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EMer Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Cafleler Abendzeitung

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, 18. Februar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Nummer 63

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Grenze verlegt werden sollen. Ter Komman­deur des Korps in Wilna, General Rcnncn- kamp. soll das Generalkommando über diese Formation erhalten.

Konstantinopel, 17. Februar-

Die Türken hatten in der Niederlage bei Scharköj sechshundert Verwundete D,e Landung türkischer Truppen an der Küste des Marmarameercs ist größtenteils unmög­lich, da die zum Landen nötigen Pontons wegen der Neberladung der Schisse ins Was­ser geworfen wurden. Die Truppen und schütze des untergegangenen Dampfers, die ans die Inseln gerettet worden sind, kehren nach Konstantinopel zurück. Die türkischen Freiwilligen und die Griechen plünderten türkische Häuser, sodaß der Kriegsminister ihnen das Tragen der Uniform verboten hat, um einer Verwechselung mit regulären Trup­pen vorzubeugen. Die Kämpfe zwischen den türkischen Soldaten beider Parteien werden fortgesetzt. Bei Skutari haben die Türken die Montenegriner nach einem blutigen Sturm-Angriff zurückgeworfen. Die Monte­negriner hatten dreitausend Tote und

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das Wort ergriffen. Besonders bekannt ist die Rede, die er nach der Kaiserdepesche aus Swinemünde an den Prinzregenten von Bayern im Jahre 1903 im Reichstag ge­balten hat. Der Kaiser hatte in diesem Tele­gramm seiner Entrüstung über die Ablehnung der vom bayrischen Landtag geforderten Sum­me von 100 000 Mark für Kunstzwecke in sehr charfen Worten Ausdruck gegeben. Im Reichs­tag verwahrte sich Schädler namens des Zen­trums auf das Nachdrücklichste gegen diese Ein­mischung des Kaisers in die Selbsttätigkeit der Einzelstaaten. Der Verstorbene gehörte dem Reichstag seit 1890 an.

Protest gegen sein Sparsystem herausgefordert, und es läßt sich nicht leugnen: Die Millionen, die er auf diese Weiseerspart" und als Ge­winn der Postbilanz zuführen konnte, sind zum groben Teil die Millionen des Kummers und der Enttäuschung, erworben im Kampf mit Denen, die, getrieben von des Da­seins Not, um Besserung ihrer sozialen Lage rangen und ihrer Mühe Erfolg am schroffen Nein des höchsten Chefs scheitern sahen. Herr Kraetke spart: Er spart durch die Versagung längst als dringlich erkannter Reformen; er spart durch Heranziehung billiger weiblicher Arbeitskraft (durch die Tausende braver Beam­ten in Einkommen und Avencement bedrängt toerden) und er spart durch Verneinung dort, wo Bejahung unerläßlich wäre. Er tut s, weil er's als Pflicht erkennt, weil er in der Post nicht das Instrument des Verkehrs, sondern das werbende Unternehmen des Reichs erblickt, und Das (dünkt uns) ist eine Gefahr, die die Erklärungen des Generalpostmeisters vorm Reichstag nicht gemindert haben ...! F. H.

Botschafter von Flotow.

Der neue Botschafter am italienischen Hose ist am zehnten September 1862 in Felsenhagen geboren, ist somit einundfünfzig Jahre att. Er entstammt einer Familie des mecklenburgi­schen Uradels und ist ein Nachkomme des berühmten Komponisten derMartha . Zu An­fang der neunziger Jahre betrat er die diplo­matische Laufbahn, wurde 1892 Legations Sekre­tär in Washington, dann in Dresden und im Haag, wo er 1898 Legationsrat wurde Jahre 1900 rückte er zum ersten Sekretär aus, um noch im Juli desselben Jahres der Ge- andtschaft am päpstlichen Stuhl zuge­wiesen zu werden. Dort verblieb er bis zum Jahre 1904. In diesem Jahre ging Herr von Flotow als erster Botschaftssekretär nach Pa­ris wo er des öfteren den Botschafter zu ver­treten batte und 1907 den Titel und Rang ei­nes außerordentlichen Gesandten und bevoll­mächtigten Ministers erhielt. Von Paris wurde er 1908 nach Berlin in das Auswartige Amt berufen, wo er das Dezernat für Per­sonalien übernahm. Sowohl bei dem Fürsten B ü l o w als auch bei Herrn von Beto mann Hollweg nahm er eine besondere Vertrau­ensstellung ein.

