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Kasseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 75.

Dienstag, 4. März 1913.

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952. 3. Jahrgang.

Am Bombend der Friedens? Vor dem Begin« der neuen Friedens-Ver­handlungen; eine deutsch-offiziöse Stimme.

Die Aussichten der neuen Friedens- Verhandlungen am Balkan, die durch Vermittlung der Großmächte zwischen der Tür­kei und den Balkanstaateu wieder ausgenommen werden sollen, werden überall günstig beur­teilt. Die Schwierigkeiten, die noch bestehen haben sich im Vergleich zu der Lage der ge­scheiterten Londoner Friedenskonferenz nicht unwesentlich verschoben. Nicht der Besitz von Adrianopel steht mehr Kn Mittelpunkt der wi­derstreitenden Ansprüche, sondern dieKriegs- entschädigung. Und in demselben Tone der Unerschütterlichkeit, mit dem früher die Ab­tretung Adrianopels verweigert wurde, hört man jetzt das türkische Nein gegenüber der For­derung einer Kriegsentschädigung erklingen Indessen ist klar, daß die Geldfrage ein Punkt ist, der die Verständigung, wenn sie im übri­gen gelungen ist, nicht mehr in Frage stellen wird. In diesem Sinne äußert sich auch die Norddeutsche Allgemeine Zeitung in ihren, Wo- chenrückbllck.

Die Klärung der Lage.

Die Norddeutsche Allgem. Zeitung schreibt: Für die Klärung der Orientlage ist nun­mehr ein voraussichtlich entscheidender Schritt erfolgt: Die Türkei hat sich erfrcu- licherweise bereit erklärt, die Vermittlung der Großniächte zum Zweck des Friedens­schlusses anzunehmen. Im Besitz dieser Mitteilung wenden sich die Mächte ungesäumt an die Regierungen des Balkanbundes. um festzustellen, ob diese, ebenso wie die Pforte, die Vermittlung Europas annehmen wollen. Man wird mit Rücksicht auf den überall sich geltend machenden Wunsch nach Wieder- herstellung des Friedens erwarten können, daß auch die Balkanregierungcn sich den Großmächten anvertrauen. Gelingt es, europäische Friedensverhandlungen endgültig in Fluß zu bringen, so darf man sich von K dieser gemeinsamen Arbeit der Diplomatie Mauch eine günstige Rückwirkung auf die Lösung der von den Großmächten bisher noch nicht erledigten und ihre eigenen In­teressen berührenden Fragen versprechen.

Auch von türkischer Seite wird jetzt der Friedenswille der Konstantinopeler Re­gierung betont: In einem im Pariser Matiu veröffentlichten Interview versucht Großwestr Mahmud Schefkct Pascha das Gesicht zu wah­ren, unter gleichzeitiger Betonung des türkischen Friedenswillens. Die Zahlung einer Kriegs­entschädigung lehnt er aber mit äußerster Ener­gie. ja Entrüstung, ab, weil die Türkei ange­griffen worden sei. Der hiesige Eindruck an­gesichts des Londoner Schrittes Twefik Paschas ist der, daß der F r i e d en s sch lu ß nahe bevor st ehe, weil er auf beiden Seiten ge­wünscht werde. Doch würden der Mangel an genauen Vorschlägen in dem türkischen Vermitt­lungsgesuche und das Mißtrauen zwischen Bulgarien und Griechenland noch mancherlei Schwierigkeiten bereiten. Die Abtretung Adrianopels gilt als sicher, wogegen man hier der Bewilligung einer Kriegsentschä­digung wenig geneigt ist.

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Ans TMen Berschwomm.

Die xungtürkische Herrschaft gefährdet?

