Einzelbild herunterladen
 

1919.

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, 6. März 1913

Nummer 77

Fernsprecher 951 und 952.

Jns-rttsntprrtse: $te s«ch«gttpalte»e Zoll« für «tnhrtmisch» »rfchüft, 15 Wg., für au«, würuge Inserate 25 W, Reklame,ell« für «iuhetmtsch, «efchütt, 1» Pf, für auSnxtrNg, aef(1)4fti «0 Pf. »tnsach« Beilage« ritt 6te «esamtauslage werden mtt 5 Marr pro Tausend de. rechnet. Wege» ttzrer dicht«, Berdreitmrz in der Jteilben, und »er Umgebung sind die Sandet Sleueften Nachrichten et» vorzügliche« Insertionrorgan. »eschüftr-'t-lle: »olnische Ltrad, 5. Berliner Vertretung. SW., »riedrichüraSe 16, Telephon: «int Moritzplah 12584

Die «affeler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abend«. Der LbonnementSpreiS betrügt monatlich 60 Pfg. bet freier Zustellung in« Hau«. Bestellungen werde» jederzeit von der EeschüftSstelle oder den Bote» entgegengenommen. Druckerei, Verlag und Redaktion: Schlachthofstrabe 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bi« 8 Uhr abend«. Sprechstunden der «u«kunfl. Stelle: gebe Mittwoch und Freitag von 6 bi« 8 Uhr abend«. Berliner verttetung: SW, Friedrichs». iS. Telephon: Amt Motttzpla« 12584.

C Gier NM Nachrichten

"" Hessische Abendzeitung

*

Sie eursväische Sturmglocke?

Pf-

tt

[) zur nnia

iief

»er«

i«d sic övfe s.

Mk.

idere Rätz- v. «i.

Französische Stimmen zur Milliardenstenet.

DaS Echo deutscher Opferwilligkett zur Stär- tuita der nationalen Wehrkraft klingt schrill und drohend über die Vogesenberge zu unS herüber: Man erblickt inFrankreichinder deutschen Mlltardensteuer sür'S Heer ein Zei- chen kriegerischer Gesinnung, und es ist für bk Auffassung unsrer Nachbarn vom Wesen deutschen Nationalbewußtseins charak- teristisch, wenn der Berliner Vertreter der Boulevardblattes Echo de Paris seiner Zeitung depeschiert: »Mögen bk Franzosen überlegen: All daS ist sehr beunruhigend. Der Reichstag wird die Kriegssteuer annehmen. Er nennt sie jetzt schon bei diesem Namen, aber er ist sich über die außergewöhnliche Maßregel vollkommen im Klaren. Dieser diktato­rische Akt, dessen Initiative dem Kaiser zu­geschrieben wird, ist die Sturmglocke, die durch Europa tönen wird Und nicht min­der charakteristisch ist, waS der (sonst gemäßigte - und von kühler Vernunft geleitete) Figaro zu der Regung deutscher OPserwilligkeit sagt. Das Blatt schreibt: »Diese außergewöhnliche Steuer, die in der Geschichte einzig dasteht, wird die preu­ßische Einkommensteuertaxe für daS Reich verall­gemeinern und sie sechzehnfach vermehren. Es ist unnötig, zu betonen, wie diktatorisch, wie revolutionär eine solche Maßregel ist. Sie ist berechtigt in KriegSzeiten, wenn man «ine groß« Katastrophe befürch­tet, bei den gegenwärtigen normalen Zustän­den, wo weder eine innere, noch eine äußere Gefahr droht, ist sie nicht zu verstehen ...!" Es spiegelt sich in diesen beiden Aeußerungen französischen Geiste? in unverhüllter Natürlich­keit der gallische Groll wider den »Erbfeind" fc. jenseits der Vogesenberge, und die Tatsache, U daß man in Frankreich in der deutschen K Rüstungs-Milliarde die .Sturmglocke" wittert, fiL bkdurch Europa tönen wird", läßt ahnen, welch« Gedanken es sind, die sich hinter den F Stirnen französischer Chauvinisten zum Gespinst F friedengefährdender Halluzinationen verwe- V ben. Wir haben Anlaß, aus diese Gedanken und die Stimmen, in denen sie sich offenbaren, hellen Ohrs und scharfen Auges zu achten.

Berlin «nd Dresden.

