleichen Tage der österreichische Gesandte und in Athen sind am Dienstag abend die Gesandten der sechs Großmächte in corpore beim Minister erschienen, ebenso am Mittwoch in Cettnje. Die Antwort der Balkanminister war überall die gleiche: Ich bitte um Zeit zur Ueberlegung! Jm zwischen wird bekannt, daß der Schritt der Mächte überall Enttäuschung geweckt hat, bei den Türken sowohl wie bei den Balkan- Verbündeten. Wir verzeichnen folgende Drahtmeldungen:
Konstautiuopel, 6. März.
Die Situation ist seit einigen Tagen kritischer und Unklarer geworden, als je zuvor, selbst in den Tagen vor dem jungtür- kischen Putsch. Es ist allerdings fraglich, ob es der Regierung mit ihren Friedens- a b s i ch t e n. die ihr feit einer Woche nachgesagt werden, ernst ist. Wenn ja, dann dürsten die Vorgänge der letzten Tage sie mit doppelter Sorge erfüllen. Schon der Umstand, daß man die jüngst erfolgte Entdeckung des Komplotts gegen die Gewohnheit veröffentlichte, beweist den Verdacht, daß man dadurch Schwereres verhüten wollte.
Sofia, 6. März.
Der Inhalt der Mitteilung, die die Vertreter der Mächte gestern dem Ministerpräsidenten Gefchow gemacht haben, hat überall Enttäuschung hervorgerufen. Tie bulgarische Regierung wird sich unverzüglich wegen der Beantwortung des Anerbietens der Mächte mit den Verbündeten ins Einvernehmen setzen, was eine Verzögerung von drei bis vier Tagen verursachen wird. Es scheint ober bereits jetzt festzustehen, daß die Verbündeten das Anerbieten der Mächte nicht ohne weiteres annehmen werden.
Bukarest, 6. März-
Besatzung
ins nasse Grab hinabfanken. Vervollständigt wird diese Aufzählung durch die folgenden Katastrophen: Am 24. Juni 1902 wurde das Torpedoboot „8. 42 vor der Elbmündung durch einen englischen Dampfer versenkt. Es kamen dabei fünf Personen um, darunter der Kommandant. Am 17. November 1905 stieß das Torpedoboot „S. 126" in der Kieler Bucht mit dem kleinen Kreuzer „Undine“ zusammen und sank. Es starben ein Offizier und 32 Mann der Besatzung. Dieses Torpedoboots-Unglück war bisher das größte. Am 13. März 1908 rammte ein Hamburger Kohlenschiff in der Nähe von Cuxhaven das Torpedoboot „S. 12". Die Besatzung wurde gerettet, nur ein Maschinist ertrank. Am 15. April 1910 überfuhr der Kreuzer „München" bei der Insel Rügen das Torpedoboot „8. 122 . Auch hier konnte die Besatzung bis auf zwei Mann gerettet werden. Das Jahr 1912 sah zwei derartige Unfälle. Am 19. Juni rammte das Linienschiff „Hessen" bei einer Nachtfahrt vor Kiel das Torpedoboot „G. 110". Dabei kamen drei Mann ums Leben. Am 15. September zerschnitt das Linienschiff „ZLbringen bei Helgoland das Torpedoboot „G. 171“. Hierbei kamen 6 Mann um. In diesem Jahr sank am 12. Januar eine zum Torpedoboot „8. 70_ gehörige Jolle, wobei 3 Matrose» starben. Endlich seien erwähnt die Erplostonen auf bem Panzerschiff „Brandenburg" am 16. Februar 1894, die einzige derartige Katastrophe, bei der 41 Man» verunglückten, und der Untergang des Unterseebootes „U. 3", mit dem 3 Mann versanken. Die Gesamtzahl der Opfer beträgt bis jetzt, wenn man die Zahl von zwer- undsechzig Toten bei der neuen Katastrophe als richtig annimmt, 898. eine Ziffer, die Nein im Verhältnis zur Kopfzahl der Marine, erfchut- ternd aber im Hinblick auf die Tragödien onmutet. die sie in die Erinnerung zurück- ruft ...,!
