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Hessische Abendzeitung

Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, 7. MSrz 1913

Nummer 78

Fernsprecher 951 und 952.

siebzig Millionen zu veranschlagen ist. Zusammenkunft der leitenden Minister Bundesstaaten (bie zufällig während des suches des Prinzregenten von Bayern nächsten Sonnabend stattfindet) gilt einer

Die der Be- am Be.

dakteur derNeuen Freien Preffe gegenüber folgendermaßen: Es geht weiter zum Frie­den, langsam, sozusagen auf Krücken, aber es geht vorwärts. Alle Mächte bemühen sich um den Frieden und hoffentlich ist der Eindruck richtig, daß auch Serbien nach den Kriegs- monaten einen ehrlichen Frieden mit Oesterreich-Ungarn haben will.

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Sie Todesopfer der Morine.

Neunhundert Opfer von Katastrophen.

Anläßlich des verhängnisvollen Tor­pedoboot-Unglücks bei Helgoland (über das wir in der ersten Beilage eingehend berichten) wird uns aus M a -

72 Mann der Besatzung ums Leben. Ein Jahr später kenterte das Torpedoboot8. 26" am 22. September 1897 in der Elbmündung, Herzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg, der Kommandant des Bootes, und sechs Mann gingen dabei mit unter. Am 16. Dezember 1900 folgte das gräßliche Unglück der Kreuzerkorvette Gneisenau", die bei Malaga das Opfer eines Sturmes wurde und mit der der Kapitän und 39 Seekadetten und andere Personen der

Haltungen am Sonnabend und Sonnntag wird erklärlicherweise die Deckungsfrage sein. Von eine*,« Bundesstaat wird der Antrag ge­stellt werden, dem Schwerin - Löwitzscheu Vor­schlag den Vorzug vor der eine« oder anderen Besitzsteucr zu geben und zwar deshalb, weil bei ihrer Durchführung mehr als hundert Millionen Mark für das Reich zu erwarten seien, während der Er­trag der Vcrmö genszuw achssteuer auf etwa sechzig Millionen und der Erbanfallsteuer, mit der eine Wehrsteuer verbunden ist, auf etwa

Em derüscher Fürst von Mauren?

Der Herzog vou Urach als Anwärter.

W i e n, 6. März. (P r iv a tte l e g ramm.) In hiesigen gutunterrichteten politischen Krei­sen. die mit der Hofburg rege Fühlung haben, wird als aussichtsreichster Kandidat auf den Thron Albaniens der Herzog Wilhelm von ii *« <h genannt. Ter Herzog ist Witwer

nalopfer der Milliarden-Spende eine Win­zigkeit zu nennen, und die Milliardenlaft der Wehr-Rüstung werde zur süßen Bürde, wenn man ihr gegenüber die Schicksalwucht eines Krieges (dessen Verhütung sie dient) ins Auge fasse.

In diesem Gedankengang, dessen Logik und wirtschaftspolitisch - theoretische Exaktheit nicht anzuzweifeln sind, spiegelt sich die Auffas­sung der überwiegenden Mehrheit deutscher Volksgemeinschaft wider, und Erwägungen die­ser Art sind auch bestimmend gewesen für die Aufnahme, die die weit aus dem Rahmen bethmännischer Rcichspolitik heraustretende Idee der Millionen-Spende in allen Schichten der Nation gefunden hat. Wir dürfen beruhigt in die Zukunft schauen: Die hundert Jahre, die zwischen den Tagen deutschen Völkerfrühlings und dem Frühlenz neunzehnhundertdreizehn liegen, haben die nationale Stärke des Volks­tums nicht gemindert, den vaterländischen Ge­danken nicht im Wert erschöpft; wir opferten einst und wir opfern heut, und imNational- bewußtscin deutscher Volkheit werden in ernster Stunde stets deutsche Hände sich zu deutschem Werk zusammenfinden. Das ist unser Trost. Unsre Sorge aber gilt der Frage: Bis zu welchen Verzweiflungs-Leistungen wird das in wilden Schauern die ganze Welt heimsuchende Rüstungssiebcr die Völker spornen, wenn der unaufhörliche Wettbewerb der Nationen unter­einander dasMächte-Gleichgewicht" immer aufs neue erschüttert und nationalistischer Fa­natismus unaufhörlich Hirn und Nerven peitscht? Dieser Frage die Antwort zu fin­den, ist sicherlich noch wichtiger als die Entwir­rung des uns quälenden Milliarden-Problems. denn es wird der Tag kommen, wo selbst heroischste Selbstverleugnung seufzend bekennen muß: Wir sind am Ende unsrer Kraft ...!

