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Caffeler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 uni» 952.

Donnerstag, 27. Febrnar 1913

Nummer 71

Fernsprecher 951 und 952.

gestern nachmittag den Paris, Iswolski,

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Tte Lafleler Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der SbonnementSpreiS beträgt monatlich 60 Psg. bet freier Zustellung inS Hau«. Bestellungen werden jederzeit von der Geschäftsstelle oder den Boten entgegengenommen, »ruderet, Berlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28/30. Sprechstunden der Redaktion nur von 7 bis 8 Uhr abends. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von 6 bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: SW Friedrich«! 16, Telephon: Amr Moritzplatz 12584.

nach Gmunden unternahm, in hervorragender Weise mitgewirkt. In Anerkennung dieser Dienste erhielt Freiherr von Hammerftein zwei wertvolle Geschenke, und zwar ein prachtvolles Bild des Herzogs von Cumberland, sowie eine goldene Truhe. Für den Aufenthalt der Kai- serin und der Prinzessin Viktoria Luise, die am ersten März in Gmunden eintreffen werden, sind dort dreiTagein Aussicht genommen. Wann der Kaiser den Herzog von Cumberland be­suchen wird, steht noch nicht fest; vermutlich wird es erst im Juli nach der Hochzeit der Prinzessin geschehen.

Teure erhabene Freunde.

Ruhlands Zar «nd Frankreichs Präsident.

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Sturm auf Adrianovel

Verzweifelte Anstrengungen der Bulgare«.

Konstantinopel, 26. Februar. (Privat­telegramm.) Aus Adrianopel hier einge­gangene Depeschen berichten, daß seit vierzehn Tagen die Bulgaren verzweifelte, aber erfolg­lose Anstrengungen machen, Adrianopel zu

JnferttonSprelse: Die sechSgefpallene Zelle für einhetmtsche Seschäft« 15 Pfg., für aus. wärttge Inserate 25 Pf, Reklame,elle für einheimische Geschäfte 43 Pf, für auswärtige Geschäfte 60 Pf. Einfache Beilagen für ble Gesamtauflage werde» mit 5 Mark pro Tausend be. rechnet. Wegen ihrer dichten Verbreitung in der Reiiden, und der Umgebung stnd die Lasseler Neuesten Nachrichten ein vorzügliche« JnsertionSorgan. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5 Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt Moritzplatz 12584

Wett. Hier residierte Justinian, der der Wett in dem Corpus juris ein Gesetzbuch gab, das bis vor wenigen Jahren auch in weiten Ge­bieten des Deutschen Reichs noch Geltung hatte. Das oströmische Reich war längst morsch ge­worden, als die Türken ihre neue Teilung der Erde durchführten. Heute ist die Türkei selbst morsch, und so beginnt man, auch ihr Staats­gebiet neu zu verteilen.

Aber die Türkei ist nicht die einzige euro­päische Macht, die auf ihre« einstigen Lorbeeren zusammengesunken ist, um nie wieder zu er­wachen. Sie hat im äußersten Westen Euro­pas ein Gegenstück: Auch Portugal ist heut nstht mehr, was es einst war. Der kühne See­fahrergeist der Portugiesen hatte in einer ver­gangnen Epoche dem kleinen Land einen un­geheuren überseeischen Besitz verschafft. Vieles ist ja in der Folge dank der portugiesischen Mißwirtschaft wieder verloren gegangen, aber die Trümmer des portugiesischen Weltreichs sind doch noch immer recht ansehnlich. Die Portu­giesen werden indessen ihres Besitzes nicht recht froh, denn zur wirtschaftlichen Erschließung sei­ner Kolonien fehlt es dem von Parteikämp­fen zerrütteten Land an Geld. Dazu kommt noch die beständige Furcht, daß die Kolonien einmal verloren gehen könnten. Man hat in Portugal offenbar selbst das Gefühl, daß der portugiesische Kolonialbesitz eigentlich ein Ana­chronismus ist, und deshalb sieht man fortge­setzt die Kolonien von Gefahren umlauert. So taucht auch jetzt wieder das Gerücht auf, daß zurzeit zwischen Deutschland und Eng­land Verhandlungen über die portugiesischen Kolonien in Afrika schweben. Der portugie­sische Minister des Aeußern hat sich allerdings beeilt, in der Kammer diese Gerüchte als un­zutreffend zu bezeichnen und zu beteuern, daß weder England noch Deutschland daran däch­ten, eine internationale Konferenz zur Bera­tung der Kolonialfrage zu veranlassen.

