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Caffeler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 69.

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 25. Februar 1913.

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Set öchloßherr von Belvedere.

Die Srtranhtng Franz Ferdinands.

Depeschen auS Wien berichten unS: Erzherzog Franz Ferdinand, der österreichische Thronfolger, wird sich in den nächsten Tagen mit seiner Familie nach Schloß M i r a m a r e bei Triest be­geben, um dort einige Zeit Aufenthalt zu nehmen. Der Erzherzog, der in der letz, tcn Zeit sehr leidend ist, hofft in dem milden Klima von Triest Linderung feiner Lungen-Erkrankung zu finden. Die Uebersicdclung nach Schloß Miramare erfolgt auf besonderen Wunsch der Aerz- te, die über die Erkrankung des Thron­folgers sehr besorgt sind, da die Krankheits-Erscheinungen auf das Wie­deraustreten eines Lungenleidens hin­deuten, an dem Erzherzog Franz Ferdi­nand als junger Mann gelitten hat. Fran; Ferdinand von Oesterreich, der Schloßherr von Belvedere, ist erkrankt, und mehr noch als unter dem Eindruck der fort­schreitenden Rüstungen Rußlands (die man in Oesterreich trotz der wirtschaftlich drückenden Gegenbereitstellung nicht allzu ernst nimmt) steht die Oestentlichkeit im Zeichen tiefgehender Erregung über diesen Krankheits - Rück­fall, weil nicht zureichend widerlegte Gerüch­te es geradezu unwahrscheinlich machen, daß Franz Ferdinand, der bisher großen Einfluß auf die Politik der Donaumonarchie ausgeübt, das habsburgische Erbe einst als Träger der Krone wird übernehmen können. Ob die bösen Nachrichten über den Wiederausbruch eines als liberwunden betrachteten Lungenleidens, das den Thronfolger in seinen jungen Jahren er­eilte, den Tatsachen entsprechen und ob insbe­sondere medizinische Gutachten vorliegen, die Schlimmes befürchten lasten (tote vielfach be­hauptet wird) läßt sich bei der strengen höfischen Verhüllung des Falles heut wohl kaum rest­los klarlegen. Nicht, als ob der Thronfolger im wahren Sinne des Wortes ein volkstümlicher Anwärter der Krone wäre, obwohl die öffent­liche Meinung ihm vielfach Anerkennung für ihm zugeschriebne Anregungen zu aktiver Politik, für Wahrung der Großmachtsstellung Oesterreich-Ungarns zollt: Es macht sich (abge­sehen vom teilt menschlichen Gefühlsstand- punkt) die Empfindung geltend, als ob sich mit dieser Lösung ein neues, außerhalb aller Vorhersicht stehendes Moment einer unsicheren Zukunft andeuten würde!

Ganz unpersönlich betrachtet, ist der nächste Thronprätendent, der Neffe des jetzigen Thron­folgers, Erzherzog Karl Franz Josef, ein unbeschrieben weißes Blatt, den die Oeffent- lichkeit nur als jugendlicher Prinz-Offizier kennt und von dem man auch nicht e i n poli­tisches Wort weiß, das einen Schlüssel zu ir­gendeiner Prognose abgeben könnte. Und da­zu tritt noch für Oesterreich-Ungarn der latente und vielleicht doch nicht ganz grundlose Klatsch hinzu, daß der Thronfolger seine ganzen Be­strebungen dahin gerichtete habe, trotz der Re­signation und der dynastischen Hindernisse seine männlichen Nachkommen aus der morganati­schen Ehe mit der (inzwischen stufenweise zur Herzogin von Hohenberg vorgerückten) Gräfin Chotek ebenbürtig und thronfolge­berechtigt erklären zu lassen. Es liegt auf der Hand, daß Franz Ferdinand diese ihm zu­geschriebne Absicht nur verwirklichen könnte, wenn er durch das Ableben des Kaisers in die Lage kommt, selbst Träger der Krone zu wer­den. Auch dann wäre es mehr als zweifelhaft, daß Staat und Volk, übereinstimmend dies­seits und jenseits der Leitha, den Rückhalt für einen solchen dynastischen Staatsstreich bieten würden. Ueberlebt aber der greise Kaiser sei­nen Thronfolger, dann ginge die Krone natür­lich (ohne mögliche Anfechtung) auf den jungen Erzherzog Karl Josef über.