rische Imperativ:Abrüstung!" Rettung vorm Zusammenbruch bringen. Bis dahin in­dessen ist's noch weit: Wir sehen heute, wie ganz Europa und selbst Asten von den Schauern :ines wilden Rüstungsfiebcrs geschüttelt wird, bestaunen die Leistungskraft nationalen Opfer­muts, die Milliarden aus der Erde stampft, und ihnen, daß diese gewaltige Regung völkischer Wehr - Ermannung von stärker» Impulsen bestimmt wird, als künstlich erzauberte Stim­mungsmache ste entfachen könnte.

Deutschland opfert, wie vor einem Jahr­hundert zu nationaler Großtat begeistert, eine Milliarde aus den Beständen des Volks - Vermögens; Frankreich spornt in heroischer Kraftanspannung die physische Lei­stung der Volks - Gemeinschaft zu höch­stem Selbstverleugnungs Effekt: England er­listet durch klug erdachte, patriotisch - umrankte Erpresser - Manöver den Dreadnought - Tribut seiner Kolonien in nie erträumter Fülle; Ruß­land formt aus den ungeheuren Volksmassen des Riefenreichs immer neue, gewaltigere Hee­ressäulen; in Japan läßt das Rüstungsfieber diePulse wie in den Schauern des Siegesrauschs im Beginn des neuen Jahrhunderts fliegen, und selbst im Herrschaftsbereich chinesischer Trägheit, in der Republik der Mitte, eifert na­tionalistischer Fanatismus für ein Volksreich in Waffen. Und bange Sorge fragt: Wie soll Tas enden? Bertha Suttners Friedensruf:. Di- Waf­fen nieder!" klingt wie aus eines Märchens Idyll ins waffenstarrende zwanzigste Jahrhundert herüber. William Steads verträumter Frie­dens-Idealismus ist ins Reich der Schatten entschwunden und übers Erdrund klingt, dring­licher und schriller als je, der Ruf nach Wehr und Waffen. Nach Waffen, die den Friede» schirmen, die Krieggefahr scheuchen und den Böllern Ruhe und Sicherheit gewährleisten sol­len. Ein mitten im hastenden Getriebe wirt­schaftlicher Erwerbsarbeit stehender deutscher Finanzmann hat, um seine Meinung über Mög­lichkeit und Zweck des deutschen Milliarden- Opsrrs für Heer und RüsMng befragt, erklärt, gegenüber der Gefahrengrötze eines unglückli­chen Krieges fei das «out Reick» exhßtne Ratio-

Auf dürfen zum Frieden?

El» hervorragender Staatsmann spricht.

Wien, 6. März. (Privat - Tele- g r a m m.) Ein hervorragender Staats­mann, der über die äußere politische Lage genau unterrichtet ist, äußerte sich einem Re-

Tie Lage wird hier als überaus ernst bezeichnet. Der französische Gesandte fragte bei der rumänischen Regierung an, ob diese nicht dem von Bulgarien angegebe­ne» Schiedsgericht zustimmen wolle. Der Ministerpräsident erwiderte, die Regierung müsse den Beschluß des Minifterrats aufrecht erhalten, der auf die Annahme einer Vermitt­lung der Mächte ohne irgend eine Ver­pflichtung Rumäniens laute. Die Stimmung in Rumänien ist so b e d r o h l i ch wie n i e - mals seit dem Beginn des Balkankrieges.

Daß der Schritt der Mächte, die Friedens- Verhandlungen zwischen der Türkei und den Balkanstaaten durch fteundschaftliche Vorstel­lungen zu fördern, ergebnislos bleiben dürfte, wird auch in einem uns aus Athen zugehenden Privat-Telegramm bestä- ttgt, in dem es heißt: Die gestrig« gemeinsame Vermittlung der Gesandten der Großmächte bei dem Minister des Aeußern wird hier für aus­sichtslos angesehen. Es wird erklärt, fo lange die Türkei nicht klar und bedingungslos die Forderungen der Verbündeten angenommen hätte, werde kein Frieden geschlossen wer­den können, da die Verbündeten nickt gesonnen seien, sich auf neue Winkelzüge der Türkei ein­zulassen.