Gestern vernahmen wir aus dem aus eig­nem Antrieb offiziösen Moniteur des Herrn August Scherl (mit einigen Zweifeln, aber doch nicht ohne Befriedigung): »Di« in andern Blät­tern verbreiteten Meldungen über die M e t - nungs-Verschiedenheiten zwischen Preußen und Sachsen in der Angelegen­heit der einmaligen Vermögenssteuer werden an maßgebender Stell« als unrichtig be­zeichnet. Sachsen steht vielmehr der Anregung des Reichskanzlers sympathisch gegenüber. Dasselbe läßt sich auch von bc« übrigen Bun­desstaaten sagen ...!" DaS klang, verglichen mit den Stimmen des Unbehagens aus dem Wochenbeginn, recht tröstlich, nimmt sich aber etwas eigenartig aus, wenn man jetzt im Leip­ziger amtlichen Organ der Sächsischen StaatSregierung, tn der Leipziger Zeitung, liest: »Der Besitz und die Gesamtheit der Be­güterten soll ein gewaltiges Opfer brin­gen zum Wohle des groben deutschen Vaterlan­des. ES ist nichts Alltägliches, wozu die Ge- samtheit der Besitzenden aufgefordert wird. Nur dem kleinsten Teil der von der Besteue-

t durch e auf alt an, 1 en ist.

gen n.

hten

n obe- ~

sofort i

en! 3

ht! j rantie, 4

in,

;r.l8

las

rung Erfaßten wird eS möglich sein, die Steuer auS dem laufenden Einkommen zu bezahlen. Demgegenüber und angesichts der sonstigen Bedenken gegen die Abgabe kann eS keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Vorgang nur ein einmaliger und ganz aus­nahmsweise durch die außerordentlichen Umstände bedingter sein kann, und daß gegen jede Wiederholung volle Gewähr geschaffen werden muß. lieber die Einzel­heiten des Vorschlags der Reichsleitung sowie über die mit ihr in engster Verbindung stehen- den weiteren Vorschläge zur Deckung der lau­fenden Ausgaben der HeereSverstärkung muß eine Verständigung noch gefunden werden ...!" Tas heißt mit andern Worten: Wir Sachsen wollen der, in einer offenbar«! Notlage befindlichen ReichSregierung von Dresden auS keine Steine tn den Weg wälzen, trotzdem Neigung und berechtigter Anlaß dazu hinlänglich vorhanden wären. Dir erwarten aber, daß AehnlicheS sich nicht wiederholen wird, und heischen ausreichende Garantien gegen jeden neuen Ver­such, bte Unfruchtbarkeit unsrer ReichS-Steuer- Politik durch den Appell ans VolkSgewissen zu verdecken!

*

Reichstag und HeereS-Vorlase.

Berlin, S. März. (V r iv at-T«l«- gramm) Tie Bemühungen der Regierung, die einzelnen Parteien für die neue M i l i -

Drama in der Marine

Wie Depesche« a«a Helgoland melde«, ist das deutsche Torpedo­boot 8 178 bei der Rückkehr von einer nächtlichen LebungSfahrt vom Dampfer York südwestlich vo« Helgoland gerammt worden. Das Torpedoboot sank Sinnen wenige« Minuten. Der DampferBork" ist unbeschädigt geblieben. Da daS Torpedoboot sehr schnell sank, konnten vo« den dreiundachtzig Mann der Besatzung nnr einige gerettet werden; die übrigen find ertrunken.

Nachtübung heimkehrenden Kriegsschiffen die- selbe Fahrtstrecke zugewiesen wurde. Handelt eS sich hier um einen verhängnisvollen Irr­tum oder um einen unglückseligen Zufall?