Stephan und seine Srben.

Die Postetat-Kritik im Reichstag.

Der Benjamin des Deutschen Reichstags, Herr Karl Max Ludwig Hermann Wendel, den die Männer von Freiberg in Sachsen zum Wortführer im Parlament erkoren, hat bei der Beratung des P o st e t a t s im Hause Wallots eine jener Reden gehalten, die am Berliner Königsplatz abwechselndGroße Heiterkeit", Lebhafte Unruhe",Hört, Hört" undLautes Zischen" als Echo zu wecken pflegen, und Herr Kraetke, oer zurzeit des großen Stephan Erbe verwaltet, hat daraufhin erklärt, der junge Mann vom Main habe versucht, Scherze vor­zubringen, die keine Scherze seien, und er ver­zichte deshalb darauf. Herrn Wendel auf die­sem Weg zu folgen. Herr Kraetke ist ein Mann im grauen Haar und Herr Wendel liebkost noch die ersten Härchen auf der Oberlippe: Man kann es also der greisen Exzellenz nicht verar­gen, wenn sie weder Lust noch Neigung spürt, dem von den Freiberger Wahlbürgern zum Reichstag delegierten achtundzwanzigjährigen Sohn des Metzer Postsekretärs den Rekord der Heiterkeit-Erzeugung streitig zu machen. Die Kritik, die die Zustände in Kraetkes Reich er­fordern, kann nicht scherzend und spielend, son­dern nur sachlich und sachverständig geübt wer­den, und es bleibt, auch wenn man auf den Beifall der Galerie verzichtet, noch hinreichen­der und berechtigter Anlaß, mit dem Herrn Staatssekretär des Reichspostamts scharf und ernsthaft ins Gericht zu gehen. Herr Wendel hat weder der Sache noch der von ihm ver- treincn Partei genutzt, als er sich in muntern Scherzen produzierte, und es wäre wohl dien­licher gewesen, Geist und Witz am Problem der Verkehrs- und System-Verbefferung zu ver­suchen.

F Die Kritik unsrer Postverwaltung hat in den

Der neue Botschafter in Rom.

Statt Ionisch: Botschafter von Flotow.

Wir berichteten bereits vor einiger Zeit, daß eine schwere Erkrankung den zum Nachfolger des Staatssekretärs von Jagow als Botschafter in Rom ernannten Gesandten Freiherrn von Jenisch kaum instand setzen werde, seinen Posten in Rom in nächster Zeit antreten zu können. Inzwischen hat sich nun die Erkran­kung des neuen Botschafters sich derart ver­schlimmert, daß Herr von Jenisch seinen Ab­schied aus dem Reichsdienst erbitten mußte Dieser Abschied ist ihm bewilligt worden und anstelle des Erkrankten geht nun der bisherige Gesandte in Brüssel, von Flotow, als Bot­schafter nach Rom. Amtlich wird darüber fol­gendes bekannt gegeben:

Der bisherige preußische Gesandte in Darmstadt, Freiherr von Jenisch, der bereits für den Posten des kaiserlichen Bot­schafters in Rom bestimmt war, erkrankte Ende Januar an einem schweren Herz­leiden, das ihn nunmehr veranlaßte, seinen Abschied aus dem Reichs- und Staatsdienste zu erbitten. An seiner Stel­le ist der bisherige Gesandte in Brüssel, von Flotow, für den deutschen Bot­schafterposten in Rom austtsehen worden. Der neue Botschafter wurde erst vor drei Jahren zum Gesandten in Brüssel ernannt, welchen Posten er nun mit dem weit wichtige­ren des deutschen Botschafters am römitchcn Hofe vertauscht. Herr von Flotow ist mit der Gräfin Marie von Keller, der Witwe des tm russisch-japanischen Kriege gefallenen russischen Generals von Keller und Tochter des rusiifchen Fürsten Chawoskv, verheiratet, und gilt als tüchtiger und umsichtiger Diplomat.