sprechung über die zur Deckung der Militärvorlage bestimmten Steuergesetzentwürfe, die nunmehr im Reichsschatzamt ausgearbeitet sind. Bekanntlich hat im Januar schon eine solche Zusammenkunft bundesstaatlicher Minister stattgefuuden, in der man sich aber über die Form der nötigen Steuern, speziell über die Frage, ob Erbanfallsteuer oder Vermögenszuwachssteuer, nicht einigen konnte. Jetzt wird diese Einigung wohl erfolgen, und zwar nicht nur über die eine oder andere Besitzsteuer, sondern über alle die Steuerprojekte, die infolge der neuen Militärvorlage nötig werden.
Bayrische Steuer-Pläne.
Ein Privat - Telegramm meldet uns aus München: Gestern abend fand eine längere Konferenz zwischen dem bayerischen Mim- sterium und den Finanzautoritäten der Regierung bei Freiberrn von Hertling statt. Man kam zu einem Entschluß in der Stenerfra- ge. Die bayerische Regierung wird danach m der Konferenz der Finanzminister der Bundesstaaten eine Kotierungssteuer auf ausländische Wertpapiere zur Dek- kung der dauernden neuen Heeresausgaben Vorschlägen. _________
Sie Welt im MftMWfieber.
Statt Abrüstung: Rüstungsverstärkung!
Die Kölnische Zeitung, die zu den Organen gehört, in denen sich zuweilen der offiziöse Geist »et Berliner Wilhelmstraße regt, hat uns erzählt, das Millionen-Opfer deutscher Rüstungs-Verstärkung sei erforderlich geworden durch die Verschiebungen, die der Völkerkrieg am Balkan in den internationalen Mächte-Verhältnissen herbeigeführt habe, und da es sich bei diesen Wandlungen um dauernde, gewissermaßen historisch gewordne Erscheinungen handle, sei es Pslichtgebot einer in Wehr und Waffen starken Nation, dieser Tatsache Rechnung zu tragen und die eigne Rüstung den veränderten Verhältnissen und der erhöhten Gefahr kriegerischer Verwicklungen anzupassen.
7 Gegen diese Argumentation läßt sich nichts einwenden: Der Krieg am Balkan hat tatsächlich die europäische Mächte-Konstellatian verändert, hat im Südosten des Kontinents eine neue Machtgruppe zur Höhe des Erfolgs und der nattonalen Selbständigkeit emporgetragen und die an der Erhaltung des Friedens interessierten Großmächte gezwungen, einen neuen E Faktor (den Balkanbund) in die europäische Friedenskalkulation einzustellen. Aehnlich (wenn auch in den Wirkungen weitreichender und bedeutsamer) war's nach dem Niederstnken des russischen Kolosses unterm Schwert der t Japaner auf den blutgetränkten Feldern der
Mandschurei: Damals trat Japan in den Vorder- ./ gründ des internationalen Interesses und der internationalen Sorge und was der Zusammenbruch russischer Kriegsmacht an technischen und politischen Erfahrungen der staunenden Welt gebracht, sahen wir im Lauf der Jahre in der allgemeinen Rüstungs-Verbesserung und militärischen Machtstärkung praktisch wirksam werden.
Jeder Krieg, wenn er nicht grade um Tripolis oder Abessinien geführt wird, muß not- xwendigerweise entscheidende Wirkungen auch ? auf die Gestaltung der internationalen Machtverhältnisse haben, und wenn also die offiziöse Begründung der neuen Heeres-Forderung - ohne weiteres als Erkenntnis-Grundsatz aeschätzt werden müßte, würde sich aus dem Resultat jedes neuen Kriegsbrands für die um ihre Wehrkraft besorgten Nationen Pflicht und Notwendigkeit herleiten lassen, die drückende Millionen-Last der Kriegsrüstung abermals zu erhöhen und der Wirtschaftskraft der Völker
immer neue und schwerere Opfer zuzumuten. Man würde auf diesem Wege allerdings in nicht zu ferner Zeit zum Abgrund des finanziellen Ruins gelangen, und auf diesem Kul- minations-GiPfel könnte dann nur der katego-