Die deutsche M a r i n e ist in einem Augen- blick von einer schweren und verhängnisvollen Katastrophe betroffen worden, in dem der Kaiser den deutschen Gewässern einen Besuch abstattete, um den Hebungen der Marine und der Vorführung der neuen Wasserflugzeuge bei« zuwohnen. W i e das Unglück im Dunkel der Rächt sich ereignet hat, welche Umstände die Katastrophe verursacht haben und wieviel Men­schenleben zu beklagen sind, steht noch nicht zwei- ekfrei fest. Fest steht nur die Tatsache, daß unsre Marine von einem Schicksalschlag betraf­en worden ist, wie er in bei Geschichte der deutschen Seemacht in d i e s e r tragischen Form bisher nicht zu verzeichnen war. Das Torpe- doboot, das nun auf dem Grund des Meeres ruht, «in zerbrochenes und zerborstenes Wrack, zählte zu ben seetüchtigsten kleineren Fahrzeu­gen der Marine, und eS kann also nur ejn un­glückseliger Zufall oder eine Verkettung ver­hängnisvoller Zufälligkeiten die Katastrophe herbeigeführt haben. Daß das Unglück sich im Dunkel der Nacht ereignete und daß der Zusam­menstoß mit dem Panzerkreuzer A)ork unweit Helgolands erfolgte, läßt vielleicht den Schluß zu, daß S 178 auf der Heimfahrt von der Nacht­übung mit abgeblendeten Lichtern, also in kriegsmäßiger Fahrt, dampfte, und daß infolgedessen der in der Fahrtrichtung ihm ent­gegenkommende Panzerkreuzer »Zjork" erst be­merkt wurde, als eS bereits zu spät und ein Abstoppen unmöglich war. Allerdings gründet sich auch diese Vermutung lediglich auf die An­nahme einer Möglichkeit, denn irgendwelche amtlichen Mitteilungen über Umfang, Ur­sache und Hergang der Katastrophe liegen biS zur Stunde noch nicht vor. Die bis mittags ausgegebenen, vom Reichs- Marine-Amt verbreiteten offiziösen Mitteilungen haben fol­genden Wortlaut:

DaS Unglück bei Helgoland.

(Privat-Telegramme.)

Berlin, 5. März.

DaS Reichsmarineamt gibt über daS Torpedobootsunglück bei Helgo­land folgendes bekannt: DaS Torpedoboot 8 178" ist in der vergangenen Nacht 11 Uhr 30 Minuten bei der Rückkehr von einer Nacht­übung durch den großen Kreuzer?) o r k" gerammt worden und in sehr kurzer Zeit gesunken. Rur ein geringer Teil der Besatzung hat gerettet werden können. Der große KreuztAvrk" ist unbeschädigt geblieben. Der Unglücksfall hat stattgefunden fünf Seemeilen südöstlich von Helgoland. Irgendwelche Einzelheiten über die U r s a ch e der Katastrophe sind noch nicht bekannt.

Berlin, 5. März.

Das gesunkene Torpedoboot8 178" lief tm Jahre 1909 auf der Schichau-Werft vom Stapel und hat bei einer Wasserverdrängung von 636 Tonnen einen BesatzungS Etat von dreiundachtzigMann. Das Boot ge­hört der elften Hauptflottille, die zurzeit mit dem Verbände für AufklärungSfchiffe (zu dem auch der große KreuzerNorf" zählt) in der Nordsee übte.8 178" ist in Wilhelmshaven beheimatet. Eine amtlich« Verlustliste wird sich erst aufstellen lassen, sobald die Ge­retteten gelandet worden sind, da die Be- satzungSllste in Wilhelmshaven geführt wird.

AuS diesen knappen Meldungen geht nicht hervor, ob daS Torpoboot sich in der Fahrt­linie des Panzerkreuzers »Dorf" befand, als daS Unglück geschah, oder ob der Dampfer bk ursprüngliche Fahrtrichtung geändert und durch irgendwelche Umstände in den Bereich der Fahrtstrecke deS ,8. 178" geraten ist Daß in- dessen grade in diesen Umständen, deren Aufllärung vorderhand noch nicht möglich ist, die Ursache deS Unglücks erblickt werden darf, kann als feststehend angenommen werden, da bet kriegsmäßigen Uebungen die Fahrtrichtung jedes einzelnen Fahrzeuges genau vorgeschrie­ben ist und Abweichungen nur vorgenommen werden dürfen, wenn besondere Umstände dies zur unabwendbaren Notwendigkeit machen. Bevor sich also ein Urteil über di« Tragweite daS Unglück geschah, oder ob der Kreuzer die läßt, wird das Ergebnis der Untersuchung dar­über abzuwarten sein, welche besonderen Ur­sachen dazu geführt haben, daß zwei von der

Eiuundachtzig Menschen-Opfer?