Bei den durch die nationalen Zwiste in der Dconarchie ohnehin in bedenklicher Unstcherhett erhaltnen politischen Zuständen, der förmlich la­tenten politischen Krise, die so vielfach zur Un­terwertung von Oesterreich-Ungarn führte, wäre das Hinzutreten einer dynastischen Spaltung gleichbedeutend mit einer Staats-Kata­strophe. Die zeitweilig überraschend frischen Eingriffe des jetzigen Thronfolgers in die äußere Politik, seine glückliche Hand in der Aus­wahl von geeigneten Persönlichkeiten, die oft außer der hergebrachten Linie standen, haben im Ausland kein ungünstiges Bild des zukünf­tigen Kaisers abgegeben. Seine Freundschaft für De u t s ch I a n d (ost angezweifelt) ist immer wieder deutlich zum Durchbruch gekommen, und seine persönliche Verschlossenheit, die niemals temperamentvollere Worte in politicis zuließ, wobei auch die Rücksicht auf den alten Kaiser entscheidend mitwirken mußte, hat ungezählte Studien über den zukünftigen Kaiser-König zu­tage gefördert. Noch unlängst hatten französische eniationsmacher enthüllt, daß Franz Ferdi­

nand sich mst dem Weltplan eines unter habs­burgische Oberhoheit zu stellenden Staaten- bundes, dem nicht nur alle österreichischen und ungarischen Länder unter eigenen Königen, Herzögen und Fürsten, sondern auch alle ch r i st- lichen Balkanstaaten angehören sollten, be­schäftige.

Ueber derlei Phantastereien ein Wort zu ver­lieren. hieße den Thronfolger lächerlich machen. Hingegen gilt es in Oesterreich-Ungarn so ziem­lich als sicher, daß Franz Ferdinand sich zum böhmischen König krönen lassen dürste und Böhmen eine der ungarischen ähnliche Rolle im Reichsverband einräumen möchte, wie dies ja schon im Ausgleichsprojekt vom Jahre 1871 vorgesehen, von Ungarn so gut wie ange­nommen war, jedoch an intransigenten tschechi­schen Forderungen scheiterte. Wie sich der Thron­folger Ungarn gegenüberstellen würde, ist vielleicht der am wenigsten geklärte Punkt. Einerseits gilt er stets als Gegner der Konzes­sionen, mit denen immer wieder der zeiüiche Friede zwischen Cis und Trans ermäkelt wurde, andererseits schien er Ungarn alles bewilligen zu wollen, wenn es nach außen hin die Reichsidee, die Großmachtidee ver­treten wollte. Die Hiobspost vom Leiden des Erzherzogs würde ein großes Programm, viele im voraus beschriebne Blätetr int ZukunftSbuch der Staaten, Völker und Nationen von Oester­reich-Ungarn mit einemmal durchstreichen und Unbekanntes, Ungewisses an deren Stelle setzen. Es ist zu hoffen, daß die Fama diesmal durch ein zu schwarzes Glas sah, als sie die düstre Schilderung des Zustands Franz Ferdinands weitergab, denn wenn die Kunde von der schwe­ren Erkrankung des Schloßherrn von Belvedere dem tatsächlichen Sachverhalt entspricht, würde sie als Vorbote verhängnisvoller Zu- kunst-Möglichkeiten zu deuten und als tragische Fügung des Schicksals in de^ an Tragödien und Katastrophen ohnehin so reichen Geschichte des Kaiserhauses Habsburg einzu schätzen fein ...!

Regierungskrise in Oesterreich.

Kabinettswechsel in Oesterreich-Ungarn?