Vor neuen Stürmen?

Milliarden-Bankett beim Kanzler.

fPrtvat-Tekenramm.l

Berlin, 6. März.

Am Sonnabend gibt der Reichskanzler ein parlamentarisches Essen, zu dem eine große Anzahl namhafter Reichstagsabge­ordneter eingeladen sind. Am Sonntag kom­me» die Finanzminister der Bundesstaate» in I Berlin zu der schon angekündigten Besprechung I zusammen. Tex Kauptgcgenstand der Unter»

Nachtdienst auf hoher Tee.

Der nächtliche Dienst der Torpedoboote.

Die entsetzliche Torpedobootskatastrophe bei Helgoland legt die Frage nahe, ob solche Ka­tastrophen. die sich auch in der deutschen Flotte bereits mehrfach ereignet haben, ver­hindert werden können. Die neue Kata­strophe übertrifft an Umfang alle in der deut­schen Marine früher vorgekommenen Torpedo­bootskatastrophen. Die Ursache war aber bet fast allen die gleiche. Die Frage nach Ab Hilfe wurde auch bei den früheren Unfälle» lebhaft erörtert, ohne daß es jedoch möglich gewesen wäre, wirlliche Maßregeln zu finden. Die Ge- fahr liegt eben in dem nächtlichen Dienst der Torpedoboote. der eine unabwendbare Not­wendigkeit ist. Das bisher größte derartige Un­glück in der deutschen Marine war die Kata-

Konstantinopel, 6. März. (Tele - grammdes Wiener Korrespondenz- Bureaus.) Während der vorgestern und gestern abgehaltenen geheimen Stt-ungen des jnngtürkischen Komitees kam eS (wie verlautet) zu sehr erregten Debatten über die Frage des Friedensschlusses. Ter frühere Minister Haire soll erflärt haben, wenn der Friedensschluß die Notwendigkeit der Ab­tretung AdrianopelS ergeben sollte, so müsse das Kabinett demissionieren. Ta- laat Bey trat dieser Aeutzerung heftig entgegen. Bisher ist über die Frage des Friedens kein Beschluß gefaßt worden. Haire verließ die Sitzung, ohne an den weiteren Verhandlungen teilgenommen $u haben.

rine-Kreisen folgendes geschrieben:

Rund neunhundert Todesopfer! Das ist das traurige Ergebnis einer Zusam­menstellung aller bei den bisherigen Katastro­phen der deutschen Marine ums Leben Gekom­menen. Das tückische Element und die unbe­rechenbaren Maschinen haben also bereits auS deutschen Seemannskreisen eine große Anzahl Opfer gefordert. Die erste große Katastrophe nach dem Kriege von 1870 war das Unglück des PanzerschiffesG r o ß e r K u r f ü r st", das am 31. Mai 1878 in der Nordsee zu Grunde ging. Es kamen dabei 269 Man» um. Sieben Jahre später wurde die KorvetteAugusta" im Arabischen Meer das Opfer eines furchtbaren Sturmes und nahm 223 Mann mit ins nasse Grab. Am 16. März 1889 zerschellten im Hafen von Apia in Samoa derEber" und der Adler", wobei 53 Seeleute de» Tod fan­den. Am 28. August starben 13 Mann beim Untergang des TorpedobootesS. 41. Am 11. April 1896 waren beim Untergang des Tor­pedobootesS. 48" im Jadebusen drei Mann zu beklagen. Im gleichen Jahre, am 23. Juli, erfolgte die ost beschriebene Katastrophe des KanonenbootesIltis", das an der chinesi­schen Küste von Schantung sank. Hierbei kamen

und durch seine verstorbene Gemahlin, eine bayerische Prinzessin, mit dem österreichischen Kaiserhaus verwandt. Gleichzeitig ist er durch allerengste Beziehungen mit dem würitember- gifchen Königshaus verwandtschastlich ver­bunden.

Seat Wolken am Balkan.

Enttäuschung auf der ganzen Linie!

