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Casseler Neueste Nachrichten

Casseler Abendzeitung

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Hesstsche Abendzeitung

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Nummer 70.

Fernsprecher 951 und 952.

3. Jahrgang

Mittwoch, 26. Februar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

SeschSst und... Wicht!

Deutsche Luftschiffe für unsere Gegner?

Als iwr Monden bekannt wurde, daß auf deutsche« Luftschiff-Wersten für England Flugzeuge erbaut würden, ging ein Sturm der Entrüstung durchs deutsche Land. Man erblickte >n der Lieferung deutscher Luftwaffen an eine Macht, deren Unfreundlichkeit gegenüber Deutsch­land längst aller Zweifel entkleidet, eine G e - fährdung der eignen Sicherheit und sah in dem Werk deutscher Arbeit, begonnen und vollendet im Dienst britischer Rüstungspolitik, eine bedenkliche Verkennung derjenigen Rück­sichtnahme, die die Situation auf politischem Gebiet und unser Verhältnis zum Reich der blonden Vettern deutscher Selbstachtung als ge­bieterische Notwendigkeit erscheinen läßt. Es war nicht fanatischer Chauvinismus, der den dringlichen Warnungen Ausdruck lieh, keine engherzige Philister-Sorge, die m überreizten Phantasie-Gebilden düstre Spuk-Gestalten sah, sondern der nüchterne Ernst der Erkenntnis und das nationale Ehrgefühl der Volksgemein- schastt protestierten gegen Dienstleistungen, die dem Vaterland einst gefährlich werden könnten, und gegen eine Rücksichtnahme auf wirtschaft­liche Vorteile, die dem nationalen Eigenintereffe widersprach. Wir totff en nicht, ob die Stimme des Volks dort, wo sie gehört werden sollte, vernommen und beherzigt worden ist; wir wis­sen auch nicht, ob Vorkehrungen getroffen wor­den sind, künftighin die Dienstbarmachung deut­scher Arbeit tm Rüstungsintereffe unsrer Gegner zu verhüten; wir wiffen nur e i n s : Auf E n g - land folgt jetzt Rußland!

Die russische Regierung, die schon vor zwei Jahren von der Lustfahrzeuggesellschast in Bit­terfeld einen Lustkreuzer bezog, hat mit der Ge- sellschast abermals einen Kaufvertrag auf Lie­ferung eines Luftschiffs abgeschlossen. Das neue Luftschiff (das achtzehnte, das die Gesellschaft baut) soll nicht mit einer Aluminium-Hülle, son­dern mit Diagonal-Ballonstoff bezogen werden, und seine Herstellungskosten beziffern sich (dem Wert der modernen Konstruktion entsprechend) auf scchshunderttausend Mark! Es darf viel­leicht gesagt werden, daß wir in Rußland nicht in dem gleichen Maße unfern Gegner in einem künftigen Kriege zu erblicken haben, wie etwa in England, dessen Rüstungsmaßnahmen zu Wasser und zu Lande offensichtlich fortlau­fend der (jenseits des Kanals nie aus dem Blickbereich entschwundnen) Möglichkeit eines deutsch-englischen Waffengangs angepaßt wer­den: Aber auch das Zarenreich gehört zu derjenigen Mächte-Gruppierung, die im Drei­bund den Gegner und Konkurrenten im inter- nationialen Weltgeschäft und in Deutschland den Führer und Träger der Dreibundmacht er­blickt. Die Bismarck'sche Tradition derguten Beziehungen" zwischen Spree und Newa ist längst zur historischen Reminiszenz geworden, und kein Depeschen-Wechsel und kein Phrasen­geklingel kann darüber hinwegtäuschen, daß die Politik des Zarentums, Frankreich und der Bri- tmmacht eng verbündet, Ziele erstrebt, die den­jenigen der deutschen Reichspolitik diametral entgegenstehen, und die Entwicklung der Bal­kan-Krise hat ja erst in den jüngsten Tagen wie­der überzeugend dargetan, was Deutschland und der Dreibund von Rußland und seinen Bund­genoffen im Falle wirklicher Gefahr zu erwar­ten haben.