Wie Depeschen aus Wien berichten, ist es wahrscheinlich, daß in allernächster Zeit in Un­garn ein Kabinettswechsel eintreten wird, und zwar verlautet, daß anstelle Lukaez' der frühere Ministerpräsident Dr. Alexander W e ck e r l e treten werde, der unlängst in Wien einen ungemein viel bemerkten Vortrag über die Handelspolitik gehalten hat. Es heißt, daß Weckerle bereits mit maßgebenden Wiener Krei­sen Fühlung genommen hat, nachdem Lukacz' Position durch die Skandalaffäre der Staats­gelder - Veruntreuung, die soeben zum gerichtlichen Austrag gekommen ist, unhalt bar geworden zu sein scheint. In seinem vielbeachteten Vortrag ist Weckerle für eine vor­zeitige Verlängerung des österreichisch-ungari­schen Ausgleichs eingetreten, damit die han­delspolitische Situation geklärt werde, weil nunmehr in Bälde (nach Abschluß der Balkan­krise) die großen handelspolitischen Verträge mit Serbien und Bulgarien zur Verhandlung gelangen werden, und da ein geeignetes gro­ßes polistsches Gebiet Oesterreich-Ungarn von größter Wichtigkeit ist. Es ist wahrscheinlich, daß auch in Oesterreich neue Res­sortminister zu diesem Zwecke berufen werden, und eventuell würde auch ein Kabi­nettswechsel hier nicht ausgeschlossen fein. In diesem Falle würde wahrscheinlich der frühere Ministerpräsident Beck als künftiger Kabinettschef in Frage kommen.

Sie Henker von Mexiko.

Expräfident Madero von Mexiko erschossen!

Mexiko, 24. Februar. (Privat- Telegramm.) Als gestern nach Mit­ternacht der frühere Präsident M a d e r o und Vizepräsident S u a r e z aus dem Nationalpalast nach dem BundesdistriktS- gefängnis gebracht wurden, schossen die Wachen auf sie. Madero und Suarez waren auf der Stelle tot. Eine amtliche Bestätigung der Nachricht liegt zwar noch nicht vor, doch hat die Regie­rung bestätigt, daß Maderogefallen" fei. Er sei bei einem Kampfe erschossen worden, der sich zwischen MaderoS An­hängern und Rebellen entspann, als Ma­dero ins Zuchthaus abgeführt wurde. Die grausame Ermordung Maderos fügt zu den vielen Abscheulichkeiten, die der me- xikauische Bürgerkrieg gebracht hat, eine neue. Vor einer Woche noch erklärte Madero, er wolle liebersterbeuals abdanken. Nun hat 'bn der Tod ereilt, obwohl er abgedankt hatte. Wie aus den Depeschen aus Newyork hervor­geht, faßte man dort die Erschießung des Er- präsidenten geradezu alskaltblütigen Mord" auf. und damit dürfte die Frage, ob

die neue Regierung direkt an der Mordtat Schuld habe, außer Zweifel gestellt fein. Die Erklärung des neuen Präsidenten Huerta, An­hänger Maderos hätten ihn befreien toollen, ist mit größter Vorsicht aufzunehmen. Die Re­gierung hätte sicher den Gefangenen schützen können, wenn sie nur gewollt hätte.

tim Schlacht bei Mait.

Schwere Niederlage der türkischen Truppen?

Die erste entscheidende Schlacht im neuen Balkankrieg scheint nun bei Bulair stattge­funden zu haben, und obwohl die darüber vor- liegeniden Nachrichten noch kein übersichtliches und zuverlässiges Bild der Ereignisse geben, scheint doch festzustehen, daß die Türken eine Niederlage erlitten haben. Der amtliche türkische Kriegsbericht meldet kurz: Am Sonn­abend setzte der Feind das Bombardement vor Adrianopel fort. An der Ostfront fand ein Ar­tilleriekampf statt. Vor Bulair traten keine Ver­änderungen eia. Ueber die Schlacht bei Bulair selbst liegen heute folgende Privat-Meldungen vor:

Konstantinopel, 24. Februar.

Der Großwesir Mahmud Scheflet Pascha ist gestern ans Bulair zurückgekehrt. Es ver­lautet, daß seit gestern früh bei Bulair eine große Schlacht im Gange sei, über deren Ausgang allerdings Meldungen noch nicht vorliegen. Bei seinem Eintreffen auf Galli­poli hielt Mahmud Scheflet Pascha einen K r i e g s r a t ab, als dessen Ergebnis die Absetzung des Oberkommandierenden der Dardanellen-Truppen, Fahri Pascha, gemeldet wird, dem man die Schuld an den letzten er­littenen Schlappen beimißt.

Konstantinopel, 24. Februar.

