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3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 5. Marz 1913

Nummer 76

Fernsprecher 951 und 952.

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trachtet man fast allgemein tatsächlich dieReichS- Vermögenssteuer als ein geeignetes Mittel, daS Steuerbukett, vor allem aber die indirekten Steuern, zu vermindern, die sonst zur Deckung der laufenden Kosten der neuen Rüstungen ge­funden werden müßten.

Zer Faden der Ariadne?

Reichsschatzsekretär Kühn will gehen!

Wie uns aus Berlin berichtet wird, find am Dienstag die Finanzmini­ster der Bundesstaaten abermals zu­sammengetreten, um über die Dek- kungsfrage für die Militärtzorlage zu beraten. Im Zusammenhang da­mit wird bekannt, daß Reichsschatz- sekretär Dr. Kühn in allernächster Zeit von seinem Poste« zurücktreten wird, nachdem er vor Woche» avsDrän- gen des Kanzlers von einem Entlas­sungsgesuch Abstand genommen hatte.

Wäre der Herr Kanzler und Generalmajor über Nacht Feldmarschall geworden und Herr Doktor Kühn zur Höhe Miquel'schen Genies V emporgestiegen: Die Welt zwischen Etsch und Belt hätte nicht erstaunter sein können als jetzt über denM i l li a r d e n-Sch ächz ng", der ; tausend funkelnde Millionen aus der selbstlosen Liebe zum Vaterland hervorzaubern und Herrn von Bethmann Hollweg der drückenden Sorge entheben soll, die Rüstungslast durch die Me- M. thode salomonischer Weisheit erträglich zu ge­stalten. Das Wunder ist so seltsam und rätsel- haft, wie das Geheimnis einer Maien-Nacht: M In der Freitag Frühe kam Herr Kühn heim von der Wanderschaft; etwas verdrossen und enttäuscht, weil man an Isar und Neckar den Mann vom Norden mit ängstlich zugeknöpften - Taschen empfangen und verabschiedet; abends U. saßen im Kabinett des Reichsschatz-Sekretärs M die Prominenten aus Wallots Haus zu vertrau- | lichem Rat versammelt, und am Sonnabend schon konnte das offiziöse Kanzlerblatt allen t Denen, die noch unter drückender Sorgen Last M seufzten, mit bellen Posaunenstößen verkünden, M daß nun der Stein der Weisen gefunden: Das i Milliarden-Opfer dringlichster Rüstungsausga- ben werde durch «ineeinmalige Abgabe vom Vermögen" erträglich gestaltet, von den wirt- Mstlich leistungsfähigsten Schultern getragen ; : end demgemäß nicht zur drückenden Last für die F' Vrmen und Aermsten werden.

! Wer war der Vater des erlösenden Ge-

wird möglicherweise noch eine Aenderung er­fahren, falls dem russischen Kriegsminister von französischer Seite der Wunsch nach neuen For­mationen zugeht. Die D u m a - Kom­mission wird sich angelegentlichst mit der Vermehrung der Cadres der ersten Kategorie befaffen, da die gegenwärtigen Cadres für eine im Ernstfälle auf 4 800 000 Mann zu bringende Reserve unzureichend sind. Bei den künftigen Rekrutterungen will man darauf Rücksicht nehmen, daß die ruffische Ar- tilleriedirektion noch im Jahre 1913 sieben­hundert neue Geschütze erhält und für das erforderliche Plus an Offizieren u. Mann­schaften Sorge zu tragen hat. Die Arttlleriedi- rrktion wird ihren Geschützpark auf fünf­zehntausend Feldgeschütze bringen.

Wo ist Anselm Goetzl?

Die neueste Millionen * Defraudation; Ge­neraldirektor Anselm Goetzl als Komponist, Künstler, Kapellmeister u. Schuldenmacher.

In Prag erregt das Verschwinden des Ge­neraldirektors Dr. Anselm Goetzl von der Prager Papierfabrik, Aktiengesellschaft, der eine Schuldenlast von anderthalb Millio­nen Kronen angehäuft hat, großes Auf­sehen. Goetzl ist ein bekannter Komponist und war längere Zeit unter Mottl als Ka­pellmeister am Hoftheater in Karlsruhe tätig. Er führte ein sehr luxuriöses Leben und konnte deshalb trotz feiner großen Einnahmen und seines großen Vermögens seine Ausgaben nicht decken. Wo Goetzl sich zurzeit aufhält, konnte bisher nicht ermittelt werden, ließet die Affäre werden folgende Einzelheiten bekannt:

Goetzls Glück und Ende.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.l

Prag, 4. März.

