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Set Baton im Steinbruch.
Die Geschichte des Frhr. von Reitzenstein.
Der alte Fürst Windischgrätz, der nicht nur ein wackrer Haudegen, sondern auch ein vom gesellschaftlichen Zynismus seiner Zeit erfüllter Herrenmensch war, hat uns erzählt, daß der Erdenbürger in seiner tasächlichen Bedeutung als Mensch erst beim Baron anfange, und obwohl wir als die Kinder des zwanzigsten Jahrhunderts über den Muskateller-Grundsatz dieser altväterlichen Welt- und Lebensauffassung im Bewußtsein glücklicherer und beflrer Erkenntnis zu lächeln pflegen, hat ein Königlich Bayrisches Gericht uns doch im Jahre neunzehnhundertdreizehn daran erinnert, daß der Baron ein BOcon und nicht etwa ein Mensch wie jeder andre Mensch, etwa wie Müller oder Schultze, Schmidt oder Meyer ist. Und das kam so: Irgendwo im Land der Bajuvaren, wo der Maßkrug des Erdendaseins Jammer lind verklärt, lebt ein Mann, der seine Ahnen der Sünde zeiht, ihn als Freiherrn dem Kampf ums Dasein preisgegeben zu haben. Der Baron von Reitzen st ein (um diesen handelns sich) ist weniger vom Glück begünstigt, wie sein Standesgenoffe Gisbert Wolff-Metternich: Er hat nie das lockende Sündenbabel Berlin gesehen, niemals an einer Parforce-Jagd auf bürgerliche Millionen-Erbinnen teilnehmen dürfen und ist weder Botschafter-Neffe, noch Gatte eines Bühnen-Stars. Er ist (Durchlaucht Windischgrätz hat's glücklicherweise nicht erlebt) Arbeiter, nährt sich und die Seinen brav und rechtschaffen vom Verdienst mühseligen Tagwerks und war (als das Schicksal rhn ereilte) Steinbruch-Tagelöhner in den Steiüwer- ken bei Münchenreuth.
Daß ein Baron mit Spitzhacke und Schaufel seines Lebens Nahrung und Notdurft erwirbt, zählt nn zwanzigftren Jahrhundert nicht mehr zu den Wundern: Ich kannte einen greisen Grafen, den Enkel erlauchter Ahnen, der auf den längst vom Wucherer dem vordem gräflichen Familienbesitz entriflnen grünen Wiesen die Kühe hütete; ich kenne einen Träger der siebenzackigen Freiherrn-Krone, der im Handel mit Kalbfellchen und andern haarigen Sachen sich nützlich macht, und ich entsinne mich eines echten „Bruder Straubinger", deffen behördlich approbierte Landstraßen - Legitimation den Namen eines der angesehensten rheinischen Adelsgeschlechter nannte. Daraus darf geschloffen werden, daß der steinwälzende und felsenbrechende Freiherr von Reitzenstein im Bayerland nicht etwa als einzges Kind des Unglücks und Opfer des Schicksals von der Menschheit Höhen in des Lebens tiefste Kummertäler niedersteigen mußte. Sein ehrlicher Erwerb als Arbeiter und Ernährer seiner Familie würde vermutlich auch die bayrische Reichsgefchichte nicht erschüttert haben, wenn nicht eines Tags des Schicksals arge Fügung den schlichten Mann int Arbeiterkittel gezwungen hätte, in einer Unfallsache seinen Namen als Unterschrift auf ein amtliches Dokument zu kritzeln. Er genügte der Pflicht, malte mit von harter Arbeit ungelenk gewordner Hand den Namen „Freiherr von Reitzenstein" "aufs Kanzleipapier und war kurz darauf ... ein Uebeltäter: Angeklagt von der Staatsanwaltschaft der „unberechtigten Führung des Adelstitels". Das Gericht erster Instanz gab dem Strafantrag des öffentlichen Anklägers auch statt, verurteilte den Steinbruch-Baron zu einem Tage Haft und begründete dies seltsame Erkenntnis mit dem Hinweis auf irgendeine urgroßväterliche bayrische Landesrecht-Bestimmung, nach der Angehörige des Adels, die sogenannte „niedre Arbeiten" verrichten, des Adelstitels verlustig gehen. Der Baron von Reitzenstein war also, weil er als Steinbrucharbeiter und nicht als Lebemann durchs Dasein ging, gar nicht mehr Baron, sondern Bürger und Mensch „niedrer Ordnung". Von Rechts wegen!
