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Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, 23. Februar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 68

ihr Mißtrauen votiert; beim Petroleum-Mono- ; pol, bei den Marine-Tafelgeldern und Lei der . Ostmarken-Zulage wälzten geschäftige Zen- . trumshände der Regierung in munterm Wett­bewerb die Steine des Anstoßes in den Weg, und nun hat auch im Kampf um das Jefuiten- gesetz (dessen leidenschaftlich-erregtem Getümmel Herr von Bethmann Hollweg, seit den Novem­bertagen des Vorjahrs dem Parlament des Reichs ein Fremder, fern blieb) die Politik des Kanzlers eine Niederlage erfahren, die viel­leicht die Homogenttät des Kabinetts nicht er­schüttert, dessenungeachtet aber in der Wilhelm- straßen-Sphäre und auch an höchster Stelle sichtliches Unbehagen geweckt hat. Wohin man schaut: Konfliktsluft, Nervosität und argwöh­nend Mißtrauen; eine Zeit der Aergernisse und innerpolitischen Komplikationen, die an die Tage vor dem dreizehnten Dezember neunzehn- hundertsechs erinnert, als Bernhard Dernburg sich im Auftrag seines Namensvetters Bülow daran machte, dieEiterbeule aufzustechen". Damals galt's nicht einmal den hohen Einsatz, der heut auf dem Spiele steht, aber ein mann­haft Wort, zur rechten Zeit gesprochen, wirkte wie Erlösung nach überlangem Sorgendruck, und Bülows schwankend Schifflein trieb, dem Klippengewirr entronnen, unter stolz wehender Germauenflagge kühnlich in den rettenden Hafen.

Und heut? Herr von Bethmann Hollweg und alle, die'mit ihm zusammen am Webstuhl des Reichsgeschicks sitzen, wissen, daß die Regie­rung von Spahn und Erzberger keinerlei Lieb­kosung und nicht den winzigsten Freund­schafts-Dienst zu erwarten hat: Es sei denn um klingenden und ungekürzten Lohn. Herr Matthias Erzberger hat, mit dem Kriegsmini­ster den Plan der nationalen Rüstungsverstär­kung beplaudernd, der Exzellenz im Bart zwar erflärt, seine Freunde seien entschlossen, der Regierung bei der parlamentarischen Verteidi- gung ihrer Heerespläne keinerlei Schwierigkei­ten zu bereiten, aber man darf nicht vergessen, daß dieser süße Trost aus Erzbergers Mund eigentlich doch recht bitter ist, denn er erinnert (auf die reale Wirklichkeit übertragen) mit et­was aufdringlicher Vertraulichkeit an die Tat­sache, daß das Schicksal der neuen Heeresvor- läge, die vom Reichsparlament hundertfünfzig Millionen Mark Mittel-Bewilligung erfordert, ausschließlich und allein von der

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Laune des Zentrums abhängig ist. Die hundert- zehn Männer, die im Hause Wallots die Bänke der äußersten Linken bevölkern, repräsentieren die geschlossne Gemeinde der Versager und Ver­neiner, erachtetl es als mit demZielbewußt­sein" rechtschaffner Gewissentreue unvereinbar, der Regierung des fünften Kanzlers für Hee- reszwecke auch nur einen Groschen zu bewilli­gen, und drängen durch diese Taktik verständ­nisarmer Negation den Kanzler in den Zwang, Herrn Peter Spahns Gnade zu erkaufen, oder (beim Erwachen der Zentrums-Opposition ge- gen die Heeresverstärkung) den Reichstag heim­zuschicken. Beide Möglichkeiten, von denen eine Wirllichkeit werden muß, sind gleich unerfreulich, denn schließlich kann auch Herr Bebel oder Herr Ledebour uns nicht im Hor­nungmond enthüllen, wie zur Sommerzeit (nach der Neuwahl) ein in den Frühlingtagen heim­gesandter Reichstag bei der Rückkehr zur Werk­statt am Berliner Königsplatz auszusehen Pflegt.