Der flüchtige Generaldirektor Anselm Goetzl hat eine Schuldenlast von mindestens anderthalb Millionen Kronen hinterlassen. Mit der Motivierung, daß er Aktien seiner Ge­sellschaft ankaufen wolle, erschwindelte er von verwandten und zahlreichen Freunden große Beträge. Unter den Gebern befinden sich auch zahlreiche Persönlichkeiten der Prager Fi- nanzweit. Als Goetzl sah, daß seine Lage unhaltbar wurde und auch mehrere Ausflüge nacki Monte Carlo, die er unternommen hatte, um sich durch Spielgewinne zu sanieren, nur mit neuen Verlusten endeten, versuchte er im letzten Augenblick seine eigene Fami­lie zu prellen. Sein Bruder befindet sich in Zahlungsschwierigkeiten nnd Goetzl suchte nun von einem Verwandten eine halbe Million zu erschwindeln, unter dem Vorgeben, daß er mit diesem Gelde seinen Bruder sanieren wolle, damitdie Schande nicht auf die Familie falle". Als auch dieser Versuch, zu Geld zu kommen, scheiterte, flüchtete Goetzl. Kommer­zienrat Anselm Goetzl war in Prag eine be­kannte Persönlichkeit. Vor Jahren war er ziveiter Kapellmeister unter Angelo Neumann am Deutschen Landestbeater in Prag. Auch k o m p o n i e r t hat er, und von seinen Werken ging die komische OperD i e Z i e t p uP p e n" über zahlreiche deutsche Bühnen. Vor kurzem w urde sie

in Mannheim aufgeführt und ht verschiedenen der angesehensten

Theater Amerikas ist sie in Vorberei­

tung. Als Anselm Goetzl, der in der Prager Gesellschaft sehr beliebt war, die Tochter Else des Großindustriellen Götz heiratete, kaufte ihm sein Schwiegervater die Kunstpapicrfabrik von Schröder und Comp. in Prag-Holleschowitz. Betriebskapital hatte Goetzl selbst, denn sein elterliches Erbteil betrug 160 000 Kronen. Das Ehepaar Goetzl führte einen kostspieligen Haushalt. Es gab keinen Künstler, der nach Prag kam, der nicht zu Goetzl eingeladen wur­de. Siegfried Wagner war bei seinem Aufenthalte in Prag stets Gast im Hause Goetzls, und auch manche andere Kunstgröße stand mit dem immer lustigen Dr. Anselm Goetzl und seiner Gattin auf freundschaftlichem Fuße. Auch in den Prager Bank- und Jndu- striekreisen verkehrte Goetzl viel. Dort wird er wohl die Anregung zur Umwandlung seiner Papierfabrik in eine Aktiengesellschaft erhalten haben. Diese Umwandlung geschah mit Hilse der Böhmischen Eskomptebank, und die erste Generalversammlung ernannte Dr. Goetzl zum Generaldirektor. Die eigentliche Ur- fache des jetzigen Zusammenbruchs dürste übri­gens in überaus gewagten Börsenspe­kulationen zu suchen fein, denen Goetzl Millionen geopfert hat.

*

Der Komponist als Defraudant.

(Von unserm P. 8.- Mitarbeiter)

Berlin, 4. März.