Die türkische Regierung veröffentlicht soeben ein amtliches Kommunique über einen sehlgcschlagenen Plan, das Kabinett und die jungtürkische Herrschaft zu stürzen. In dieser Kundgabe der Regierung heißt es: Die Unter­suchung hat ergeben, daß eine Gruppe, der un­ter andern der Sekretär des Prinzen Sa­ba h E d d i n, Lutfi Bei, ferner Sidki Bei ans Erzerum, Said aus Musch und ein gewisser Hassan angehörten, in dem Büro des Prinzen zufammentrat und eine Verschwörnng anzet- tclte, um die gegenwärtige Regie­rung zu stürzen. In einer der letzten Versammlungen erklärte Lutsi, daß die Einset­zung eines Kabinetts aus Anhängern der De­zentralisation das einzige Mittel zur Rettung des Landes sei, und daß bei einer derartigen Zusammensetzung des Kabinetts, selbst wenn Adrianopel falle« sollte, die Regierung den Abschluß des Friedens unter der Bedingung verbürgen könne, daß Adrianopel neu­tralisiert würde. Die Regierung würde eine Anleihe von fünfzig Millionen erlangen, die Großmächte würden sich während dreißig Jahren nicht in die inneren Angelegenheiten der Türkei cinmischen, aber es sei vor allem notwendig, die

gegenwärtige Regierung zu stürzen. Die Versammlung beschloß, eine Massen­kundgebung vor der Pforte zu veran­stalten, die Politik des Kabinetts öffentlich zu tadeln, hierauf vor das Palais des Prinzen zu ziehen und dort zu verlangen, daß die Re­gierung abgefetzt und vor das

Eine volle Milliarde!

Wie die Norddeutsche Allgemeine Zeitung offiziös mitteilt, besteht bei der Neichsleitnng die Absicht, die wegen ihrer Höhe ganz besonders ins Gewicht fallenden einmaligen Kosten der Heeresvorlage, eine Milliarde Mark, durch eine einmalige Abgabe vom Vermögen zu decke«. Zn dieser Angelegenheit fand am Sonnabend nachmittag eine Besprechung der stimmführenden Mitglieder des Bundesrats statt.

Der Bann des Schweigens ist also gebro­chen, und man weiß nun, was sich hinter den Kulissen der Regierungsbühne ereignet: Die eine Milliarde einmaliger Ausgaben der Hee­resvorlage sollen durcheine einmalige Abgabe vom Vermögen" aufgebracht werden. In dem hochoffiziösen Artikel des norddeutschen allgemeinen Kanzlerblattes, der diese überra­schende Kunde bringt, wird zunächst gegen die Vorwürfe polemisiert, die der Reichsregierung wegen der Verzögerung des Einbrin­gens der Heeresvorlage gemacht worden sind. Lebhaft wird gegen den hier und da gefal­lenen Ausdruck vomVerpassen der Gelegen­heit" protestiert. Der Entschluß, die Wehrkraft zu verstärken, sei bereits Mitte Dezember vorigen Jahres, alsbald nach dem Um­schwung auf dem Balkan, gefaßt wor­den. Dann heißt es weiter:

Uebereilung wäre, wenn irgendwo, ge­rade hier schädlich gewesen. Die füt die Durchführung dieser wie aller Maßnahmen auf dem Gebiete des Heerwesens grundle­gende Entscheidung des Kaisers fiel im Januar. Seit diesem Zeitpunkt sind die beteiligte« Stellen der Reichsregierung mit Uebertragung der gefaßten Entschlüsse in die nun einmal notwendige Etats- und GesetzcSform mit Anspannung aller Kräfte beschäftigt, und wenn es gelingt, die Vorlage um die Mitte dieses Mo­nats an den Bundesrat zu bringe«, so ist das eine anzuerkenuende Leistung, die aller­dings nur herjenige einzuschätzen in der Lage ist, der sie selbst einmal zu leisten gehabt hat. Wen« dann der Reichstag die Vorlage noch vor Pfingsten unter Dach bringt, so ist auch keine Zeit verloren; denn die geforderten Heeresverstürlungen können sämt­lich frühestens am ersten Oktober 1913 durch­geführt werden. Rach Einführung der zwei­jährigen Dienstzeit ist ein anderer Zeitpunkt als der Herbst für die Durchführung größerer Organisationsändernngen nicht möglich ohne eine bedenlliche Erschütterung des Gesamtorganismus des Heeres und ohne Schädigung der sorgfältige« Aus­bildung der bestehenden Truppenteile. Um die nötigen Vorbereitungen zu treffen, ist es allerdings erforderlich, daß die Heeres­verwaltung spätestens um Pfingsten die Vor­lage zum Gesetz erhoben sieht. Wenn man aber befürchtet, daß die einer großen Heeres­vorlage günstigeStimmungimVolk und Parlament abflauen könnte, so schätzen wir beide höher ein. Richt augen­blickliche Stimmungen, sondern die tieseinge- wurzelte Ueberzeugung von der Notwendig­keit, unsere Rüstung nachhaltig zu verstärken, wenn wir uns in der Wett fernerhin durch­setzen wollen, haben der nun in Kürze kom­menden Vorlage den Boden im deut­schen Volke bereitet, wie das seit langer Zeit bei keiner Heeresvorlage der Fall gewesen ist. Daher ist die Ungeduld und die Erwartung im Volke auch erklärlich. Und diese wird nicht enttäuscht werden.