; letzten Jahren sichtlich an Schärfe gewonnen: In Parlament und Oesfentlichkeit regt sich die Unzusriedenheit mit dem herrschenden System in immer schrofferer Form, und cs hat sich all­mählich die Ueberzeugung gefestigt, daß der Geist Stephans, der die Organisation des mo­dernen Postbetriebs schuf, heute völlig aus der Verwaltung seines Erbes verbannt ist und ein Betriebs- und Verwaltungs-System sich einge­bürgert hat, das den Bedürfnissen des Ver­kehrs mehr Hemmung als Förderung zuteil werden läßt. Die Klagen über die Mängel unsres Posibetriebs sind allgemein, die Devise Im Zeichen des Verkehrs" ist längst durch die ParoleIm Dienst des Reichs" ersetzt, und man hat das Empfinden, daß die Reichspostver­waltung nur noch von dem einen Gedanken beherrscht wird: Glänzende Abschluß-Ziffern präsentieren zu können. An sich ist dies Be­streben sicherlich nützlich und löblich, denn neben der Eisenbahn ist die Post das lvichtigste und rentabelste wirtschaftliche Betriebsunter­nehmen des Reichs, und ein Staatssekretär, der den Ertxag des Unternehmens nicht zu steigern verstände, würde ehestens der Erkenntnis zuge­führt werden, daß er seinen Beruf verfehlt babe Neben dem Wirtschafts-Interesse darf aber das V e r k e h r s - Bedürfnis nicht zu kurz kommen, wenn die Reichspost der ihr zu- gewiesnen Aufgabe gerecht werden soll, und arade hier, auf dem Gebiet, aus dem sich die Schöpferkraft und das Genie Stephans mit glücklichstem Erfolg entfalteten: Grade hier ha­ben seine Nachfolger am st ä r k st e n versagt, und Herr Kraetke (dem niemand die Anerken­nung versagen wird, ein pflichteifriger und emsiger Beamter zu sein) hört tagtäglich aus allen Winkeln des Reichs die Klage, daß seit dem Tag seiner Amtsübernahme die einseitig- bürokratische Betriebsmethode der Reichspost sich zum Merkmal des Systems herausgcbildet

Strantz-Expcdition am Sonnabend in einer Besprechung in Frankfurt a. M. wesentlich gefördert worden. Eine namhafte Summe für die Zwecke einer neuen Hilfsexpedition, die unter deutscher Oberleitung steht, aber mit einem norwegischenSchiffe ausgeführt werden soll, ist vom Grafen Zeppelin gestiftet worden.

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Scotts Untergang am Südpol.

London, 17. Februar. (Privat - Te­legramm.) Gegenüber den Erörterungen der Presse, ob es vielleicht doch möglich gewe­sen sei, Scott zu retten, hat soeben die Familie Scott eine Erklärung erlaßen, in der ausgeführt wird, daß sie überzeugt wu daß die Teilnehmer an der Expedition alles getan haben, um ein Unglück zu verhüten. Die Sammlung zugunsten der Hinterbliebenen hat bereits 250 000 Pfund Sterling ergeben. Of­fiziell wird mitgeteilt, daß erst bas Defalt der Expedition im Betrage von 750000 Pfund Sterling gedeckt werden muffe, ehe daran ge­dacht werden könne, die Angehörigen zu unter­stützen Eine Mitteilung des Begleiters ^costs des LcuMants Evans, besagt übrigens, daß'er'untrügliche Beweise in Händen habe, daß in früheren Zeiten ein milderes Klima ani Südpol herrschte, und die Expedition Scott speziell unter ungünstiger Witterung zu leiden hatte. *

Papers Sohn als Polfahrer!

Paris, 17. Februar. (Privat - Tele­gramm.) Wie der Figaro mitteilt,, bereitet der Geograph Julius Payer, ein Sohn des berühmten österreichischen Polarforschers Payer, der Franzose geworden ist, eine ark­tische Expedition vor, deren Zrel^ das von seinem Vaier entdeckte Kaiser Franz ofc. - land ist. Die französische Regierung

Deutsche Forscher in Gefahr! Die Nordpol-Expedition Schröder-StranH in Gefahr; die Hoffnung auf Rettung nnr gering; eine neue Hilfs-Expedition; Graf Zeppelin als Förderer der Hilfssxpedition.