Der Kanzler hat, seit überm Hause WallotS die feuchten Nebel des November sich nieder- senften, den Ehrenplatz in der parlamentari­schen Regierungsbank gemieden, hat am Feft- mahltisch des Deutschen Handelstags dieSchäden desparteipolitischen Agitanonsbedürfnifles" wie ein Menetekel gespenstisch an die Wand gemalt und damit angedeutet, was er als ü b e r den Parteien stehender verantwortlicher Staats­mann angesichts des am Horizont sich zusam­

menballenden parlamentarischen Ungewitters tief im Herzen empfindet: Unzufrieden­heit mit Allen! Der fünfte Kanzler teht einer Volksvertretung gegenüber, in der ich eine Mehrheit gegen ihn jederzeit bil­det, sobald Zentrum und Sozialdemokratie das Bedürfnis spüren, zusammenzugehen, während gegen das Zentrum eine Mehrheit nur dann zu erhoffen ist, wenn Herr Ledebour und Herr Wendel mit dem Kanzler Arm in Arm mar-

Kriegs- und Sieges-Märchen.

Alle Siegesmeldungen frei erfunden!

Konstantinopel- 22. Februar.

Alle türkischen Siegesmeldungen und Of­fensivnachrichten sind bewußte Unwahr­heiten, die vom jungtürkischen Komitee ver­breitet werden. Die leitenden Stellen scheinen wenig Hoffnung auf Erfolg zu haben, der Großwesir erwartet nur noch eine neue Intervention Oesterreichs, Englands und Ruß­lands, um dem Volke gegenüber eine Entschul­digung zu haben für den Verzicht auf Bdrio- nopel. Der Held des jungtürkischen Komitees, Enver Bev, ist durch seine Mißerfolge bet Tfcharköj-Bulair noch nicht entmutigt, er will mit 35 000 Mann bei Gallipoli landen. Er soll offen gedroht haben, mit den Trümmern des Komitees und den Resten der Flotte nach Konstantinopel zu kommen. Jzzev Pascha hält sich in Erwartung eines bulgari­schen Durchbruchsversuchs bei Derkos streng devensiv. Seit Wiederbeginn der Feindselig­keiten ist die türkische Armee nur auf ihrem Flügel bei Tschataldscha sechs Kilometer weit vorgerückt. Wenn die türkische Offensive auf Gallipoli abermals mißglücken sollte, ist mit Sicherheit zu erwarten, daß es den Bulgaren gelingt, bei Derkos die Tschataldscha. stellung zu durchbrechen. Sollte ihnen die- gelingen, so dürfte die

Befitzfrage von Adrianopel

Wenn» MärzMerl weht...!

Der Reichstag von der Auflösung bedroht?

Ei« Telegramm unseres parla­mentarischen Mitarbeiters meldet «ns: Die in diesen Tagen in der Presse erschienenen Mitteilungen über eine bevorstehende A « f - l ö s « n g des Reichstages erhalten ihre Bestätigung durch die in parlamentarischen Kreisen beste­hende Ansicht, daß das Zentrum der Regierung bei der Beratung der neuen Heeres-Borlage« Schwierigkeiten mache« und die Möglichkeit einer Reichstags- Auf lösung dann in allernächste Zukunft-Nähe gerückt sein wird.

Der letzten Tage Dual war schwer und schmerzlich: Die Mehrheit der rm Hause Wallots auf ledernem Pfühl Thronenden hat nach dem parlamentarischen OratoriumNoch ist Polen nicht verloren" dem Herrn Kanzler feierlich

Dach und Fach fein!

Inzwischen ist auch der Reichsschatzsekretat Kühn nicht müßig gewesen, die Deckung der neuen Rüstungskosten zu sichern D« weben in parlamentarischen Kretsenbesttunm vertan tet, sind nunmehr tm RelchSlckmtzamt gleich zwei Besitzsteuervorlagen °usgeo.- beitet worden, nämlich eine Reichs'«er mögenszuwachssteuer und eine Erb- anfall st euer, die tn allernächster Zett dem Bundesrat zugehen werden. Die gesamte Neuforderung der Militarvorlage betragt b u n- dertsünfzig Millionen Mark deren Deckung sich aus den Ertragnissen der geplanten neuen Steuern ermöglichen lassen wurde o6ne daß das Reich zu Anleihen feine Zuflucht neh­men müßte.

Entscheidung noch vor Ostern!