Es ist nicht das erste Mal, daß von Abma­chungen zwischen England und Deutschland hinsichtlich der aftikanischen Kolonien Portu­gals die Rede ist. Schon gelegentlich der Ent­thronung König Manuels sprach man von ei­nem derartigen Vertrag, wonach Deutschland im Fall einer Veräußerung der portugiesischen Kolonien Angola und England Mozam­bique erhalten sollte. Sofern indessen solche Abmachungen überhaupt bestehen, handelt es sich immer nur um den Fall, daß Portugal selbst geneigt ist, sich seiner Kolonien zu ent­äußern. Berücksichtigt man die finanziellen Schwierigkeiten, mit denen auch die republi­kanische Regierung fortwährend zu kämpfen hat, so scheint dieser Fall allerdings nicht gänz­lich außerhalb des Bereichs der Möglichkeit zu liegen. Portugal verfügt kaum über die not­wendigsten Mittel, um im Mutterland die drin­gendsten Reformen durchzuführen, geschweige denn über Geld für eine tatkräftige Kolonial­politik. Andererseits könnten die Kolonien, die jetzt nur Geld kosten, bei ihrem Verkauf eine ganz hübsche Summe einbringen. Dieser Er­wägung wird sich auf die Dauer kein portugie­sischer Finanzpolitiker entziehen können, und deshalb wird man doch damit rechnen müssen, vaß früher oder später eine neue Verteilung des portugiesischen Kolonialbesitzes stattsindet, wenn sich auch jetzt noch das portugiesische Na- tionalgefühl gegen diesen Gedanken aufbäumt. Gegen das Schicksal ist nun einmal kein Kraut

Zu Ehren des dänischen Königspaares sand gestern abend im Weißen Saale des König­lichen Schlosses in Berlin G a l a t a f e l statt, bei der der Kaiser und der König von Däne- ------..... :en. Der

r König v mark Trinksprüche austauschti Kaiser kam in seinem Trinkspruch auf den Tod des Vaters des Königs und aus den Besuch des Königspaares zu sprechen und fuhr dann

auf der festen Grundlage gegenseitigen Vertrauens und freundschaftli­cher Verständigung unserer beiden stammverwandten Völker mit ihren volkstümlichen Eigenarten entwickeln möge, lieber die weiteren Reise-Dispositionen des Nischen Königspaares wird uns telegraphisch aus Paris gemeldet: Ter Besuch des Königs und der Königin von Dänemark in Paris ist für dieses Frühjahr angemeldet. Es wird der erste Besuch sein, den das Königspaar nach seiner Thronbesteigung in Frankreich macht. Ter dänische Gesandte in Paris wird schon in den nächsten Tagen an Poincarö den Elesan- teittOrden überreichen.

Hohen'ollern und Cumberland.

B r r l i n, 26. Februar (Privat - Tele­gramm.) Bei der Aussöhnung zwischen dem Hohenzollern- und Welfenhaufe hat Freiherr von H a m m e r st e i n, der seinerzeit eine Reise

he, ler ug- IN: ch en.

Deutschlands nächste Zukunft.

Politische Rückblicke und Ausblicke, von

Maximilian Harden.

Martmilian Harden, der oft die Fähigkeit benüefen hat, politische Zusammenhänge früher und eher zu erkennen als viele seiner ZeUge- noffen, dem auch manches Material zugänglich ist, dar anderen verschlossen ist, hat soeben in Berlin einen Vortrag gehalten, dessen MUtei. langen auf da« reichshauptstädtische Publikum wie eine Sensation gewirkt haben. Wir stnd heute in der Laxe, unfern Lesern einige der wichtigsten Stellen diese« Vortrages in wörtlicher Wiedergabe ooriulegen. Wird der berüchtigte Krieg, von dem man uns schon so lange erzählt hat, der große euro» päische Krieg, kommen? Das ist die allgemeine große Frage. Die Londoner Botschafterkonfe- renz hat nichts getan, was eine beruhigende Beanrwortung ermöglicht hat. Es bleibt voll-

erstürmen. Sie beschießen die Stadt in grausamer und unmenschlicher Weise. Die Kon­suln haben bei ihren Botschaftern gegen dieses unmenschliche Bombardement Einspruch erho­ben und für ihre Staatsangehörigen eine neu­trale Zone verlangt. Die Stadt ist mit Lebens­mitteln versorgt. Schukri Pascha verteidigt die Festung heldenhaft.

reMsch-dänische TriMrüche.

Vertraue«, Freundschaft, Verständigung.

Die Teilung der krde.

Entwicklungs-Linien und Völker-Schicksale.