Man befürchtet hier, daß die türkischen Truppen eine neue Niederlage auf Gallipoli erlitten haben. Schiffe, die dort vorbei kamen, berichten von heftigen Kämpfen int Süden von Bulair. Augen­zeugen sagen, daß bulgarische Truppen fliehende Türken verfolgen. Offiziell wird das größte Stillschweigen in dieser An­gelegenheit bewahrt. Ferner verlautet, daß verschiedene Offiziere und Soldaten im Lager von Bulair bei einem Konflikt ihr Leben ein- gebützt hätten.

Im Zusammenhang mit den widersprechen­den Gerüchten über den Ausgang der Schlacht bei Bulair wird bekannt, dckß in Bälde die Wiederaufnahme der Friedens- Verhandlungen zu erwarten steht. Ein Privat Telegramm aus Konstantinopel berichtet uns darüber: Der gestrige Ministerrat besprach den Bericht Hakki Paschas über-die letzten Beratungen der Botschafterkonferenz. Die Beschlüsse des Ministerrats wurden nach vier Uhr Hatti Pascha, sowie den osmanischen Botschaftern im Auslande übermittelt. Auf der Pforte verlautet, eine Wiederaufnah- m e der Friedensverhandlungen sei zu erwarten.

Die Entspannung am Balkan.

Eine deutsch-offiziöse Stimme.

Die offiziöse Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt zur Lage am Balkan: Die Entspannung in den Balkanftagen hat während der letzte« Woche unverkennbare Fortschritte gemacht. Es ist gelungen, de« rumänisch-bulgarischen Streit einer gütlichen Lösung näher zu bringen, indem die Parteien den sechs Großmächten die Vermittlung in sol­chen Punkten übertragen wollen, die durch un­mittelbare Verhandlungen in Bukarest und So­fia nicht zu erledigen fein sollten. Zwischen der Türkei und dem Balkanbund bauert der Kriegs­zustand noch fort; Vorgänge von militärischer ober politischer Wichtigkeit ftnb aber nicht ein­getreten. Dagegen zeigen sich auf diplomati­schem Gebiete Anhaltspunkte dafiir, daß die Türkei gewillt ist, die Vermittlung der ch t e für einen annehmbaren Frieden eintreten zu lassen. Auch im Kreise der Bal- kaustaaten scheinen friedliche Erwägungen an Boden zu gewinnen. Die Großmächte, die das Ziel einer baldigen Beendigung des Kampfes nickt aus dem Auge verlieren, und in diesem Bestreben nach wie vor einig vorgehen, werden, sobald sie es mit Nutzen können, den Kriegfüh­renden ihre guten Dienste für den Friedens­schluß gern zur Verfügung stellen.

8er Besuch in Gmunden.

Seefahrt des Kaisers: Besuch in Gmunden!

Berlin, 24. Februar. (Prtvat-Te- l e g r a m m.) Der Kaiser reist Ende der Woche an die Nordsee, um an dem Stapel­lauf eines neuen Kriegsschiffes und an der 31$-- krutenvereidigmrg in Wilhelmshaven teilzn- nehmen, wahrscheinlich wird auch eine Hoch­se e f a h r t nach Helgoland unternommen werden. Während der Abwesenheit des Kaisers

von Berlin werden die Kaiserin und die Prinzessin Viktoria Luise in Gmunden weilen und dem Herzogspaar von Cumberland einen Besuch abstatten.

8er Kaiser und sein Pächter.

Der Kaiser war falsch berichtet!"

Die Affäre deshinausgeschmissenen* Päch­ters von Cadinen, des Rittergutspächters Sohst, zieht immer weitere Kreise. Aus der Sitzung des landwirtschaftlichen Vereins von Elbing und Umgegend, in der (wie wir schon berichteten) die Angelegenheit Sohst zur Spra­che kam, werden neue, höchst interessante De­tails gemeldet, die ein eigentümliches Licht auf die Musterwirtschaft in Cadinen werfen, und die deutlich erkennen lassen, daß der Kaiser über die angeblichen Verfehlungen des Pächters Sohst völlig falsch unterrichtet war. Wir ver­zeichnen folgende Meldung:

Wer sind die Ohrenblaser?

Kaiser Wilhelm und die Landwirte.