Wenn der alte Windischgrätz, der Sieger von Schwechat und Kapolna, noch lebte: Er würde geschmeichelt lächeln, denn seinem Scherz wäre nun das Pendant gefunden. Windischgrätz hat uns gesagt, wo b?r Baron und der Mensch anfängt, und in Bayern bat man jetzt entdeckt, wo der Baron aufhört: Im Steinbruch! Die Geschichte klingt wie eine Burleske, und sie würde sicherlich auch katastrophal aufs Zwerch, fell wirken, wenn in ihr nicht, so recht drastisch und unverhüllt, die Tragödie unsrer G e s e lisch a f 1 s m o r a l sich offenbarte. TaS von dem durch Richterspruch in die Niederungen der Masse zurückgedrängten Baron angerufne Landgericht in Hof hat zwar das Urteil der ersten Instanz aufgehoben und dem Freiherrn im Steinbruch die siebenzackige Ahnenkrone belassen, aber fein Spruch hat dennoch nicht ganz den Eindruck verwischen können, den das Erkenntnis des ersten Gerichts vorm Av->e mo
dernen Kulturmenschentums hat auf leuchten lassen, und man möchte es fast bedauern, daß nun die Mage, w o der Baron aufhört, doch noch nicht endgültig entfchieden ist. Ein jedes Zeitalter formt sich die Begriffe seiner Moral selbst, und man kann es den Bayern schließlich nicht verargen, wenn sie auch für den Adel eine Art „Minimal-Honorigkeit" verlangen und den Besitz der fünf-, sieben- oder neunzackigen Visitenkarten-Krone von gewissen Voraussetzungen abhängig machen. Immerhin sollte man annehmen dürfen, daß ein Vergleich zwischen dem Lebejüngling Gisbert Wolff-Metternich und dem im Steinbruch hart um Brot und Dasein ringenden Baron von Reitzenstein mehr Sympathien für den Baron im Steinbruch, als für den Grasen im Salon weckt, und es ist sicher nicht als Tragödie des Adels zu beklagen, wenn seine Angehörigen, dem Kampf ums Dasein preisgegeben, lieber zur ehrlichen (wenn auch „nieder»") Arbeit als zum Metternich-System des Abenteuerns ihre Zuflucht nehmen, denn Arbeit kann höhern Adel leihen als das älteste Pergament adelnder Fürstenhuld. Der Baron int Steinbruch ist also ein Produkt der so - z i a le n E r m a n n u n g des Adels, und als solchem soll man dem Steinbrucharbeiter von Reitzenstein seine Freiherrnkrone nicht antasten ...! F, H.
Sie Fahrt «ach Gmunden.
Die Brautfahrt zum Cumberlander Schloß.
Ein Privat-Telegramm meldet unS aus Berlin: Der Kaiser reifte gestern abend um elf Uhr im Sonderzuge nach Wilhelmshaven ab. Prinz Heinrich ist bereits gestern nachmittag abgereist. Die Kaiserin ist gestern abend kurz nach elf Uhr vom Anhalter Bahnhof aus mit der Prinzessin Viktoria Luise und dem Prinzen Ernst August zum Besuch der Familie des Herzogs von Cumberland nach Gmunden abgereist. Wie uns telegraphisch aus Gmunden gemeldet wird, erließ der dortige Bürgermeister einen Aufruf an die Bevölkerung, zur Ankunft der deutschen Kaiserin und der Prinzessin die Häuser und Geschäftslokale zu beflaggen und zu dekorieren. Mittwoch früh sind der Großherzog und die Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin mittels Sonderzuges in Gmunden angekommen. Für den Besuch der Kaiserin und der Prinzessin sind drei T a g e in Aussicht genommen. Die Kaiserin wird die prächtigen Appartements im ersten Stock des herzoglichen Schlosses beziehen, die Prinzessin die Räume des zweiten Stockes in der Nähe von Prinzessin Olgas Gemächern. Nach einer weiteren Meldung weilte Geheimrat von der Wense in den letzten Tagen als Träger einer Sondermission des Gmundener Hofes in Berlin. Der Vertrauensmann des Herzogs von Cumberland hat in Berlin mit mehreren welsischen Reichstagsabgeordneten mehrstündige Besprechungen abgehatlen. Wie verlautet, hat Herr von der Wense den Welfen- führern Weisungen des Gmundener Hofes bezüglich ihres weiteren Verhaltens in der h an - noverschen Frage überbracht. Es hat auch eine gründliche Aussprache über die weitere parlamentarische Tätigkeit der Welfenfrak- tion stattgefunden, die damit geendet haben soll, daß vorerst eine Aendcrung des bisherigen Zustandes nicht eintreten soll.