Berlin, 22. Februar. (Privat - Te­legramm.) In parlamentarischen Kreisen verlautet, datzdieneueMilitärvorlage dem Reichstage kurz vor den Osterferien zu-

Daß der dänische Monarch mit großen mi­litärischen Ehren in der Reichshauptstadt emp­fangen wird, daß die gesamte Berliner Garni- son während seiner Anwesenheit Paradeuni­form anlegt, daß er im Königlichen Schauspiel- haus dasKerkyra"-Ballett zu sehen bekommt: Das wird nicht überraschen. Neu ist aber, daß zu seinem Empfang auch die Berliner Bevöl­kerung in weitestem Maße herangezogen wird Der Kaiser hat persönlich angeord­net, daß alle Berliner Innungen sowie alle Berliner Militärvereine mit ihren F->""en beim Einzug des dänischen Königs Paars Spa­lier zu bilden haben. Darüber wird der Da- nenkönig sicherlich ein wenig erstaunt sei«. Viel- leicht weniger darüber, daß sich unter den Spa­lier bildenden Mitgliedern der Berliner Krie­gervereine ihn so manches Veteranenprosil grüßt das 1864 auf den Düppeler Schanzen ge­gen die Dänen gerichtet war, als darüber, daß sein Besuch den Berlinern so wichtig dünkt, daß hunderttausend Berliner Bürger, Handwerks­meister und Gewerbetreibende ihre Arbeit und ihre Werkstatt verlassen, um am Trottoirrande auf kaiserlichen Befehl in der Februarkälte einen fremden Monarchen zu begrüßen. In dem sehr demokratischen Dänemark, dessen Residenz ein sozialdemokratisches Oberhaupt ist, kennt man solche Bräuche nicht. Die große Regte dte sur den Empfang des Dänenkönigs aufgeboten wird, hat ja sicherlich auch ihre tiefere Be­deutung. Daß man die Bevölkerung dazu heranzieht, deutet darauf hin, daß man dem Besuch einen Charakter geben will, der über

frtfertiontortlfe- Di« ftchSq«spalt«« geile für einheimisch« Geschäft- 15 Pfg., für auS. JZSft UV. atotonejeUe Mr einheimisch« Geschäft« « Pt. für auswärtige Geschäfte SO M Einfache B-Uag« Mr die «-samtanflag« werd« mit 5 «Kart pro Tausend be. rechnet Wea« ihrer dichten Verbreitung in der Residenz und der Umgebung sind die ffinfTeter Nkueft« Nachrichten ein vorzügliches JnfertionSorgan. SeschäftSüelle: Köln'.sche »traße 5 Berliner Vertretung: SW.. Friedrichstraße iS, Telephon: Amt MoriMläS 12584

an. Das ganze Gebiet ist mit hohem Schnee bedeckt. Doch war es trotzdem möglich, die unterbrochenen Operationen wieder aufzuneh- men. Die dortige Situation ist im Augenblick recht gefahrvoll. Die Demoralisa- tion der türkischen Truppen konnte niemals größer fein, und es fehlt an allem Nötigen.

Förstenbesnch: Weltvolitik.

Der dänische Besuch in Berlin.

Am Montag trifft (wie wir bereits berichtet haben! in der Reichshauptstadt das dänische Königspaar ein, um dort seine Antritts- visite zu machen. Aus diesem Anlaß sind vom Kaiser persönlich Empfangsfeierlichkeiten grotz- ten Stils ungeordnet worden, dte nicht ver­fehlen werden, in diplomatischen Kreisen be­sondere Betrachtungen anzuregen. Tenn Sie kaiserlichen Bestimmungen gehen selbst über Das hinaus, was beim Empfang König Edu­ards von England in Berlin inszeniert wt^de. Daß dem Besuch des dänischen Königs in Ber­lin aroße politische Bedeutung beizumessen ist geht aus nachstehenden Mitteilungen unse- res Berliner politischen Mitarbeiters hervor.

Die große politische Regie.

(Von unserm Berliner E. B.-Mitarbeiter.)

Berlin, 22. Februar.