Selten hat mir eine Flucht eines Defrau­danten so viel persönliche Freude gemacht, wie die des Herrn Dr. Anselm Goetzl. Ich habe nämlich das Vergnügen gehabt, nacheinander in sonst völlig unbescholtnen Städten zu woh­nen, in denen successive das Goetzlsche Meistet- toeif DZierpuppen" aufgefübrl wurde. Lei­der kam dieses an sich in keiner Weise aufregen­de Opus niemals allein, sondern immer in Be­gleitung seines Herrn Vaters, der so mit der ganzen Ungeniertheit eines österreichischen Kom­ponisten jüngeren Schlages auf Redakttonen umgutes Wetter" zu bitten pflegte. Man

dankens, der Urheber der rettenden Tat? Herr Kühn, der von der Südlandfahrt matt und enttäuscht, mit leeren Händen und zagem Herzen zur Wilhelmstraße heimkehrte? Der Kanzler, dem in den langen Herbst- und Win­termonden der bescheidenste Schachzug zielklarer Steuerpolitik so fern gelegen wie die Sonne der Erde? Mit nichten, spricht August Scherl's freiwillig-offiziöser Moniteur: Der Kaiser selbst ist's gewesen, der, von der Erleuchtung nützlicher Erkenntnis beschattet, den Faden der Ariadne fand, und, selbst mit löblichem Beispiel vorangehend, die Bundesfürsten für die Idee derVermögensabgabe" gewann! Trifft das zu (und das Märlein scheint wenigstens ein Körnchen Wahrheit zu bergen), dann hätte sich der Kaiser in einer Frage von eminenter Wichtigkeit und weitestreichender wirtschafts­politischer Bedeutung einmal als fein eigner Schatzsekretär versucht und man dürfte in dem Ereignis vielleicht den Beweis erblicken, daß Herr Doktor Kühn (den man, als Wermuth verdrossen und grollend von bannen ging, in , den Märztagen des Vorjahrs ins unwillkom­

mene Amt zwang) anscheinend den Beruf bet« ' fehlt, zum mindesten aber diejenigen Eiwat- tungen enttäuscht hat, die ihn als bewährten und emsigen Beamten beim Ausstieg zum Erzellenzenstuhl geleiteten. Ein Reichsschatz- sekretät muß produktiv an Ideen, elastisch im Spiel mit Möglichkeiten und Argumenten sein und er darf nie (selbst dann nicht, wenn der Sorgen Hochflut über seinem Haupt zusammen­schlägt) um Rettungspläne verlegen sein. Herr Kühn hat versagt, und nun rächt sich seine schlichte Ehrlichkeit im harten Schicksal der Nachgeordneten" Stelle.

Als Herr Wermuth, der beste und ideen­reichste Säckelmeistet, den das Reich in zwei Jahrzehnten besessen, von den Häuptern seiner Lieben Abschied nahm, um der nahenden Dampfwalze des Verhängnisses zu entgehen, sprach er zu den trauernden Hinterbliebenen: Die durchschnittliche Lebensdauer eines Sckatz- sekretärs beträgt nach statistischen Ermittlun­gen zwei Jahre und einige Monate. Ich habe es noch über den Durchschnitt gebracht und scheide in Frieden! Herr Kühn ist erst seit Mitte März deS Vorjahrs Schatzsekretär, hat also den Durchschnitt" noch nickt erreicht, in zwölf knappen Monden aber mehr Heimsuchung, Ent­täuschung und Pönung erfahren, als dem Durchschnitt erträglich sein kann, und es darf also nicht überraschen, daß er nun, da ein ein­zigergroßer Schachzug" die emsige Klein­arbeit feiner Jährlings - Bilanz rücksichtslos in den Schatten drängt, das Bedürfnis spürt, in den Feierabend zu gehe». Die Fahrt zum

Na» MMurden M«.

Der Kaiser «nd die Milliarden-Spende.

Es bestättgt sich, daß zu der in Aussicht ge­nommenen einmaligen Vermögens-Abgabe, die den Betrag von einer Milliarde Mark als Deckung der einmaligen Kosten der Heeres- verstärkung erbringen soll, auch die Landes- fürsten herangezogen werden sollen. Der Vorschlag dazu, wie zu dem ganzen Plane hat die Zustimmung des Kaisers gefunden, der ihn seinerseits persönlich den Bundesfürsten empfohlen hat. Die Anregung zu dem ganzen Plane, die einmaligen Kosten der Heeresver- stärkung durch eine einmalige Abgabe vom Ver­mögen aller Besitzenden, auch der Landesfür­sten, zu bestreiten, ist aus Berliner Fi­nanzkreisen dem Kaiser nahegelegt, und, nachdem er dessen Billigung gesunden hatte, von der Regierung ausgenommen werden. Es wird weiter darüber berichtet:

Reichstag und Milliardenplan.