(Privat - Telegramm.) Wilhelmshaven, 5. März. Hier wird bekannt, daß nurvierMann der Besatzung des TorpedobootesS 178" ge­rettet werden konnten und einundachtzig Mannertrunken sind. In der Nacht ging ein sehr schwerer R o r d w e st st u r m auf der Nordsee und die außerordentlich hochgehende See machte die NettunaSarSeiten infolgedessen ihr schwierig. Di« Helgoländer Katastrophe ist durch die furchtbare Höhe des Mannschafts-, Verlustes der schwerste Schlag, von dem die deutsche Torpedo-Flottille bis jetzt betroffen wurde. Auch das Unglück deS vor acht Jahren vernichteten Torpedobootes8 126" bleibt mit einer Ziffer von dreiunddreißig Toten weit hinter der jebigen Katastrophe zurück. Un­ter den Geretteten befindet sich auch der Stabsarzt des untergegangenen Torpedo­bootes. Sofort nach dem Zusammenstoß traten Scheinwerfer der größeren Kriegsschiffe in Tä­tigkeit, und es wurden Leuchtkugeln abgefeuert, um die Unfallstelle zu beleuchten. Trotz den um- ässendeu Rettungsmaßnahmen konnte der PanzerkreuzerBork" mit einem anderen Tor­pedoboote nur einen kleinen Teil der Besatzung retten, während die meisten der an Bord Be­findlichen ertranken.

3» Nacht und Sturm.

(Privat-Telegramm!

Wilhelmshaven, 5. März.

Es bestätigt sich, daß der schwere Schiffs- zusammenstoß bei Helgoland in der ver­gangenen Nacht bei schwerem Sturm und außerordentlich hohem Seegang sich er­eignet hat und daß wahrscheinlich auch diesen Umständen die Katastrophe zuzuschreiben ist. Infolge deS gestrigen Sturmes war cS fast un­möglich, die Fahrtstrecke zu überblicken und da der Panzerkreuzer?)orf" daS Torpedoboot in der Flanke traf, wird angenommen, daß entweder daS untergegangene Torpedoboot oder der Panzerkreuzer durch den schweren Sturm aus der ursprünglichen und vorgeschriebenen Fahrtrichtung abgetrieben und so in fremdes Fahrwasser gelangt ist. Neber die Einzelheiten der Katastrophe, namentlich auch über die Bor- gänge, die sich im Augenblick deS Zusammen­stoßes an Bord abgespielt haben, fehlen noch alle zuverlässigen Meldungen. Seitens der Ge­retteten konnten bisher darüber Mitteilungen nicht gemacht werden; sie befinden sich in einem derart erschöpften Zustand«, daß sie bis zur Mittagsstunde nicht vernommen werden konn- ten. Kommandant und Offiziere des ®. 178" sind mit ertrunken.

Der Kaiser und daS Unglück.

(Privat-Telegram ml

Breme«, 5. März.

Der Kaiser ist heute gegen zehn Uhr vormittags von Wilhelmshaven im Auto ab­gefahren, um die feit längerer Zeit festgesetzte Besichtigung des neuen Rathauses in B r e - men vorzunehmen. Die Ankunft in Bremen erfolgt« gegen halb ein Uhr nachmittags. Dis jettt ist eine Absage der getroffenen Dispositio­nen nicht erfolgt. ES wird bekannt, daß der Kaiser über daS Marine-Unglück bei Helgoland sofort telegraphischen Bericht auS Wilhelms­haven eingefordert hot und daß bereits heute nachmittag in Breme« dem Kaiser über daS Unglück Vortrag gehalten werden so«. In Wilhelmshavener Marinekreisen ist man der Ueberzeugung. daß nur der schw ere Sturm und der hohe Seegang di« Katastrophe verschuldet haben können, da für di« Nacht. Übung der Flotte ave DiSposittonen in sorg- fältigster Weise getroffen waren und auch über die Rückfahrt der von der Hebung heimlehren, den Schiffe genaue Anweisungen vorlagen. Daß von der Besatzung des untergegangenen Torpedobootes nur wenige Mann gerettet werden konnten, wird dem Umstand zngr- fchrieben, daß bei der schweren See bte Ret­tungsboote nicht an das stickende Schiff heran­gebracht werden konnten.

tärvorlagezu gewinnen, dauern fort. De, NnterstaatSsekretär Wahnschaffe, der politisch« Adjutant des Reichskanzlers, weilte am Mon­tag nachmittag längere Zeit im Reichstag, nm mit verschiedenen politischen Persönlichkeiten die allgemeine Situation zu besprechen. All- gemein fiel die lange Unterredung auf, bk er mit dem bekannten nationalliberalen Abgeord- nete« Professor van Golfet. Straßburg hatte. Nach Lage bet Sache kann es schon jetzt keinem Zweifel mehr unterliegen, daß fich für die Vorlage und die Deckungspläne eine aus­reichende Mehrheit im Reichstag finden wird und daß Konservative, Zentrum und Na­tionalliberale voraussichtlich zusammen« gehen werden.

Irr neue Herr der Union.

Präsident Wilsons AmtS-Antrttt.

