Einzelbild herunterladen
 

Hessische Abendzeitung

Casseler Abendzeitung

3. Jahrgang

Fernsprecher 951 und 952.

Mittwoch, 12. Februar 1913

Fernsprecher 951 und 952.

Numnrer 58

Angehörigen des Heeres handeln.

Hilfe für SchrSder-Strantz!

***

warf

Terranova-Expediton gelungen, Aufzeichnungen ihrer auf dem Felde der Ehre gebliebenen Ka­meraden zu retten, da sonst das Datum der Erreichung des Südpols durch Scott nicht hatte ermittelt werden lönnen. Auf eine Mitteilung der Königlich Geographischen Gesellschaft, in der dem K ö ni g der Tod deö Kapitäns Scott und vier seiner Begleiter bekannt gegeben wurde, sandte KönigGeorg folgende Antwort: Ich bin tief betrübt über die schlimme Nachricht, tue Sie mir von dem Verlust des Kapitäns Scott und vier seiner Begleiter gegeben haben, ge­rade als wir hofften, sie binnen kurzem nach ihrer Rückkehr von ihrer großen und schwierigen Unternehmung in der Heimat willkommen hei­ßen zu können. Ich drücke der Königlich Geo­graphischen Gesellschaft mein herzlichstes Beileid aus über den Verlust, der die Wis­senschaft und die Forschung durch den Tod die­ser tapferen Forscher betroffen hat. Senden ^.re mir bitte weitere Einzelheiten. (Einen Um­gebenden eigenen Drahtb«richt über das Schicksal der Scott'schen Expedition finden unsere Leser unter den Letzten Telegram­men auf der dritten Seite.)

Berlin, 11. Februar. (Privat-Tele- gr a m m.) Unter dem Vorsitz des Hofmarschalls von Breftenbuch hat hier eine gemeinsame Sitzung des Berliner und Frankfurter Hilfs- ko m i t e e s für die deutsche Erpedfiion S ch r ö. der-Strantz im Polareis stattgefunden. Der Frankfurter Vorschlag, eine Hilfsexpedition nach der Nordwestecke von Spitzbergen auszurüsten, und von dort aus Schlittenreisen zu unterneh­men, wurde angenommen. Es ist beabgchtigt, sobald die nötigen Mittel flüssig sind, ein Schiff zu chartern oder anzukaufen und Anfang März die geplante Erpedition anzutreten. Man hofft, auf diese Weise der gefährdeten deutschen Ex­pedition noch rechtzeitig Hilf« bringen zu

Die Casseler Nsurfen Nachricht« «scheinen wöchentlich sechsmal und M>ar abend». D« AdonneinentSpretS beträgt monaütL <0 Psg. bet frei« Zustellung in» Haas. B-ste^ng-n werden jederzeit von der Äeschästsstelle ob« den Boten entgegengenommen. Druckerei, Berlag und Redaktion: Schlachthofstraße 28,30. Sprechstunden der Redaktion mir von 7 bi» »Uhr abends. Sprechstunden der Auskunft. Stelle: Jeden Mittwoch und Freitag von «bis 8 Uhr abends. Berliner Vertretung: 8W Jriedrichstr. 18, Telephon: Amt Morchplatz 12o84.

der Familien folgen und zwar durch die Ver­lobung der Prinzessin Olga von Cumberla-ck mit einem Sohn des Kaiserpaares; nach der einen Lesart würde dies Prinz Oskar, nach der anderen Prinz Joachim sein. Nach neueren !Bestimmungen reist der Kaiser heute allein nach Berlin. Die Kaiserin und Prinzessin Vik­toria Luise bleiben einen Tag länger hier; sie treften am MUtwoch früh wieder in Berlin ein.

Gin Mtbad in Tokio.

Volksaufruhr und Straßenkämpfe.

(Privat-Telegramm.)

Tokio, 11. Februar.

Die Suspendierung des sapanischen Parlaments auf drei weitere Tage hat hier einen Aufruhr hervorgerusen. Eine riesige Menschenmenge durchbrach gestern den Po- lizetkordon vor dem Parlamentspalast und stürmte ein ZeituugSgebäude. Tie Ange-

London, 11. Februar.