Der Dank des Kaisers.
Der Reichsanzeiger veröffentlicht folgenden, an den Reichskanzler gerichteten Sanier« laß des Kaisers: Aus Anlaß der Verlobung meiner geliebten Tochter, der Prinzessin Viktoria Luise, mit Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Ernst August. Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, sind mir wie Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin und dem Brautpaar aus allen Teilen des Deutschen Reiches Glück- und Segenswünsche in solcher Fülle zugegangen, daß es nicht möglich ist, diese Kundgebungen im einzelnen zu beantworten. Hocherfreut über die herzliche Teilnahme aller Schichten des deutschen Volkes an dem flohen und bedeutungsvollen Ereignis möchte ich, zugleich im Namen der Kaiserin und des Brautpaares, allen an den mannigfachen Aeußerungen liebevoller Anhänglichkeit Beteiligten hierdurch unseren wärmsten Dank aussprechen. Gott der Herr aber gebe den treuen Wünschen, Hoffnungen und Gebeten, mit denen das deutsche Volk den Herzensbund der jungen Fürstenkinder begleitet, gnädig Eisüllung zum Segen der beiden Fürstenhäuser und des Vaterlandes.
Kanada schenkt Mesenschiffe!
Kanadische Dreadnoughts für England.
Newyork, 1. März. (Privat-Telegramm.) Nach einer Meldung aus Ottawa hat das kanadische Parlament gestern die vom
Premierminister eingebrachte Bill, wonach K a- nada dem englischen Mutterlande drei Dreadnoughts schenkt, in zweiter Lesung mit hundertvierzehn gegen vierundachtzig Stimmen angenommen. Die Riesenschiffe fallen sofort in Bau gegeben werden.
Betrieben sich die Wolke»?
Entspannung in der Balkan-Krise l
Die verschiedenen Wiener Erklärungen über die internationale Lage hatten erneut einige Beunruhigung erweckt. Die (von uns bereits gestern verzeichnete) Nachricht, daß Serbien den Montenegrinern vor Skutari mit bedeutenden Streitkräften zu Hilfe eilen wolle, trug weiterhin dazu bei, die Lage weniger o p t i m i st i s ch zu betrachten, namentlich deshalb, weil man hinter der serbischen Hilfeleistung eine russische Jntrigue vermutete. Es hieß nämlich, Rußland habe nur für den Fall der Zuteilung Skutaris an Albanien zugestimmt, daß diese Stadt von den Montenegrinern nicht mit den Waffen erobert würde. Die heutigen Meldungen klingen indessen wesentlich beruhigender:
Wien, 1. März.
Aus diplomatischen Kreisen verlautet zuverlässig, daß Rußland bereits dem österreichischen Verlangen, daß Skutari bei Albanien verbleibe, z u st i m m t e Danach scheint also das russische Eingehen auf die österreichischen Wünsche vorbehaltlos zu fein. Ferner wird aus Sofia berichtet: Der tür- kifche Großwestr ließ durch den Konstantinopeler rusflfchcn Botschafter bei Bulgarien anfragen, ob eS zu einem Friedensschlüsse bereit sei, wenn die Türkei auf Adrianopel verzichte und in eine Grenzlinie Jnadia-Enos einwillige. Die Aussichten für den Friedensschluß haben sich also wesentlich gebessert.
Belgrad, 1. März.