Unter den üblichen eindrucksvollen Feierlich­keiten vollzog sich gestern in Washington der Wechsel tn der Regierung und der Einzug des neuen Präsidenten Wilson in daS Weiße Haus. Der offizielle Akt spielte sich teils im Sitzungssaale des Senats, teil? aus der Freitreppe des Kapitols ab, wo in Ge­genwart einer vieltausendköpfigen Menschen­menge der Vorsitzende de? Oberbundesgerich­tes dem neuen Präsidenten den Nmtseid ab­nahm. Hierauf hielt Präsident Wilson feine Antrittsrede, die ein zum Teil mit hin­reißendem Schwung vorgetragenes sozial­politisches Programm bedeutet. Nach einer eingehenden Würdigung der speziellen Aufgaben der nordamerikanischen Politff kam der Präsident auf die allgemeinen sozialen und ethischen Grundsätze der Polittk zu sprechen.

Staat- Politik und Gesellschaft.

Gerechtigkeit, nicht Mitleid ist Grundsatz!

Präsident Wilson wies in seiner Antritts­rede darauf hin, daß Amerika, wie vielleicht keine andere Nation, die besten Produk­tionsmittel studiert habe, aber eS habe weder ihre Kosten, noch ihre Anwendung fo tudiert, wie es die Amerckaner als industriell« Organisatoren, als Staatsmänner oder al» Einzelpersönlichkeiten hätten tun müssen. Eben­sowenig haben wir (so fuhr der Präsident fort) die Mittel studiert und vervollkommnet, wie bk Regierung in den Dienst der Humanität gestellt werden könnte zur Förderung deS Woh­les der Nation, des Wohles ihrer Männer, Frauen und Kinder, wie ihrer Rechte im Kampf ums Dasein. Das ist kein« Sentimen­talität. Die seste Grundlage einer Regierung ist Gerechtigkeit, nicht Mitleid. Unb dies sind Aufgaben bet Gerechtigkeit. Gleich­berechtigung unb Bewegungsfreiheit, die eigent­liche Grundlage der Gerechttgkeit in einem po- Mischen Körper, können nicht bestehen, wenn Männer, Frauen und Kinder nicht in ihrem Leben, in ihren eigensten Lebensbedingungen gegen die Folgeerscheinungen der großen inbu- sttiellen unb sozialen Prozesse geschützt wer­den, an denen sie nichts ändern, die sie nicht lenken unb mtt denen die einzelnen nicht fertig werden können.

Di« soziale Gesellschaft darf ihre eigenen Glieder nicht zermalme«, schwächen oder schädigen. Die erste Aufgabe bet Gesetze ist, bte Gesellschaft gesund $u erh alten, der sie dienen. Sanitär« Gesetz«, Nahrungsmittelgesetze und Gesetze über die Ar. beitsbedingungen, welche die einzelnen für sich selbst festzusetzen nicht die Macht haben, daS sind die wichtigsten und eigentlichsten Aufgaben bet Gerechtigkeit unb der Gesetze . Das ist einiges von dem, waS wir zu tun Laben, ohne dabei daS andere ungetan zu lassen, das Altherge­brachte, das niemals vernachlässigt werden darf, daS Grundlegende, nämlich den Schutz de» Eigentums und deS persönlichen Rechts. DaS ist die hohe Aufgabe des neuen Tages, alles, waS unser Leben als Nation betrifft, tn da» Sicht zu stellen, daS aus dem G e w i s s e n unb den RechtSbegriffen eine» jeden aus- strahlt. ES ist undenkbar, daß wir dteS al» Parteimenschen tun kömtten. Wir sollen wiederaufbauen, nicht zerfiören. Wir werden unser wirtschaftliches System nehmen, wie eS ist und wie eS abgeändert werden kann, nicht, wie eS werden könnte, wenn wir ein weiße» Blatt Papier vor uns hätten. Gerechtig-' feit und nur Gerechtigkeit soll allezeit' unser« Losung sei«. *

DaS Bekenntnis des Präfidente«.

Präsident Wilson schloß seine mit jubeln« dem Beifall aufgenommene Rede mit folgen, bett Worten: Es ist heute kein Tag des Tri­umphs, es ist ein Tag der Hingabe. Hier wer- den nicht die Kräfte einer Partei, sondern bte Kräfte der Menschheit aufqerufen. Menschenherzen warten auf uns. Menschen­leben stehen auf dem Spiel, Menschenboffnung will wissen, was wir zu tun gedenken. Wer wird dieses große Vertrauen rechtfertigen? Wer