(P t i v a t - T e 1 e g r a m m.)

Berlin, 4. März.

Es steht nunmehr fest, daß der Entwurf der Deckuugsvorlage und der Heeresverstärkung während der parlamentarischen Osterferien veröffentlicht werden wird, so daß der Reichs­tag bei seinem Wiederzusammentritt am zwei­ten April beide Vorlagen auf dem Tisch des Hauses vorfinden wird. Die Erötterung der Deckungsfrage wird, soweit man auS den Aeußerungen von Abgeordneten aller Par­teien schließen kann, sozusagen in einer At­mosphäre des Wohlwollens statffinden, und es scheint, als ob die Parteienmit schö­ner Geste", ober deutlich gesagt, ohne allzu eingehende Debatte im Plenum die Deckungs- Vorlage, wenigstens jene für die einmaligen Ausgaben, bewilligen wollen. Hauptsächlich dieser Teil des ganzen Rüstunasprogramms. nämlich die Vorlage über die einmaligen Ausgaben, ist es, der zurzeit in der Wan­delhalle des Reichstages am meisten besprochen wird. Man weiß, daß die Reichsregierung die Grundzüge für die Deckung der einmaligen Ausgaben bereits festgelegt hat, und daß die Beschlußfassung über die Einzelheiten dieses Planes für die nächsten Tage zu erwarten ist.

In drei Jahren: 800 Millionen.

(Privat-Telegramm)

Berlin, 4. März.

Hebet die Höhe bet geplanten einmaligen Vermögens-Abgabe wird in parlamentarischen Kreisen bekannt: Die einmalige Abgabe vom Vermögen wird etwa einhalb Prozent betragen und in einer noch festzulegenden Stei­gerung sich bis auf ein Prozent erhöben. Die Regierung beabsichtigt, auch die Vermögen un­ter 50 000 Mark, und zwar bis herunter auf 10000 Mark zu erfassen. Im Reichs­tag wird man voraussichtlich diese untere Grenze etwas höher hinaufschieben, vielleicht bis zu 20 000 Mark. Die Summe von rund achthundert Millionen Mark soll in drei Jahren aufgebracht werden, im ersten und zweiten Jahre sollen je 40 Prozent, im dritten Jahre die restlichen 20 Prozent des aan- zen Betrages geleistet werden. Die Vorlage, die sich überhaupt an den dem Preußischen Landtage vorliegenden Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung des Einkommensteuerge­setzes und des Ergänzungssteuergesetzes anleh­nen soll, wird ferner den Deklatations- zwan genthalten. Bei Grund und Boden wird wahrscheinlich das Fünfundzwanzigfache des Jahresertrages als Vermögen angesehen und demgemäß zur Veranlagung herangezogen werden.

Kommt dis Reichs-Vermögenssteuer?

In parlamentarischen Kreisen ist man über­zeugt, daß die Reichsregierung die Vermögens- schätzung im ganzen Reich dazu benutzen wird, um die Reichsvermögenssteuer (und zwar schon jetzt zur Deckung der laufenden Ausgaben der Heeresverstärkung) einzuführen. Diese Besorgnis scheint in der Tat nicht ganz unbegründet denn in maßgebenden Kreisen be-

Südm in Wintetkälte und Sturmwetterzeit hat seiner Gesundheit mehr geschadet, als dem Amt zuträglich ist, und wenn auch heut noch keine offiziöse Chronik den Namen Kühn in der Liste der Müden nennt, so ist doch allen Thebanern der Berliner Wilhelmstraße Kühns Schicksal sonnenklar und zweifelsrei: Er wird gehen; nicht zürnend und widerstrebend (die Freude an dem ihm ausgezwungnen Amt hat nie seines Sorgenwandels Pfad erhellt), nicht wie Einer, der sich verkannt und verraten sieht, sondern wie ein Mann, bet selbst erkennt, daß die Bürde, die er übernommen, feiner Achsel zu schwer geworden. Der Milliarden-Plan, der Kühn's stille Resignation wie Feierabend-Gold überfiraMt, läßt sentimentales Regen schwei­gen; vielleicht aber lehrt uns auch hier der Zu­kunft Erfahrung, daß zwischen Hoffen und Wer­den die Kluft der Sorge liegt, und waS uns heut den Stein der Weisen dünkt, kann mor­gen, im Taglicht nüchterner Erkenntnis, sich als matter Kiesel dem Auge präsentieren. . .!