Wir haben (vielleicht) in Rußland nicht einen von Revanche-Leidenschaft und nationa­listischem Fanatismus erfüllten Feind zu er­blicken, wie er in Frankreich und England unsre Sicherheit bedroht; aber auch Rußland ist nicht unser Freund, und wenn man selbst das Panflawisten-Geheul der deutschfeindlichen rus­sischen Kriegspreffe nicht allzu tragisch nehmen will: Am Zarenhof s e l b st existiert eine mächtige Partei, die in einem Krieg mit Deutschland die einzige und natürliche Möglichkeit erblickt, über dendeutschen Wall" hinweg Rußland das historische Uebergewicht" in Europa zurück­zuerobern. Sollen nun deutscher Industrie- und Gewerbefleitz, deuffche Arbeit und deutsches Ta­lent diesem Gegner des Reichs inderfelben Weife dienstbar werden, wie sie schon den Bri­ten dienstbar geworden sind? Man wird viel­leicht auf Krupp Hinweisen und daran erinnern, daß die Geschosse des Essener Kanonenkönigs nicht nur unfern Freunden, sondern auch unfern Gegnern gegen klingendes Gold verkauft wor­den sind, trotzdem das Nationalbewußtsein Krupps nie von ernsthafter Kritik angezweifelt worden. Der Vergleich ermangelt indessen der Hattbarkeit, ganz abgesehen davon, daß Das­jenige, was Krupp getan (und tut), noch nicht unbedingt nützlich und nachahmenswert genannt zu werden braucht. Beim Luftschiffbau handelt es sich zudem um die Schaffung einer der w i ch - tieften Verteidigungs- und Angriffswaffen ist nv^-rnen Lukunft-Krieg. und es

würde unverantwortlicher Leichtsinn sein, wenn wir diese Waffe unfern Gegnern ausliefern wollten.

Ein gesetzlicher Einfluß auf den deut­schen Luftschiffbau ist schwer zu ermöglichen, widerstrebt auch dem rechtlichen Empfinden, und würde einem Zwang gleichkommen, der sich viel­leicht rechtfertigen, in seinen ethischen Mo­tiven aber kaum verteidigen ließe. Es bleibt also nur der Appell an das National-Be- wußtsein und das völkische Empfin­den derjenigen Stellen, die über die Arbeits­leistung unsrer Luftschiffbau - Unternehmungen zu enffcheiden haben und ihre Verwertung lei­ten. Daß sich die Volkssfimmung dagegen er­hebt, unfern Gegnern Angriffs- und Vertei­digungswaffen in die Hand zu geben, die fit einem Zukunftkriege einmal gegen Deutschland in Aktion treten können, ist ein ganz natürlicher und an sich zu begrüßender Vorgang, in dem sich die lebhafte Anteilnahme der Volksgemein­schaft am Schutz der Reichs-Sicherheit offenbart, und ebenso, wie sich die (stimme der Oeffent- lichkeit seinerzeit scharf gegen die Ueberlaffung deutscher Luftfahrzeuge an England wandte, protestiert sie (geleitet von natürlichem In­stinkt) jetzt mit derselben Entschiedenheit gegen die Nutzbarmachung deutscher Arbeit im Dienst russischer Kriegsvorbereitung. Was drängt uns, dem Gegner Waffen zu fchmieden, die eines Tags gegen uns selbst gerichtet sein können: Das Interesse der Völkerfreundschaft oder der Glanz des Goldes? Russisches und deutsches Wesen eint fein Band wirklicher Sym­pathie. die Politik des Zarenreichs verpflichtet uns nicht zu Dank und Schätzung, sondern zu Vorsicht und Argwohn, und die sechshundert­tausend russischen Silberlinge sollten uns nicht in Versuchung führen, diesen Argwohn und diese Vorsicht außeracht zu lassen ...! F. H.

Reue deutsche Zeppelin-Schiffe!

(Von unfetm dp.-Mitarbeiier.)

Friedrichshafen, 25. Februar.