Das Eine ist jedenfalls sicher: Die Ankündi- gung einer einmaligen Vermögens­steuer zur Deckung der einmaligen Ausgaben ist der geschickteste Schachzug, den Herr von Bethmann Hollweg nach Lage der Sache überhaupt machen konnte. In das Wirrsal der Deckungsschwierigkeiten ist Licht gefallen. Die Linke wird sicherlich dem Vorschlag zustimmen, denn er entspricht ja im Prinzip durch­aus dem Grundsatz der von der Linken vorgebrachten Deckungs - Vorsckläge. Ganz gewiß löst der neue Vorschlag längst nickt alle Schwierigkeiten. Es bleibt das große Pro­blem, die danernden Ausgaben zn decken. Vermntlich wird die Erörterung dieses Problems eine große Ralle in der Sonnabend- Konferenz derStimmführenden" gespielt ha­ben. Bei der Gelegenheit sei bemertt, daß die von einer Seite gekrackte Meldung einet Souderkonferenz der süddeutsche« Fi- «aur.minister offiziös als unrichtig bezeich­net wird.

Das MMardert-Opfer.

Wegen der Deckungsttage sand (wie bereits oben mitgeteilt) am Sonnabend nachmittag auf Einladung des Reichskanzlers in dessen Palais eine Besprechung der stimmführenden Mitglieder des Bundesrates statt, die un gefähr zwei Stunden in Anspruch nahm. Benn auch Beschlüsse natürlich, dem vorbereitenden Charakter dieser Konferenz entsprech^cd, nicht

gefaßt wurden, so dürfte doch der Bundesrat für den Vorschlag einerKriegs staue r", wie sie hier geplant Wirtz, voranssichtlich zn ge­winnen sein; die großen Bnndesstaa- ten haben bereits ihre Zustimmung erklärt. Es heißt ferner, daß an dieser Ver­mögenssteuer auch die deutschen Bundes- fürsten teilzunehmen sich bereit erklärt haben, so daß ihr verfassungsrechtlich begründetes Privileg der Steuerfreiheit für diesen einen Fall außer Anwendung bliebe. Ob geringerer Vermögensbesitz von der Steuer verschont War­den soll, steht noch nicht sest, keineswegs ober denkt man daran, die Abgabe erst von einem Vermögen von 30 000 oder gar von 50 000 Mark auswärts zu erhaben, da sonst der ersordariicha Betrag (rund eine Milliarde) nicht aufzubrin- gan wäre. Die Vorlage dar Reichsleitiing soll bereits in den nächsten Tagen dem Bundesrat zugehen, der, wie man annimmt, sie im Lause dar kommenden Woche verabschieden wird. Von anderer Seite wird bekannt, daß die Vorschläge für die einmalige Abgabe vom Vermögen ve- rcits fertig ausgearbeitet sind; von den unterrichteten Stallen wird aber über ihren Inhal: noch für einige Zeit Stillschweigen be- Wabrc. Uaber die Form der Abgabe uerlaukt weiter, daß sie voraussichtlich nach Art dar Ergänzungssteuer und vielleicht als ein besonderer Zuschlag zur Ergan- zungssteuar durch die Finauzvarwaltungcn der Einzelstaaten erhoben werden wird.

Eine Anregung des Kaisers?