Schon seit einigen Tagen lauten die Nach­richten über die Möglichkeit einer Rettung der deutschen Nordpol-Expedition Schröder- S t r a n tz (über deren Gefährdung im Eis des Pols wir wiederholt berichtet haben) sehr pes­simistisch, und es kann nach den heute aus Ehristiauia vorliegenden Depeschen keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die Expedition sich in einer weit gefahrvolleren Lage befindet, als bisher angenommen wurde, und daß die Hofftmng. ihr Hilfe bringen zu kön­nen, nur gering ist. Wir erhalten folgenden Drahtbericht:

Sm Eis des Nordmeers.

(Privat-Telegramm.)

Christiania, 17. Februar

Aus Spitzbergen wird der Christianiaer Zeitung gemeldet: Die deutsche Schröder: S t r a n tz - Expedition befindet sich in eine; außerordentlich kritischen Lage. Tic nor­wegische Hilfsexpcdition mußte wegen schwerer Schneestürmc und großer Kälte in der Dichson- bai wieder umkehren. Die Leute haben furchtbar gelitten; um das Leben zu retten, mußten Bclleidungsgcgenstände und Proviant zurückgelassen werden. Sieben Hunde sind ver­endet. Wenn noch Hilfe die deutsche Expedi­tion erreichen soll, muffen sofort frische Hunde von Norwegen nach Spitzbergen abgesandt wer­den. Die norwegische Expedition soll noch einmal den Versuch machen, den in Gefahr befindlichen Deutschen Hilfe zu bringen. In hiesigen mit den Polarverhältniffcn besonders gut vertranten Kreisen hält man übrigens die Aussichten für eine Rettung der Schrödcr- Strantz-Expedition auf Spitzbergen, nach dem Scheitern der letzten norwegischen Rettungs- expedition für s e h r g e r i n g. Wenn die Expe­dition nur einigermaßen Hoffnung auf Erfolg haben solle, so muffe man einen Norweger an die Spitze stellen, der mit den dortigen Verhältnissen vollständig vertraut ist. Die Treurerburg-Bucht (wo jetzt das Expeditions­schiff liegt) sei eine der gefährlichsten Stellen an der Nordküste Spitzbergens, die oft Jahre hindurch mit Packeis angefüllt sei. Weiter wird berichtet, daß die Ueberwinterung der Schröder-Strantzschcn Expedition bereits bei der A b r e i s e bestimmt gewesen sei. Die deutschen Teilnehmer seien hiervon auch ver­ständigt worden, während man die norwegischen Teilnehmer darüber in Unkenntnis gelassen habe. Inzwischen sind (wie uns ein weiteres ' Telegramm meldet) die Vorbereitungen zu , einer neuen Hilfsaktion für die Schröder-

Reichstagsadgeordneter Schädler t-

Der Tod des bayrischen Zentrumsführers.

Münch en,.17. Februar. (Privat- Telegramm.) Prälat Dr. Schad ler. Reichstagsabgeordneter des Wahl­kreises Bamberg, einer der bayrischen Führer des Zentrums, ist in der vergan­genen Rächt nach längerer Krankheit im Alter von einundsechzig Jah­ren an Herzlähmung gestorben. Mit dem Abgeordneten Dr. Schädler verliert das Zentrum eine seiner hervorragend­sten Persönlichkeiten. Schädler bezae m dec Reichstagssrattion sowie in der ^ralnon de- bäurischen Landtags (deren yudrer er vis zum vorigen Jahre war) besonders unter der demokratischen Anhängerschaft der Zen- irumspartei im Lande außerordentlichen Ein­fluß. In früheren Jahren hat er oft zur das Zentrum in den Etats- und Militardebatien

Rem Kämpfe am Staffan.

Rückzug der Bulgaren vor Tschataldscha?

Bei Tschataldscha und vor Adrianopel ha­ben in den letzten Zagen neue Kämpfe stattge­funden. Von bulgarischer Seite liegen über­haupt keine Meldungen vor, und die Türken berichten von Vorpostenplänkeleien und kleinen Vorstößen auf den beiden Flügeln an der Tschataldschalinie, die allerdings für die Türken g ü n st i g verlaufen sein sollen. D,e darüber vorliegenden türkischen Meldungen {affen erkennen, daß die Bulgaren sich auf dem Rückzug befinden, während die Türken Erfolge errungen haben. Wir verzeichnen die folgenden Draht-Meldungen:

Konstantinopel, 17. Februar.