F. H.

Sie Hoffnung auf Frieden.

Mächte-Vermittlmrg oder Schiedsgericht?

Die F r i e d e n s a r b e i t am Balkan macht langsam, aber sichtlich Fortschritte, und es bars mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet werden, baß es den Bemühungen der Mächte gelingen wird, in Bälde den Abschluß des Friedens bet» beizuführen. Daß seitens der Balkan-Verbün­deten neuerdings Forderungen erhoben wer­den. die den Fortgang der Verhandlungen er­schweren. kann nickt überraschen: In Wirklich- keit ist bas Fricdensbebürfnis bei den Verbün­deten ebenso groß, wie bei den Türken, und grade diese Tatsache ist der beste Förderer der Friedensbemühungen. Es liegen heute fol­gende Drahtnachrichten vor:

Sofia, 4. März-

Fast alle Botschafter der Großmächte ha­ben bereits von ihren Regierungen Fnstruk- tionen über den demnächst zu nnternehmen- den S ch r i t t erhalten. Es handelt hier­bei um den FriedenSschluß mit der Türkei. Man glaubt, daß die Balkanstaaten die Vermittlung der Mächte In der Form, wi­sse setzt vorgebracht wird, annehmen werben, da sich überall eine starke Kriegs­unlust bemerkbar macht.

Rom, 4. März.

Die Tribuna veröffentlicht das Resultat von Besprechungen mit den Botschaftern von Bulgarien, Serbien und Griechenland. Diese erklärten, daß die Balkanstaaten ge­neigt feien, das Anerbieten der Mächte in Form einer Mediation anzunehmen, nicht aber in Form eines Schiedsgerichts, da ein Schiedsgericht nicht die Garantie einer befriedigenden Lösung der Krise biete.

Wien, 4. März-

Wie das Reue Wiener Abendblatt aus beftunterrichteten ungarischen Kreisen erfah­ren haben will, hat die Armeeleitung alle Vorbereitungen für den Abtransport der an der galizifchen Grenze stehenden österrei­chischen Truppen getroffen. Es soll bereits in den nächsten Tagen mit der Demobili­sierung in den Grenzbezirken begonnen werden, sowohl auf österreichischer wie auf r u s s i s ch e r Seite.

Konstantinopel, 4. März.

Die Rückkehr Enver Beys und deS ganzen Generalstabes des zehnten Armee­korps aus Gallipoli gilt als Anzeichen dafür, daß die Stellung der Regierung mehr und mehr gefährdet ist. Gestern versuchten Anhänger der Opposition Kundgebun­gen gegen die Regierung zu veranstalten, in­dem sie in Stambul Broschüren verteilten. Tiefe wurden beschlagnahmt. Die Situation gestaltet sich immer kritischer.

Inzwischen ist es zu einem russisch- türkischen Konflikt gekommen: In Ke- rafunt einer Ortschaft am Schwarzen Meere, hat sich ein ernsthafter Zwischenfall zwilchen Russen und Türken ereignet, in dessen Verlaus die Besatzung eines russischen K r i e g s s ch l s - f e s eingreifen mußte. Angeblich soll die dor­tige türkische Bevölkerung das ruf suche K o n s u l a t g e st ü r m t haben und zwar, weil ein russischer Unteroffizier einen türkischen Offizier geohrfeigt hat und bann ins rus­sische Konsulat geflüchtet fein soll. Das ruf- sische Kriegsschis' hat daraufhin mehrere Schüsse auf die Ruhestörer abgegeben.

Die russische Riesen-Rüstung.

(Privat- Telegramm» Petersburg, 4. März.

Heber die russischen Heeresvcrstär- kungspläne werden folgende Einzelheiten bekannt: Die Absicht, den gegenwärtigen Stand von 1200 000 Mann Friedensstärke der Armee um eine Division Schützen und zwei Divisionen Linien-Jnfanterie zu erhöhen,

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Caffeler Abendzeitung Hessische Abendzeitung _________