Als Zeus von seinen Höhen den Menschen zurief: Nehmt hin die Welt, nehmt, sie soll Euer sein!, da kam nicht nur der arme Poet zu spät; auch ganze Völker vernahmen den Ruf erst, als nichts mehr zu teilen da war. Dafür hatten sich andre umso mehr beeilt, sich mög­lichst große Stücke dieser schönen Erde zu sichern, und es waren nicht immer grade Völ­ker, die vermöge der ihnen innewohnenden Kraft ein natürliches Anrecht darauf hatten. Oft war es auch nur eine kurze Kraftentfal­tung. der ein Volk seine Eroberungen zu ver­danken hatte; der Verfall trat dann um so schärfer ein, vielleicht grade begünstigt durch die Reichtümer, die den Eroberern aus den be- zwungnen Ländern zugeströmt. Die Verteilung der Erde folgt nicht unmittelbar dem Aufstieg und Niedergang der Völker; sie enffpricht nur selten oder nie den tatsächlichen Machtverhält- mssen, und daher wird es auch niemals an Verswchen fehlen, die Verteilung der Erde ent­sprechend den veränderten Verhältnissen zu korrigieren. Der Balkankrieg stellt einen solchen Versuch dar. Die Macht des Is­lam, vor der einst ganz Europa zitterte, ist längst gebrochen, aber immer noch zählt die Türkei große und von der Natur begünstigte Landstriche zu ihrem Besitz. Die Hauptstadt Konstantinopel selbst war Jahrhunderte hin­durch der Mittelpunkt der ganzen zivilisierten

Handschreiben des Zaren, in dem es heißt: Herr Präsident'. Erhabe­ner, guter Freund! Aus Anlaß Ihrer Wahl zum Präsidenten und der Uebernahme Ihres hohen Amte« richte ich meine herzlichen Gratulationen und meine wärmsten Wünsche an Sie. Es liegt mir am Herzen, Ihnen von neuem zu versichern, wie sehr ich von dem Ge­danken durchdrungen bin, daß das franzö- fisch-russische Bündnis ebenso den Ge­fühlen, wie den Interessen der beiden Völker entspricht und nie aufgehört hat, ein wirksamer Faktor für den Frieden Europas zu sein. Dieses Bündnis, das den Herzen der bei. den großen Nationen enffpringt und durch ein zwanzigjähriges fruchtbares Bestehen geheiligt ist, bildet die Grundlage der auswärtigen Poli­tik, die ich meiner Regierung vorgezeichnet habe. Damit dieses Bündnis alle Früchte tragt, die es zu bringen vermag, erscheint mir ein bestän­diges Zusammenarbeiten und eine stete Fühlungnahme zwischen den Kabi­netten in Paris und Petersburg unerläßlich. Da ich wünsche, ein neues Zeugnis meiner auf­richtigen Anhänglichkeit an Frankreich zu geben, und Ihnen so meine Hochachtung und meine persönliche Freundschaft für Sie auszudrücken, so gestatte ich mir daS Vergnügen, ihnen heute meinen Sankt Andreasorden zu verleihen, des­sen Insignien ich Ihnen hierbei mit meinen besten Wünschen für das Gedeihen Frankreichs und das Gelingen der Aufgabe, die Sie auf sich genommen haben, überreichen lasse. Ge­nehmigen Sie, Herr Präsident, mein erhabener guter Freund, die Versicherungen meiner voll­kommenen Hochachtung und meiner hohen Wert- schätzung. Ihr guter Freund Nikolaus.

Präsident und Zar.

Präsident Poincaree ertoiberte auf das Handschreiben des Zaren mit folgendem Tele­gramm: Teurer, erhabener Freund! Soeben habe ich aus den Händen Eurer Ma­jestät Botschafters die Insignien Ihres Sankt Andreas-Ordens erhalten, und es liegt mir am Herzen, Eurer Majestät ohne Verzug den Aus­druck meines lebhaftesten Dankes zu übermit­teln. Ich bin tief gerührt durch die Worte des Schreibens, durch das Eure Majestät mir dieses glänzende Zeichen der Freundschaft und einen neuerlichen Beweis Ihrer Gefiible Frank­reich gegenüber gaben. Eure Majestät können versichert sein, daß ich, wie in der Vergangen­heit, treu an dem Bündnis festhal­ten werde, das Rußland und Frankreich einigt. Indem ich meine aufrichtigsten Wünsche für das Glück Eurer Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin und Ihrer ganzen Familie darbringe, bitte ich Die, die Versicherungen meiner Hoch­achtung und meiner beständigenFreund- schaft entgegen zu nehmen. Poincaree.

gewachsen, und der natürliche Entwicklungs­gang des Schicksals wird eines Tags das ein­stige Braganza-Land vor die Alternative drän­gen: Seine kolonialen Wertstücke zu Geld zu machen, oder in einem großen Wittschastskrach dem völligen Untergang preisgegeben zu wer­den. Und in dieser Stunde der Enffcheidung, die nicht mehr fern sein kann, wird das ,Na- iionalbewußtsein" dem kategorischen Imperativ der historischen Entwicklung sicher nicht mehr widerstreben. ,

Der Krieg und die Sparer.