Die Unglücksbotschaft erregt in London, wo Scott, einer der populärsten unter den englischen Polarforschern, viele Freunde hatte, großen Schmerz. Frau Scott ist ihrem Manne, um ihn in die Heimat abzu­holen, nach Reu-Seeland entgegengefahren und dürfte sich jetzt auf halbem Wege zwischen San Franzisco und Australien befinden. Die Partie, die Scott zum Pol begleitete, bestand aus vier Männern: Dr. Wilson, Kavalle­rie-Hauptmann O a t e s, Leutnant B o - wers und Schiffsunteroftizier Evans. Die letzte Nachricht von Scott selber war am ersten April vorigen Jahres eingegangen; die Terra Nova" wollte ihn damals zurück­holen, brachte aber von Scott die Nachricht zurück, daß er beschlossen habe, noch einen Winter in der Nähe des Südpols zu ver­leben.

Das alles waren Dinge, die einen sichern Blick in kommende Ereignisse gewährten. Es ist an­zunehmen, daß die Form des offiziellen Ver­zichts des Cumberländers auf den Hannover­schen Thron bereits gefunden ist, damit das Anrecht des jungen Prinzen Ernst August auf denBraunschweigischen Thron feststeht. Noch aus rin Schreiben des Herzogs Ernst August von Cumberland lehnte der Kaiser in seiner Antwort vom sechsten Oktober 1906 ab, als berufener Hüter der Interessen des Reiches zu einer Neu­ordnung der Regierung in Braunschweig die Hand zu bieten, solange die Sach- und Rechts­lage, die zu dem Bundesratsbeschlusse vom zweiten Juli 1885 geführt habe, unverändert fortbestehe. Durch welche Zugeständnisse und Nachgiebigkeiten die Verständigung jetzt erfolgt ist, werde wir wohl bald erfahren. Jedenfalls scheint ein dynastischer Strettzustand beendet zu werden, der seit dem Frieden von 1866 herrschte und manche Schatten auf die innerpolitischen Verhältnisse der Bundesstaaten

Bedeutung des Scott'schen Erfolgs wird erst dann ein Urteil möglich sein, wenn Einzel­heiten über seine Entdeckung des Sudpols I vorliegen Der Norweger Amundsen hat den Südpol nur kurze Zeit vor dem Eintreffen Scotts entdeckt, und es ist doppelt tragisch, daß Scott, der, am Ziel angelangt, bereits das Siegeszeichen Amundsens vorfand, auf der Rückkehr von seiner erfolgreichen Fahrt ein Opfer der Polforschung geworden ist, wäh­rend Amundsen vom Schicksal glücklich zurück-1 geführt wurde. Wir verzeichnen nachstehend noch die weiter vorliegenden Meldungen über das Schicksal des kühnen Polfahrers und seiner vier Genossen.

Scott am Südpol.

Scotts Erfolg und Untergang.

(Privat-Telegramm.)

London, 11. Februar.

Aus Oamaru in Neuseeland erhielt gestern dieCentral News" die Nachricht, daß dort ein i Bericht von der britischen Südpolexpedition Scott eingetroffcn sei, der die Trauerbotschaft bringe, daß Scott und seine vier Begleiter umgckommen seien. Scott hatte sich am vierten Januar des vergangenen Jahres, gut verproviantiert, von seinem Begleiter Leutnant Evans getrennt, um den letzten Vorstoß gegen den Südpol zu unternehmen. In einer Begleitung befanden sich Dr. Wilson, der Chef des wissenschaftlichen Stabes der Expe­dition, Rittmeister Oates von den Jnnis-Ku- ling-Dragonern, Leutnant Bowres von der in­dischen Marine und Unteroffizier Ewans von der englischen Marine. Scott schrieb in seinem Bericht, den er dem Leutnant Ewans im ver­gangenen Jahre gleich nach seiner Trennung von ihm zukommen ließ, folgendes:Bisher haben sich alle Vorbereitungen, die wir getrof- sen haben, als außerordentlich befrie- d i g e n d erwiesen. Es ist mehr als wahrschein­lich, daß weiter keine Nachricht von uns in die­sem Jahre in die Welt dringen wird, da un­sere Rückkehr sehr spät erfolgen wird." Wenn es richtig ist, daß der kühne Forscher bereits am achtzehnten Januar

den Pol erreicht

Irr Friede bon Karlsruhe.

Zoller« und Cumberland versöhnt!