beim Friedensschluss keine Rolle mehr spielen. Die Tschataldschastellung wird die Grenze der europäischen Türkei werden. Ein solcher Aus- gang würde natürlich das Ende des jung­türkischen Komitees bedeuten, und dte Türkei stände wieder einmal vor einer Re­volution. Daß dazu nicht viel gehört, zeigt ein Vorsall, der sich im Palast des Scheich ül Islam, des obersten türkischen Priesters, ab- pielte. Sieben gutgelleidete und bewafsnete Türken besetzten die Türen und das Amtstele­phon, sie forderten dann den Hohepriester auf, int Namen der Entente-Partei und der Militär­liga, als den Vertretern der Natton und des Heeres, eine Fetwa vorzubereiten, die den Sultan wegen Unfähigkeit für ab­gesetzt erklärt. Ehe der Geistliche sich von seinem Schreck erholt hatte, waren die ihm un- bekannten Verschwörer unbehelligt verschwurt, den. Auch die fremden Botschafter schei­nen die Lage nicht leicht zu nehmen, denn dte fortgesetzte Verstärkung der Schutzflotte durch neu ankommende Kriegsschifle geschieht jeden- salls nicht zum Spaß. Die Schifsskommandan- ten haben für den Notfall weit uinfangreichere Landungen von Mannschaften vorbereitet, alS in den kritischen Novemberlagen.

die private Angelegenheit zweier Monarchen hinaus geht. Es soll osfenbar ein engeres Band zwischen den beiden Rationen geschaffen werden. Und auf dem Wege dieser Auffassung läßt sich bald erkennen, welche wichtige politische Bedeutung der Monarchenbesuch am Montag und seine näheren Begleitumstände haben. Man muß sich entsin­nen, daß in der letzten Zeit aus den Kreisen der nordischen Politiker recht häufig Stimmen laut geworden sind, die die Besorgnisse zum Ausdruck brachten, die die germanischen Volker des Nordens gegenüber Rußland beseelen. Man gedenke des flammenden Ausrufs, den Sven H e d i n im vergangenen Jahre erließ, und in dem er Narlegte, welche Gefahren so­wohl für Skandinavien als auch rar Däne­mark aus der immer deutlicher werdenden rus­sischen Auslandpolitik erwachien. ^n Deutschland können diese Nottuse nicht ungchort verhallt sein. In Deutschland wurden die ger­manischen Völker des Nordens den natürli­chen Freund gegen alle slawischen Gelüste sinden. Das soll mm offenbar der so beson- ders sestlich inszenierte Empfang des dänischen Monarchen in Berlin am Montag aller Welt vor Augen fiihren, und somit würde drese Emp- fangsregie sich sehr gut den Symptomen für die Neuorientierung unserer Stellung zu den Welt­mächten einreihen, denn diese Symptome wei­sen nämlich darauf hin, daß eine scharfe Front­bildung des Dreibunds gegen die Entente Cordiaie sich vorbereitet.

Antwort auf die Deleafsee-Briiskieiung!

Nachdem der russische Zar seine Zustimmung dazu gegeben hat, daß in Theophtle D e l e a s - fee ein notorischer Deutschenfeind tn das Petersburger diplomatische CorPS eintrtti, gibt Deutschland mit dem pompösen Empfang des DänenkönigS die A n t w o r 1 auf bett letzten Nadelstich seiner Gegner, indem es deutlich seine Freundschaft zu einem nordischen Blutsfteund

schieren. Sein Sehnen, ü b e r den Parteien zu tehen, war praktisch der Wunsch, mit dem dunklen Block Kanitz-Spahn zu regieren, dem ich (als Nachhut) die Nationalliberalen an­gliedern sollten. Aber die Verhältnisse waren mächtiger als sein Wille, und insolgedessen ha­dert er mit Allen. Aber vom Hader allein kann auch ein Philosoph nicht leben: Um die Oster- zeit herum wird im Reichstag die neue Wehr­vorlage eingehen, deren Deckung Herr Ku»n nun endlich durch zwei Besitzsteuer-Vorlagen notdürftig gesichert zu haben glaubt, und es mutz sich dann an des Schicksals Kreuzweg zeigen, welcher Stern der Hosfnung Bethmanns leuchtet: Der Friede mit dem Zentrum (mit dem Kaufpreis der bundesrätlichen Sanktion des Reichstagsbeschlusses über die Aufhebung desJesuitengefetzes), oder derAPPell an die Nation durch die Heimsendung ei­nes Parlaments, das der Regierung nicht ^ie Gewähr gedeihlicher Zusammenarbeit tm Stu (ereile des Vaterlands zu bieten vermocht. Wenn's Märzlüfterl weht, wird sich das Rät­sel der parlamentarischen Sphinx entschleiern müssen, und wir werden dann sehen, ob Herr von Bethmann Hollweg bußsertig nach Canossa geht, oder nach Bernhard Dernburgs längst ge­welktem Lorbeer langt. Seit neunzehnhun­dertsechs hat's niemand mehr gelüstet, um dies seltne Ruhmesreis zu werben . . -! F. H

gehen werde, und daß ihr «och vor Beginn der Beratung der Vorlage im Plenum eine Vorlage folgen wird, die zur Deckung der Kosten der Heeresvorlage bestimmt ist. Es wird als wahrscheinlich betrachtet, daß beide Vorlagen (Heeresverstärkung und Kostendek- kung) zusammen beraten und erledigt wer­den Die Möglichkeit parlamentari- scher Komplikationen wird in allen Parteien als naheliegend erachtet.