Der Rückgang der Spar-Einzahlnnge«.

Die gespannte auswärtige Lage spiegelt sich deutlich in dem jetzt vorliegenden Abschlüsse der deutschen Sparkassen für das Jahr 1912 wieder. Sowohl die Zahl der Spar­bücher wie die Höhe der Guthaben ist im letzten Vietteljahr gegen die gleiche Zeit des Vorjah­res zurückgegangen. Nach einer genauen sta­tistischen Zusammenstellung war besonders das Resultat der beiden letzten Monate (des No­vembers und Dezembers) ein recht ungünsti­ges. 238 Sparkassen mit einem Einlagebe- stand von 6987 Millionen Mark hatten im No- vember 1912 über 34 Millionen Mark Mehr- rückzahlungen. Im Dezember 1912 be­lief sich letztere bei 231 Kassen mit 6190 Millio­nen Mark Einlagen auf rund 15,5 Millionen Mark. Dagegen hatte der Dezember 1911 nur etwas über 6,5 Millionen Mark mehr Rück- zahlnngen und der November 1911 statt eines bedeutenden Verlustes sogar 18,5 Millionen Mark Mehreinzahlungen aufzuweisen. Mag auch dieser ungünstige Abschluß zum Teil auf die allgemeine Teuerung zurückzufuhren sein, so unterliegt es doch kaum einem Zweifel, daß mehr noch die durch den Balkankrieg hervorgerufene Kriegsfurcht die Schuld daran trägt. In Königsberg und anderen ostpreußischen Städten war zuweilen eine förmliche Panik zu verzeichnen, sodaß sich die Regierung veranlaßt sah, durch die offiziöse Presse zur Besonnenheit mahnen zu lassen. Auch die unabhängige Presse war bemüht, die Sparer darüber anfzuklären, daß auch

im Falle eines Krieges

ihre Guthaben auf den Sparkassen nicht gefähr­det seien. Mit welchem Erfolge, zeigt bte Ab­schlußbilanz der Sparkassen. Man bat bett durch die Kriegssurcht veranlaßten Abfluß von Spargeldern für bett November auf 60 bis 70 Millionen, für ben Dezember auf 50 Millio­nen berechnet. Vorwiegend sind es die klei­nen Sparer, die noch immer bte Ansicht hegen, daß der Strumpf eine größere Sicher­heit für ihre Spargroschen bilde als eine kom­munale Sparkasse, obwohl die Gemeinden selbst für die Verbindlichkeiten der von ihnen unter­haltenen Sparkassen hasten. Bei dieser Gele­genheit sei darauf hingewiesen, daß auch die Depositen der Banken im Kriegsfälle dem Zugriff des Staates entzogen sind. Nicht ohne Absicht hat man seinerzeit auch die Reichs- bank als eine private Aktiengesellschaft ge- gründet. Man wollte dadurch die in ihr inve­stierten Kapitalien im Falle eines Krieges dem Zugriff des Feindes entziehen. Ware bte Reichsbank ein staatliches Institut, so konnten nach den Grundsätzen des Völkerrechts ihre Ka­pitalien als Staatsgelder vom Feinde beschlag­nahmt werden. Bei einem rein privaten Geld­institut ist das natürlich nicht möglich. Ebenso wenig aber ist auch das Reich selbst in ber Sa* ge, seine Hand aus bte Gelber ber Reichsbank zu legen. Natürlich kann die Reicksbank wgut wie jede andere Privatbank dem Reiche jeder­zeit nach Maßgabe ihrer Satzungen Vor,chusse gewähren, aber' das ist natürlich etwas ganz anderes, als eine Beschlagnahme von Geldern, wie sie vielfach bett kleinen Sparern als Schreckgespenst vorschwebt.

Allgemeine Entspannung in Sicht?

(Privat-Telegramm.)

Wie«- 26. Februar.