Am gestrigen Mittwoch ist nun die große Tat geschehen: Die Vertreter der Grotzmäch- t e haben in Sofia dem Ministerpräsidenten vor­gestellt, daß die Türkei Vorschläge zum Frie­den gemacht habe. Nach einem Telegramm tat dasselbe in Belgrad am gleichen Tage der österreichische Gesandte und in Athen sind am Dienstag abend die Gesandten der sechs Groß­mächte in corpore beim Minister erschienen, ebenso am Mittwoch in Cettnje. Die Antwort der Balkanminister war überall die gleiche: Ich bitte um Zeit zur Ueberlegung! Jm zwischen wird bekannt, daß der Schritt der Mächte überall Enttäuschung geweckt hat, bei den Türken sowohl wie bei den Balkan- Verbündeten. Wir verzeichnen folgende Draht­meldungen:

Konstautiuopel, 6. März.

Die Situation ist seit einigen Tagen kri­tischer und Unklarer geworden, als je zuvor, selbst in den Tagen vor dem jungtür- kischen Putsch. Es ist allerdings fraglich, ob es der Regierung mit ihren Friedens- a b s i ch t e n. die ihr feit einer Woche nachge­sagt werden, ernst ist. Wenn ja, dann dürs­ten die Vorgänge der letzten Tage sie mit doppelter Sorge erfüllen. Schon der Umstand, daß man die jüngst erfolgte Ent­deckung des Komplotts gegen die Gewohn­heit veröffentlichte, beweist den Verdacht, daß man dadurch Schwereres verhüten wollte.

Sofia, 6. März.

Der Inhalt der Mitteilung, die die Ver­treter der Mächte gestern dem Ministerpräsi­denten Gefchow gemacht haben, hat überall Enttäuschung hervorgerufen. Tie bul­garische Regierung wird sich unverzüglich we­gen der Beantwortung des Anerbietens der Mächte mit den Verbündeten ins Einverneh­men setzen, was eine Verzögerung von drei bis vier Tagen verursachen wird. Es scheint ober bereits jetzt festzustehen, daß die Ver­bündeten das Anerbieten der Mächte nicht ohne weiteres annehmen werden.

Bukarest, 6. März-

Besatzung

ins nasse Grab hinabfanken. Vervollständigt wird diese Auf­zählung durch die folgenden Katastrophen: Am 24. Juni 1902 wurde das Torpedoboot8. 42 vor der Elbmündung durch einen englischen Dampfer versenkt. Es kamen dabei fünf Per­sonen um, darunter der Kommandant. Am 17. November 1905 stieß das TorpedobootS. 126" in der Kieler Bucht mit dem kleinen Kreuzer Undine zusammen und sank. Es starben ein Offizier und 32 Mann der Besatzung. Dieses Torpedoboots-Unglück war bisher das größte. Am 13. März 1908 rammte ein Hamburger Kohlenschiff in der Nähe von Cuxhaven das TorpedobootS. 12". Die Besatzung wurde gerettet, nur ein Maschinist ertrank. Am 15. April 1910 überfuhr der KreuzerMünchen" bei der Insel Rügen das Torpedoboot8. 122 . Auch hier konnte die Besatzung bis auf zwei Mann gerettet werden. Das Jahr 1912 sah zwei derartige Unfälle. Am 19. Juni rammte das LinienschiffHessen" bei einer Nachtfahrt vor Kiel das TorpedobootG. 110". Dabei ka­men drei Mann ums Leben. Am 15. Septem­ber zerschnitt das LinienschiffZLbringen bei Helgoland das TorpedobootG. 171. Hierbei kamen 6 Mann um. In diesem Jahr sank am 12. Januar eine zum Torpedoboot8. 70_ ge­hörige Jolle, wobei 3 Matrose» starben. End­lich seien erwähnt die Erplostonen auf bem PanzerschiffBrandenburg" am 16. Fe­bruar 1894, die einzige derartige Katastrophe, bei der 41 Man» verunglückten, und der Un­tergang des UnterseebootesU. 3", mit dem 3 Mann versanken. Die Gesamtzahl der Opfer beträgt bis jetzt, wenn man die Zahl von zwer- undsechzig Toten bei der neuen Katastrophe als richtig annimmt, 898. eine Ziffer, die Nein im Verhältnis zur Kopfzahl der Marine, erfchut- ternd aber im Hinblick auf die Tragödien onmutet. die sie in die Erinnerung zurück- ruft ...,!