Auf der hiesigen Zeppelinwerst geht ein neuer Zeppelin für die deutsche Heeres- verwaltung seiner Fertigstellung entge­gen. Er trägt die WerkstattbezeichnungL. Z. XVI* und wird nach der Uebernahme durch die Militärbehörde den Namen ,Z. IV" führen. Als Stationsort ist für das Luftschiff Ham. bürg in Aussicht genommen. Auch die Marine wird demnächst einen zweiten Zeppelinkreuzer erhalten. Das Luftschiff ist zwar noch nicht endgültig in Auftrag gegeben, ein Vertreter des Reichsmarineamtes, Mari- nebaumeister Pietzker, weilt aber bereits seit einiger Zeit in Friedrichshafen, um Verhand­lungen wegen Ankaufs eines neuen Zeppelin­schiffs für die Marine zu pflegen. Für die Beschäftigung der Zeppelinwerke ist also in nächster Zeit gesorgt. Auch Privataufträge lie­gen vor, so unter anderm von der Delag, der Deutschen Luftschiffahrtsattiengesellschaft, de­ren in Auftrag gegebenes Luftschiff in aller­nächster Zeit in Angriff genommen werden soll. Es wird diesL. Z. XVII" fein, das vor­aussichtlich auf den NamenSachsen" getauft werden wird.

Mexiko in voller Anarchie.

Nach der Erschießung des Präsidenten.

Brüssel, 25. Februar. (Privat- Telegramm.) Der belgische Gesandte in Mexiko telegraphiert hierher, daß in Mexiko völlige Anarchie herrsche. Alle Geschäfte seien geschloffen. Ter Ge- sandte mußte mit seinem gesamten Per­sonal auf die deutsche Gesandtschaft flüchten, da die Gesandtschaft dem Kugelregen ausgesetzt sei. Die Lage sei so kritisch und verworren wie nie zuvor.

Wie uns ein P r i v a t - T e l e g r a m m aus Mexiko berichtet, hat die Obduktion des er­schossenen Expräsidenten M a d e r o ergeben, daß Madero durch einen Schuß in den K ops ge­tötet worden ist. Tie Leiche des Vizepräsiden­ten Suarez wies mehrere tödliche Wunden aus. Die Familie Maderos ersuchte um Herausgabe der Leiche, jedoch hat man diesem Ansuchen mast stattgegeben. Maderos Witwe und deren Toch­ter haben sich in die japanische Gesandtschaft geflüchtet. Die Regierung hat versprochen, eine strenge Untersuchung einzuleiten und die Schuldigen nach Gebühr zu bestrafen. Ter neue Präsident batte das diplomatische Korps für gestern zu einem Dejeuner erngeladen, es nahm aber niemand daran teil, sondern man gab ihm zu verstehen, daß erst die Ursache des Todes des Präsidenten Madero aufgeklärt wer­den müsse. Tie Schwester Maderos nannte alle Offiziere: Mörder. Die Leiche Maderos wurde gestern mittag nach dem Mausoleum auf dem französischen Friedhof gebracht. Die Fa­

milie MaderoS war anwesend. Die Leiche Suarez' wurde gestern nachmittag nach dem spanischen Friedhof gebracht.

Sie internationale Krise.

Die Lage wird günstiger beurteilt!

Die allgemeine Lage wird in den verschie­denen Hauptstädten Europas auch heute über­einstimmend günstiger beurteilt. Wie uns ein Privattelegramm aus Wien meldet, nehmen die dortigen diplomatischen Kreise an, daß Oesterreich und Rußland in der Frage der Ab­grenzung Albaniens vor einer Ver- ständigung stehen. Nach wie vor ist je­doch mit dem Widerstand Serbiens und na­mentlich Montenegros zu rechnen. Montenegro lehnte aus dem Gefühl der Verstimmung gegen Oesterreich heraus auch das österreichische An­gebot dankend ab, eine Sanitätskolonne des Noten Kreuzes zu entsenden. Ueber die Ent­wicklung der Dinge liegen heute folgende Nach­richten vor:

Berlin, 25. Februar.

Aus hiesigen diplomatischen Kreisen ver­lautet, daß die deutsche Regierung den Standpunkt einnehme, die Stadt Sili- stria solle, nach Abtretung der strategisch gele- gencn Forts und Höhenzüge an der bulga- risch-rumänischen Grenze, Bulgarien ver- bleiben. Da auch die Mächte der Triple-En- tente diesen Standpunkt einnehmen werden, dürfte in dem Bermittclungsvorschlag der Mächte die Stadt Sillstria Bulgarien überlassen werden. Diese Grenzregulierung dürfte wohl (unter der Voraussetzung ge­wisser Konzessionen an der Küste des Schwarzen Meeres an Rumänien) auch die Zustimmung Rumäniens finden.