Die Aussöhnung zwischen Hohenzol- lern und Welfen zu einer Zeit, in der unter den Gegnern Deutschlands bei kriegerischen Ver­wickelungen, und namentlich für den Fall deut­scher Niederlagen, auf die innere Zwietracht gerechnet wurde, wird im Deutschen Volk und auch bei den Deutschen Oesterreichs freudig be­grüßt. Mancherlei Schwierigkeiten, die bei den früher« Versuchen, einen Ausgleich der Ge- , gensätze zwischen Preußen und dem Herzog von Cumberland zu schäften, nicht zu beseitigen wa­ren, werden durch eine Verbindung eines Wel- fensprossen mit einer Hohenzollernfürstin leicht überwunden. Wie Schleswig-Holstein durch die Vermählung des Kaisers mit der Augusten­burgerin für alle Zeiten mit Preußen verkettet ist, so wird auch Hannover außer durch den Vollzug eines Staatsakts durch Familien­bande eng mit der Hohenzollernkrone verknüpft. Die geschichtliche Entwicklung bat ihren Lauf genommen, und auch dis persönlichen Er­bitterungen, die teilweise in hannoverschen Landen zurückgeblieben waren, werden ver­schwinden, denn sie entbehren nunmehr ihrer natürlichen Begründung. Durch die Verlobung der Prinzessin Viktoria Luise von Preußen mit dem Prinzen Ernst August von Cumberland wird auch die braunschweigische Thron­folge endgiltig geregelt werden. Hebet die Be­rechtigung der Ansprüche der Familie Cumber­land auf

de« braunschweigischen Thron konnte ein Zweifel nicht obwalten, und sie ist auch von den Bundesfürsten stets anerkannt worden. Es fehlte schon seit längerer Zeit nicht an Zeichen, daß man hüben wie drüben mit einer künftigen Thronbesteigung des jungen Herzogs von Cumberland rechnete. Daß die Aussöhnung zwischen Hohenzollern und Welsen in einen Augenblick fällt, in dem sich allem An­schein nach eine englisch-deutsche An­näherung vollzieht, ist doppelt bemerkens­wert. Man darf ein sicheres Zeichen darin er­blicken, daß von London aus der Vermählung des jungen Herzogs von Cumberland (dessen Vater auch den Titel eines Königlichen Prinzen von Großbritannien und Irland führt) der Se­gen erteilt werden wird. Durch das englftche Königshaus bestand bereits eine Verwandt­schaft der Hohenzollern mit den Cumberlandern in weiterem Sinne, doch wird jetzt ein enges Familienband gezogen werden. Der im Jahre 1908 erfolgte Eintritt des Prinzen Ernst August von Cumberland in ein bayerisches Reiterregi­ment ließ bereits darauf schließen, daß eine Aussöhnung zwischen Hohenzollern und Welfen im Werke sei. Bei dem herzlichen Verhältnis, das zwischen dem bayerischen Königshof und dem Kaiserhaus besteht, ist auch von München aus seit Jahren an dem Ausgleich zwischen Welfen- und Hohenzollernhaus mitgewirkt wor­den. Die Pflege altbraunschweigischer Erinne­rungen durch die maßgebenden Stellen, die Wie­derzulassung der Fürbitte für das

Hq«s Braunschweig-Cumberland im braunschweigischen Kirchengebete, die Wie­dereinführung der blau-gelben Lanzenfähnlein, die Einrichtung eines Schulfeiertages am Tage von Quatrebras, die Versetzung eines Denk­mals des Herzogs Wilhelm aus dem Privat park auf den Marktplatz von Blankenburg:

Das Ende der Scott'schen Expedition ist umso tragischer als nach den vorliegenden Meldungen nickt daran gezweifelt werden kann, daß Kapitän Scott den Südpol tatsächlrch_er- reicht hat. Was aus dem Schicksal der übri­gen Expeditionsteilnehmer geworden ist, steht noch nicht fest. Wahrscheinlich ist, daß Kapi­tän Scott, der mit nur vier Gefährten den neuen Vorstoß zum Pol unternommen, be­stimmte Dispositionen für den Rest der Expe­dition getroffen hat und daß noch nähere Nach­richten über das Schicksal der übrigen Expedi-, tions-Teflnebtner zu erwarte« sind, lieber die können.