Elbing, 24. Februar.

Wie falsch der Kaiser über die Cadiner Wittschaft unterrichtet ist, geht aus einer Mit­teilung des Molkereibesitzers Schröder aus Elbing hervor, der in der Sitzung des land­wirtschaftlichen Vereins wörtlich ausführte: Der Kaiser hat gesagt, die Cadiner Milch enthalte 3,85 Prozent Fett. Landwirte, die das gelesen haben, haben darüber gelächelt. Man wußte zurzeit schon, daß es sich in Sa­binen um holländische Kühe hanbelt (Zuruf: Von den Zebubullen hat man wahrscheinlich noch keine Kühe'), und wir sind zufrieden, wenn unsere Holländer Kühe uns Milch mit 2 ober höchstens 2,5 Prozent Fettgehalt liefern. Der Kaiser war außerordentlich falsch be­richtet. Ich hoffe und wünsche, daß den betreffenden Ohren bl äsern endlich einmal das Maul gestopft wird. (Sehr richtig! Heiterkeit.) Noch größere? Aussehen erregten die Worte des Gutsbesitzers Hauptmann Al- sen, welcher ausfiihrte: Was die Anzahl des Viehs anlangt, von der der Kaiser in seiner Rede gesprochen hat, so ist das vollständig unrichtig. Wenn wir heute «ach Cadinen gehen, dann finden wir in den Ställen nicht die Hälfte von der Viehzahl, die unserem Kaiser vorgelogen worden ist. Sensa­tionell wirkten die Darlegungen des Vereins- Vorsitzenden Gutsbesitzers Wunderlich auf Klein-Röbern: Cadinen wird uns immer

als Musterwirtschaft hingestellt.

Da fuhr neulich mein Hofmann nach Sanglatt bei Cadinen. Als er zurückkehrte, war er ent­setzt über die Felder von Cadinen. Die Kartoffeln waren kolossal mit Quecken durchsetzt. Auch das Getreide habe nur sehr schlecht gestanden. Große Erregung herrschte besonders auch über die Worte des Kaisers, die Elbinger Landwirte hätten sich im vergan­genen Herbst vor seinen Scheunen um den Pettkuser Roggen geradezu geprügelt, woraus die hiesigen Landwitte den Vortours der Rück­ständigkeit entnehmen. Man kann sich eines fichten Lächelns nicht erwehren, wenn man weiß, daß gerade auf dem Cadinen benachbar­ten Gute Wogenap Pstkuser Roggen schon vor neunzehn Jahren von dem damaligen Oberinspektor und heute selbständigen Gutsbe­sitzer Müller angebaut worden ist. Wogenap gehört nämlich dem Generalverwalter der kai­serlichen Herrschaft Cadinen, dem Geheimen Oberregierungsrat von Etzdorfs, der Vor­tragender Rat im Ministerium für Landwirt­schaft ist. In hiesigen Kreisen ist man außer­ordentlich verstimmt gegen Herrn von E tz- dorff, der, selbst genau vertraut mit den Cadiner Verhältnissen, dafür hätte sorgen müs­sen, daß der Kaiser genau unterrichtet wurde, von Etzdorfs, früher Landrat des Kreises El­bing, gilt als persona grata beim Kaiser, in dessen engerer Umgebung er sich stets befindet.

Roch ein Vertrauensvotum!

In einer vom Landwirteverein Lenzen be» schlossen en Vertrauenskundgabe heißt es: Wir kennen Herrn Gutspächter Sohst und seine Be­wirtschaftung von Rebberg aus eigener Erfah­rung ganz genau. Er ist ein außerordentlich fleißiger und tüchtiger Landwitt. Unser Verein, dem er seit seiner Gründung als Mit­glied und seit fünfzehn Jahren als zweiter Vorsitzender angehött, verdankt ihm, als einem seiner rührigsten und angesehensten Mitglieder, sehr viel Anregung und Belehrung.

Landtag tmb Handelsetat.

DsrFortschrittgegeu die Sozialdemokratie.

Den Hauptinhalt eines großen Teils der Sonnabendsitzung im preußischen Abgeord - netenbanse bildete die Erörterung einer Frage, die eigentlich mit dem Handelsetat nicht das geringste zu tun hat. Man unterhielt sich