Wien, 25. Februar-

Bei einem diplomatischen Empfang, der gestern abend stattsand, wurde von verschiede, nen Diplomaten darauf hingetoiesen, daß sich eine wesentliche Entspannung voll- zogen habe, so daß mehr als in den letzten Wochen begründete Aussicht vorhanden ist, daß sich alle Fragen, die auf der Tagesord­nung stehen, gütlich lösen und der vott- ständigeFriedeim Anzuge ist. Ebenso wurde bekannt, daß nicht nur Rumänien, son­dern auch Bulgarien die Vermittlung ange­nommen haben, ohne irgendwelche Bedingun­gen zu stellen. Unter diesen Umständen ge­winnt die internationale Lage ein wesentlich günstigeres Aussehen.

Inzwischen wird bekannt, daß sich die Tür­ke i zu erneuten FriedensverHandlun­gen bereit erklärt hat. Nach Mtttetlungen, die an Berliner amtlicher Stelle vor­liegen, hat nämlich die Türkei die Neigung zu erkennen gegeben, von neuem in Friedensver­handlungen einzutreten. Da jüdoch die Balkan­staaten dazu nur dann bereit sind, wenn die Türkei von vornherein auf Adrianopel verzichtet, man aber der Türkei nicht ohne weiteres zumuten kann, diese Festung aufzu­geben, so dürste ein Ausweg dahin gewählt werden, daß die Türkei die Botschafter- Versammlung mit der Einleitung von Friedensverhandlungen beauftragt.

Depesche« vom Kriegsschauplatz.

(Privat-Telegramm.) Konstantinopel, 25. Februar.

Seit heute früh lagen nur spärliche Meldun­gen über die Lage auf dem Kriegsschau­platz vor. Adrianopel wurde auch vorgestern nur schwach bombardiert. Tie türkischen Bat­terien erwiderten das Feuer. Zu Jnfanstrie- kämpfen ist es seit mehreren Tagen nicht mehr gekommen. In einem Nachtgefecht bei Elbaffan östlich von Tschataldscha hatten die Türken fünf Tote und zweiundzwanzig Verwundete. Die Lage bei Bulair ist unverändert. UeberschtoS-nmungen infolge von Hochwaffer hindern dort die Operationen. Am Schwarzen Meer haben erbitterte Kämpfe zwischen Bulgaren und türkischen Freiwilligen stattge­funden. Die Bulgaren follen schwere Ver­luste erlitten haben. Eine hiesige Zeitung bringt heute früh die aufsehenerregende Mel­dung, daß der frühere Großwefir Riamil Pafcha in Alexandria einem Schlagan­fall erlegen fei. Irgend eine Bestättgung ber Nachricht, die starke» Zweifeln begegnet, liegt aber noch nicht vor.

Unsere Nachbarn Men.

Frankreichs neue Heeres-Millionen.

Paris, 25. Februar. (Privat-Tele- 6 ra mm. Der Kriegsrninister und der Fi- naniminifter haben in der Finanzkommission des Senats um die Genehmigung nachgesucht, z w e i u n d s i e b z i g Millionen Francs für Luftfahrzeugzwecke. für die Ver­

stärkung der Artillerie mit Festungsgeschützen, die eine Reichweite von vierzig Kilometern be. sitzen und andere Heeresverbefferungen in den Etat einzustellen. Die Kommission ist be­reit, sämtliche Kredite zu bewilligen.

Me König Friedrich starb.

Am Totenbett des erste« Prentzenkönigs, von Dr. Albert Dresdner.

Eine trübe Stimmung lag im Winter des Jahres 1713 über der preußischen Residenz. Schlechte Zeiten, schwere Zeiten! Das Land war verarmt, die Sitten waren verwil- bert; die üble Günstlingswirtschaft der Warten­bergs hatte die Verwaltung zerrüttet und das Einreihen von Leichtsinn und Lüderlichkeit im staatlichen, wie im gesellschaftlichen Leben nur zu sehr gefördert. Nun waren ja die Warten­bergs endlich gestürzt, und der Graf war im Sommer 1712 bereits verstorben, aber die eingeriffenen Uebelstände waren nicht so leicht wieder zu beseitigen. Und dann: Man wußte, daß im grauen Königsschloß an der Spree zwei Kranke wohnten. Denn die arme Königin Sophie Luise, eine geborene Prinzessin voen Mecklenburg-Schwerin, König Friedrichs dritte Gemahlin, war geistiger Umnachtung verfallen; der König sübst war ein kranker Mann geworden, seitdem er die furchtbare Enttäuschung erlebt hatte, daß fein vermeintlich treuester Freund und erster Mini­ster, der Graf Wartenberg, ihn hfittergangen hatte. Seit jenen Januartagen 1712, da er an der Wiege seines neugeborenen Enkels, der sei­nen Namen empfing, Tränen des Glückes ver­gossen hatte, hatte er wenig frohe Tage gehabt, und selbst dem Feste des von ihm eingesetzten hohen Ordens vom Schwarzen Adler konnte et im Januar nicht mehr beiwohnen. Er war nun