Der Deckungsplan der Regierung, in der Form einer einmaligen Abgabe vom Ver­mögen die Hauptlast der neuen Heeresvorlage zu decken, scheint darauf hinzudcuten, daß man in Ragierungskraisen entschlossen ist, in der Be­steuerung der Besitzenden diesmal ganzeAr- b e i t zu machen, und nach unfern Informatio­nen trifft es tatsächlich zu, daß die Absicht be­steht, die Steuerfreiheit der Für st en ausznheben. Die Anregung dazu wird auf eine sehr hohe Stelle, den K a i f e r felbst, zu- rückgeführt. Es soll dort kürzlich die Aeußerung gefalle« sei«:Achtzehnhundertdreizehn war ein Opferjahr. Lasse« wir es neunzehuhimdertdret- zehu für jedermann auch sein, denn die Zeiten sind heute kaum weniger ernst als vor hun­dert Jahren." Die Aufhebung der Steuerfrei­heit der Fürsten würde einer alten volkstüm­lichen Forderung entsprechen. Ihre finanzielle Tragweite wird man allerdings nicht über­schätzen dürfen, denn die Zahl der steuerfreien Fürsten ist zu gering, als daß sich aus ihrer Steuerpflicht ungezählt« Millionen heraus- schlage« ließen. Viel wichttger aber ist die mo - ralische Wirkung, die die Aufhebung der Steuerfreiheit haben würde. Wenn sich die Fürsten freiwillig ihres Steuerprivilegs bege­be«, so gehen sie damit dem steuerlich in man­cher Hinsicht begünstigten Großgrundbesitz mit gutem Beispiel voran. Ob das allerdings auf diesen sonderlichen Eindruck machen wird, bleibt abzuwarten. Man würde sich sogar nicht zu wundern brauchen, wenn grade von dieser Sette gegen die Aufhebung des Steuerprivilegs Widerspruch erhoben würde, weil man einem so demokratischen Parlament", wie cs der Reichs­tag sein soll, die Besteuerung der Fürsten nicht ausliefern dürfe! Soviel ist jedenfalls sicher: Die Aufhebung der fürstlichen Steuerfreiheit wird nicht ohne Kampf zu ermöglichen sein. Sie ist ein Ueberbleibsel aus der alten Feudal­zeit, wie so viele der Privilegien, die die Für­sten sich selbst gesichert, und wenn nun der Deutsche Kaiser selbst die Anregung dazu ge­geben hat, mit diesem Privilegium zu brechen, so darf man darin einen Beweis zeitgemäßer Erkenntnis erblicken.

Ein Notgesstz im Reichstag.

Dem Reichstag ist soeben ein Notetats­gesetz zugegangen, das den Reichskanzler er­mächtigt, bis zur gesetzlichen Feststellung des Reickshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1913 für die Monate April, Mai und Juni alle Ausgaben zu leisten, die zur Erhaltung gesetzlich bestehender Einrichtungen und zur Durchführung gesetzlich beschlossener Maßnah­men erforderlich sind, ferner di« rechtlich begründeten Verpflichtungen des Reichs zu er­füllen und endlich Bauten, für die durch den Etat eines Vorjahres bereits Bewilligungen ßattgesunden habe«, jorizusetzW,

Kriegsgericht gestellt und daß ein Kabi­nett von Anhänger« der Dezentralisation er­nannt werde. Der Beschluß der Versamm­lung faßt die Absicht in sich, die Mitglieder der Regierung und ihre Anhänger festzu­nehmen und sie an Bord eines bereitstehen­den Schiffes zu bringen. Als Said und Hassan verhaftet wurden, fand man bei ihnen Skizzen vom Pfortegeböude und dessen Umgebung, was ein Beweis dafür ist, daß sie beauftragt waren, die Durchführung der re­volutionären Kundgebungen in allen Einzelheiten auszuarbeiten.

Türkische Offiziere vor Gericht.

(Privat-Telegrarnm.)

Konstantinopel, 3. März.