=tofertton»nretfe- Die sechSgespall-n- Zeile für einheimisch- ©efdjafte !> W- >ur« roärttße Inserate 25 Pf Reklame,«tle für einheimische Geschäfte 4 > W, fat Geschäfte m Pf. Einfache Beilagen für die Gesamtauflage werden mit »Mark pro Tausend be rechnet. Wegen ihrer dichten Berdreitmig in d« Restden, und der Umgebung find bi SoFfeler Neuesten Nachrichten ein vorzügliches JnsertionSorgan. Seschasts^telle: Kölnische Ttratze 5. Berliner V-rtNtung: SW., Jriebrichstratze 16, Telephon: Amt Mor.tzplag 128S1

Ein Südpol-Drama

Wie Depeschen aus Neuseeland melden, hat der engttsche Südpol- Fahrer, Kapitän Scott, den Südpol am achtzehnte« Januar 1912 er­reicht. Auf der Rückkehr zur Basis wurde die Expedition durch eine« Schneesturm verschüttet. Scott und seine Begleiter kamen ums Leben. Scott hat den Südpol nach dem Norweger Amundsen er­reicht. Einzelheiten über den Untergang der Expedition fehle« noch.

Ein neues Spionage-Gesetz.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 11. Februar.

Die beabsichtigte Verschärfung der deut­schen Spionagegesetzgebung, die Staatssekretär Dr. Lisko am Sonnabend im Reichstage ange- kündigt hat, beruht auf Anträgen der Militärverwaltung, die diese im Herbst des Vorjahres bei der Reichsjustizverwaltung gestellt hatte. Die Militärverwaltung hat sich in diesem Anträge für eine ganz außerordent­liche Verschärfung des Spionagegesetzes ausgesprochen und erklärt, daß die Neuordnung der Materie durch das neue Strafgesetzbuch zu lange Zeit in Anspruch nehmen würde. Der neue Entwurf des Spionage-Gesetzes soll dem Reichstag bereits im nächsten Winter zugehen.

So hat nun auch Kapitän Scott, bei po­pulärste unter den Polfahrern Englands, sei­nen wagemutigen Forschereifer im Dienst der Wissenschaft mit dem Leben bezahlen müssen und die Opferliste der Pol-Tragödien ist um eine Katastrophe im Bann des ewigen Eises reicher. Scott hat den Triumph seiner mit un­ermüdlichem Eifer fortgesetzten Arbeit erleben dürfen: Er hat den Pol entdeckt; nicht als erster Mensch, der die Eiswüsten der Pol- Region überwunden; aber als Mitbewerber und Mitstreiter des Norwegers Amundsen, der vor ihm im Eis des Pols Norwegens Flagge gehißt. Scott fand am Ziel seines Strebens Amundsens Siegeszeichen, und er wäre, wenn er hätte heimkehren dürfen von der Fahrt durch Nacht und Eis, des kühnen Norwegers Erfolg­zeuge gewesen. Das Schicksal hat cs anders gewollt: Scott und seine Getreuen sind als Opfer der Polforschung gefallen und Schnee u. Eis begraben das Geheimnis ihres Erfolgs für ewige Zeiten in der Stille der düster« Wildnis im fernsten Winkel des Planeten. Hebet das Ende der Erpedition Scotts liegen uns folgende Drahtmeldungen vor:

London, 11. Februar-

Nachdem gestern durch Nachrichten aus Neu-Seeland über die stark verfrühte Rück­kehr des SchiffesTerra Nova" bereits Be- fürchtungen wegen des Schicksals von K a - pitän Scott wach geworden waren, brachten heute Telegramme derCentral News"-Agentur die Gewißheit von der Ka­tastrophe. Die Telegramme sind aus Oamaru an der Oflküste der südlichen Insel von Neu-Seeland datiert, wo dieTerra Nova" erst in sechs Wochen mit Scott an Bord erwartet wurde. Die Meldungen be­sagen, daß Scott den Südpol mit einer kleinen Schar von Begleiter« am achtzehnten Jamtar vorigen Jahres erreicht hat, daß er auf der Rückkehr in einen Schnee sturm geriet und daß dabei alle Marschteil­nehmer umkamen.

London, 11. Februar.