sprechung über die zur Deckung der Militär­vorlage bestimmten Steuergesetzent­würfe, die nunmehr im Reichsschatzamt aus­gearbeitet sind. Bekanntlich hat im Januar schon eine solche Zusammenkunft bundesstaat­licher Minister stattgefuuden, in der man sich aber über die Form der nötigen Steuern, spe­ziell über die Frage, ob Erbanfallsteuer oder Vermögenszuwachssteuer, nicht einigen konnte. Jetzt wird diese Einigung wohl erfol­gen, und zwar nicht nur über die eine oder andere Besitzsteuer, sondern über alle die Steuerprojekte, die infolge der neuen Mili­tärvorlage nötig werden.

Bayrische Steuer-Pläne.

Ein Privat - Telegramm meldet uns aus München: Gestern abend fand eine län­gere Konferenz zwischen dem bayerischen Mim- sterium und den Finanzautoritäten der Regie­rung bei Freiberrn von Hertling statt. Man kam zu einem Entschluß in der Stenerfra- ge. Die bayerische Regierung wird danach m der Konferenz der Finanzminister der Bun­desstaaten eine Kotierungssteuer auf ausländische Wertpapiere zur Dek- kung der dauernden neuen Heeresausgaben Vorschlägen. _________

Sie Welt im MftMWfieber.

Statt Abrüstung: Rüstungsverstärkung!

Die Kölnische Zeitung, die zu den Organen gehört, in denen sich zuweilen der offiziöse Geist »et Berliner Wilhelmstraße regt, hat uns er­zählt, das Millionen-Opfer deutscher Rüstungs-Verstärkung sei erforderlich geworden durch die Verschiebungen, die der Völkerkrieg am Balkan in den internationalen Mächte-Verhältnissen herbeigeführt habe, und da es sich bei diesen Wandlungen um dauernde, gewissermaßen historisch gewordne Erscheinun­gen handle, sei es Pslichtgebot einer in Wehr und Waffen starken Nation, dieser Tatsache Rechnung zu tragen und die eigne Rüstung den veränderten Verhältnissen und der erhöhten Gefahr kriegerischer Verwicklungen anzupassen.

7 Gegen diese Argumentation läßt sich nichts einwenden: Der Krieg am Balkan hat tatsäch­lich die europäische Mächte-Konstellatian verän­dert, hat im Südosten des Kontinents eine neue Machtgruppe zur Höhe des Erfolgs und der nattonalen Selbständigkeit emporgetragen und die an der Erhaltung des Friedens interes­sierten Großmächte gezwungen, einen neuen E Faktor (den Balkanbund) in die europäische Friedenskalkulation einzustellen. Aehnlich (wenn auch in den Wirkungen weitreichender und bedeutsamer) war's nach dem Niederstnken des russischen Kolosses unterm Schwert der t Japaner auf den blutgetränkten Feldern der

Mandschurei: Damals trat Japan in den Vorder- ./ gründ des internationalen Interesses und der internationalen Sorge und was der Zusam­menbruch russischer Kriegsmacht an technischen und politischen Erfahrungen der staunenden Welt gebracht, sahen wir im Lauf der Jahre in der allgemeinen Rüstungs-Verbesserung und militärischen Machtstärkung praktisch wirksam werden.

Jeder Krieg, wenn er nicht grade um Tri­polis oder Abessinien geführt wird, muß not- xwendigerweise entscheidende Wirkungen auch ? auf die Gestaltung der internationalen Macht­verhältnisse haben, und wenn also die offiziöse Begründung der neuen Heeres-Forderung - ohne weiteres als Erkenntnis-Grundsatz aeschätzt werden müßte, würde sich aus dem Re­sultat jedes neuen Kriegsbrands für die um ihre Wehrkraft besorgten Nationen Pflicht und Notwendigkeit herleiten lassen, die drückende Millionen-Last der Kriegsrüstung abermals zu erhöhen und der Wirtschaftskraft der Völker

immer neue und schwerere Opfer zuzumuten. Man würde auf diesem Wege allerdings in nicht zu ferner Zeit zum Abgrund des finan­ziellen Ruins gelangen, und auf diesem Kul- minations-GiPfel könnte dann nur der katego-