Im gestrigen Ministerrat ist beschlossen worden, diejenigen Offiziere, denen die Schuld an den Niederlagen von K i r k k i l i s s e und Lüle Burgas beigemessen wird, vor ein Kriegsgericht zu stellen. Wie es heißt, werden sich auch der Kommandeur der Ostar» mee, Abdullah Pascha und der Kavalleriekom­mandeur, Prinz Aziz Pascha, demnächst vor einem Kriegsgericht zu verantworten haben, da ihnen ebenfalls schwere militärische Verge­hen zur Last gelegt werden.

Sie Bett in Baffen!

Die Periode der Heeres-Verstärkungen.

Gewissermaßen als Ecko der deutschen Hee- rcs-Verstärkungen werden jetzt auch aus Oester- reich-Ungarn, Rußland und sogar aus China bedeutende Rüstungs-Verbesserungen gemeldet. Es ist anzunehmen, daß auch diese Maßnah­men mit der allgemeinen politischen Lage in engstem Zusammenhang stehen, und es darf jedenfalls als eigenartiges Spiel der Entwick­lung betrachten werden, daß der kurzen Zeit­spanne der Abrüstungs-Propaganda nun mit umso größerer Intensität das internationale Rüstungsfieber folgt. Wohin der allge­meine Rüstungs-Wettbewerb zwiscken den Na­tionen schließlich führen soll, läßt sich nicht ab­sehen, daß er mit einer wirtschaftlichen K a t a st r o p h e enden muß, fckcint indessen un­abwendbar. Wir verzeichnen die nachfolgenden Drahtmeldungen:

Paris, 3. März.

Das durch Wiedereinführung der dreijäh­rigen Dienstzeit in Frankreich bedingte Mehrerfordernis, dessen Begründung im gestrigen Ministerrat begann, wird heute fortgesetzt werde« und wird folgende Punkte umfassen: Ei« einmaliger außerordentlicher Kredit von 500 Millionen wird für das Uebergangsstadium eingestellt. In der Vor­lage erfahren die 765 Millionen betragenden Heeresausgaben eine Erhöhung um hundert Millionen, nicht einbegrif- fen die noch festzusetzende« Kosten für Kaser- nen-Neu- und Umbauten.

Wie«, 3. März.

Wie die in militärischen Dingen gut in­formierteZeit" erfährt, fall in nicht zu fer­ner Zeit eine abermalige Erhöhung des Rekrutenkontingents der österrei- chifch-ungarifchen Armee durchgeführt werden, da das im neuen Wchrgesetz festgesetzte Kon­tingent auch in feiner im nächsten Jahre er­reichten Höchstziffer von 159 500 Mann unzu­reichend ist, um die infolge der Ausgestaltung der Armee unbedingt notwendigen N e u a u f- ste l l u n g e n durchzuführen.

Petersburg, 3. März.

Aus zuverläfsigster Quelle verlautet, daß die rufsifche Regierung bereits jetzt eine Ser« m eh rungderMcrnnfchaftsbe stände durch Errichtung dreier neuer Armee­korps ins Auge gefaßt habe. Hierdurch würde die Zahl der Armeekorps auf einund­vierzig erhöht werden. Die für das laufende Jahr vorgesehene Vermehrung würde eine Schützendivision und zwei Infanterie-Divisio­nen umfassen. Die Duma werde die militäri­schen Forderungen zweifettos bewilligen.

Petersburg, 3. März

Dem BlatteRjetsch" wird aus Irkutsk gemeldet, daß in Zizikar die Einexerzierung chinesischerRekruten und ihre Reubc- waffnung beschleunigt werde. Aus Mulden seien zwölf Feldkanonen deutschen Ur- sprungS nebst der nötigen Munition ein­getroffen. und aus Peking sei Arttllerie nach Zizikar abgegangen. Die chinesische Regie­rung plane die Reorganisation und weit­gehende Verstärkung der Armee, um Rußland gegenüber sich zu sichern.

Gegenüber diesen allgemeinen Schauern des Rüstungsfiebers nimmt sich der Protest dir deutschen und französischen Sozialisten gegen die Heeresverstärkungen etwas eigenartig aus, und es klingt bitter, wenn der PariserGaulois zu dem Manifest der Genossen schreibt: e-.. Wir glcvrbe« gex& daß die deutschen So-