Die Meldung, daß erhebliche serbische Truppenverstärkungen nach Skutari unterwegs seien, b e st ä t i g t sich. Mehrere serbische Regimenter sollen bereits über Mitro witza nach Skutari abgegangen sein. Es wurde zuerst geplant, die Truppentransporte über Saloniki zur See zu befördern, und ein Teil der Trupprn-ist bereits in Saloniki ein- getroften. Die Transportdampfer find aber bisher nicht ausgelaufen, weil man befürchtet, daß sie von einem türkischen Kreuzer ab - gefangen werden könnten. Man rechnet damit, daß in den nächsten Tagen ein n e n e r Sturm auf Skutari stattfinden wird, der wahrfcheinlich die Entscheidung bringen soll.
Im Anschluß daran wird uns aus Berlin berichtet: In hiesigen militärischen Fachkreisen und in der diplomatischen Welt begegnet die Meldung, daß Serbien mit dreißigtau- send Mann und einer großen Anzahl von Geschützen den Montenegrinern zum Sturm auf Skutari zur Hilfe eilen wolle, der größten Skepsis. Richt nur die Nachricht selbst wird auf ihre Richtigkeit hin angezweifelt, obwohl natürlich Serbien als Waffengefährte Montenegros zu einer neuen militärischen Hilfsaktion sich bereitfinden würde, aber auch nach der technischen Seite begegnet diese militärische Aktton starken Bedenken, da man die Möglichkeit einer solchen Operation bezweifelt.
Die russische Sphhux.
Petersburg, 1. März. (Privat-Te- le stamm.) Die Meldung französischer Blätter, wonach die Ankündigung der russischen Demobilisierung am sechsten März erfolgen soll, wird in hiesigen authentischen Kreisen stark angezweifelt. Es ist richttg, daß die Hauptschwierigkeit überwunden ist und Verhandlungen über die Demobilisierung im Gang sind. Doch wird bezweifelt, daß sie am sechsten März bereits durchgeführt werden könne.
Reue Kriegs-Millionen.
Sofia, 1. März. (Privat - Tele- gram m.i Gestern nachmittag wurde die zweite Hälfte der Sobranje-Session durch den Kammerpräsidenten eröffnet. Von der Regierung wurde ein Gesetzentwurf eingebracht, in dem fünfzig Millionen als außerordentlicher Kredit für Kriegszwecke gefordert werden, da die im Dezember bewilligten fünfzig Millionen durch die Fortsetzung des Krieges bereits ausgegeben worden find.
Das Märchen von Delcaffee.
Der Herr Botschafter kommt nicht!
Berlin, 1. März. (Privattelegramm.) Tie dieser Tage durch die Presse gegangene Meldung, der neuernannte französische Botschafter in Petersburg, Theophile Delcaffee, werde auf der Fahrt von Paris nach Petersburg Berlin berühren und hier von „hoben P e r >' ö n l i ck> k e i 1 e n" (gemeint War der
Kaiser) empfangen werden, wird an amt- lichcr Stelle als freie Erfindung bezeichnet. Herr Delcassee werde weder Berlin besuchen, noch von irgend einer offiziellen Per- sönlichkeft empfangen werden.
Cassel als Flilg-Stiitzbunkt.
Die Platzfrager Der Forst oder Waldau?
Die Casseler Stadtverwaltung steht, gemeinsam mit dem „Kurhesfischen Verein für Luftschiffahrt" mit den maßgebenden Stellen in Verbindung. Cassel als Stützpunkt sür das deutsche Flugwesen zu wählen. Die Stadt Cassel hat als Flugplatz den F o r st vorgeschlagen- während von fachmännischer Seite aus gegen diesen Platz Bedenken geäußert werden.