Die Erklärung des Ministerpräfibenten Gra­sen Stürgk an deutsch-böhmische Parlamenta­rier, daß in bezug auf die internationale Sage in nicht zu ferner Zeit eine allgemeine Ent­spannung eintreten werde, machte im Abgeord- netenhause sowie im Herrenhause den größten Eindruck, umsomehr, als im Saufe des Nach­mittags bekannt geworden war, daß Graf Stürgf die Erklärung im Einvernehmen mit dem Minister des Aeußeren, Grasen Bcrchtold, abgegeben habe. Die Anschauung der Abgeord­neten ging dahin, daß die angekündigte allge­meine Entspannung in erster Linie auch eine militärische Entlastung zur Folge haben wer­de und daß die Entlassung der Reservisten da­durch in nahe Aussicht gestellt sei.

Wie aus Paris berichtet wird, empfing Präsident Poincaree gestern nachmittag den russischen Botschafter in Paris, Iswolski, sowie den Spezialgesandten des Zaren Niko­laus, Baron Schilling, der dem französi- schen Präsidenten den russischen St. Andreas- orben überreichte. Der russische Botschafter hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der die engen freundschaftlichen Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich hervorgehoben wur­den. Der Spezialgesandte des Zaren über­reichte Poincaree ein

Von ganzem Herzen danke ich Euer Ma­jestät für diesen Beweis persönlicher Zunei­gung und freundnachbarlicher Ge­sinnung. Daß ich diese warm erwidere, und baß es auch mein unb meiner Regierung aufrichtiger Wunsch unb fester Wille ist, bte Beziehungen unserer Sauber zu pflegen und auszuge st alten in ge­genseitigem Interesse unb zum Wohle betber Völker, dessen dürfen Eure Majestät gewiß sein. Um Eurer Majestät auch ein äußeres Zeichen meiner fteundschaftlichen Gesinnung zu geben, habe ich beschlossen, Eure Maje­stät & la suite meiner Marine zu stellen. Bei den regen nachbarlichen Beziehungen unserer Flotten wird es meiner Marine eine Ehre sein, wenn Eure Majestät diese durch Euer Majestät verehrten Herrn Vater betteidete Stellung freundlichst annehmen wollten. In­dem ich jetzt mein Glas erhebe, gedenke ich noch besonders des Bandes schwester­licher Liebe, das Eurer Majestät Ge­mahlin und die Kronprinzessin, meine ge­liebte Schwiegertochter, imtschlingt; bet herz­lichen Freundschaft, die Eurer Maje­stät hochseligen Vater und mich verbtmden hat, und nicht zuletzt der verehmngswürdi- gen Gestalt Eurer Majestät unvergeßlichen, in Gott ruhenden Herrn Großvaters. Möge der Segen der Vorsehung Eure Ma­jestät immerdar geleiten auf dem verantwor­tungsvollen Pfade der Erfüllung Eurer Ma­jestät erhabenen Berufs.

Der König von Dänemark dantte in feinem Trinkspruch für den ihm in Berlin zuteil ge­wordenen warmen Empfang und für bte Ent­sendung des Kronprinzen zu den Betsetzungs- seierlichkeiten in Kopenhagen, sprachzu der Verlobung im deutschen Katserhaus seine Glück­wünsche aus und schloß dann seinen ^rmk- spruch wie folgt:

Voll zu schätzen weiß ich die hohe Ehr?, die Eure Majestät mir erwiesen haben durch meine Ernennung an Stelle meines Vaters zum Chef des preußffchen Husaren - Re­giments Nr. 14 (Landgraf Friedrich der Zweite von Hessen-Homburg), und ganz be­sonders dankerfüllt bin ich dafür, daß Ew. Ma­jestät soeben geruht haben, mich & la suite Ihrer stolzen Marinezu stellen, die Ew. Majestät immer mit so warmem Interesse umfaßt haben. Ich füge hierzu unseren herz­lichsten Dank für den uns in Eurer Majestät Haupt- und Residenzstadt bereiteten überaus glänzenden Empfang, an dem die ganze Be- vötterung fo sichtbaren Anteil genommen hat. Indem ich in Eurer Majestät einen erha­benen Monarchen erblicke, dessen n i: ermüdende Friedensliebe bald einer sünfundzwanzigjährigen Regierung ihr Gepräge aufgebrückt hat, hege ich bie freudige Zuversicht, baß Eure Majestät die meinem Großvater und meinem Vater bewiesene Freundschaft auf mich übertragen möchten. Zn dieser Hoffnung gefellt sich noch der inni­ge Wunsch, daß bie Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern auch fernerhin sich

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