Amtlich wird gemeldet: Die türkischen Ausklärungstruppen bei Tschataldscha setzen ihre Tätigkeit fort. Die Bulgaren sind auf den Höhen nordwestlich von Akalan ver­schanzt und versuchen durch heftiges Gesckmtz- feuer, den Vormaschder türkischen Aufklä­rer zu verhindern. Ein Detachement des tür­kischen linken Flügels rückte von Surgnukö, zwischen Siliwri und Kadiköj vor und zwang den Feind, auf Haradschi-Tschiftlik zu rück­zugehen. Bulgaren und Serben, etwa 50 000 Mann stark, sollen wiederholt S t ü r - w r aus Bnlair unternommen haben: die Angriffe wurden jedoch siegreich abge­schlagen. Die Bulgaren hatten angeblich 4000 Tote und Verwundete. Ein Freiwilligenkorps ist von Kalikratia nach Si­liwri marschiert und stieß in den Weinber­gen von Siliwri auf den Feind, der zu- rückgeworfen wurde.

habe.

Daß unter diesen Umständen der Staatsse­kretär im Reichspostamt bei der Reichstags- Debatte über seinen Etat das harte SSart Plusmacherei" hören mußte, kann nicht über­raschen. Herr Kraetke ist bestrebt, den Milli- onen-Erirag des Postbetriebs nach Kräften zu steigern: er widerstrebt jeder Reform, die die­sen Ertrag um eines Kupferpfennigs Bruchteil mindern könnte, ohne Rücksicht darauf, daß der moderne Verkehr an die Leistungsfähigkeit der Postverwaltung Anforderungen stellt, die in den Tagen Stephans noch nicht geahnt (und demgemäß in der Struktur der technischen Or- ganisatton auch nicht berücksichtigt) werden konnten, und er müht sich, ein Meister der Spar­samkeit, den Betrieb' in seinem technischen und personalen Apparat so billig als möglich zu ge- statten. Auch Das ist löblich, führt aber leicht zur Ueberspannung des Bogens und läßt Not­wendigkeiten übersehen, die nicht ohne weite­res dem Blickbereich entrückt werden dürfen. Grade in P ers onalfr a gen hat Herr Äraette die Kritik wiederholt zum schärfften

Verwundete.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt in ihrer Wochenumschau über die Lage am Balkan: Auf dem Kriegsschauplatz in Thrazien brachte die abgelaufene Woche kerne Ent­scheidung. Auch aus den neuerlichen Mit­teilungen türkischer Würdenträger war für die Mächte keine Handhabe zu entnehmen, die es ermöglichte, mit Aussicht auf Erfolg bei den kriegführenden Regierungen die Niederle- anng der Waffen zu befürworten. Die Mächte bleiben aber bereit, jeden geeigneten Anlaß zu vermittelnden Schritten zu ergreifen.

Neue Rüstungen Oesterreichs.

Wien, 17. Februar. (Privat-Tele­gramm.) Gestern fand unter Vorsitz des Grafen Bcrchtold ein gemeinsamer Minister- rat statt, der sich hauptsächlich mit t>en durch die permanente Krisis bisher aufgetaufenen Koste» sowie mit den in Zukunft zu erwarten­den Ausgaben befaßt ist. Wie von unterrich­teter Seite verlautet, gilt es schon jetzt als sicher, daß von der nächsten Delegation, die nach Ostern Aufamwentritt, noch vierhundert Millionen Kronen für neue Rü­stungen gefordert werden. Tie bisherigen Mehrausgaben werden aus etwa dreihundert Millionen Kronen geschätzt.

Ruffische Korps an der Grenze.

Krakau, 17. Februar. (Privat-Te- legramm.) In den Grenzbezirten wird die niffifchc Mobilisierung mit allem Eifer fortgesetzt, und cs steht fest, daß neuerdings f ü n f r u s s i f ch c K o r p s an die österrcichisch-