Tie „Casseler Neuesten Nachrichten" haben in den letzten Tagen wiederholt darauf hingewiesen, daß unter den deutschen Städten, die Flug, sttitzpunkte werden sollen, auch Gaffel genannt wird, das sich infolge seiner geographi- chen Lage ausgezeichnet dafür eignet. Schon ind eine Reihe Flugstützpunkte rund um Cassel eftgelegt: Fulda, Gotha, Halberstadt, neuer« ttngs Hannover, Saarbrücken und die Blink- cuerftation für Luftschiffe in Krefeld. Cassel ist der nächste Flugstützpunkt, der in der Ausführung des jüngsten Beschlusses des Verwaltungsausschusses der Rationalflugspende eingerichtet wird. Die Entscheidung liegt nicht fern. Wie interessiert die Militärverwaltung an der Ausfindigmachung wichtiger Stützpunkte ist, ß aus der gesteigerten Anzahl von Neber-
bf lügen und Zwischenlandung gen unserer Militärflieger hervor, die in der letzten Zeit vollführt worden sind. Auch Cassel hat zweimal Militärflieger begrüßen können, die hier niedergegangen sind. Eine wichtige Frage ist nun die, w o der Flugplatz angelegt werden soll. Das Naheliegende ist natürlich, den F o r st zu nennen. Bei den Erörterungen im Stadtparlament über die Zukunft des Forstes ist stets davon die Rede gewesen, dort einen Flugplatz anzulegen und der Magistrat ist jetzt, da die Flugplatzfrage akut geworden ist, redlich bemüht,
den Forst als Flugplatz für den Luftfahrt - Stützpunkt vorzuschlagen. Vom kommunalen Standpunkt aus betrachtet, ist ein solches Streben der Stadtverwaltung freudig zu begrüßen. Es kann einer Stadt wie Cassel nur angenehm sein, dicht vor ihren Toren, gewissermaßen noch unter ihnen, einen geräumigen Flugplatz eigen zu nennen. Von sachverständiger Seite werden jedoch Bedenken erhoben, Bedenken so schwerwiegender Natur, daß es erforderlich erscheint, an dieser Stelle näher auf dieselben einzugehen. Die Lnft- schiffahrt ist heute noch immer mit mancherlei Fährnissen verbunden, und wenn ein Flugplatz nicht allen Anforderungen entspricht, die an ihn gestellt werden müssen, so erscheint es bedenklich, seine Wahl durchsetzen zu wollen. Die Verantwortung, die eine Stadt auf sich nimmt, ist in diesem Falle eine sehr große. Der Casseler Forst hat leider keinen guten Namen in Fliegerkreisen, seit Hans Schmigulski dort zu Tode gestürzt ist. Damals wurde fest- gestellt, daß die Luftverhältnisse über dem Forst äußerst ungünstige sind, da sich verschiedene Strömungen an dieser Stelle „fangen" und gefahrvolle Wirbel bilden. Oberarzt Dr. Dietrich, der verdienstvolle langjährige Caffeler Ballonführer, hat wiederholt geäußert, daß der Forst gerade dieser Wirbel wegen
für einen Flugplatz ungeeignet ist. und er empfahl dem Caffeler Flieger Karl Abelmann sehr dringend, seine Fliegerschule nicht auf dem Forst zu belassen. Er hat ausdrücklich betont, daß der Ballon „Mar- b ur g" oftmals Schwierigkeiten hatte, hochzu- kommen. Weiterhin sind die Terrainver- hältnifse wenig befriedigend. Verschiedene „Brüche", die beim „Deutschen Rundflug" in Cassel vorkamen, sind auf das Konto dieser Ter- rainverhältnisse zu setzen. Eine große Gefahr für Flieger ist die dem Forst benachbarte Industrie, und die daraus entstehende Gefahr würde sogar erheblicher werden, wenn es der Stadt gelingen sollte, noch mehr Jndustriewerke auf dem Forstgelände anzusiedeln. Tas erste Hemmnis bildet die Gasanstalt, deren Ueberfliegen den Piloten vom Deutschen Luftfahrerverband verboten worden ist, ein weiteres stellen die Bettenhäuser Fabrikschornsteine dar, die ein Schrecken für landende und startende Flieger sind, und schließlich kommen noch die Eisenbahngleise hinzu. Für Notlandungen Wird der Forst der Eifenbabnschie- nen wegen ungeeignet fein. Und nun noch eins: Der Forst ist nur noch nach der Waldauer Seite offen. Er liegt überdies so
vo« bewohnten Häusern eingeschloffen, daß ei aus der Höbe schwer erkenntlich ist u. kein fremder Flieger' in dem Forst einen Flugplatz vermutet. Als an einem der letzten Sonnabende Leutnant Geyer seinen Militär-Doppeldecker nach Cassel steuerte, fand er den Forst nicht, und subr deshalb nach Arolsen weiter. Am andern Morgen landete er auf dem Forst nur. weil er die Ballons „Cassel" und „Marburg"