ans Zimmer gefesselt,

und nur ab und an erhob er sich, um sich am Fenster seinem Volke zu zeigen. Und dann der Jammer mit der Königin! Man suchte sie in ihren Zimmern festzuhalten, aber sie entwischte den Beobachtem, fand den Weg zum König und klagte ihm, daß ihre Damen und ihre Die- iter sie mißhandelten. Den König erschütterte der Wahn der Armen tief, und doch waren das noch nicht ihre schlimmstenStunden; das waren jene, in denen ihre Tobsuchtsanfälle sie erfaß­ten .. .! Es war im Monat Februar, als der kranke Fürst in feinem Schlafzimmer schlummernd im Sessel ruhte. Plötzlich schreckte ihn ein Geräusch auf. Es toar wie das Ge­klirr zerbrochener Fensterscheiben. Vor ihm stand eine Hohe weibliche Gestalt im weißen Gewand mit wild herabhängenden Haaren, de­ren nackte Arme und Hände mit Blut befleckt waren, und die ihn aus großen Augen wild anftarrte. Jetzt warf sich die gespenstische Ge­stalt leidenschaftlich auf den König; der Er­schreckte rief um Hilfe, die Diener eilten herbei und befreiten ihn. Es war die unglückliche Königin gewesen, die den Weg durch die Galerie gefunden hatte, die von ihren Gema­chem zu betten Friedrichs führte. Eine Glas­tür, auf die sie auf ihrem Wege stieß, zerschlug sie, wobei sie sich an Armen und Händen heftig schnitt. So kam sie zum König, über de» sie sich warf, indem sie ihm schreiend fein Leben vorwarf. König Friedrich war

nutzer sich vor Entsetzen.

Er verstand nicht, wer die Erscheinung gewe­sen war: Er glaubte, die Todesverkündi. gerin seines Hauses, dieweiße Frau" gesehen zu habm.Ich habe (so sprach er) die weiße Frau gesehen; ich werde nicht mehr ge­nesen." Und von diesem Tage an bereitete er sich auf den Tod vor. Ost war der Schloßplatz von einer dichten Menschenmenge besetzt, die in Jubelrufe ausbrach, wenn der kranke König sich am Fenster zeigte. Was er auch für Fehler ge­habt haben mochte: Er war feinem Hofe und seinen Bürgern ein gütiger Herr gewesen, und wer vom Kronprinzen etwas wußte, dem toar es bekannt, daß er aus anderem Holze ge- sckmitzt war, als fein Vater: Hart, anspruchs­voll und streng. Das hätten dem strengen jun­gen Herm freilich viele nickt zugetraut, daß das Leiden des Vaters ihm so tief zu Herzen ge­he» würde. Tief erschüttert beobachtete er den Fortgang seiner Krankheit, immer blieb er in seiner Nähe, und als am Vormittag des fünf, undzwanzigsten Februar des Königs letzte Stunde gekommen toar, da kniete der Sohn neben seinem Bette, empfing den letzten Va­terkuß und den letzten Vatersegen. Ihm galten Friedrichs letzte Worte:Mein Sohn, behalte stets Jefum in deinem Herzen." Es war die Mittagsstunde. Die Glocken der Residenz ho­ben ein dumpfes Geläute an. Der erste Preu­ßenkönig war nicht mehr. Ter neue Herr hieß Friedrich Wilhelm der Erste und eine neue Zeit hatte begonnen. . .!

Sin Stoma im Kino.

Schreckensszenen bei einer Vorstellung.

Paris, 25. Februar. (Privat-Tele«

<3ramm.) In einem Kinotheater in einer Heb nen Gemeinde bei Dünkirchen wohnten gestern etwa fünfhundert Personen den Vorfühmnge,