Das ExpeditionsschiffTerra Nova" kam gestern mit der Hiobspost einen Monat frü­her als geplant war, in Oamaru auf Neu- Seeland an. Scott hatte die Absicht, mit fünfzehn Gefährten das Hauptlager zum letzten Vorstoß nach dem Pol zu verlassen. Von ihnen sollten drei Gruppen je zu vier Mann in bestimmten Abständen vor Errei­chung des Poles zurückkehren. Wenn dieses Programm eingehalten wurde, wären vier Menschenleben verloren. Frau Scott befindet sich auf hoher See zwischen San Franzisko und Wellington auf dem Wege nach Neu-Seeland, wo sie ihren Gat­ten treffen wollte. Man fand bei Kapitän Scotts Leiche Aufzeichnungen, wonach er am achten Januar 1912 Kapitän Amundsens norwegische Flagge auf dem Südpol fand.

Noch eine zweite Verlobung?

Prinz Oskar und Prinzessin Olga.

Karlsruhe L B 11. Februar. (Pri­vat - Telegramm.) Ter Verlobung des Prinzen Ernst August mit der Prinzessin Vik­toria Luise soll nach einer zuverlässige« Infor­mativ« spifte» äne »weite Verbind una lei-

Rene Svionase-Mören!

Zwei sensationelle Verhaftungen.

Die Spionage, die sich zu einer Art Zeit-Krankheit" ausgebildet hat, scheint wieder zwei Affären heraufbeschworen zu haben, deren Endwirkungen sich zwar noch nicht ab­schätzen lassen, die aber mit Rücksicht auf die Personen, die darin verwickelt sind, peinlichstes Aufsehen erregen. Es handelt sich um eine Spionage- und eine Hochverrats-Affäre, deren Einzelheiten allerdings noch nicht aufgeklärt sind, und die Personen, um die cs sich dabei handelt, gehören in beiden Fällen dem Heere an. Die Untersuchung zur Aufhellung des Tat­bestands wird streng geheim geführt, und es sind bereits zahlreiche Zeugen-Vernehmun- gen in beiden Aftären erfolgt. Wir erhalten folgende Draht-Meldungen:

Berlin, 11. Februar.

Unter dem Verdacht der Spionage soll in Spandau ei«Zeugossizier,derzur dor­tigen Munitionsfabrik kommandiert ist, in dem Augenblick verhaftet worden fein, als er einen ihm bewilligten Urlaub antretc« wollte. Bei einer Revision in der Munitions­fabrik soll das Fehlen von wichtigen Koustruktionsteile« bemerkt worden fein, deren Geheimhaltung im Interesse der Landesverteidigung notwendig crfcheint, und für deren Verlust man den verhafteten Offi- zier verantwortlich machen will. Die Militär­behörde« beobachten über den neuesten Spio- «agefall strengstes Stillschweigen.

Berlin, 11. Februar.

Eine Affäre, die in beteiligten Kreisen großes Aussehen erregt, beschäftigt zurzeit die Berliner Justizbehörde. Das Mitglied einer sehr bekannten preutzischenOfsiziers- familie wurde in der Mitte der vergange­ne« Woche unter dem Verdacht des Hochverrats verhaftet und in das Unter­suchungsgefängnis eingeliefert. Der Verhaf­tete soll jedoch später gegen Hinterlegung I einer hohen Kautionssumme wieder aus der Haft entlassen worden sei«. Die Angelegen- beit wird mit der größte« Diskretion behan- deft; cS verlautet indessen, daß der Vorfall in Berliner Militärkreisen größte Er­regung hervorgeruftn hat. Der Name des

hat, so hat et für die letzten hundertfünfzig Mei- Schuldigen wird geheim gehalten.

len nur vierzehn Tage gebraucht, eine Stiftung,| zzo« privater Seite erhalten wir zu vor- dic für die Antartik außerordentlich zu nennen sehenden Meldungen noch folgende ergänzenden ist Anscheinend ist es den Mitgliedern der Nachrichten: Bei der in Spandau spielenden '- Spionage-Affäre handelt es sich um das Ver­

schwinden wichtiger Teile einer neuen Ge­schütz-Konstruktion, die in der Span­dauer Munitionsfabrik erst erprobt werden sollte. Für welche Macht der verhaftete Zeug­offizier die ihm zur Last gelegte Spionage be­trieben hat, konnte noch nicht festgestellt werden, da der Verhaftete jede Schuld bestreitet und be­hauptet, durch einen unglücklichen Zufall in den Verdacht der Spionage geraten zu sein. In dem Berliner Falle soll es sich um einen früheren