Sie Kriegslage am Baliaa.

Die Gefahr einer neuen Türken-Revolutio«.

Wie uns aus Konstantinopel depe­schiert wird, ist feit Wiederaufnahme der Femd- eligkeiten die B er i cht er statt un gfast un­möglich. Die anlangenden Nachrichten sind un­kontrollierbar. denn die Zensur verhindert fast jede Meldung. Gestern kamen unparteiische sieuaen aus Bulair in Konstantinopel an. Sie meldeten zwar keine türkischen Siege, erklärten aber auch die bulgarischen Meldungen als m a ss l o s ü b e 11 r i c 6 e n. Trotzdem fäemt sich die Kriegslage neuerdings für die Türken eh r ungün st i a gestaltet zu haben, tote aus nachfolgender Schilderung hervorgeht:

Sei Geaemlstab spricht!

Erst Rüstung, dann -. Deckung-"

Der ost halbamtlich benutzte Berliner Lokal- anzeiger bringt an der Spitze des Blattes einen bemertenätoerten Mahnruf:E r st R u st u n g, d a n n D e ck u n g." Da man in dem yelbäUfl für die kommende Heeresvortage dem ^cherl- schett Blatte Beziehungen zum Generaliiab zuschreibt. Beziehungen, die erst kürzlich tu einem aufsehenerregenden Artikel über dte Notwendigkeit der nationalen Ruiturigs-Ver- siärkung deutlich osfenbar wurden, fo dar; man in dem MahnrufErst Rüstung, dann ^eckung wohl die im deutschen Generalstabe herrschende Stimmung erkennen. Wtr heben aus dem -lr- tikel folgende Stellen hervor:

Man hat der Politik Friedrich Wil­helms des Dritten die Schuld gegeben an dem Zusammenbruch von 1806, auch dem preu­ßischen Heere und seinem Offizierskorps. Daß aber Friedrich Wilhelm bald nach smner Thronbesteigung im Fahre 1797 eine Re - organisation der friederieiantschen Ar­mee erstrebte, ist in Vergessenheit geraten; seine Minister erklärten ihm, das arme, noch durch den siebenjährigen Krieg geschwächte Preußen könne dir notwendigen eineinhalb Millionen Taler nicht auftreiben, und etwa zehn Jahre später mutzte dasselbe, nein, das noch ärmere Preußen hundertvier- zig Millionen Franken Kriegsentschädigung an den Korsen zahlen. Eine beherzigenswerte Mahnung liegt in diesen beredten Zeugnissen unserer Geschichte, nämlich die: TaS große Ziel, Wahrung der politischen und damit der wirtschaftlichen Machtstellung, sich vor Augen zu halten und rechtzeitig unser Heer von neuem zu stärken.Rechtzeitig' heiß aber heut tm waffenstarrenden Europas o - fort". Mag der Reichstag hinterher darüber beraten, welchen Weg er einschtagt, um die großen Mittel aufzuüringen; in erster Linie muß die Heeresvorlage unter

Die Landung bet Griechen.

Konstantinopel, 22. Februar. (Pri- vat-Telegramm.) Die türkischen Trup,:n. die sich in den Dardanellen an Bord der Trans, portdampfer befanden, sind auf dem astatischen Ufer an Land gesetzt worden, um in Eilmär. schon noch der Bucht von Beseka sich zu be­geben, wo die Griechen eine Landung vornehmen wollen. Die türftschen Offiziere hoffen, innerhalb sechsunddreißig Stunden dort zweihunderttausend Mann versammeln zu können. Fünfunddreißig griechische Transport, schiffe liegen noch immer vor Mytelene.

Gefahr in den Dardanellen.

Konstantinopel, 22. Februar. (Pri- vat-Telegramm.) Ter heftige Sturm, der in den letzten Tagen in den Dardanellen wütete, hat sich gelegt, aber die starke Kätte halr

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